Madrid: Zwischen Architektur, Tapas und Fußball

Aussicht auf Madrid von der Dachterrase des Círculo de Bellas Artes

Madrid stand schon lange auf meiner „Diese Städte muss ich unbedingt einmal sehen“-Liste. Während ich Barcelona schon mehrmals besucht hatte, empfing mich die spanische Hauptstadt erstmals 2014. Wenn man zuvor nur die Baskenstadt Barcelona mit Palmen, Meer und Gaudis Werken kennt, ist Madrid in jeder Hinsicht eine ordentliche Umstellung. Hier ist einfach alles anders – was aber einen ungeheuren Reiz ausübt!

Madrid

FAKTEN

Reisezeit: Ende März 2014 (3 Nächte)
Anreise: Mit flyniki vom Flughafen Wien-Schwechat nach Flughafen Aeropuerto Madrid-Barajas (2:55 h).
Unterkunft: Hotel Mercure Madrid Plaza de Espana **** (Calle de Tutor 1, gute Verkehrsanbindung, nächste U-Bahn-Station Plaza de España in fünf Minuten Entfernung, schönes Gebäude, zweckmäßiges Zimmer, Marmorbad, großer Balkon mit Sitzgelegenheit, gratis WLAN)

Weitere Stationen dieser Reise

Madrid habe ich mit Toledo kombiniert, meinen Reisebericht dazu könnt ihr hier lesen: Ein Abstecher nach Toledo

Reiseverlauf: Wien –> Madrid Barajas (Flug flyniki) // Madrid Estación de Atocha –> Toledo (Zug) // Toledo –> Madrid Estación de Atocha (Zug) // Madrid Barajas –> Wien (Flug flyniki)

 

Madrid habe ich an einem kühlen Frühlingswochenende im März angeflogen. Die Hauptstadt Spaniens ist mit rund 3,3 Millionen Einwohnern gleichzeitig die größte Stadt des Landes. Die spanische Königsfamilie thront von hier aus, vielleicht erklärt dieser Umstand auch den großen Unterschied zu Barcelona – alles wirkt kühler, offizieller, verschlossener. Dafür gibt es zumindest auch keine Touristenhorden. Wenn man sich auf die Weltstadt einlässt, findet man aber schnell Gefallen an der Art, wie es hier zugeht. Madrid hat zwar keinen Antoni Gaudi, dafür aber viele sehenswerte Gebäude von alter und moderner Architektur. Sofern man als Tourist nach einem anstrengenden Besichtigungstag noch Kräfte über hat, kann man mit den Einheimischen ab dem späten Abend stilsicher Tapas essen und anschließend bis in die Nacht feiern gehen. Und für Freunde des gepflegten Fußballs bietet die Stadt mit Real Madrid und Atlético Madrid gleich zwei Spitzenteams inklusive umwerfender Stadien. Übrigens: An einem Tag habe ich Madrid den Rücken gekehrt und bin in das nur eine halbe Zugstunde entfernte Toledo gefahren. Über diesen tollen Tagesausflug könnt ihr in diesem Beitrag mehr erfahren.


Der Königliche Palast (Palacio Real) in Madrid

Das Pflichtprogramm in Madrid

Madrid hat eine riesige Menge an sehenswerten Plätzen, Museen und Bauwerken aufzuweisen. Einige wenige davon sollte man bei einem Besuch aber auf keinen Fall verpassen (woran ich mich ehrlich gesagt nicht gehalten habe: ausgelassen wurde das weltberühmte Museo del Prado, für das man einfach viel Zeit benötigt, die ich lieber in andere Orte Madrids investieren wollte). Der Königliche Palast (Palacio Real) ist die Residenz des spanischen Königshauses und wohl das wichtigste Gebäude der Stadt. Die Königsfamilie selbst lebt nicht in diesem, sondern in einem einfacheren Schloss außerhalb Madrids. Deshalb kann der Palast prinzipiell besichtigt werden, sofern er nicht für die Öffentlichkeit geschlossen ist – dieses „Glück“ hatte ich wieder einmal bei einer Städtereise … Auf der Webseite patrimonionacional.es gibt es jedenfalls die Öffnungszeiten und auch die Tage, an denen der Palast wegen offiziellen Empfängen geschlossen ist. EU-Bürger können sich die 10,- EUR Eintritt übrigens ersparen, wenn sie von 16-18 Uhr (Oktober bis März) bzw. 18-20 Uhr (April bis September) kommen.  Gegenüber des Palasts steht die Almudena-Kathedrale (Santa María la Real de La Almudena), welche ebenfalls zum Zeitpunkt meines Besuchs nicht zugänglich war. Zumindest konnte ich aber den angrenzenden Schlosspark genießen. Die Sabatini-Gärten (Jardines de Sabatini) sind ein würdiger Rahmen für den Königspalast, der sich in einem Wasserbecken wunderschön spiegelt. Auch ansonsten ist der Park ein Ort, um einmal etwas Ruhe zu genießen.

Der zweite Fixpunkt in Madrid ist der Hauptplatz (Plaza Mayor), ein rechteckiger Platz mit durchgehend vierstöckigen, rot bemalten Häusern. Eine Ausnahme stellt nur das schönste Gebäude dar, die Casa de la Panadería („Haus der Bäckerei“). Früher wurde der Platz als Markt, für Stierkämpfe, öffentliche Veranstaltungen und Hinrichtungen genutzt. Für Touristen ist der Plaza Mayor heute wohl der Startpunkt für die Stadtbesichtigung Madrids. Einen weiteren Punkt möchte ich euch noch ans Herz legen: der Retiro-Park (Parque del Retiro oder El Retiro) ist ein herrliches Fleckchen mitten in der Stadt, um etwas zu entspannen und frische Luft zu schnappen. Noch dazu gibt es zwei architektonische Kunstschätze zu bewundern, den Kristallpalast (Palacio de Cristal) aus Eisen und Glas sowie das Monument für Alfons XII. (Monumento a Alfonso XII de España) vor dem See Estanque del Retiro.

Und zuletzt mein persönliches Highlight: die Markthalle San Miguel (Mercado San Miguel). Was dort alles an Delikatessen und Spezialitäten angeboten wird, ist schlichtweg sensationell. Wer hier ohne Hunger herkommt, verpasst defnitiv etwas! An den zahlreichen Ständen werden Fleisch, Fisch, Käse, Gemüse und Obst angeboten – oftmals in Form von handlichen Tapas, sodass man einfach eine Vielzahl verschiedener Köstlichkeiten durchprobieren kann. Der Markt ist täglich von 10 bis 24 Uhr geöffnet, am Wochenende bis 2 Uhr Früh.

Fotospots

 


Treppe im Museum CaixaForum in Madrid

Architektur zum Genießen

Ich bin ein großer Fan von Architektur, sowohl moderne als auch alte. In Madrid kommen Anhänger beider Stile voll auf ihre Kosten. Der nahe meines Hotels gelegene Plaza de España hat mir da bereits einen tollen Einstieg in die hohe Baukunst geboten. Dort finden sich nämlich zwei Hochhäuser aus den 50er-Jahren: Torre de Madrid und Edificio España. Letzteres Gebäude wurde während des Franco-Regimes errichtet, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Spaniens zu beweisen. Seit Jahren steht der imposante Bau allerdings leer – hübsch anzusehen ist er zumindest von außen trotzdem weiterhin. Der Torre de Madrid ist zwar optisch nicht ganz so aufregend, durch seine Höhe von 142 Metern ist er aber dennoch wichtig. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung 1957 war er für einige Jahre das höchste Bürohaus Westeuropas und ist heute immerhin noch das sechsthöchste Gebäude Madrids (Stand März 2017). Auf dem Plaza de España steht auch ein wichtiges Denkmal des spanischen Nationaldichters Miguel de Cervantes. Zu seinen Füßen sind Miguels bekannteste Romanfiguren Don Quijote und Sancho Panza als Statuen dargestellt.

Architektonisch wirklich spektakulär wird es auf dem Plaza de Cibeles, dort steht der Palacio de Cibeles (früher Palacio de Comunicaciones, Palast der Kommunikation). Das imposante Bauwerk aus dem Jahr 1919 wurde bis 2007 als Hauptpostamt genutzt – heute ist es der Sitz des Bürgermeisters, was meiner Meinung nach dem repräsentativen Charakter des Palastes besser entspricht. Vor dem Gebäude steht der verspielte Cibeles-Brunnen (Fuente de Cibeles), der weltbekannt ist. Das Fußballteam Real Madrid feiert immer mit zehntausenden Fans rund um diesen Brunnen, wenn die spanische Meisterschaft oder der Pokal gewonnen wird. Bei all der Schönheit gibt es dennoch auch einen negativen Aspekt: der Plaza de Cibeles ist gleichzeitig ein Schnittpunkt dreier Hauptverkehrsstraßen inklusive Verkehrshölle. Nur rund 200 Meter entfernt liegt die Gesellschaft der Schönen Künste (Círculo de Bellas Artes). Sie ist eine private Madrider Kulturinstitution, die Ausstellungen, Konzerte und diverse andere Veranstaltungen organisiert. Das Gebäude weist ein außerordentlich schönes Treppenhaus im Art-Deco-Stil auf – das ist aber nicht der Hauptgrund, warum ich einen Besuch empfehle. Vielmehr ist es die Dachterrasse in 56 Metern Höhe, die einen fantastischen Blick auf die Stadt ermöglicht (das Aufmacherbild dieses Beitrags ist dort entstanden). Der Eintritt zum Dach kostet 4,- EUR, oben wartet eine Bar (mit saftigen Preisen) sowie viele Sitze und Bänke. Vor allem in der Dämmerung lässt es sich hier bei chilliger Musik und einem Cocktail super aushalten. Blickt man auf die Stadt, stechen zwei Motive sofort ins Auge: Zum einen sieht man den zuvor erwähnten Palacio de Cibeles in seiner ganzen Pracht, zum anderen bleibt man unausweichlich am Eckhaus Metropolis (Edificio Metrópolis) hängen. Erbaut wurde das Haus 1910/11, der Name stammt von einer ehemaligen Versicherungsfirma. Die feinen Details, der Turm mit der einzigartigen Kuppel und die Victoria-Statue auf der Spitze sind einfach etwas Besonderes und bleiben im Gedächtnis.

Der letzte Punkt in Sachen Architektur ist das Museum CaixaForum. Ich muss zugeben, dass mir die Ausstellung völlig egal war – ich wollte ausschließlich wegen des modernen Treppenhauses dorthin 😉 (wer meine Leidenschaft noch nicht kennt, hier findet ihr meine riesige Treppenhausfotosammlung: staircase-photography.at). Die Architekten Herzog & de Meuron verfolgten beim Gebäude bereits außen ein alternatives Konzept: den Besucher empfängt eine Fassadenmischung aus Beton, Kupfer und einem vertikalen Garten mit über 15.000 Pflanzen. Innen findet sich beim Eingang noch eine weitere kleine futuristische Treppe, die sich mit ihren Metallspiegelungen für Fotos hervorragend nutzen lässt. Apropos Fotos: für das reguläre Treppenhaus des Museums musste ich keine Eintrittskarte erwerben, eine nette Mitarbeiterin hat mich fotografieren lassen, solange ich die Austellungsräume nicht betrete.

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Das Estadio Santiago Bernabéu in Madrid

Die königliche Fußballarena Bernabéu

Zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Madrids zählt das Estadio Santiago Bernabéu des Fußballklubs Real Madrid (auch „Die Königlichen“ genannt). Das Stadion steht mitten in der Stadt, fasst 81.044 Zuschauer und kann täglich besichtigt werden. An Spieltagen gibt es naturgemäß Einschränkungen, diese sind schön auf der Seite realmadrid.com aufgelistet. Dort können auch Online-Tickets gekauft werden – dies ist aber nicht wie in anderen großen Stadien unbedingt notwendig, denn der Zugang in die Arena ist jederzeit ohne festen Zeittermin möglich (10 – 19 Uhr, an Feiertagen 10:30 – 18.30 Uhr). Vor Ort kauft man sein Ticket am Schalter 10 neben Tor 7 (Paseo de la Castellana, Eingang zu Turm B, GPS-Position anzeigen). Der Preis ist mit 24,- EUR der höchste, den ich je für eine Stadionbesichtigung zahlen musste, nicht einmal im Nou-Camp-Stadion von Barcelona war es derart teuer. Noch dazu besteht die „Führung“ daraus, dass man ohne Tourguide selbst durch das Stadion geht. Trotzdem war der Besuch das Geld wert, denn man benötigt für den Rundgang immerhin circa 90 Minuten und bekommt ungewöhnlich viele Perspektiven zu Gesicht. Zu Beginn steigt man über zahllose Stufen fast bis unter das Dach und kann das Stadion von der Ecke aus in seiner vollen Pracht bewundern – allein dieser Anblick offenbart die immense Größe des Stadions und ist für jeden Fußballfan garantiert umwerfend! Über einen vorgegebenen Weg wechselt man dann abwechselnd zwischen dem Inneren des Bernabéu und den Tribünen auf unterschiedlichen Ebenen. So sieht man das Spielfeld von drei Seiten aus und bekommt einen sehr guten Eindruck davon, wo man bei einem Spiel am besten sitzen sollte (sofern man die Tickets bezahlen bzw. überhaupt welche auftreiben kann). Weitere Orte der Tour sind die Umkleidekabinen, der Presseraum und die Trainerbänke am Spielfeldrand. Großartig ist die riesige Pokalsammlung mit allen möglichen bekannten und unbekannten Trophäen. Die Führung endet natürlich im Fanshop von Real Madrid, in dem man gleich die nächste Stange Geld loswerden kann, wenn man es darauf anlegt. 😉 Alles in allem ist das Estadio Santiago Bernabéu mein absoluter Favorit unter den über 35 Stadien, die ich europaweit bereits besichtigt habe.

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ALLGEMEINE TIPPS

Der Flughafen Aeropuerto Madrid-Barajas liegt im Nordosten und ist an allen Terminals mit der Metro-Linie M8 perfekt an die Stadt angeschlossen (ACHTUNG: bis April 2017 Komplettsperre wegen Sanierung, Ersatzbusse im Einsatz). Die Züge fahren in der Spitzenzeit alle fünf Minuten, ein Ticket in die Stadt zur Endstation Nuevos Ministerios (Anschluss an die Linien M6 und M10) kostet mit Flughafen-Aufschlag 5,- Euro. Mehr Infos zu den Ticketoptionen findet ihr auf der Seite metromadrid.es. Sehr gute Netzpläne nur für die Metro oder die Metro inklusive den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gibt es im PDF-Format ebenfalls auf der Seite metromadrid.es.

Wer abends früh Hunger bekommt, hat es mitunter schwer ein vernünftiges Restaurant zu finden, denn die Spanier starten ihr Abendessen erst gegen 22 Uhr. Achtet deshalb besonders darauf, ob ihr mit leerem Magen nicht versehentlich in ein Touristenlokal von mäßiger Qualität geht.

Tapas-Lokale gibt es in Madrid wie Sand am Meer, empfehlen kann ich beispielsweise das Restaurant Tapas 44 (Calle Gran Vía 71).

 

FAZIT

Madrid war ein Besuch, an den ich einfach gerne zurückdenke. Nachdem ich schon mehrmals in Barcelona war, musste ich mich zwar erst an den anderen Stil Madrids gewöhnen. Schon nach kurzer Zeit habe ich mich aber zwischen prachtvoller Architektur, spektakulären Panoramablicken und dem liebevollen Retiro-Park äußerst wohlgefühlt. Mein persönliches Highlight, die Markthalle Mercado de San Miguel, kann ich nur jedem Besucher wärmstens empfehlen – zwischen all den Delikatessen ist es nicht nur schwer sich zu entscheiden, auch die Zeit vergeht hier wie im Flug. Mit einem Rundgang durch das Estadio Santiago Bernabéu habe ich mir auch einen großen Herzenswunsch erfüllt. Das Stadion von Real Madrid ist aufgrund seiner mächtigen Erscheinung durchaus auch ein Besichtigungstipp für Nicht-Fußballfans. Schlußendlich empfehle ich, mit Madrid und Barcelona beide Weltstädte aufzusuchen und die Unterschiede einfach selbst zu spüren und zu erleben.

 

3 Kommentare

  1. […] Toledo habe ich mit Madrid kombiniert, meinen Reisebericht dazu könnt ihr hier lesen: Madrid: Zwischen Architektur, Tapas und Fußball […]

  2. Sehr tolle Fotos! Madrid steht schon länger auf meiner Bucket-List, ich hoffe, ich schaff es bald mal hin 😉 Deine Tipps und Bilder machen auf jeden Fall Lust auf einen baldigen Besuch.

    1. Vielen Dank Christine! Madrid ist wirklich eine Reise wert und vor allem spannend von den Unterschieden her, wenn man zuvor schon in Barcelona war. 🙂 Viele Grüße, Christian

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