La Rochelle und die „weiße Insel“

Der Hafen von La Rochelle

Wer das erste Mal in das westfranzösische La Rochelle kommt, fühlt sich wahrscheinlich in das Mittelalter zurückversetzt. Grund dafür ist der weitgehend erhaltene historische Hafen mit drei markanten Türmen. Dass der Ort im zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde und man den Anblick heute noch genießen kann, verdanken wir einer Abmachung zwischen einem deutschen Vizeadmiral und einem französischen Unterhändler.

LA ROCHELLE

FAKTEN

Reisezeit: Juni 2016 (1 Nacht bzw. 4 Stunden Sightseeing)
Anreise: Mit dem Auto von Bordeaux über die A10 und A837 nach La Rochelle (ca. 2:00 h)
Unterkunft: Appart’hôtel Odalys Archipel (27 Rue la Huguenotte, altmodisches Zimmer und Bad, hartes Bett, gratis WLAN, nicht genutzter Außenpool, Frühstück nicht im Preis inbegriffen)

Die weiteren Stationen meiner Frankreich-Reise

Teil 1 // Bordeaux: Wo der Genuss Zuhause ist

Teil 2 // Dune du Pilat: Aufstieg auf Europas höchste Wanderdüne

Teil 3 // La Rochelle und die „weiße Insel“

Teil 4 // Nantes: Eine Stadt erfindet sich neu

Teil 5 // Paris: Sieben Tage zu Gast in Frankreichs Herz (folgt demnächst)

Reiseverlauf (13 Tage): Wien –> Paris Charles de Gaulle (Flug Austrian Airlines) // Paris Charles de Gaulle –> Bordeaux (Zug TGV) // Bordeaux –> Dune du Pilat (Mietauto) // Dune du Pilat –> La Rochelle (Mietauto) // La Rochelle –> Nantes (Mietauto) // Nantes –> Paris Montparnasse (Zug TGV) // Paris Gare de l’Est –> Frankfurt/Main (Zug TGV) // Frankfurt/Main –> Wien (Flug Lufthansa)

 

Bewegte Geschichte

Die Geschichte von La Rochelle reicht bis in das 10. Jahrhundert zurück, übersetzt bedeutet der Ortsname „Der kleine Felsen“. Der markanteste Ort in der Stadt ist der Hafen mit den drei Türmen Tour de la Lanterne, Tour St.-Nicolas und Tour de la Chaine. Seine Bedeutung hat sich über die Jahre zusehends gesteigert. Bis zum 15. Jahrhundert handelte es sich durch Wein- und Salzhandel sogar um den größten Hafen Frankreichs an der Atlantikküste. Auch der folgende Religionskrieg und die Belagerung La Rochelles konnten der Wichtigkeit des Hafens keinen Abbruch tun. Im zweiten Weltkrieg wurde die Stadt bis zum 8. Mai 1945 von Deutschland belagert. Im Rahmen eines Stillhalteabkommens zwischen dem deutschen Festungskommandanten Vizeadmiral Ernst Schirlitz und dem französischen Unterhändler Capitaine de Fregate Hubert Meyer wurde eine Vereinbarung getroffen: Eine befohlene Zerstörung der Stadt- und Hafenanlagen sollte unterlassen werden, sofern die alliierten Truppen die in La Rochelle eingekesselten Deutschen nicht angreifen würden. Dies ist der Grund, dass La Rochelle nach der deutschen Kapitulation unversehrt übergeben werden konnten, während andere Atlantikstädte noch kurz vor Kriegsende völlig zerstört wurden.

Alle drei Türme auf einen Blick: Tour de la Lanterne, Tour de la Chaine und Tour St.-Nicolas
Alle drei Türme auf einen Blick: v.l.n.r. Tour de la Lanterne, Tour de la Chaine und Tour St.-Nicolas
Aufnahmeort anzeigen
Der Tour de la Lanterne steht etwas einsam am Wasser
Der Tour de la Lanterne steht etwas einsam am Wasser
Aufnahmeort anzeigen
Blick auf das erhaltene Hafenportal von La Rochelle
Blick auf das erhaltene Hafenportal von La Rochelle
Aufnahmeort anzeigen

Frühstück in herrlicher Umgebung

Von meinem etwas abseits der Innenstadt gelegenen Hotel aus war es nur ein bequemer zehnminütiger Spaziergang, bis die historische Hafenanlage erreicht ist. Entlang der Kaimauer reihen sich die Cafés und Restaurant aneinander und es macht Spaß, während des Frühstücks den Menschen rundherum und dem Treiben der Boote zuzusehen. Ein typisch französisches Frühstück besteht übrigens aus einem Kaffee, Orangensaft, Croissant und einem halben Baguette mit Butter (das sogenannte Tartine). Trotz der Einfachheit ist es schmackhaft, wenn auch nicht wirklich reich- oder nachhaltig. 😉 So sehr die Lust da war, danach weiter in Richtung der historischen Altstadt von La Rochelle zu flanieren – es war einfach keine Zeit vorhanden und ich wollte um jeden Preis noch ein wenige Kilometer entferntes Highlight sehen …

Zahlreiche kleine Boote im Hafen und ein attraktiver Himmel ergeben ein schönes Erinnerungsbild
Zahlreiche kleine Boote im Hafen und ein attraktiver Himmel ergeben ein schönes Erinnerungsbild
Aufnahmeort anzeigen
Ein typisch französisches Frühstück: Kaffee, Orangensaft, Croissant und ein halbes Baguette mit Butter (das sogenannte Tartine)
Ein typisch französisches Frühstück: Kaffee, Orangensaft, Croissant und ein halbes Baguette mit Butter (das sogenannte Tartine)
Aufnahmeort anzeigen
Ein echtes Postkartenmotiv: Das Hafenportal mit zahlreichen Booten davor
Ein echtes Postkartenmotiv: Das Hafenportal mit zahlreichen Booten davor
Aufnahmeort anzeigen
Schlechtes Wetter hat auch seine guten Seiten, wie man sieht
Schlechtes Wetter hat auch seine guten Seiten, wie man sieht
Aufnahmeort anzeigen
Entfernt erinnert diese Szenerie an Amsterdam
Entfernt erinnert diese Szenerie an Amsterdam
Aufnahmeort anzeigen
Beim Betrachten der Boote steigt die Lust, selbst an Bord zu gehen
Beim Betrachten der Boote steigt die Lust, selbst an Bord zu gehen
Aufnahmeort anzeigen

Fahrt auf die „weiße Insel“

Nur einige Autominuten entfernt von La Rochelle befindet sich die Île de Ré. Auf diese Insel gelangt man über eine fast drei Kilometer lange, mautpflichtige Brücke (Für ein Auto 16 Euro in der Hauptsaison und 8 Euro in der Nebensaison, Rückfahrt inklusive). Meine Zeit war leider schon sehr begrenzt, weswegen ich nur bis zum Dorf La Flotte gekommen bin und dann umdrehen musste. Dennoch waren die wenigen Eindrücke sehr speziell, vor allem auch die Fahrt durch wunderschöne Pinien- und Kiefernwälder. Riesige Salzflächen, der helle Sandstrand und kalkfarben gestrichene Häuser lassen keinen Zweifel daran, warum die Île de Ré als „weiße Insel“ bezeichnet wird. Aushalten könnte man es hier auf jeden Fall länger, das wurde mir rasch bewusst. Wer weiß, vielleicht verschlägt es mich ja nochmals hier her? 😉

FOTOSPOT

Gleich nach dem Ende der Brücke empfiehlt es sich, im Kreisverkehr die Ausfahrt zum Strandrestaurant zu nehmen und die Aussicht auf die lange Brücke zu genießen.

 

Fahrt über die mautpflichtige Brücke auf die Insel Île de Ré
Fahrt über die mautpflichtige Brücke auf die Insel Île de Ré
Aufnahmeort anzeigen
Die knapp drei Kilometer lange Brücke Pont de l'île de Ré
Die knapp drei Kilometer lange Brücke Pont de l’île de Ré
Aufnahmeort anzeigen
Auf der Insel durchquert man Pinien- und Kiefernwälder
Auf der Insel durchquert man Pinien- und Kiefernwälder
Aufnahmeort anzeigen
Weiße Gebäude in der kleinen Ortschaft La Flotte
Weiße Gebäude in der kleinen Ortschaft La Flotte
Aufnahmeort anzeigen
Der Hafen von La Flotte
Der Hafen von La Flotte
Aufnahmeort anzeigen
Das Ortsbild lädt zum Verweilen ein
Das Ortsbild lädt zum Verweilen ein
Aufnahmeort anzeigen
Autofahren ist auf der Insel übrigens nur halb so lustig, ständig sorgen Einbahnstraßen für große Umwege
Autofahren ist auf der Insel übrigens nur halb so lustig, ständig sorgen Einbahnstraßen für große Umwege
Aufnahmeort anzeigen
Der Weg zum Meer führt durch die Häuser
Der Weg zum Meer führt durch die Häuser
Aufnahmeort anzeigen
Bei der Durchfahrt fühlte ich mich an kleine Ortschaften in Niederösterreich erinnert
Bei der Durchfahrt fühlte ich mich an kleine Ortschaften in Niederösterreich erinnert
Aufnahmeort anzeigen
Ein Fahrrad statt einem Auto wäre in den engen Gassen die bessere Variante
Ein Fahrrad statt einem Auto wäre in den engen Gassen die bessere Variante
Aufnahmeort anzeigen

HINWEIS

Ein derart kurzer Aufenthalt in einer schönen Stadt wie La Rochelle ist normalerweise nicht meine bevorzugte Art während einer Reise. In diesem Fall war die Hafenstadt aber nur als nächtlicher Zwischenstopp für die drei- bis vierstündige Fahrt von Bordeaux nach Nantes eingeplant. Ein zeitiges Frühstück inklusive kurzem Hafenrundgang und ein Kurzbesuch auf der Atlantikinsel Île de Ré waren alles, was zeitlich möglich war, da mein Mietauto zu Mittag bereits in Nantes zurückgegeben werden musste.

 

FAZIT

Auch wenn es nur ein wenige Stunden dauernder Aufenthalt war, hat mich La Rochelle mit seiner historisch ausgezeichnet erhaltenen Hafenanlage in den Bann gezogen. Die Geschichte ist förmlich spürbar, wenn man an der Kaimauer in einem Café sitzt und die Umgebung beobachtet. Eine anschließende Fahrt auf die Atlantikinsel Île de Ré ist eigentlich ein Muss – die Mischung aus Wäldern, schönen Sandstränden und faszinierenden Orten begeistert garantiert jeden Besucher.

 

2 Kommentare

  1. […] Teil 3 // La Rochelle und die „weiße Insel“ […]

Schreibe einen Kommentar