Der raue Charme von Glasgow

Ausblick vom Lighthouse auf Glasgow

Der Ruf von Schottlands bevölkerungsreichster Stadt Glasgow ist nicht unbedingt der beste. Als ehemalige Industriestadt, die außer Fabriken und einem Hafen nicht viel zu bieten hatte, denken wohl viele nicht daran, dort einige Tage zu verbringen. Doch der Schein trügt! Glasgow verändert sich seit den 90er-Jahren sukzessive und mausert sich zu einem sehenswerten Ort.

Glasgow

FAKTEN

Aufenthalt: 01. bis 03. Juli 2017
Anreise: Mit easyJet vom Flughafen Wien-Schwechat nach Edinburgh Airport (2:30 h), danach direkte Weiterfahrt mit dem Citylink-Bus nach Glasgow Buchanan Bus Station (1:00 h)
Unterkunft: citizenM Glasgow Hotel **** (60 Renfrew St, Glasgow G2 3BW, Webseite): Neues und sehr trendiges Hotel unweit des Busbahnhofs. Gewöhnungsbedürftiger Self-Check-in mit Unterstützung von freundlichem Personal. Die Zimmer sind relativ klein, aber mit optimaler Raumaufteilung und sehr modernem Lichtkonzept. Mich hat der Raum etwas an ein Hostel-Zimmer für zwei Personen erinnert, allerdings weitaus schöner und bequemer. Das Bad ist eine Art Nasszelle mit WC und Dusche, trotzdem unglaublich komfortabel. Die Dusche selbst war traumhaft, dazu gibt es zwei verschiedene Shampoos für Tag- und Nachtmenschen, eine nette Idee! Über ein iPad steuert man alle elektronischen Geräte im Zimmer wie Licht, TV oder die Rollo. Das kostenlose WLAN war schnell, dazu gibt es eine unglaublich riesige Anzahl an (auch aktuellen) Filmen. Das große Fenster neben dem bequemen Bett ließ sich leider nicht öffnen, dazu konnte man auch die Klimaanlage nicht ausschalten. Zumindest gab es einen Vorhang vor der Klimaanlage, damit man im Bett nicht direkt vom Zug getroffen wird. Die Hotelbereiche sind sehr einladend, leider hatten wir keine Zeit für einen Besuch an der Bar. Das Frühstück haben wir nicht gebucht. Für das Hotel gibt es von mir jedenfalls eine klare Weiterempfehlung.

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People make Glasgow

Glasgow: Harte Fassade, weicher Kern

Dass ich während meiner Schottland-Rundreise unbedingt Glasgow besichtigen will, stand für mich von Anfang an klipp und klar fest. Ich hatte zuvor schon mehrere Artikel gelesen, in denen die ehemalige Industriestadt in höchsten Tönen gelobt wird und meine Erwartungen waren riesig. Den rauen Charme der alten Schwerindustrie hat sich Glasgow zweifellos bis heute behalten, was ich eigentlich nicht als negativ empfinde. Die Gebäude der Innenstadt scheinen noch in der Vergangenheit zu stehen und wirken optisch großteils angestaubt. In den Einkaufsmeilen Buchanan Street und Sauchiehall Street herrscht unter der Woche reges Treiben und man sieht, dass die Stadt lebt. Die Innenstadt hat insgesamt einen positiven Eindruck auf mich hinterlassen, was sicherlich auch an den charakteristischen dunkelroten Sandsteinbauten liegt, die ich allgemein sehr mag. Obwohl Glasgow teilweise sehr düster wirkt (sicher auch wegen des Wetters), war das Aufeinandertreffen mit den Einheimischen genau das Gegenteil – warmherzig und gegenseitiges Interesse!

Überblickt man die Stadt vom Aussichtspunkt „The Lighthouse“, fällt etwas auf, was ich noch in wenigen anderen Städten gesehen habe. Glasgow weist keine Skyline auf, die man sich merkt. Es mangelt an Türmen oder ikonischen Bauten, mit denen man die Silhouette der Stadt sofort assoziieren würde. An Sehenswürdigkeiten ist Glasgow aber generell sehr reich, allerdings mit einem großen Problem für Kurzbesucher wie mich. Die spannenden Orte sind nicht alle in der Innenstadt zentriert, sondern verteilen sich über ordentliche Distanzen. Es gibt zwar eine (im Kreis verkehrende) U-Bahn, doch auch mit dieser ergeben sich teils noch zusätzliche Gehzeiten von 15-30 Minuten je nach Ziel. Gerne hätte ich das dichte Bussystem genutzt, aber es war selbst mir als Vielfahrer im öffentlichen Verkehr einfach zu kompliziert – mehr dazu in den Allgemeinen Tipps am Ende des Beitrags. Nun aber präsentiere ich euch die schönsten und interessantesten Punkte Glasgows und wie man sie am besten erreicht.

DIE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN EDINBURGH UND GLASGOW

Obwohl die beiden größten Städte Schottlands nur eine knappe Stunde auseinander liegen, unterscheiden sie sich massiv voneinander. Das lässt einen Besuch jeweils komplett anders erscheinen. Edinburgh wirkt alleine durch seine mittelalterliche Altstadt und die georgianische Neustadt extrem edel und komplett, während man Glasgow an fast jeder Ecke noch den rauen Charme der ehemals vorherrschenden Schwerindustrie anmerkt.

Edinburgh ist durch seinen internationalen Flughafen meistens der erste Anknüpfungspunkt für Schottland-Besucher und dementsprechend viel touristischer als Glasgow, wo sich Besucher ganz bewusst hinbegeben müssen. Dadurch ist Glasgow auch wesentlich authentischer und natürlicher, da nicht andauernd versucht wird, Touristen zu diversen Angeboten zu locken – diese muss man selbst entdecken. 😉

Zu erkunden ist Edinburgh einfacher, denn die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich relativ zentral. In Glasgow gibt es auch eine Vielzahl an interessanten Orten sowie Museen zu entdecken, doch die Distanzen sind für einen Fußmarsch teilweise schon gewaltig. Das führt mich zu einem weiteren großen Unterschied:

Das öffentliche Verkehrsnetz ist in Glasgow leider sehr, sehr ausbaufähig. Es gibt eine U-Bahn-Linie, die kreisförmig verkehrt – sie deckt allerdings nur einen recht kleinen Bereich der Stadt ab und fährt noch dazu an Sonntagen nur zwischen 10 und 18 Uhr. Das Bussystem ist unfassbar kompliziert, da es mehrere Anbieter mit jeweils eigenem Fahrplan, eigenen Haltestellen und eigenen Tarifen gibt. Ganz anders in Edinburgh: das Bussystem erinnert an die Metropole London, wo man mit einem großen Anbieter (in diesem Fall Lothian Buses) bequem und einfach durch die Straßen ans gewünschte Ziel gelangt. Zusätzlich bietet sich die neue Straßenbahn als Fortbewegungsmittel an. Zusätzlicher Pluspunkt ist, dass mit einem Tagesticket das gemeinsame Benützen von Straßenbahn und fast allen Bussen möglich ist. Alle Infos zu den öffentlichen Verkehrsmitteln findet ihr am Ende des Beitrags.

In kultureller Hinsicht stehen sich beide Städte in nichts nach. Sowohl Glasgow als auch Edinburgh punkten mit spannender Architektur und Dutzenden Museen – die meisten davon sogar kostenlos!

In Glasgow habe ich die Menschen als herzlicher und offener wahrgenommen – oftmals kamen meine Freundin und ich in Smalltalk-Situationen, was wir in Edinburgh überhaupt nicht so empfunden haben. Das ist natürlich auch wenig verwunderlich bei der großen Anzahl an Besuchern.

 


Floraler Jugendstil von Charles Rennie Mackintosh

Der Jugendstil von Charles Rennie Mackintosh

Ein Mann hat Glasgow geprägt wie kein anderer: Charles Rennie Mackintosh. Als Architekt, Innenarchitekt, Kunsthandwerker, Designer, Grafiker und Maler kann man ihn als wahren Wunderwuzzi bezeichnen. Er ist vor allem für seine Interpretation des britischen Jugendstils berühmt und hat in Glasgow viele Spuren hinterlassen, die sich wie ein roter Faden über die gesamte Stadt verteilen. Wenn ihr an Architektur und Kunst interessiert seid, dann findet ihr auf der Webseite glasgowmackintosh.com eine Liste mit Gebäuden, die entweder von Mackintosh entworfen wurden oder die Werke des Künstlers ausstellen.

Glasgow School of Art

Ich habe mir vier Orte herausgesucht, die ich näher ansehen wollte. Das bekannteste Bauwerk ist die Glasgow School of Art (167 Renfrew Street), deren Gebäude 1897 bis 1909 erbaut wurde. Leider musste ich mich mit Bildern aus dem Internet begnügen, denn vor Ort angekommen bot sich mir nur eine komplett eingerüstete Fassade. Im Mai 2014 zerstörte ein verheerendes Feuer große Teile der Inneneinrichtung, darunter die berühmte Bibliothek. Die Restaurierung ist zwar in vollem Gange, mit einer Wiedereröffnung ist nach aktuellem Stand aber erst frühestens 2019 zu rechnen. Gegenüber befindet sich übrigens ein moderner Zubau, den ich nicht so spannend fand. Dort besteht aber die Möglichkeit, an einer 45-minütigen Führung teilzunehmen, die von Studenten der Glasgow School of Art durchgeführt wird. Ich habe das aus Zeitgründen nicht in Anspruch genommen, aber die Bewertungen im Internet lassen auf eine interessante Tour schließen.

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House for an Art Lover

Ein großes Anliegen war mir weiters das House for an Art Lover () im Westen Glasgows. Dieses Gebäude wurde von Mackintosh und seiner Frau 1901 für den Wettbewerb „Haus eines Kunstfreunds“ in einer deutschen Zeitschrift entworfen. Doch erst 1989 bis 1996 sollte das Haus tatsächlich gebaut werden – die lange Bauzeit begründet sich durch einen zwischenzeitlichen Baustopp wegen finanzieller Engpässe. Das faszinierende Bauwerk ist eingerahmt durch einen wunderschönen Garten und besticht im Inneren durch die vielen floralen Jugendstilelemente. Eine Besichtigung kostet GBP 5,50 (EUR 6,30), wobei ein Besuch wirklich gut geplant werden muss. Das House for an Art Lover wird für sehr viele Hochzeiten sowie weitere Veranstaltungen genutzt und öffnet seine Tore für Individualbesucher deshalb nur wenige Stunden pro Tag bzw. manchmal auch gar nicht. Die Eintrittszeiten werden auf der Webseite houseforanartlover.co.uk immer nur für eine Woche im Voraus veröffentlicht, sodass ihr eine Besichtigung eigentlich nur spontan vor Ort planen könnt – es zahlt sich aber auf jeden Fall aus! Die Anreise ist leider mühsam: entweder fahrt ihr mit der Subway zur Station Ibrox und geht von dort noch gut 20 Minuten zu Fuß oder ihr nehmt euch gleich ein Taxi, was fast die bessere Wahl ist.

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Willow Tea Rooms

Wesentlich einfacher zu erreichen sind die Willow Tea Rooms mitten in der Innenstadt Glasgows. Die Unternehmerin Kate Cranston hatte ursprünglich vier Lokale und ließ diese von Mackintosh einrichten. Heute sind noch zwei übrig: in den beiden Einkaufsstraßen mit den Adressen 97 Buchanan Street und Sauchiehall Street gibt es jeweils einen Teeraum, wobei letzterer der bekanntere ist. Ich habe mir aber nur die Willow Tea Rooms in der Buchanan Street kurz angesehen und gerade noch kurz vor dem Schließen einen Blick hineinwerfen können. Wenn ihr einmal richtig stilvoll Tee trinken wollt, dann reserviert euch am besten auf der Webseite willowtearooms.co.uk einen Platz (was bei uns leider nicht funktioniert hat – unsere Anfrage wurde einfach nicht beantwortet).

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The Lighthouse

Zum Schluss noch eine weitere absolut wichtige Sehenswürdigkeit von Mackintosh! 1895 wurde nach den Plänen des Architekten ein Gebäude für die Zeitung Glasgow Herald fertiggestellt (). Mehr als 100 Jahre später heißt dieses Gebäude seit 1999 The Lighthouse und ist Glasgows Zentrum für Design und Architektur. Die Besichtigung ist kostenlos, auf der Seite thelighthouse.co.uk könnt ihr euch die Öffnungszeiten ansehen. Neben einer Dauerausstellung zu Mackintosh’ Werken ist der Ort vor allem für seinen Aussichtsturm bekannt und einen Besuch wert. Über eine tolle Wendeltreppe gelangt man nach oben und kann einen fast kompletten 360-Grad-Blick über Glasgow genießen.

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Floating Heads in der Kelvingrove Art Gallery

Was man in Glasgow unbedingt sehen sollte

Neben den Kunstwerken von Mackintosh hat Glasgow natürlich noch eine Menge anderer äußerst interessanter Sehenswürdigkeiten zu bieten. Mein Aufenthalt in der größten schottischen Stadt war da mit nur ingesamt 48 Stunden schon sehr knapp bemessen. Wenn ich mir jetzt im Nachinein ansehe, wieviel meine Freundin und ich dennoch in dieser Zeit angesehen haben, grenzt das schon fast an Wahnsinn. 😉 Ich kann euch also wirklich nur empfehlen, länger als ich in Glasgow zu bleiben, um alles stressfrei besichtigen zu können!

Die Universität von Glasgow

Die Universität wurde bereits 1451 gegründet und ist nach St. Andrews die zweitälteste Schottlands. Die Uni genießt weltweit einen exzellenten Ruf und sollte nicht nur deswegen unbedingt auf eure Besichtigungsliste. Die Architektur ist herausragend und ein Rundgang durch das Gelände macht wirklich Spaß. Beim Anblick des mächtigen Südportals kommen schnell Gedanken an Harry Potter hoch. 😉 Ein Ort darf für Fotos auf keinen Fall fehlen, die Cloisters. Diese Kreuzgänge bestechen durch die vielen Säulen immens und werden gerne für Veranstaltungen genutzt. Wenn ihr durch die Innenhöfe spaziert, schaut doch auch einmal in einen der zahlreichen Eingänge hinein. Über mystische Wendeltreppen gelangt man in die Stockwerke und kann den Geist der alten Universität förmlich spüren. In einem Teil des Gebäudes ist das Hunterian Museum untergebracht, das aber zum Zeitpunkt meines Besuchs geschlossen hatte – ein Blick durch die Eingangstür lohnt aber auch schon aufgrund der schönen Architektur. Einen weiteren Blick solltet ihr unbedingt noch in die University Chapel machen, die Kapelle ist einfach nur grandios. Setzt euch mal für einige Momente nieder und genießt das Umfeld im Innenraum! Noch ein kleiner Tipp, falls ihr eine Pause braucht: in der Cafeteria der Universität kann man für wenig Geld eine Stärkung zu sich nehmen. Verlässt man das Gelände der Universität wieder über das Südportal, erblickt man in der Ferne schon die Kelvingrove Art Gallery, mein nächstes Ziel.

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Kelvingrove Art Gallery and Museum

Das 1902 in auffälligem roten Sandstein eröffnete Gebäude der Kelvingrove Art Gallery ist die zweitbeliebteste Besucherattraktion Schottlands. Der Eintritt ist kostenlos und ermöglicht somit allen Gesellschaftsschichten den Zugang zu Kunst, Geschichte und Zoologie. Im Inneren befinden sich Tausende Werke unterschiedlichster Art, unter anderem Gemälde, eine Waffenkollektion, eine große naturhistorische Ausstellung und weitere Schöpfungen von Charles Rennie Mackintosh. Ins Auge sticht aber eine Kunstinstallation ganz besonders: „Floating Heads“ von Sophie Cave ist fantastisch und verstörend zugleich. Von der Decke eines großen Saals hängen Dutzende weiße Köpfe mit unterschiedlichem Gesichtsausdruck von Freude bis Trauer. Wirklich etwas gruselig, aber man kann einfach nicht wegsehen. 😉

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St. Mungo’s Cathedral und The Necropolis

Die Glasgower Kathedrale St. Mungo’s Cathedral muss man sich unbedingt ansehen. Der jetzige gotische Bau ist zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert entstanden und steht rund einen Kilometer östlich der Innenstadt. Sofern ihr euch nicht mit dem komplizierten Bussystem auseinandersetzen wollt, bleibt euch hier nur der Fußweg. Die Öffnungszeiten der Kirche entnehmt ihr am besten der Webseite glasgowcathedral.org. Sehenswert ist in der Kathedrale nicht nur ihr eigentlicher Innenraum, sondern auch vor allem die riesige Krypta unterhalb, wo auch das Grab des Glasgower Schutzpatron St. Mungo liegt. Außerhalb der Kirche folgt ihr dann rechts dem Weg zum Friedhof The Necropolis, der auf einem Hügel angelegt wurde. Der Aufstieg sieht wilder aus als er ist, man erreicht die Spitze schon nach wenigen Minuten ohne große Anstrengung. Neben vielen schönen Grabsteinen habt ihr von hier oben auch einen wunderbaren Blick über Teile der Stadt Glasgow!

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People’s Palace and Winter Garden

Der People’s Palace and Winter Garden ist eine Mischung aus Museum und Erholungsraum. Im roten Sandsteingebäude erzählen historische Gemälde, Fotos und Dokumente über Glasgow und seine Bewohner von 1750 bis heute. Der Eintritt ist frei, die Öffnungszeiten gibt es auf der Seite glasgowlife.org.uk. Das Museum war aber nicht der Grund meines Besuchs, sondern der Wintergarten in Form eines Glaspalasts dahinter. Darin sind eine Menge teils exotische Pflanzen beheimatet, die man auf einem kleinen Rundweg aus der Nähe erkunden kann. Ein Café lädt zu einer Pause ein, wobei ein Capucchino mit Karottenkuchen eine echt leckere Kombination war. Vor dem Gebäude steht übrigens mit dem Doulton Fountain ein mit zahlreichen Details verzierter Brunnen, den ihr euch aus der Nähe ansehen solltet – es handelt sich dabei immerhin um den größten aus Terrakotta gefertigten der Welt!

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Stadtentwicklung an der Clyde Waterfront

Glasgow war früher eine Hochburg, was den Bau von Schiffen und Lokomotiven anbelangte. Mit der fortschreitenden Technisierung kam der Niedergang dieser Industrie und der Verfall der Werften am Clyde River. Mitte der 80er-Jahre ist das Hafengebiet aber in den Fokus von Bauträgern geraten – die Revitalisierung von ca. 20 Kilometern Fläche wurde gestartet, was bis heute andauert. Ich habe mir nur einen kleinen Teil der sogenannten Clyde Waterfront angesehen, aber der hat es in sich! Als stummer Zeitzeuge steht östlich der Innenstadt der Finnieston Crane, ein riesiger Kran zum Verladen der schweren Güter damals. Umgeben ist er aber nicht mehr von alten Fabriken, sondern neuen modernen Gebäuden wie der Mehrzweckhalle SSE Hydro, der Zentrale von BBC Scotland und des Konzerttheaters Clyde Auditorium. Verbunden habe ich den abendlichen Spaziergang an der Clyde Waterfront übrigens mit dem Riverside Museum (leider nur von außen), über das ich euch im nächsten Absatz etwas erzähle. Aus Zeitgründen generell auslassen musste ich leider das Glasgow Science Centre.

HINWEIS

Der Stahlkoloss Finnieston Crane ist super anzusehen, aber für Besucher tabu. Es gibt allerdings einige Kilometer stromaufwärts des Clyde River einen ähnlichen Kran, den man tatsächlich besteigen kann – ich selbst habe das aber nicht getan. Um zum Titan Crane zu kommen, braucht ihr aber leider ein Auto. Mehr Infos dazu auf der Seite titanclydebank.com.

 

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Einen besonders guten Blick auf die Bauwerke hat man sowohl von der modernen Brücke The Clyde Arc als auch ein Stück weiter stromaufwärts von der Bell’s Bridge.

 

Riverside Museum und Tall Ship in Glasgow

Weitere schöne Plätze in Glasgow

Riverside Museum und The Tall Ship

Neben den im vorigen Kapitel vorgestellten, wichtigsten Sehenswürdigkeiten Glasgows gibt es natürlich noch einige weitere netten Plätze, die bis auf eine Ausnahme allesamt in der Innenstadt liegen und somit fußläufig erreichbar sind. Aber ich beginne mit dem etwas außerhalb liegenden architektonischen Schmuckstück, dem Riverside Museum. Von der (leider zu früh verstorbenen) Stararchitektin Zaha Hadid geplant, ist das Gebäude mit dem wellenförmigen Aussehen ein echter Blickfang am Clyde River. Es beherbergt das Verkehrsmuseum und stellt alle möglichen und unmöglichen Fahrzeuge aus Vergangenheit und Gegenwart aus. Der Eintritt ist kostenlos, für einen Besuch war ich aber schon viel zu spät dort. Informiert euch am besten auf der Webseite glasgowlife.org.uk über die Öffnungszeiten.

Vor dem Gebäude liegt mit dem Tall Ship ein Segelschiff vor Anker, das bereits mehrmals die Welt umrundete. Auch hier kann man gratis alles an Bord besichtigen — wenn man untertags vor Ort ist. Nachdem ich schon wusste, dass beide Attraktionen geschlossen haben, bin ich gleich auf die andere Seite des Clyde River gefahren, um von dort zu fotografieren. Das hat auch tolle Bilder gebracht, allerdings ist die Gegend dort etwas verlassen und war mir nicht geheuer. Fahrt dort also abends nicht unbedingt alleine hin. Ich bin dann mit meiner Freundin noch entlang des Clyde River Richtung Fienniston Crane spaziert, was allerdings ein ganz schön langer Fußmarsch ist. Außerdem verläuft der Weg leider nicht durchgehend am Wasser, sodass ich von dieser Route eher abrate.

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Zu den Öffnungszeiten des Riverside Museum und des Tall Ship ist auch eine kleine Fährverbindung von einem Ufer zum anderen in Betrieb. Damit ist es euch möglich, von beiden Seiten aus zu fotografieren. Mehr Infos auf der Seite getintogovan.com.

 

Kleine Schätze in der Innenstadt

In der Innenstadt von Glasgow ist es zuerst einmal sinnvoll, sich treiben und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Dazu eignen sich gut die beiden Fußgängerzonen Buchanan Street und Sauchiehall Street, die mit Geschäften und Lokalen gesäumt sind. Dabei sticht in der Buchanan Street mit dem Einkaufszentrum Princes Square ein Gebäude hervor. Das 1841 eröffnete Haus wurde 1988 zu einem 5-stöckigen Shoppingtempel umgebaut und überzeugt außen durch seine floralen Verzierungen und innen durch die prachtvolle Architektur. Nicht weit davon entfernt lohnt ein Abstecher in den Hauptbahnhof Glasgow Central Station mit seinem mächtigen Dach aus Glas und Eisen. Und für Freunde von Kirchen habe ich auch noch einen Tipp: gleich ums Eck der Glasgow School of Art steht die Kirche Roman Catholic Parish of St Aloysius. Von außen fällt sie überhaupt nicht auf, aber innen ist sie absolut traumhaft!

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Das Rathaus (City Council) in Glasgow

Wenn noch Zeit in Glasgow bleibt

Noch ein paar kurze Tipps, falls ihr zufällig an folgenden Orten vorbeikommt: Im Theatre Royal kann man untertags einfach hineinspazieren und die großartige moderne Treppe aus der Nähe betrachten, wenn man auf so etwas steht. Ich als fanatischer Stiegenhaus-Fotograf musste dort natürlich hin. 😉 Ebenso erging es mir mit dem Grand Central Hotel hinter dem Hauptbahnhof, auch dort wartet eine majestätische Treppe auf den Gast. Eine bizarre Situation könnt ihr vor der Gallery of Modern Art erleben. Dort steht die Reiterstatue des Duke of Wellington, dem ein Leitkegel auf den Kopf gesetzt wurde. Die Stadt ist von dieser witzigen Kunstinstallation nicht begeistert, aber kaum war der Kegel entfernt, wurde er von Unbekannten auch schon wieder zurück auf den Kopf der Statue befördert. 😉 Jetzt ist der Leitkegel fix montiert und gehört zum Stadtbild von Glasgow. Einige Meter weiter könnt ihr noch einen Zwischenstopp auf dem George Square machen und das City Council (Rathaus) bewundern. Zu gerne hätte ich an einer kostenlos angebotenen Führung durch das Haus teilgenommen, aber es hat einfach nicht in unseren dichten Zeitplan gepasst. Wenn ihr Interesse daran habt, seht euch diese Webseite mit den Führungszeiten an: glasgow.gov.uk

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Panorama des Ibrox Stadium der Glasgow Rangers

Eine Stadt, zwei große Fußballclubs

Fußball hat in Schottland einen sehr hohen Stellenwert, wobei sich die meisten Fans zu den beiden Glasgower Vereinen Celtic und Rangers hingezogen fühlen. Das Derby der beiden Teams ist eines der ältesten der Welt, über 400 Begegnungen gab es bisher! Die Rivalität zwischen den Glasgow Rangers und Celtic Glasgow wird auch als Old Firm bezeichnet. Brisant sind die Duelle nicht nur aus sportlicher Sicht, sondern auch aus religiöser. Die Celtics sind der Club der katholisch geprägten irischen Einwanderer, die Rangers dagegen der Club der Protestanten. Für mich war es jedenfalls klar, dass ich beiden Stadien in Form einer Stadium Tour einen Besuch abstatten muss!

Celtic Park (Celtic Glasgow)

Meine erste Station war der Celtic Park von Celtic Glasgow. Das Stadion hat eine Kapazität von 60.832 Sitzplätzen und gefällt mir vor allem durch seine Form sehr gut. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anreise leider wieder einmal etwas umständlich, aber es gibt dennoch eine relativ einfache Variante: vom Hauptbahnhof Glasgow Central Station fährt alle 15 Minuten ein Regionalzug zur Station Bridgeton (vier Minuten Fahrzeit). Von dort geht man noch ca. 15 Minuten zu Fuß entlang der London Road stadtauswärts und kommt dann vor den Haupteingang der Arena. Stadiontouren werden mehrmals täglich angeboten, auf der Webseite celticfc.net könnt ihr alle Termine abrufen und auch gleich Tickets reservieren – pro Person zahlt man GBP 12,50 (EUR 14,20) und eine sinnbefreite Bearbeitungsgebühr. Die Führung wurde durch einen älteren Mitarbeiter des Vereins geleitet, der sichtlich stolz auf Celtic Glasgow ist und viel zu erzählen hatte. Neben den über die Jahre gesammelten Trophäen bekommt man Einblick in die Umkleidekabine, den VIP-Klub, den Presseraum und erst ganz am Schluss endlich auch das Stadion selbst zu Gesicht. Ich muss zugeben, dass mir die Tour nicht besonders gefallen hat. Mir wurde viel zu viel geredet und zu wenig vom Stadion gezeigt, aber das ist wohl Geschmackssache.

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Ibrox Stadium (Glasgow Rangers)

Wesentlich interessanter empfand ich die Stadium Tour in der Heimstätte der Glasgow Rangers. Das Ibrox Stadium bietet 50.947 Sitzplätze und ist sehr einfach zu erreichen. Die Subway-Station Ibrox liegt nur wenige Gassen entfernt. Tickets für eine Führung erhält man auf der Webseite rangers.co.uk, hier kostet ein Ticket gleich GBP 15,- (EUR 17,-) plus erneut eine freche Bearbeitungsgebühr – wie man den Besucher abzockt, wissen beide Vereine aus Glasgow. Aber gut, das Stadion ist bereits von außen ein Prachtstück, denn die rote Sandsteinfassade der Haupttribüne ist äußerst imposant. Überhaupt präsentiert sich das Innenleben der Tribüne extrem pompös mit wunderschönen Verzierungen und großartigen Räumen, damit hätte ich nicht gerechnet! Bei der Führung waren ca. 15 Personen dabei, witzigerweise alles Schotten und ich mitten drin. Der Tourguide hat das natürlich bemerkt und extra für mich versucht, nicht mit dem extrem schwierig zu verstehenden schottischen Akzent zu sprechen. 😉 Neben den bereits angesprochenen prächtigen Räumen sieht man noch den Trophäenraum, die Umkleidekabine und den Presseraum, bevor es auf die VIP-Tribüne und an den Spielfeldrand geht, wo man auf der Ersatzbank Platz nehmen kann. Die Atmosphäre des Stadions kann man da schon sehr gut erahnen, ich liebe solche Momente! Im Vergleich zur Stadium Tour im Celtic Park habe ich mich hier im Ibrox Stadium wirklich viel wohler und besser unterhalten gefühlt.

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ALLGEMEINE TIPPS

Die Glasgow Subway ist eine ringförmige U-Bahn-Linie, die im und gegen den Uhrzeigersinn verkehrt. Ich habe sie gleichzeitig geliebt und verflucht. 😉 Geliebt, weil sie erstens durch ihre engen Wagen und die extrem schmalen Bahnsteige irrsinnig faszinierend zum Ansehen ist; gehasst, weil sie sonntags nur von ca. 10-18 Uhr in Betrieb ist (Montag bis Samstag immerhin von ca. 6:30 bis 23:30 Uhr). Ein Einzelticket (Single) kostet GBP 1,65 (EUR 1,90), eine Hin- und Rückfahrkarte (Return) GBP 3,10 (EUR 3,50) – bei mehr als zwei Fahrten zahlt sich aber schon das Tagesticket (All Day) um GBP 4,- (EUR 4,60) aus. Alle Infos zur U-Bahn gibt es auf der Seite spt.co.uk.

Das öffentliche Bussystem ist eines der schlimmsten und kompliziertesten, die ich je erlebt habe. Es gibt mehrere Anbieter und jeder hat eigene Fahrpläne und eigene Fahrkarten. An vielen Plätzen der Stadt gibt es mehrere Busstationen nebeneinander, weil jeder Anbieter auch seine eigene Station hat — unglaublich verwirrend und mühsam! Ich bin normalerweise kein Fan der überteuerten Hop-On/Hop-Off-Busse, aber in Glasgow würde ich wirklich dazu raten. Alles Infos findet ihr auf der Seite citysightseeingglasgow.co.uk.

Als Konsequenz aus der sonntags nicht fahrenden U-Bahn und dem komplizierten Bussystem habe ich einige Male auf Taxis zurückgegriffen, was ich normalerweise verabscheue. Zugegeben, die Taxifahrten waren schnell und etwa halb so teuer wie eine vergleichbare Fahrt in Wien.

Sie werden euch auf jeden Fall an irgendeiner Ecke auffallen, die künstlerischen Wandgemälde auf Hausmauern. Diese Street Art Murals sind extrem sehenswert und faszinierend! Auf der Seite citycentremuraltrail.co.uk findet ihr einen Plan, wo die Kunstwerke zu finden sind – ohne Gewähr auf Vollständigkeit. 🙂

Der Tipp klingt vielleicht unnötig, aber ich finde ihn trotzdem immer wieder wichtig zu betonen. In Großbritannien herrscht Linksverkehr und man muss an Kreuzungen wirklich aufpassen, wenn man das nicht gewöhnt ist!

In Glasgow bieten enorm viele Museen und Institutionen freien Eintritt in ihre Ausstellungen und Gebäude, was wirklich positiv hervorzuheben ist. Leider wird das teilweise durch die sehr kurzen Öffnungszeiten getrübt. Selbst im Sommer, wenn die Sonne erst sehr spät untergeht, schließen viele Häuser bereits um 17 Uhr ihre Türen. Das müsst ihr auf jeden Fall bei der Tagesplanung einberechnen.

Kommen wir abschließend zum wichtigsten Teil des ganzen Besuchs in Glasgow: Essen und Trinken! 😉 Natürlich muss man in einer schottischen Stadt in ein Pub gehen, um authentisch zu speisen und ein Pint schmackhaften Biers zu trinken. Folgende Lokale kann ich euch bedenkenlos empfehlen: MacSorley’s (42 Jamaica St, kleines Pub mit großer Getränkeauswahl und Livemusik), The Drum & Monkey (91 St Vincent St, größeres Pub mit dezenter Einrichtung, großartige Fish & Chips), The Lauders (76 Sauchiehall St, stilvolles großes Pub, viele Bildschirme mit Live-Übertragungen, ideal für einen Absacker vor dem Schlafengehen) und das Hard Rock Café (179 Buchanan St, tolle Beleuchtung im Treppenhaus, schöne Inneneinrichtung, gewohnte super Qualität beim Legendary Burger).

 

FAZIT

Glasgow war ein kurzer, intensiver und grandioser Auftakt meiner zweiwöchigen Schottland-Reise. Die ehemalige Industriestadt hat sich ihren rauen Charme der vergangenen Zeit behalten, was ich auch sehr wichtig finde. Gleichzeitig entwickelt sich Glasgow aber zu einer modernen Stadt mit freundlichen Menschen, bei denen man sich als Gast willkommen fühlt. Die Anzahl an sehenswerten Plätzen ist enorm und wird nur durch das lückenhafte System der öffentlichen Verkehrsmittel getrübt. Auch wenn Glasgow nicht den Glanz der schottischen Hauptstadt Edinburgh versprüht, ist es dennoch ein wirklich lohnenswerter Ort für einen Besuch.

Reisebericht über Glasgow in Schottland mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.
Reisebericht Zwei Tage Glasgow
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