10 Dinge, die man in Bratislava sehen muss

Blick auf die beleuchtete Burg Bratislava

Über 30 Jahre lebe ich nun in Wien und habe es trotzdem nie geschafft, ins nur 80 Kilometer entfernte Bratislava zu fahren. Um diesem Umstand endlich ein Ende zu bereiten und der ehemaligen Krönungsstadt vieler Könige und Königinnen die Ehre zu erweisen, habe ich mich an einem schönen Sonntagvormittag einfach mal in den Zug gesetzt und der slowakischen Hauptstadt einen Tagesbesuch abgestattet.

Bratislava

FAKTEN

Reisezeit: Juli 2016 (Tagesausflug)
Anreise: Mit dem Zug von Wien Hauptbahnhof nach Bratislava-Petržalka (1:00 h), alternativ von Wien Hauptbahnhof nach Bratislava hlavná stanica (1:06 h). Mehr Infos zur Anreise findet ihr in den allgemeinen Hinweisen am Ende des Beitrags.

Bratislava gilt als Krönungsstadt vieler Könige und hat eine aufregende Geschichte hinter sich: Nachdem das Heer des Königreiches Ungarn 1526 in Südungarn eine verheerende Niederlage gegen Truppen des Osmanischen Reichs erlitt, konnten die Krönungen ungarischer Könige auf dem dortigen Gebiet nicht mehr in Sicherheit durchgeführt werden. Mit Bratislava (damals noch unter dem Namen Poszony) wurde ein Ort an der Donau gefunden, der mit einer doppelten Stadtbefestigung auch starken Angriffen standhalten konnte – fortan fanden die Krönungen hier statt. Insgesamt wurde das Königszepter zwischen 1563 und 1860 an elf Könige und acht Königinnen übergeben, danach übernahm Budapest diese Tradition (wo man übrigens heute im Parlament die Stephanskrone hautnah betrachten kann). Jährlich im Juni wird ein großes Fest veranstaltet, bei dem die Krönungsfeier nachgespielt wird. Dieses Spektakel möchte ich in naher Zukunft einmal selbst erleben, aber einstweilen stelle ich euch nachfolgend zehn Punkte vor, die man in Bratislava unbedingt sehen und erleben muss.

1. Burg Bratislava

Die Burg (Bratislavský hrad) ist das Wahrzeichen Bratislavas und bei der Anreise schon von Weitem sichtbar. Sie liegt strategisch günstig auf einem 85 Meter hohen Hügel, der schon seit der Steinzeit besiedelt wurde. Früher war die Burg Sitz ungarischer Könige, deren Kronjuwelen hier aufbewahrt wurden. Heute befindet sich im Inneren das Historische Museum, in dem unter anderem die Schatzkammer besichtigt werden kann. Auch wenn man nicht am Museum interessiert ist, muss man unbedingt die Aussicht von den Terrassen rund um die Burg genießen, denn diese ist sensationell!

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Den besten Blick auf die Burg hat man von drei Positionen aus: Vom Fuß sowie der Spitze der UFO-Aussichtsplattform (siehe Punkt 2), vom Kriegerdenkmal Slavín (siehe Punkt 8) und vom Eingang des Restaurant Parlament (siehe Punkt 10).

 

2. UFO-Aussichtsplattform

Neben der Burg sticht dem Besucher noch ein weiteres Bauwerk sofort ins Auge, nämlich das UFO Bar & Restaurant. Dieses thront an der Spitze der Pfeiler der Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes (Most SNP, bis 2012 als Neue Brücke/Nový most bekannt) und ist über einen Aufzug im linken Pfeiler erreichbar. Die Bar und das Restaurant bieten einen tollen Blick auf die Altstadt, sind aber sehr hochpreisig und wohl eher etwas für besondere Anlässe. Darüber in 95 Metern Höhe liegt eine 360-Grad-Aussichtsplattform, die bis 23 Uhr geöffnet hat und es somit ermöglicht, den Sonnenuntergang von oben mitzuerleben (Eintritt 7,40 EUR, wird bei Konsumation im Restaurant angerechnet). Leider war die Plattform am Tag meines Besuchs wegen einer privaten Veranstaltung geschlossen.

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Ich konnte zwar wie erwähnt nicht auf die Aussichtsplattform, sondern nur in die Bar, aber auf Bildern im Internet ist zu erkennen, dass die Plattform sehr fotografenfreundlich angelegt ist. Es gibt einen einfachen Zaun, durch den man die Kamera gut durchstecken kann und Ablageflächen, um auch längere Belichtungszeiten zu ermöglichen.

 

3. Martinsdom

Die gotische Kathedrale des Heiligen Martin (Katedrála svätého Martina) liegt am westlichen Ende der Altstadt direkt neben der vielbefahrenen Zufahrt auf die Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes. Sie gilt als die Krönungskirche der ungarischen Könige und hat in den letzten Jahrhunderten einige Umbauten sowie Änderungen erlebt. Einen genaueren Blick sollte man von außerhalb auf die Spitze des Kirchturms werfen, denn dort sitzt seit 1847 eine Nachbildung der ungarischen Stephanskrone als Erinnerung an die Bedeutung der Kathedrale als Krönungskirche.

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4. Altes Rathaus

Das Alte Rathaus (Stará radnica) ist eines der ältesten Häuser Bratislavas und ein über die Jahre zusammengeschlossener Gebäudekomplex. Der Turm existiert bereits seit dem 13. Jahrhundert. Nach und nach wurden weitere Häuser für die Nutzung als Rathaus erworben. Im Inneren befindet sich heute das Stadtmuseum, im Zuge einer Führung (5,- EUR) kann man auch die Aussicht vom Wehrturm genießen. Ich habe diese Möglichkeit aber nicht genutzt und stattdessen den Fernblick vom Michaelertor (siehe Punkt 6) bevorzugt. Am Hauptplatz vor dem Alten Rathaus steht seit 1572 übrigens der älteste Brunnen der Stadt, der Maximilianbrunnen – er erinnert an den ersten in Bratislava (damals Poszony) gekrönten König Maximilian II.

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Es zahlt sich aus, am Abend nochmals zum Hauptplatz zurückzukehren und die schöne Beleuchtung des Alten Rathauses und des Maximilianbrunnens anzusehen.

 

5. Primatialpalais

Das Primatialpalais (Primaciálny palác) ist ein 1781 fertig gestellter Prachtbau, der als Residenz des Kardinals József Batthyány, des Primas von Ungarn, diente. Als Architekt fungierte der Wiener Melchior Hefele. Bis 1996 war es Regierungssitz, heute wird das Gebäude als Rathaus genutzt. Die im ersten Stock gelegenen, wunderschönen Innenräume können gegen eine kleine Gebühr besichtigt werden. Besonders sehenswert ist dabei der Spiegelsaal und die Kapelle im hinteren Teil. Im Innenhof steht der Springbrunnen des Heiligen Georg und zeigt, wie der Ritter einer Legende nach den Drachen im Kampf besiegt.

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6. Michaelertor

Das weiße Michaelertor (Michalská brána) mit Zwiebeldach ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Es stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist das einzig erhaltene Stadttor Bratislavas. Von der etwas unterhalb des Dachs gelegenen Terrasse erhält man einen ausgezeichneten Blick auf die Dächer der Altstadt, die UFO-Aussichtsplattform und die Burg. Auch das Beobachten der Menschen in den engen Gassen ist ein spannendes Unterfangen. Um auf den Turm aufsteigen zu können, muss man ein Ticket für das Waffenmuseum (4,30 EUR) erwerben.

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Wenn ihr Wert darauf legt, dass die Burg von der Sonne schön beleuchtet wird, solltet ihr das Michaelertor am Vormittag besuchen, nachmittags herrscht starkes Gegenlicht (wie auf meinem Foto ersichtlich).

 

7. Blaue Kirche (St.-Elisabeth-Kirche)

Zwar kein Geheimtipp, aber dennoch von vielen Besuchern sicherlich übersehen wird die Blaue Kirche bzw. offiziell St.-Elisabeth-Kirche (Kostol svätej Alžbety). Sie liegt etwas abseits der Altstadt, ist aber dennoch zu Fuß in wenigen Minuten problemlos zu erreichen. Die Sezessionskirche ist sowohl innen als auch außen in blauer Pastellfarbe gehalten und zusätzlich mit wunderschönen Details verziert. Die Blaue Kirche ist für mich einer der schönsten Sakralbauten, die ich je gesehen habe.

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8. Slavín

Das 52 Meter hohe Kriegerdenkmal Slavín zu Ehren der gefallenen Soldaten der Sowjetarmee steht auf einem Berg mitten in der Stadt und bietet einen Blick auf die Burg und einen Teil Bratislavas. Das Denkmal wird von der Bevölkerung mit Zwiespalt gesehen: Einerseits herrscht Dank an die Sowjetarmee für die Befreiung der Stadt im Zweiten Weltkrieg, andererseits werden die darauffolgenden 40 Jahre in sozialistischer Totalität mit wenig Liebe betrachtet. Das Gelände rund um das Denkmal ist jedenfalls ein herrlicher Ort, um etwas zu entspannen. Es ist von der Altstadt entweder in rund 30 Minuten Fußmarsch zu erreichen oder alternativ mit dem Bus auf mehreren Wegen. Die zum Denkmal nächstgelegene Station Slavín wird von der Linie 147 stündlich angefahren – es handelt sich dabei aber um einen Kleinbus, der nur wenigen Leuten Platz bietet. Ich empfehle deshalb eher diese Variante: Mit dem Bus 208 (wochentags alle 15, am Wochenende alle 30 Minuten) zur Endstation Šulekova, dann zu Fuß 10 Minuten in Serpentinen bergauf. Alternativ mit den Bussen 203 oder 207 zur Station Kozia (täglich alle 15 Minuten) und von dort in 15 Minuten Fußmarsch zum Denkmal. In den allgemeinen Tipps am Ende des Beitrags findet ihr einen hilfreichen Link zu den Busplänen.

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9. Die Altstadt entdecken

Neben den vorgestellten Hauptsehenswürdigkeiten verstecken sich in der Altstadt noch jede Menge Schätze, denen ihr bei einem Spaziergang durch die liebevollen Gassen begegnen werdet. Direkt links neben dem Alten Rathaus lohnt ein Blick in die Jesuitenkirche (Juzuitsky kostol) und ein paar Schritte weiter in die Franziskanerkirche (Františkánsky kostol). An mehreren Punkten der Altstadt stehen witzige Statuen, die bei Touristen beliebteste ist Čumil („der Beobachter“), die aus einem Kanaldeckel herausblickt. Das Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters (Slovenské Národné Divadlo) ist von außen ebenfalls ein Blickfang, am großen langgezogenen Hviezdoslav-Platz (Hviezdoslavovo námestie) davor findet übrigens im Advent der Weihnachtsmarkt statt. Folgt man dem promenadenartigen Platz, stößt man am Ende auf die Dreifaltigkeitssäule (Morový stĺp). Erwähnenswert ist noch das Palais Grassalkovich, in dem seit 1996 der Präsidentenpalast (Prezidentský palác) untergebracht ist.

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Ein besonders fotogener Platz befindet sich nahe der Straßenbahnstation Kapucínska. Der Blick auf die Burg wird durch die vorbeifahrende Tram sehr schön unterstützt.

 

10. Gut essen und trinken gehen

Für eine Kaffeepause empfiehlt sich ein Besuch im Café Mayer (Hlavné námestie 355/4) am Hauptplatz. Die stilvolle Einrichtung geht bis in die Gründerzeit zurück und die Mehlspeisen schmecken hervorragend. Schräg gegenüber liegt das traditionsreiche Roland Café & Restaurant (Hlavné námestie 356/5), in das man aufgrund der Architektur auch zumindest einmal hineinschauen sollte. Eine Kulturpause nach dem Besuch der Burg genießt man im Restaurant Parlament (Námestie Alexandra Dubčeka 1) gleich neben der Burg mit herrlichem Blick auf den Stadtteil Petržalka. Hervorragend einheimische Küche gegessen habe ich im Restaurant Ventúrska Klubovňa (Ventúrska 269/1), noch dazu braut das Lokal sein eigenes schmackhaftes Bier. A propos Bier: im Restaurant Primi (Michalská 378/21) gleich neben dem Michaelertor liegt ein großer, wunderschöner Biergarten im Innenhof. Generell ist die Dichte an Bars und Restaurants in der Altstadt enorm und die meisten Lokale wirken auch optisch sehr einladend.

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Allgemeine Hinweise

Die Anreise aus Wien ist optimal: vom Wiener Hauptbahnhof gibt es jede halbe Stunde einen Zug, der abwechselnd zum Hauptbahnhof Bratislava (Bratislava hlavná stanica) oder zum Bahnhof Bratislava-Petržalka (Železničná stanica Bratislava-Petržalka) fährt und dabei nur rund eine Stunde benötigt. An welchem Bahnhof man ankommt ist prinzipiell egal: vom Hauptbahnhof gelangt man mit der Straßenbahnlinie 1 ins Zentrum (alternativ zu Fuß in 15-20 Minuten), vom Bahnhof im Stadtteil Petržalka mit dem Bus 80 zur Station Zochova, von wo aus man direkt die Altstadt betritt.

Wenn man aus Österreich anreist, zahlt sich das Bratislava-Ticket der ÖBB aus, das man an allen Fahrkartenautomaten über einen eigens anwählbaren Punkt erhält. Es kostet für die Hin- und Rückfahrt 16,- EUR und inkludiert für den Tag der Anreise die öffentlichen Verkehrsmittel in Bratislava. Dies ist ungemein praktisch, da man sich dann vor Ort keine Gedanken mehr über Fahrscheine machen muss.

Das Liniennetz zum Ausdrucken findet ihr auf der Seite imhd.sk, dort den zweiten Punkt „Day Routes“ auswählen. Die Fahrpläne der einzelnen Linien (vor allem für die Busse interessant) gibt es ebenfalls auf imhd.sk.

Eine besondere Art der Anreise auf der Donau kann man mit dem Schnellboot Twin City Liner wählen, der den zentralen Wiener Schwedenplatz mit Bratislava verbindet und 75 Minuten benötigt.

 

Fazit

Bratislava ist die ideale Destination für einen Tagesausflug, optimalerweise ausgehend von Wien. Die Anreise ist unkompliziert und schnell, die Altstadt mit ihren liebevollen Gassen und Geschäften angenehm überschaubar sowie gut zu Fuß zu erkunden. Mit der Burg, der Aussichtsplattform UFO und dem Kriegsdenkmal Slavín bekommt man als Besucher auch herrliche Blicke über die Stadt serviert. Garniert wird der Aufenthalt mit deftiger, aber sehr schmackhafter slowakischer Hausmannskost. Wer die Chance hat nach Bratislava zu kommen, sollte sie auf jeden Fall nutzen!

 

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