Mit Nervenkitzel auf den Predigtstuhl

Wann immer ich auf Urlaub in Bergregionen bin, versuche ich per Seilbahn oder Sessellift auf die umliegenden Gipfel zu gelangen, um zu wandern oder einfach nur die Fernsicht zu genießen. Im bayerischen Bad Reichenhall befindet sich die Predigtstuhlbahn, mit der man in wenigen Minuten Fahrzeit auf den gleichnamigen Berg gelangt. Der Aufstieg mit der fast 90 Jahre alten Seilbahn ist dabei mit gehörigem Nervenkitzel verbunden.

Predigtstuhlbahn

FAKTEN

Reisezeit: Anfang August 2016 (Halbtagesausflug)
Anreise: Nachdem meine Unterkunft in Bad Reichenhall lag (AVALON Hotel), nur wenige Minuten mit dem Auto zur Adresse der Seilbahn: Südtiroler Platz 1, 83435 Bad Reichenhall
Kosten: Berg- und Talfahrt EUR 23,-
Betriebszeiten Sommer: 15. März bis Ende Oktober 9-16 Uhr (letzte Talfahrt 17 Uhr)
Betriebszeiten Winter: Anfang November bis 14. März 9-15 Uhr (letzte Talfahrt 16 Uhr)
Webseite: http://www.predigtstuhlbahn.de

Weitere Stationen dieser Reise

Die Predigtstuhlbahn habe ich im Zuge eines mehrtägigen Urlaubs in Bad Reichenhall besucht. Hier findet ihr die weiteren Reiseberichte zu diesem Aufenthalt:

Auf Salzzeitreise im Berchtesgadener Land

Berg und Wasser: Tagesausflug zum Jenner und Königssee

 

Erlebnisfahrt mit der Seilbahn

Eigentlich war ich in Bad Reichenhall auf Urlaub, um einen Canyoning-Gutschein einzulösen. Bei der Recherche, was es denn in der Umgebung sonst noch alles zu entdecken gibt, ist mir sofort die Predigtstuhlbahn ins Auge gestochen. Nachdem ich sowieso ein großer Fan von Seilbahnen bin, war die Fahrt auf den 1.613 Meter hohen Berg für mich natürlich ein Fixpunkt. Laut welt.de ist die liebevoll „Grande Dame der Alpen“ genannte Bahn immerhin in der Top-10-Liste der spektakulärsten Seilbahnen der Welt. Sie ist die älteste ihrer Art und noch immer im Original erhalten. Oben angekommen, bietet der Predigtstuhl als einer von mehreren Hausbergen während eines Rundgangs trotz des nicht sonderlich steilen Hochplateaus ausgezeichnete Ausblicke auf die Umgebung – man sieht nicht nur Bad Reichenhall, sondern auch das nur wenige Kilometer entfernte Salzburg. Über einen schönen Weg und einen Wildkräutergarten gelangt man in kurzer Zeit zur Almhütte in der Schlegelmulde, wo es sich bei guten Speisen, einem Bier oder einer Buttermilch auf der Sonnenterrasse gut aushalten lässt. Es gibt sogar einen barrierefreien breiteren Weg – gesäumt mit vielen Sitzbänken – um den Zugang zur Hütte auch Menschen mit Gehschwierigkeiten zu ermöglichen. In den nachfolgenden Fotos erzähle ich euch nun mehr zur interessanten Geschichte der Predigtstuhlbahn.

Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall
Die Reise auf den Predigtstuhl beginnt in der Talstation der Seilbahn im Bad Reichenhaller Ortsteil Kirchberg. Bei Schönwetter strömen naturgemäß viele Besucher zur Bahn und es bilden sich Warteschlangen. Es zahlt sich deshalb aus, schon früh zum Betriebsbeginn um 9 Uhr vor Ort zu sein.
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Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall
Die markanten roten Gondeln stellen eine Besonderheit dar. Für die damalige Zeit, Ende der 20er-Jahre, wurden revolutionäre Materialien wie Aluminium und Plexiglas für eine Leichtbauweise verwendet. Statt klassischen rechteckigen Kabinen kommt ein zwölfeckiges Design zur Anwendung, mit dem die Fahrt bei starkem Wind deutlich angenehmer sein soll.
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Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall
Die Predigtstuhlbahn ist ein wahres Meisterwerk an Ingenieurskunst. Sie wurde in den Jahren 1927/28 erbaut und am 1. Juli 1928 feierlich eröffnet – 2018 ist also der 90. Geburtstag der Bahn. Nach dem Ersten Weltkrieg und den daraufhin auftretenden wirtschaftlichen und touristischen Problemen wollte man mit dem Bau der Seilbahn wieder Schwung in den Ort Bad Reichenhall bringen, was auch imposant gelingen sollte.
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Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall
Neben anderen Fachleuten wurde der Ingenieur Alois Zuegg zu Rate gezogen. Er ist der Erfinder der modernen Seilschwebetechnik, von der die Predigtstuhlbahn noch bis heute profitiert, da Zuegg nie zufrieden war und immer nach Verbesserungen suchte. Nicht zufällig gleiten die beiden Gondeln noch immer auf demselben Tragseil von 1928 auf und ab. Gehalten und gespannt wird das Seil übrigens unterhalb der Talstation in 14 Metern Tiefe von 104 Tonnen schweren Gewichten – unvorstellbare Kräfte.
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Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall
In den Kabinen finden bis zu 25 Gäste Platz, zusätzlich ist immer ein Angestellter der Bergbahn dabei. Ich hatte bei meinem Besuch einen witzigen Seilbahnführer (ganz rechts mit Sonnenbrille), der interessante Details zur Bahn erklärte und zwischendurch auch schnell mal eine Mundharmonika zückte, um das Publikum mit Musik zu unterhalten. Das war eine angenehme Ablenkung vom Blick aus den Fenstern in die Tiefe – mir wurde hier durchaus etwas mulmig, obwohl mich Höhe normalerweise nicht erschreckt. An einer Stelle befindet sich die Gondel 180 schwindelerregende Meter über dem Boden!
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Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall
Nach knapp neun Minuten Fahrt mit spektakulärer Aussicht erreicht die Gondel die Bergstation auf 1.583 Metern. Wenn man sich danach im Gebäude umsieht, bekommt man die typische Architektur der „Neuen Sachlichkeit“ vorgehalten. Die Predigtstuhlbahn steht nicht nur deshalb unter Denkmalschutz – als einzige Seilbahn weltweit! Auch die Technik der damaligen Zeit läuft heute noch einwandfrei und zeugt von der hohen Qualität, auf die beim Bau Wert gelegt wurde.
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Bergstation der Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall
Nachdem ich im Urlaub war, habe ich gleich nach der Ankunft im Bergrestaurant erst einmal einen Kaffee genossen und dabei die Aussicht bewundert. Selbst auf den Toiletten sind große Fenster verbaut, die auch am stillen Örtchen den Blick ins Tal ermöglichen – wo sonst hat man diesen Luxus noch? 😉
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Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall
Kurz vor dem Verlassen der Station zahlt es sich aus, noch einen Blick auf dem Fenster des Wartebereichs zu werfen. Hier lässt sich nämlich die talwärts fahrende Gondel wunderschön mit der Ortschaft Bad Reichenhall verknüpfen. Viel Zeit beim Fotografieren kann man sich übrigens nicht lassen, denn die Seilbahn bewegt sich mit flotten 18 km/h vorwärts.
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Aussicht vom Predigtstuhl auf Bad Reichenhall
Mein Ziel an diesem Tag war die Almhütte in der Schlegelmulde, zu der ein herrlicher Weg durch die faszinierende Vegetation führt. An zwei Stellen gibt es Aussichtspunkte mit Sitzbänken, wo es sich nochmals einige Minuten verweilen lässt, um die Ruhe sowie die Aussicht aufzusaugen. Im Foto sieht man hinter Bad Reichenhall die Gebirge Zwiesel, Hochstaufen und den Fuderheustein.
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Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall
Die gesamte Anlage der Predigtstuhlbahn kommt auf ihrer Länge von 2,4 Kilometern mit nur drei Stützen aus. Wenn man von oben die exponierte Lage der mächtigen Betonsäulen betrachtet, ist es eigentlich unvorstellbar, wie man Ende der 20er-Jahre die Stützen ohne die heutigen technischen Errungenschaften errichten konnte. Laut Erzählungen unseres Seilbahnführers wurden damals alle Materialien händisch nach oben getragen.
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Jesusstatue auf dem Predigtstuhl
Auf dem Weg zur Alm begegnet einem dieses kleine Jesus-Gipfelkreuz aus Gold. Dazu eine witzige Anekdote: im Jahr 2008 wollte die „Christliche Initiative Pax“ eine gigantische Christusstatue auf dem Predigtstuhl in 1.600 Metern Höhe errichten – wie in Rio de Janeiro. Man kann sich vorstellen, wie bizarr solch eine Realisierung aussehen müsste. 😉 Gott sei Dank blieb es aber bei der Idee …
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Falke auf dem Predigtstuhl
Mit etwas Glück und der nötigen Ruhe ist mir das Ablichten eines auf einer Föhre sitzenden Falken gelungen (wenn jemand die exakte Bezeichnung kennt, bitte in die Kommentare schreiben!). Der schöne Greifvogel hat sogar darauf gewartet, bis ich mein Weitwinkel- auf ein Teleobjektiv wechselte, bevor er wegflog – so ein nettes Tier! 😀
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Die Almhütte in der Schlegelmulde auf dem Predigtstuhl
Nach etwa einer halbe Stunde Fußweg ist sie dann erreicht, die Almhütte in der Schlegelmulde. Sie liegt derart fotogen in der Natur eingebettet, dass jeder Tourismusverband eine Freude hätte. Der Sessellift im Hintergrund ist nicht mehr im Betrieb, wie mir vom Berchtesgadener Land Tourismus mitgeteilt wurde. Die Seilbahn fährt dafür aber auch im Winter – auf dem Predigtstuhl herrscht nämlich in der kalten Jahreszeit ebenfalls reger Betrieb.
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Die Almhütte in der Schlegelmulde auf dem Predigtstuhl
Die Almhütte lädt auf ihrer Sonnenterrasse auf eine lange Pause ein, die ich auch bereitwillig angetreten habe. Ein herrlich frisches bayerisches Weißbier und eine kleine Brotzeit, mehr braucht es gar nicht um eine kurze Wanderung gebührend abzuschließen! Für den Rückweg zur Bergstation der Predigtstuhlbahn habe ich dann den barrierenfreien, flachen und relativ breiten Weg genutzt, um nicht zweimal dieselben Ausblicke zu erhalten. Außerdem ist man dadurch wesentlich schneller wieder am Ausgangspunkt angelangt.
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FAZIT

Der Predigtstuhl ist mit seinen 1.613 Metern zwar nicht der höchste Berg, aber ein Halbtagesausflug zahlt sich dennoch stark aus. Die Auffahrt mit einer der ältesten Seilbahnen der Welt ist ein Spektakel und erzeugt garantiert Nervenkitzel, wenn man aus dem Fenster in die Tiefe blickt. Oben angekommen führt ein wunderbarer kleiner Weg zur Almhütte in der Schlegelmulde, wo es sich bei bayerischem Bier und deftiger Kost gut aushalten lässt. Wenn ihr also zufällig in der Nähe von Bad Reichenhall seid, dann nutzt die Chance auf eine bleibende Erinnerung!

 

4 Kommentare

  1. Schöne Bilder und sehr guter Bericht! Da muss ich unbedingt mal hin.

    1. Danke Alfons!
      Habe mir deine Flickr-Galerie angesehen, sagenhafte Bilder! Auch von der Bearbeitung genau mein Geschmack. 🙂

  2. Servus Christian, schöner Beitrag und wunderbare Bilder! Nur ein kleiner Fehler hat sich eingeschlichen: Der Sessellift in der Schlegelmulde ist nicht mehr in Betrieb! Aber die Seilbahn fährt auch im Winter!
    Liebe Grüße, Sepp Wurm – Berchtesgadener Land Tourismus

    1. Vielen Dank Sepp! Ich habe die Korrektur gleich eingebaut. 🙂

      Liebe Grüße, Christian

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