Liverpool: Fussballfieber und eine Prise Kultur

Zuschauer im Goodison Park Stadium von Everton, Liverpool

Liverpool ist für zwei Dinge weltbekannt: als Heimat der Beatles zieht die Stadt jährlich tausende Fans an und mit dem Fußballverein FC Liverpool spielt ein europäischer Spitzenklub im Nordwesten Englands. Ich habe einen Kurzbesuch mit zwei Übernachtungen genutzt, um mir einen Eindruck von der Stadt zu machen und ein Spiel in der Premier League zwischen dem FC Everton (der zweite Klub der Stadt) und dem berühmten FC Arsenal live im Stadion anzusehen – auch wenn die Ticketbeschaffung eine wahrhaftige Odyssee war, wie ihr im Beitrag erfahren werdet.

Liverpool

FAKTEN

Reisezeit: März 2016 (2 Tage)
Anreise: Mit dem National Express Bus von Manchester Coach Station nach Liverpool One Coach Station (1:00 h).
Unterkunft: Mercure Liverpool Atlantic Tower Hotel **** (Chapel St, Liverpool L3 9RE; 4-Stern-Hotel, das von außen neu und modern aussieht, von innen leider in die Jahre gekommen, Zimmer angenehm groß, altmodisches Bad, Fenster nicht zu öffnen und mit Schimmel in den Ecken, Klimaanlage, Betten sehr hart, WLAN gratis, Frühstück nicht im Preis inkludiert)

Weitere Stationen dieser Reise

Liverpool habe ich mit Manchester kombiniert, meinen Reisebericht dazu könnt ihr hier lesen: Manchester im Schnelldurchlauf

Reiseverlauf: Wien –> Manchester Airport (Flug Easyjet) // Manchester –> Liverpool (Bus National Express) // Liverpool –> Manchester Airport (Bus National Express) // Manchester Airport –> Wien (Flug Easyjet)

 

Liverpool wollte ich zwar schon viele Jahre sehen, die Stadt war aus Österreich aber leider nicht direkt erreichbar. Nachdem aber Anfang 2016 eine Flugverbindung zwischen Wien und dem von Liverpool nur eine Autostunde entfernten Manchester aufgenommen wurde, konnte ich endlich meinen Zielort besuchen. Alle Fans der Beatles muss ich hier gleich enttäuschen, ich habe mich aufgrund eines engen Zeitplans nicht bzw. nur sehr oberflächlich mit den Plätzen beschäftigt, die mit den berühmten Musikern zu tun hatten. Das liegt aber auch ein bisschen daran, dass ich in einer anderen Zeit aufgewachsen bin und keinen Hype für die Beatles verspüre – man verzeihe mir. 😉 Die beiden Hauptgründe meines Besuchs waren der englische Fußball und um Liverpool endlich zu entdecken.


Goodison Park Stadium von Everton, Liverpool

Der mühsame Weg zum Fußballticket

Wie bereits anfangs erwähnt war der eigentliche Grund der Reise ein Fußballspiel in Liverpool. Ich habe mich bereits mehrere Monate im Vorfeld mit dem Spielplan der englischen Premier League auseinandergesetzt, um passende Reisetermine zu finden, die mit einem Heimspiel eines Klubs aus Manchester oder Liverpool zusammenfallen. Bei der generellen Recherche, wie man denn an Tickets gelangt, haben sich einige Abgründe aufgetan – Karten für ein Spiel zu kaufen ist alles andere als einfach! Für die Spitzenclubs Manchester United und Manchester City ist es so gut wie unmöglich, über einen regulären Kartenverkauf Tickets zu erwerben. Man muss Mitglied sein, um den Vorverkauf nutzen zu können und selbst dann ist es aufgrund der großen Nachfrage immer noch regelrecht ein Glücksspiel, ob man zum Zug kommt oder nicht. Natürlich kann man über andere Plattformen Karten zu exorbitanten Preis erstehen, aber das ist es mir dann doch nicht wert. Nachdem am Wochenende meines Besuchs auch noch ausgerechnet das heiß begehrte Derby zwischen den beiden Vereinen aus Manchester stattfand, habe ich die Ticketrecherche hier schnell aufgegeben und mich stattdessen auf Liverpool konzentriert. Der FC Liverpool selbst hatte eine Auswärtspartie, aber mit dem FC Everton gibt es noch einen zweiten Premier-League-Klub in Liverpool. Dementsprechend habe ich alle Kräfte auf das Heimspiel FC Everton gegen FC Arsenal gelegt – vom Gegner her auch ein ziemlich gutes und somit tickettechnisch begehrtes Spiel! Um hier offiziell an Karten zu kommen, musste ich mich ersteinmal schlau machen, wie der Spaß eigentlich funktioniert. Nach langem Suchen und Lesen auf der Klub-Webseite sowie in Fußballforen wusste ich endlich Bescheid. Hier der Kurzablauf für Interessierte: Zuerst muss man sich auf der Webseite registrieren. Dann benötigt man eine sogenannte FOREVERTON Membership für GBP 20,- (EUR 23,40), die jeweils für eine Saison gültig ist. Als ausländischer Interessent muss man hier übrigens „FOREVERTON Overseas“ auswählen. Wollt ihr nicht alleine auf ein Spiel gehen, müssen diesen Schritt übrigens auch alle eure Freunde durchführen, bevor es an den tatsächlichen Kartenkauf geht! Alleine dieser Umstand hat mich etliche Nerven gekostet, da er nicht sofort ersichtlich ist. Ist das erledigt, kann man endlich das gewünschte Spiel und die verfügbaren Tickets ansehen. Obwohl ich rechtzeitig zum Vorverkaufsstart auf der Webseite aktiv war, konnte ich nur noch Restkarten in der letzten Reihe auf der Haupttribüne direkt neben dem Auswärtssektor von Arsenal erwerben und alle meine Freunde mit ihren Mitgliedsnummern gesammelt zusammensetzen (besser als nichts!). Nach dem Bezahlen per Kreditkarte liegen die Tickets am Spieltag an einer eigenen Kassa beim Stadion bereit – das hat absolut problemlos funktioniert. Der ganze Spaß hat mich schlussendlich mit Membership, Ticket, Service- und Kreditkartengebühr rund 90 Euro für eine Karte gekostet, aber so ein Spiel schaut man sich auch nicht jeden Tag an. 😉

Das Spiel Everton – Arsenal selbst wurde vom englischen Ligaverband auf 13:45 Uhr gelegt, was mir sehr gelegen kam. Die frühe Anpfiffzeit hat nach dem Spiel noch genügend Zeit gelassen, um Liverpool genauer anzusehen. Die Anreise habe ich zu Fuß vorgenommen, da das Stadion Goodison Park nur 20 Gehminuten von der Heimstätte des FC Liverpool entfernt ist, dessen Stadion ich vorher besichtigt habe (siehe nächster Punkt). Das schöne an einem Fußballspiel ist nicht nur das Match selbst, sondern vor allem die Vorfreude der Fans rund zwei Stunden vor Beginn. Rund um den Goodison Park standen schon Hunderte Leute und versorgten sich beispielsweise mit Fish & Chips. Das klassische englische Fast Food hat mir selten besser geschmeckt, was sicher auch an der generellen Atmosphäre vor Ort gelegen hat. Selbstverständlich muss man mit den einheimischen Fans auch ein Pint trinken, am besten geht das vor Ort im People’s Pub im Winslow Hotel (31 Goodison Rd), das direkt an der Haupttribüne liegt. Vom Geschmack sehr gut gemundet haben die Biersorten Worthington’s und John Smith’s. Rund eine halbe Stunde vor Spielbeginn habe ich mich ins Innere des Stadions begeben. Die Zutrittskontrollen waren schnell vorbei und der Platz in der letzten Reihe auch rasch gefunden. Beim Goodison Park handelt es sich um ein klassisches englisches Stadion mit engen Sitzreihen und einer etwas gewöhnungsbedürftigen Sicht unterhalb des Daches. Die Stimmung war nicht überwältigend – was sicher auch am Spielverlauf lag – aber zumindest die Auswärtsfans von Arsenal haben 90 Minuten für Atmosphäre gesorgt und einen 2:0-Sieg gefeiert. Mein Fazit: endlich ein englisches Premier-League-Spiel gesehen und die Atmosphäre genossen! Ob ich den ganzen Aufwand mit dem Ticketkauf allerdings nochmals durchziehen würde, weiß ich nicht. 😉

Fotospots

Große Spiegelreflexkameras sind in den englischen Stadien nicht erlaubt, weswegen ich die kleinere Kompaktkamera Canon G1 X mithatte, mit der ich problemlos durch die Kontrollen gekommen bin.

 


Stadion Anfield in Liverpool

Ein Abstecher nach Anfield

Vor dem Spiel Everton – Arsenal habe ich noch eine Führung durch ein legendäres Stadion eingeschoben: Anfield des FC Liverpool. Leider wurde die Haupttribüne zum Zeitpunkt meines Besuchs gerade erweitert, wodurch ich eine halbe Baustelle fotografieren musste. Andererseits war es superspannend einmal zu sehen, wie so ein gigantisches Bauprojekt entsteht. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels (März 2017) ist die Tribüne bereits seit mehreren Monaten eröffnet, dennoch sind die Bauarbeiten noch nicht komplett abgeschlossen, was sich durch eingeschränkte Führungen durch das Stadion bemerkbar macht. Es empfiehlt sich jedenfalls, schon vorab über die Webseite stadiumtours.liverpoolfc.com Tickets für eine Tour zu kaufen, da Anfield bei Besuchern sehr beliebt ist. Auf der Seite seht ihr dann gut, welche Bereiche aktuell während einer Führung gesperrt sind. Ab dem zweiten Quartal 2017 sollten dann alle Bereiche wieder zugänglich sein. Bevor ich die Tour begonnen habe, stand ein Pflichtbesuch vor dem Anfield Hillsborough Memorial am Programm. Die temporäre Gedenktafel vor der Tribüne Centenary Stand erinnert an die Stadionkatastrophe von Hillsborough in Sheffield im Jahr 1989 mit 96 Toten. Die Originaltafel wurde für die Zeit der Bauarbeiten von der Haupttribüne entfernt und sicher gelagert. Die eingeschränkte Führung selbst dauerte dann nicht sehr lange, da man nur den Centenary Stand und die Tribüne „The Kop“ besichtigen konnte, auf der die treuesten Anhänger das berühmte Lied „You’ll never walk alone“ anstimmen. Für einen ersten Eindruck hat es aber gereicht und ich habe ein weiteres Stadionpanorama für meine Sammlung ergattert. 😉

Fotospots

 


Ausblick auf die Innenstadt von Liverpool

Hoch hinaus in der Innenstadt

Die Innenstadt von Liverpool hat mir ganz gut gefallen. Während die niedrigen, roten Backsteinhäuser in den äußeren Vierteln im Bereich der beiden Stadien etwas heruntergekommen und typisch britisch wirken, geht es im Zentrum etwas prachtvoller zu. Folgt man nicht nur den Hauptwegen, entdeckt man immer wieder „geheime“ Durchgänge wie die Sweeting Street, die äußerst nett anzusehen sind und elegantes Flair versprühen. Etwas Durchsetzungsvermögen benötigt man in der engen Mathew Street, wo sich der Cavern Club befindet. In diesem Lokal absolvierten die Beatles unzählige Auftritte und auch heute kann man noch Coverbands im Club lauschen. Vor dem Eingang ist das Gedränge naturgemäß groß, jeder Fan möchte sich davor ablichten lassen und dann einen Blick hineinwagen. Ich habe mir den Rummel erspart und stattdessen den Fernsehturm St. John’s Beacon (1 Houghton Street) aufgesucht, auf dessen Spitze sich die Radio City Tower Viewing Gallery Experience (kurz: eine Aussichtsplattform) befindet. Leider schließt der Turm bereits um 17 Uhr, wodurch es nicht möglich ist, die Stadt in der Dämmerung zu fotografieren. An bestimmten Tagen im Jahr wird der Zugang länger gestattet, Infos dazu soll man auf der Webseite yourliverpoolview.com finden. Die Auffahrt mit dem Aufzug kostet GBP 5,50 (EUR 6,40) und bietet wirklich sehenswerte Ausblicke – wenn auch nur durch eine Glasscheibe. Von oben wirkt Liverpool wie ein riesiges Puzzle und es macht Spaß, immer wieder neue Details in den Gassen und auf den Dächern der Häuser zu entdecken. In der Ferne erblickt man zwei große Kirchen, die ich liebend gerne von innen gesehen hätte, aber keine Zeit hatte: die futuristisch wirkende Liverpool Metropolitan Cathedral und die neogotische Liverpool Cathedral Church of Christ. Naja, muss ich wohl wieder kommen! 😉

Fotospots

 


Das beleuchtete Albert Dock und Wheel of Liverpool

Flanieren an der Waterfront

Der Bereich am Flussufer des Mersey River ist die sogenannte Liverpool Waterfront – dort verbringen Touristen wohl die meiste Zeit während eines Aufenthalts. Entlang der Waterfront befindet sich eine Vielzahl an Restaurants, Museen und historischen Gebäuden, sodass es eine wahre Freude ist, hier entlangzuschlendern. Einzig Grünflächen sucht man hier vergebens, was ich sehr schade finde. Der schönste Platz ist am bekannten Albert Dock aus dem Jahr 1846, an dem sich Hafengebäude und Lagerhäuser aneinanderreihen. Zum Zeitpunkt der Eröffnung war die Anlage revolutionär, da erstmals Schiffe direkt an Warenhäusern be- und entladen werden konnten. Macht unbedingt eine Runde um das Albert Dock, da auch auf der Innenseite ein Weg entlangführt und schöne kleine Boote vor Anker liegen. Wie in London und Paris gibt es auch in Liverpool mit dem Echo Wheel of Liverpool ein Aussichtsriesenrad, wenn auch nicht so groß. Ich liebe ja Aussichtsmöglichkeiten von oben, allerdings habe ich das Riesenrad dennoch ausgelassen, da ich am Abend vor Ort war und damit aus der Gondel keine scharfen Bilder mehr hätte schießen können. Bei einem erneuten Besuch würde ich es aber definitiv ausprobieren! Mein Weg führte mich dann Richtung Norden, wo sich weitere wichtige denkmalgeschützte Gebäude befinden. Am Pier Head stehen The Three Graces (Die drei Grazien): das Royal Liver Building, das Cunard Building und das Port of Liverpool Building. Gemeinsam formen sie eine Gebäudefront, die sofort mit Liverpool verbunden wird und postkartentauglich ist. Mit einem schönen Fotoshooting in der Dunkelheit habe ich meinen Besuch in Liverpool würdig beendet.

Fotospots

Um die abends herrlich beleuchteten Gebäude und deren Spiegelung in den Becken abzulichten, braucht ihr in Liverpool nicht unbedingt ein Stativ. Ich konnte alle hier gezeigten Fotos ohne Hilfsmittel aufnehmen, da man an der Waterfront mit offenen Augen genügend Abstellflächen findet, um die Kamera stabil aufzustellen.

 

ALLGEMEINE TIPPS

Die öffentlichen Verkehrsmittel habe ich nicht genutzt, da man in der Innenstadt alles zu Fuß erkunden kann. Die Fahrt zum Anfield Stadium des FC Liverpool war mir mit dem Zug und einem langen Fußmarsch zu umständlich, deshalb habe ich einfach ein Taxi genommen, das schnell und günstig war.

Für die Rückreise nach Wien musste ich zum Flughafen Manchester, zu dem von der Liverpool One Coach Station (Canning Place) direkt ein Bus fährt. Fahrpläne und Tickets findet ihr auf der Webseite nationalexpress.com.

Pubs gibt es natürlich in Liverpool in Hülle und Fülle, sehr nett war in der Innenstadt beispielsweise The Beehive (7 Paradise St) mit sehenswerter schmaler Gebäudefront. Essenstechnisch habe ich mich aber hauptsächlich an der Waterfront aufgehalten. Leider keinen Platz ergattern konnte ich im Pump House (Albert Dock), das wirklich schon von außen Flair versprüht. Sehr gut Steak essen kann man bei Miller & Carter (Atlantic Pavilion, Atlantic Dock), allerdings sollte man hier etwas mehr Geld oder eine gut gedeckte Kreditkarte dabei haben. 😉 Ebenfalls gut speisen und in angenehmer Atmosphäre einen Drink einnehmen ist gleich im Nachbarlokal Revolution (4m, Anchor Courtyard Atlantic Pavillion, Albert Dock, Anchor Courtyard) möglich, wo sich zu späterer Stunde dann jede Menge aufgestylte Menschen einfinden.

 

FAZIT

Liverpool war zwar ein kurzer, aber umso intensiverer Aufenthalt. Das Hauptaugenmerk lag natürlich im Besuch des Fußballspiels FC Everton gegen FC Arsenal, wo ich die Atmosphäre rund um und im Stadion sehr genossen habe. Eine schmackhafte Portion Fish & Chips war dann noch die Zugabe. 😉 Die Innenstadt Liverpools ist schön anzusehen und bietet mit dem Fernsehturm St. John’s Beacon auch eine super Gelegenheit, die Stadt von oben zu entdecken. Die meiste Zeit verbrachte ich aber rund um das Albert Dock an der Waterfront, wo es einfach angenehm ist umher zu spazieren, die stilvoll beleuchteten historischen Gebäude zu bewundern und danach in einem der ausgezeichneten Lokale den Abend ausklingen zu lassen. Ein Tag mehr in Liverpool wäre noch gut und locker zu füllen gewesen, aber man braucht ja immer wieder einen Grund, in eine Stadt zurückzukehren! 😉

 

2 Kommentare

  1. […] Manchester habe ich mit Liverpool kombiniert, meinen Reisebericht dazu könnt ihr hier lesen: Liverpool: Fussballfieber und eine Prise Kultur […]

  2. […] Premier League im Stadion verfolgen, mit Everton gegen Arsenal (0:2) sogar eine sehr gute Partie. Liverpool: Fussballfieber und eine Prise Kultur […]

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