Münchner Oktoberfest: Tradition und Wahnsinn

Lebkuchenherz auf dem Münchner Oktoberfest

Seit sehr vielen Jahren werde ich von Freunden und Familienmitgliedern regelmäßig mit der Frage konfrontiert, ob ich denn nicht einmal einen Besuch beim Münchner Oktoberfest einplanen will. Ich habe mich immer erfolgreich dagegen gewehrt, da ich auf Menschenmassen, hohe Preise und betrunkene Verrückte keine Lust verspürte. 2017 habe ich es aber erstmals gewagt und mir selbst ein Bild gemacht – mit interessanten Erfahrungen!

Oktoberfest München

FAKTEN

Reisezeit: Ende September 2017 (Tagesbesuch)
Anreise: S-Bahn-Station Hackerbrücke (S1/S2/S3/S4/S6/S7/S8) und ein kurzer Fußmarsch oder U-Bahn-Station Theresienwiese (U4/U5) nur wenige Meter entfernt vom Haupteingang
Oktoberfest: Jährlicher Beginn am Samstag nach dem 15. September bis zum ersten Sonntag im Oktober (zwischen 16 und 18 Tagen, da es einige Ausnahmen gibt)
Bierausschank: Am Eröffnungstag ab 12 Uhr, sonst Montag bis Freitag 10-22:30 Uhr und Sa-So 9-22:30 Uhr
Fahrgeschäfte: täglich 10-23:30 Uhr (am Wochenende bis 24 Uhr)

Festzelt der Ochsenbraterei auf dem Münchner Oktoberfest

O’zapft is auf der Wiesn!

Nachdem ich in den letzten fünf Jahren Stammgast beim Erdinger Herbstfest war, stand nun mein erstes Mal auf der traditionellen Münchner Wiesn am Programm. Das war natürlich mit großer Neugier und auch vielen Befürchtungen verbunden. In den Medien wird gerne überdramatisiert und das Oktoberfest als Ort des Wahnsinns dargestellt. Was man aber nicht selbst erlebt hat, kann man schwer beurteilen – deshalb habe ich mich 2017 erstmals überreden lassen und dem Fest, zu dem 2016 satte 5,6 Millionen Besucher strömten, eine Chance gegeben. Gleich vorweg: der Wahnsinn ist definitiv vor Ort zu finden! 😉 Allerdings nicht in einer derart extremen Art und Weise, wie ich es erwartet hätte.

Mit der richtigen Planung und Strategie ist es sehr wohl möglich, das Festgelände ohne großes Gedränge und recht entspannt erleben zu können. Mit Hilfe des Wiesnbarometers sieht man schon im Vorfeld, wann mit einem Besucheransturm zu rechnen ist. Meine Gruppe hat sich deshalb bereits Monate vor der Anreise auf einen Montag als Besuchstag festgelegt, was eine gute Entscheidung war. Mit dem nachfolgenden Fotobericht möchte ich euch nun sowohl geschichtliche Hintergrundinfos als auch meine persönlichen Eindrücke näherbringen.

ALLGEMEINE TIPPS

Der Besucherstrom in Richtung Theresienwiese steigt täglich ab dem späten Vormittag rasant an. Kommt am besten unter der Woche und bereits zu Mittag, um am Gelände alles in Ruhe ansehen zu können und auch in den Bierzelten noch einfach einen Platz zu finden. Ich lege euch nochmals den bereits erwähnten Link zum Wiesnbarometer ans Herz.

Einen praktischen Übersichtsplan für die Wiesn findet ihr auf der Seite muenchen.de.

Nehmt so wenig wie möglich mit auf das Festgelände! Rucksäcke sowie große Taschen sind verboten und müssen abgegeben werden – die Gepäckfächer sind allerdings sehr schnell voll belegt. Am Eingang gibt es eine (oberflächliche) Sicherheitskontrolle, die zusätzlich etwas Zeit kostet.

Für eine Übernachtung empfehle ich euch auf die umliegenden Vororte mit S-Bahn-Anschluss auszuweichen, da während des Oktoberfestes die Zimmerpreise in München selbst wirklich extrem hoch und geradezu verrückt sind.

Je größer eure Gruppe ist, desto schwieriger wird es gegen Nachmittag und Abend, einen Platz in einem der Bierzelte zu ergattern. Zu zweit habt ihr aber sehr gute Chancen, fast immer einen Sitzplatz zu finden.

In den Bierzelten sprecht ihr am besten sofort einen der Kellner an und bittet um einen freien Tisch. Die Mitarbeiter haben uns jedes Mal hervorragend beraten und wissen sofort, wo es noch einen guten freien Platz gibt.

Generell gilt: ohne Sitzplatz erhält man kein Bier! Auch außerhalb der Zelte und kleineren Gaststätten wird aus Sicherheitsgründen nirgendwo Bier ausgeschenkt.

 


Haupteingang des Münchner Oktoberfest
Mein erster Besuch auf der Münchner Wiesn war gleichzeitig das 184. Oktoberfest in der Geschichte. Das Fest besteht bereits seit 17. Oktober 1810 und wurde damals anlässlich der Hochzeit von König Ludwig I. und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen mit einem Pferderennen ins Leben gerufen. In den folgenden Jahrzehnten vergrößerte man das Gelände, es kamen immer mehr Fahrgeschäfte dazu und 1885 hielt auch die erste Hendlbraterei Einzug auf der Wiesn. Insgesamt fiel das Oktoberfest durch diverse geschichtliche Ereignisse 24 Mal aus, das letzte Mal 1948.
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Blick vom Riesenrad auf die Theresienwiese beim Münchner Oktoberfest
Seit 1949 findet das Oktoberfest ohne Unterbrechung statt und seit 1950 wird das Spektakel jährlich vom Münchner Oberbürgermeister mit den Worten „O’zapft is“ feierlich eröffnet. Von da an ging es mit den Besucherzahlen rasant bergauf und die Wiesn wurde ein weltweites Ziel für Touristen. In den Jahren 1980 bis heute kamen jährlich zwischen 5,1 (1980) und 7,1 (1985) Millionen Menschen auf die Theresienwiese, 2016 waren es 5,6 Millionen.
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Denkmal zum Bombenanschlag von 1980 beim Münchner Oktoberfest
Am nördlich gelegenen Haupteingang sollte man kurz einem auffälligen Denkmal Beachtung schenken. Am 26. September 1980 explodierte hier eine in einem Mistkübel deponierte Bombe. Bei diesem Anschlag kamen 13 Menschen ums Leben, die Hintergründe der Tat sind bis heute nicht restlos aufgeklärt. Das Mahnmal ist jedenfalls äußerst einprägsam.
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Festgelände auf dem Münchner Oktoberfest
Das Betreten des Festgeländes selbst ist kostenlos und unter der Woche kann man vom späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag noch problemlos herumschlendern, ohne große Menschenmassen befürchten zu müssen.
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Marstallzelt während des Münchner Oktoberfest
Der Kern des Oktoberfests sind natürlich die riesigen Festzelte, von denen es 2017 ganze 16 Stück gab. Sie bieten jeweils Tausenden Besuchern Platz auf Bierbänken und sind nur bis zum frühen Nachmittag so leer wie hier im Marstallzelt – danach füllt sich alles in kürzester Zeit!
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Festzelte von Hofbräu, Ochsenbraterei, Schottenhamel und Bräurosl während des Münchner Oktoberfest
Hier seht ihr das Innenleben von vier weiteren Festzelten, alle zwischen 11:30 Uhr und 14 Uhr aufgenommen. Insgesamt finden in den 16 Zelten rund 119.000 Menschen einen Sitzplatz, wobei das Hofbräu-Festzelt (unten links) mit 9.991 Plätzen das größte ist. Die anderen Fotos stammen aus der Ochsenbraterei (oben links), der Schottenhamel-Festhalle (oben rechts) und der Pschorr-Bräurosl-Festhalle (unten rechts).
Foto links oben: Aufnahmeort anzeigen / Foto rechts oben: Aufnahmeort anzeigen
Foto links unten: Aufnahmeort anzeigen / Foto rechts unten: Aufnahmeort anzeigen
Ochsenbraterei während des Münchner Oktoberfest
Wenn es um die Kulinarik geht, sticht ein Festzelt ganz stark heraus: die Ochsenbraterei. Es gibt dort zwar noch eine Vielzahl an anderen Schmankerln zu essen, aber ich empfehle euch, unbedingt den Klassiker zu probieren – Ochsenbraten mit Erdäpfelsalat. Das Fleisch ist derart zart und weich, dass es eine absolute Freude ist. Nicht ohne Grund wurden 2016 gleich 116 Ochsen verzehrt. In der Ochsenbraterei gilt ganz besonders: zeitig kommen, um einen Sitzplatz zu erhalten (ich war um kurz vor 12 Uhr dort)! Eine halbe Stunde später wurde es bereits langsam eng an den Tischen.
Beide Fotos: Aufnahmeort anzeigen
Bierkonsum in der Augustiner-Festhalle während des Münchner Oktoberfest
Bier ist natürlich das zentrale Element des Oktoberfestes, allerdings zu saftigen Preisen. 2017 musste man für eine Maß zwischen 10,60 EUR und 10,95 EUR hinblättern, um ein oftmals schlecht eingeschenktes Glas zu erhalten. Dieser Umstand hindert die Leute aber nicht am Trinken, ganz im Gegenteil: im Jahr 2016 wurden unglaubliche 6,6 Millionen Maß ausgeschenkt!
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Herzerlstand auf dem Münchner Oktoberfest
Begeben wir uns nun aber wieder an die frische Luft und schauen, was es auf dem Festgelände alles zu entdecken gibt. Ein wunderbares Fotomotiv ist dieser Herzerlstand mit allerlei Liebesbotschaften. Insgesamt gab es auf der Wiesn 251 Stände mit unterschiedlichsten Waren zu erkunden.
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Münchner Vogelpfeifer während des Münchner Oktoberfest
Ein echtes Unikat ist der Stand der „Münchner Vogelpfeifer“ gegenüber des Schützenfestzelts, welcher gleichzeitig das kleinste Geschäft der Wiesn ist. Im Foto sieht man Horst Berger, der gemeinsam mit seinem Sohn Tobias (nicht abgebildet) mittels einem flachen Plättchen aus wasserfesten Pappdeckel, Aluminiumblech und Ochsendarm das Zwitschern von Vögeln nachmachen kann – eine äußerst amüsante Sache!
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Fahrgeschäfte am Münchner Oktoberfest
Wer etwas Spaß oder Adrenalin nötig hat, kommt garantiert bei einem der zahlreichen Fahrgeschäfte auf seine Kosten. Ich selbst bin mit der Alpina-Bahn (oben rechts) und dem Riesenrad (unten rechts) gefahren. Gerade bei Attraktionen wie der Achterbahn sollte man aber vorher auf seinen Magen hören, ob er das auch aushält. 😉
Foto links oben: Aufnahmeort anzeigen / Foto rechts oben: Aufnahmeort anzeigen
Foto links unten: Aufnahmeort anzeigen / Foto rechts unten: Aufnahmeort anzeigen
Blick vom Riesenrad auf die Theresienwiese während des Münchner Oktoberfest
Mit dem Riesenrad ist es möglich, das Gelände der Theresienwiese von oben aus in seiner vollen Ausdehnung zu betrachten. Das kostet zwar 8 Euro, aber für einen derartig imposanten Ausblick auf die riesige Anlage des Oktoberfests war es mir das wert. Links unten sieht man übrigens den Bereich „Oide Wiesn“, den es erst seit 2010 gibt. Anlässlich des 200-jährigen Wiesn-Jubiläums wurde ein abgegrenzter Raum geschaffen, wo man um 3 Euro Eintritt historische Fahrgeschäfte und Festzelte erleben kann.
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Ruhmeshalle und Bavaria auf der Theresienwiese während des Münchner Oktoberfest
Sehr schön anzusehen ist die große Ruhmeshalle mit der bronzenen Bavaria davor. Die 18 Meter hohe Statue wacht seit 1850 über die Theresienwiese und ist eines der Wahrzeichen Münchens. Der Ort eignet sich hervorragend als Treffpunkt, wenn man seine Gruppe verloren hat und wieder zusammenfinden will.
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Auszogne, Brezn und Steckerlfisch am Münchner Oktoberfest
Für den kleinen Hunger zwischendurch werden einige Klassiker angeboten, wie man sie von Biergärten kennt. Oben links seht ihr das Schmalzgebäck „Auszogne“, ein bayrischer Bauernkrapfen mit Zucker. Was zu einem Bier natürlich immer geht, ist eine Riesenbrezn (oben rechts) – nehmt wirklich die großen Brezn, da die kleinen meistens schon etwas hart und trocken schmecken. Fantastisch ausgesehen und gerochen haben die langsam gegrillten Steckerlfische (unten)!
Fotos oben: Aufnahmeort anzeigen
Foto unten: Aufnahmeort anzeigen
Festgelände des Münchner Oktoberfest
Wenn es dann später langsam Richtung Sonnenuntergang geht, erstrahlen die Stände und Fahrgeschäfte der Wiesn in voller Pracht. Allerdings wird die Stimmung nun auch etwas ruppiger und man bemerkt beim Umhergehen bereits deutlich den hohen Alkoholspiegel einzelner Personen.
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Alkoholisierter Mann am Münchner Oktoberfest
Bilder wie diese häufen sich gegen Abend hin und es ist teilweise erschreckend, wie Menschen sich nicht mehr unter Kontrolle haben, wenn es um übermäßigen Alkoholkonsum geht. Von zusammengekauerten Männern bis hin zu bewusstlosen Mädchen sind mir einige bizarre Szenen untergekommen – dieses eine, noch harmlose Foto soll aber an dieser Stelle reichen.
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Überfülltes Festzelt am Münchner Oktoberfest
Richten wir nun aber wieder die Blicke auf das eigentliche Oktoberfest. Hier seht ihr eine typische Menschenschlange vor einem der Festzelte, wie man sie ab dem späten Nachmittag erlebt. Im besten Fall wartet man ein bisschen auf den Einlass, im schlechtesten Fall wird der Zugang wegen Überfüllung komplett gesperrt – so ist es mir übrigens einmal ergangen.
Beide Fotos: Aufnahmeort anzeigen
Schottenhamel-Festhalle während des Münchner Oktoberfest
Laut und stickig wird es, wenn die Masse langsam in Fahrt kommt und zur Musikkapelle mitsingt sowie mitschunkelt (hier in der Schottenhamel-Festhalle). Durch das generelle Rauchverbot in den Zelten bekommt man zumindest trotzdem noch genügend Luft zum Atmen.
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Mitarbeiter der Gastronomie während des Münchner Oktoberfest
Zu tun gibt es für die rund 8.000 fest angestellten und 5.000 wechselnden Arbeitskräfte wahrlich mehr als genug. Nur einige Zahlen aus dem Jahr 2016, was die Besucher in den zwei Wochen des Oktoberfestes so alles konsumierten: 366.876 Brathendln, 151.857 Paare Schweinswürstl und 67.227 Stück Schweinshaxen. Man kann sich vorstellen, wie anstrengend das für die Mitarbeiter sein muss.
Alle Fotos: Aufnahmeort anzeigen
Augustiner-Festhalle während des Münchner Oktoberfest
Eine typische Szene während des Münchner Oktoberfests, hier in der Augustiner-Festhalle. Die Besucher stehen dann schon zu großen Teilen auf den Bänken und torkeln vor sich hin – langsam Zeit, sich in Sicherheit zu bringen! 😉
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Abendstimmung auf dem Festgelände des Münchner Oktoberfest
Auf dem Weg zum Ausgang bietet sich noch ein letztes Mal die Gelegenheit, die Lichter der Wiesn zu bestaunen und sich mit Souvenirs einzudecken.
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Taxis und Notarztwagen vor dem Münchner Oktoberfest
Münchner Wiesn 2017, das war’s! Während die meisten Besucher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Taxi nach Hause fuhren, mussten andere notgedrungen mit dem Notarztwagen den Weg ins Krankenhaus antreten …
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Quellennachweis:
http://www.muenchen.de/veranstaltungen/oktoberfest/
https://www.oktoberfest.de/

FAZIT

Insgesamt bin ich von meinem ersten Wiesn-Besuch mit einem sehr positiven Gefühl heimgegangen – was nicht ausschließlich am Bierkonsum lag! 😉 Meine Befürchtungen von sich umher schiebenden Menschenhorden, schwerst alkoholisierten Personen und völlig überhöhten Preisen haben sich nicht bewahrheitet, auch wenn all das Genannte in einer abgeschwächten Form sehr wohl zu finden ist. Es war ein faszinierender Tag und spannend zu sehen, wie das Münchner Oktoberfest tatsächlich abläuft. Was mir allerdings fehlt, ist ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen Bierfesten in Deutschland – übertrieben gesagt: „Kennst du eines, kennst du alle“. Auf jeden Fall empfehle ich aber jedem Skeptiker, sich die Theresienwiese einmal selbst live im Trubel anzusehen, am besten unter der Woche und ab dem späten Vormittag. Ich kann jedenfalls eine Rückkehr nicht ausschließen! 🙂

 

Erfahrungsbericht zum Münchner Oktoberfest 2017 mit Tipps zum Besuch auf der Theresienwiese, allgemeinen Hinweisen und Fotos der Münchner Wiesn.

1 Kommentar

  1. […] Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Außerdem ist es im Vergleich zum völlig überlaufenen Münchner Oktoberfest einfach die etwas entspanntere […]

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