Naturschauspiel Kläfferquelle

Die Kläfferquelle in Wildalpen

Drehe ich in meiner Heimatstadt Wien den Wasserhahn auf, sprudelt mir sauberes Wasser entgegen, das unglaublich frisch und gut schmeckt. Kein Wunder, handelt es sich doch um kaltes, klares Wasser aus einer von vielen Quellen in Niederösterreich und der Steiermark. Eine dieser Quellen ist aber eine besondere: Die Kläfferquelle in der Nähe der wildromantischen Ortschaft Wildalpen ist die ergiebigste und sogar eine der größten Karstquellen Mitteleuropas, die vor allem zur Zeit der Schneeschmelze ein fantastisches Naturschauspiel bietet.

KLÄFFERQUELLE

FAKTEN

Reisezeit: Jeweils Anfang Mai in den Jahren 2011 und 2012 (Tagesausflug)
Anreise: Mit dem Auto von Wien über die A2 bis Knoten Seebenstein, dann S6 bis Mürzzuschlag, dann B23, B20 und B24 (Hochschwabstraße) Richtung Wildalpen bis zu dieser Stelle an einer Brücke. Kein offizieller Parkplatz, aber drei bis vier Fahrzeuge finden vor dem Eingang Platz (ca. 2:30 h).
Gehzeit: Keine
Distanz: Kein Wanderweg, auf dem Gelände kann man ca. 300 Meter erkunden

Der Ursprung des Wiener Wassers

Mein Besuch war lange geplant: mit meinen Fotokollegen Lisa-Maria Trauer, Dominique Hammer und Andreas Resch wollte ich unbedingt einmal das Naturphänomen der Kläfferquelle in natura sehen. Die Genehmigung (mehr dazu unten) war ohne großen Aufwand zu besorgen, das größere Problem war eher das Wetter. Für Aufnahmen von Wasser ist ein stark bewölkter Himmel mit oder ohne Regen von Vorteil. Durch das gedämpfte Licht entstehen keine harten Kontraste und für im Foto fließendes Wasser notwendige längere Belichtungszeiten ergeben sich fast von selbst. Der Einsatz eines Stativs ist hier natürlich Pflicht. Der Wettergott war uns hold und bescherte uns einen trüben, nassen Besuchstag – wo andere fluchen, hatte mein Fotografenteam ein großes Lächeln im Gesicht. 😉 Ein freundlicher Mitarbeiter der Wiener Wasserwerke öffnete uns das Tor, erklärte uns kurz die Spielregeln vor Ort und ließ uns dann freie Hand bei der Suche nach Motiven. Auch wenn mich in erster Linie die Landschaft rund um die Quelle interessierte, war der Blick auf den Ursprung der Kläfferquelle absolut faszinierend. Dazu muss man durch einen engen Stollen rund 90 Meter in das Berginnere vordringen und einem riesigen blauen Rohr folgen, bis man schlussendlich am Ende des Gangs anstösst. Das Rohr führt dann nochmals weiter in den dunklen Berg und zapft das Wasser ab. Rundherum sprudeln mit tosendem Geräusch Tausende Liter vorbei und fließen in die angrenzende Salza. Es ist schon ein besonderes Gefühl, hautnah zu sehen und zu spüren, wo das für uns selbstverständliche Trinkwasser eigentlich herkommt.

Die Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Nach einem kurzen Fußmarsch 90 Meter in den Berg hinein steht man vor dem Ursprung der Kläfferquelle
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Die Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Zur Zeit der Schneeschmelze quillt das überschüssige Wasser von den Hügeln herab
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Fotograf Andreas Resch bei der Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Fotograf Andreas Resch während des Ablichtens der Naturschönheit
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Fotograf Dominique Hammer bei der Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Fotograf Dominique Hammer komponiert ein Bild der Umgebung
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Die Geschichte der Kläfferquelle

Ein kurzer geschichtlicher Exkurs zur Wiener Wasserversorgung: Nachdem die Stadt zunehmend mit unsauberem Trinkwasser zu kämpfen hatte, wurde 1873 nach vier Jahren Bauzeit die I. Wiener Hochquellenleitung in Betrieb genommen. Diese versorgte Wien von diesem Moment an mit sauberem Wasser vom Schneeberg, der Rax und der Schneealpe – allerdings reichte die Menge vor allem in den Wintermonaten nicht aus. Deshalb wurde bis 1910 die II. Wiener Hochquellenleitung gebaut, die zusätzlich frisches Quellwasser aus dem Hochschwabgebiet in der Steiermark nach Wien transportiert. Die Leitung wird von mehreren Quellen gespeist, die mit Abstand ergiebigste ist allerdings die Kläfferquelle, aus der mindestens 54.000 m³ Wasser pro Tag fließen. Das wertvolle Nass muss 183 Kilometer in die österreichische Hauptstadt zurücklegen und dabei einen Höhenunterschied von 360 Metern überwinden. Es ist geradezu unglaublich, dass dazu keine einzige Pumpe notwendig ist, sondern das Wasser dank hoher Ingenieurskunst mit Hilfe der Gravitation schließlich nach 36 Stunden in Wien ankommt. Zahlreiche Aquädukte in Niederösterreich und der Steiermark zeugen von dieser Meisterleistung des Wassertransports.

Die Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Das herrlich saftige grüne Moos passt sich wunderbar dem Wasserlauf an
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Die Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Zu Spitzenzeiten der Schneeschmelze sprudeln aus der Kläfferquelle 10.000 Liter pro Sekunde aus dem Berg
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Die Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Zwei Bäche vereinen sich zu einem malerisch anmutenden Gesamtbild
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Die Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Auf 300 Metern Länge entdeckt man immer wieder neue Formen und Wege, die sich das Wasser nach unten bahnt
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Die Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Aus der Kläfferquelle fließen mindestens 54.000 m³ Wasser pro Tag und versorgen Wien mit frischem Trinkwasser
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Ein grünes Naturparadies

Der Zugang zum Stollen der Kläfferquelle liegt gleich beim Eingang des abgesperrten Geländes. Geht man aber geradeaus weiter und überquert eine kleine Brücke, steht man schon mittendrin in einer saftigen, grünen Landschaft – man merkt, dass der Boden hier generell sehr feucht sein muss. Bei meinem ersten Besuch 2011 hatte die Schneeschmelze zu unserer Enttäuschung noch nicht voll eingesetzt. Es waren zwar sehr fotogene Wasserläufe vorhanden, aber auch einige trockene Bachbetten, anhand derer man gut sehen konnte, wo sich das überschüssige Wasser seinen Weg suchen würde. Der nette Mitarbeiter vor Ort hat meiner Gruppe aber freundlicherweise angeboten, uns einfach telefonisch Bescheid zu geben, sobald die Schneeschmelze voll einsetzt. Für 2011 ging sich eine erneute Rückkehr zwar nicht mehr aus, aber im Mai 2012 hat es geklappt und wir konnten dank des Insidertipps zur richtigen Zeit und erneut bei schlechtem (also für uns gutem) Wetter zur Kläfferquelle aufbrechen. Aber was passiert dort eigentlich genau? Sobald der Schnee auf den Bergen schmilzt, gelangen große Mengen an Wasser über unterirdische Höhlen ins Tal. Irgendwann ist der Wasserzulauf derart hoch, dass die Kläfferquelle voll ist und das überschüssige Wasser durch Öffnungen im Berg über die Hügel ins Tal abfließt. Das ganze Schauspiel dauert in der Regel nur wenige Wochen, umso faszinierender ist es, die Wasserfälle dieses Naturphänomens hautnah zu erleben.

Die Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Eine schmale Brücke führt in das Waldgelände hinein
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Die Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Hier sieht man ein trockenes Bachbett, anhand dessen man gut den Wasserlauf vom Berg ins Tal erahnen kann
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Die Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Inmitten dieser Landschaft zu stehen und den Geruch von Moos in der Nase zu spüren, ist ein einmaliges Gefühl
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Die Kläfferquelle in Wildalpen, Österreich
Nach wenigen Wochen wird dieser reißende Bach wieder zu einem Bächlein werden
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FOTOTIPPS

Die beste Besuchszeit ist im Spätfrühling, sobald die Schneeschmelze einsetzt. Davor und danach herrscht nur geringer oder gar kein Wasserfluss an der Oberfläche.

Fotografen sollten die Kläfferquelle nach Möglichkeit bei Schlechtwetter besuchen. Die Sonne kommt großteils ungehindert durch die Bäume und erschwert das Fotografieren extrem. Außerdem leuchtet die grüne Landschaft bei Feuchtigkeit regelrecht.

Wie überall in der Natur gilt es, keine Spuren zu hinterlassen und keine Pflanzen zu zerstören!

 

HINWEISE

Die Kläfferquelle kann nur nach Anmeldung und unter Aufsicht besichtigt werden. Die Kontaktdaten für eine Anmeldung entnehmt ihr bitte der Seite wien.gv.at.

Ich empfehle gutes Schuhwerk, da das Gelände großteils ungesichert ist.

Im rund 14 Kilometer entfernten Wildalpen zahlt sich der Besuch des Museums „HochQuellenWasser“ aus, in dem unter anderem Originaldokumente aus der Zeit des Baus der Hochquellenleitung ausgestellt sind. Infos dazu findet ihr auf der Seite wildalpen.at.

Ebenfalls ein heißer Ausflugstipp in der Nähe ist die traumhafte Wasserlochklamm bei Palfau (nur zur Zeit der Schneeschmelze oder nach langen Regenfällen, ansonsten trockene Wasserfälle!).

 

FAZIT

Einen Ausflug zur Kläfferquelle in der herrlichen Landschaft der Steiermark kann ich nur jedem empfehlen. Der Besuch erfordert zwar etwas organisatorische Vorarbeit, aber die Beschaffung einer Zutrittsgenehmigung zahlt sich absolut aus. Vor Ort kann man sich nicht nur des Naturschauspiels mit Dutzenden kleinen Wasserfällen inmitten von saftigen, grünen Pflanzen und Moos erfreuen – man lernt auch hautnah den Ursprung des sauberen und frischen Trinkwassers kennen und schätzen.

 

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