Kölner Karneval: Eine Stadt im Partyrausch

Party während des Kölner Karnevals

Als mein Bruder mit der Idee zu mir kam, eine Reise nach Köln zum Karneval durchzuführen, war ich erstmal nicht begeistert. Derartige Großveranstaltungen verbinde ich mit Gedanken zu den Themen Menschenmassen, Gepöbel und Abzocke. Schlussendlich habe ich mich auf das Abenteuer eingelassen und vier sensationelle Tage erlebt, die ich nie vergessen werde – der Kölner Karneval hat mich in allen Punkten überzeugt!

Kölner Karneval

FAKTEN

Reisezeit: 4 Tage Anfang Februar 2016
Anreise: Mit Germanwings vom Flughafen Wien-Schwechat zum Flughafen Köln/Bonn (1:25 h).
Unterkunft: Hotel Motel One Köln Mediapark (Am Kümpchenshof 2, Lage ca. sieben Gehminuten von der S/U-Bahn-Station Hansaring entfernt, gewohnte Motel-One-Qualität mit Einheitszimmern, stilvoll, schönes Badezimmer, sehr gutes Bett, Frühstück mit guter Auswahl, ansprechender Barbereich, gratis WLAN)

Wenn schon Karneval, dann nicht nur einen Tag – unter diesem Vorsatz habe ich mich 2016 gleich vier Tage von Karnevalssamstag bis Veilchendienstag nach Köln begeben, inklusive Verkleidung als Froschkönig. Fotos davon werden aber nicht preisgegeben. 😉 In einem anderen Beitrag auf meinem Blog habe ich bereits den Karneval von Venedig näher beschrieben. Vergleichen kann man diesen mit Köln aber unmöglich, hier prallen zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander. Während in Venedig alles trotz tausender Besucher lautstärkentechnisch eher ruhig abläuft, flippt in Köln beim Feiern der „fünften Jahreszeit“ wirklich jeder Einwohner und Besucher auf der Straße in positiver Weise aus. Die Karnevalstradition wird hier pflichtbewusst ausgelebt und ich bin auch als Tourist sehr schnell in den Wahnsinn hineingekippt. Der Anreisetag am Samstag wurde untertags für Sightseeing genutzt (mehr dazu weiter unten im Beitrag) und ab dem späten Nachmittag mit einem ersten Abtasten der Partymeilen in der Innenstadt. Wirklich in das Getümmel geschmissen haben wir uns aber ab Sonntag – was es dabei alles zu Erleben und Entdecken gab, erfahrt ihr nachfolgend.

Köln im völligen Ausnahmezustand

Der Höhepunkt des Kölner Karnevals ist der bekannte Rosenmontagszug („Zoch“), doch bereits die Tage davor gibt es mehrere kleinere Karnevalsumzüge. Karnevalsvereine aus allen Kölner Stadtteilen finden sich zusammen, um in bunten Kostümen und auf kreativen Festwagen musizierend durch die Straßen zu ziehen. Tausende Leute stehen entlang der Absperrungen und verfolgen gespannt das Treiben. Beim Zusehen hat man nach einiger Zeit das Gefühl, dass die Umzüge unendlich lang sind und einfach kein Ende in Sicht ist – wobei das natürlich nicht negativ gemeint ist, sondern eher beeindruckt. Mindestens genauso faszinierend wie die Umzugsteilnehmer ist übrigens das feiernde Publikum („Jecken“): viele Menschen singen, tanzen und trinken gemeinsam oder haben ganz einfach Spaß. In den lachenden Gesichtern der Menschen sieht man als Tourist schnell, dass die Karnevalstradition in Köln wirklich im Herzen verankert ist. Es ist fast unmöglich, dabei nicht selbst in Stimmung zu kommen, mitzuschunkeln und zu singen. Dass ich überhaupt in den Genuss des berühmten Rosenmontagzugs kommen konnte, hatte ich dem Wettergott zu verdanken. Während rund um Köln die Umzüge etwa in Düsseldorf und Mainz wegen Orkangefahr abgesagt werden mussten, konnte er in Köln in letzter Sekunde doch durchgeführt werden.

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Kamelle! Kamelle!

Drei kölsche Wörter, um die man nicht herum kommt, sind Kamelle, Strüßjer und Bützcher. Steht man während eines Umzugs als Zuseher entlang der Absperrungen, bemerkt man sofort, dass diese drei Wörter lautstark vom Publikum in Richtung der Festwagen gerufen werden. Kamelle bezeichnet dabei ursprünglich Bonbons, heutzutage sind aber Süßigkeiten allgemein gemeint. Von allen Seiten regnet es förmlich diverses Wurfmaterial in Richtung der Zuseher, die gierig danach greifen und es zu fangen versuchen. Was am Boden landet, wird von Kindern begeistert aufgesammelt. Dieses Spiel macht richtiggehend süchtig und man schreit sofort selbst lautstark „Kamelle!“, um auch ein paar Süßigkeiten zu ergattern. Aufpassen muss man nur, dass man nicht von Schokoladetafeln und sonstigen größeren Geschenken förmlich „erschlagen“ wird. Ab und zu wird ein kleiner Strauß Blumen (Strüßjer) in die Menge geworfen. Fängt man als Mann so einen Strauß und schenkt ihn einer Dame weiter, erhält man höchstwahrscheinlich als Dank ein Bussi auf die Wange, sogenannte Bützcher. Ein harmloser Brauch, der schnell Bekanntschaften entstehen lässt. 🙂

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Ein Kölsch ist nie genug

Kölsch ist nicht nur die Sprache in Köln, sondern bezeichnet gleichzeitig auch das Bier. Es wird in kleinen 0,2-Liter-Gläsern ausgeschenkt (in Österreich als „Pfiff“ bezeichnet, aber nicht häufig anzutreffen) und wirkt dadurch optisch äußerst harmlos. So schnell wie es serviert wird, ist es meistens aber auch schon wieder ausgetrunken – weswegen man Kölsch im Grunde nicht bestellt, sondern einfach auf den in kurzen Intervallen mit einem speziellen Getränkehalter („Kranz“) durchgehenden Kellner wartet. Die Anzahl der geleerten Gläser Kölsch wird auf einem Bierdeckel vermerkt. Zum Glück ist Kölsch vom Alkoholgehalt relativ leicht, denn man kommt sehr schnell auf eine stattliche Summe an geleerten Gläsern. Obwohl der Alkohol so im Überfluss fließt, habe ich in den vier Tagen an keinem Ort in Köln Probleme bemerkt, die auf betrunkene Menschen zurückgehen. Ganz im Gegenteil, Kölsch ist offensichtlich ein Lebenselixier für die Kölner und bringt die Stimmung in den Bars und auf den Straßen richtig zum Kochen. In den Lokalen muss man zwar aus Sicherheitsgründen aus Plastikbechern trinken, das tut der Sache aber keinen Abbruch. Beachtlich ist auch die Anzahl an Brauereien in Köln, ich habe mit meinen Begleitern 19 verschiedene Kölsch getestet (und für gut befunden). 😉

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Party schon um 17 Uhr

Etwas, das ich noch nirgends erlebt habe und während der Karnevalszeit alltäglich ist: Party in den Bars schon ab dem späten Nachmittag. Während es draußen teilweise noch hell ist, geht es in den Lokalen schon derart launisch zu, dass man teilweise gar keinen Platz mehr ergattert. Es werden typisch kölsche Lieder auf- und abgespielt und die Menge singt fast überall begeistert mit. Die Stimmung kocht, man kommt ins Schwitzen und löscht den Durst mit zahlreichen Kölsch. Wem das alles zuviel wird, kann zu späterer Stunde die Party aber auch nach draußen auf die Straße verlegen, dort geht es dann nämlich munter weiter, wenn in den Lokalen keine Menschen mehr Platz finden. An den zahlreichen Versorgungsständen und Grillstationen lässt es sich sehr gut aushalten und man kommt leicht mit anderen Leuten ins Gespräch. Für den schnellen Hunger holt man sich einfach eine Grill- oder Currywurst, eine Frikadelle (österreichisch „faschiertes Laibchen“) oder einen köstlichen Flammkuchen.

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Sehenswertes in Köln abseits des Karnevals

Köln hat auch abseits des Karnevals einiges zu bieten, vor allem die Innenstadt ist einen Besuch wert. Um erstmal einen Überblick auf die Stadt zu bekommen, empfiehlt sich eine Aufzugsfahrt auf das Dach des Hochhauses KölnTriangle (Ottoplatz 1). Von der Aussichtsplattform bietet sich einem der klassische, typische Blick auf den Kölner Dom, die Hohenzollernbrücke und die restliche Skyline. Während des Karnevals muss man nur beachten, dass der Zugang an Weiberfastnacht und Rosenmontag gesperrt ist. Wieder am Boden angelangt, geht man über die angesprochene Hohenzollernbrücke in Richtung Altstadt. Wählt bei der Überquerung der Brücke am besten die linke Seite (mit Blick auf den Dom), denn dort gibt es über 150.000 Liebesschlösser zu entdecken – ein wahrlich imposantes Gesamtbild! Auf der rechten Seite gibt es zwar auch viele Schlösser, aber dort ist noch Platz für Tausende weitere. Ein Pflichtbesuch ist natürlich der Kölner Dom, das Wahrzeichen der Stadt. Er ist innen sehr dunkel und wirkt extrem mächtig. Am Ufer des Rheins lässt es sich schön flanieren und man kommt beim Fischmarkt an bunten Häusern vorbei, die ein beliebtes Fotomotiv für viele Besucher darstellen. Kein unbedingtes Muss, aber mal ganz nett zum Besichtigen ist das architektonisch interessante Dufthaus 4711 (Appellhofplatz 1), in dem man die Geschichte des Parfums Kölnisch Wasser näher kennenlernen kann. Fußballfans sollten versuchen, an Tickets für ein Spiel des 1. FC Köln zu gelangen, was ich leider nicht geschafft habe. Das Rheinenergiestadion kann aber an bestimmten Tagen in der Woche auch als Individualbesucher mit einer Führung besichtigt werden, mehr Infos dazu auf rheinenergiestadion.de. Ein letzter Tipp für Freunde der modernen Architektur: plant etwas Zeit für die Gegend am Rheinauhafen ein! Dort ist rund um die Kölner Kranhäuser ein optisch herausragendes Viertel entstanden, das wahrscheinlich nicht jedem gefällt. Ich fand es wirklich spannend, auch wenn die Wohnungen dort nur für betuchte Leute wie Til Schweiger leistbar sind.

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Auf der Aussichtsplattform KölnTriangle fotografiert man durch gerundete Glasscheiben. Es ist daher fast unmöglich, ohne Hilfsmittel ein Foto ohne Lichtreflexionen zu erhalten. Wenn ihr zu zweit seid, kann euch eure Begleitung beim Fotografieren eine Jacke über die Kamera halten, um die Störungen zu minimieren.

Etwa einen Kilometer von den Kranhäusern entfernt befindet sich die Südbrücke. Diese Eisenbahnbrücke kann man als Fußgänger überqueren und der Standort bietet super Blicke auf die Kranhäuser und den Kölner Dom.

 

ALLGEMEINE TIPPS

Aufpassen heißt es, dass man nicht in ein Fettnäppchen tritt. In Köln ruft man „Kölle, Alaaf!“, im verfeindeten Düsseldorf dagegen „Düsseldorf, Helau!“. Schreit man den falschen Spruch in die Menge, kann das unangenehm enden. 😉

Auch wenn man sich vielleicht nicht gerne verkleidet: beim Karneval in Köln ist es unbedingt zu empfehlen. Es ist wirklich jeder geschminkt oder kostümiert und man sticht sofort aus der Masse heraus, wenn man in normaler Kleidung umhergeht. Man muss auch gar kein aufwendiges Kostüm wählen, der Wille zählt.

Der Rosenmontag ist zwar kein Feiertag, in Köln haben aber die meisten Geschäfte geschlossen. Am Dienstag darauf habe ich die Stadt wie verändert erlebt, alles hat wieder seinen geregelten Gang genommen und vom Karneval war nichts mehr zu spüren oder zu sehen.

Die Hotelpreise sind zwar zur Karnevalszeit hoch, aber nicht auf dem Preisniveau von Venedig. Dennoch empfiehlt es sich natürlich, einige Monate vorher ein Zimmer zu organisieren.

 

FAZIT

Der Besuch des Kölner Karnevals war ein denkwürdiges Ereignis für mich, das ich jederzeit wiederholen würde. Im Vergleich zum Karneval von Venedig ist man in Köln als Tourist in der Minderheit und erlebt so die authentische Partylaune der Bewohner. Überall herrscht ausgelassene Stimmung, sodass es einem leicht fällt, sofort mitzufeiern. Untertags besichtigt man am besten die Kölner Altstadt, denn diese wartet mit historisch interessanten Gebäuden auf. Auch das moderne Viertel rund um die Kranhäuser im Rheinauhafen habe ich als sehenswert empfunden. So bleibt mir schlussendlich nur zu sagen: Kölle Alaaf! 🙂

 

2 Kommentare

  1. […] Neben dem Karneval von Venedig habe ich übrigens auch den völlig anders gefeierten Karneval in Köln miterlebt. Den Bericht dazu könnt ihr hier lesen: Kölner Karneval: Eine Stadt im Partyrausch […]

  2. […] Besucher. Ach ja, und Köln ist auch neben dem Karnevalstrubel als Stadt sehr, sehr nett anzusehen! Kölner Karneval: Eine Stadt im Partyrausch […]

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