Auf Salzzeitreise im Berchtesgadener Land

Die Karl-Theodor-Pumpe in der Alten Saline Bad Reichenhall

Salz als Würzmittel ist für uns eine vollkommene Selbstverständlichkeit, ohne groß darüber nachzudenken, wo es herkommt und wie es in den Supermarkt gelangt. Im Berchtesgadener Land gibt es die Möglichkeit, auf eine Salzzeitreise in ein Bergwerk und eine historische Saline zu gehen – großes Staunen inklusive!

FAKTEN

Reisezeit: Juli 2016 (1 Tag)
Anreise: Mit dem Auto von Wien über die A1, B1 und B21 nach Bad Reichenhall (ca. 3:15 h). Von dort in rund 20 Minuten über die B20 nach Berchtesgaden.
Unterkunft: Avalon Hotel Bad Reichenhall (Bahnhofpl. 14, 83435 Bad Reichenhall – Lage direkt an der Hauptstraße gegenüber des Bahnhofs, unter der Woche laut durch Autoverkehr, geräumige Zimmer, altmodisches Bad, schöner Saunabereich, Frühstück sehr gut mit jeden Tag wechselnden warmen Speisen, gratis WLAN, Fußweg ins Zentrum ca. 10 Minuten)

Salzbergwerk Berchtesgaden

Ein Jahr vor dem 500-jährigen Jubiläum habe ich mich in die Tiefen des Bergwerks begeben. Die 90-minütige Führung startet mit dem Anlegen eines Overalls, was aufgrund einer Temperatur von 12°C im Berginneren und einigen Tropfen von den Wänden ganz angenehm ist. Danach fährt man per Grubenbahn 650 Meter flott durch einen engen Tunnel, um bei der Salzkathedrale auszusteigen. Hier wird dann per modernster Technik eine Erlebnislichtshow vorgeführt, die wirklich sehenswert ist. Das anschließende Hinabgleiten auf einer 34 Meter langen Holzrutsche ist nicht nur für Kinder ein Highlight und macht richtig Spaß.

In der folgenden Stunde durchwandert man verschiedene Stollen des Bergwerks und bekommt abwechselnd durch den Führer oder per Multimediashow die Geschichte vermittelt. Die Kurzzusammenfassung: In einer Tiefe von 500 Metern wird eine Solequelle abgeschöpft und das stark salzhaltige Wasser über eine 18 Kilometer lange Rohrleitung nach Bad Reichenhall befördert. Dort erfolgt die Weiterverarbeitung, welche in Berchtesgaden in früheren Zeiten wegen Brennstoffmangels nicht durchführbar war. Man kann sich vorstellen, dass der Bau dieser Leitung eine wahre Meisterleistung gewesen sein muss. Im Bergwerk ist weiters die berühmte historische Reichenbachpumpe ausgestellt, mit der bei der Soleförderung enorme Höhenunterschiede bewältigt werden konnten.

Eine zweite, 40 Meter lange Rutsche führt zum Spiegelsee. Dieser wird per Boot langsam überquert, während erneut eine beeindruckende Lichtshow alle Sinne berieselt. Gleich nach dem Aussteigen kann man einen Finger in eine Leitung halten und sich selbst von der extrem salzhaltigen Sole überzeugen. Über einen großen Schrägaufzug und der Rückfahrt mit der Grubenbahn verlässt man das Bergwerk wieder. Insgesamt ist die Führung interessant und abwechslungsreich, dennoch war mir alles etwas zu oberflächlich und lieblos abgehandelt – man merkt, dass sehr viele Besuchergruppen in relativ kurzer Zeit abgefertigt werden müssen. Ganz anders geht es in der Alten Saline in Bad Reichenhall zu …

TIPP

Der Eintritt kostet für einen Erwachsenen 16,50 EUR. Wer zusätzlich wie ich die Alte Saline in Bad Reichenhall besichtigen will, sollte auf jeden Fall das Kombiticket um 19,- EUR nehmen – dadurch spart man 6 Euro. Mehr Infos auf der Webseite des Salzbergwerks.

Bei Schlechtwetter ist der Besucheransturm natürlich größer, deshalb am besten schon am Vormittag auftauchen, dann gibt es normalerweise noch kurze Schlangen und man kommt nach nur wenigen Minuten Wartezeit in einer der nächsten Führungen unter.

In den Stollen kann man ruhig mal mit dem Finger an der Wand entlangstreifen und mit der Zungenspitze überprüfen, ob auch wirklich genug Salz im Berg vorhanden ist. 😉

 

Fotospots

Das Fotografieren ist im Bergwerk leider nicht erlaubt (den Spiegelsee konnte ich dennoch ablichten), deshalb greife ich auf einige halbwegs neutrale Pressebilder der Südwestdeutschen Salzwerke AG zurück, um euch trotzdem einige Eindrücke zu ermöglichen.

 

Alte Saline Bad Reichenhall

18 Kilometer vom Salzbergwerk entfernt liegt Bad Reichenhall, wo vermutlich schon seit der Bronzezeit Salz abgebaut und aufbereitet wird. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde eine Rohrleitung von Berchtesgaden in die erste Saline gelegt, wo das Salz aus der Sole gewonnen wurde. 1834 zerstörte ein verheerender Brand große Teile des ursprünglichen Gebäudes, das aber umgehend zur heutigen Alten Saline wieder aufgebaut wurde und heute das Salzmuseum beherbergt. Bei einer geführten Tour durch die unterirdische Anlage kommt man aus dem Staunen nicht heraus – es ist unfassbar, wie technische Probleme durch Handwerkskunst und Ingenieurswissen schon damals raffiniert gelöst wurden.

Gleich zu Beginn sieht man in einer großen Halle zwei riesige, jeweils 13 Tonnen schwere oberschlächtige (von oben mit Wasserkraft angetrieben) Wasserräder, die seit 1834 ununterbrochen ihren Dienst verrichten und Sole zu Tage pumpen. Dann geht es in den Untergrund in ein labyrinthähnliches Stollensystem zum unterschlächtigen (von unten mit Wasserkraft angetrieben) Wasserrad. Dieses wird durch die Kraft eines Süßwasserflusses bewegt und treibt die Karl-Theodor-Pumpe an, die jedoch 103 Meter entfernt steht. Wie das funktioniert? Ein Gestängesystem über mehrere Kurven bewegt die Pumpe langsam, aber stetig – ein sensationelles System, das man live gesehen haben muss! Die Pumpe bringt Sole aus sechs Metern Tiefe nach oben, welche aufgrund ihres mittlerweile nur noch geringen Salzgehaltes ausschließlich für Kurzwecke verwendet wird. Nach der Durchquerung der Salzgrotte, eine natürliche 1795 entdeckte Höhle, gelangt man zu den Pumpen der großen Wasserräder und kann diese nach einem Aufstieg über eine Wendeltreppe schließlich auch noch von oben bewundern. Die Führung endet im Salzmuseum, welches die wichtigsten Fakten und Zusammenhänge rund um die Salzgewinnung schön veranschaulicht. Man erhält sogar eine kleine Kostprobe des Bad Reichenhaller Salz. 😉

Für die Salzproduktion spielt die Alte Saline übrigens schon lange keine Rolle mehr, diese findet in der nahe gelegenen neuen Saline statt, in der die Solelösung aus dem Salzbergwerk Berchtesgaden verarbeitet wird.

TIPP

Der Eintritt kostet 8,50 EUR und beinhaltet das Salzmuseum inklusive einer Führung. Wie bereits weiter oben erwähnt empfehle ich ein Kombiticket um 19,- EUR, um auch das Bergwerk in Berchtesgaden zu besichtigen. Mehr Infos auf der Webseite der Alten Saline.

 

Fotospots

In der Saline ist das Fotografieren erlaubt, allerdings erfordert die spärliche Beleuchtung der Stollen ein lichtstarkes Objektiv und eine ruhige Hand.

 

Essen in Berchtesgaden und Bad Reichenhall

In Berchtesgaden kann ich das Bräustüberl Berchtesgaden (Bräuhausstraße 13) empfehlen, welches sich direkt neben der Brauerei Hofbräuhaus Berchtesgaden befindet und deftige, bayerische Kost anbietet. Ich hatte einen herrlich zarten Hirschbraten in dunkler Biersauce mit angebratenen Serviettenknödeln, dazu ein helles Hausbier.

In Bad Reichenhall war ich mehrere Tage und konnte unter anderem das bayerische Nationalgericht Schweinsbraten mit warmem Krautsalat und Semmelknödel sowohl im Brauereigasthof Bürgerbräu (Waaggasse 1) als auch im Schwabenbräu (Salzburgerstraße 22, mit fantastischem Garten!) genießen. Dazu – wie es sich in Bayern gehört – eine süffige Weißbiermaß. Witziges Detail: Im Schwabenbräu ist der Aufenthalt im Männer-WC kurzweilig, da die Wände beim Pissoir mit der tagesaktuellen Bild-Zeitung dekoriert sind.

In der Fußgängerzone von Bad Reichenhall darf übrigens ein Besuch im Café Reber (Ludwigstraße 10-12) nicht fehlen! Die Tortenauswahl ist schon riesig, aber auch die Pralinen und sonstigen Süßigkeiten wie die Reber Mozartkugeln machen es einem nicht leicht, sich zu entscheiden. Ich kostete bei zwei Besuchen eine Esterhazyschnitte und eine Prinzregententorte mit Capucchino sowie einen sehr starken Irish Coffee.

 

FAZIT

Das Salzbergwerk Berchtesgaden und die Alte Saline Bad Reichenhall bieten sich als Ganztagesausflug ideal an – auch durch die Nähe zu Salzburg. Man wird nicht nur durch herausragende Technik und moderne Lichteffekte unterhalten, sondern lernt nebenbei auch noch zu schätzen, wieviel Arbeit eigentlich dahintersteckt, um unser Essen mit Salz würzen zu können.

 

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