Pilsen: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 2)

Bierkisten von Pilsner Urquell

Nach meiner ersten Station in Prag, wo ich sowohl mit dem Besuch der Brauerei Staropramen als auch dem gleichnamigen Bier nicht ganz zufrieden war, ging es mit dem Zug rund 100 Kilometer weiter Richtung Westen in die Heimat von Pilsner Urquell. Pilsen wurde 2015 als europäische Kulturhauptstadt einer Vielzahl an Leuten bekannt und ich war äußerst gespannt, was dieser Ort zu bieten hat. Gleich vorweg: ich wurde nicht enttäuscht!

Karte zeigt Pilsen in Tschechien

 

Häuserzeile auf dem Platz der Republik in Pilsen

PILSEN (Plzeň)

FAKTEN

Reisezeit: August 2016 (1 Tag)
Anreise:
Mit dem Zug direkt von Prag Hauptbahnhof (Praha hlavní nádraží) nach Pilsen Hauptbahnhof (Plzeň hlavní nádraží) (1:36h)
Unterkunft:
Hotel Central (sehr gute Lage direkt am Hauptplatz, 10 Minuten Gehweg vom Bahnhof oder mit den Straßenbahnen 1 oder 2 zwei Stationen bis Náměstí Republiky, Einzelzimmer ausreichend groß, sauber, gratis WLAN)

Weitere Stationen dieser Reise

Budweis habe ich mit Prag und Pilsen kombiniert, die Reiseberichte dazu könnt ihr hier lesen:

Prag: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 1)

Budweis: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 3)

 

Pilsner Urquell Brauerei (Pivovar Plzeňský Prazdroj)

Bereits seit 1842 wird in Pilsen Bier gebraut und heute darf sich die Brauerei als die größte Tschechiens rühmen. Der deutsche Name stammt von Josef Groll, dem ersten Braumeister der Brauerei. Groll wurde aufgrund des zuvor gebrauten Biers von miserabler Qualität extra aus Bayern nach Pilsen geholt, um den Böhmen die Kunst der Bierherstellung beizubringen. Heute werden zwei Drittel aller hellen Biere nach Pilsner Brauart hergestellt. Die Besonderheit ist die lange, kalte Gärung in tiefen Kellern. Eine Besichtigung des Werksgeländes gehört für Besucher der Stadt zum Pflichtprogramm, weswegen ich die Tickets für eine deutsche Führung vorsichtshalber schon zuvor per Internet auf der Seite prazdrojvisit.cz gekauft habe (200 CZK / 7,40 EUR). Bereits beim Betreten des Geländes durchschreitet man einen wunderschönen Triumphbogen und fühlt sich gleich wesentlich mehr in Stimmung als noch in Prag bei Staropramen. Der 90-minütige Rundgang startet im Besucherzentrum mit einer kurzen geschichtlichen Einführung, bei der man unter anderem die historische Urkunde zur Braugenehmigung von 1842 zu Gesicht bekommt. Danach geht es per Bus zur Abfüllanlage der Brauerei, in der man von einer Galerie aus zusehen kann, wie 60.000 Flaschen pro Stunde mit Gerstensaft befüllt werden. Es ist faszinierend, wie vollautomatisiert und schnell die Flaschen von einer Station zur nächsten flitzen. Das historische Sudhaus betritt man anschließend über Tschechiens größten Personenaufzug. Gleich daneben liegt das neue Sudhaus, in dem eine Temperatur wie in einem Tepidarium herrscht und man froh ist, wenn man es wieder verlässt. Viel Zeit zum Schwitzen bleibt hier aber ohnehin nicht, denn gleich darauf geht es hinunter in den kühlen Keller, in dem das Bier in Dutzenden Holzfässern lagert und reift. Schön anzusehen ist so ein Gärprozess nicht und es riecht auch streng, aber das Endergebnis kann sich schmecken lassen. 🙂 Eine Kostprobe für die Besucher darf natürlich nicht fehlen und man erhält vom Braumeister persönlich direkt vom Fass – wenn auch im Plastikbecher – sein unfiltriertes Pilsner Urquell, ein wahrer Genuss!

TIPP

Zur Brauerei kann man vom Hauptplatz aus auf zwei Wegen gelangen – einem hässlichen (über den ich gleich gar kein Wort verliere) und einem schönen: Hinter dem Hauptplatz liegt die Parkanlage Gartenring, in der man an einer Abzweigung (GPS-Position) einfach den pinken Informationsaufklebern am Boden folgt. Nach rund 10 Minuten trifft man neben dem Stadion von Viktoria Pilsen am Gelände der Brauerei ein.

 

Bierkostproben in Pilsen

Pilsner Urquell ist natürlich in der Stadt allgegenwärtig, das Bier schmeckt vorzüglich und lässt sich durch die geringe Kohlensäure auch gut trinken. Die Brauerei erzeugt neben dem gleichnamigen Bier auch Gambrinus, welches die populärste Biermarke in Tschechien noch vor Pilsner Urquell ist. Ich persönlich fand es tatsächlich fast noch besser, verkostet wurde Gambrinus Originál 10° (helles Lagerbier mit 4,3 % Alkohol) und Gambrinus Nefiltrovaný ležák (unfiltriertes Pils mit 4,95 % Alkohol, sehr süffig!).

Fotospots

 

Rund um den Platz der Republik (Náměstí Republiky)

Der riesige Platz der Republik (mit 139 × 193 Metern einer der größten Tschechiens) bildet das historische Zentrum Pilsens und ist für Besucher zugleich der Ausgangspunkt für die Besichtigung der Stadt. In der Mitte thront die St.-Bartholomäus-Kathedrale (Katedrála svatého Bartoloměje), deren 103 Meter hoher Turm (übrigens der höchste im Land) unbedingt erklommen werden sollte, die Aussicht ist beeindruckend! Die Kirche selbst hatte am Tag meines Besuchs (Sonntag) zwar geschlossen, durch ein breites Gittertor kann man aber trotzdem das imposante Kirchenschiff ansehen und fotografieren. Außerhalb der Kirche sind auf dem Platz weiters das Rathaus, historische Gebäudezeilen und drei moderne, goldene Brunnen sehenswert. Jeder Brunnen hat eine andere Form, welche einen Engel, eine Windhündin und ein Kamel symbolisieren – Motive aus dem Pilsener Wappen.

Fotospots

Hinter dem Platz der Republik liegt ein kleiner Park mit Fluss, der sogenannte Gartenring. Von dort bietet sich nicht nur ein toller Blick an, sondern er lädt auch zum Verweilen und Ausruhen ein.

Vor allem in der Abenddämmerung eignen sich die goldenen Brunnen hervorragend für interessante Kompositionen mit der Kirche im Hintergrund.

Auch die Straßenbahn am Rand des Platzes bietet sich für spannende Langzeitbelichtungen an.

 

Die zwei Synagogen

Egal ob Kirchen, Moscheen oder Synagogen – ich bin immer wieder fasziniert von der prächtigen Architektur, weswegen ich solchen Gebetshäusern gerne einen Besuch abstatte. Auch in Pilsen wurde ich nicht enttäuscht, handelt es sich bei der Großen Synagoge (Velká synagoga) doch um eine besondere: sie ist hinter Budapest die zweitgrößte Europas und die drittgrößte der Welt. Der Eintritt kostet normalerweise 70 CZK (2,60 EUR), ich habe am Sonntag allerdings nur 10 CZK (0,40 EUR) bezahlen müssen. Männer erhalten eine Kippa, die in der Synagoge auf dem Kopf getragen werden sollte (was für mich als Ungeübten eine große Herausforderung war). Die zweite, Alte Synagoge (Stará synagoga), befindet sich nur unweit entfernt, ist allerdings gut versteckt in einem Hinterhof. Der Zugang liegt auf der Straße und ist am pinken, kreisförmigen Hinweissymbol auf dem Boden erkennbar. Auch hier musste ich nur 10 CZK (0,40 EUR) statt 55 CZK (2,00 EUR) bezahlen.

Fotospots

Wenige Meter von der Großen Synagoge entfernt wurde 2014 das Neue Theater (Nové divadlo) errichtet, dessen spannende Fassade am Abend in unterschiedlichen Farben beleuchtet ist.

 

Pilsner historische Keller (Plzeňské historické podzemí)

Die Stadt unter der Stadt – so bewirbt Pilsen das ab dem 14. Jahrhundert angelegte, rund 20 Kilometer lange unterirdische Kellersystem. Es wurde von den damaligen Einwohnern zum Zweck der Lebensmittel- und Bierlagerung sowie als Schutz vor Angriffen errichtet und kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Im Sommer gibt es allerdings täglich nur zwei Rundgänge in deutscher Sprache, die ich beide verpasst habe. Es ist aber kein Problem, sich einer (fast) stündlich stattfindenden tschechischen Führung (100 CZK /3,70 EUR) mit einem deutschen Audioguide (30 CZK / 1,10 EUR) anzuschließen. Im Preis inkludiert ist ein kleines Bier in einem angrenzenden Lokal oder zwei weiteren Restaurants in der Stadt. Während man durch die labyrinthähnlichen Gänge geht, wird einem klar, warum man vor Beginn der Führung einen Helm erhält. Die Gänge sind großteils derart niedrig, dass man unweigerlich andauernd mit dem Kopf an der Decke anstösst. Der Rundgang dauert 50 Minuten und man bekommt zahlreiche bei Ausgrabungen gefundene Gegenstände, alte Brunnen und Latrinen sowie ein historisches Wasserrad zu Gesicht.

Fotospots

 

Allgemeine Tipps

Wenn man am Vormittag anreist, lässt sich die Stadt problemlos an einem Tag erkunden und alle wichtigen Punkte inklusive Essenspausen stressfrei absolvieren.

Bei der Ankunft am Hauptbahnhof empfiehlt sich ein Blick in die Bahnhofshalle.

Beim Verlassen des Hauptbahnhofs zahlt es sich aus, auf den Boden zu schauen. Dort finden sich wie überall in der Stadt pinke Hinweisaufkleber, die den schnellsten Weg zu den Sehenswürdigkeiten weisen.

In Pilsen ist alles in Gehweite und man kann getrost auf den Einsatz von Straßenbahn und Bus verzichten (wer dennoch fahren will: ein Tagesticket kostet überschaubare 70 CZK / 2,50 EUR).

Gegessen habe ich in folgenden Lokalen: Das Na Parkánu (Veleslavínova 59/4) liegt direkt neben dem Eingang zu den historischen Kellern. Im Zuge des Eintrittspreises für die Kellerführung habe ich einen Gutschein für ein kleines Bier in besagtem Lokal erhalten. Was sehr nach Touristenabzocke klingt, hat mich positiv überrascht: das Essen (Schweinsfilet mit Sauerkraut und Kartoffelknödeln) und Bier waren ausgezeichnet. Sehr gute Liwanzen (eine traditionelle Süßspeise der böhmischen Küche mit Zimt, Honig, Walnüssen und Zucker) findet man im dunklen, urigen Innenstadtlokal Stará sladovna (Malá 3).

 

Die weiteren Stationen meiner Bierkulturreise findet ihr hier: Prag (Teil 1) und Budweis (Teil 3). 🙂

3 Kommentare

  1. […] zweiten Artikel begebe ich mich auf nach Pilsen zu Pilsner Urquell, der Heimat des … richtig, Pils! […]

  2. […] Auf meiner Bierkulturreise habe ich neben Budweis auch noch zwei weitere Städte besucht. Die Berichte dazu findet ihr hier: Prag (Teil 1) und Pilsen (Teil 2). […]

  3. […] Urquell und die urtypische Küche mit tschechischen Spezialitäten und herrlich schmeckendem Bier. Pilsen: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 2) […]

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