Prag: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 1)

Drei Biergläser gefüllt mit Staropramen

Wenn es um den Bierkonsum pro Kopf geht, hat Tschechien die Nase weit vor allen anderen europäischen Ländern. Das kann eigentlich nur bedeuten, dass tschechisches Bier besonders bekömmlich sein muss. Um diesen Umstand einem Praxistest zu unterziehen, habe ich mich auf die Reise gemacht und – beginnend mit Prag – den drei größten Brauereien des Landes (Staropramen, Pilsner Urquell und Budweiser Budvar) einen Besuch abgestattet.

Karte zeigt Prag in Tschechien

 

Blick auf die beleuchtete Karlsbrücke in Prag

PRAG (PRAHA)

FAKTEN

Reisezeit: August 2016 (1 Tag)
Anreise:
Mit dem Zug direkt von Wien Hauptbahnhof nach Prag Hauptbahnhof (Praha hlavní nádraží) (3:59h)
Unterkunft:
Hotel Motel One Prag (gute Lage mit 10 Minuten Gehweg vom Bahnhof oder mit der Metro C eine Station bis Florenc, kleine Zimmer, dennoch nicht eng, modern, elegant, sauber, schönes Bad, gratis WLAN)

Weitere Stationen dieser Reise

Budweis habe ich mit Prag und Pilsen kombiniert, die Reiseberichte dazu könnt ihr hier lesen:

Pilsen: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 2)

Budweis: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 3)

 

Hinweis

Ein einziger Tag ist für eine Großstadt wie Prag natürlich viel zu wenig. Da ich allerdings schon mehrmals zu Besuch war, konnte ich mich großteils auf weniger touristische Bereiche konzentrieren. In den nächsten Monaten werde ich einen eigenen ausführlichen Artikel über Prag veröffentlichen, der dann auch an dieser Stelle verlinkt wird.

 

Brauerei Staropramen (Pivovar Staropramen)

1869 gegründet, befindet sich die heute zweitgrößte Brauerei etwas abseits der Innenstadt im Stadtteil Smíchov. Die Anreise ist dennoch unkompliziert: entweder fährt man mit der gelben Metro B bis Anděl (und dann zu Fuß) oder mit den Straßenbahnen 6, 12, 14 oder 20 bis zur Station Na Knížecí direkt vor die Brauerei. Der Eingang zum Besucherzentrum befindet sich in der Seitengasse Pivovarská. Auf den ersten Blick wirkt der Empfangsbereich nett gestaltet mit einigen interessanten Ausstellungsstücken. Man freut sich auf die Führung, die 200 CZK (rund 7 EUR) kostet und ein kleines Bier im Kellerlokal beinhaltet. Die Tour selbst hat sich dann allerdings eher als nüchtern herausgestellt: man ist als Gruppe ohne Führer durch die interaktive Ausstellung unterwegs, wird mittels Lautsprecher sowie Filmen über die Geschichte der Brauerei informiert und anschließend akustisch von einem Raum zum nächsten gebeten. Vom echten Brauereibetrieb ist hier nichts zu sehen, aber immerhin bekommt man das historische Sudhaus zu Gesicht, in dem früher das Bier gebraut wurde. Nach etwas mehr als 30 Minuten ist der Spuk auch schon wieder vorbei und man endet in besagtem Kellerstübchen, in dem das im Eintrittspreis enthaltene Bier eingelöst werden kann. Fazit: ein nettes Erlebnis ohne einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Bierkostproben in Prag

Im Kellerlokal der Brauerei stehen vier Sorten Staropramen vom Faß zur Auswahl: helles Schankbier mit 5,0 % Alkohol (Premium), schwarzes Lagerbier mit 4,4 % Alkohol (Černý Ležák), dunkles Lagerbier mit 5,0 % Alkohol (Granát) und unfiltriertes Helles mit Weizenmalz unter Zusatz von Apfel-Extrakt mit 5,0 % Alkohol (Nefiltrovaný). Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan von Staropramen, da das Bier einen herben Nachgeschmack aufweist. Wenn ich mich entscheiden muss, ist mein Favorit das unfiltrierte Lager, das weit entfernt an das österreichische Zwickl erinnert. Rückblickend war die erste Brauereibesichtigung der kurzen Tschechien-Rundreise wenig berauschend (im wahrsten Sinne des Wortes), aber das Niveau der Biertour sollte sich in den nachfolgenden Städten noch steigern. 🙂 Die weiteren verkosteten Biere in unterschiedlichen Lokalen in Prag: Radegast (helles Zapfbier, süffig), Velkopopovický Kozel (dunkles Lagerbier, leicht bitterer Geschmack)

Fotospots

 

Laurenziberg (Petřín)

Nach der Brauereibesichtigung gelangt man mit den Straßenbahnlinien 6, 12 oder 20 schnell zur Station Újezd, an der sich die Talstation der Petřín-Standseilbahn (Lanová dráha na Petřín) befindet. Mit ihr fährt man über eine Mittelstation schließlich zur „Bergspitze“ (327m hoch) des voll bewaldeten Hügels, auf dem sich zahlreiche interessante Plätze und Sehenswürdigkeiten befinden – wer Zeit hat, kann dort also sicher einige Stunden verbringen. Nach einem kurzen Fußmarsch von der Station sieht man schon den Aussichtsturm, der dem Pariser Eiffelturm nachempfunden ist und eine herrliche Aussicht zulässt (ich habe ihn bei diesem Besuch nicht bestiegen). Ein kleiner Stand unter dem Turm bäckt süße Baumkuchen (Trdelník) direkt über Grillkohle. Gleich daneben wartet ein Kiosk mit kaltem Bier und gegrillter Wurst auf –  auf einer der zahlreichen Parkbänke lässt sich dann das Geschehen rundherum ideal beobachten. Vom Laurenziberg bin ich dann zu Fuß in Richtung Prager Burg stetig bergab gegangen, was wunderbare Blicke auf eines der Wahrzeichen Prags zulässt. Unten angekommen hatte ich den Platz Malostranské náměstí mit der St.-Nikolaus-Kirche (Kostel sv. Mikuláše) vor mir, die leider schon geschlossen hatte.

Tipps

In Prag kommt es öfters vor, dass man an einer Straßenbahnstation steht, an der mehrere Linien verkehren und zusätzlich Weichen darauf hindeuten, dass die Bahnen unterschiedliche Wege ansteuern. Wenn man wie ich dann zwar weiß, dass man geradeaus fahren muss, aber nicht sicher ist, welche Linien das auch tun, hilft ein schneller Blick auf die Haltestellentafeln. Dort zeigt ein Pfeil neben den Liniennummern an, ob die Bahn abbiegt oder geradeaus weiterfährt.

Die Schlange an der Standseilbahn war bei meinen Besuchen immer relativ lang, wovon man sich aber nicht abschrecken lassen sollte. In die Wagen passen relativ viele Leute, sodass man nach 10-20 Minuten Wartezeit an der Spitze des Petřín ankommt. Die Bahn gehört übrigens zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, deshalb reicht ein Einzelfahrschein bzw. ein Tagesticket für die Fahrt).

 

Fotospots

Bei der Standseilbahn lohnt es sich, vor der Fahrt nach oben ein paar Schritte bergauf zu gehen, um die Bahn ungestört entlang des Zauns fotografieren zu können.

Im Aria Hotel (Tržiště 368/9) gibt es ein Dachterrassen-Restaurant mit tollem Blick auf die St.-Nikolaus-Kirche. Die Preise sind sehr hoch, aber ein Espresso geht zur Not immer und man wird mit einem super Foto belohnt. Wer nichts bezahlen will, kann alternativ auch im Hotelgang vor dem Aufgang zur Terrasse (letzter Stock) durch ein offenes Fenster fotografieren.

Auf dem Platz Malostranské náměstí mit der St.-Nikolaus-Kirche lassen sich die vorbeifahrenden Straßenbahnen super als Vordergrundmotiv nützen.

 

Der Kampf durch die Altstadt

Prag ist wunderschön und traumhaft – das zeigt sich schon nach der Ankunft am Hauptbahnhof, wenn man einen Abstecher in die historische Bahnhofshalle macht. Bewegt man sich dann Richtung Altstadt, wird es jedoch oft schwer, das Prunkvolle der Stadt auch zu genießen. Schon untertags ist man von Tausenden Besuchern und Einwohnern umgeben. Besonders schlimm fühlt es sich aber an, wenn es Abend wird und die Stadt zu leuchten beginnt: eine wahre Traube an Touristen schiebt sich dann durch die teils engen Gassen. Wenn möglich, sollte man Prag nicht in der Haupturlaubszeit besuchen, sondern im Frühling oder Herbst. Wer die Karlsbrücke (Karlův most) halbwegs leer erleben will, kommt am besten sehr früh zum Sonnenaufgang – dieses Erlebnis steht bei mir noch aus. In der Innenstadt gibt es eine besonders kuriose Gasse an der Adresse U Lužického semináře 100/24. Ein namenloser Durchgang zur Moldau ist derart schmal, dass eine Fußgängerampel regelt, wer nach oben und nach unten gehen darf. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Feuergasse aus dem Mittelalter mit dem Zweck, dass sich ein Brand nicht so schnell von einem Haus zum nächsten ausbreiten konnte. Am Ende des Gässchens findet man einen Wahnsinnsblick auf die Karlsbrücke vor – ansonsten handelt es sich aber um eine Sackgasse, die in einem Touristenrestaurant mündet. Einen Besuch des Lokals empfehle ich auf keinen Fall! Wer mutig ist kann versuchen ein Foto zu schießen, ohne von einem Kellner an einen Tisch „gezwungen“ zu werden. 😉

Fotospots

Die historische Bahnhofshalle am Hauptbahnhof ist leicht zu finden: nach der Ankunft muss man von den Bahnsteigen durch einen langen Gang in die neue Ankunftshalle gehen – dabei sieht man die historische Halle bereits, wenn man den Blick nach oben wirft. Danach einfach auf die Wegweiser achten, auf denen die Halle mit einem eigenen Symbol vertreten ist. Ein Klavierspieler hat die Architektur vor Ort gleich nochmal stärker wirken lassen.

Wer der Masse an Menschen auf der Karlsbrücke entgehen will, kann das Wahrzeichen alternativ von der nächstgelegenen Brücke Mánesův Most ablichten. Von dort sieht man auch sehr gut auf die Prager Burg.

Zwischen der Karlsbrücke und der Brücke Mánesův Most schwimmen am Ufer Dutzende Schwäne und andere Wasservögel. Gemeinsam ergibt das mit Blick zur Karlsbrücke und eingerahmt von Bäumen ein kitschiges Erinnerungsfoto.

 

Allgemeine Tipps

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind in Prag eine ausgezeichnete Art und Weise, sich neben einem Fußmarsch fortzubewegen. Relevant sind die Metro und die Straßenbahnen, Busse sind nicht unbedingt notwendig. Eine Einzelfahrt kostet für 30 Minuten 24 CZK (0,90 EUR), eine Tageskarte 110 CZK (4 EUR). Netzpläne für U-Bahn und Straßenbahn findet man auf der Seite ropid.cz. Die Prager U-Bahn-Stationen bietet für Fotografen auch viele interessante Motive.

Kulinarisch gibt es Unmengen an Restaurants und Gaststätten mit traditionell böhmischer Küche. Grundsätzlich gilt: alles abseits der Touristenpfade ist vorzuziehen – das Bier kostet plötzlich nur noch 35-45 CZK (1,30-1,60 EUR) statt rund 70 CZK (2,50 EUR) und man kann sich relativ sicher sein, nicht von den Kellnern beim Trinkgeld über das Ohr gehauen zu werden. Sehr gut gegessen habe ich in den Lokalen Restaurace Havlíčkova (Havlíčkova 4, Rindsbraten mit Knödel und Gemüsesauce), Pivnice U Švejků (Újezd 424/22, gutes Knoblauchbrot und Palatschinken!) und Malostranská Pivnice (Cihelná 3, sehr touristisch, aber gute Wurst in dunkler Biersauce mit Brot).

 

Die weiteren Stationen meiner Bierkulturreise findet ihr hier: Pilsen (Teil 2) und Budweis (Teil 3). 🙂

 

6 Kommentare

  1. Susanna sagt: Antworten

    Dein Bericht ist auch als „Nicht-Biertrinkerin“ ein absoluter Genuss. Die enge Gasse hat sich bei meinen bisherigen Besuchen vor mir verborgen, die möchte ich unbedingt auch mal real erleben 😉

    1. Wenn du dort bist, mach die Gasse am besten zeitig in der Früh. Dann hast du erstens schönes Licht beim Blick auf die Karlsbrücke und zweitens keine nervenden Kellner, da das Restaurant noch geschlossen ist. 🙂

  2. […] erste Station meiner Bierkulturreise findet ihr hier: Prag (Teil 1). Demnächst lest ihr dann von meiner letzten Station in Budweis. […]

  3. […] habe ich neben Budweis auch noch zwei weitere Städte besucht. Die Berichte dazu findet ihr hier: Prag (Teil 1) und Pilsen (Teil […]

  4. […] ist nach Prag die zweitgrößte Stadt Tschechiens und mit dem Zug nur knapp 90 Minuten von Wien entfernt. Wie so […]

  5. […] von ihrer besten Seite mit schmackhaftem, wenn auch deftigem Essen und vielen schönen Eindrücken. Prag: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 1) […]

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