Nürnberg: Schönheit auf den zweiten Blick

Weinstadel und Henkersteg in Nürnberg

2009 bin ich erstmals in der bayerischen Stadt Nürnberg gewesen, damals allerdings nur einen Tag und ohne Übernachtung. Acht Jahre später habe ich mir die Fotos von damals wieder angesehen und festgestellt, dass ich Nürnberg eigentlich gar nicht wirklich kennengelernt habe. Grund genug, nochmals auf Besuch zu kommen und diesmal gleich drei Tage die Stadt zu erkunden!

Nürnberg

FAKTEN

Reisezeit: 3 Tage (2 Übernachtungen) zu Ostern im April 2017
Anreise: Mit Eurowings von Flughafen Wien-Schwechat nach Flughafen Nürnberg „Albrecht Dürer“ (0:50 h).
Unterkunft: Adina Apartment Hotel **** (Dr.-Kurt-Schumacher-Straße 1-7, gute Lage am südlichen Rand der Altstadt, fünf Gehminuten zur U2-Station Opernhaus, zehn Gehminuten in das Stadtzentrum, sehr geräumiges Apartment-Zimmer mit Kühlschrank, Waschmaschine, Küchenzeile, Bügelbrett, gute Betten, kostenloses WLAN, gutes Frühstück, großer Pool und Sauna, freundliches Personal)

Der Titel dieses Artikels lässt vielleicht Zweifel darüber aufkommen, ob ich in Nürnberg zufrieden war. Ich kann euch aber gleich beruhigen: mein Besuch war insgesamt fantastisch, mir ist nur ein Umstand aufgefallen, den ich vor der Ankunft nicht im Kopf hatte. Wenn man zur Einstimmung im Internet nach Fotos aus Nürnberg sucht, erhält man eigentlich ausschließlich Bilder der historischen Altstadt. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und großteils nach historischen Plänen wieder aufgebaut. Das Flanieren durch die Gassen ist wirklich bezaubernd und die Gebäude präsentieren sich von ihrer besten Seite. Kommt man aber aus der Altstadt heraus, ist man möglicherweise so wie ich etwas überrascht – der Glanz geht mit dem Überqueren der Stadtmauer fast gänzlich verloren. Es offenbaren sich einem Stadtteile mit zweckmäßiger Architektur, die oft heruntergekommen wirkt und eher abschreckt. Auch die von mir angesteuerten U-Bahn-Stationen sowie den Hauptbahnhof empfand ich als dunkel und wenig ansprechend. Dieser Umstand hat das positive Fazit meines Aufenthalts zwar in keiner Weise geschmälert, aber ich wollte euch über das bekannte Phänomen „Erwartung vs. Realität“ nicht im Unklaren lassen. 😉 Im folgenden Reisebericht konzentriere ich mich aber ohnehin auf die schönen Seiten Nürnbergs, von denen es genügend gibt und mit denen sich drei Tage oder mehr locker ausfüllen lassen!


Bild der Altstadt von Nürnberg

Meine Favoriten in der Altstadt

Nürnberger Burg

Mit Nürnberg wird sofort ein großer, mächtiger Bau in Verbindung gebracht: die Kaiserburg. Sie ist von vielen Punkten der Stadt aus sichtbar und das Wahrzeichen Nürnbergs. Die Burg wurde in der Zeit um 1000 errichtet und diente über die Jahrzehnte als politischer und militärischer Stützpunkt. Ein Besuch ist unbedingt zu empfehlen, auch wenn man an der Zeit des Mittelalters vielleicht nicht so interessiert ist. Es gibt verschiedene Ticketoptionen, um entweder alle Bereiche der Burg (EUR 7,-) oder nur bestimmte zu besichtigen. Ich habe mich für das Ticket um EUR 3,50 entschieden, mit dem man die nachfolgenden zwei interessanten Orte auf der Burg erleben kann. Der Tiefe Brunnen ist wahrlich spektakulär und kann jede halbe Stunde mit einer kurzen Führung angesehen werden. Ich hatte einen äußerst sympathischen Nürnberger, der mit Witz und Spannung die Geschichte des 50 Meter tiefen Schachts erklärte. Höhepunkt ist zweifelsohne, wenn ein Glas Wasser in die Tiefe geschüttet wird und der Aufprall erst fünf Sekunden später zu hören ist. Nur ein paar Meter daneben steht der unübersehbare Sinwellturm, dessen Spitze über ein schönes, hölzernes Treppenhaus (wieder etwas für meine Treppenhaus-Sammlung) erreicht werden kann und eine super Sicht auf die gesamte Stadt bietet. Einziger Wermutstropfen: die Öffnungen sind mit recht engen Eisenstreben gesichert, wodurch das Fotografieren zu einer echten Herausforderung wird. Alle Infos zu Öffnungszeiten und Eintrittspreisen gibt es auf kaiserburg-nuernberg.de.

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Der Hauptmarkt

Neben der Kaiserburg ist noch ein weiterer Ort als Nürnberger Highlight bekannt. Auf dem Hauptmarkt findet alljährlich zur Weihnachtszeit der berühmte Christkindlesmarkt statt. Zu diesem Zeitpunkt ist Nürnberg hoffnungslos überlaufen und die Hotelpreise in ungeahnten Höhen. Aber auch unter dem Jahr lohnt sich ein Blick auf den Hauptmarkt: der Platz wird immer wieder für andere Feste benutzt (während meines Aufenthalts beispielsweise für einen Ostermarkt mit allerhand Köstlichkeiten, Haushaltswaren und Handwerk), außerdem gibt es zwei Objekte zu betrachten, die mehr Aufmerksamkeit als der Markt verdienen. Die Frauenkirche – diese bespreche ich in einem eigenen Absatz weiter unten – und der Schöne Brunnen. Der mit zahlreichen, goldenen Figuren geschmückte Brunnen ist ein wahrer Anziehungspunkt für Touristen. Das liegt wohl auch am Mythos, dass das Drehen eines der in das Brunnengitter eingearbeiteten Ringe drei Wünsche erfüllt. Übrigens: der Schöne Brunnen hatte jahrzehntelang kein Wasser im Becken, seit Ende April 2017 sprudelt es aber wieder.

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Weißgerbergasse und Weinstadel

Eine kleine, aber sehr feine Attraktion Nürnbergs ist die Weißgerbergasse. Sie ist nur wenige hundert Meter lang, bietet aber auf dieser kurzen Distanz eine Reihe historischer Handwerkerhäuser mit der für Nürnberg typischen Fachwerkbauweise. Die Gasse zeugt deutlich vom Wohlstand, den das Lederhandwerk in vergangenen Zeiten mit sich brachte. Heute ist die Fußgängerzone mit ihren Cafés, gut erhaltenen bzw. restaurierten Häusern und kleinen Läden ein fantastisches Fotomotiv. Um bei schönen Fotomotiven zu bleiben, empfehle ich euch von der Weißgerbergasse gleich zur Maxbrücke weiterzugehen und dem Weinstadel einen Besuch abzustatten. Dieser romantische Ort ist zwar wahrlich kein Geheimtipp, aber dennoch ein Muss zum Ansehen. Der Weinstadel ist eines der größten Fachwerkhäuser Deutschlands und liegt neben dem Henkerturm und Henkersteg direkt am Fluss Pegnitz. Früher war dieser Platz ein Ort des Schreckens, heute aber einfach ein herrlicher Platz zum Verweilen, vor allem wenn die Sonne untergeht.

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Geht von der Maxbrücke beim Weinstadel zur nächsten Brücke flussabwärts. Dort befindet sich der Kettensteg, von dem man nochmals einen grandiosen Blick auf die Maxbrücke und die Lorenzkirche erhält.

 

Historische Felsengänge

Was mich wirklich sehr beeindruckt hat, waren die Historischen Felsengänge Nürnbergs. Im Untergrund der Stadt existiert ein bis Mitte des 17. Jahrhunderts geheimes Stollensystem, das heutzutage besichtigt werden kann. Der Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V. bietet eine Vielzahl an Führungen an, unter anderem zu den Themen Kasematten/Lochwasserleitung, zum historischen Kunstbunker oder eine allgemein geschichtliche Führung durch die Tiefe. Ich habe mich aber für die vierte Variante entschieden, eine Führung zum Thema Bier! Wenn ihr diese Tour zur 700-jährigen Biergeschichte Nürnbergs um EUR 9,- bucht, habt ihr hoffentlich denselben Führer wie ich. Hannes, ein eingefleischter Nürnberger, hat es während des einstündigen Rundgangs wirklich verstanden, die Gruppe mit Witz und Charme zu unterhalten – manchmal auch auf Kosten der Nachbarstadt Fürth. 😉 Neben allerhand geschichtlichen Informationen zur Bierherstellung und -lagerung sind im Preis auch zwei kleine Biere der Hausbrauerei Altstadthof inkludiert, die gemeinsam verkostet werden. Tickets für die Führungen könnt ihr auf der Seite historische-felsengaenge.de vorab kaufen oder einfach wie ich vor Ort anfragen, wann man sich noch an einer Tour anschließen kann. Mehr zu den kulinarischen Seiten der Hausbrauerei erfahrt ihr in einem eigenen Abschnitt weiter unten im Artikel.

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Blick auf das Heilig-Geist-Spital in Nürnberg

Entdeckungen beim Spazierengehen

Die Stadtmauer

Das Schöne an der Nürnberger Altstadt ist, dass man alles zu Fuß erforschen kann und dabei andauernd auf interessante Plätze und Gebäude stößt. Sehenswert ist dabei die fast komplett erhalten gebliebene Stadtmauer (mit Ursprung im 11. Jahrhundert) mit ihren zahlreichen Türmen, die charakteristisch für Nürnberg sind. Auch wenn man den Umstand kennt, dass die teilweise stark beschädigte Mauer nach dem Zweiten Weltkrieg restauriert bzw. wieder aufgebaut wurde, hat sie ihren faszinierenden Reiz dennoch nicht verloren. Nürnberg wurde in all den Jahrhunderten nur ein einziges Mal militärisch eingenommen (1945 durch die Amerikaner), das alleine spricht schon Bände über die Schutzkraft der Anlage rund um die Altstadt. 71 Türme sind auch heute noch erhalten und teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich, wie zum Beispiel der Mohrenturm (siehe nächster Punkt).

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Turm der Sinne

Der Mohrenturm ist ein ganz besonderes Bauwerk, beinhaltet er doch das Erlebnismuseum „TurmderSinne“. Der Besucher muss beim Rundgang vom Erdgeschoss bis zur Turmspitze alle Sinne einsetzen und bei zahlreichen Stationen sehen, schmecken, fühlen, hören sowie riechen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob unsere Sinne unfehlbar sind und welche Konsequenzen bzw. Täuschungen sich daraus im täglichen Leben ergeben. Ich kann euch einen Besuch (EUR 8,-) wirklich empfehlen, denn das Thema Wahrnehmung hält für unser Gehirn einige unerwartete Überraschungen bereit! Ein netter Nebeneffekt ist übrigens, dass man von oben einen schönen Blick auf die Nürnberger Kaiserburg erhält. Da im Mohrenturm aufgrund seiner beengten Verhältnisse immer nur eine bestimmte Anzahl an Personen gleichzeitig sein darf, empfiehlt sich ein Besuch abseits der Hauptzeiten, alle Infos dazu auf turmdersinne.de.

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Albrecht-Dürer-Haus

Am Fuße der Kaiserburg steht das Albrecht-Dürer-Haus des berühmtesten deutschen Malers. Ich habe mir das Gebäude nur von außen angesehen, da mich das Innenleben nicht so interessiert hat. Wer es besichtigen möchte, erhält in den Räumen detaillierte Einsicht in das Leben Dürers und kann sich auch mit einer Schauspielerin als Dürers Ehefrau Agnes durch die Ausstellung führen lassen. Alle Infos dazu gibt es auf der Seite museen.nuernberg.de. Ein paar Meter neben dem Haus steht übrigens eine große, bizarre Hasenskulptur. Der Künstler Jürgen Goertz hat die Bronzeskulptur 1984 als Hommage an das berühmte Gemälde „Der Feldhase“ (das in der Wiener Albertina ausgestellt ist) angefertigt. Sehr grotesk, aber doch irgendwie ein Blickfang und bei Touristen für ein Selfie sehr beliebt. 😉

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Ehekarussell und Weißer Turm

Nicht weniger grotesk als die Hasenskulptur mutet das Ehekarussell auf der Einkaufsmeile Ludwigsplatz an. Es handelt sich dabei um einen Brunnen, der den Lüftungsschacht der darunter befindlichen U-Bahn-Station verdecken soll. Sein eigentlicher Name ist Hans-Sachs-Brunnen, da das Thema des Kunstwerks auf ein Gedicht von Hans Sachs aufbaut. Der Brunnen stellt mit überdimensionierten Figuren die Szenen einer Ehe von Liebe über Streit bis zum Tod dar. Dass die Bevölkerung zum Zeitpunkt der Eröffnung im Jahr 1984 entsetzt und schockiert war, wundert mich nicht. 😉 Die Figuren und deren Gesichter sehen bizarr und überspitzt aus – kein Wunder, dass sie damals als vulgär empfunden wurden. Auf jeden Fall ein sehenswerter Spaß! Direkt hinter dem Ehekarussell ragt der Weiße Turm in die Höhe, der früher Teil der Stadtmauer war. Heute betritt man durch die Tordurchfahrt die gleichnamige U-Bahn-Station.

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Heilig-Geist-Spital und Fleischbrücke

Wo man unweigerlich vorbeikommt, ist die Museumsbrücke mit Blick auf das Heilig-Geist-Spital. Folgt man vom Hauptbahnhof der Straße Richtung Lorenzkirche, Hauptmarkt und Kaiserburg, betritt man automatisch die Brücke, von welcher sich gleich auf beiden Seiten interessante Motive anbieten. Das Heilig-Geist-Spital aus dem Jahr 1339 war die größte Einrichtung der Stadt zur Versorgung von Kranken und alten Menschen. Im Zweiten Weltkrieg fiel das Gebäude fast vollständig Bombentreffern zum Opfer, wurde aber in den 50er-Jahren wieder detailgetreu aufgebaut. Für Touristen ist ein Foto des ehemaligen Spitals, in dem heute ein Restaurant untergebracht ist, eine wunderbare Erinnerung an Nürnberg. Auf der anderen Seite der Museumsbrücke blickt man auf die Fleischbrücke. Optisch zwar nicht ganz so prachtvoll, ist die Brücke aus dem Ende des 16. Jahrhunderts eine wichtige Verbindung über die Pegnitz und zählt zu den bedeutendsten Brückenbauwerken der Spätrenaissance Deutschlands.

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Handwerkerhof

Eine Attraktion, von der ich etwas enttäuscht war, ist der Handwerkerhof. Dieser liegt im ehemaligen Waffenhof Nürnbergs unmittelbar beim Hauptbahnhof und lädt mit kleinen Gassen, Fachwerkhäusern sowie typischen Produkten der Stadt auf einen Besuch ein. Ein interessanter Ort ist es auf jeden Fall, allerdings auf derart beengtem Raum, dass es mir einfach keine Freude machen wollte. Die Gassen hat man in kürzester Zeit durchquert und in den Läden selbst waren mir zu viele Menschen, als dass ich mich dort in Ruhe umsehen hätte wollen. Einen Blick hinein solltet ihr aber auf jeden Fall wagen und euch selbst ein Bild machen! Geöffnet sind die Ladengeschäfte im Handwerkerhof von Montag bis Samstag 10-19 Uhr, die Gaststätten täglich von 11-22 Uhr. Komplett geschlossen ist der Hof zu den Osterfeiertagen.

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ESSEN UND TRINKEN IN NÜRNBERG

Nürnberg ist weltbekannt für seine Rostbratwurst, dementsprechend hoch ist die Dichte an darauf spezialisierten Gasthäusern und Restaurants. Ich habe in den drei Tagen Aufenthalt gleich mehrmals zugeschlagen und die Unterschiede zwischen den Lokalen ausgetestet. Hier sind meine Empfehlungen: Am besten fand ich Zum Gulden Stern – Historische Bratwurstküche (Zirkelschmiedsgasse 26), wo die Würste nicht vorgekocht sind und über offenem Feuer gegrillt werden. Das dauert eine Spur länger, schmeckt aber extrem gut. In der Hausbrauerei Altstadthof (Bergstraße 19) haben die Rostbratwürste ebenfalls sehr gemundet, dazu gibt es das hauseigene Rotbier – eine Spezialität in Nürnberg und sehr süffig, akute Suchtgefahr! 😉 Das Nürnberger Fast Food nennt sich „Drei im Weggla“ (in den Lokalen oft auch „3 im Weckla“ geschrieben) und ist ein helles Brötchen mit drei Rostbratwürstchen, in die man sich selbst nach Lust und Laune Senf und Ketchup füllen kann, zum Beispiel im Bratwursthäusle (Rathausplatz 1). Auch hier bekommt man nach dem Verzehr des ersten sofort Lust auf ein weiteres „Weggla“. 😉 Das Ganze ist auf jeden Fall eine preisgünstige Alternative zum Essen im Restaurant.

Abseits der Bratwurst hatte ich mit meiner Begleitung noch ein fantastisches Essen im Gasthaus Pillhofer (Königstraße 78) in einer kleinen, urigen Gaststube. Der Jungschweinebraten mit Erdäpfelknödel sowie der Sauerbraten mit Rotkraut und Brezenknödel waren ein kulinarischer Hochgenuss.

Wer nur auf der Suche nach einem guten Bier ist, dem sei bei Schönwetter der Biergarten Elkes Bierstadl im Kettensteg (Maxplatz 35) empfohlen, wo man in angenehmer Atmosphäre zwischen Bäumen und direkt an der Pegnitz seine Maß genießen kann. Auch im Bratwurströslein (Rathausplatz 6) lässt sich in dunkler, uriger Stimmung ein Bier genießen – und wer noch Hunger hat, kann sich gleich erneut Rostbratwürstel dazu bestellen, was ich allerdings nicht getan habe.

Eine Pause mit ganz toller Umgebung solltet ihr im Café Bar Wanderer (Beim Tiergärtnertor 6) einlegen. Dort holt man sich in Selbstbedienung seinen (überraschend guten) Kaffee und sitzt dann am Tiergärtnertor mit Blick auf das Albrecht-Dürer-Haus und die Kaiserburg – besser gehts nicht!

 


Innenansicht der Lorenzkirche in Nürnberg

Kirchen als architektonisches Juwel

Kirchen gibt es in Nürnberg wahrlich nicht zu wenige. Ich habe mir aber vier herausgesucht, die besonders sehenswert sind und einen Besuch auch dann rechtfertigen, wenn man nicht streng religiös ist. Zusätzlich stelle ich euch noch einen ganz besonderen Friedhof etwas außerhalb der Altstadt vor.

Lorenzkirche

Die Kirche St. Lorenz () hebt sich mit ihren beiden 81 Meter hohen Türmen deutlich aus der ansonsten flach gebauten Altstadt hervor. Steht man vor der Westfassade, bietet sich einem ein grandioser Blick auf das prachtvolle Portal und die riesige Rosette aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die Lorenzkirche ist neben der Sebalduskirche eine der beiden großen evangelischen Stadtkirchen Nürnbergs. Der gotische Bau bietet innen jede Menge Kunstwerke, unter anderem den Engelsgruß von Veit Stoß und das Sakramentshäuschen von Adam Kraft. Links vom Eingang erinnert die alte Feyerglocke mit deutlich sichtbar verschweißtem Riss an die Kriegszeit. Noch heute berühren Menschen, die den Krieg miterlebt haben, nach der Messe die Glocke in Erinnerung an die traurige Zeit. Unterhalb der Kirche verläuft die U-Bahn-Linie U1, deren Station Lorenzkirche mit Nachbildungen der großen Rosette verziert ist.

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Sebalduskirche

Die Sebalduskirche (), die älteste Pfarrkirche Nürnbergs, erinnert sowohl von außen als auch von innen sofort an die gotische Kirche St. Lorenz. Sie ist ebenfalls mit zahlreichen Kunstwerken ausgestattet und wurde über die Jahrhunderte immer wieder an den aktuellen Zeitgeschmack angepasst. Der Name leitet sich vom in der Gegend um Nürnberg lebenden Einsiedler Sebaldus ab, der auch als Schutzpatron der Stadt gilt. An den Pfeilern sind überall in der Kirche historische Aufnahmen aus den Kriegsjahren abgebildet, die eine gewaltige Zerstörung zeigen.

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Frauenkirche

Die Frauenkirche () an der Ostseite des Hauptmarkts ist eine weitere bedeutende Kirche Nürnbergs. Sie wirkt im Vergleich zu den beiden vorhin erwähnten Kirchen relativ klein. Beeindruckend ist das kleine, vergoldete Portal am Eingang, das auf die Geburt des kaiserlichen Thronfolgers Wenzel Bezug nimmt. Bekannt ist die Frauenkirche aber für ein anderes Schauspiel, das Männleinlaufen: täglich um 12 Uhr Mittags öffnen sich an der astronomischen Uhr zwei Türen und unter Glockengeläut verneigen sich der Reihe nach dreimal hintereinander die sieben Kurfürsten vor seiner Hoheit Kaiser Karl IV.

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Elisabethkirche

Die vierte Kirche ist mein geheimer Favorit. Die Elisabethkirche () steht nur unweit vom Weißen Turm entfernt gegenüber der Jakobskirche und fällt von außen vor allem durch ihre riesige Kuppel auf. Im Inneren ist der Chorraum mit natürlichem Licht hell erleuchtet. Sofort stechen die 16 marmornen, korinthischen Säulen ins Auge, bevor man unweigerlich in die Höhe blicken und über die Kuppel staunen muss – welche grundsätzlich an den Petersdom in Rom erinnert, wenn natürlich auch nicht derart prunkvoll. 😉 Die Elisabethkirche hat eine rege Baugeschichte hinter sich und vereint verschiedene architektonische Stile, was ich als sehr spannend empfinde.

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Johannisfriedhof

Als fünften religiösen Punkt empfehle ich euch noch einen Abstecher zum Johannisfriedhof, der mit der Straßenbahnlinie 6 (Station St. Johannisfriedhof) schnell erreichbar ist. Es ist ein Friedhof, wie er nicht überall zu finden ist. Auffallend sind in erster Linie die steinernen Särge, die konventionelle Grabsteine ersetzen und wesentlich mächter sowie festlicher wirken. Der seit dem 10./11. Jahrhundert bestehende kleine Friedhof wurde im Mittelalter erweitert, als die Pest ein Massensterben zur Folge hatte und innerhalb der Stadtmauern Nürnbergs keine Toten mehr begraben werden durften. Heute wirkt der Johannisfriedhof magisch und bezaubernd zugleich. Übrigens sind hier mit dem Maler Albrecht Dürer und dem Bildhauer Veit Stoß auch zwei sehr bekannte Persönlichkeiten begraben.

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Ausstellungsstück im Doku-Zentrum in Nürnberg

Das dunkle Kapitel Nürnbergs

Bei all den positiven Dingen, die ich euch in den vorherigen Absätzen vorgestellt habe, darf man ein Kapitel leider nicht auslassen. Nürnberg hat in der Zeit des Nationalsozialismus eine große Rolle gespielt und wurde zur Stadt der Reichsparteitage der NSDAP. Mit ihrer historisch immer schon starken Stellung für Handel, Kunst und Kultur sowie der zentralen Lage war Nürnberg der ideale Ort für Hitlers Machtfantasien. 1935 stellten die antisemitischen „Nürnberger Gesetze“ die Weichen für den Beginn der Judenverfolgung.

Noch heute kann man bei einem Besuch Nürnbergs die Spuren der vergangenen Zeit hautnah erleben. Im Südosten der Stadt stehen die Überreste des NS-Regimes, das auf dem Reichsparteitagsgelände mit überdimensionalen Gebäuden eine Selbstinszenierung von gigantischen Ausmaßen erreichen wollte. Dazu zählt das Zeppelinfeld, das Hitler als riesigen Aufmarschplatz mit Zuschauertribünen errichten ließ – übrigens das einzige fertiggestellte Bauwerk auf dem gesamten Gelände. Heute kann man auf dem Podest der Haupttribüne an derselben Stelle stehen, an der Hitler von bis zu 320.000 Menschen bejubelt wurde. Bekannt ist das Zeppelinfeld auch für seinen „Lichtdom“: mit über 150 Scheinwerfern, die senkrecht in die Höhe strahlten, konnte ein visuell beeindruckendes Bild erzeugt werden. Folgt man dem angrenzenden Dutzendteich, sieht man bereits den nächsten Monumentalbau. Die Kongresshalle sollte Platz für 50.000 Menschen bieten und der NSDAP Kongressveranstaltungen ermöglichen. Ab 1935 wurde im Stile des Römer Kolosseums gebaut, das Gebäude aber nicht fertiggestellt. Unter anderem fehlt die komplette Überdachung der Halle. Heute befindet sich in einem Teil der Kongresshalle das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände (Straßenbahnlinien 6 und 9, Station Doku-Zentrum), in dem sich die Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“ mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft beschäftigt. Der Eintritt ist mit EUR 5,- sehr human, die Öffnungszeiten entnehmt ihr der Seite museen.nuernberg.de. Einen Rundgang durch die Ausstellung kann ich nur allen empfehlen. Jeder (auch deutschsprachige) Besucher erhält einen Audioguide, um in den Räumen keine lauten Geräusche zu erzeugen, was zu einer bedrückenden Stille führt. In der Innenstadt Nürnbergs erinnert noch ein weiteres Denkmal an das Grauen der NS-Zeit. Die Straße der Menschenrechte in der Kartäuserstraße „ist sowohl eine Anklage gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten als auch eine zu Stein gewordene Mahnung an die Menschen, dass die Menschenrechte auch heute noch in vielen Staaten der Erde massiv verletzt werden“, so die Botschaft des Künstlers Dani Karavan.

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Blick auf das Nürnberger Volksfest

Das Nürnberger Volksfest

Zwei Wochen im Jahr findet das Nürnberger Volksfest statt – und wie es der Zufall so will, war ich genau am Eröffnungswochenende vor Ort. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen und habe mich gleich in das Getümmel gestürzt. 😉 Das Fest geht bis auf das Jahr 1826 zurück, als die Bürgerschaft ein Volksfest zu Ehren des bayerischen Königs Ludwig I. veranstaltete. Der Ort hat mehrmals gewechselt, ist seit 1953 aber durchgängig am Volksfestplatz neben der Kongresshalle. Ich konnte es also gleich mit einem Besuch des Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände verbinden. Für mich als Wiener ist so ein Fest nichts Ungewöhnliches, haben wir doch den Prater mit seinen zahlreichen Gaststätten und Fahrattraktionen fast das gesamte Jahr über. Dennoch freue ich mich jedes Mal, wenn ich in einer fremden Stadt mit den Einheimischen gemeinsam auf einer Festveranstaltung sein und lokale Spezialitäten probieren kann. In diesem Fall gab es bayerisches Weißbier und eine Grillhaxe vom Schwein – beides köstlich, wenn auch deftig. Der Andrang an Menschen war erstaunlich erträglich, was wohl an den Osterfeiertagen und dem regnerischen Wetter lag. Eine Sache habe ich mir in den letzten Jahren übrigens angewöhnt: wenn es irgendwo ein Riesenrad gibt, dann versuche ich damit auch zu fahren. Auf dem Nürnberger Volksfest hat sich das erneut ausgezahlt, denn so konnte ich einen super Ausblick auf die Kongresshalle erhaschen. 🙂 Wenn ihr schauen wollt, ob euer Besuch in die Zeit des Volksfestes fällt, informiert ihr euch am besten auf der Webseite volksfest-nuernberg.de (Achtung, die Lautsprecher am PC besser auf leise drehen).

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ALLGEMEINE TIPPS

Die Fahrt vom und zum Flughafen ist in Nürnberg so einfach und schnell wie wohl nur in wenigen anderen Städten. Von der Ankunftshalle kommend steht man nach wenigen Metern vor der U-Bahn-Station Flughafen, von der man mit der Linie U2 in nur etwas mehr als zehn Minuten die Innenstadt erreicht. Wenig durchdacht sind allerdings die mit zwei Stück etwas gering bemessenen Fahrkartenautomaten, die noch dazu an der frischen Luft stehen. Man kann sich vorstellen, wie lang die Schlangen sind, wenn mehrere Flugzeuge gleichzeitig ankommen. Tipp: Wenn ihr seht, dass viele Leute an den Automaten stehen, geht nach dem Verlassen des Terminals sofort links zum anderen Abgang der U-Bahn und nutzt den Ticketautomat dort.

An Öffentlichen Verkehrsmitteln sind für Touristen im Grunde nur die U-Bahn und Straßenbahn von Interesse. Ganz Nürnberg inklusive des Flughafens ist eine Zone, was den Ticketkauf äußerst übersichtlich macht. Wenn ihr nur in der Innenstadt unterwegs seid, dann zahlt sich ein Einzelfahrschein (EUR 3,-) oder ein 4er-Ticket (EUR 10,70) aus. Achtung: Ein 10er-Ticket ist im Raum Nürnberg nicht gültig und kann nur benutzt werden, wenn ihr über die Stadtgrenze hinausfahrt. Ein Tagesticket Plus (EUR 11,90) für ein bis sechs Personen (mit Kindern) bzw. maximal zwei Personen ab 18 Jahren ist dann von Vorteil, wenn ihr zu zweit seid und neben der Innenstadt auch weitere Strecken benötigt, zum Beispiel zum Reichsparteitagsgelände. Sehr positiv ist, dass das Tagesticket Plus an einem Samstag gekauft auch für den Sonntag gültig ist. Einen Plan des Liniennetzes gibt es auf der Seite vgn.de zum Download.

Solltet ihr wie ich am Osterwochende nach Nürnberg reisen, stellt ihr euch besser auf geschlossene Geschäfte und Restaurants ein. Vertraut auch nicht den Hinweisen auf Webseiten: ich habe es gleich bei zwei Gasthäusern erlebt, dass auf der Restaurant-Webseite „kein Ruhetag“ ausgerufen wurde, vor Ort dann aber ein Zettel mit der Aufschrift „Ostersamstag geschlossen“ für Ärger bei mir gesorgt hat. Die Hauptattraktionen der Stadt haben aber glücklicherweise über die Feiertage normal geöffnet.

Das im Reisebericht erwähnte Besichtigungsprogramm hat sich in drei vollen Tagen gut unterbringen lassen und keinen Stress verursacht. Allerdings gäbe es noch viele Museen sowie den Zoo in Nürnberg, für deren Besuch natürlich wesentlich mehr Zeit eingeplant werden müsste.

 

FAZIT

Drei Tage in Nürnberg zahlen sich in allen Belangen aus! Die wichtigsten Punkte der Stadt befinden sich fast alle innerhalb der Stadtmauer und bieten Interessensgruppen allen Alters genügend unterschiedliche Attraktionen. Nur das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände liegt deutlich außerhalb, sollte aber auf dem Besuchsprogramm nicht fehlen, da hier Zeitgeschichte an Originalschauplätzen vermittelt wird. Kulinarisch wird man mit deftiger, aber sehr guter Küche empfangen, deren Höhepunkt die Nürnberger Rostbratwürste sind, die man noch lange in Erinnerung behalten wird. Besonders positiv in Erinnerung bleibt mir auch die herzliche, witzige und charmante Art der Nürnberger Tourguides bei den besuchten Führungen in den Historischen Felsengängen und auf der Kaiserburg.

 

2 Kommentare

  1. Nürnberg scheint wirklich eine Reise wert zu sein! Hatte ich bisher überhaupt nicht auf Radar. Danke für die tollen Tipps 🙂

    1. Danke! Ja mir geht’s auch mit vielen Städten so. Hat man nicht auf der Rechnung, und plötzlich ist man in den Bann gezogen. 😉

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