1. Advent: Ein Tag im stimmungsvollen Brünn

Weihnachtsmarkt auf dem Krautmarkt (Zelný trh) in Brünn

Die Vorweihnachtszeit ab Ende November nützt man gerne, um die Spezialitäten auf lokalen Adventmärkten zu genießen. Für mich gehört es aber dazu, neben meiner Heimatstadt Wien jedes Jahr zumindest einen weiteren Markt in Österreich oder einem anderen Land zu erkunden. 2016 habe ich mich für das tschechische Brünn entschieden und bin dabei in herrliche Weihnachtsstimmung verfallen.

BRÜNN (BRNO)

FAKTEN

Reisezeit: Ende November 2016, 1 . Adventwochenende
Anreise: Mit dem Zug von Wien Hauptbahnhof nach Brno hlavní nádraží (Hauptbahnhof Brünn) (1:27 h).
Unterkunft: Hotel Barceló Brno Palace ***** (Šilingrovo nám. 265/2, historisches Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, spektakuläre Empfangshalle, sehr gute Lage, große Zimmer in neutralen Farben mit Bildern der Stadt an den Wänden, stilvolles Badezimmer mit Überschwemmungsgefahr bei der Dusche, gratis WLAN, kleiner Saunabereich, Frühstück gut, leider sehr enger Bereich beim Buffet) Weiterempfehlung? JA

Brünn ist nach Prag die zweitgrößte Stadt Tschechiens und mit dem Zug nur knapp 90 Minuten von Wien entfernt. Wie so oft habe ich für derart nah angrenzende Städte (ein anderes Beispiel dafür ist Bratislava) aber viele Jahre benötigt, um sie endlich einmal zu besuchen. Das erste Adventwochenende war ein idealer Zeitpunkt, um nicht nur die Sehenswürdigkeiten zu erforschen, sondern auch der Eröffnung der vier Weihnachtsmärkte beizuwohnen.

Blick auf die Kathedrale St. Peter und Paul (Katedrála sv. Petra a Pavla)

Die zwei Wahrzeichen der Stadt

Wenn man mit dem Zug nach Brünn reist, sieht man schon kurz vor dem Bahnhof die Kathedrale St. Peter und Paul (Katedrála sv. Petra a Pavla) auf dem Petrov-Hügel thronen. Die Silhouette der Kirche erinnert mich aus der Ferne jedes Mal an den Veitsdom in Prag. Steht man direkt vor der Kathedrale, wirkt der Bau schon sehr imposant und mächtig. Geschichtlich interessant ist, dass die Kirche als romanische Basilika errichtet, danach gotisch angepasst und schließlich in Barockform umgebaut wurde. Eine Besonderheit ist übrigens, dass das Mittagsläuten bereits um 11 Uhr stattfindet. Dieser Brauch stammt aus der Zeit der zweiten Schwedenbelagerung während des Dreißigjährigen Krieges 1645. Der schwedische Heerführer wollte die Belagerung beenden, wenn es nicht bis zum 15. August um 12 Uhr mittags gelangen würde, die Stadt einzunehmen. Brünns Bürger wehrten das um ein vielfaches stärkere Heer der Schweden ab, indem man einfach das Mittagsläuten um eine Stunde auf 11 Uhr vorverlegte, so die Schweden täuschte und zum Abzug zwang. Der Turm der Kirche kann übrigens bestiegen werden, ich habe ihn aber zugunsten des Turms im Alten Rathaus ausgelassen. Erwähnenswert sind weiters die Denis Parkanlagen (Denisovy sady) rund um die Kathedrale, die einen Ausblick auf die abgewandte Seite der Altstadt zulassen und mit schönen Wegen glänzen.

Das zweite unübersehbare Wahrzeichen Brünns ist die Festung Spielberg (Špilberk) auf einem nur 282 Meter hohen Felshügel. In den letzten knapp 750 Jahren wurde sie als Burg, Festung, Kaserne und Gefängnis genutzt. Der Aufstieg ist über Stufen und Serpentinen von mehreren Seiten aus möglich und führt durch eine tolle Parkanlage ähnlich der im vorigen Absatz erwähnten. Dabei ergeben sich immer wieder fantastische Ausblicke auf die Stadt. Die Festung selbst kann umrundet und der Innenhof auch kostenlos besichtigt werden. Mir persönlich ist der Stil allerdings zu schlicht, als dass die Burg mich länger begeistern könnte.

Fotospots

Die Kathedrale St. Peter und Paul lässt sich am besten von einer Aussichtsplattform vor der Festung Špilberk und vom Turm des Alten Rathauses ablichten.

Den schönsten Blick auf die Festung Špilberk gibt es ebenfalls vom Turm des Alten Rathauses, dabei liegt im Vordergrund die Michaelerkirche.

 

Sightseeing im Schnelldurchlauf

Das Schöne an Brünn ist, dass so gut wie alle wichtigen Sehenswürdigkeiten relativ nah in der Innenstadt zusammen liegen. Eine Ausnahme davon bildet die Villa Tugendhat etwas nördlich der Altstadt, die mit den Straßenbahnen 3, 5 (Station Dětská nemocnice) oder 9 (Station Tomanova) und einem kurzen Fußmarsch aber auch recht schnell erreichbar ist. Die Villa wurde 1929 bis 1930 nach den Plänen von Architekt Ludwig Mies van der Rohe gebaut und gilt als Meilenstein der modernen Architektur. Da ich keine Führung für meinen Besuchstermin bekommen habe, musste ich mich mit der Außenansicht vom Garten aus begnügen.

HINWEIS

Um als Individualperson auf Deutsch oder Englisch eine Führung in der Villa Tugendhat zu machen, muss man monatelang im Vorhinein reservieren! Informationen für Besucher und den Link zur Online-Reservierung findet man auf der Seite tugendhat.eu. Einfacher ist es wohl, wenn man über einen Touranbieter eine (wesentlich teurere) Führung bucht.

Den Garten der Villa kann man zu den Öffnungszeiten auch ohne Führung ansehen und zumindest von außen einen Blick in das Gebäude erhaschen sowie die Aussicht in Richtung der Festung Špilberk bestaunen. Dazu muss man rechts vom Haupteingang an der Säule anläuten und den gewünschten Gartenbesuch anmelden. Danach wird man zur Kassa in das Gebäude begleitet (50,- CZK / 1,80 EUR).

 

In der Innenstadt befinden sich zahlreiche Kirchen, von denen die meisten leider am Tag meines Besuchs geschlossen hatten. Offen vorgefunden habe ich aber die absolut sehenswerte und sehr helle St.-Jakobs-Kirche (Kostel sv. Jakuba) mit freistehendem Altar, vielen Säulen und einer etwas beängstigend wirkenden Orgel. Die Michaelerkirche (Kostel svatého Michaela archanděla) auf dem Dominikanerplatz ist schlicht mit schön kariertem Boden.

Im Zentrum der Stadt liegt das Alte Rathaus (Stará radnice), dem man etwas mehr Beachtung schenken sollte. Beim Betrachten des wunderschönen, spätgotischen Eingangsportals des Brünner Baumeisters Anton Pilgram fällt sofort das schiefe Türmchen an der Spitze ins Auge. Einer Sage nach soll sich Pilgram um das Jahr 1510 dabei für seine schlechte Bezahlung gerächt haben. Im darunter liegenden Durchgang hängt an der Decke der Brünner Drache, der in Wirklichkeit ein Nilkrokodil ist. Das Fabelwesen ist bis heute in der ganzen Stadt als Symbol zu finden und wird vor allem in Souvenirläden in allen möglichen Varianten als Andenken verkauft. Auch um das Holzrad an der Wand hinter dem Krokodil rankt sich eine Sage von einem Wagner, der 1636 mit seinen Freunden gewettet haben soll, dass er innerhalb von zwölf Stunden aus einem Baum ein Rad machen kann und dieses nach Brünn schafft. Wie man sieht, ist es ihm gelungen. 😉 Das Highlight im Alten Rathaus ist aber zweifellos der Aufstieg auf den Turm, von dem man eine fantastische Sicht in alle Himmelsrichtungen hat und die beiden markanten Bauten Kathedrale St. Peter und Paul sowie die Festung Špilberk perfekt fotografieren kann (Ticket 60,- CZK / 2,20 EUR, erhältlich in der Touristeninfo unterhalb des Krokodils).

Fotospots

Der Turm des Alten Rathauses ist das Eldorado für Fotografen. Er ist ganzjährig zugänglich (die Öffnungszeiten auf diversen Seiten im Internet stimmen hier anscheinend nicht!), hat kein störendes Sicherheitsnetz und obendrein lässt sich die Kamera wunderbar auf das Steingeländer legen, sodass man auch in der Dämmerung ohne Stativ arbeiten kann. Das einzige Hindernis ist der stark begrenzte Platz, sodass man immer wieder Menschen beim Vorbeigehen Platz machen muss.

Vom Turm sieht man auf der Ostseite auch einen architektonisch interessanten, u-förmigen Hof.

 

Stimmungsvolle Weihnachtsmärkte

Brünn hat in der Innenstadt gleich vier Adventmärkte zu bieten, die sich allesamt mehr oder weniger stark unterscheiden. Durch ihre geografische Nähe ist es kein Problem, allen an einem Nachmittag oder Abend einen Besuch abzustatten. Auffallend ist, dass auf keinem Markt englische Bezeichnungen zu finden waren. Das ist für mich immer ein sehr gutes Zeichen, dass man als Besucher qualitativ hochwertige Ware erhält und keine Touristenabzocke zu befürchten hat. Im Folgenden stelle ich euch die Märkte vor – was es dabei kulinarisch zu entdecken gab, erfahrt ihr gesammelt in den Allgemeinen Tipps am Ende des Beitrags.

Der größte Weihnachtsmarkt liegt auf dem Freiheitsplatz (Náměstí Svobody) und hat auf mich zu Beginn beim Eintreffen am Nachmittag einen eher abschreckenden Eindruck gemacht. Grund dafür war extrem laute und wenig weihnachtliche Livemusik auf einer großen Bühne. Ich habe dem Markt aber am Abend und am nächsten Morgen noch eine Chance gegeben und wurde besänftigt. 😉 Das Angebot der zahlreichen Stände ist riesig und bietet allerlei Handwerk, überraschend wenig Kitsch, gut duftendes Essen sowie Glühwein und Punsch. Neben dem schönen Weihnachtsbaum ist eine sehenswerte Holzkrippe aufgebaut, gleich daneben kann man vier lebenden Schafen und Ziegen beim Nichtstun zusehen. Die rundherum auf den Platz führenden Straßen sind alle sehr stimmungsvoll beleuchtet. Auf der nördlichen Seite des Platzes gibt es die Möglichkeit, mit einer durch Lichterketten leuchtenden Straßenbahn eine kleine Runde zu drehen. Ein Blickfang ist übrigens die Brünner Uhr (Brněnský orloj), eine Skulptur in Form einer Patrone. Sie erinnert an die Belagerung Brünns durch schwedische Truppen im Jahre 1645. Viele Leute wird die Skulptur aber eher an andere, nicht jugendfreie Dinge erinnern. 😉

Fotospots

 

Nur zwei Gassen entfernt liegt der Weihnachtsmarkt auf dem Kapuzinerplatz (Kapucínské náměstí), direkt vor dem Neuen Rathaus – ein äußerst schönes und ruhiges Umfeld. Dieser Markt wurde 2016 erstmals aufgebaut und punktet vor allem durch seine an Streetfood angelehnte Speisen wie Fish & Chips, kreative Miniburger, belegte Brote sowie den süßen Klassiker Trdelník (Baumkuchen). Zwei junge Gitarristen sorgten während meines Besuchs in der Mitte des Platzes für stimmungsvolle Unterhaltung. Nachdem der Kapuzinerplatz abfallend ist, sind alle Hütten nivelliert und müssen über Stufen „erklommen“ werden. Dadurch wirkt der Markt größer und täuscht darüber hinweg, dass er eigentlich äußerst klein ist.

Weihnachtsmarkt auf dem Kapuzinerplatz (Kapucínské náměstí)
Weihnachtsmarkt auf dem Kapuzinerplatz (Kapucínské náměstí)
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Auf dem Krautmarkt (Zelný trh) werden normalerweise allerhand Marktwaren angeboten, in der Weihnachtszeit weichen die Händler aber zugunsten des Adventmarkts. Ein richtig kitschiger, aber wunderschöner großer Baum überragt den Platz. Auf einer kleinen Bühne spielten Musiker authentische Folkloremusik, die den Besuch wunderbar untermalt hat. Das Angebot ist hier wie auf dem Freiheitsplatz riesig und man entdeckt allerhand Interessantes. Für Kinder werden unter anderem zwei Karusselle zur Unterhaltung angeboten.

Fotospots

 

Ein Weihnachtsmarkt der etwas anderen Art findet sich am nördlichen Ende der Altstadt im Park Moravské náměsti. Hier geht es etwas moderner und alternativer zu mit dreieckigen Christbäumen aus Holzkisten und weißen „Zirkuszelten“ statt Holzhütten. Das Angebot in den Zelten ist gelinde gesagt fantastisch und überzeugt vom ersten Anblick an. Jedes Zelt ist einem anderen Schwerpunkt wie Essen, Musik, Handwerk oder Lebensmittel gewidmet. Getränke werden gesammelt in der Mitte des Parks ausgegeben, wodurch sich die Massen gut verteilen. Ich habe einen Turbomost und einen Becherovka-Punsch probiert – beide waren zwar recht stark vom Alkoholgehalt, allerdings wesentlich verträglicher als alle in Wien probierten Heißgetränke.

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

Brünn ist relativ hügelig, weshalb man beim Umherschlendern auf festes Schuhwerk achten sollte um nicht schon nach wenigen Stunden müde Knochen zu spüren.

Das Straßenbahnnetz ist exzellent und die Intervalle recht kurz. In der Innenstadt benötigt man keine öffentlichen Verkehrsmittel, will man aber die Villa Tugendhat oder die Brauerei Starobrno besuchen, empfiehlt sich ein 15-Minuten-Ticket um 20 CZK / 0,70 EUR. Den Fahrschein erhält man an den gelben Ticketautomaten bei den Stationen (Achtung, nicht jede Station verfügt über einen Automaten!), indem man den obersten Knopf drückt und mit Münzen bezahlt (keine Scheine möglich, die Automaten geben aber Restgeld). Fahrplanauskunft und Informationen über die Ticketpreise findet man auf der Seite idsjmk.cz. Einen vernünftigen Linienplan gibt es dagegen auf der Seite paddlesteamers.info.

Kulinarisch empfehlen kann ich die Gaststätte in der Brauerei Starobrno (Pivovar Starobrno, Hlinky 160/12, Straßenbahnen 5, 6, 7 Station Mendlovo nám.). Nicht nur das Bier ist extrem süffig (ich habe das Hausbier Starobrno DRAK, ein ungefiltertes Starobrno Nefiltrovaný und ein Weizenbier Krušovice Pšeničné probiert – alle drei eine Wohltat), sondern auch das Essen war fantastisch (Schweineripperl mit Knoblauchbrot, Pfefferoni, Maiskolben, Kren und Joghurt). Auf den Weihnachtsmärkten gibt es folgende Köstlichkeiten: Kartoffelpuffer (Bramborák, in Fett triefend, aber nomnom!), frische Schaumrollen, Baumkuchen (Trdelník) und gegrillter Rauchkäse auf einem Stück Brot (Grilovaný oštiepok), dessen intensiver Geruch nach Holzkohle überall auf den Märkten bemerkbar ist.

 

FAZIT

Brünn ist sicherlich zu jeder Jahreszeit sehenswert, aber wenn man die Stadt zeitlich mit Weihnachten verbinden kann, sollte man das unbedingt tun. Verkehrstechnisch liegt Brünn sehr gut erreichbar – sowohl mit dem Auto als auch vor allem mit dem Zug (Achse München – Wien/Budapest – Brünn – Prag – Berlin). Nachdem fast alle Sehenswürdigkeiten gemeinsam mit den Weihnachtsmärkten eng zusammen in der Altstadt liegen, lässt sich Brünn sogar an nur einem Tag erkunden. Ich empfehle aber eine Übernachtung, um die Stimmung perfekt aufzunehmen und am nächsten Morgen stressfrei noch ein gemütliches Frühstück in der Stadt einzunehmen.

 

Reisebericht über Brünn in Tschechien im Advent mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps.

1 Kommentar

  1. […] die auf den Weihnachtsmärkten angeboten werden, zu verknüpfen. Eine herrliche Kombination! 1. Advent: Ein Tag im stimmungsvollen Brünn […]

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