Budweis: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 3)

Vier Zapfsäulen von Budweiser

Nachdem ich bereits in Prag und Pilsen die lokalen Brauereien und Bierspezialitäten getestet hatte, stand mit Budweis die dritte und letzte Station meiner Bierkulturreise in Tschechien am Programm. Die böhmische Stadt ist mit rund 93.000 Einwohnern zwar relativ groß, touristisch interessant ist allerdings nur ein kleiner Teil. Alles spielt sich in einem Radius von wenigen Hundert Metern rund um den Marktplatz sowie in der zwei Kilometer entfernten Brauerei Budweiser Budvar ab, die natürlich wie in den Städten zuvor meine erste Anlaufstelle war.

Karte zeigt Budweis in Tschechien

 

Spiegelung von mehreren Gebäuden in Budweis

BUDWEIS (České Budějovice)

FAKTEN

Reisezeit: August 2016 (1 Tag)
Anreise:
Mit dem Zug direkt von Pilsen Hauptbahnhof (Plzeň hlavní nádraží) nach Budweis (České Budějovice) (1:53h)
Rückreise:
Mit dem Bus vom Busbahnhof Budweis (České Budějovice Autobusové nádraží) nach Linz Hauptbahnhof (1:45h) und danach mit der Westbahn nach Wien Hauptbahnhof (1:19h)
Unterkunft:
Hotel U Solné brány (kleines familiengeführtes Hotel, gute Lage gleich hinter dem Marktplatz in einer ruhigen Gasse, vom Bahnhof ca. 20 Minuten Gehweg über die Fußgängerzone, geräumige Doppelzimmer, schön eingerichtet, „Überschwemmungsgefahr“ in Zimmer 7 durch Badewanne ohne Duschvorhang, Bettmatratze und Kopfpolster leider äußerst unbequem, gratis WLAN, kleines aber sehr gutes Frühstücksbuffet mit frisch zubereiteten warmen Speisen)

Weitere Stationen dieser Reise

Budweis habe ich mit Prag und Pilsen kombiniert, die Reiseberichte dazu könnt ihr hier lesen:

Prag: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 1)

Pilsen: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 2)

 

Brauerei Budweiser Budvar (Budějovický Budvar)

Mit einem strahlend blau verglasten Bürogebäude begrüßt die 1895 gegründete und heute drittgrößte Brauerei in Tschechien seine Besucher. Während das Bier im Land unter dem Namen Budvar verkauft wird, ist es im deutschsprachigen Raum als Budweiser bekannt – nicht zu verwechseln mit Budweiser aus den USA! Über viele Jahre gab es einen Namensstreit zwischen Budweiser Budvar und dem nordamerikanischen Unternehmen Anheuser-Busch. Das tschechische Budweiser wird zwar auch in den USA vertrieben, dort allerdings unter dem Namen Czechvar. Im Besucherzentrum der Brauerei gibt es eine kostenlose interaktive Ausstellung mit interessanten historischen Ausstellungsstücken. In einem Kleinkino läuft ein rund 15-minütiger Film über den Markenstreit. Darin wird in James-Bond-Manier und mit äußerst bissigem Humor der Streit aufs Korn genommen, Prädikat sehenswert! An Werktagen wird für Individualbesucher in mehreren Sprachen eine Führung um 14 Uhr angeboten (120 CZK / 4,40 EUR). Da man vorab weder einen Platz reservieren noch online kaufen kann, empfiehlt sich eine nicht zu knappe Anreise zur Brauerei, da auch immer wieder größere Busgruppen ankommen und die Führungen auf maximal 50 Leute beschränkt sind.

Der Rundgang durch das Brauereigelände startet im Freien mit einer schnellen allgemeinen Einführung in die Geschichte. Man bekommt gleich darauf den Ursprung einer der wichtigsten Zutat des Budweiser Biers zu Gesicht, nämlich den artesischen Brunnen. Dabei wird eine natürliche Quelle in großer Tiefe angebohrt, aus der das Wasser ohne Pumpen durch natürlichen Überdruck von selbst an die Oberfläche strömt. Danach überblickt man von einem Besucherbalkon das Sudhaus, in dem das Bier gebraut wird. Normalerweise hat es dort eine Temperatur, die einen zum Schwitzen bringt – bei meinem Besuch wurde der Betrieb allerdings nach einem technischen Problem gerade erst wieder hochgefahren, weshalb es relativ kühl im Raum war. Das Highlight der Führung folgt aber danach. Die riesige Abfüll- und Verpackungsanlage ließ in mir durch ihre Komplexität sofort die Frage aufkommen: Wer erfindet solche Anlagen? 😉 Überall bewegen sich Laufbänder, Flaschen scheppern und klirren um die Wette und man weiß gar nicht, wo man vor lauter Action hinschauen soll. Auch wenn man in der Halle Stunden verbringen könnte, muss die Führung weitergehen. Es geht ab in den eisigen Keller, wo in Dutzenden Stahltanks das Bier lagert und reift. Die Verkostung des hellen Lagerbiers direkt vom Tank rundet den Besuch wunderbar ab.

Tipp

Am schnellsten fährt man direkt vor die Brauerei mit der Buslinie 2 bis zur Station Budvar. Vom Marktplatz aus ist die nächstgelegene Station Senovážné Náměstí – Pošta (Busplan der Linie 2 zum Download). Die Fahrscheinautomaten nehmen keine Scheine! Deshalb entweder Münzen bereithalten (Einzelfahrschein 18 CZK / 0,70 EUR) oder in der Touristeninfo am Marktplatz neben dem Rathaus vorab Fahrscheine kaufen.

 

Bierkostproben in Budweis

Dass man sich in Budweis von Budweiser „ernährt“, ist ja fast logisch. Neben dem Budweiser Budvar Special Krausened Lager (Kroužkovaný Ležák, helles Bier mit 5,0 % Alkohol und Hefezusatz, sehr süffig und mein Favorit!) gibt es noch weitere Sorten wie Budweiser Budvar Original (Světlý Ležák, helles Bier mit 5,0 % Alkohol, sehr gut), Budweiser Budvar Classic (Světlé Výčepní Pivo, helles Schankbier mit 4,0 % Alkohol, sehr gut) und Budweiser Budvar Dark (Tmavý Ležák, dunkles Bier mit 4,7 % Alkohol, bitter und karamellig, absolut nicht mein Geschmack). Daneben braut Budweiser aber seit 2007 ein weiteres Bier, nämlich Pardál Lager, für das dieselben Rohstoffe wie für das Premium Lager verwendet werden. Leider war es mir in der gesamten Stadt nicht möglich, ein gezapftes Pardál zu erhalten – ich hätte es liebend gerne verkostet.

Fotospots

 

Marktplatz und schwarzer Turm

Der Marktplatz (Namesti Premysla Otakara II) bildet wie der Platz der Republik in Pilsen das Zentrum der Stadt. In der Mitte sprudelt mit dem Samsonbrunnen (Samsonova kašna) das Wahrzeichen der Stadt munter vor sich hin, rundherum gibt es 48 schöne Gebäude und als Höhepunkt das prachtvolle Rathaus (Radnice) zu begutachten. Leicht abseits des Platzes erhebt sich der Schwarze Turm (Černá věž) aus dem Jahr 1577, der nach einem Aufstieg über 250 Stufen eine perfekte Sicht auf den Marktplatz und die Umgebung zulässt. Wer genau schaut, erkennt sogar die drei Kühltürme des Atomkraftwerks Temelin – als Österreicher bekommt man hier die Nähe zur Atomkraft richtig zu spüren … Nur Schritte vom Turm entfernt steht die Kathedrale St.-Nikolaus (Katedrála sv. Mikuláše) mit eher schnörkellosem Innenleben.

Tipp

Setzt euch am Marktplatz einfach mal in die Nähe des Brunnens – es dauert normalerweise nicht lange, bis jemand das dort aufgestellte öffentliche Klavier entdeckt und zu spielen beginnt. Wenn man Glück hat, hören sich die Töne sogar nach Musik an und man kann gemütlich entspannen. 😉

Vor der Besteigung des Schwarzen Turms empfiehlt sich ein Blick auf die Uhr: Sollte es kurz vor 18 Uhr sein, ist der Aufstieg trotz „Geöffnet“-Schildes umsonst, denn die Kassa befindet sich an der Spitze des Turms und der Wärter schließt pünktlichst die Pforten.

 

Fotospots

 

Spaziergang abseits des Marktplatzes

Auf der westlichen Seite des Marktplatzes zahlt sich ein kreisförmiger Rundgang aus. Startet man in nördlicher Richtung, gelangt man zur Brauereigaststätte Masné krámy, die neben dem Restaurantbetrieb auch gleichzeitig eine Sehenswürdigkeit ist – hier wurde früher mit Fleisch gehandelt. Gegenüber steht ein schönes Haus der Kommerzbank, einige Meter weiter gefolgt vom Dominikanerkloster mit der Kirche Opferung der Jungfrau Maria (Dominikánský klášter s chrámem Obětování Panny Marie), in das ich leider nicht mehr hineinschauen konnte. Das gleiche Schicksal mit geschlossenen Toren hat mich beim Rabensteiner Turm (Rabenštejnská věž) ereilt. Ein Highlight ist ein Spaziergang entlang der Maltsch (Malše), ein ruhiger Seitenarm und Zufluss zur Moldau (Vltava). Die Spiegelungen im letzten Sonnenlicht sind kitschig und wunderschön.

Fotospots

 

Allgemeine Tipps

Das öffentliche Verkehrsnetz in Budweis besteht ausschließlich aus Bussen. Da man in der Innenstadt alles zu Fuß erkunden kann und die nächste Bushaltestelle vom Marktplatz aus auch einige Minuten entfernt liegt, empfehle ich gleich vom Bahnhof zu Fuß in die Altstadt zu gehen, auch wenn es rund 20 Minuten dauert. Man durchquert die Einkaufsstraße Lannova Třída mit schönen Jugendstilhäusern. Da man für die Fahrt zur Brauerei aber die Buslinie 2 benötigt, verlinke ich hier den Busplan.

Reist man mit dem Fernbus, kommt oder fährt man zum Busbahnhof (Autobusové nádraží), der direkt neben dem Bahnhof liegt und in einem großen Einkaufszentrum untergebracht ist. Das Auffinden der Busbahnsteige gestaltet sich für ortsfremde Personen etwas umständlich. Man muss in das Einkaufszentrum gehen und in den dritten Stock auf das Dachgeschoss fahren. Die wenigen Hinweisschilder im Gebäude sind diesbezüglich etwas missverständlich.

Sehr gut gegessen habe ich im Budweiser Brauereilokal Pivnice Budvar (Karolíny Světlé 512/4, Südböhmischer Bauernteller mit Schweinsbraten, Rauchfleisch, Bratwurst, Knödel und Kraut) und in der Brauereigaststätte Masné krámy (Krajinská 13, Schweinefiletstreifen auf dunkler Biersauce mit Speck, Zweibel, Zucchini und Bratkartoffeln).

 

Auf meiner Bierkulturreise habe ich neben Budweis auch noch zwei weitere Städte besucht. Die Berichte dazu findet ihr hier: Prag (Teil 1) und Pilsen (Teil 2).

4 Kommentare

  1. […] weiteren Stationen meiner Bierkulturreise findet ihr hier: Pilsen (Teil 2) und Budweis (Teil 3). […]

  2. […] weiteren Stationen meiner Bierkulturreise findet ihr hier: Prag (Teil 1) und Budweis (Teil 3). […]

  3. […] Ausbau von Handwerk und Handel, die Förderung von Silbererz und als wichtige Verbindung zwischen Budweis und […]

  4. […] Moldau (Vltava). Die Spiegelungen im letzten Sonnenlicht sind einfach kitschig und wunderschön. Budweis: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 3) […]

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