Boston: Wo sich die USA wie Europa anfühlen

Die beleuchtete Skyline von Boston

In meinem Bekanntenkreis gibt es einige Personen, die noch niemals in den Vereinigten Staaten von Amerika waren. Der Respekt vor den riesigen Metropolen und der anderen Kultur ist mitunter so groß, dass ein Flug über den Atlantischen Ozean erst gar nicht in Betracht gezogen wird. Die ideale Lösung für dieses Problem heißt Boston, denn nirgendwo sonst ist für Europäer der Einstieg in die USA sanfter.

Boston

FAKTEN

Reisezeit: Mai 2014 (5 Tage, 4 Übernachtungen)
Anreise: Mit JetBlue von Philadelphia International Airport nach Boston Logan International Airport (1:15 h). Mehr Infos zur An- und Abreise zum/vom Flughafen am Ende des Beitrags in den Allgemeinen Tipps.
Unterkunft: Holiday Inn Express & Suites Boston-Cambridge *** (250 Monsignor O’Brien Highway, Cambridge, MA 02141, Hotel zu Fuß fünf Minuten von der Straßenbahn-Station Lechmere entfernt, sehr große Zimmer mit eigenem Wohn- und Schlafraum, gemütliches Bett, viele Ablageflächen, kleine Küchenzeile mit Mikrowelle und Kühlschrank, Frühstück nicht genutzt, gratis WLAN)

Weitere Stationen dieser Reise

Boston habe ich mit Philadelphia und New York kombiniert, die Reiseberichte dazu folgen!

Reiseverlauf (12 Tage): Wien –> New York JFK (Flug Austrian Airlines) // New York –> Philadelphia (Mietauto) // Philadelphia Airport –> Boston Logan Airport (Flug JetBlue) // Boston –> New York (Mietauto) // New York JFK –> Wien (Flug Austrian Airlines)

 

Dass sich Boston von anderen US-Städten derart unterscheidet, verdanken wir dem Engländer William Blaxton und britischen Puritanern, die sich an der Ostküste niedergelassen haben. 1630 wurde der Siedlung der Name Boston verliehen, welcher auf die gleichnamige Stadt in England zurückgeht, aus der einige Puritaner stammten. Die Architektur ist mit den zahlreichen niedrigen, roten Backsteinbauten stark britisch geprägt, was man besonders von den Aussichtspunkten Bostons sehr gut erkennen kann. Interessant ist auch der Umstand, dass das Straßennetz großteils nicht rechteckig angelegt, sondern vielerorts verwinkelt ist, wie man es von europäischen Altstädten kennt. Über die Jahrzehnte sind Einwanderer aus Deutschland, Irland, Italien, Polen und Russland nach Boston gekommen, was sich heute im Angebot unterschiedlichster Geschäfte, Restaurants und kulturellen Einrichtungen bemerkbar macht. Die schönsten Viertel, in denen man sich als Europäer fast wie zuhause fühlt, sind Back Bay und Beacon Hill – davon und von allen anderen Highlights der Stadt erzähle ich euch in meinem Reisebericht.


Der Freedom Trail in Boston

Boston auf dem Freedom Trail erkunden

Die beste Art, einen ersten Eindruck der Stadt zu gewinnen und gleichzeitig auch bereits viele Sehenswürdigkeiten zu sehen, ist der Freedom Trail. Dabei handelt es sich um einen vier Kilometer langen Pfad quer durch das historische Boston, der den Besuchern die wichtigsten Ereignisse der Vergangenheit näherbringt. Der Pfad ist anhand einer auf dem Boden gezogenen roten Linie aus Ziegeln leicht zu erkennen. Je nachdem, wie sehr man sich für die 16 auf dem Weg liegenden Objekte und Plätze interessiert, benötigt man mindestens zwei Stunden für den Fußmarsch. Ich war vom Startpunkt im Park Boston Common bis zum Endpunkt beim Bunker Hill Monument rund fünf Stunden unterwegs, habe dabei 13 von 16 historische Stätten näher besichtigt und zwischendurch auch genügend Pausen in Parks oder Cafés eingelegt. Auf dem Weg kommt man an verschiedensten Orten vorbei: wichtige Gebäude, Friedhöfe, Statuen, Kirchen und Denkmäler. Die von mir besuchten Punkte entnehmt ihr im Detail am besten den Bildunterschriften in den Fotos.

Einige Beobachtungen möchte ich aber besonders hervorheben: Am meisten beeindruckt hat mich das generelle Zusammenspiel aus historischen, kleinen Gebäuden und Wolkenkratzern in der Innenstadt. Steht man beispielsweise vor dem Old State House, ergibt sich ein beinahe schon kitschiges Bild eines lieben Häuschens, das von mächtigen Hochhäusern verschlungen zu werden scheint. Interessanterweise passen die unterschiedlichen Bauarten mit roten Backsteinen sowie Glas und Stahl insgesamt harmonisch zusammen und verleihen Boston das typische bekannte Aussehen. Spektakulär anzusehen ist auch der Friedhof Granary Burying Ground, auf dem viele bekannte Persönlichkeiten begraben sind – unter anderen Samuel Adams, Paul Revere und John Hancock. Der Friedhof existiert seit 1660, was man den Grabsteinen deutlich ansieht. Das Verfallene verleiht dem Ort allerdings eine mystische Aura (wenn nicht gerade hunderte Touristen herumlaufen). Im Old South Meeting House wurde die Boston Tea Party geplant, deren Eskalation schließlich zum Unabhängigkeitskrieg führte und Amerika von Großbritannien loslöste. Freunde der Schifffahrt kommen kurz vor Ende des Freedom Trail auf ihre Kosten. Die Fregatte USS Constitution – 1797 vom Stapel gelaufen und somit das älteste noch seetüchtige Kriegsschiff der Welt sowie nach der HMS Victory (britische Marine) das zweitälteste, das noch im Dienst steht – kann an Bord besichtigt werden. Es ist abslout faszinierend, wie relativ luxuriös das Innenleben für die damalige Zeit gestaltet war, auch wenn die Räumlichkeiten teilweise wirklich beengend erscheinen. Nur wenige Meter entfernt liegt schräg gegenüber der Zerstörer USS Cassin Young DD-793. Das Kriegsschiff hat eine intensive Rolle im Zweiten Weltkrieg hinter sich und ist seit 1981 als Museumsschiff im „Einsatz“. Nachdem ich nach einem langen Tag schon etwas erschöpft war, habe ich mich hier aber mit der Außenansicht begnügt. Das Bunker Hill Monument markiert das Ende des Freedom Trail. Das schmale, 64 Meter hohe Denkmal kann über 294 Stufen erklommen werden, was ich aufgrund der tollen Aussicht noch auf mich genommen habe – zum Glück! Das sich bietende Panorama auf die Skyline der Stadt mit der imposanten Schrägseilbrücke (mit dem klingenden Namen) Leonard P. Zakim Bunker Hill Memorial Bridge hat mir sehr gut gefallen. Eine andere Möglichkeit, von einer Aussichtsplattform auf Boston zu blicken, erfahrt ihr übrigens weiter unten im Artikel. Ein Tipp noch: Ladet euch unbedingt den Orientierungsplan von der Webseite thefreedomtrail.org herunter, um einen schönen Überblick des Wegs und der Umgebung zu bekommen.

Fotospots

Ich habe online lange nach einer Position gesucht, um die Leonard P. Zakim Bunker Hill Memorial Bridge gemeinsam mit der Skyline im Hintergrund zu fotografieren. Der beste Standpunkt, den ich finden konnte, befindet sich auf einer Fußgängerbrücke unmittelbar bei der Metro-Station Community College (orange Linie). Hier muss man zwar durch ein Gitter fotografieren, mit einem Teleobjektiv verschwinden die dünnen Gitterstäbe aber komplett.

 


Blick auf die Skyline Bostons

Die Waterfront – ein herrliches Hafenviertel

Zur Boston Waterfront zählt das Gebiet entlang des Hafens. Die Gehwege sind hier überdurchschnittlich breit und großteils autofrei, sodass man wirklich bequem entlangschlendern und die Zeit genießen kann. Wenn ihr den Freedom Trail absolviert und beim Bunker Hill Monument beendet habt, empfehle ich euch eine Rückfahrt in das Stadtzentrum mit der Fähre. Die Einstiegsstelle heißt Charlestown Navy Yard Ferry Terminal und befindet sich unweit der Fregatte USS Constitution (GPS-Position anzeigen). Während der kurzen Fahrt zur Station Long Wharf (North) bekommt man vom Wasser aus eine großartige Aussicht auf die Hochhäuser der Innenstadt, den kleineren roten Backsteinbauten davor und den Dutzenden Booten im Hafen. Ein wirklich tolles Erinnerungsfoto schießt man hier fast automatisch! 😉 Die Waterfront ist gespickt mit Museen, Restaurants, Bars und netten Grünflächen – das war aber nicht immer so. Bis 2006 trennte das Hafenviertel und die Innenstadt eine sechsspurige, auf Stelzen gebaute Autobahn. Diese Bausünde aus den 50er-Jahren wurde ab 1982 in jahrelangen Arbeiten untertunnelt (Projektname „Big Dig“, dt. „Das große Graben“), Stück für Stück abgebaut und schlussendlich mit einer neuen Oberflächengestaltung ins Positive umgewandelt. Seither bietet sich Besuchern beispielsweise das fantastische Fotomotiv mit einem Bodenspringbrunnen und dem Custom House Tower im Hintergrund. Generell erlauben die zahlreichen Parkanlagen von vielen Stellen aus grandiose Blicke auf den Financial District mit seinen Wolkenkratzern. Bemerkenswert ist das 15-stöckige Bauprojekt Rowes Wharf aus dem Jahr 1987, das in der Mitte einen gigantischen bogenförmigen Durchgang aufweist. Bei meinem Besuch war noch dazu eine überdimensionale US-Flagge aufgespannt – patriotischer geht es nicht mehr. 😉 Abschließend lege ich euch noch einen Ort ans Herz: Wenn ihr die Skyline Bostons in ihrer vollen Pracht bestaunen wollt, dann macht einen Spaziergang über die Evelyn Moakley Bridge (die historische, nebenan liegende Old Northern Avenue Bridge von 1908 wurde leider ein halbes Jahr nach meinem Besuch für immer gesperrt und wird verschrottet) zum Fan Pier Park. Von diesem Fleckchen präsentieren sich die Wolkenkratzer unglaublich harmonisch. In der Dämmerung spiegeln sich die Farben noch dazu im Wasser und ergeben ein Bild, das an die Wand gehört. 😉

Fotospots

 


Blick auf das Viertel Beacon Hill in Boston

Back Bay und Beacon Hill, die Vorzeigeviertel Bostons

Um Boston von einer Seite zu sehen, die man aus Reisekatalogen kennt, muss man in einen der beiden angrenzenden Stadtteile Back Bay oder Beacon Hill sehen. Hier finden sich die berühmten viktorianischen Sandsteinhäuser aus dem 19. Jahrhundert, die der Stadt das besondere Flair verleihen und so sehr an Europa erinnern. Beide Stadtviertel sind vom Aussehen recht ähnlich, weswegen ich mich aus Zeitgründen nur auf Back Bay fokussiert habe. Dass es sich um das teuerste Viertel Bostons handelt, verwundert mich nicht. Es ist alles sauber und schön gepflegt, teure Geschäfte säumen die Straßen (zum Beispiel die Luxusmeile Commonwealth Avenue) und die zahlreichen Lokale laden trotz ihrer hohen Preise optisch einfach zur Einkehr ein. Auf dem weitläufigen Platz Copley Square liegt die Boston Public Library (öffentliche Bibliothek), in die ich gerne einen Blick hineingeworfen hätte, wenn sie nicht bereits geschlossen gehabt hätte. Wirklich interessant ist auf dem Platz aber der Kontrast zwischen der alten Trinity Church von 1877 und dem mächtigen John Hancock Tower aus dem Jahr 1976. Der 241 Meter hohe Wolkenkratzer ist das höchste Gebäude Bostons und fällt vor allem durch seine Glasfassade auf, in der sich die Umgebung und der Himmel spiegeln. Für Fotos bieten diese beiden gegensätzlichen Bauwerke natürlich ein ideales Motiv. Der Grundriss des Hancock Tower ist ein Parallelogramm – dieser Umstand lässt ganz besonders faszinierende Aufnahmen zu. Auf einigen Bildern ergibt sich eine optische Illusion, als hätte das Hochhaus keinen Körper und bestünde nur aus einer zweidimensionalen Fläche. Abends ist in Back Bay das zweithöchste Gebäude, der Prudential Tower, ein Hauptziel für Besucher Bostons. Von außen sieht es nicht unbedingt attraktiv aus, in der Zeit der Eröffnung 1964 war es aber sicherlich ein passendes und herausragendes Bauwerk. Wichtig ist der Turm deshalb, weil er in der 50. Etage eine innere Aussichtsplattform aufweist, die einen 360-Grad-Blick zulässt. Die Aufzugsfahrt ist mit 18,- USD (17,- EUR) nicht gerade ein Schnäppchen, aber es lohnt sich! Im Preis inbegriffen ist ein Audioguide und eine interaktive Ausstellung. Von oben lassen sich interessante Perspektiven erkennen: man blickt in den Fenway Park (das Heimstadion des Baseballteams Boston Red Sox), auf die sehenswerte Kirche The First Church of Christ, Scientist, auf den Charles River, den John Hancock Tower inklusive Trinity Church und auf die Nachbarschaft in Beacon Hill. Informiert euch vor einem Besuch unbedingt auf der Webseite skywalkboston.com über besondere Ereignisse an bestimmten Tagen, an denen die Plattform generell nicht geöffnet ist oder früher schließt!

Fotospots

Wie in jedem Gebäude, von dessen Aussichtsplattform man durch eine Scheibe fotografieren muss, stört auch im Prudential Tower die Raumbeleuchtung massiv. Wenn man abends nicht Dutzende Lichtreflexe in den Bildern haben will, muss man das Objektiv mit der Hand oder einem dunklen Tuch abdecken (oder man retuschiert sich später daheim in Photoshop die Hand wund).

 


Memorial Transept in der Boston Memorial Hall

Wo nur die Besten studieren: Harvard und MIT

Boston ist die Heimat von gleich zwei weltbekannten, gegensätzlichen Eliteuniversitäten: das MIT (Massachusetts Institute of Technology) und die Harvard University. Beide liegen im Vorort Cambridge, mit der Metro nur wenige Minuten von der Innenstadt Bostons entfernt. Ich wollte beide Hochschulen einmal sehen, wobei das aufgrund der jeweiligen Campus-Größe ein Ding der Unmöglichkeit ist, wenn man für einen Besuch nur wenige Stunden eingeplant hat. Meine Tour habe ich mit dem MIT gestartet. Ich habe für die Anreise die Red Line der Metro bis zur Station Kendall/MIT genommen und dort zuerst noch einen kurzen Umweg zum Ufer des Charles River gemacht, um eine andere Sicht der Bostoner Skyline zu bekommen. Danach war mein Hauptziel das architektonisch herausstechende Stata Center von Stararchitekt Frank Gehry. Das in bunten Farben gehaltene Gebäude sticht durch seine unkonventionellen Formen heraus. Die einzelnen Teile scheinen in sich zusammenzufallen und wirken unfertig. Dieser Dekonstruktivismus ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, ich bin aber ein großer Fan dieser Art der Architektur. Für Individualtouristen gibt es übrigens einen sehr guten Plan, um die wichtigsten Institutsgebäude auf dem MIT-Campus selbst besichtigen zu können: institute-events.mit.edu (PDF-Datei, englisch). Auf dem Plan steht auch dabei, ob und wann die Gebäude öffentlich zugänglich sind. Es gibt noch einen weiteren Fixpunkt, den ihr einplanen solltet, nämlich das MIT Museum (265 Massachusetts Ave, Cambridge, MA 02139). Der Eintritt kostet 10,- USD (9,50 EUR), jeden letzten Sonntag (ausgenommen Juli und August) kann das Museum kostenlos besichtigt werden (dieses Glück hatte ich, yeah!). Ich habe selten ein Museum erlebt, das mich derart in den Bann gezogen hat. Trotz der überschaubaren Größe des Gebäudes gibt es unfassbar viele Exponate zu bestaunen, die im MIT erfunden und konstruiert wurden. Für mich war es umso spannender, da ich ehrlich gesagt vor dem Besuch nicht wirklich wusste, was denn genau im MIT eigentlich erforscht wird. Jedenfalls werden im Museum Zusammenhänge zwischen Physik, Kinetik, künstlicher Intelligenz und Optik anschaubar und nachvollziehbar dargestellt. Die ausgestellten Geräte, Roboter und sonstigen Wunderdinge lassen einen genauen Blick auf die mechanischen Abläufe zu und faszinieren garantiert junges und älteres Publikum. Bei vielen Stationen kann man auch selbst Aktionen auslösen oder seine Geschicklichkeit überprüfen. Das MIT ist im Bereich der Flugraumüberwachung ebenfalls aktiv und ermöglicht dem Besucher, einmal selbst Fluglotse zu spielen und zu erkennen, wie unglaublich komplex dieser Job tatsächlich ist. Ich kann euch den Besuch nur wärmstens ans Herz legen – ihr werdet es nicht bereuen!

Meine Zeit war leider durch den Museumsbesuch schon recht knapp bemessen, deshalb habe ich mich schnell auf den Weg zur Harvard University gemacht. Mit der roten Metro-Linie ging es weiter zur Station Harvard, die direkt an den Campus angrenzt. Die Universität wurde 1636 gegründet und hat Dutzende bekannte Absolventen hervorgebracht – zu den prominentesten zählen Bill Gates, Barack Obama und Mark Zuckerberg. Ich empfehle wieder einen Übersichtsplan auf der Webseite map.harvard.edu, der die Dimensionen des Campus gut veranschaulicht. Ich habe nur einen Bruchteil besichtigt, aber das Gesehene war bereits erstaunlich. Die Häuser auf dem Campus sind alle in rotem Backstein gehalten und liegen zwischen großen Grünanlagen. Beim Umhergehen hatte ich einige Male ein Déjà-vu, denn die Filmindustrie hat Harvard schon oft als Drehort verwendet. Ein Gebäude möchte ich besonders hervorheben: in der Memorial Hall sind drei fantastische Räumlichkeiten untergebracht. Die Annenberg Hall erinnert an die Harry-Potter-Filme, ist aber leider für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Seht euch aber trotzdem unbedingt Bilder im Internet an! Das Sanders Theatre ist ein Vorlesungssaal, der auch für Konzerte verwendet wird. Hier haben schon Persönlichkeiten wie Winston Churchill oder Martin Luther King Jr. gesprochen. Der Saal ist prinzipiell auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, kann aber zumindest bei Veranstaltungen besucht werden. Eine Liste mit kommenden Events findet ihr auf der Seite ofa.fas.harvard.edu. So, jetzt habe ich euch von zwei herrlichen Räumen vorgeschwärmt, die ich selbst nur von Fotos kenne. Aber! Es gibt immerhin eine Halle, die auch Normalsterbliche von 12-18 Uhr ansehen können, und diese Halle ist ebenfalls ein absolutes Highlight und rechtfertigt den Besuch. Im sogenannten Memorial Transept sind an den Wänden Marmortafeln in Gedenken an die gefallenen Studenten angebracht. Beeindruckend sind die riesigen Luster, die Glasfenster und die Dimension dieser Gedenkhalle – auch hier fühlt man sich sofort an Harry Potter erinnert.

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

Der Boston Logan Airport ist mit der blauen Metro-Linie schnell an die Innenstadt angeschlossen. Die Station Airport liegt allerdings etwas entfernt von den Terminals, was allerdings kein Problem ist. Zwischen den Terminals und der Metro-Station verkehren in kurzen Intervallen mehrere kostenlose Shuttlebusse, die teilweise auch die Mietwagenstationen anfahren. Achtet nur darauf, dass die Buslinien 11 und 88 die Metro nicht anfahren. Mehr Infos zu den Shuttlebussen findet ihr auf der Seite massport.com.

Die Hotelpreise sind in Bostons Innenstadt leider sehr, sehr hoch. Deshalb habe ich ein günstiges, aber trotzdem tolles Hotel im Vorort East Cambridge gebucht, von wo aus ich mit der Straßenbahn nach Downtown fahren musste. Das Ganze war aber derart unkompliziert und rasch, dass ich euch bedenkenlos eine Unterkunft außerhalb der Stadt empfehlen kann, solange ihr einen U-Bahn- oder Straßenbahn-Anschluss habt. Dazu seht euch am besten den nächsten Tipp an.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind in Boston für eine US-Stadt ungewöhnlich gut ausgebaut und es gibt sogar eine Straßenbahn. Erkennbar sind die Stationen am T-Symbol (für Transportation). Kauft euch am Flughafen oder in der Stadt (je nachdem wie ihr anreist) am besten je nach Aufenthaltsdauer ein Tagesticket (12,- USD / 11,40 EUR) oder ein 7-Tages-Ticket (21,25 USD / 20,10 EUR), in dem alle Verkehrsmittel inkludiert sind (auch die innerstädtischen Fähren). Ein Einzelticket kostet übrigens 2,75 USD (2,60 EUR), auch nach Harvard. Einen Linienplan findet ihr auf der Seite mbta.com.

Essen kann man in Boston dank der internationalen Einflüsse sehr gut, man muss sich nicht täglich mit Fast Food begnügen. Dennoch gehört für mich in den US-Großstädten einmal ein Besuch des lokalen Hard Rock Cafe (22-24 Clinton St) dazu, um ein T-Shirt als Andenken zu erwerben und den ausgezeichneten Legendary Burger zu essen. In der Innenstadt kommt man automatisch am Quincy Market (4 South Market Building) vorbei: in einer historischen Halle kann man sich an diversen Essensständen durch Allerlei durchprobieren – ideal für den Hunger zwischendurch! Mit Haymarket gibt es in Boston sogar einen Bauernmarkt mit frischem Obst, Gemüse und selbstgemachten Spezialitäten. Der Markt befindet sich unweit des Quincy Market auf der Blackstone Street und umgebenden Straßen, am besten einfach nach den weißen Zelten Ausschau halten (geöffnet täglich außer 25.12. und 1.1. von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang). Gut italienisch konnte ich im Stadtteil Back Bay essen, dort war ich gleich zweimal bei Papa Razzi (159 Newbury St), wo man bei Schönwetter draußen an der halbwegs ruhigen Straße sitzen und das Treiben beobachten kann. Wenn ihr das MIT in Cambridge anseht, dann kehrt unbedingt in der Miracle of Science Bar & Grill (321 Massachusetts Ave, Cambridge) ein, in die vor allem Studenten in Scharen strömen. Das Lokal hat die Speisekarte in Form des Periodensystems an die Wand gemalt und ist einfach supernett zum Verweilen. Freunde des Zuckers kommen in Boston ebenfalls auf ihre Kosten. Die Stadt ist bekannt für die sogenannte Boston Cream, eine mehr oder weniger kalorienreiche Vanillecreme, die in Torten, Muffins oder Donuts zur Anwendung kommt. Eine echte Institution ist dabei Mike’s Pastry (300 Hanover St), vor dessen italienischer Bäckerei die Leute Schlange stehen. Wenn man dem Freedom Trail folgt, begegnet man unweigerlich andauernd Menschen mit blauweißen Tüten in der Hand, die eine Art Schaumrollen essen. Ein kurzes Googlen hat mich dann zu Mike’s Pastry geführt, wo ich ein Yellow Cream Cannolo gekauft habe. Ein geschmacklich zwar leckeres Erlebnis, das man aufgrund des Zuckergehalts aber nicht unbedingt täglich haben muss. 😉 Ebenfalls am Freedom Trail eignet sich die Konditorei Sweet (11 School St) für eine kurze Pause. Das liebevoll dekorierte kleine Geschäfte hat sich auf Cupcakes spezialisiert, ich habe erneut die Geschmackssorte Boston Cream probiert. Mir persönlich haben sie wesentlich besser geschmeckt hat als das Cannolo bei Mike’s Pastry, da sie nicht so extrem süß schmecken.

 

FAZIT

Ich habe schon einige Großstädte in den USA erlebt, aber keine hat sich so in mein Gedächtnis gebrannt wie Boston. Die Geschichte hat für eine lebendige, vielfältige und kulturell einzigartige Stadt an der Ostküste der Vereinigten Staaten gesorgt. Die Mischung aus Wolkenkratzern und kleinen liebevollen Gebäuden aus rotem Backstein ist faszinierend anzusehen und sorgt immer wieder für tolle Fotomotive. Mit dem Freedom Trail gelingt es, historische Stätten spannend aufzubereiten und gleichzeitig Sightseeing zu betreiben. Ein Rundgang in den Nobelvierteln Back Bay und Beacon Hill verleitet schon fast dazu, sich hier eine Wohnung zu kaufen (wenn man das nötige Kleingeld hätte). Und mit einer Fahrt nach Harvard und zum MIT schnuppert man kurz in eine andere Welt hinein, in der die Persönlichkeiten von morgen ausgebildet werden. Boston, du siehst mich garantiert wieder!

 

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