Bled: Ein Ausblick für die Ewigkeit

Blick auf den Bleder See vom Aussichtspunkt Ojstrica

Obwohl Slowenien ein Nachbarland Österreichs ist und von meiner Heimatstadt Wien nur knapp vier Stunden entfernt liegt, habe ich vor 2017 keinen Schritt über die Grenze gewagt. Das erste Mal war dann mit einem Besuch im wunderschönen Bled dafür ein umso gewaltigeres Erlebnis. Neben dem bildhübschen Bleder See sorgt vor allem eine cremige Süßspeise für Glücksmomente, von denen ich euch in diesem Reisebericht erzählen möchte.

Bled

FAKTEN

Reisezeit: Mitte Mai 2017 (3 Tage, 2 Übernachtungen)
Anreise: Mit dem Zug von Wien Hauptbahnhof nach Villach Hauptbahnhof, von dort mit Flixbus weiter nach Bled Busbahnhof (Avtobusna Postaja Bled) (Fahrzeit gesamt 5:20 h).
Unterkunft: Hotel Jelovica *** (wird in naher Zukunft in Hotel Rikli umbenannt, sehr gute Lage direkt am Busbahnhof, zwei Minuten vom Seeufer entfernt, von außen alt wirkend, Zimmer und Hotelausstattung einfach aber sauber und schön, gute Betten, kostenloses WLAN, reichhaltiges und schmackhaftes Frühstück)

Bled liegt nur wenige Kilometer von der Kärntner Grenze entfernt und ist mit dem Auto oder Bus einfach zu erreichen. Für mich als Zugfahrer war diesmal die (komplette) Anreise per Bahn allerdings keine Option, da der Bahnhof von Bled am anderen Ende des Orts liegt und mit Gepäck nur umständlich zu erreichen ist. Der Busbahnhof liegt dafür mitten im Ortszentrum fast direkt am See. Noch dazu habe ich mit dem Hotel Jelovice (wird demnächst in Hotel Rikli – nach dem Schweizer Naturheiler Arnold Rikli – umbenannt) eine Unterkunft unmittelbar daneben gefunden, wodurch sich die An- und Abreise äußerst bequem gestaltet hat. Vom Preisniveau muss man sich generell auf saftige Rechnungen einstellen, denn Bled ist als Luftkurort am idyllischen See regelrecht von Touristen überlaufen und lebt sehr gut davon. Die Menschenmassen verlaufen sich in der weitläufigen Gegend aber derart stark, dass ich sie während meines Aufenthaltes nie als störend empfunden habe. Ein langes Wochenende von Freitag bis Sonntag lässt sich mit den gebotenen (Natur)Attraktionen locker verbringen: Bled hat neben dem See mit der markanten kleinen Insel noch eine Burg, eine Sommerrodelbahn und nur vier Kilometer entfernt die wunderschöne Vintgar-Klamm (den Reisebericht dazu findet ihr hier: Vintgar-Klamm: Kleinod zwischen Felswänden) zu bieten. Außerdem wird man rund um den See permanent in eine süße Versuchung gebracht, denn Bled ist die Heimat der Cremeschnitte – eine grandiose Süßspeise, um die man nicht herumkommt.


Blick auf die kleine Insel im Bleder See

Tolle Blicke rund um den See

Eine Umrundung des Bleder Sees (Blejsko jezero) ist ein Fixpunkt, wenn man zu Besuch ist. Der sechs Kilometer lange Rundweg wechselt zwischen Beton- sowie Waldweg und kann zu Fuß bequem in ca. zwei Stunden bewältigt werden. Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch, dass es etwas länger dauert, denn an sehr vielen Stellen muss man einfach stehenbleiben und die unfassbare Naturkomposition auf sich wirken lassen.

Die Entstehung des Sees finde ich sehr interessant: Die Form des Beckens wurde durch den Rückgang des Bohinjer Gletschers gebildet, wobei die kleine Insel im See das letzte Überbleibsel einer vormals riesigen Felsmasse ist. An manchen Stellen ist der Bleder See knapp 31 Meter tief, gespeist wird er durch unterirdische Quellen, von denen einige Thermalwasser liefern. Dadurch erreicht der See im Sommer 23 Grad Celcius, was zum Schwimmen absolut ausreichend ist. Die Thermalquellen werden übrigens in den Pools dreier Hotels (Grand Hotel Toplice, Hotel Park und Hotel Golf) genutzt, allerdings muss das Wasser noch künstlich erwärmt werden.

Aber nun zurück zum Rundwanderweg um den See! Ob ihr im oder gegen den Uhrzeigersinn geht, ist prinzipiell egal. Zu empfehlen ist alternativ auch das Ausborgen eines Fahrrades, was ich in meinem Hotel unkompliziert zum Preis von 4 Euro für zwei Stunden zweimal in Anspruch genommen habe, um abends und zeitig in der Früh flexibel auf Fotojagd gehen und den See ablichten zu können. Die schönste Ansicht auf den Bleder See hat man von der Westseite, denn dort baut sich die kleine Insel mit der Kirche gekonnt vor dem in der Ferne liegenden Gebirgsstock der Karawanken auf. Umgekehrt wirkt die Szenerie vom Ostufer aus nicht ganz so spektakulär, da die Insel von dieser Stelle erstens sehr weit entfernt ist und zweitens optisch mit dem dahinter befindlichen Wald verschmilzt. Vom Süden aus widerum lässt sich die Burg und die Ortskirche von Bled am besten mit der Kamera einfangen. Seht euch dazu am besten die folgenden Fotos und ihre Positionsdaten an!

Fotospots

 


Blick auf den Bleder See vom Aussichtspunkt Mala Osojnica

Eine Aussicht, die man nicht vergisst

Einmal um den See herum gehen ist schön und gut, aber für den wahren Höhepunkt müsst ihr euch etwas anstrengen. 🙂 Am südwestlichen Ufer zweigt vom Hauptweg ein Waldweg ab, der euch nacheinander zu zwei unglaublich schönen Aussichtspunkten führt (Einstiegspunkt hier ansehen). Ich muss ehrlich gestehen, dass ich einen derartig beeindruckenden Ausblick noch selten erlebt habe, einfach nur wow! Bevor man aber in diesen Genuss kommt, ist erstmal Bewegung angesagt – es gilt rund 200 Höhenmeter auf teils steilem Pfad zu überwinden. Auch wenn er etwas anspruchsvoller ist, sollten normal bewegliche Menschen keinerlei Problem beim Aufstieg haben – achtet dennoch unbedingt auf gute Schuhe! Von einer Sache würde ich aber wirklich abraten: bei Regen oder genereller Nässe ist der Weg nach oben sicherlich nicht ungefährlich, da man schon bei Trockenheit teilweise auf dem Untergrund ins Rutschen kommt. Nach rund 20 Minuten Schwitzen erreicht man die erste Abzweigung, wo es noch ein kurzes Stück steil bergauf geht. Dann hat man Teil 1 aber geschafft und ist beim Aussichtspunkt Ojstrica angelangt. Ich bin mir sicher, dass ihr den Anblick regelrecht aufsaugen werdet! Wenn ihr euch sattgesehen habt, steigt ihr das steile Stück wieder bergab zur Abzweigung und geht den ursprünglichen Weg rund 15 Minuten weiter bis zum zweiten Aussichtspunkt Mala Osojnica auf 685 Metern Seehöhe. Dieser liegt etwas versteckt im Wald und sorgt für den nächsten grandiosen Blick auf den Bleder See mit Umgebung – nicht umsonst wurden hier die Postkartenmotive aufgenommen und auch ich habe während meines Aufenthalts einen Fotografen bei der Arbeit erwischt. Bergab geht es dann ca. 25 Minuten in Serpentinen über einen kleinen Waldweg zum Ausgangspunkt, wobei sich hier erneut gute Fotomöglichkeiten bieten.

Fotospots

 

ORIGINAL BLEDER CREMESCHNITTE

In Bled wird man in nahezu jedem Restaurant, jeder Bar und jedem Café aufs Neue in Versuchung geführt. Aus gekühlten Vitrinen lacht einem eine Süßspeise entgegen, die förmlich nach einer Bestellung schreit: die Bleder Cremeschnitte! Es handelt sich dabei um einen gebackenen Blätterteigboden, auf den eine dicke Schicht Vanillecreme kommt, darüber eine Creme aus Schlagobers und oben drauf erneut eine Blätterteigschicht mit Staubzucker. Kalorientechnisch wahrscheinlich nicht die gesündeste Art der Ernährung, aber einfach unglaublich köstlich! 😉 Beim ersten Mal solltet ihr darauf achten, eine „Original Bleder Cremeschnitte“ am Schöpfungsort zu bestellen, der Café-Konditorei gegenüber des Hotel Park. Dort lässt es sich auch sehr nett mit Blick auf den See und die Burg verweilen. Blickt man rund um sich auf die Tische der anderen Gäste, wird man fast überall die Cremeschnitte erblicken – ein echtes Markenzeichen für Bled!

 


Spiegelung der kleinen Insel auf dem Bleder See

Kleine Insel mit mystischer Legende

Die kleine Insel (Blejski otok) auf dem Bleder See ist wirklich klein – außer der Kirche Mariä Himmelfahrt, einem Glockenturm und einem Kaplanhaus gibt es nichts zu sehen. Ein Besuch gehört dennoch unbedingt dazu, denn mit der Kirche hat es etwas Spezielles auf sich, dazu aber gleich mehr. Auf die Insel gelangt man auf zweierlei Arten: entweder man mietet sich am Westufer ein Ruderboot (EUR 15,- pro Boot) und legt selbst Hand an, oder man lässt sich auf einem der Pletnas (traditonelle Holzboote, EUR 14,- pro Person) hinführen. Dabei lenkt ein starker junger Mann das Boot mit 15-20 Personen gemächlich zum Ziel, wobei man während der Fahrt erneut sehr nette Blicke auf die Insel und die Burg zu Gesicht bekommt. Nach dem Anlegen wird einem die Rückfahrzeit genannt und man hat rund 50 Minuten Zeit, um die Kirche zu besichtigen – was auch vollkommen ausreicht. Übrigens gibt es zwei Bootsanlegestellen, wobei an einer 99 Stufen zur Kirche erklommen werden müssen. Auch heute ist es noch ein beliebter Brauch, dass bei einer Hochzeit auf der Insel der Bräutigam die Braut alle Stufen nach oben trägt (uff!). Der Eintritt in die Kirche und den Glockenturm kostet 6 Euro. Die Aussicht vom Glockenturm ist wenig aufregend, aber es gibt oben eine sehenswerte Pendeluhr, deren Uhrwerk aus nächster Nähe betrachtet werden kann. Ist man zufällig zur vollen Stunde anwesend, erlebt man ein optisch faszinierendes Spektakel aus Zahnrädern. 😉

Wechseln wir nun in die Kirche Mariä Himmelfahrt und ihre spannende Legende der versunkenen Glocke. Einst lebte im Bleder Schloss die schöne Witwe Polixena, die ihren von Räubern ermordeten Ehemann betrauerte. Sie sammelte ihr ganzes Gold und Silber und ließ ein Glöckchen für die Kapelle auf der Insel gießen. Während der Überfahrt kenterte das Boot in einem Sturm, die Glocke sank und die Besatzung ertrank. Noch heute soll man in ruhigen Nächten das Läuten aus der Tiefe des Sees hören … Polixena wurde wegen der Katastrophe noch trauriger und sie trat in Rom einem Klosterorden bei. Nach ihrem Tod übersandte der Papst eine neue Glocke für die Kirche auf der Insel – wer sie Maria zu Ehren läutet, dem soll ein Wunsch in Erfüllung gehen. Ob das stimmt? Probiert es selbst aus und zieht in der Kirche kräftig am Seil, um die Glocke zum Klingen zu bringen!

Fotospots

 


Blick auf die Burg Bled

Mittelalterstimmung auf der Bleder Burg

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Bleder Burg (Blejski grad), auf die man vom Fuß des Burgfelsens über mehrere Zugänge und gefühlt unendlich vielen Stufen gelangt. Ihre Geschichte reicht bis in das Jahr 1004 zurück, damals stand an der Stelle der Burg allerdings noch ein romanischer Turm mit einer Wehrmauer. Ab 1011 konnte man dann von einer richtigen Burg sprechen, die vor allem Verteidigungszwecke erfüllen sollte. Im späten Mittelalter wurde der Bau erweitert, nach einem schweren Erdbeben 1511 restauriert und zu ihrem heutigen Aussehen umgestaltet. Für die Burg ist die doppelte Hofstruktur charakteristisch: im befestigten zentralen Teil befanden sich die Wohnräume der Feudalherren und im Außenteil waren die Mauer und die Gebäude für die Dienerschaft. Der Zugang für eine Besichtigung kostet 10 Euro, für die man eine ganze Menge geboten bekommt. So gibt es in den Innenräumen nicht nur eine Ausstellung über die historische Entwicklung von Bled, sondern auch eine Burgdruckerei, in der man sich selbst betätigen kann. Im Burgweinkeller ist es gegen einen Aufpreis möglich, eine Flasche Rotwein selbst anzufüllen und mit einem Wachssiegel zu versehen – durchaus eine nette Idee für ein Mitbringsel. Bei einem Schmied gibt es allerlei Souvenirs aus Metall zu erwerben. Abschließend komme ich erneut ins Schwärmen, wenn es um einen weiteren Ausblick vom Burgcafé auf den Bleder See mit der Insel geht, diesmal von einer anderen Perspektive. 🙂

Fotospots

 

KULINARISCHE TIPPS

Ich hatte Glück: am Wochenende meines Besuchs fand in Bled entlang der Seepromenade das Genussfest „So schmeckt Bled“ (Okusi Bleda) statt. Falls ihr selbst nach Bled fahren wollt, sind im Jahr 2017 noch folgende weiteren Termine geplant: 23.-25. Juni, 25. Juli bis 6. August, 11.-15. August, 25.-27. August, 6.-10. September und 22.-24. September. Neben traditionellen Speisen gibt es hier das slowenische Bier Laško und ein musikalisches Rahmenprogramm.

Durch das Genussfest war ich nur ein Mal in einem Restaurant, und zwar auf der Terrasse der Vila Prešeren Bled (Veslaška promenada 14). Empfehlen kann ich Pljeskavica im hausgemachten Fladenbrot mit Pommes Frites – eine Mahlzeit, die für viele Stunden satt macht und sehr gut schmeckt. Dazu ein naturtrübes Union-Bier aus der kreativ verpackten Flasche, herrlich!

 

FAZIT

Schon lange ist mir ein Kurzurlaub nicht mehr so stark im Gedächtnis geblieben wie der Besuch in Bled. Der kleine Ort bietet mit dem Bleder See, der Burg, der Vintgar-Klamm und natürlich der süßen Sünde namens Cremeschnitte genügend Attraktionen, um ein entspannendes langes Wochenende zu verbringen. Die Sicht von den beiden erhöhten Aussichtpunkten auf den Bleder See mit seiner romantischen kleinen Insel und die Karawanken im Hintergrund ist ein Bild, das man niemals vergessen wird und einen ewig positiv an diesen Ort zurückdenken lässt. Der Besuch von Bled ist somit ein ganz heißer Tipp von mir für euch!

 

3 Kommentare

  1. Sehr toller Tipp! Ich kenne Slowenien bisher nur vom durchfahren auf dem Weg nach Kroatien. Laibach steht auf meiner Liste und Bled ist dank deiner Bilder gerade dazugekommen 😉

    1. Danke Christine!

      Für mich war es eben auch das erste Mal Slowenien, in Kroatien war ich überhaupt noch nie. Laibach sollte hoffentlich bald einmal folgen. 🙂

      Viele Grüße
      Christian

  2. […] Die Vintgar-Klamm habe ich im Zuge eines langen Wochenendes in Bled besucht, den Reisebericht dazu könnt ihr hier lesen: Bled: Ein Ausblick für die Ewigkeit […]

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