Prag: Schmuckstück an der Moldau

Prager Brückenpanorama während der blauen Stunde

Die tschechische Hauptstadt Prag ist bei Besuchern aus der ganzen Welt extrem beliebt. Der Spaziergang durch die zauberhafte Altstadt kann dadurch schon einmal zu einem nervenaufreibenden und wenig romantischen Ereignis werden, wenn man zur falschen Zeit vor Ort ist und sich mit der Masse gegenseitig weiterschiebt. Begibt man sich aber nur eine Spur weg von den Trampelpfaden der Touristenhorden, erlebt man in den unterschiedlichen Stadtvierteln ein Prag, das man sofort in sein Herz schließt.

Prag

FAKTEN

Reisezeit: August 2008 (2 Übernachtungen), März 2010 (2 Übernachtungen) und Juni 2017 (2 Übernachtungen)
Anreise: Mit dem Zug von Wien Hauptbahnhof nach Hauptbahnhof Prag (Praha hlavní nádraží) (3:56 h).
Unterkünfte (Auswahl):
Falkensteiner Hotel Maria Prag ****
(Opletalova 1402/21; gute Lage nahe des Hauptbahnhofs und fünf Minuten vom Wenzelsplatz entfernt, schöne geräumige Zimmer, etwas harte Betten, Nespresso-Kaffeemaschine am Zimmer, kleiner Wellnessbereich, kostenloses WLAN, Frühstück nicht gebucht) Weiterempfehlung? JA
White & Woody Eco Apartments (Spálená 103/41; geräumige Privatwohnung, etwas schwierig zu finden, sehr netter Kontakt mit der Vermieterin, verkehrstechnisch sehr gute Lage mit vielen Straßenbahnen und einer U-Bahn vor der Tür, straßenseitiges Zimmer leider sehr laut, helle Einrichtung, kein TV, schnelles WLAN, eigene Küche, neues Badezimmer mit ausgezeichneter Dusche, Einkaufscenter für Selbstverpflegung liegt gegenüber des Apartments) Weiterempfehlung? JA (aber nicht für lärmempfindliche Menschen geeignet!)

Prager Burg und Karlsbrücke während der blauen Stunde

Einmal Prag, immer Prag!

Prag ist für mich eine der schönsten Städte, die ich kenne. Diese Erfahrung haben offensichtlich auch Millionen anderer Menschen gemacht, denn die Stadt ist allgegenwärtig von Menschenmassen überlaufen. Obwohl ich Ansammlungen von Touristen wo es nur geht meide, hat es mich dennoch bereits einige Male in die Stadt an der Moldau zurückgezogen. Das liegt ganz einfach daran, dass jedes Viertel einen eigenen Charme aufweist und eine gänzlich andere Atmosphäre erzeugt. Dadurch kann man als Besucher bequem von der Touristen-Hauptroute in der Altstadt abweichen und bekommt dennoch den Zauber der Stadt an jeder Stelle mit. In diesem Beitrag zeige ich euch, wo man unbedingt hingehen sollte, was man sich sparen kann und wie man das Optimum aus seinem Besuch in Prag herausholt.

HINWEIS

Dies ist mein zweiter Blogbeitrag über die tschechische Hauptstadt – hier befasse ich mich ausführlich mit den Sehenswürdigkeiten und weiteren interessanten Plätzen. Der erste Artikel handelt von meiner eintägigen Bierkulturreise nach Prag 2016, wo ich mich auf die Spuren des schmackhaften Biers gemacht und der Brauerei Staropramen einen Besuch abgestattet habe. Prag: Auf den Spuren des tschechischen Biers (Teil 1)

 

Blick auf den Altstädter Ring in Prag

Das Pflichtprogramm

Wollt ihr das erste Mal nach Prag fahren? Dann müsst ihr stark sein, denn für die Hauptsehenswürdigkeiten benötigt ihr viele Nerven, um die Tausenden Touristen rund um euch mental und körperlich zu überstehen. Aber lasst euch nicht abschrecken, ich übertreibe nur etwas. 😉 Die gute Nachricht: am einem Tag lassen sich die wichtigsten Orte allesamt besichtigen, wodurch ihr danach Zeit für entspannteres Sightseeing habt. Aber nun zuerst zu den Attraktionen Prags, die man unbedingt einmal gesehen haben muss.

Altstädter Ring und Astronomische Uhr

Das Zentrum Prags ist zweifellos der Altstädter Ring (Staroměstské náměstí), ein großer Platz inmitten in der Altstadt. Um diesen Ort kommt man einfach nicht herum, da er wirklich zauberhaft anzusehen ist. An allen Seiten präsentieren sich großartige Bauwerke und auf dem Platz selbst gibt es je nach Jahreszeit immer wieder Dutzende kleine Stände, an denen man von Handwerk bis zu kulinarischen Köstlichkeiten alles Mögliche bestaunen und kosten kann. Mein Besuch im März 2010 fiel beispielsweise auf Ostern, wodurch ich in den Genuss des prächtig geschmückten Altstädter Rings kam. Was übrigens immer angeboten wird und mir vor allem bei meiner letzten Reise Mitte 2017 wieder sehr stark aufgefallen ist: die häufig über offenem Feuer gebackene Süßspeise Trdelník (Baumkuchen) wird an gefühlt jeder Ecke verkauft, wodurch es in der Stadt so gut wie immer verführerisch nach Zucker und Holzkohle riecht. 🙂

Als wichtigstes Bauwerk auf dem Platz empfinde ich das Altstädter Rathaus mit der astronomischen Aposteluhr (Staroměstská radnice s orlojem). Zum Zeitpunkt dieses Blogbeitrags (August 2017) ist der Rathausturm leider wegen Renovierung eingerüstet und für einige Monate nicht begehbar, ab Anfang 2018 wird auch noch die wunderschöne astronomische Uhr komplett entfernt und restauriert. Ich greife deshalb auf Fotos von einem früheren Besuch zurück. Sofern der Turm also für Besucher geöffnet ist, kann man zu Fuß oder mit dem Aufzug in die Höhe gelangen und die Aussicht genießen. Man erhält einen grandiosen Blick auf den Altstädter Ring, die Türme der herausstechenden Teynkirche (Kostel Matky Boží před Týnem) sowie die Prager Burg mit Dutzenden roten Dächern davor. Die Öffnungszeiten sind normalerweise Montag 11-22 Uhr und Dienstag bis Sonntag 9-22 Uhr, der Eintritt kostet CZK 250,- (EUR 9,50). Mehr Infos gibt es auf der Seite staromestskaradnicepraha.cz.

Fotospots

 

Die Karlsbrücke in Prag

Die Karlsbrücke

Eines hat Prag wahrlich in Hülle und Fülle: Brücken! Eine davon sticht optisch stark heraus und stellt ein Wahrzeichen der Stadt dar. Die Karlsbrücke (Karlův most) überspannt die Moldau seit dem 14. Jahrhundert und ist eine der wichtigsten Brücken zwischen der Altstadt (Staré Město) und dem Stadtteil Malá Strana (Prager Kleinseite). Die Brücke säumen 30 Statuen von Heiligen und Patronen, die bekannteste davon ist dem heiligen Johannes von Nepomuk gewidmet. Jeder Tourist berührt die unterhalb der Statue befestigte Gussplatte aus Bronze, die den Todessturz Nepomuks 1393 zeigt – angeblich bringt das Glück, ich habe mich aber nicht persönlich davon überzeugt. 😉

An beiden Seiten der Karlsbrücke stehen einzelne Türme, die zugänglich sind und tolle Blicke ermöglichen – mehr dazu im folgenden blauen Hinweisfeld. Ab dem frühen Vormittag bis spät am Abend drängen sich wahre Menschenmassen über die Brücke vorbei an Straßenkünstlern und billigen Souvenirs. Spaß macht das wirklich nicht, denn von der Brücke selbst bekommt man im schlimmsten Fall gar nichts mit. Wenn ihr wissen wollt, wie es abends zugeht, seht euch dazu zwei Fotos im meinem anderen Blogbeitrag über Prag an.

Deshalb meine ernstgemeinte Empfehlung: steht frühmorgens auf und genießt die Karlsbrücke zum Sonnenaufgang! Ich war an einem lauen Tag im Juni um 4:30 Uhr vor Ort und habe die Brücke endlich einmal in ihrer vollen Pracht bestaunen können. Alleine ist man übrigens trotzdem nicht … neben Frühaufstehern waren noch etliche andere Fotografen vor Ort, die inklusive mir allesamt über einige betrunkene Disco-Heimgeher schmunzeln mussten, die verzweifelt um Aufmerksamkeit vor den Kameras gebuhlt haben. Bei einer Langzeitbelichtung spielt das aber zum Glück keine Rolle für das fertige Bild. 😉

Fotospots

 

Blick auf die Prager Burg

Die Prager Burg

Die Prager Burg (Pražský hrad) mit dem markanten Veitsdom ist durch ihre erhöhte Lage in der ganzen Stadt von vielen Punkten aus sichtbar und ein weiteres Wahrzeichen. Die Anlage ist riesig und einer der größten Burgkomplexe der Welt. Ein Besuch gehört natürlich für jeden Prag-Besucher unbedingt dazu, allerdings sollte man diesen zwingend gleich am Vormittag durchführen. Zur Burg gelangt man von mehreren Seiten, am nähesten zum Haupteingang kommt man aber mit der Straßenbahnlinie 22 bei der Station Pražský hrad, die unmittelbar am Zugang zum Gelände liegt. Schon die Anfahrt mit der Tram ist ein Erlebnis, da sich der Zug von der Innenstadt über mehrere relativ steile Kurven auf den Hügel hinaufbewegt.

Ab 9 Uhr öffnen sich die Tore und ich war um kurz nach 8:30 Uhr vor Ort – nicht zu früh! Die Warteschlange (fast ausschließlich asiatische Besucher!) war bereits zu diesem Zeitpunkt brutal lange. Da überlegt man sich fast, gleich wieder umzudrehen, um die Zeit in der Stadt nützlicher zu gestalten. ABER: die Schlange bewegte sich entgegen meiner Erwartungen recht schnell und nach 20 Minuten kam ich auch schon zur Sicherheitsschleuse, die den Grund für die Wartezeit darstellte. Danach verliefen sich die Massen im weiten Burghof, wo man an mehreren Stellen ohne großes Warten die Eintrittskarten kaufen kann.

Auf der Webseite hrad.cz seht ihr alle Ticket-Optionen, je nachdem wie viele Teile der Burg man besichtigen will. Ich habe mich für die Option B um CZK 250,- (EUR 9,50) entschieden, die den Alten Königspalast (Starý královský palác), den Veitsdom (Katedrála sv. Víta), das Goldene Gässchen (Zlatá ulička) und die St.-Georgs-Basilika (Bazilika Sv. Jiří) beinhaltet. Zusätzlich musste ich noch um CZK 50,- (EUR 1,90) eine Fotogenehmigung kaufen, um in einigen Bereichen Bilder machen zu dürfen. Seht euch nun am besten die Fotos an, zu denen ich noch weitere Informationen dazugeschrieben habe. Detaillierte geschichtliche Ausführungen über die vielen Bereiche der Burg wären hier allerdings zu umfangreich, darüber informiert ihr euch am besten auf anderen Webseiten oder vor Ort. Übrigens: täglich um 12 Uhr findet eine feierliche Wachablöse im ersten Innenhof statt und stündlich eine kleine Zeremonie der Wachen an den Eingangstoren – sehr sehenswert!

Fotospots

 

Blick auf die Prager Kleinseite Malá Strana

Eine Altstadt als großes Kunstwerk

Das Flanieren durch die Prager Altstadt (Staré Město), deren Geschichte bis in das 11. Jahrhundert zurückreicht, ist eine meiner liebsten Beschäftigungen. Die große Welle an Touristen schiebt sich eigentlich immer auf derselben Route durch die Stadt, sodass man durch das Ausweichen in die kleinen Nebengassen schnell entkommen und etwas Ruhe finden kann. Außerdem ist es sowieso empfehlenswert, die Läden abseits des Mainstreams genauer unter die Lupe zu nehmen, denn es finden sich wirklich schöne Andenken in den zahlreichen Geschäften. Die Augen sollte man aber nicht nur den Schaufenstern, sondern vor allem den Gebäuden widmen. An wirklich jeder Ecke gibt es architektonische Schätze zu entdecken – selbst die Wohnhäuser sehen prachtvoll aus! Außerdem ist es an einigen Stellen möglich, einen tollen Blick auf die Karlsbrücke und die Prager Burg zu erhaschen, ein Beispiel mit GPS-Position seht ihr in den Bildern unten.

Ein Hinweis noch zu den zahlreichen Lokalen: setzt euch auf keinen Fall in ein Restaurant entlang der Haupttouristenroute. Ich habe es gemacht und dabei die aggressive Art der Kellner erlebt, die an den Nebentischen mehrere Gäste verbal angegangen sind, weil ihrer Meinung nach das Trinkgeld zu gering war. Dass die Getränkepreise auch jenseits von Gut und Böse sind, liegt fast schon auf der Hand. Verlasst einfach wie gesagt die stark frequentierten Wege und sucht euch Lokale in den Seitengassen, ihr werdet es nicht bereuen! Tipps dazu findet ihr am Ende des Beitrags in den Allgemeinen Tipps.

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Die besten Aussichtspunkte in Prag

Prag besticht wie wenige andere Städte durch seine zauberhaften Ansichten. Dutzende Türme, Kirchen und Brücken sorgen dafür, dass die Erinnerungsfotos so gut wie immer sehenswert sind. Es gibt mehrere erhöhte Punkte, von denen man ausgezeichnete Blicke auf Prag erhält, vier davon möchte ich euch speziell empfehlen. Mein Favorit ist der Altstädter Brückenturm (Staroměstská mostecká věž) am Fuße der Karlsbrücke. Obwohl er so prominent liegt, finden trotzdem nicht allzuviele (aber immer noch genug!) Touristen den kleinen Eingang. Von oben sieht man absolut perfekt auf die Prager Burg und die Karlsbrücke – ein bekanntes aber wirklich einprägsames Motiv! Auch die andere Seite ist sehenswert, dort stört aber je nach Standpunkt das starke Gegenlicht eines Scheinwerfers. Stative sind oben aus Platzgründen nicht erlaubt, man kann aber die Kamera gut ablegen und so problemlos längere Belichtungszeiten erreichen. Der Eintritt kostet CZK 100,- (EUR 3,80), geöffnet ist der Turm je nach Jahreszeit bis rund eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. Auf der anderen Seite der Karlsbrücke steht der Kleinseitner Turm (Malostranská mostecká věž), der allerdings eine nicht so aufregende Sicht bietet und deshalb auch nicht unbedingt besucht werden muss.

Einen 360-Grad-Blick ermöglicht der Aussichtsturm (Petřínská rozhledna) auf dem Laurenziberg (Petřín). Der Aufstieg auf den 327 Meter hohen Hügel erfolgt entweder zu Fuß in Serpentinen und 299 Stufen oder mühelos mit der Petřín-Standseilbahn (Lanová dráha na Petřín). Deren Station liegt unmittelbar an der Straßenbahn-Haltestelle Újezd (Linien 9, 12, 15, 20, 22 und 23). Die Standseilbahn ist Teil des öffentlichen Verkehrs, somit reicht für die Auffahrt ein Einzelfahrschein oder eine Tageskarte. Oben angelangt ist es nur ein kurzer Weg zum Aussichtsturm, für dessen Aufstieg man CZK 150,- (EUR 5,70) bezahlt. Zahlreiche Stufen später bietet sich einem ein sensationeller Ausblick auf die gesamte Stadt! Für den Abstieg vom Petřín empfehle ich euch den Fußweg in die Altstadt, da man dort ausgezeichnet auf die Prager Burg sieht und förmlich der Stadt bergab entgegen schreitet, was nochmals einige interessante Perspektiven ergibt.

Einer der bekanntesten Aussichtspunkte Prags liegt im Letná Park und ermöglicht die Sicht auf fünf Brücken über die Moldau. Von einer kleinen Plattform vor dem Hanavský-Pavillon oder der nur 100 Meter entfernten Plattform Letenský profil offenbart sich die Stadt dem Betrachter nahezu perfekt. Es empfiehlt sich, schon etwas vor Sonnenuntergang vor Ort zu sein, da man sich den Platz mit anderen Fotografen teilen muss. Hat man sich aber erst einmal positioniert, kann man der Innenstadt und den Brücken dabei zusehen, wie sie während der blauen Stunde immer mehr zu leuchten beginnen. Kombinieren kann man diesen Ort übrigens mit dem Biergarten Letná, den ich euch weiter unten im Text vorstelle.

Mein letzter Tipp ist der Prager Pulverturm (Prašná brána), der sich mitten in der Altstadt unmittelbar neben dem Gemeindehaus (Obecní dům) befindet, das ich euch später noch im Detail zeige. Der Eintritt kostet CZK 100,- (EUR 3,80) und nach vielen Stufen ist man hoch über der Stadt angelangt. Auch hier präsentiert sich Prag mit einem beeindruckenden Bild aus Hausdächern, der Prager Burg, der Teynkirche am Altstädter Ring und der Basilika St. Jakobus. Die Öffnungszeiten richten sich nach der Jahreszeit, sodass es immer möglich ist, von hier den Sonnenuntergang zu fotografieren.


Theologischer Saal in der Bibliothek des Strahov-Klosters

Weitere Empfehlungen in Prag

Architektur und Kulinarik im Kloster Strahov

Das Kloster Strahov (Strahovský klášter) ist eine ideale Ergänzung, nachdem man die Prager Burg besichtigt hat. Mit der Straßenbahnlinie 22 oder 23 fährt man dazu von der direkt an der Burg liegenden Station Pražský hrad einfach noch ein Stück weiter bis zur Station Pohořelec. Das Kloster ist für mich aus zwei Gründen interessant. Erstens sollte man sich unbedingt die Bibliothek (Strahovská knihovna) mit dem barocken Theologischen und dem Philosophischen Bibliothekssaal ansehen – wer da nicht ins Staunen kommt, wow! Zugänglich ist die Bibliothek täglich von 9-17 Uhr mit einer Mittagspause von 12-13 Uhr, der Eintritt kostet CZK 120,- (EUR 4,60).

Der zweite Grund für einen Besuch ist die hauseigene Klosterbrauerei mit angeschlossener Gaststätte. Das unfiltrierte Bier ist extrem süffig und schmackhaft, wenn auch nicht das günstigste für tschechische Verhältnisse. Auch das Essen hat gemundet – aufgetischt wird deftige Hausmannskost. Mehr dazu in den Allgemeinen Tipps am Ende des Beitrags.

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Prager Gemeindehaus – ein Schatz im Jugendstil

Das Prager Gemeindehaus oder Repräsentationshaus (Obecní dům) ist eines der beeindruckendsten Gebäude, die ich jemals besichtigt habe. Das 1904 im Jugendstil und Historismus erbaute Haus wird heute für Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte genutzt. Ich hatte das Gemeindehaus lange Zeit nicht am Radar, bin dann aber auf Fotos gestoßen und habe gesehen, dass es Besichtigungsmöglichkeiten gibt. Ich kann euch nur sagen: macht eine Führung! Auf der Webseite obecnidum.cz sieht man schön die Führungstermine und wie viele Plätze noch verfügbar sind. Man kann die Tickets (CZK 290,- / EUR 11,- plus optional eine Fotogenehmigung um CZK 50,- / EUR 1,90) auch gleich online kaufen, ich habe das aber einfach vor Ort gemacht.

Der Standort des großen Gebäudes liegt zentral direkt neben dem Pulverturm nur wenige Gehminuten vom Altstädter Ring entfernt. Die Führung dauert rund 90 Minuten und wird in Englisch durchgeführt. Was es dabei alles zu sehen gibt, schaut ihr euch am besten in den folgenden Fotos an. Noch ein Hinweis: im Erdgeschoss befinden sich ein schönes Café und ein Restaurant, außerdem liegt im Kellergeschoss eine weitere Gaststätte. Die Preise sind dort allerdings auf westlichem Niveau, sodass ich nichts gegessen habe. Ein großes Bier (Pilsner Urquell) ist mit umgerechnet knapp 5 Euro dreimal so teuer wie in anderen Lokalen der Stadt.

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Vier Orte, die man sehen sollte

Biergarten mit Aussicht

Etwas weiter oben im Text habe ich den Aussichtspunkt Letná Park angesprochen, den ich hier noch um den Biergarten Letná (Pivní zahrádka na Letné) ergänzen möchte. Ich habe es so empfunden, dass sich dort hauptsächlich junges einheimische Publikum einfindet, da der Biergarten schon etwas abseits der Innenstadt liegt. Ihr erreicht ihn am besten auf zwei Arten: entweder zu Fuß über die zentrale Brücke Čechův most, anschließend über die Stufen hinauf zum Prager Metronom (Pražský metronom, wo es übrigens auch einen Getränkestand gibt) und dann rund 10 Minuten rechts halten. Oder ihr fahrt mit den Straßenbahnlinien 6, 8, 17 oder 26 zur Station Strossmayerovo náměstí und geht von dort ebenfalls noch 10 Minuten bergauf zum Biergarten. Dieser liegt eingebettet zwischen vielen Bäumen und ermöglicht eine ausgezeichnete Sicht auf die Stadt, wenn auch nicht ganz so perfekt wie bei den anderen Aussichtspunkten weiter westlich. Das Gambrinus-Bier schmeckt dort jedenfalls gleich doppelt so gut! 😉

Tierisches Vergnügen

Wenn ihr viel Zeit zur Verfügung habt, dann überlegt euch doch eine Fahrt in den Tiergarten (Zoologická zahrada hl. m. Prahy). Dieser liegt schon recht weit im Norden der Stadt, ist aber wirklich sehenswert. Das Gelände ist riesig mit sehr vielen Attraktionen und es gibt sogar einen Sessellift, da der Zoo recht hügelig angelegt wurde. Die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt von der Innenstadt aus mit der roten U-Bahn-Linie C zur Station Nádraží Holešovice und von dort mit dem Bus 112 bis zur Endstation Zoologická zahrada direkt vor dem Eingang des Tiergartens. Alles zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und sonstigen Infos findet ihr auf der Seite zoopraha.cz.

Und noch ein Jugendstil-Schatz

Zwei weitere interessante Orte, die jedoch recht schnell erledigt werden können, sind die Passage Lucerna und die St.-Nikolaus-Kirche. Die Passage ist vom Wenzelsplatz (siehe nächster Absatz) aus nur einen Katzensprung entfernt und einfach nett zum Durchschlendern. Die zahlreichen Jugendstilelemente gefallen mir besonders gut, zusätzlich gibt es aber noch ein witziges Kunstobjekt zu bestaunen. Unter der großen Glaskuppel hängt das Reiterdenkmal des Heiligen Wenzel – allerdings sitzt der Reiter hier auf einem verkehrten Pferd, was als Scherz zu verstehen ist.

Sehenswerte Kirche – innen wie außen

An der St.-Nikolaus-Kirche (Kostel sv. Mikuláše) kommt man automatisch vorbei, wenn der Weg vom Aussichtshügel Petřín in die Altstadt gewählt wird. Die Kirche liegt im Stadtteil Malá Strana (Prager Kleinseite) und wirkt schon von außen sehr mächtig. Das Innere ist wahrlich pompös und strotzt nur so vor barocken Elementen. Übrigens gefällt mir am Eingang der Kirche der Blick in Richtung der Prager Burg außerordentlich gut. Gemeinsam mit den schönen Hausfassaden und den alten Laternen ergibt sich ein tolles Gesamtbild.

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Der Wenzelsplatz in Prag

Kann man sehen, muss man aber nicht

Der ewig lange Wenzelsplatz

Im letzten Absatz meines Beitrags möchte ich euch von Orten und Attraktionen erzählen, die man sehen kann, aber nicht muss – wobei natürlich jeder einen anderen Schwerpunkt in einer Stadt legt. Sehr bekannt, aber für mich persönlich ziemlich uninteressant, ist der Wenzelsplatz (Václavské námestí). Der Platz ist 700 Meter lang und wirkt dadurch eher wie eine breite Straße mit Geschäften, Restaurants und Hotels. Ich finde ihn bis auf einige wenige schöne Gebäude eigentlich total hässlich, was auch am starken Autoverkehr liegt. Am oberen Ende des abfallenden Platzes steht das Nationalmuseum (Národní muzeum), welches nun leider schon seit 2011 bis voraussichtlich Ende 2018 wegen Komplettrenovierung geschlossen ist. Ich habe euch unten zwei Fotos aus dem Jahr 2009 angefügt, als ich noch einen Blick in das Treppenhaus hineinwerfen konnte.

Jüdische Orte mit unflexiblem Ticket

Wer sich für die jüdische Geschichte in Prag interessiert, muss ordentlich bezahlen. Für CZK 500,- (EUR 19,10) kann man ein Ticket für sieben jüdische Institutionen erwerben, was prinzipiell gut und nicht zu teuer ist. Ich finde es nur dreist, dass man dieses Gesamtticket auch nehmen muss, wenn man nur ein oder zwei Orte ansehen will. Aber gut, ich habe mir den Alten jüdischen Friedhof (Starý židovský hřbitov) und die Spanische Synagoge (Španělská synagoga) angesehen. Der Friedhof wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts angelegt, dementsprechend wild sehen die Grabsteine mittlerweile aus. Ein schmaler Pfad führt durch die Ruhestätte, die alles andere als ruhig ist – unfassbare Massen an Menschen drängen sich durch den Friedhof, es sei denn man kommt gleich zur Öffnungszeit. Die Spanische Synagoge sieht von innen durch die Vergoldung großartig aus, sodass ich den Ärger über den hohen Eintrittspreis wieder halbwegs vergessen konnte. 😉

Ein schräges Haus

Eher für Fotografen interessant ist das Tanzende Haus (Tančící dům) vom tschechischen Architekten Vlado Milunić in Kooperation mit dem kanadischen Stararchitekten Frank Gehry. Es ist durch seine extravagante Form ein echter Blickfang und bietet kreative Gestaltungsmöglichkeiten für Fotos. Ansonsten ist es aber nicht öffentlich zugänglich, es sei denn man reserviert einen teuren Platz im Restaurant auf dem Dach.

Symbolträchtige Wand

Fans der Beatles pilgern wohl garantiert zur John Lennon Wall, die gut versteckt in der Gasse Velkopřevorské náměstí hinter der Karlsbrücke im Stadtteil Malá Strana steht. Die bunte Wand aus Graffitis ist allerdings nicht nur eine Huldigung des Beatles-Stars, sondern auch ein Symbol der freien Meinungsäußerung. Vor gar nicht allzulanger Zeit war diese nämlich noch nicht gefahrlos möglich: 1988 schrieben Jugendliche zahlreiche Beschwerden über die Regierung an die Wand, was gewaltsame Außeinandersetzungen mit der Polizei auf der Karlsbrücke zur Folge hatte. Auch wenn ich die wild angeschmierte Wand heute als wenig ästhetisch empfinde, so ist sie doch geschichtlich ein wichtiges Symbol.

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

In Prag kann man viel zu Fuß machen, aber beim riesigen Angebot an Sehenswertem kommen dadurch auch gewaltige Märsche zusammen. Deshalb sind die öffentlichen Verkehrsmittel eine gute Alternative dazu, um Kräfte zu sparen. Eine Einzelfahrt kostet für 30 Minuten 24 CZK (0,90 EUR), eine Tageskarte 110 CZK (4 EUR). Netzpläne für U-Bahn und Straßenbahn findet man auf der Seite ropid.cz. Einige der Prager U-Bahn-Stationen sind übrigens künstlerisch sehr interessante Motive, so zum Beispiel die Station Muzeum.

An einigen Stationen mit Kreuzungen halten mehrere Straßenbahnen – hier ist es als Tourist nicht immer sofort ersichtlich, ob eine Tram geradeaus fährt oder abbiegt. Das ist vor allem ärgerlich, wenn man weiß, in welche Himmelsrichtung man fahren muss, aber nicht mit welcher Linie! Das findet ihr aber ganz einfach heraus, indem ihr die Haltestellentafel anschaut: die Pfeile zeigen euch schnell die Fahrtrichtung der jeweiligen Linie an.

Wenn es ums Essen und Trinken geht, haltet unbedingt abseits der großen Touristenpfade Ausschau nach einem Lokal. Das spart euch nicht nur eine Menge Geld, sondern auch Nerven, wenn es um das Thema Trinkgeld geht. Empfehlen kann ich euch die Klosterbrauerei Strahov (, klasterni-pivovar.cz), wo meine Freundin und ich ein Braumeistergulasch mit Zwiebeln und böhmischen Knödeln sowie einen Schweinslungenbraten mit Zwiebeln und Erdäpfeln hatten. Dass eine Restaurantkette nicht immer nur Durchschnitt sein muss, hat mir das Lokal Kolkovna Savarin (Na Prikope 10, kolkovna.cz) bewiesen. Das tschechische Traditionsgericht Svíčková (Rindsbraten in Wurzelgemüsesaft und Knödel) sowie enorm zarte Spareribs waren ein kulinarisches Vergnügen und gleichzeitig mein Geburtstagsessen.

Kaffee trinken in traumhaftem Ambiente kann man im Café Savoy (Vítězná 5, cafesavoy.ambi.cz), auch die Torten haben überzeugt. Etwas moderner und jugendlicher geht es im Café Cacao Prague (V Celnici 1031/4, cacaoprague.cz) nahe des Prager Gemeindehauses zu, mein Tipp ist der kräftige Affogato al caffè. 🙂

Für den schnellen Hunger findet ihr an gefühlt jeder Ecke in der Innenstadt einen Verkaufsstand für die Süßspeise Trdelník (Baumkuchen). Sucht ihr etwas deftigeres, dann bietet sich der Würstelstand auf dem Platz Malostranské náměstí an. Dazu eine Dose Gambrinus und auf den schwarzen Metallsitzen am Platz das Treiben beobachten, herrlich!

 

FAZIT

Prag ist meiner Meinung nach ein absoluter Pflichtbesuch, wenn es um Städtereisen in Europa geht. Die tschechische Hauptstadt punktet durch ihre große Altstadt, deren Türme und Gebäude für ein äußerst sehenswertes Gesamtbild sorgen. Die Aussichtspunkte sind sensationell und bieten Blicke, die man nie vergessen wird. Das Essen ist deftig und schmackhaft, das Bier süffig und sehr günstig – solange man die Touristenrouten meidet und sich abseits in den liebevollen Gassen nach Lokalen umsieht. In Prag muss man sich einfach wohlfühlen, nicht umsonst komme ich immer wieder gerne zurück!

 

1 Kommentar

  1. […] Ein einziger Tag ist für eine Großstadt wie Prag natürlich viel zu wenig. Da ich allerdings schon mehrmals zu Besuch war, konnte ich mich großteils auf weniger touristische Bereiche konzentrieren. Einen eigenen ausführlichen Artikel über Prag könnt ihr hier nachlesen: Prag: Schmuckstück an der Moldau. […]

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