Český Krumlov – Willkommen im Mittelalter

Schloss Cesky Krumlov

Das oberösterreichische Hallstatt kennen wahrscheinlich wegen seines kitschigen Ortsbildes und der Beliebtheit bei asiatischen Touristen viele von euch. Nicht weniger schön und ebenfalls äußerst begehrt ist aber das südböhmische Český Krumlov. Dorthin verschlägt es jedes Jahr in der Hochsaison Unmengen an Menschen, die das mittelalterliche Stadtzentrum mit eigenen Augen sehen wollen. Für meinen Besuch habe ich mir den Oktober ausgesucht, der nicht nur herrliche Herbstfarben, sondern auch weniger Touristen mit sich bringt.

FAKTEN

Reisezeit: Oktober 2016 (1 1/2 Tage)
Anreise: Mit dem Auto von Wien über die A22, S5, B37, B38, L71 zur tschechischen Grenze bei Weitra, dann weiter auf der B154 und B157 nach Český Krumlov (ca. 3:00h)
Unterkunft: Penzion Teddy (Rooseveltova 38, kleine Pension am Rand der Altstadt, sehr gut mit dem Auto zu erreichen, eigener Garagenplatz um 7,- EUR/Tag, rustikale einfache Zimmer, schönes neues Bad, sehr gute Dusche, einige Zimmer mit von außen begehbarem Balkon und tollem Ausblick, gratis WLAN, Frühstücksraum sehr klein, Frühstücksbuffet ausreichend)

Der Name der Stadt kommt nicht von ungefähr. Český Krumlov leitet sich vom deutschen Ausdruck „Krumme Aue“ ab – wenn man einen Blick auf die Landkarte wirft, fällt einem sofort das im s-förmigen Flussbett der Moldau (Vltava) gelegene Stadtzentrum auf. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Stadt 1253, zu diesem Zeitpunkt hatten die Witigonen bereits eine Burg errichtet. Neben den Witigonen waren auch die Adelsgeschlechter Rosenberg, Eggenberg und Schwarzenberg für die weitere Entwicklung der Stadt von großer Bedeutung. Über die folgenden Jahrhunderte profitierte der Ort durch den Ausbau von Handwerk und Handel, die Förderung von Silbererz und als wichtige Verbindung zwischen Budweis und Österreich.

Anfang des 20. Jahrhunderts bestand die Stadt aus rund 9.000 Bewohnern – zu einem Großteil deutschsprachig. Nach der Ausrufung der Tschechoslowakischen Republik 1918 kam es zu Spannungen zwischen der deutschen der tschechischen Bevölkerung. Krumau wurde am 28. November 1918 von der tschechischen Wehrmacht besetzt und der deutsche Name der Stadt in das bereits früher verwendete Český Krumlov umgewandelt. Der deutschen Bevölkerung wurden Minderheitenrechte gewährt, 1945 fand nach Ende des Zweiten Weltkriegs aufgrund der Beneš-Dekrete eine Vertreibung nach Österreich und Westdeutschland statt. Wer sich für die detaillierte Geschichte von Český Krumlov interessiert, dem sei die Seite encyklopedie.ckrumlov.cz empfohlen.

Stadtansicht Cesky Krumlov

Rundgang durch die Altstadt

Das historische Zentrum findet sich seit 1992 als Kulturdenkmal auf der Liste des UNESCO-Welterbe wieder. Ich habe meine Tour durch Český Krumlov vom östlichen Zugang zur Altstadt begonnen. Nur wenige Meter nach Beginn der Fußgängerzone befindet sich bereits die erste Aussichtsplattform, die einen der besten Blicke auf die Stadt bietet. Ein paar Schritte weiter ist ein Besuch der Kirche St. Veit (Kostel Sv. Víta) der erste Fixpunkt. Der neugotische Bau wurde 1439 nach einigen Erweiterungen und fast hundertjähriger Bauzeit fertiggestellt. Übrigens: wer eine Kerze in der Kirche entzünden will, wird negativ überrascht sein. Statt echter Flammen flackern künstliche Kerzen aus Plastik unter einem Glasschutz. Etwas derartiges habe ich noch nirgends zuvor gesehen, absolut grauenhaft! Der Marktplatz (Námesti Svornosti) hat mich persönlich nicht beeindruckt, auch wenn er mit seinen historischen Häusern und der Pestsäule durchaus nett anzusehen ist. Weitaus faszinierender fand ich das ziellose Umherschlendern durch die teilweise engen Gassen, mal bergauf und mal bergab. Die detaillierten und verspielten Fassaden der bunt bemalten Häuser sind nicht nur wunderschön anzusehen, sondern lassen in den Besuchern mittelalterliche Gefühle aufkommen. Fast überall in der Innenstadt riecht es gut nach Holzkohle und Baumkuchen (Trdelník) von den zahlreichen Ständen. Für Kunstliebhaber empfehle ich einen Besuch des Egon-Schiele-Kunstzentrums (Široká 71). Der österreichische Maler hat ein Jahr in Český Krumlov (dem Geburtsort seiner Mutter) verbracht und in zahlreichen Gemälden die Stadt porträtiert. Überquert man die Moldau über die Brücke Lazebnický most, gelangt man in den Stadtteil Latrán, an dessen nördlichem Ende das sehenswerte Budweiser Tor (Budějovická brána) aus dem Jahr 1602 steht.

Fotospots

Auf der Brücke Lazebnický most bietet sich ein schöner Blick auf den Schlossturm.

Die St.-Veit-Kirche lässt sich gut von der Brücke most Dr. Edvarda Beneše aus fotografieren.

 

Schloss Cesky Krumlov

Schloss Český Krumlov

Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist das Schloss Český Krumlov (Státní hrad a zámek), welches der Stadt das charakteristische Aussehen verleiht. Die ursprünglich gotische Burg aus dem 13. Jahrhundert wurde im 14. Jahrhundert erweitert und im 16. Jahrhundert im Renaissancestil umgebaut. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Barock- und Rokokoumbauten durchgeführt. Das Schlossgelände betritt man am besten durch das Rote Tor (Ecke Latrán/Zámek). Im Burggraben kann man mit etwas Glück die beiden Braunbären beobachten – die Bärenhaltung geht bis in das Jahr 1707 zurück. Ob die Haltung artgerecht ist, möchte ich nicht beurteilen … Im Schlosshof steht man vor dem Schlossturm (Zámecká věž), der sich über 162 Stufen erklimmen lässt und eine fantastische Aussicht zulässt (50 CZK / 1,90 EUR). Das einzige Problem: man sieht den Turm selbst nicht, der vor allem durch seine Verzierung auffällt. Die Lösung dafür ist aber einfach, indem man im Schlossgelände weiter dem Weg folgt. Zuerst gelangt man auf die mehrstöckige Mantelbrücke (Plášťový most), die mit ihren Statuen für sich schon ein Kunstwerk ist und eine nähere Betrachtung verdient. Danach gibt es über eine kleine Tür Zugang auf eine Aussichtsplattform, die den besten Blick auf die Burg mit Schlossturm und der Altstadt zulässt. Dementsprechend viele Leute tummeln sich natürlich hier.

TIPP

Interessierte können die Räumlichkeiten des Schlosses auf verschiedenen Touren besichtigen (Öffnungszeiten und Preise). Zu beachten gilt, dass die Eintrittskarten für das Schloss im Schlosshof gekauft werden müssen, während die Tickets für den Schlossturm neben dem schwarzen Treppenaufgang des Turms erhältlich sind.

 

Fotospots

Die Tür zur Aussichtsplattform wird rund eine Stunde nach Sonnenuntergang abgesperrt. Wann sie in der Früh geöffnet wird, ist mir leider nicht bekannt.

In den Durchgängen des Schlosses bieten sich immer wieder nette Kompositionsmöglichkeiten an.

Die Mantelbrücke fotografiert man am besten nach Sonnenuntergang. Einerseits ist das Licht in der blauen Stunde dann am schönsten, andererseits hat man dann bereits gute Chancen, fast keine Menschen mehr anzutreffen.

 

ALLGEMEINE TIPPS

Die gesamte Altstadt ist eine Fußgängerzone. Sofern man nicht vom Hotel her einen Parkplatz zur Verfügung gestellt bekommt, gibt es rund um das Zentrum vier große, kostenpflichtige Parkplätze für rund 700 Autos. Einen Orientierungsplan findet man auf der Seite ckrumlov.info.

Einen halbwegs akzeptablen Stadtplan findet ihr auf der Seite planetware.com. Zwar nicht sehr detaillreich, aber ausreichend.

In der Altstadt sollte man unbedingt auf festes Schuhwerk achten. Die Wege sind uneben, gehen bergauf sowie bergab und bergen durch unterschiedlich große Pflastersteine eine erhebliche Stolpergefahr.

Essen und Trinken bereitet in Český Krumlov wirklich Freude. Folgende Restaurants, Cafés und Bars habe ich getestet: Brauerei Eggenberg (Pivovar Eggenberg, Pivovarská 27, Rindsbraten mit böhmischen Knödeln in Wurzelgemüsesauce, fantastisch süffiges helles, dunkles und Schnittbier), Café Štrúdl (Latrán 74, leider etwas versalzener, ansonsten sehr guter Kürbisstrudel mit Rahm), Apotheka Café Bar (Latrán 46, sehr kleine ehemalige Apotheke aus der Zeit der Schwarzenberger, herrliche Vintage-Einrichtung mit Musik aus den 20er-Jahren, große Auswahl an alkoholischen Getränken, ich hatte einen Irish Coffee und einen hauseigenen Wodka-Shot mit Zitrone), Restaurant Švamberský dům (Soukenická 35, Hotelrestaurant mit großem offenen Kamin, angenehme Atmosphäre, Bratkartoffel mit Knoblauch), MLS Crêperie (Latrán 6, kleines Café für Crêpes und Baumkuchen Trdelník).

 

FAZIT

Český Krumlov ist in jeder Hinsicht einen Besuch wert. Das mittelalterliche Stadtbild mit dem beeindruckenden Schloss und seinem Turm wirkt sowohl untertags als auch beleuchtet in der Nacht unglaublich imposant und lädt dazu ein, lange auf den Aussichtsplattformen zu verweilen und den Moment zu genießen. Flanieren in den kleinen Gassen zwischen bunten und reich verzierten Häusern macht einfach Spaß – noch dazu verleiten zahlreiche Restaurants, Cafés und Bars zu einem Aufenthalt. Für die Stadt empfehle ich ein kurzes Wochenende mit einer Übernachtung, um Český Krumlov optimal und stressfrei zu erleben.

 

1 Kommentar

  1. […] sind übrigens ein Erlebnis für sich, selten habe ich so perfekte Blicke auf eine Stadt erlebt! Český Krumlov – Willkommen im Mittelalter […]

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