Hochgebirgsstauseen Kaprun – mehr als Wasser

Hochgebirgsstauseen Kaprun

Die Gegend rund um Zell am See ist an Sehenswertem generell reich, aber eine Attraktion sticht für mich besonders hervor. Die Hochgebirgsstauseen Kaprun liegen gut geborgen in einem Talschluss, umrahmt von der unfassbar schönen Gebirgswelt. Die Hauptaufgabe liegt in der Stromerzeugung, doch auch touristisch sind die Staumauern ein tolles Ausflusgziel mit interessantem Rahmenprogramm. Was man alles erleben kann, zeige ich euch in diesem Blogbeitrag!

Hochgebirgsstauseen Kaprun

FAKTEN

Reisezeit: August 2017 (Tagesausflug mit Übernachtung)
Anreise: Mit dem Auto von Wien über die A1 bis Salzburg, A10 bis Pfarrwerfen, B311 bis Kaprun, von dort den Schildern zum Parkhaus Kaprun Hochgebirgsstauseen (GPS-Position) folgen (ca 4:30h).
Öffnungszeiten: von Mai bis Oktober ca. 8-17 Uhr, exakte Zeiten auf der Webseite verbund.com
Preise: Erwachsene EUR 21,-, kostenlos mit der Zell am See-Kaprun Sommerkarte
Unterkunft: Privatpension Haus Elisabeth (Finksiedlung 8, 5700 Zell am See, Webseite; sehr günstig, ruhig gelegene Pension, einfache aber stilvolle Zimmer, sehr gute Betten, gutes Frühstück, netter Kontakt mit den Besitzern, WLAN mit oftmaligem Ausfall, Seife und Shampoo selbst mitnehmen!) Weiterempfehlung? JA

Panorama der Hochgebirgsstauseen Kaprun

Natur und Technik im Einklang

Normalerweise muss man davon ausgehen, dass technische Bauwerke – wie etwa ein Kraftwerk – mitten in der Natur eine optische Verwüstung der Landschaft anrichten. Die Hochgebirgsstauseen Kaprun fügen sich allerdings optisch derart sanft in ihre Umgebung ein, wie ich es noch nirgendwo anders erlebt habe. Seinen Ursprung nahm das Wasserkraftwerk im Zweiten Weltkrieg mit dem Spatenstich 1938, doch erst nach Kriegsende gingen die Arbeiten richtig voran. Mit finanzieller Hilfe des Marshall-Plans wurde von 1947 bis 1955 die Fertigstellung erreicht. Das Projekt gilt bis heute als Symbol für die wiedererstarkte Zweite Republik Österreich und ihre wirtschaftliche Überlebensfähigkeit.

Für einen Besuch der Stauseen empfehle ich euch einen ganzen Tag einzuplanen, um alles ohne Stress ansehen und vor allem die Natur auf sich wirken lassen zu können. Mit dem Auto ist kurz nach der Talstation der Seilbahn zum Kitzsteinhorn in einem kostenlosen Parkhaus Endstation. Von dort beginnt dann eine spektakuläre Fahrt per Shuttlebussen und Europas größtem offenen Schrägaufzug. Nach einer knappen halben Stunde hat man den unteren Stausee Wasserfallboden passiert und ist auf 2.040m Seehöhe beim oberen Stausee, dem Mooserboden, angelangt. Hier kann man sich als Besucher dann entscheiden, ob es eine Wanderung auf die umliegenden Berge oder nur den Aussichtshügel sein soll. Eine Staumauerführung ist ebenfalls möglich und ein echter Tipp, denn hier erfährt man aus erster Hand, wie so ein Wasserkraftwerk eigentlich funktioniert.

Ein Infozentrum liefert weitere Details zur Geschichte der Hochgebirgsstauseen. Wenn ihr wie ich an der Technik hinter solch einem Monsterbau interessiert seid, dann seht euch dort unbedingt den Film über die Geschichte an. Es ist kaum vorstellbar, was in der damaligen Zeit ohne große Hilfe von Baumaschinen geleistet wurde. Auch zum Bau des von 2007 bis 2010 vollkommen im Berg errichteten Pumpspeicherkraftwerk Limberg II gibt es einen Film. In diesem sieht man, wie ein Kraftwerk mitten im Berg entsteht, ohne dass man von außen etwas erkennen würde – absolut faszinierend, was heutzutage alles möglich ist! Nun aber zu den Fotos von meinem Ausflug, zu denen ich euch weitere Details gebe.

Bustransfer zu den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Nach dem Abstellen des eigenen PKW im Parkhaus kauft man sich Tickets für die Auffahrt zu den Stauseen. Die erste kurze Etappe wird dabei mit dem Bus zurückgelegt, bis man am Fuß eines wahrlich spektakulären Aufzuges ankommt.
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Lärchwand-Schrägaufzug bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Mit dem Lärchwand-Schrägaufzug geht es dann über eine Distanz von 820 Metern und 431 Höhenmetern steil nach oben. Der 1941 erbaute und 2014 generalsanierte offene Aufzug fasst knapp 200 Menschen und war bis 2007 die einzige Möglichkeit, um zur höher gelegenen Straße zu gelangen, die zu den Stauseen weiterführt. Sogar die Shuttlebusse wurden früher mit dem Aufzug nach oben transportiert! Seit 2007 gibt es aber einen Straßentunnel, der alternativ benutzt wird – als Besucher bekommt man diesen aber nur bei Ausfall des Aufzuges zu Gesicht.
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Lärchwand-Schrägaufzug bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Ursprünglich konnte der Schrägaufzug eine Last von bis zu 60 Tonnen transportieren, zuletzt waren solche Schwertransporte beim Bau des Pumpspeicherkraftwerks Limberg II notwendig. Durch den 2007 fertiggestellten Straßentunnel fiel dem Lärchwand-Schrägaufzug fortan aber nur noch eine touristische Bedeutung zu – die Tragkraft wurde auf 14 Tonnen verringert, was immer noch enorm ist. Die Auffahrt ist jedenfalls ein Abenteuer und sorgt garantiert für mulmige Gefühle im Bauch.
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Bustransfer zu den Hochgebirgsstauseen Kaprun
An der Bergstation des Lärchwand-Schrägaufzugs heißt es neuerlich umsteigen. Wieder per Bus werden die letzten Kilometer zurückgelegt. Versucht unbedingt, auf der linken Seite Platz zu nehmen, um während der Fahrt die Ausblicke auf den Stausee Wasserfallboden genießen zu können!
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Bustransfer zu den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Die Fahrt auf der einspurigen Straße führt auch durch sehr enge Tunnel. Angst vor Gegenverkehr muss man aber nicht haben, die Busfahrer sprechen sich über Funkverkehr ab, wer bergauf oder bergab freie Bahn hat.
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Stausee Wasserfallboden bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Kurz vor dem Ende des Bustransfers ist man bereits so hoch oben, dass sich dieser geniale Blick auf den Stausee Wasserfallboden mit den umliegenden Bergen ergibt.
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Stausee Mooserboden bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Am Stausee Mooserboden ist das Ziel erreicht, der Bus wird verlassen. Meine erste Station war eine idyllisch situierte Sitzbank, um gleich zu Beginn die unglaubliche Schönheit der Natur in Ruhe realisieren zu können.
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Staumauerführung bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Es besteht die Möglichkeit, an einer Staumauerführung teilzunehmen, die ich euch wirklich ans Herz lege. Die Tickets kosten pro Person EUR 5,50 und können an einem kleinen Schalter rechts vom Bergrestaurant erworben werden. Alle 45 Minuten startet eine Tour, bei der man zuallererst eine interessante Einführung in das gesamte Kraftwerksprojekt erhält. Dabei lernt man, wo eigentlich das Wasser für die Stauseen hergeleitet wird und wie die einzelnen Kraftwerke miteinander agieren.
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Staumauerführung bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Dann geht es ans Eingemachte, in das Innere der Staumauer! Der Stausee Mooserboden wird übrigens von zwei Staumauern begrenzt. Bei der Führung begibt man sich über einen kleinen Zugang neben der Mauer in die sogenannte Moosersperre und kommt später am Beginn der Drossensperre heraus – diese seht ihr dann weiter unten.
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Staumauerführung bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Ein gespenstischer Anblick ist es schon, wenn man in den ewig langen und schmalen Durchgang hineinschaut. Durch die Krümmung der Mauer ist das Ende lange nicht zu sehen, was dem ganzen noch mehr Abenteuer verleiht.
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Staumauerführung bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Während des Durchschreitens der Mauer erfährt man an mehreren Stationen interessante Informationen vom Führer. Auf dem linken Foto sieht man etwa den Abgang in die Tiefe zu einem weiteren Verbindungsgang. Ein Mitarbeiter muss auf seinem Kontrollgang diese Höhe überwinden und an anderer Stelle über 600 Stufen wieder hinaufklettern. Das rechte Bild zeigt ein spezielles Meßgerät, das Erschütterungen aufzeichnet und Bewegungen der Staumauer frühzeitig erkennbar macht. Laut Tourguide hat es sogar das Beben von 2004, das einen verheerenden Tsunami auslöste, registriert.
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Drossensperre bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Die Tour endet an einem Ausgang zwischen den beiden Staumauern, ihr könnt den Tunnelausstieg im Foto klein rechts der Mauer erkennen. Von dort bin ich noch über die hier abgebildete Drossensperre gegangen, um am Ende des Bauwerks diesen tollen Blick zu erhaschen. Von meinem Standpunkt aus startet übrigens der steile und anspruchsvolle Weg zum 800 Meter höher gelegenenen Heinrich-Schwaiger-Haus, eine Schutzhütte für Alpinisten.
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Klettersteigarena Höhenburg bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Geht man über die Drossensperre wieder zurück in die Mitte der beiden Staumauern, befindet sich dort einerseits das Infozentrum mit sehr interessamtem Lehrmaterial zum Kraftwerk und andererseits der Aufstieg auf die Klettersteigarena Höhenburg. Dieser Aussichtshügel kann auch einfach zu Fuß bezwungen werden und lädt richtig dazu ein, eine Pause inmitten der Bergwelt einzulegen.
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Panorama der Hochgebirgsstauseen Kaprun
Das Bergpanorama ist umwerfend und der türkisblaue Stausee Mooserboden fügt sich absolut perfekt in die Szene ein. Auf diesem Foto sieht man nun auch sehr schön die beiden Staumauern: links die Drossensperre, rechts die Moosersperre.
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Panorama der Hochgebirgsstauseen Kaprun
Ein weiteres Panorama von der Klettersteigarena Höhenburg, diesmal sind mit dem Mooserboden und dem darunter liegenden Wasserfallboden beide Stauseen abgebildet.
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Heidnische Kirche am Mooserboden bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Hier sieht man die sogenannte Heidnische Kirche am Mooserboden, ein Denkmal für die während der Errichtung des Kraftwerks verunglückten Arbeiter mit der Aufschrift „Aus Arbeit und Opfer ein Werk“. Es stellt den schützenden Mantel der Heiligen Barbara über die Kraftwerksanlagen und das Kapruner Tal dar.
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Panorama der Hochgebirgsstauseen Kaprun
Beide Stauseen auf einem Panorama zu verewigen ist gar nicht so einfach. Einen möglichen Standpunkt habt ihr vorher mit der Klettersteigarena Höhenburg kennengelernt, hier ist ein weiterer. Von der Busstation hält man sich einfach rechts und begibt sich auf eine Anhöhe mit einer Parkbank. Von dort ergibt sich dieser fantastische Ausblick auf beide Seen und die Berge.
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Kräuterlehrpfad bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Für den Rückweg bietet sich eine kleine, harmlose Wanderung über den Kräuterlehrpfad an. Dieser startet rechts von der Busstation am Mooserboden und führt immer bergab zur Fürthermoaralm, hier auf dem Foto klein in der Mitte zu erkennen. Der Bonus dieses Wegs sind die ausgezeichneten Perspektiven auf den unteren Stausee Wasserfallboden.
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Edelweiß auf dem Kräuterlehrpfad bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Für den Kräuterlehrpfad benötigt man je nach Geschwindigkeit 30 bis 40 Minuten. Zahlreiche Schautafeln informieren über die Blumenwelt im Hochgebirge. Zusätzlich ist an einer Stelle kurz vor der Fürthermoaralm ein Edelweiß künstlich angepflanzt – für mich zusätzlich spannend, denn ein frei wachsendes ist mir bisher leider noch immer nicht untergekommen.
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Fürthermoaralm bei den Hochgebirgsstauseen Kaprun
Der Kräuterlehrpfad endet bei der Fürthermoaralm, wo sich eine Einkehr lohnt. Nicht nur kann man bei einem kühlen Getränk nochmals den Blick auf die Berge schweifen lassen, sondern auch sehr gut essen. Ich habe eine Kaspressknödelsuppe und einen Kaiserschmarrn probiert, beides war empfehlenswert. Die Rückfahrt ins Tal kann dann einfach wieder von der Busstation direkt vor der Alm erfolgen.
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FAZIT

Ein Ausflug zu den Hochgebirgsstauseen Kaprun ist für Erwachsene und Kinder ein absolut grandioses Erlebnis. Die Auffahrt mit Bussen und dem abenteuerlichen Schrägaufzug sorgt gleich zu Beginn für Herzklopfen. Oben angekommen bleibt neben dem umwerfenden Bergpanorama sowie den perfekt in die Landschaft integrierten Stauseen Wasserfallboden und Mooserboden garantiert auch eine Staumauerführung in Erinnerung. Als Abschluss empfiehlt sich über den Kräuterlehrpfad eine kleine Wanderung zur Fürthermoaralm, wo man das Erlebte Revue passieren lassen und nach einer Stärkung den Weg per Bus und Aufzug wieder ins Tal antreten kann.

 

2 Kommentare

  1. Wow was für Bilder! Ich war im Juli in Uttendorf genauer gesagt in der Weißsee Gletscherwelt. Dort gibt es auch zwei Stauseen, den Weißsee und den Tauernmoossee, die ein ähnlich tolles Bild bieten. Auf dem Tauernmoossee kann man ebenfalls eine Führung machen, das ging sich aber leider nicht aus. Die Stauseen in Kaprun stehen auch auf meiner To Do Liste 😉

    1. Danke Christine! Ich habe mir gleich die Weißsee Gletscherwelt angeschaut, von der ich ehrlich gesagt noch nie gehört habe. Aber Wahnsinn, so nah von Zell am See und so traumhaft schön! Danke für diesen Tipp!

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