Edinburgh: Eine Stadt als Gesamtkunstwerk

Blick vom Calton Hill auf Edinburgh

Edinburgh ist mit hoher Wahrscheinlichkeit für die meisten Besucher der erste Kontakt mit Schottland. Die Stadt blickt auf eine langjährige Geschichte zurück und überzeugt von vorne bis hinten mit ihrer zauberhaften Architektur, den hügeligen Stadtteilen, enorm vielfältigen Kulturangeboten und netten Einwohnern. Was es in zwei Tagen alles zu entdecken gibt, möchte ich euch in diesem Artikel erzählen.

Edinburgh

FAKTEN

Aufenthalt: 12. bis 15. Juli 2017
Anreise: Mit dem Mietauto von Fort William nach Edinburgh Airport (ca. 2:50 h), von dort mit der Straßenbahn nach Edinburgh zur Station York Place (0:37 h)
Distanz: 125 Meilen (202 Kilometer)
Unterkunft: The Place Hotel **** (34-38 York Place, Edinburgh EH1 3HU, Webseite): Das Hotel in Edinburgh habe ich als etwas zwiespältig empfunden. Für drei Nächte wollten meine Freundin und ich am Ende der Reise nochmals etwas Bequemes und die Fotos auf der Hotelwebseite haben auch vielversprechend gewirkt. Die Unterkunft liegt direkt an der Endstation der Straßenbahn und ist nur fünf Gehminuten von der Einkaufsstraße Princes Street entfernt. In unmittelbarer Nähe gibt es einen Supermarkt und eine Menge Pubs. Für unser Doppelzimmer mussten wir dann tatsächlich Stufen hinuntergehen, weswegen wir scherzhalber von einem Kellerraum sprachen. Obwohl das Zimmer recht klein war und nur ein Dachfenster hatte, war es trotzdem nicht unangenehm dunkel oder einengend. Das Bett war bequem, das Badezimmer mir persönlich allerdings zu schmal. An die Dusche mit ruckartigem Strahl mussten wir uns auch erst gewöhnen. Im WLAN war es wie bereits in Thurso andauernd notwendig, sich neu einzuloggen, was wirklich auf die Nerven geht. Frühstücken waren wir nicht im Hotel, sondern in einem Café in der Nähe (siehe allgemeine Tipps am Ende des Beitrags). Ich fand das Hotel zwar durchaus gut, aber ehrlich gesagt würde ich es wegen des schlechten Preis-Leistungs-Verhältnisses nicht nochmals buchen.

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Princes Street und Scott Monument in Edinburgh

Großstadt mit internationalem Flair

Die Erkundung der schottischen Hauptstadt haben meine Freundin und ich an das Ende unserer zweiwöchigen Rundreise durch die Highlands und die Isle of Skye gelegt, was nach zehn Tagen Autofahrt im Landesinneren und viel Natur eine große Umgewöhnung ist. Plötzlich ist man wieder von Tausenden Menschen umgeben und bewegt sich innerhalb einer pulsierenden Großstadt – nach wenigen Stunden Aufenthalt war das für mich als Stadtkind aber kein Problem mehr. Von Edinburgh habe ich mir witzigerweise nicht so viel erwartet wie von Glasgow, doch die Stadt hat mir schlussendlich wirklich imponiert. Ich empfinde Edinburgh sogar als Gesamtkunstwerk, das man trotz der vielen Touristen zu jeder Tageszeit voll genießen kann.

Schon nach kurzem Umherflanieren durch die hügeligen Gassen fällt ein großer Unterschied zu Glasgow auf: Edinburgh ist deutlich internationaler, sowohl von den Menschen als auch von der Vielfalt der Restaurants, Cafés und Geschäfte. Es gibt sehr viel Sehenswertes, ein Großteil davon ist dank der zentralen Lage auch fußläufig zu erreichen. Und für die etwas außerhalb liegenden Plätze nutzt man am besten – ein weiterer Gegensatz zu Glasgow – das sehr gute und einfache Bussystem mit Doppelstockwagen wie in London, oder aber die neue Straßenbahn.

DIE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN EDINBURGH UND GLASGOW

Obwohl die beiden größten Städte Schottlands nur eine knappe Stunde auseinander liegen, unterscheiden sie sich massiv voneinander. Das lässt einen Besuch jeweils komplett anders erscheinen. Edinburgh wirkt alleine durch seine mittelalterliche Altstadt und die georgianische Neustadt extrem edel und komplett, während man Glasgow an fast jeder Ecke noch den rauen Charme der ehemals vorherrschenden Schwerindustrie anmerkt.

Edinburgh ist durch seinen internationalen Flughafen meistens der erste Anknüpfungspunkt für Schottland-Besucher und dementsprechend viel touristischer als Glasgow, wo sich Besucher ganz bewusst hinbegeben müssen. Dadurch ist Glasgow auch wesentlich authentischer und natürlicher, da nicht andauernd versucht wird, Touristen zu diversen Angeboten zu locken – diese muss man selbst entdecken. 😉

Zu erkunden ist Edinburgh einfacher, denn die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich relativ zentral. In Glasgow gibt es auch eine Vielzahl an interessanten Orten sowie Museen zu entdecken, doch die Distanzen sind für einen Fußmarsch teilweise schon gewaltig. Das führt mich zu einem weiteren großen Unterschied:

Das öffentliche Verkehrsnetz ist in Glasgow leider sehr, sehr ausbaufähig. Es gibt eine U-Bahn-Linie, die kreisförmig verkehrt – sie deckt allerdings nur einen recht kleinen Bereich der Stadt ab und fährt noch dazu an Sonntagen nur zwischen 10 und 18 Uhr. Das Bussystem ist unfassbar kompliziert, da es mehrere Anbieter mit jeweils eigenem Fahrplan, eigenen Haltestellen und eigenen Tarifen gibt. Ganz anders in Edinburgh: das Bussystem erinnert an die Metropole London, wo man mit einem großen Anbieter (in diesem Fall Lothian Buses) bequem und einfach durch die Straßen ans gewünschte Ziel gelangt. Zusätzlich bietet sich die neue Straßenbahn als Fortbewegungsmittel an. Zusätzlicher Pluspunkt ist, dass mit einem Tagesticket das gemeinsame Benützen von Straßenbahn und fast allen Bussen möglich ist. Alle Infos zu den öffentlichen Verkehrsmitteln findet ihr am Ende des Beitrags.

In kultureller Hinsicht stehen sich beide Städte in nichts nach. Sowohl Glasgow als auch Edinburgh punkten mit spannender Architektur und Dutzenden Museen – die meisten davon sogar kostenlos!

In Glasgow habe ich die Menschen als herzlicher und offener wahrgenommen – oftmals kamen meine Freundin und ich in Smalltalk-Situationen, was wir in Edinburgh überhaupt nicht so empfunden haben. Das ist natürlich auch wenig verwunderlich bei der großen Anzahl an Besuchern.

 


Blick vom Edinburgh Castle auf die Altstadt und Neustadt

Neustadt vs. Altstadt

Edinburgh weist eine besondere Eigenheit auf, die man von den Aussichtspunkten des Edinburgh Castle (siehe nächster Punkt) so richtig gut erkennen kann: neben der mittelalterlichen Old Town (Altstadt) mit ihren verwinkelten Gassen gibt es die rechteckig angelegte New Town (Neustadt) – diese ist aber entgegen ihres Namens ebenfalls bereits sehr alt – 1766 wurde der georgianische Stadtteil nach Plänen des Architekten James Craig angelegt. Auffallend sind dabei die drei parallelen Straßen Princes Street, George Street und Queen Street, die eine Vielzahl an Einkaufsmöglichkeiten und Lokalen beherbergen (mehr zum Essen und Trinken in Edinburgh am Ende des Beitrags).

Die Shoppingmeile Princes Street und die daneben liegende, große Grünfläche Princes Street Gardens stellen auch gleichzeitig die Grenze zur Altstadt dar. Nicht zu übersehen sind auf der Straße das dem schottischen Autor Sir Walter Scott gewidmete Scott Monument und das Riesenrad (Festival Wheel) nur unweit davon entfernt. Von beiden Attraktionen erhält man einen Ausblick auf die Stadt, wir haben dazu aber die kostenlosen Alternativen genutzt (siehe Absatz „Traumhafte Blicke auf Edinburgh“ zu den Aussichtspunkten weiter unten). Für Besucher sehr wichtig ist der zentrale Bahnhof Edinburgh Waverley Station, der mit seinem riesigen Dach in der Gegend wie ein Fremdkörper wirkt. Dort beginnen und enden jedenfalls alle Zugverbindungen in das Landesinnere und darüber hinaus. Auch der Bus in Richtung Flughafen startet hier, mehr Details dazu aber später.

Ein Spaziergang durch die Neustadt ist wirklich ganz anders als das Schlendern durch die engen Gassen und Durchgänge der Altstadt. Alles wirkt durch die breiten Straßen viel offener, aber gleichzeitig auch steriler. Der mittelalterliche Bereich der Stadt ist auf jeden Fall aufregender zu erkunden und auch das bevorzugte Zentrum der Touristen. Bevor ich aber auf die dortigen Sehenswürdigkeiten im Detail eingehe, zeige ich euch einige Fotos der Alt- und Neustadt als Inspiration.

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Edinburgh Castle

Das Edinburgh Castle – reich an Geschichte

Den Besuch in Edinburgh haben meine Freundin und ich mit einem ausgedehnten Spaziergang von unserem Hotel am York Place zum Edinburgh Castle eingeleitet. Dabei erhielten wir bereits einen ersten groben Eindruck der hügeligen Stadt, die an vielen erhöhten Stellen tolle Blicke auf die Umgebung zulässt. Je näher man dann zum Eingang des Schlosses kommt, desto stärker wird auch der Besucherstrom. Die Geschichte des riesigen Burgkomplexes reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück, im Laufe der Zeit wurde das Schloss stark erweitert. Ich verspüre normalerweise eigentlich kein großes Interesse an Burgen und Schlössern, doch um das Edinburgh Castle kam selbst ich nicht herum. 😉

Die Eintrittskarten habe ich schon einige Wochen vor dem Besuch im Internet gekauft, um uns das Anstehen an den Kassen zu ersparen (alle Infos zu Tickets und Öffnungszeiten findet ihr auf der Seite edinburghcastle.gov.uk). Mit GBP 17,- (EUR 19,-) ist der Besuch zwar nicht ganz billig, aber es gibt auch wirklich eine Menge zu sehen – zu den Highlights zählen die Crown Jewels (streng bewachte Kronjuwelen, für die man dann nochmals ca. 30 Minuten extra anstehen muss, was aber durch eine auf dem Weg liegende interessante Ausstellung schnell vergeht), das imposante Scottish National War Memorial (Fotografieren im Inneren leider verboten), der Krönungsstuhl Stone of Destiny und The Great Hall (die Große Halle). Täglich außer Sonntag wird vor Ort um 13 Uhr die One O’Clock Gun abgefeuert, was schon gut 30 Minuten davor viele Schaulustige anzieht. Ich war aber an beiden Tagen meines Besuchs zum Zeitpunkt des Abfeuerns innerhalb eines Gebäudes und habe den Schuss somit nicht gehört.

Was mir ganz besonders gut gefallen hat, waren die großartigen Ausblicke vom Schloss auf die Stadt. Optisch sehr auffallend ist noch der Platz vor der Burg, wo auf der sogenannten Esplanade jährlich im August mit dem Royal Edinburgh Military Tattoo das größte Musikfestival Schottlands gefeiert wird. Dabei wird hauptsächlich militärische Musik gespielt und traditionelle Tänze vorgeführt. Alles in allem solltet ihr für einen Besuch des Edinburgh Castles zwischen zwei und vier Stunden einplanen, je nachdem wie interessiert ihr im Detail an den Ausstellungen seid.

Fotospots

 


Royal Mile in Edinburgh

Royal Mile: Ein prachtvoller Königsweg

Unmittelbar vor dem Zugang zum Edinburgh Castle beginnt die Royal Mile. Der leicht abfallende Straßenzug ist tatsächlich eine schottische Meile (1,81 Kilometer) lang und verbindet das Schloss mit dem Parlament sowie dem Holyrood Palace, welcher die offizielle Residenz der britischen Königin in Schottland ist. Die Royal Mile ist die meistfrequentierte Straße in Edinburgh, leider haben Fußgänger nur im oberen Abschnitt Ruhe vor dem Autoverkehr – der untere Bereich besticht dagegen eher durch Verkehrschaos. Die fast zwei Kilometer lange Straße ist nicht umsonst derart beliebt: zahlreiche Sehenswürdigkeiten und andere Attraktionen reihen sich hier aneinander. Folgend zeige ich euch einige allgemeine Fotos der Royal Mile, danach stelle ich euch jene Orte auf der Prachtstraße vor, die meine Freundin und ich besucht haben.

Fotospots

 

Camera Obscura – ein Ort der Illusion

In jedem Reiseführer wird auf die Camera Obscura and World of Illusions (549 Castlehill) hingewiesen, und das nicht zu unrecht! Es handelt sich dabei um eine interaktive Ausstellung mit allerlei optischen Täuschungen und Illusionen. Als Besucher wird man auf mehreren Stockwerken fast überall dazu aufgerufen, aktiv mitzumachen, alles auszuprobieren, sich täuschen zu lassen und seine Sinne zu prüfen. So gibt es etwa ein Spiegelkabinett, einen Vortextunnel und jede Menge Beispiele, wie Licht und Farbe beim Menschen für Verwirrung sorgen können. Der Eintrittspreis ist mit GBP 15,- (EUR 17,-) zugegeben etwas happig, wir haben uns aber bestens unterhalten gefühlt und fast zwei Stunden dort verbracht. Beim Ticketkauf bekommt man zusätzlich eine fixe Zeit zugewiesen, zu der man sich im obersten Stockwerk auf der Dachterrasse (mit toller Aussicht!) einfinden kann. Im Preis ist nämlich auch eine kurze Vorführung in der kleinen Kuppel des Gebäudes inkludiert – was man dort genau erlebt, möchte ich euch aber nicht verraten. 😉 Alle Infos zu Öffnungszeiten und Preisoptionen findet ihr auf der Webseite camera-obscura.co.uk.

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Closes – enge Durchgänge aus vergangener Zeit

Wenn man auf der Royal Mile entlanggeht, entdeckt man zwischen den Häusern immer wieder sogenannte „Closes“. Diese engen Verbindungsgänge hatten ihren Ursprung im Mittelalter, als die Altstadt Edinburghs langsam ein Problem mit der Überbevölkerung bekam. Die Häuser wurden höher und die Closes führten weg von der Royal Mile hin zu den einfachen Gebäuden, wo die Ärmsten ihr Dasein fristeten. In der Nacht konnten die Zugänge geschlossen und somit die betuchteren Einwohner vor den unerwünschten Besuchern geschützt werden. Die hygienischen Bedingungen waren natürlich eine Katastrophe und 1645 brach in der Altstadt schließlich die Pest aus.

Als Ausgangspunkt nahm man den Bereich rund um Mary King’s Close an und mauerte den betroffenen Bereich mitsamt der Bewohner einfach zu. Seit damals soll der Fluch der dort Verstorbenen existieren – als Besucher kann man sich gegen einen saftigen Eintrittspreis von GBP 14,95 (EUR 17,-) auf einer geführten Tour durch den Untergrund gruseln. Wir erhielten allerdings wegen eines großen Ansturms keine Tickets mehr und verzichteten dann schlussendlich auf das Abenteuer. Wenn es euch interessiert, findet ihr auf der Webseite realmarykingsclose.com alle Infos für einen Besuch.

Als (nicht gleichwertige) Alternative zu Mary King’s Close haben meine Freundin und ich den nur unweit entfernt liegenden Lady Stair’s Close angesehen. Durch den schmalen Durchgang gelangt man auf den Platz Makars‘ Court, der wunderschön anzusehen ist. An Literatur interessierte Besucher kommen dort auf ihre Kosten, denn im architektonisch auffälligsten Haus ist das Scottish Writers‘ Museum untergebracht. Rund um das Gebäude sind in den Boden zahlreiche Platten mit bekannten Zitaten eingelassen, was man auf jeden Fall einmal kurz ansehen sollte.

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St Giles Cathedral

Auf der Royal Mile steht mit der St Giles‘ Cathedral der wichtigste Sakralbrau von Edinburgh. Das Gebäude existiert seit 1120 und wurde nach einem Brand im Jahr 1385 im gotischen Stil wieder aufgebaut. Ich finde die Kirche schon von außen interessant, da sie nicht so hoch gebaut wurde und einen markanten Turm in Form einer Krone aufweist. Ein Besuch ist ganzjährig möglich, die Öffnungszeiten könnt ihr auf der Seite stgilescathedral.org.uk nachlesen. Nach dem Betreten fällt sofort die optisch extrem herausstechende blaue Decke auf, die einen tollen Kontrast zum ansonsten in Orange beleuchteten Kirchenschiff darstellt. Enorm beeindruckend sind die zahlreichen Buntglasfenster mit ihren unglaublich detaillierten Darstellungen. Der wahre Höhepunkt der St Giles‘ Cathedral ist aber The Thistle Chapel im hinteren Teil der Kirche. Die kleine Kapelle besticht durch ihre prachtvolle und architektonisch imposante Ausschmückung – auch typisch schottische Elemente wie ein Dudelsack spielender Engel kommen hier vor und sind witzig anzusehen.

Nach dem Verlassen der Kirche solltet ihr noch kurz auf den Boden rechts vom Ausgang schauen. Dort ist als Steinmosaik das Heart of Midlothian zu finden, an dessen Stelle bis 1817 das Gebäude The Old Tolbooth stand, in dem Hinrichtungen stattfanden. Die Verurteilten spuckten bei ihrem letzten Gang aus Verachtung gegenüber des Rechtssystems auf die Stelle am Boden. Heute tun das die Touristen immer noch, da es Glück bringen soll – warum, ist mir allerdings ein Rätsel.

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Kirche, Parlament und Palast

Gegen Ende der Royal Mile kommt man noch an drei weiteren wichtigen Gebäuden vorbei. Zuerst lohnt sich ein Blick in die von außen schöne, aber unscheinbare Kirche Canongate Kirk, die einem innen in blauer Farbe und schlichter Ausstattung entgegenscheint. Sie ist deshalb von großer Bedeutung, weil hier die kirchlichen Feierlichkeiten abgehalten werden, wenn die Königsfamilie in Edinburgh zu Gast ist.

Nur rund 300 Meter weiter schließt die Royal Mile mit dem Holyrood Palace ab, welcher die offizielle Residenz der britischen Königin in Schottland darstellt. Der Palast ist riesig und kann besichtigt werden, was meine Freundin und ich aus Zeitgründen jedoch ausgelassen haben. Wenn ihr aber daran interessiert seid, findet ihr auf der Seite royalcollection.org.uk alle notwendigen Informationen für einen Besuch.

Unmittelbar neben dem Holyrood Palace steht der 2004 eröffnete moderne Neubau des Scottish Parliament. Schottland hat erst seit 1999 ein eigenständiges Parlament, worauf die Bürger natürlich sehr stolz sind. Die optische Gestaltung des Gebäudes empfinde ich als extrem gut gelungen, es macht als Besucher richtig Spaß, die architektonischen Elemente näher zu betrachten. Nach einer Sicherheitskontrolle kann man das Parlament von innen besichtigen und sich zumindest teilweise frei bewegen. Zu meinem Pech war leider mit dem Plenarsaal der wichtigste und schönste Raum wegen Umbauarbeiten geschlossen. Wie er aussieht, könnt ihr beispielsweise auf dem Reiseblog travelmjn.eu sehen. Empfehlen kann ich euch noch das kleine Café im Inneren, wo man einen sehr guten Zitronenkuchen erhält. Ich habe mir einen einpacken lassen und dann später auf dem Hausberg Arthur’s Seat genossen – aber dazu gleich mehr.

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Blick vom Calton Hill auf das Edinburgh Castle bei Nacht

Traumhafte Blicke auf Edinburgh

Edinburgh besitzt durch seine natürlichen Erhebungen gleich zwei Orte, von denen man einen absolut fantastischen Blick auf die gesamte Stadt werfen kann – und das alles kostenlos. Kostenpflichtige Alternativen, wo man ebenfalls super Blicke auf Edinburgh erhält, sind das Edinburgh Castle, das Scott Monument und das Riesenrad Festival Wheel, das allerdings nur temporär aufgestellt wird.

Arthur’s Seat

Am auffälligsten ist natürlich der 251 Meter hohe Hausberg Arthur’s Seat, der bereits beim Anflug auf den Flughafen von Edinburgh sehr hervorsticht, wenn man auf der linken Seite aus dem Fenster blickt. Es gibt mehrere Wege mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad zum Gipfel und man sollte den Zeitaufwand bis nach oben nicht unterschätzen! Meine Freundin und ich haben den Aufstieg direkt nach dem Besuch des schottischen Parlaments in Angriff genommen, denn der einfachste Weg auf Arthur’s Seat startet nur einige Minuten davon entfernt. Nachdem wir aber schon etwas unter Zeitdruck waren, gingen wir nur ca. 20 Minuten bergauf, bis wir sowieso bereits schon so weit über der Stadt waren, um alles überblicken zu können. Mehr Details zur Geschichte und zum finalen Aufstieg zum Gipfel könnt ihr im Blog myhighlands.de nachlesen.

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Calton Hill

Die zweite natürliche Erhöhung Calton Hill ist nur 103 Meter hoch, was aber auch schon reicht, um Edinburgh perfekt überblicken zu können. Der Vorteil gegenüber Arthur’s Seat ist ganz klar, dass der Hügel recht nahe zur Altstadt sowie Neustadt liegt und somit sehr einfach zu erreichen ist. Am Fuß des Calton Hill geht es über viele Treppen recht schnell bergauf, oben angelangt entdeckt man bei einem Rundgang die Bauwerke National Monument, das Nelson Monument, das Old Observatory House und das City Observatory. Den schönsten und auch bekanntesten Blick erhält man von der Plattform unmittelbar über dem Dugald Stewart Monument – ein idealer Ort zum Fotografieren während der Dämmerung!

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Grassmarket in Edinburgh

Edinburghs versteckte Schätze

Abseits der bekanntesten Sehenswürdigkeiten verstecken sich natürlich in jeder Großstadt auch zahlreiche Orte und Gebäude, die man als Tourist vielleicht nicht sofort auf dem Radar hat. Fünf von solchen Kleinoden möchte ich euch hier vorstellen:

Grassmarket und Victoria Street

Der in früheren Zeiten mittelalterliche Marktplatz Grassmarket liegt südlich am Fuß des Edinburgh Castle und gilt auch heute noch als Mittelpunkt der Altstadt. Der Platz ist aus zwei Gründen für eine Besichtigung interessant. Zum Einen hat man hier und in den umgebenden Straßen eine große Auswahl an Restaurants und Pubs, zum Anderen ist neben den wunderschönen alten Häusern auch der Blick auf das Schloss wirklich sehenswert und ein tolles alternatives Fotomotiv. Eine der anschließenden Straßen ist die mit ihren bunten Häusern herausstechende Victoria Street, die in einer Kurve bergauf führt – unbedingt ansehen!

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Greyfriars Kirkyard und Greyfriars Bobby

Nur ein paar Minuten entfernt ist der Friedhof Greyfriars Kirkyard, auf den es vor allem Fans von Harry Potter abgesehen haben. Die Autorin Joanne K. Rowling hat sich hier von den Namen auf den Grabsteinen inspirieren lassen – so finden sich beispielsweise Thomas Riddell (in den Harry-Potter-Romanen Tom Riddle alias Lord Voldemort) oder William McGonagall (im Roman Minerva McGonagall) wieder. Mit etwas Fantasie entdeckt man natürlich noch viele weitere ähnliche oder gleiche Namen, einen selbst erstellten Plan mit den wichtigsten Gräbern hat die Bloggerin Camille auf frenchkilt.com (französisch) veröffentlicht. Nur 50 Meter vom Friedhof entfernt ist übrigens das Café The Elephant House, in dem Rowling an ihren Büchern gearbeitet hat. In der Auslage wird deshalb gleich vom „Birthplace of Harry Potter“ gesprochen. Und noch ein weiterer Tipp für alle Harry-Potter-Fans unter euch: einen unfassbar detaillierten Artikel zu allen Orten in Edinburgh, die mit Harry Potter in Verbindung stehen, haben Laurence und Jessica Norah auf independenttravelcats.com (englisch) geschrieben.

Neben dem Haupteingang des Friedhofs steht das Pub Greyfriars Bobby’s Bar und direkt davor die Statue Greyfriars Bobby Memorial Statue. Beide erinnern an den Skyeterrier Bobby, der im 19. Jahrhundert nach dem Tod seines Herrchens John Gray 14 Jahre lang an dessen Grab ausgeharrt hat, ehe er dann selbst 1872 verstarb. Der Hund gilt deshalb bis heute als Inbegriff von Treue.

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Dean Village

Etwas abseits der Innenstadt gibt es mit Dean Village ein kleines Viertel mit liebevollen Häusern – man fühlt sich hier wie in einer anderen Zeit. Auch wenn wir schon vom restlichen Sightseeing etwas geschlaucht waren, haben meine Freundin und ich einen ausführlichen Spaziergang unter Bäumen entlang des Flusses Water of Leith gemacht, was sehr empfehlenswert ist. Ein guter Startpunkt ist beispielsweise die Brücke Stockbridge bei der Saunders Street (GPS-Koordinaten), bei der auch eine Bushaltestelle liegt (St Stephen Street, Linien 24, 29, 42). Folgt man dem Fluss, kommt man am St Bernard’s Well vorbei – eine Art griechischer Tempel mit einer Statue der Gesundheitsgöttin Hygieia. Hier fand man 1760 Mineralwasser, dem heilende Wirkung nachgesagt wurde. Nach einiger Zeit stößt man dann in das Viertel Dean Village vor und blickt auf das historisch wichtige Gebäude Well Court von 1880, wo früher die Arbeiter der umliegenden Mühlen wohnten. Vom daneben befindlichen Steg über den Fluss erhält man nochmals einen super Blick auf die Häuser!

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St. John’s Episcopal Church

Die schottische Episkopalkirche St. John’s steht am westlichen Ende der Princes Street und ist von außen zwar ein mächtiges Gebäude, verrät aber noch nicht die spektakuläre Innenansicht. Nach dem Betreten des Gotteshauses wird man von einer ganz eigenen Licht- und Farbstimmung empfangen, wie ich sie noch nicht oft in Sakralbauten erlebt habe. Die Glasfenster strahlen bunt, die Decke springt einen mit ihrem Muster förmlich an. Einen kurzen Abstecher ist die St. John’s Episcopal Church deshalb auf jeden Fall wert, auch wenn man nichts mit Kirchen am Hut hat.

Fotospots

 

Scottish National Portrait Gallery

Das Kunstmuseum Scottish National Portrait Gallery in der Neustadt beherbergt die nationale Sammlung von Porträts, hauptsächlich schottischer Staatsmänner. Ich erwähne es aber nicht wegen der Ausstellungen, sondern wegen des beeindruckenden gotischen Gebäudes. Der rote Sandsteinbau aus dem Jahr 1890 weist eine großartige Eingangshalle auf, die ihr unbedingt ansehen müsst! Der Eintritt in das Museum ist frei, ihr könnt also einfach kurz einen Blick hinein werfen.

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Das Murrayfield Stadium in Edinburgh

Falls noch Zeit bleibt …

In diesem letzten Absatz zeige ich euch noch kurz Orte, die ihr ansehen könnt, falls euch etwas Zeit übrig bleibt. Für Sportfreunde ist vielleicht eine Stadionführung im Murrayfield Stadium interessant. Dieses kann mit der Straßenbahn direkt und einfach von der Innenstadt aus erreicht werden (Station Murrayfield). Die Führung kostet GBP 10,- (EUR 11,20) und bietet Einblicke in das Stadion, die Innenräume und Infos zum legendären Rugbykommentator Bill McLaren. Alles Wissenswerte zur Stadium Tour findet ihr auf der Webseite scottishrugby.org.

Im Vorbeigehen kann man auf der Royal Mile einen schnellen Blick auf das Gebäude Edinburgh City Chambers werfen. Es steht in unmittelbarer Nähe zur St Giles Cathedral und wurde im Jahr 1760 eröffnet. Vor dem Gebäude steht ein Denkmal, das Alexander den Großen bei der Zähmung seines Streitrosses Bukephalos zeigt – gemeinsam ergeben sie ein schönes Erinnerungsfoto.

Kulturell interessierte Besucher finden in der National Galleries of Scotland zwischen Alt- und Neustadt ihr Auslangen. Im sehenswerten klassizistischen Gebäude von 1859 sind Gemälde, Drucke, Zeichnungen und Skulpturen vom 14. bis zum 19. Jahrhundert ausgestellt. Der Eintritt ist kostenlos, alle weiteren Infos gibt es auf der Seite nationalgalleries.org.

Wenn ihr euch als Souvenir einen Dudelsack, eine Decke, einen Schal oder Kilt mitnehmen wollt, seid ihr in der Tartan Weaving Mill and Experience am richtigen Ort. Das unscheinbare Gebäude steht zwischen dem Eingang des Edinburgh Castle und der Camera Obscura – hier kommt man als Tourist also garantiert vorbei. Nach dem Betreten bemerkt man erst, wie viele Stockwerke das Haus in die Tiefe führt. Ganz unten befindet sich eine Weberei und in den Etagen darüber allerhand Produkte wie traditionelle schottische Bekleidung, Textilien aus Schafwolle sowie Kaschmir. Wer es etwas bizarr will, findet auch Schwerter als Andenken – wie man diese nach Hause bringt, ist aber eurer Kreativität überlassen. 😉

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

Der Flughafen Edinburgh liegt nicht allzuweit entfernt im Westen der Stadt. Um in die Stadt oder zurück zum Flughafen zu gelangen, empfehle ich euch die öffentlichen Verkehrsmittel. Mit der Straßenbahn (Single Ticket GBP 5,50 / EUR 6,20, Return Ticket GBP 8,50 / EUR 9,50) fährt man ca. 30 Minuten in die Innenstadt, mit dem blauen Autobus Airlink 100 (Single Ticket GBP 4,50 / EUR 5,-, Return Ticket GBP 7,50 / EUR 8,40) bei geringem Verkehr ebensolang zum Hauptbahnhof Waverly Station. Der Bus hat eher in den Randzeiten den Vorteil, dass er die ganze Nacht fährt, während die Straßenbahn nur von 06:18 Uhr bis 22:48 Uhr verkehrt. Hier noch als Hilfe die GPS-Koordinaten (Satellitenansicht aktivieren!), wo der Bus beim Hauptbahnhof tatsächlich seine Endstation hat, das war mir vor Ort nicht sofort klar.

Beim Sightseeing in Edinburgh könnt ihr prinzipiell das meiste zu Fuß machen. Es summieren sich allerdings über die Tage verteilt doch etliche Kilometer, und gewisse Sehenswürdigkeiten wie Dean Village oder Arthur’s Seat liegen ein Stück weit entfernt von der Innenstadt. Wenn ihr die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen wollt, dann bietet sich ab drei Fahrten ein Tagesticket um GBP 4,- (EUR 4,50) an, mit dem ihr sowohl die Straßenbahn als auch die Busse der Gesellschaft Lothian Buses nutzen könnt (aber nicht zum Flughafen, siehe oben!). Alternativ kostet ein Einzelfahrschein GBP 1,60 (EUR 1,80). Aufpassen müsst ihr nur, dass andere Busgesellschaften wie Service 13 von Edinburgh Coach Lines die Tickets nicht akzeptieren. Das habe ich bemerkt, als ich von Dean Village mit der Linie 13 zurückfahren wollte und mein Tagesticket nicht gültig war. Die Busfahrer geben auch kein Wechselgeld, also immer etwas Kleingeld dabei haben! Hier noch die Links zu den Netzplänen: Edinburgh Trams und Lothian Buses.

Wenn ihr einen Besuch im Hochsommer plant, dann beachtet das Musikfestival Royal Edinburgh Military Tattoo. Diese Veranstaltung findet immer im August statt und ist bei Touristen wie Einheimischen äußerst beliebt. Dementsprechend schießen die Hotelpreise zu dieser Zeit extrem in die Höhe. Wenn ihr also nicht vorrangig wegen des Festivals nach Edinburgh reist, solltet ihr eher einen alternativen Reisetermin suchen.

Edinburgh bietet eine riesige Anzahl an Pubs und Lokalen mit internationaler Küche. Meine Freundin und ich haben uns aber auf die schottischen Pubs konzentriert, von denen wir folgende getestet haben. The Theatre Royal Bar (25-27 Greenside Ln, großes Lokale mit sehr gutem Burger), The Conan Doyle (71-73 York Pl, wunderschön heimelig eingerichtet und ideal für einen Absacker), Deacon Brodies Tavern (435 Lawnmarket, idealer Zwischenstopp auf der Royal Mile um ein Pint zu trinken), World’s End Pub (2-8 High St, legendäres und sehr bekanntes Pub, wo es Spaß macht ein Bier zu genießen) und Dirty Dick’s Bar (159 Rose St, perfekte Fish & Chips in etwas dunkler und skurriler Atmosphäre). Generell findet ihr auf der Rose Street extrem viele Lokale mit guter Stimmung! Gefrühstückt haben wir zweimal in unmittelbarer Nähe zu unserem Hotel im The Square Café (17 N St Andrew St, New Town). Dort gibt es sowohl klassisches Scottish Breakfast als auch interkontinentales Frühstück. Zwiespältig sehe ich The Piemaker (38 South Bridge), wo man typische Pies als Snack erhält. Wir probierten einen mit Fleisch, der mich aber alles andere als überzeugt hat. Das ist aber natürlich subjektiv, also lasst euch vom Probieren nicht abhalten! 😉

 

FAZIT

Edinburgh war der krönende Abschluss einer zweiwöchigen Rundreise durch Schottland. Meine Freundin und ich haben dabei nochmals alles gegeben, um die Highlights der schottischen Hauptstadt zu entdecken und zu erleben. Edinburgh ist wahrhaft ein einzigartiges Gesamtkunstwerk, das an jeder Ecke von Neuem verzaubert und in seinen Bann zieht. Neben den architektonischen Schätzen beeindrucken die natürlichen Erhebungen der Stadt, von denen sich alles herrlich überblicken lässt. Verhungern muss man auch nicht, die gebotene Anzahl an Pubs und Lokalen mit internationaler Küche ist unglaublich vielfältig. Edinburgh gehört für mich definitiv auch auf eure Reiseliste! 🙂

 

Reisebericht zu Edinburgh in Schottland mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps.

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5 Kommentare

  1. […] Edinburgh: Eine Stadt als Gesamtkunstwerk […]

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  4. Susanna T. sagt: Antworten

    Oh jeh, jetzt habe ich ein Fernwehziel mehr! 😀 😀 😀
    Fantastische Beschreibung und besser als jeder Reiseführer – die Bilder sowieso! ;o)
    GLG Susanna

    1. Danke Susanna! 🙂

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