Der Bahnwanderweg am Semmering

Der Semmering Bahnwanderweg

In den Wintermonaten schlägt das trübe Wetter in einer Großstadt wie Wien schon mal auf das Gemüt. Kein Schnee, dafür jede Menge graue Wolken mit Regenschauern und Windböen – Zeit, den Ort zu wechseln! Was gibt es da Besseres für Geist und Seele, als etwas Wandern zu gehen? Als Ziel habe ich mir dafür den berühmten Bahnwanderweg am Semmering ausgesucht, der auch im Winter traumhaft zu begehen ist!

Semmering Bahnwanderweg

FAKTEN

Reisezeit: Anfang Februar 2017 (Tagesausflug)
Anreise mit dem Zug: Von Wien Hauptbahnhof mit dem Railjet direkt nach Semmering Bahnhof (1:16 h).
Rückreise mit dem Zug: Je nach gewähltem Ende der Wanderung von den Bahnhöfen Breitenstein, Klamm, Payerbach oder Gloggnitz mit dem Regionalzug zurück. Fahrpläne und Online-Tickets auf tickets.oebb.at
Anreise mit dem Auto: Von Wien über die A2 und S6 bis Maria Schutz, dann Richtung Semmering bis zum Parkplatz am Bahnhof (ca. 1:00h). Rückfahrt zum Bahnhof Semmering dann mit dem Regionalzug.
Gehzeit Bahnhof Semmering – Breitenstein: ca. 3:00 Stunden (bei Schneelage etwas mehr Zeit einplanen)
Distanz: 10,1 Kilometer, Aufstieg 404 Höhenmeter, Abstieg 506 Höhenmeter (Routenprofil der gesamten, 23 Kilometer langen Wanderung auf bergfex.at)
Schwierigkeit: einfach bis mittel, Ausdauer und an manchen Stellen Trittsicherheit erforderlich!

Wanderweg mit Ausblick

Eisenbahnfans kennen ihn wegen seiner tollen Aussichtspunkte auf die Bahnstrecke sowieso, aber auch alle anderen Naturbegeisterten sollten ihn unbedingt einmal abgehen: den Semmering Bahnwanderweg. Es handelt sich dabei um einen insgesamt 23 Kilometer langen, landschaftlich sehr reizvollen Wanderweg in Niederösterreich vom Bahnhof Semmering bis nach Gloggnitz. Das Angenehme an der Sache: man kann je nach Kondition auch schon an den dazwischen liegenden Bahnhöfen Breitenstein (10 Kilometer), Klamm (15 Kilometer) oder Payerbach (21 Kiloemter) die Tour beenden und mit dem Zug wieder zurück an den Ausgangspunkt fahren. Die Semmeringbahn ist eine Teilstrecke der Südbahn in Österreich – sie wurde von Carl von Ghega geplant und 1854 eröffnet. Besonders bekannt ist die Strecke wegen ihrer zahlreichen Viadukte und Tunnel sowie des sogenannten 20-Schilling-Blicks, über den ihr weiter unten noch mehr erfährt. Seit 1998 gehört die Semmeringbahn zum UNESCO-Weltkulturerbe.

In diesem Beitrag zeige ich euch Fotos und Eindrücke vom Abschnitt Bahnhof Semmering – Breitenstein. Normalerweise ist der Bahnwanderweg am Semmering eigentlich ein Ziel in den warmen Monaten. Ich wollte aber unbedingt in den Schnee hinaus und habe ihn deshalb mit meiner Freundin einfach im Winter aufgesucht. Es gibt bis auf wenige Ausnahmen keine Probleme bei der Begehung in winterlichen Bedingungen, nur ab und zu mussten wir durch etwas tieferen Neuschnee stapfen. Die Markierung des Weges ist vorbildlich und zu keinem Zeitpunkt missverständlich – etwas, das ich in Österreich generell sehr schätze. Ein weiterer Pluspunkt, der für die Wanderung in den kalten Monaten spricht: man begegnet so gut wie keinen Menschen und kann die Natur so richtig in Ruhe aufsaugen. Stellenweise waren wir sogar die ersten, die Spuren in den Schnee setzen konnten. Nun starte ich aber mit den Fotos und gebe euch in den Bildunterschriften weitere interessante Details zum Bahnwanderweg.

Railjet im Bahnhof Semmering
Der Ausgangspunkt des Bahnwanderwegs ist meistens der Bahnhof Semmering, da man dort direkt mit dem Zug hinfahren kann. Es spricht aber auch nichts dagegen, mit einmal Umsteigen zu den Bahnhöfen Gloggnitz, Klamm oder Breitenstein zu fahren und die Wanderung in gegensätzlicher Richtung zu starten.
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Denkmal von Carl von Ghega und ein alter blauer Triebwagen auf dem Bahnhof Semmering
Am Bahnhof Semmering sollte man vor dem Beginn der Wanderung kurz etwas Aufmerksamkeit dem historischen blauen Triebwagen und dem daneben befindlichen Denkmal für Carl von Ghega – dem Erbauer der Semmeringbahn – widmen.
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Winter auf dem Semmering Bahnwanderweg
Der Bahnwanderweg am Semmering beginnt flach und harmlos. Ein relativ schmaler Pfad führt zuerst direkt an der Bahnstrecke entlang, danach etwas abseits durch den Wald.
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Südbahnhotel auf dem Semmering im Winter
Bald schon kommt man zum Aussichtspunkt Doppelreiterkogel, von dem sich das mächtige Südbahnhotel in seiner ganzen Pracht ansehen lässt. Es war das allererste Hotel auf dem Semmering und wurde 1882 eröffnet. Durch die Bahnerschließung war das Gebiet ein beliebter Kur- und Ferienort und das Hotel somit sehr gut gebucht (Stichwort Sommerfrische). Seit den 60er-Jahren steht das Gebäude allerdings leer, aktuell wird nach einem Konzept für die Nachnutzung gesucht.
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Railjet auf der Semmeringbahn bei Breitenstein
Ein Railjet der ÖBB auf der Semmeringbahn fährt über das Viadukt der Krauselklause und den kurzen Krauseltunnel. Diesen Anblick genießt man übrigens ebenfalls – wie auch das nachfolgende Foto – von der Aussichtswarte Doppelreiterkogel.
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Weinzettelwand-Tunnel auf der Semmeringbahn
Östlich des Bahnhofs Breitenstein sticht die Weinzettelwand-Tunnel optisch hervor. Ursprünglich sollte die Strecke an dieser Stelle im Freien verlaufen, beim Bau kamen allerdings durch einen Felssturz 14 Bauarbeiter ums Leben. Die Strecke wurde daraufhin in einen Tunnel versetzt, dessen Öffnungen heute beim Vorbeifahren mit dem Zug schöne – wenn auch kurze – Ausblicke ermöglichen.
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Semmering Bahnwanderweg im Winter
Nach der Aussichtswarte Doppelreiterkogel führt der Wanderweg weiter durch dichten Wald. Trotz der ca. 15 Zentimeter Schnee war das Begehen des schmalen Pfades aber dennoch kein Problem. Nur an wenigen Stellen ist etwas mehr Aufmerksamkeit gefordert.
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Foto rechts: Aufnahmeort anzeigen
Aussichtplattform 20-Schilling-Blick auf dem Bahnwanderweg am Semmering
Das große Ziel des Bahnwanderwegs am Semmering ist ganz klar der Aussichtspunkt „20-Schilling-Blick“, wo eine Infotafel den Ursprung des Namens ausführlich erklärt.
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20-Schilling-Blick auf dem Semmering Bahnwanderweg im Winter
Und das ist er, der berühmte 20-Schilling-Blick im Winter. Diese malerische Ansicht der Landschaft zeigt von der Mitte nach rechts die Kalte Rinne (das bekannteste Viadukt der Semmeringbahn), die Polleroswand, das Krauselklauseviadukt und den Krauseltunnel. Der Name kommt daher, weil diese Ansicht von 1968 bis 1989 auf dem 20-Schilling-Schein der Republik Österreich abgedruckt war.
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20-Schilling-Blick auf dem Semmering Bahnwanderweg im Winter
Das Fotografieren oder einfach nur in die Ferne schweifen ist von diesem Aussichtspunkt sowieso schon ein Erlebnis. Zusätzlich gibt es aber auch noch den Wiener-Alpen-Viewer, der eine gänzlich neue Sicht auf den 20-Schilling-Blick zulässt.
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20-Schilling-Blick auf dem Semmering Bahnwanderweg im Winter
Das ist das Ergebnis, wenn man durch den Wiener-Alpen-Viewer durchfotografiert. In der Mitte sieht man die klassische Ansicht, die sich in den Spiegeln des Viewers faszinierend vervielfältigt.
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Viadukt Kalte Rinne auf der Semmeringbahn in Winter
Vom 20-Schilling-Blick ist es noch ein gehöriges Stück zum Bahnhof Breitenstein, da der Weg eine große Kurve nimmt, die man nicht sofort sieht. Dafür kommt man nach einiger Anstrengung und mehreren Steigungen schließlich zum zweiten Höhepunkt der Wanderung. Die Kalte Rinne ist das größte und auch eindrucksvollste Viadukt der Semmeringbahn.
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Viadukt Kalte Rinne auf der Semmeringbahn in Winter
Der Bahnwanderweg am Semmering führt den Wanderer hinunter auf die Straße unterhalb des Viadukts. Dort fällt das bunte Mosaik „Kalte Rinne“ des österreichischen Künstlers Christian Ludwig Attersee auf, das zur Attraktivierung des Wanderwegs geschaffen wurde.
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Viadukt Kalte Rinne auf der Semmeringbahn in Winter
Über die wenig attraktive Straße geht es die letzten Minuten nach Breitenstein. Dafür entschädigt die wundervolle Ansicht des Viadukts „Kalte Rinne“, wenn man sich nach einigen Metern nochmals umdreht.
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Ein Railjet im Bahnhof Breitenstein auf der Semmeringbahn in Winter
Unser Ziel war nach knapp dreieinhalb Stunden Wanderung erreicht. Im Bahnhof Breitenstein ging es dann mit einem Regionalzug (nicht der abgebildete Railjet, dieser hält nicht in Breitenstein) nach Payerbach-Reichenau und von dort mit einem weiteren Regionalzug zurück nach Wien.
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FAZIT

Die Wanderung entlang des Semmering Bahnwanderwegs habe ich von der ersten bis zur letzten Minute genossen. Der Weg führt über weite Strecken direkt entlang der Bahnstrecke und ermöglicht tolle Aufnahmen der Züge inmitten der Landschaft. Von den Aussichtspunkten Doppelreiterkogel und 20-Schilling-Blick genießt man weitere fantastische Ansichten der Umgebung. Ein Höhepunkt ist sicherlich, wenn man ganz nah an das berühmte Viadukt „Kalte Rinne“ herankommt und die Baukunst aus nächster Nähe bestaunen kann. Auch wenn der Bahnwanderweg für die warmen Monate empfohlen wird, habe ich ihn im Schnee als wirklich sehens- und empfehlenswert empfunden – also auf zum Semmering!

 

Bahnwanderweg am Semmering: Erfahrungsbericht mit Fotos des 20-Schilling-Blicks und des Viadukts Kalte Rinne im Winter.Bahnwanderweg am Semmering: Erfahrungsbericht mit Fotos des 20-Schilling-Blicks und des Viadukts Kalte Rinne im Winter.

Bahnwanderweg am Semmering: Erfahrungsbericht mit Fotos des 20-Schilling-Blicks und des Viadukts Kalte Rinne im Winter.

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