Ein Abstecher nach Toledo

Wenn ich einen Städtetrip mache, plane ich normalerweise nur Zeit für die Stadt selbst ein, um alles Wichtige in Ruhe erleben zu können. So war es auch bei meinem Besuch in Madrid gedacht. Doch meine Eltern und Freunde haben mir eindringlich dazu geraten, unbedingt auch einen Tagesausflug nach Toledo einzuplanen – diese Schönheit sollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Nach einer kurzen Recherche im Internet mit sehenswerten Fotos war für mich sofort klar: auf nach Toledo!

Toledo

FAKTEN

Reisezeit: Ende März 2014 (Tagesausflug)
Anreise: Mit dem Zug von Madrid – Puerta de Atocha nach Toledo (0:33 h). Das Ticket kostet für eine Hin- und Rückfahrt 22,60 EUR und kann im Internet auf der Seite renfe.com gekauft werden. Achtet in Madrid darauf, rechtzeitig am Bahnhof zu sein, denn es gibt vor dem Zugang zum Bahnsteig eine Sicherheitskontrolle.

Weitere Stationen dieser Reise

Toledo habe ich mit Madrid kombiniert, meinen Reisebericht dazu könnt ihr hier lesen: Madrid: Zwischen Architektur, Tapas und Fußball

Reiseverlauf: Wien –> Madrid Barajas (Flug flyniki) // Madrid Estación de Atocha –> Toledo (Zug) // Toledo –> Madrid Estación de Atocha (Zug) // Madrid Barajas –> Wien (Flug flyniki)

 
Toledo ist von Madrid aus einfach und schnell zu erreichen, ein Tagesausflug von früh bis spät ist dadurch zeitlich wirklich effektiv. Vom Bahnhof Puerta de Atocha fährt jede Stunde (und teilweise auch zwischendurch) ein Schnellzug in einer knappen halben Stunde in das 65 Kilometer entfernte und im Südwesten liegende Toledo. Der Bahnhof ist vom Beginn der Altstadt rund 500 Meter entfernt – das sollte man bei der Tagesplanung im Kopf behalten, um bei der Rückreise am Abend nicht den Zug zu verpassen. Toledo wird die „Stadt der drei Kulturen“ genannt, da im Mittelalter Moslems, Juden und Christen lange friedlich zusammenlebten. Mehrere Moscheen, Synagogen und Kirchen zeugen noch von dieser Zeit. Seit 1986 gehört die gesamte Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe und bei einem Rundgang durch die engen Gassen wird schnell klar: völlig zu Recht.

Fantastische Aussichten auf Toledo

In jeder touristisch nennenswerten Stadt gibt es die Hop-on-Hop-off-Busse (mehr dazu in den Allgemeinen Tipps am Ende des Beitrags), welche ich in der Regel nicht nutze. Da es in Toledo aber keinerlei öffentliche Verkehrsmittel gibt (diese hätten in der engen Stadt auch keinen Platz), habe ich eine Ausnahme gemacht und den roten Doppeldeckerbus in Anspruch genommen. Dieser hat den Vorteil, dass er vom Bahnhof gleich einmal eine Runde um die Stadt macht und schon während der Fahrt traumhafte Blicke auf Toledo ermöglicht. Die Stadt liegt etwa 100 Meter über dem Ufer des Flusses Tajo, wodurch sich ein faszinierendes Panorama ergibt. Der bekannteste Aussichtspunkt ist dabei Mirador del Valle, wo der Bus fünf Minuten Pause macht, um den Touristen Zeit zum Fotografieren zu geben. Nach einigen Minuten Weiterfahrt über die kurvige Straße kommt man an der Puente de San Martín (Sankt-Martin-Brücke) vorbei, die mit der Stadt im Hintergrund ein super Fotomotiv abgibt. Zum Sonnenuntergang wollte ich unbedingt nochmals zum Mirador del Valle kommen und mehr Zeit an diesem Ort verbringen. Da ich schon etwas spät dran war, habe ich ein (sehr günstiges) Taxi genommen und dann über eine Stunde intensiv die Stadt in der Dämmerung fotografiert. Bei der Rückfahrt bin ich mit dem letzten Hop-on-Hop-off-Bus gefahren, der allerdings in der Altstadt seine Endstation hatte. Der Fußweg zurück zum Bahnhof hat sich deshalb unerwartet stressig gestaltet. 😉

Fotospots

 

Zauberhafte Altstadt

Eine Erkundungstour durch die Altstadt kann man von mehreren Seiten aus beginnen – man sollte nur die Zeit nicht unterschätzen, die man zu Fuß benötigt. Die Straßen und Gassen sind oft eng und es gibt immer wieder starke Steigungen zu überwinden. Eine Aufstiegshilfe gibt es in Toledo sogar: Wenn man vom Norden die Altstadt betritt, findet man eine überdachte Rolltreppe vor, die über mehrere Etappen hinauf zum Gebäude Diputación Provincial (Kreistag) führt. Bevor man aber die Rolltreppe nimmt, sollte man sich vorher noch das zweiteilige Stadttor Puerta de Bisagra und die angrenzende Stadtmauer ansehen. Das landseitige Tor Puerta Nueva de Bisagra strahlt durch seine robuste Bauart Sicherheit vor Angreifern aus, während das stadtseitige Tor Puerta Nueva de Bisagra harmloser und adeliger wirkt. Ein weiteres interessantes Stadttor steht nicht weit entfernt und heißt Puerta del sol. Das Tor wurde im 13. Jahrhundert von den Johannitern als Zugangstor zur ummauerten Stadt errichtet. Von jedem erhöhten Punkt in der Stadt sticht die Festung Alcázar ins Auge, die heute das Militärmuseum beherbergt und deshalb für mich nicht von Interesse war. Auf dem zentralen Plaza de Zocodover kann man sich auf einer Bank gut erholen und das geschäftige Treiben um einen herum beobachten. Der Platz ist Treffpunkt für Touristengruppen und Einheimische, am spannendsten fand ich aber die schönen Hausfassaden rundherum. Erwähnen möchte ich auch noch die Kirche Iglesia de los Jesuitas, die ein sehr sehenswertes Innenleben aufweist.

Fotospots

 

Eine Kathedrale zum Staunen

Die Catedral Primada (Kathedrale von Toledo) ist unbestritten das Highlight der Stadt. Gemeinsam mit der Festung Alcázar ist die gotische Kirche von vielen Punkten aus sichtbar und bestimmt das Stadtbild. Der Eintritt kostet leider 12,50 EUR, aber der Besuch zahlt sich trotzdem wirklich aus. Im Preis inbegriffen ist neben der Kirche auch das Dommuseum, der Aufstieg auf den Turm und ein Audioguide. Zu beachten ist, dass der Turmaufstieg nur zu bestimmten Zeiten möglich ist (zum Erscheinungszeitpunkt des Artikels waren dies 10:30 Uhr, 11:15 Uhr, 12:00 Uhr, 12:45 Uhr, 16:00 Uhr und 16:45 Uhr). Damit es noch komplizierter wird, muss man auch die unterschiedlichen Öffnungszeiten beachten: am besten auf der offiziellen Seite catedralprimada.es (deutsche Version oben rechts aktivieren) informieren. Auf dem Weg nach oben geht man durch den Garten des angrenzenden Klosters und kommt schließlich an den Kirchenglocken vorbei, wo die größte Glocke mit sieben Metern Durchmesser bestaunt werden kann. Woher der große Riss stammt ist allerdings unbekannt. In der Kathedrale selbst ist es sinnvoll etwas Zeit zu investieren, da es eine Vielzahl an Kulturschätzen zu entdecken gibt. Beim Chor und beim Hauptaltar kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus und musste das Gesehene erst einmal sacken lassen. Ebenfalls unglaublich feine Detailarbeiten kann man beim spanischen Barockaltar El Transparente bewundern. Das ovale Fenster oberhalb des Altars wirft dabei Licht auf den von Engeln umgebenen Schrein. In weiteren Räumen der Kathedrale sind Gemälde der Künstler Goya und El Greco sowie Gold- und Silberschmuck (sogenannte Reliquien) ausgestellt – dort konnte ich allerdings nicht fotografieren.

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

Informationen zum Hop-on-Hop-off-Bus erhaltet ihr auf der Webseite city-sightseeing.com. Das Ticket für die Fahrt (12,- EUR) habe ich direkt vor Ort im Bus gekauft.

Obwohl ich an einem kühlen Freitag im März in Toledo war (keine Siesta und Ostern war bereits vorbei), hatten fast alle Geschäfte und Restaurants untertags geschlossen, der Grund ist mir unbekannt. Es war jedenfalls eine Herausforderung, in der Stadt etwas Essbares aufzutreiben. Glücklicherweise bin ich an einem Geschäft vorbeigekommen, das Jamón Ibérico (Ibérico-Schinken) verkauft hat. Der Laden war nicht nur außerordentlich schön anzusehen, sondern die angebotenen Baguettes mit Schinken auch eine Gaumenfreude. Leider gibt es das Geschäft mittlerweile nicht mehr, es ist nun das Restaurant Alma de Toledo eingezogen. Den Schinken könnt ihr aber auch in anderen Teilen der Stadt finden, einfach die Augen offen halten.

Beachtet die Schaufenster der Geschäfte! In vielen gibt es aus Marzipan gefertigte Kunstwerke zu sehen, da Toledo für die Herstellung der süßen Masse bekannt ist. Leider schmeckt es mir nicht sonderlich, denn optisch hätte ich gerne sofort zugeschlagen.

 

FAZIT

Ich wurde von meinen Eltern und Freunden überzeugt und nun möchte ich auch allen Lesern dieses Artikels ganz klar sagen: fahrt unbedingt für zumindest einen Tag nach Toledo, denn diese liebevolle Stadt muss man gesehen haben! Die Anfahrt mit dem Zug ist derart unkompliziert, dass es eigentlich keine Ausreden geben darf. 😉 Ein Rundgang durch die engen Gassen versetzt einen ins Mittelalter, an jeder Ecke gibt es faszinierende alte Häuser oder nette Geschäfte zu entdecken. Die Kathedrale ist eine der schönsten, die ich je gesehen habe und das Panorama auf die Stadt ist ebenfalls so überwältigend, wie ich es nur von wenigen Orten kenne.

 

2 Kommentare

  1. Susanna sagt: Antworten

    super Bericht und eine wirklich großartige Stadt. Vor allem die Kathedrale muss wirklich ein Traum sein, aber auch der Blick auf die Stadt in der blauen Stunde – total beeindruckend

  2. […] Madrid habe ich an einem kühlen Frühlingswochenende im März angeflogen. Die Hauptstadt Spaniens ist mit rund 3,3 Millionen Einwohnern gleichzeitig die größte Stadt des Landes. Die spanische Königsfamilie thront von hier aus, vielleicht erklärt dieser Umstand auch den großen Unterschied zu Barcelona – alles wirkt kühler, offizieller, verschlossener. Dafür gibt es zumindest auch keine Touristenhorden. Wenn man sich auf die Weltstadt einlässt, findet man aber schnell Gefallen an der Art, wie es hier zugeht. Madrid hat zwar keinen Antoni Gaudi, dafür aber viele sehenswerte Gebäude von alter und moderner Architektur. Sofern man als Tourist nach einem anstrengenden Besichtigungstag noch Kräfte über hat, kann man mit den Einheimischen ab dem späten Abend stilsicher Tapas essen und anschließend bis in die Nacht feiern gehen. Und für Freunde des gepflegten Fußballs bietet die Stadt mit Real Madrid und Atlético Madrid gleich zwei Spitzenteams inklusive umwerfender Stadien. Übrigens: An einem Tag habe ich Madrid den Rücken gekehrt und bin in das nur eine halbe Zugstunde entfernte Toledo gefahren. Über diesen tollen Tagesausflug könnt ihr in diesem Beitrag mehr erfahren: Ein Abstecher nach Toledo […]

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