Kurztrip in das weihnachtliche Sopron

Hauptplatz von Sopron mit Ziegenkirche und Weihnachtsmarkt

Auf der Suche nach neuen liebevollen Städten, die während der Adventzeit mit stimmungsvollen Weihnachtsmärkten punkten, bin ich wieder einmal ganz in der Nähe von meiner Heimatstadt Wien fündig geworden. Die ungarische Mittelstadt Sopron ist nur wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt und hat mich durch ihren bezaubernden Altstadtkern sofort in den Bann gezogen.

Sopron (Ödenburg)

FAKTEN

Reisezeit: Anfang Dezember 2007 (Tagesausflug)
Anreise: Mit dem Zug von Wien Hauptbahnhof nach Sopron (1:18 h)
Weihnachtsmarkt: 1. bis 23. Dezember 2017 auf dem Grabenring (Várkerület) bzw. einige wenige Stände auf dem Hauptplatz (Fö tér)

Sopron – mehr als Zahnärzte

Als ich meinen Freunden davon erzählte, dass ich für einen Tag nach Sopron fahren würde, waren die Reaktionen witzigerweise alle dieselben: „Lässt du dir die Zähne machen?“ Der mittelgroßen ungarischen Stadt mit rund 60.000 Einwohnern eilt also ein etwas zweifelhafter Ruf voraus, der sich vor Ort auch tatsächlich optisch bemerkbar macht. An allen Ecken und Enden findet man Hinweisschilder, die auf den nächsten Zahnarzt aufmerksam machen. Außerdem ist Sopron bekannt für seine zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten und Beautysalons. Das war aber natürlich nicht der Grund meines Besuchs. Vielmehr wollte ich den dortigen Weihnachtsmarkt aus der Nähe erleben und gleichzeitig die Stadt etwas erkunden. Bei der Recherche nach Sehenswürdigkeiten sind mir zwar nicht allzu viele untergekommen, aber für einen Tagesausflug bietet Sopron auch abseits des Weihnachtsmarkts genügend Spannendes zum Ansehen.


Buchstabenlogo von Sopron

Der Weg in die Altstadt

Mit dem Zug gelangt man von Wien aus in etwas mehr als einer Stunde zum Bahnhof in Sopron. Von dort sind es nur 10-15 Minuten Fußweg, bis man in der Innenstadt ankommt. Unterwegs lohnt ein Blick in die am Weg liegende Dominikanerkirche (Domonkos Rendház), die zwischen 1719-1725 erbaut wurde und eine wunderschöne barocke Innenausstattung aufweist.

Ebenfalls nicht entgehen lassen solltet ihr euch das Petőfi-Theater (Petőfi Színház) mit seiner spektakulären gelben Jugendstilfassade unweit des Platzes Széchenyi tér. Ich hätte dort liebend gerne einen Blick hinein geworfen, aber auch die Außenansicht war schon den kleinen Umweg wirklich wert.

Fotospots

Auf dem Platz Széchenyi tér, wo auch die Dominikanerkirche steht, lässt sich ein tolles gemeinsames Motiv mit den beiden Kirchtürmen, einer historischen Uhr und dem Denkmal des ersten Ehrenbürgers der Stadt – Graf István Széchenyi – verwirklichen.

 


Blick vom Feuerturm auf den Hauptplatz von Sopron

Die Höhepunkte Soprons

Das Angenehme an Sopron ist, dass sich fast alle Sehenswürdigkeiten auf engem Raum befinden und einfach zu Fuß erkundet werden können. Nachfolgend stelle ich sie euch etwas genauer vor.

Feuerturm (Tűztorony)

Das Wahrzeichen der Stadt ist der 58 Meter hohe Feuerturm von 1676 mit seiner markanten Zwiebelkuppel und dem barocken Rundbalkon. In der Vergangenheit hatten die darauf postierten Turmwächter gleich mehrere Aufgaben durchzuführen: das Anzeigen von Bränden und feindlichen Truppen, das Melden der Uhrzeit mit Trompeten und das Musizieren bei Hochzeiten sowie anderen Feiern. Vom Aussehen her hat mich der Feuerturm sofort an den Schlossturm von Český Krumlov erinnert.

Unterhalb des Feuerturms durchquert man das Tor der Treue – ein barocker Torbogen, der erst 1928 errichtet wurde. Er erinnert an die Volksabstimmung vom 14. Dezember 1921, als sich Sopron und andere Gemeinden dafür entschieden, bei Ungarn zu bleiben. Über dem Bogen sieht man eine Skulpturengruppe, in der Hungaria die treuen Bürger um sich versammelt und die Inschrift „A nemzet Sopronnak” („Für Sopron von der Nation“).

Der Balkon des Feuerturms kann auch über rund 200 Stufen bestiegen werden (Eintritt HUF 1.150,- / 3,70 EUR), was einen guten Ausblick auf die Stadt ermöglicht. Den Hauptplatz sieht man leider nur etwas verdeckt, aber ich empfehle euch dennoch einen Aufstieg. Der Zugang zum Balkon befindet sich übrigens nicht am Ende der Stufen, sondern eine Ebene darunter durch eine Stahltür. Die Öffnungszeiten findet ihr auf der Seite tuztorony.sopron.hu. Leider liefert die englische Seite eine konstante Fehlermeldung, deshalb kann ich euch nur die ungarische Fassung bieten. Aber mit etwas Fantasie oder einer Übersetzungswebseite findet ihr sicher heraus, ob der Turm zum Zeitpunkt eures Besuchs geöffnet hat. 😉

Fotospots

 

Der Hauptplatz (Fö tér) und seine Bauwerke

Direkt vor dem Feuerturm erstreckt sich der Hauptplatz, auf dem es einige historische Gebäude zu sehen gibt. Das Rathaus (Városháza) im Stil des späten Historismus ist nicht so pompös und auffallend wie andere, es gefällt mir aber wegen der Arkaden sehr gut.

Gegenüber steht das in gelber barocker Fassade gehaltene Storno-Haus (Storno-ház), das nach dem Restaurator und Maler Ferenc Storno benannt ist. Es zählt zu den schönsten Gebäuden Soprons und bietet im Inneren eine Sammlung der Familie Storno mit vergangener Inneneinrichtung. Ich habe es aus Zeitgründen nicht besichtigt, wenn ihr das aber tun wollt, findet ihr auf der Webseite sopronimuzeum.hu die Öffnungszeiten.

In der Mitte des Hauptplatzes sticht weiters die barocke Dreifaltigkeitssäule (Szentháromság-szobor) aus dem Jahr 1701 ins Auge. Wie auch viele andere Säulen in europäischen Städten wurde sie aus Dankbarbeit aufgestellt, nachdem die Pest vorüber war. Das Besondere an dieser Pestsäule ist aber, dass eine gedrehte Verzierung ausgeführt wurde – etwas, was zuvor nur innerhalb von Gebäuden zur Anwendung kam.

Einen Höhepunkt stellt die Benediktinerkirche (Bencés templom) dar, die auch unter dem Namen Ziegenkirche (Kecske templom) bekannt ist. Sie wurde seit dem 13. Jahrhundert mehrmals umgebaut und ist ein sehenswertes Beispiel für Gotik mit barocken Elementen. Für die Besichtigung müsst ihr Eintritt bezahlen: ein Kombiticket für alle Bereiche der Kirche ist mit HUF 900,- (EUR 2,90) aber mehr als leistbar und zahlt sich aus. Die Öffnungszeiten findet ihr auf der Seite bencessopron.hu.

Fotospots

 


Altstadt von Sopron mit Blick auf die Ursulinenkirche

Weitere sehenswerte Orte in Sopron

Neben den gerade vorgestellten wichtigsten Sehenswürdigkeiten gibt es noch weitere Plätze in Sopron, die ich euch näherbringen will. Generell ist es sinnvoll, einfach mal ohne Plan durch die ohnehin extrem kleine Altstadt zu gehen und sich an den zahlreichen historischen Fassaden zu erfreuen. In den Gassen ergeben sich teilweise tolle Fotogelegenheiten, wenn in der Ferne der Feuerturm oder andere Türme in das Bild rücken.

Auf der Rückseite des Rathauses können die Überreste der alten Stadtmauer (Várfalsétány) besichtigt werden. Sopron hatte zwar nie eine richtige Burg, aber dennoch eine stabile Mauer, die vor ungebetenen Gästen schützen sollte. Vom Grabenring (Várkerület) aus sieht man auch noch gut eine alte Bastion und dahinter die Georgskirche.

Vergesst auch nicht, die Ursulinenkirche (Szent Orsolya templom és zárda) zu betreten, die zwar nur einen Einblick durch ein Gitter ermöglicht, aber dieser ist dafür sehr gut. Die Kirche stammt aus dem Jahr 1864 und ist im romantisch-neugotischen Baustil gehalten. Vor dem Eingang sticht auf dem Ursulinenplatz (Orsolya tér) noch der hübsche Marienbrunnen (Mária-kút) hervor. Das aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Kunstwerk wurde durch einen Luftangriff schwer beschädigt, mit den Überresten aber wieder neu gemeißelt.

Auslassen musste ich leider die Alte Synagoge (Ó-Zsinagóga), deren Türschild zwar eine Öffnung andeutete, aber dennoch verschlossen war. Die Webseite sopronimuzeum.hu gibt jedoch die richtige Auskunft über den Umstand, dass die Synagoge im November und Dezember geschlossen ist.

Fotospots

 


Weihnachtsmarkt in Sopron

Der Weihnachtsmarkt von Sopron

Kommen wir nun nach den Sehenswürdigkeiten der Stadt zum zweiten Grund, warum ich nach Sopron wollte: der Weihnachtsmarkt. Eigentlich sollte man davon ausgehen können, dass die Stände der Anbieter auf dem zentralen Hauptplatz (Fö tér) aufgebaut sind – doch es ist ein wenig anders. Anscheinend aus Platzgründen stehen die weihnachtlichen Holzhütten aufgereiht auf dem Grabenring (Várkerület), der aufgrund seiner Breite und der historischen Häuserfassaden ebenfalls einen idealen und vor allem würdigen Rahmen darstellt. Während untertags noch sehr wenige Menschen unterwegs sind, geht es mit Einbruch der Dämmerung richtig los und die Leute strömen auf den Weihnachtsmarkt.

Auf dem Hauptplatz selbst werden nur an einer Handvoll Stände Punsch und Essen ausgegeben. Dafür ist dort der riesige, mit vielen Lichtern auf den dichten Zweigen prachtvoll geschmückte Weihnachtsbaum aufgestellt. Darunter wohnen temporär drei Schafe und grasen direkt vor einer kleinen Krippe. Hinter dem Baum ist zwischen den Säulen des klassizistischen Komitatshaus ein großer Adventskalender angebracht. Mit der folgenden Bilderstrecke vom Weihnachtsmarkt möchte ich euch nun Lust darauf machen, Sopron in der Adventzeit selbst einen Besuch abzustatten.

Weihnachtsmarkt in Sopron
Entlang des Grabenrings (Várkerület), der außerhalb der alten Stadtmauer verläuft, sind die zahlreichen Stände des Weihnachtsmarkts aufgebaut.
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Weihnachtsmarkt in Sopron
Die wunderschönen Fassaden der historischen Häuser bilden einen würdigen Rahmen für den Weihnachtsmarkt.
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Weihnachtsmarkt in Sopron
Zum Sehen und Staunen gibt es einiges: von traditionellen Tüchern sowie Tischdecken über eingelegte Früchte in Honig bis hin zu liebevollen Blumengestecken aus Keramik sowie kitschigen Christbaumkugeln – und natürlich noch vieles mehr!
Bild oben links: Aufnahmeort anzeigen / Bild oben rechts: Aufnahmeort anzeigen
Bild unten links: Aufnahmeort anzeigen / Bild unten rechts: Aufnahmeort anzeigen
Weihnachtsmarkt in Sopron
Besonders bekannt ist Ungarn natürlich auch für seine Salami. An einem eigenen Stand werden neben der deftigen Wurst noch Käse, Speck und Brot zum Verkosten und Kaufen angeboten.
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Weihnachtsmarkt in Sopron
Doch damit ist es nicht getan: überall auf dem Weihnachtsmarkt von Sopron wird man von kulinarischen Köstlichkeiten verfolgt.
Bild oben links: Aufnahmeort anzeigen / Bild oben rechts: Aufnahmeort anzeigen
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Weihnachtsmarkt in Sopron
Auf dem nur unweit vom Grabenring entfernten Hauptplatz von Sopron geht es weitaus besinnlicher zu. Hier sind nur sehr wenige Stände aufgebaut, dafür gibt es vor historischer Kulisse einen prachtvollen Weihnachtsbaum und einen riesigen Adventkalender.
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Weihnachtsmarkt in Sopron
Vor der kleinen Krippe neben dem Weihnachtsbaum tummeln sich drei Schafe, wobei sich hier auf meinem Foto nur eines zeigen wollte.
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Weihnachtsmarkt in Sopron
Zurück zum Grabenring, wo es wirklich Spaß macht, vor den Überresten der Stadtmauer und der Kirche St. Georg im Hintergrund seinen Glühwein zu genießen.
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Weihnachtsmarkt in Sopron
Abschließend noch zwei Heißmacher für alle Naschkatzen unter euch! Die frisch über Holzkohle gebackenen, riesigen Baumkuchen und die Mehlspeisen am Stand des Café Zwinger helfen garantiert nicht beim Abnehmen – aber sie machen glücklich. 😉
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Bild rechts: Aufnahmeort anzeigen

 

KULINARISCHE TIPPS

Aus kulinarischer Sicht kann man nach einem Tagesausflug natürlich nicht so viele Tipps geben. Dennoch habe ich vier interessante Punkte für euch zusammengestellt. Einen sehr guten Kaffee und typisch ungarische Süßspeisen kann man im liebevoll gestalteten Café Zwinger Kávéház (Várkerület 92) genießen. Dazu habe ich ein Maroniherz (Gesztenyeszív) probiert, das ausgezeichnet geschmeckt hat.

Auf der Suche nach etwas Herzhaftem bin ich im Restaurant Gambrinus im gleichnamigen Haus auf dem Hauptplatz gelandet. Die Speisekarte hat eher mit typisch tschechischer statt ungarischer Küche geglänzt – nachdem ich beides liebe, ist mir das im Normalfall egal. In Sopron wollte ich aber unbedingt Ungarisch essen, weswegen ich mich schlussendlich „nur“ für eine kleine Gulaschsuppe entschieden habe. Diese war dann aber mehr als ausreichend groß und vor allem mit allerlei Inhalt gefüllt. Kurz gesagt: großartig, sättigend und eine klare Empfehlung!

Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es für Naschkatzen den in Ungarn überall anzutreffenden Baumkuchen (Kürtöskalács), der frisch über Holzkohle gebacken wird. Allerdings habe ich noch nirgendwo zuvor einen derart riesigen Baumkuchen gesehen wie in Sopron, wow! Der Preis war mit rund drei Euro auch mehr als angemessen – vor allem wenn man bedenkt, dass auf dem Christkindlmarkt in Salzburg ein halb so großes Stück um satte sechs Euro angeboten wird.

Mein zweites Highlight nach der Gulaschsuppe war der Langos-Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Das Langos wurde frisch in Fett herausgebacken und dann mit Knoblauch, Rahm, Käse, Zwiebel sowie Speck bestreut. Ein kalorienreiches, aber so unglaublich gutes Essen – unbedingt probieren! Vor allem schmeckt das authentische Langos gleich so viel besser, wenn man die billigen und qualitativ schrecklichen Langos aus dem Wiener Prater oder anderen Vergnügungsparks kennt, die außer dem Namen wirklich nichts mit dem ungarischen Pendant gemeinsam haben.

 

FAZIT

Mein Tagesausflug zum Weihnachtsmarkt in Sopron war zwar kurz, aber dafür äußerst unterhaltsam und interessant. Die Anreise geht von Wien aus sehr schnell und vom Bahnhof ist man zu Fuß in nur wenigen Minuten mitten im Geschehen. Die zahlreichen Stände auf dem Grabenring sind umrahmt von den historisch sehenswerten Gebäudefassaden. Auf dem wunderschönen Hauptplatz von Sopron geht es mit nur wenigen Ständen besinnlicher zu, was einen guten Gegenpol zum quirligen Treiben auf dem Grabenring darstellt. Die Sehenswürdigkeiten der mittelgroßen ungarischen Stadt lassen sich ebenfalls wunderbar in kurzer Zeit aufsuchen und bestaunen. Somit kann ich euch diesen Kurztrip sehr empfehlen, wenn ihr an einer neuen Stadterfahrung interessiert seid und gleichzeitig etwas Weihnachtsstimmung erleben wollt. 🙂

 

Sopron in Ungarn: Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, dem Weihnachtsmarkt, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps.Sopron in Ungarn: Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, dem Weihnachtsmarkt, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps.

Sopron in Ungarn: Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, dem Weihnachtsmarkt, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps.

3 Kommentare

  1. Istvan Keszei sagt: Antworten

    Gratuliere für die fantastische fotos von Sopron!

    1. Danke Istvan!

  2. Taschner Tamás sagt: Antworten

    Interresant, wie sieht uns ein Gast aus Wien. Ödenburg/Sopron ist natürlich mehr, aber wir haben noch viel zu tun, wenn wir unsere Werte ( die Krönungen, Franz Liszt Kult, usw.) vorstellen wollen. Elite Tours aus Wien hat eine Tagesreise – Unbekanntes Sopron, wann nicht nur das Klischee unserer Stadt gezeigt wird. Trotzdem gefällt mir der Bericht und danke für den Besuch.

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