Berg und Wasser: Tagesausflug zum Jenner und Königssee

Blick vom Gipfel des Jenners auf den Königssee

Berchtesgaden in Bayern hat nicht nur ein faszinierendes Salzbergwerk zu bieten, sondern in unmittelbarer Nähe auch zwei weitere Topattraktionen. Der Königssee und der Berg Jenner liegen nur vier Kilometer entfernt und eignen sich perfekt als Kombination für einen Tagesausflug. Die Ausblicke und die Ruhe sind dabei sowohl zu Wasser als auch auf dem Gipfel selbst gigantisch schön.

FAKTEN

Reisezeit: Juli 2016 (1 Tag)
Anreise: Mit dem Auto von Wien über die A1, A10, B160 und B305 nach Berchtesgaden und von dort den Schildern nach Königssee folgen (ca. 3:20 h).
Unterkunft: Avalon Hotel Bad Reichenhall (Bahnhofpl. 14, 83435 Bad Reichenhall – Lage direkt an der Hauptstraße gegenüber des Bahnhofs, unter der Woche laut durch Autoverkehr, geräumige Zimmer, altmodisches Bad, schöner Saunabereich, Frühstück sehr gut mit jeden Tag wechselnden warmen Speisen, gratis WLAN, Fußweg ins Zentrum ca. 10 Minuten)

Königssee

Wer das erste Mal an der Schiffsanlegestation beim Königssee steht, erkennt schon den fjordartigen Verlauf des acht Kilometer langen Gewässers und das herrlich smaragdgrüne Wasser. Bevor man aber die tolle Stimmung aufsaugen und genießen kann, muss man zuerst einen halbwegs nahen Platz auf dem riesigen Parkplatz ergattern und sich rund fünf Minuten durch eine von Souvenirläden geradezu überschwemmte Fußgängerzone durchbeißen. Man kann sich gut vorstellen, dass hier an einem schönen Wochenendtag im Sommer die absolute Touristenhölle ausbricht. Ich war allerdings früh genug vor Ort und konnte ohne lange Schlangen mein Ticket kaufen und gleich ein Boot besteigen.

Nicht weniger als 17 Schiffe fahren den See im Hochbetrieb auf und ab – bemerkbar macht sich das aber dank des Einsatzes von Elektrobooten gar nicht. Es ist während der Fahrt angenehm leise mit beruhigend ruckelndem Motor. Als Besucher hat man drei Stationen zum Aussteigen zur Auswahl: Kessel wird nur bei Bedarf angefahren, von dort startet ein Waldwanderweg auf den Gipfel des Jenners. In der Mitte des Sees liegt die Station St. Bartholomä, die wegen der Wallfahrtskirche den absoluten Fixpunkt für alle erstmaligen Gäste darstellt. Die letzte Haltestelle befindet sich am hintersten Ende des Königssees und heißt Salet Obersee. Meine Fahrt wurde von einem leicht mürrischen, aber grundsympathischen bayerischen Schiffsbegleiter kommentiert und mit einigen Witzen sowie Fakten zum See aufgelockert. Nach rund 15 Minuten hält das Schiff an und es folgt ein Trompetensolo, das von der berühmten Echowand zurückgeworfen wird. Ich muss zugeben, dieses akustische Schauspiel ist schon sehr beeindruckend. Zur Belohnung „darf“ man gleich nach der musikalischen Einlage eine kleine Spende an den Trompeter übergeben, was ich etwas aufdringlich empfang. Besser wäre gewesen, beim Aussteigen die Leute dezent auf einen Klingelbeutel hinzuweisen, wie es bei anderen vergleichbaren Schiffsfahrten die Regel ist.

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St. Bartholomä

Schon von weitem ist die Wallfahrtskirche St. Bartholomä, das Wahrzeichen des Königssees, trotz ihrer geringen Größe nicht zu übersehen. Das rote Zwiebeldach und die Form verleihen der Kirche ein besonderes Flair. Zusätzlich strahlt sie etwas Mystisches aus, wenn man weiß, dass die Kirche nur per Schiff erreichbar ist. Im Hintergrund liegt malerisch die sagenumwobene Ostwand des Watzmann-Gebirges. Neben der Wallfahrtskirche liegt das heute als Gaststätte genutzte Jagdschloss, in dessen schönem Garten ich mir gleich standesgemäß ein Weißwurstfrühstück mit Weißbier gegönnt habe – selbstverständlich noch vor 12 Uhr mittags! Die Königssee-Fischerei grenzt an das Gebäude an und ist nicht zu „überriechen“, es duftet wunderbar nach Holzkohle und geräuchertem Fisch. Auch hier konnte ich nicht wiederstehen und habe ein Saiblingsfilet probiert: Prädikat Weltklasse! Meinen Sitznachbarn, einer Gruppe Asiaten, hat es deren glücklichen Gesichtern nach ebenfalls gemundet. 🙂

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Salet Obersee

Von der Endstation begibt man sich entlang eines romantischen Weges vorbei an der Saletalm in rund 15 Minuten zum Obersee. Das markanteste Merkmal des Sees ist neben seiner absolut ruhigen Oberfläche die Bootshütte, die sich perfekt für Fotos eignet. Bei meiner Ankunft am frühen Nachmittag war jedoch leider der Besucherstrom schon sehr hoch, was das Erlebnis etwas trübt. Würde man dem Waldweg entlang des rechten Ufers weiter folgen, kommt man nach einer knappen Stunde bei der Fischunkelalm an. Diese Variante habe ich aber ausgelassen, da ich noch mit der Seilbahn auf den Jenner hinauffahren wollte.

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TIPP

Das Hin- und Rückfahrtticket nach St. Bartholomä kostet 14,50 EUR. Es gibt das theoretisch interessante „See-Gipfel-Ticket“ um 33,- EUR, das neben dieser Seefahrt auch noch eine Berg- und Talfahrt mit der Jennerbahn beinhaltet. Ich würde dennoch darauf verzichten und mit dem Schiff bis zur Endhaltestelle Salet Obersee fahren (17,50 EUR). Dabei ist ein Zwischenausstieg in St. Bartholomä inkludiert und man sieht auch den wunderschönen Obersee. Mehr Informationen zu Preisen und Fahrplänen.

Für Wanderer wichtig: Bei der Hinfahrt zur Station Kessel gibt man einfach dem Bootsführer den Haltewunsch Bescheid. Von der Bedarfshaltestelle zurückfahrende Wanderer müssen allerdings mittels einer großen, orangefarbenen Schiebetafel optisch anzeigen, dass das nächste Boot anlegen soll.

Für die Rückfahrt in der Hochsaison empfiehlt es sich, nicht eines der letzten Boote zu nehmen, um auch garantiert noch einen Sitzplatz zu bekommen.

 

Auf dem Jennergipfel

Nach dem halbtägigen Aufenthalt auf dem Königssee bietet sich noch eine Fahrt auf den Jenner an. Das Auto kann man gleich auf demselben Parkplatz stehen lassen, denn die Talstation der Seilbahn befindet sich von der Schiffsanlegestation nur wenige Minuten zu Fuß entfernt. Das Ticket für eine Berg- und Talfahrt kostet 22,- EUR (mehr Informationen zu den Preisen), dabei passiert man eine Zwischenstation, in der man sitzen bleibt, die Seilbahn umgekuppelt wird und eine Kurve nimmt. Die Gondeln der Jennerbahn sind klein und eng – maximal zwei Personen dürfen seitlich sitzend Platz nehmen. Das Ganze versprüht aber auch einen gewissen Charme. Während der 20-minütigen Fahrt über etwas mehr als drei Kilometer ruckelt es an den Stützen teilweise schon ganz ordentlich – man merkt eben deutlich das Alter. Beachtlich ist, dass die Seilbahn auch im Winter verkehrt.

Von der Bergstation (1.800m) aus geht man in rund 15 Minuten auf den Gipfel (1.874m) oder alternativ nur bis zur Aussichtsplattform kurz davor. Es ist ein seltsames Gefühl, neben einem Gipfelkreuz zu stehen, ohne wirklich den Berg bestiegen zu haben … der einfachen Erreichbarkeit ist es wohl geschuldet, dass sich hier nach oben auch weniger bergaffine Menschen verirren. Die Aussicht auf die umliegende Bergwelt inklusive Watzmann ist atemberaubend. Der Gipfelblick offenbart auch wunderbar die fjordartige Lage des Königssees. Man verspürt sofort die Lust, einen der umliegenden Wanderwege zu nehmen und die Natur intensiver zu erleben. Für mich war aber nach ausgiebigem Genießen der Landschaft leider aus Zeitmangel nur noch ein schneller Kaffee in der Bergstation der Seilbahn möglich. Kurz vor Betriebsschluss um 17 Uhr – und nach einem dezenten Hinweis des Liftwartes per Lautsprecherdurchsage, dass man vor dem Ansturm zusteigen möge – ging es mit der Gondel wieder hinab ins Tal, womit ein toller Tag beendet wurde.

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FAZIT

Der Königssee und der Jenner lassen sich ausgezeichnet kombinieren – allerdings mit Abstrichen. Wer großen Wert aufs Wandern legt, muss die Programmpunkte jedenfalls auf zwei Tage aufteilen, ansonsten wird es zeitlich einfach zu stressig. Für einen Tagesausflug lohnt sich ein Besuch aber immer, auch wegen der schnellen Erreichbarkeit vom nahegelegenen Salzburg.

 

2 Kommentare

  1. […] Berg und Wasser: Tagesausflug zum Jenner und Königssee […]

  2. […] mich das Salzbergwerk Berchtesgaden und die Alte Saline Bad Reichenhall ganz in ihren Bann gezogen. Berg und Wasser: Tagesausflug zum Jenner und Königssee (Reisebericht) Auf Salzzeitreise im Berchtesgadener Land […]

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