Wiener Highlights: Die Staatsoper

Die Wiener Ringstrasse zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt an der Donau. Das liegt hauptsächlich an den zahlreichen Prunkbauten entlang der ringförmigen Verkehrsader. Eines der wichtigsten Gebäude ist dabei die Wiener Staatsoper: sie ist nicht nur der allererste fertiggestellte Bau an der Ringstrasse, sondern auch eines der bekanntesten Opernhäuser der Welt. Grund genug, sich das Ganze einmal genauer anzusehen!

Wiener Staatsoper

FAKTEN

Baujahr: 1861-1869
Architekten: August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll
Baustil: Neorenaissance
Erreichbarkeit: U-Bahn U1, U2, U4 (Station Karlsplatz) / Straßenbahn 1, 2,, 62, 71, D, Wiener Lokalbahn / Bus 2A (Station Kärntner Ring, Oper)
Führungen: Für Einzelpersonen gibt es von Montag bis Sonntag Führungen (EUR 7,50), für die keine Anmeldung erforderlich ist. Die Führungszeiten variieren und können auf der Seite wiener-staatsoper.at aufgerufen werden. Treffpunkt ist der Eingang Ecke Operngasse.

Wiener Highlights

Mit der Artikelserie „Wiener Highlights“ stelle ich euch die schönsten Orte sowie Gebäude meiner Heimatstadt Wien von innen und außen im Detail vor. Hier könnt ihr die bisher erschienenen Beiträge ansehen:

DAS PARLAMENT

DAS RATHAUS

DIE STAATSOPER

 

Die weltbekannte Wiener Oper

Das Wiener Opernhaus nimmt auf der Ringstraße eine besondere Rolle ein. Während die alte Stadtmauer in den Jahren 1858 bis 1864 abgerissen wurde, war es der zukünftigen Staatsoper vorbehalten, als erstes Monumentalgebäude auf dem frei werdenden Platz ausgeschrieben zu werden. Die befreundeten Architekten August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll setzten sich mit ihrem Entwurf durch – der Bau im Stil der Neorenaissance wurde acht Jahre später fertiggestellt. Tragisch ist dabei der Umstand, dass beide Architekten das vollendete Werk nicht mehr erlebten. 1868 wählte van der Nüll nach harscher öffentlicher Kritik am noch im Rohbau befindlichen Gebäude den Freitod und nur wenige Wochen später erlag Sicardsburg einem Herzinfarkt.

Die feierliche Eröffnung fand schließlich am 25. Mai 1869 mit Mozarts „Don Juan“ in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth statt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus am 12. März 1945 bei einem Bombenangriff stark beschädigt – nur die Hauptfassade, die Feststiege und das Schwindfoyer blieben verschont. Nach dem Krieg herrschte lange Zeit eine rege Diskussion darüber, ob die Oper wieder in ihrem ursprünglichen Zustand aufgebaut oder komplett abgerissen werden soll. Schließlich entschied man sich für den Wiederaufbau, der unter dem Architekten Erich Boltenstern durchgeführt wurde. Er sah eine Wiederherstellung mit gleichzeitiger Modernisierung der Formensprache im Stile der 1950er-Jahre vor. Es dauerte aber noch bis zum 5. November 1955 (ein halbes Jahr nach der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags), ehe Beethovens „Fidelio“ den Beginn des sanierten Opernhauses einläutete. Heute zählt die Wiener Staatsoper zu den bedeutendsten Opernhäusern der Welt und zieht jährlich rund 600.000 Besucher und Besucherinnen in das Haus an der Ringstraße. Mehr Details zum Gebäude und der Geschichte erzähle ich euch nun in der folgenden Fotostrecke.

Frontalansicht der Wiener Staatsoper
Der Frontalblick auf die Oper ist auch heute noch derselbe wie im Eröffnungsjahr 1869. Die Fassaden sind im Renaissance-Stil gehalten, im ersten Stock soll die Loggia den öffentlichen Charakter unterstreichen. Erst wenn man sich auf die Seiten des Gebäudes begibt, sieht man die großflächigen Bereiche, die nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurden.
Aufnahmeort anzeigen
Die beiden Brunnen vor der Wiener Staatsoper
Auf der rechten und linken Seite der Oper stehen zwei alte Brunnen von Josef Gasser, die jeweils gegensätzliche Welten darstellen. Links sind es „Musik, Tanz, Freude und Leichtsinn“, rechts dagegen „Loreley, Trauer, Liebe und Rache“.
Linkes Bild: Aufnahmeort anzeigen
Rechtes Bild: Aufnahmeort anzeigen
Rückseite der Wiener Staatsoper während eines Sonnenuntergangs
Die Rückseite ist im Gegensatz zur Vorderfront wesentlich breiter, da sie den Bühnenbereich und diverse Probenräume beherbergt. Obwohl die Rückseite nicht so glamourös wirkt, ist ihre Ansicht dennoch äußerst bekannt, da man von der frei zugänglichen und erhöhten Plattform der gegenüber liegenden Albertina einen fantastischen Blick auf die Staatsoper erhält.
Aufnahmeort anzeigen
Foyer der Wiener Staatsoper
Der Eingangsbereich der Staatsoper mit Blick auf die Türen in Richtung Kärntner Ring.
Aufnahmeort anzeigen
Foyer der Wiener Staatsoper
Die prunkvoll ausgestattete Decke ist Teil jener Bereiche, die noch im ursprünglichen Baustil von 1869 erhalten sind.
Aufnahmeort anzeigen
Feststiege in der Wiener Staatsoper
Ebenfalls erhalten blieb glücklicherweise die pompöse Feststiege. Sie ist nach dem Betreten des Opernhauses der erste Eindruck, den man vom Gebäude erhält – und mit Sicherheit ein bleibender.
Aufnahmeort anzeigen
Feststiege in der Wiener Staatsoper
Der Aufgang ist Besuchern der Oper natürlich bekannt, aber auch viele andere Menschen weltweit kommen durch die Übertragung des Wiener Opernballs in den Genuss, via Fernsehen oder Internet einen Blick auf die Feststiege zu werfen.
Aufnahmeort anzeigen
Decke der Feststiege in der Wiener Staatsoper
Die Decke ziert das Gemälde „Fortuna, ihre Gaben streuend“ nach einem Entwurf des Malers Franz Dobiaschofsky. Darunter befinden sich die ebenfalls vom selben Künstler gestalteten drei in Rundbögen befindlichen Wandgemälde. Sie stellen Ballett, die komische und die tragische Oper dar.
Aufnahmeort anzeigen
Teesalon in der Wiener Staatsoper
Der Teesalon (vormals Kaisersalon) liegt zwischen Feststiege und Mittelloge. Der mit üppigem Blattgold verzierte Raum war früher dem Hof vorbehalten, die Decke zeigt das Gemälde „Die Musik auf Adlerschwingen“ von Karl Madjera.
Aufnahmeort anzeigen
Schwindfoyer in der Wiener Staatsoper
Zu den zuvor vorgestellten Bereichen der noch erhaltenen Gebäudeteile von 1869 gehört auch das Schwindfoyer (früher Promenadensaal) im ersten Stock. Den Namen verdankt der Raum Moritz von Schwind, der gleich 16 Ölgemälde für das Foyer beigesteuert hat.
Aufnahmeort anzeigen
Gustav-Mahler-Saal in der Wiener Staatsoper
Gleich anschließend zum Schwindfoyer wechselt man in den Gustav-Mahler-Saal, dessen Name erst seit 1997 besteht und vormals Gobelinsaal hieß. Aus Anlass zum 100-jährigen Jubiläum des Dirigentendebüts von Gustav Mahler 1897 – kurze Zeit später wurde er auch Direktor des Hauses – erfolgte die Umbenennung des Saals.
Aufnahmeort anzeigen
Gustav-Mahler-Saal in der Wiener Staatsoper
Blick vom Gustav-Mahler-Saal in den Gang zur Feststiege. Besonders gefallen hat mir in diesem Saal, dass die Türen direkt in die von Rudolf Eisenmenger entworfenen Gobelin-Stickereien integriert sind, die Szenen aus Mozarts „Zauberflöte“ darstellen.
Aufnahmeort anzeigen
Marmorsaal in der Wiener Staatsoper
Der Marmorsaal entstand nach dem Wiederaufbau als neuer Pausensaal.
Aufnahmeort anzeigen
Marmorsaal in der Wiener Staatsoper
Bei der Wiederherstellung der Staatsoper wurde die gleichzeitige Modernisierung der Formensprache im Stile der 1950er-Jahre vorgenommen.
Aufnahmeort anzeigen
Intarsien im Marmorsaal in der Wiener Staatsoper
Diese Intarsien (Marmoreinlegearbeiten) des österreichischen Bildhauers Heinz Leinfellner zeigen den Opernalltag hinter den Kulissen. Zu sehen sind die Schneiderei, der Orchestergraben, eine Ballettprobe und die Künstlergarderobe.
Aufnahmeort anzeigen
Backstage in der Wiener Staatsoper
Das Bühnenhaus musste nach den schweren Kriegsschäden komplett neu errichtet werden. Dabei wurde aber gleich Platz für mehrere Probensäle eingeplant.
Aufnahmeort anzeigen
Zuschauersaal in der Wiener Staatsoper
Der hufeisenförmige Zuschauerraum musste nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls komplett neu gebaut werden. Auch wenn einige Anpassungen vorgenommen wurden, blieb die ursprüngliche Grundgestalt mit drei Logenrängen und zwei offenen Rängen bestehen.
Aufnahmeort anzeigen
Zuschauersaal in der Wiener Staatsoper
Der Zuschauerraum bietet heute insgesamt 2.284 Zuschauern Platz (früher 2.881). Der ehemalige große Mittelluster wurde aus Sicherheitsgründen durch einen in die Decke eingebauten Beleuchtungskranz aus Kristallglas ersetzt.
Aufnahmeort anzeigen
Stehplätze im Zuschauersaal in der Wiener Staatsoper
Sehr begehrt sind die günstigen Stehplätze, von denen es im gesamten Zuschauerraum 567 gibt.
Aufnahmeort anzeigen
Orchestergraben im Zuschauersaal in der Wiener Staatsoper
Der Orchestergraben ist die Heimat eines ganz besonderen Ensembles: aus den Mitgliedern des Staatsopernorchesters rekrutieren sich die Wiener Philharmoniker.
Aufnahmeort anzeigen

Quellenverzeichnis:
https://www.wiener-staatsoper.at
https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Staatsoper

FAZIT

Die Staatsoper ist aus meiner Sicht eines der schönsten Gebäude Wiens. Es wirkt von außen bereits mächtig, aber erst bei einem abendlichen Besuch oder einer Führung durch das Haus offenbaren sich all die architektonischen Schätze, die teilweise noch aus dem Baujahr 1868 stammen. Nachdem sehr viele Führungstermine angeboten werden, sollte jeder Wien-Besucher (aber auch die Wiener selbst!) die Chance nutzen und das Gebäude kennenlernen, in dem jährlichen Dutzenden sehenswerte Opern aufgeführt werden und wo auch der weltberühmte Opernball stattfindet.

 

4 Kommentare

  1. Susanna T. sagt: Antworten

    Whow, dem ist echt nichts mehr hinzuzufügen – schon gar nicht Bilder. Alles einfach nur genial!!
    Ich lösch jetzt mal meine alten Opernfotoordner… ;o))
    Du solltest einen Wien-Führer schreiben und gestalten!!
    GLG Susanna

    1. Vielen Dank Susanna, das sind ja echt nette Worte! 🙂

Schreibe einen Kommentar