Manchester im Schnelldurchlauf

Das beleuchtete Rathaus von Manchester

Manchester verbinden die meisten naturgemäß mit den Fußballclubs Manchester United und Manchester City. An Karten zu kommen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, sofern man nicht Hunderte Euro bezahlen möchte. Zumindest die Stadien der beiden Spitzenteams wollte ich aber unbedingt einmal selbst sehen. Nachdem es Anfang 2016 endlich erstmals einen Direktflug von Wien gab, habe ich Manchester einen insgesamt 27-stündigen Besuch abgestattet – gar nicht so einfach, die Stadt in so kurzer Zeit kennenzulernen.

Manchester

FAKTEN

Reisezeit: März 2016 (1 Tag mit Übernachtung)
Anreise: Mit easyJet vom Flughafen Wien-Schwechat nach Manchester Airport (2:35 h), dann mit dem Zug zur Station Manchester Piccadilly (ca. 0:20h)
Unterkunft: Hotel Motel One Manchester-Piccadilly (34 London Rd, Lage direkt am zentralen Bahnhof Manchester Piccadilly, gewohnte Motel-One-Qualität mit Einheitszimmern, stilvoll, schönes Badezimmer, sehr gutes Bett, Frühstück nicht genutzt, ansprechender Barbereich, gratis WLAN)

Weitere Stationen dieser Reise

Manchester habe ich mit Liverpool kombiniert, meinen Reisebericht dazu könnt ihr hier lesen: Liverpool: Fussballfieber und eine Prise Kultur

Reiseverlauf: Wien –> Manchester Airport (Flug Easyjet) // Manchester –> Liverpool (Bus National Express) // Liverpool –> Manchester Airport (Bus National Express) // Manchester Airport –> Wien (Flug Easyjet)

 

Manchester liegt im Nordwesten Englands und ist mit rund 520.000 Einwohnern von der Größe her überschaubar. Viele Gebäude sind aus rotem Backstein gebaut, was mir persönlich sehr gut gefällt und der Stadt ein etwas raues, aber besonderes Flair verleiht. Die Bewohner werden einfach nur Mancunians genannt, wobei dieser Begriff auch gleichzeitig den Dialekt bezeichnet. Ich war am St.-Patricks-Day vor Ort (der in Manchester anscheinend recht schwach gefeiert wird) und hatte wie erwähnt insgesamt 27 Stunden Zeit, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Stadt anzusehen. Leider war ich auch gezwungen, gewisse Punkte aus Zeitmangel auszulassen. Am schmerzvollsten für mich ist dabei das Verpassen der Bibliothek John Rylands Library, die innen traumhaft anzusehen ist – aber gut, solche Gelegenheiten muss ich dann wohl zu einem anderen Zeitpunkt nochmals ergreifen. Um wieder positiver zu werden: ich habe auch jede Menge tolle Gebäude und Plätze gesehen, wie ihr im folgenden Absatz lesen könnt! 🙂

Willkommensschild in Manchester

Quer durch die Innenstadt

Am Beginn einer Stadterkundungstour spaziere ich gerne einmal ohne festen Plan durch die Innenstadt. In Manchester erhält man so bereits nach kurzer Zeit einen ersten Eindruck von den Gebäuden und den Menschen. So bin ich übrigens zufällig an Affleck’s Vintage Store (Eingang in der 52 Church Street) vorbeigekommen, dessen Fenster in der Tib Street mit Kunstwerken aus Mosaik verziert sind. Abgebildet sind dabei unter anderen die Ikonen Manchesters wie Oasis, die Sex Pistols, Factory Records und Spieler der beiden Fußballclubs United sowie City. In der Exchange Street befindet sich die denkmalgeschützte Corn Exchange (Getreidebörse), deren Fassade wirklich sehenswert ist und in dessen Innerem sich heute das Einkaufszentrum The Triangle befindet. Unmittelbar daneben am Shambles Square stehen mit The Old Wellington Inn Pub und Sinclair’s Oyster Bar zwei alte Fachwerkbauten. Dort sollte man als Besucher auf jeden Fall einkehren und zumindest ein Pint seiner Wahl genießen, denn die Atmosphäre ist hier typisch britisch. Danach geht man nur wenige Schritte und steht vor der gotischen Manchester Cathedral, deren bunte Mosaikfenster ein besonderes Licht in das Innere strahlen lassen. Gefallen hat mir auch der Eingangsbogen, der mit den um die Kathedrale liegenden historischen Gebäuden ein schönes Fotomotiv abgibt. Gegen Ende des Tages habe ich den St.-Patricks-Day vor dem Manchester City Council (Rathaus) eingeläutet, denn dort war ein großes Festzelt aufgebaut und die Menschen schon am Feiern. Dennoch war ich insgesamt etwas enttäuscht, da ich mir mehr Partystimmung erwartet hätte. Irgendwann werde ich den St.-Patricks-Day in Irland selbst feiern – dort geht es mit Sicherheit etwas ausgelassener zu. 😉 Nach einem Kurzabstecher in ein chinesisches Restaurant in Chinatown stand dann noch ein Abschlussbier in der Canal Street, dem Zentrum der Schwulen- und Lesbenszene in Manchester, auf dem Programm. Das Viertel dort wird auch gerne von Touristen aufgesucht, da die Stimmung in den Lokalen sehr gut ist und es witzige Showeinlagen zu bewundern gibt.

Fotospots

 

Der Fußballtempel Old Trafford

Das Stadion Old Trafford wurde 1910 eröffnet, steht im gleichnamigen Stadtteil Manchesters und ist wohl jedem Fußballfan auf der Welt ein Begriff. Mit 75.653 Sitzplätzen ist es nach dem Wembley Stadium in London das zweitgrößte Stadion Englands. Von der Fußballlegende Bobby Charlton bekam die Spielstätte den Spitznamen Theatre of Dreams („Theater der Träume“) – und das ist echt keine Übertreibung, wenn man erst einmal das Innenleben sieht. Die Anreise zum Stadion ist relativ einfach: vom Stadtzentrum nimmt man entweder die Straßenbahn A zur Station Old Trafford oder die Linien D bzw. E zur Station Exchange Quay. Von beiden Stationen ist dann noch ein rund 10-minütiger Fußmarsch zurückzulegen. Es gibt übrigens eine Zughaltestelle direkt am Stadion, diese wird aber nur von Sonderzügen an Spieltagen angefahren. Old Trafford sieht schon von Weitem wirklich imposant und mächtig aus, von außen lassen sich die Dimensionen gut erahnen. Führungen werden im 10-Minuten-Takt täglich an spielfreien Tagen durchgeführt. Trotz dieser extremen Dichte an Führungen empfehle ich ein frühzeitiges Kaufen der Tickets auf der Seite manutd.com. Dort sieht man nach einem Klick auf „Book a tour online“ sofort, an welchen Tagen noch Termine frei sind. Der Preis für eine Führung ist mit 18,- GBP (21,- EUR) happig, aber ein Verein wie Manchester United kann solche Summen problemlos verlangen – die Touristen kommen trotzdem. 😉 Die Teilnehmerzahl ist mit rund 20 Personen gerade noch akzeptabel, beim Fotografieren erfordert es schon etwas Koordination, um nicht andauernd Personen mit auf dem Bild zu verewigen. Die Blicke auf das Spielfeld und das Innenleben des Stadions, die man während der 80-minütigen Tour erhält, sind jedenfalls grandios und man wünscht sich sofort, bei einem Spiel dabei zu sein.

Fotospots

 

Besuch im Etihad Stadium

Das Etihad Stadium (bis 2011 City of Manchester Stadium) ist das Fußballstadion des zweiten großen Vereins, Manchester City. Die Spielstätte ist relativ jung und wurde erst 2002 anlässlich der Commonwealth Games eröffnet. Nur wenige Stunden nach meinem Besuch in Old Trafford habe ich gleich das Etihad Stadium ebenfalls mit einer Führung begutachtet. Die Anfahrt gestaltet sich etwas einfacher, die Straßenbahnlinien E und G fahren zur Station Etihad Campus direkt vor dem Stadion. Die Tickets habe ich selbstverständlich schon lange vorher im Internet auf tickets.mancity.com bestellt (The Club and Stadium Tour), um zum gewünschten Zeitpunkt eine Führung zu erhalten. Es gibt zwar auch mehrmals täglich eine Tour, allerdings nicht in der Frequenz wie beim Lokalkonkurrenten Manchester United. Der Tour Guide war sehr interessiert an den Teilnehmern und wollte von jedem wissen, woher man kommt und welche Mannschaft man unterstützt. Im Stadion erhält man Einblick in den VIP-Bereich, die Umkleidekabinen und die Räumlichkeiten für die Presse. Ein herrlicher Spaß ist es, als Besucher im Aufwärmraum mit einem Stoffball selbst auf ein kleines Tor schießen zu dürfen – mit dem besonderen Ziel, die Latte zu treffen. Das Wichtigste ist für mich aber immer der Blick auf das Spielfeld, um die ganze Pracht des Stadions aufsaugen und genießen zu können.

Fotospots

 

Rundgang an den Manchester Docks

Ich sehe mir an anderen Orten sehr gerne Gebiete und Viertel an, die sich im Laufe der Geschichte in ihrer Nutzung stark verändert haben. In Manchester ist dies zum Beispiel das ehemalige Hafengebiet Manchester Docks. Nachdem in den 70er-Jahren der Containertransport seinen Siegeszug antrat, konnten immer weniger Schiffe die engen Kanäle anfahren. 1982 wurden die Docks schließlich geschlossen – 3.000 Menschen verloren ihre Jobs. Das Gebiet wurde in Salford Quays umbenannt und in den nächsten Jahren zu einem modernen Viertel mit Museen, einem Theater, Kinos, Büros und Wohnungen umgebaut. Die Architektur ist dabei modern und von den Farben her kühl gehalten. Ein Rundgang zahlt sich aus: sehenswert sind beispielsweise das Imperial War Museum North (IWM North) von Architekt Daniel Libeskind oder The Lowry Theatre von Michael Wilford. Faszinierend sind die drei Hochäuser The NV Buildings, deren runde Form ein Segel symbolisieren soll. Von der modernen Brücke Media City Footbridge sieht man übrigens schön auf die historische Eisenbahnbrücke Detroit Bridge (heute eine Fußgängerbrücke) und dahinter das Anchorage Building – so erhält man noch ungefähr einen Eindruck davon, wie es früher in diesem Gebiet ausgesehen haben mag.

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

In Manchester bewegt man sich in der Innenstadt am besten zu Fuß fort und nutzt die Straßenbahn Metrolink nur dann, wenn man zu einem der beiden großen Stadien oder zu den Manchester Docks fahren will. Ein Einzelticket kostet 2,80 GBP (3,30 EUR) und muss vor Fahrtantritt an einem Automaten in den Stationen gekauft werden – in den Straßenbahnen gibt es keine Tickets zu erwerben! Einen Linienplan im PDF-Format könnt ihr auf der Seite metrolink.co.uk herunterladen („Download the route map“).

Seid ihr an einem Donnerstag, Freitag oder Samstag in Manchester, dann schaut unbedingt beim Street Food Market am Platz Piccadilly Gardens vorbei (11 – 17.30 Uhr). Dort werden an zahlreichen Ständen schmackhafte Häppchen angeboten und es ist wirklich schwer, sich für eine Speise zu entscheiden. Am besten mehrere, kleine Leckereien nehmen!

Frühstücken in kleinen Cafés macht Spaß und ist authentischer, als in einem Hotel ein Standardfrühstück einzunehmen. Ich war im Café MCR Coffee Co. (33 Oldham St), das liebevoll eingerichtet ist und eine sehr gute Qualität an den Tag gelegt hat. Die Getränke und Speisen dauern zwar ewig, aber es lohnt sich.

Fish and Chips (bzw. Cod in batter) essen gehört ja zum Pflichtprogramm in England, sehr gute hatte ich am Bahnhof Picadilly im ersten Stock bei The Mayfield Pub.

Wenn am Tag eures Besuchs einer der beiden lokalen Fußballvereine spielt, dann geht am Abend in ein beliebiges Pub (zum Beispiel Yates’s Manchester, 49 Portland St) und verfolgt das Spiel mit den Einheimischen auf Großbildschirmen. Die Leute leiden und feiern mit ihrem Team voll mit und es macht Spaß, die authentische Stimmung im Lokal mitzuverfolgen.

 

FAZIT

Obwohl ich Manchester nur wenige Stunden gesehen habe, konnte ich dennoch einen sehr guten Eindruck von der Stadt gewinnen. Ich habe die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besichtigt, passenderweise am St.-Patricks-Day gutes britisches Bier in authentischen Pubs genossen, fantastisches Street Food gegessen und das Nachtleben erforscht. Außerdem konnte ich mir endlich einen Traum erfüllen und die beiden Stadien der Premier-League-Vereine Manchester United und Manchester City live erleben. Auch wenn die Stadt Manchester vielleicht nicht den Glanz von anderen europäischen Orten aufweist, bekommt sie von mir dennoch eine ganz klare Besuchsempfehlung, auch wenn man kein Fußballfan ist.

 

2 Kommentare

  1. […] Patricks Day auch noch gleichzeitig stattfand, hat der Stimmung natürlich nicht geschadet. 🙂 Manchester im Schnelldurchlauf […]

  2. […] Liverpool habe ich mit Manchester kombiniert, meinen Reisebericht dazu könnt ihr hier lesen: Manchester im Schnelldurchlauf […]

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