Brüssel: Schönheit im grauen Mantel

Blick vom Mont des Arts auf die Altstadt von Brüssel

Als ich 2009 das erste Mal nach Brüssel geflogen bin, hat sich mir die Hauptstadt Europas nur von der grauen Seite gezeigt. Das Wetter war durchgehend mies und die Stadt ebenso farblos. 2018 war ich nun das zweite Mal vor Ort und muss sagen: optisch hat sich zwar nicht viel geändert – dennoch habe ich Brüssel diesmal mit anderen Augen sowie neuen Interessen besichtigt und dabei doch mehr Schönheit entdeckt, als man auf den ersten Blick annehmen würde!

Brüssel (Bruxelles / Brussel)

FAKTEN

Reisezeit: Mitte Jänner 2018 (3 Tage, 2 Übernachtungen) / 2009
Anreise: Mit Brussels Airlines von Flughafen Wien-Schwechat nach Flughafen Brüssel-Zaventem (1:15 h).
Unterkunft 2018: Hotel Motel One Brüssel *** (Rue Royale 120, Webseite): Sehr gute Lage ca. acht Gehminuten vom Hauptbahnhof (Bruxelles-Central/Brussel-Centraal, Metro 1 und 5, Fernzüge) und drei Minuten von der Metro-Station Parc (Linien 1 und 5, Straßenbahn 92 und 93) entfernt. Ins Zentrum zum Grand-Place/Grote Markt geht man 10-15 Minuten. Gewohnte Motel-One-Qualität mit recht kleinen Einheitszimmern, in denen es sich aber dennoch nicht eng anfühlt. Sehr stilvolle Einrichtung, schönes Badezimmer mit ausgezeichneter Dusche, sehr gutes Bett, kostenloses schnelles WLAN. Das Frühstück habe ich nicht gebucht. Weiterempfehlung? JA
Unterkunft 2009: Hotel Novotel Brussels City Centre ****
(Rue de la Vierge Noire 32, Webseite): Sehr zentrale Lage nahe der Metro-Station De Brouckère (M1, M5), nur wenige Gehminuten vom Grand-Place entfernt. Imposantes Gebäude in Backsteinarchitektur, der historische Festungsturm Zwarte toren ist direkt am Hotel gelegen und eingebettet. Geräumige Zimmer mit bequemen Betten und Sofa, Badezimmer mit Badewanne. Kostenloses WLAN, Frühstück nicht gebucht. Weiterempfehlung? JA

Sonnenuntergang über der Altstadt von Brüssel

Brüssels Zauber liegt im Detail

Neben Straßburg und Luxemburg, die ebenfalls wichtige EU-Institutionen beherbergen, ist Brüssel mit einem eigenen EU-Viertel das Herz der Europäischen Union. Man könnte also annehmen, dass die Stadt als Vorbild vorangeht und sich von seiner besten Seite zeigt. Der erste Eindruck bei einem Besuch ist aber eher trist. Der Stadt mangelt es beim oberflächlichen Hinsehen an Farbe, herausstechender Architektur und einer Skyline mit Wiedererkennungswert. Bei meinem mittlerweile zweiten Ausflug in die belgische Hauptstadt habe ich mir aber bewusst viele Orte auf meine To-do-Liste geschrieben, die das Klischee der grauen Stadt widerlegen.

Und tatsächlich: in Brüssel gibt es wirklich sehr viele Ecken und Enden, die bunt und lebenswert anmuten! Seien es die wunderschön verspielten Jugendstilbauten, die mit Comicszenen farbig bemalten Hausfassaden oder die leuchtenden Geschäftsauslagen mit kreativen Produkten und süßen Sünden wie Waffeln sowie Pralinen. Einen eigenen Charme versprühen die Sprachen, die auf einen einprasseln. Die Amtssprachen sind Französisch und Niederländisch, weshalb alles zweisprachig angeschrieben und durchgesagt wird. Zusätzlich sprechen die meisten Einwohner auch ausgezeichnet Englisch und ab und zu wird auch Deutsch verstanden – verlassen sollte man sich darauf aber nicht. Mit diesem Reisebericht über meinen dreitägigen Aufenthalt im Jänner 2018 bekommt ihr jedenfalls garantiert auch Lust auf Brüssel!


Der beleuchtete Grand Place in Brüssel

Das Pflichtprogramm in Brüssel

Wenn ihr das erste Mal in Brüssel zu Gast seid, stehen natürlich die Hauptsehenswürdigkeiten am Programm. Die meisten befinden sich gesammelt in der Altstadt und sind sehr gut zu Fuß zu erkunden. Einzig das bizarre Atomium steht weit abseits in der Innenstadt und benötigt etwas mehr Zeit.

Der Grand-Place

Der Ort, wo sich touristisch am meisten abspielt, ist der zentrale Grand-Place / Grote Markt. Prunkvoller als hier wird es in ganz Brüssel nicht mehr. 😉 Der gesamte Platz ist von barocken Häuserfassaden eingerahmt, dazwischen thront das gotische Rathaus mit seinem 96 Meter hohen Glockenturm (Belfried). Dass der Platz seit 1998 zum UNESCO-Welterbe gehört, verwundert wohl niemanden. Vor allem zum Sonnenuntergang und der folgenden Dämmerung solltet ihr unbedingt anwesend sein, denn sobald die in warmen Farben gehaltene Beleuchtung im Kontrast zum tiefblauen Abendhimmel steht, macht sich unweigerlich großes Staunen in den Gesichtern der Touristen breit.

Die Geschichte des Grand-Place geht bis in das 11. Jahrhundert zurück. Nachdem fast alle Gebäude (damals noch in unterschiedlicher Architektur) im August 1695 durch den Beschuss französischer Truppen zerstört wurden, erfolgte der Wiederaufbau dann in einheitlichem barocken Stil. Neben dem herausstechenden Rathaus ist vor allem noch das gegenüber liegende Maison du Roi / Broodhuis besonders sehenswert.

TIPPS

Das Rathaus kann mit einer Führung besichtigt werden. Ich selbst konnte leider aus Zeitgründen nicht teilnehmen, aber wenn ihr Interesse habt, findet ihr auf der Webseite visit.brussels alle weiteren Informationen dazu. Die Tickets erhaltet ihr am Tag der Führung in der Touristeninfo auf der rechten Seite des Rathauses.

Im Maison du Roi ist das Historische Museum der Stadt Brüssel untergebracht (Webseite). Neben Porzellan, alten Stadtmodellen, Tapisserien und allerhand sonstigen erhaltenen Schätzen ist vor allem ein ausgestelltes Kunstwerk interessant: die Originalstatue von Manneken-Pis. Mehr Infos dazu dann im nächsten Absatz.

In der kleinen Gasse Rue Charles Buls links neben dem Rathaus scharen sich die Besucher um die Grabplatte von Everard ’t Serclaes. Der Brüsseler Ehrenbürger befreite 1365 die Stadt von der Herrschaft Flanderns. Der Legende nach wird ein Wunsch erfüllt, wenn man über den Arm streicht – beobachtet man jedoch die Touristen, die alle möglichen und unmöglichen Stellen des Denkmals berühren, dürften wohl nicht sehr viele Wünsche in Erfüllung gehen. 😉

 

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Der pinkelnde Bub Manneken-Pis

Diese Hauptattraktion Brüssels sorgt wohl bei fast allen Besuchern, die erstmals vor der Statue stehen, für großes Wundern. „Der ist aber klein!“ denkt man sich, wenn man die nur 61 Zentimeter große Bronzefigur Manneken-Pis inmitten eines vergleichsweise riesig wirkenden Brunnens entdeckt. Um die Geschichte des pinkelnden Buben ranken sich mehrere Legenden. Eine davon besagt, dass der Junge eine brennende Fackel auslöschte, mit der Feinde die Stadt in Brand stecken wollten.

Worin auch immer nun die Wahrheit steckt, Manneken-Pis ist und bleibt ein Wahrzeichen Brüssels. Das merkt man recht schnell, wenn einem überall in der Stadt Nachbildungen der Figur unterkommen. Was die meisten Touristen nicht wissen: Im Brunnen steht nur eine Kopie der Statue. Nachdem das Original über die Jahrzehnte mehrmals gestohlen wurde, entschied sich die Stadtverwaltung 1965, nur noch eine Nachbildung aufzustellen.

Das Original kann man heute im Maison du Roi auf dem Grand-Place besichtigen (siehe oben). Eine weitere Besonderheit ist übrigens, dass die Statue je nach Anlass ein eigenes Kostüm übergestülpt bekommt. Eine Auswahl der Hunderten verschiedenen Outfits kann man ebenfalls im Maison du Roi und zusätzlich in der GardeRobe MannekenPis (Rue du Chêne 19, unweit der Statue) besichtigen – eine Eintrittskarte (EUR 8,-) berechtigt dabei zum Zutritt in beide Museen.

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Galeries Royales Saint-Hubert

Freunde der süßen Sünden aufgepasst! In der architektonisch schönen Passage Galeries Royales Saint-Hubert findet ihr unter dem Schutz eines beeindruckenden Glasdachs alles an Pralinen und Co., was das Herz begehrt – aber nicht nur. Auch jede Menge Edelboutiquen, Juweliere, Cafés und ein Kino haben sich hier niedergelassen. Die Galerie ist zwar nur 200 Meter lang, aber zum Schauen gibt es dennoch eine Menge.

Mir haben es eben weniger Mode und Schmuck angetan als viel mehr die schier unendliche Auswahl an Pralinen. Alle großen Chocolatiers sind hier vertreten, darunter Neuhaus, Pierre Marcolini, Godiva und Corné. Billig ist das Vergnügen leider nicht, aber die Qualität stimmt hier wirklich. Empfehlen kann ich euch auch das sündhafte Schokoladenmousse von Neuhaus, das man um 4 Euro in einem Eisbecher serviert bekommt (Fotos weiter unten im Absatz zu „Essen und Trinken in Brüssel“).

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Toller Blick vom Mont des Arts

Der Mont des Arts / Kunstberg ist ein historischer Platz auf einer Erhebung unweit des Hauptbahnhofs Gare Central. Von hier aus blickt man auf die Altstadt hinab und bekommt einen der wenigen schönen Blicke auf Brüssel. Vom eigentlichen Platz sieht man jedoch noch nicht wirklich über die Dächer hinweg, dazu muss man sich noch einige Stufen weiter hinaufbegeben. Am Ende der Stufen (oder besser noch ein Stück weiter bis zum Place Royale) ergibt sich dann eine wirklich tolle Sicht auf den Rathausturm und historische Gebäude davor. Nachdem ich während meines gesamten Aufenthaltes und mehreren besuchten Aussichtspunkten kein besseres Bild mehr erlebt habe, solltet ihr diesen Ort unbedingt aufsuchen und genießen!

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Kathedrale St. Michael und St. Gudula

Kirchen gibt es in Brüssel wahrlich gefühlt an jeder Ecke, aber die Cathédrale St. Michel et Gudule / Sint-Michiels en Sint-Goedelekathedraal sticht optisch schon deutlich heraus. Steht man vor dem Sakralbau, wird man unweigerlich an die Kathedrale Notre-Dame de Paris in der französischen Hauptstadt erinnert – das Innere unterscheidet sich aber doch deutlich. Mir haben drei Elemente besonders gefallen: die bunten und liebevoll ausgestalteten Fenster, die unglaublich detailreiche Holzkanzel sowie die optisch schwebende Schwalbennestorgel.

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Das Atomium

Der letzte Pflichtpunkt in meiner Auflistung ist das einzige Objekt, das nicht in der Innenstadt steht. Das Atomium – eines der Wahrzeichen Brüssels – wurde anlässlich der Weltausstellung EXPO 1958 errichtet und stellt eine aus neun Atomen bestehende kubische Zelle eines Eisenkristallmodells dar. Auch wenn das bizarre Bauwerk weit außerhalb der Innenstadt steht, ist man mit der Metro M6 (Station Heysel / Heizel) recht schnell vor Ort. Besonders fasziniert hat mich bei der Anfahrt mit der U-Bahn der Umstand, dass einem auf der rechten Seite unmittelbar nach der Tunnelausfahrt vor der Station Heysel das Atomium richtiggehend entgegenspringt und so seine mächtige Präsenz nochmals unterstreicht.

Von der Ferne wirkt das Atomium gar nicht so riesig, aber wenn man einmal direkt vor dem 102 Meter hohen und unglaublich bizarr anmutenden Bauwerk steht, bekommt man schon gehörig Respekt. Natürlich kann man das Innenleben auch besichtigen, die Preise und Öffnungszeiten findet ihr auf atomium.be. Nachdem bei meinem Besuch Anfang 2018 der Aufzug generalüberholt wurde, konnte ich nicht in die oberste Kugel fahren und habe mir den Eintritt gleich komplett erspart – deshalb stammen die unten gezeigten Fotos von innen nur aus dem Jahr 2009. Ich finde die Aussicht von oben aber generell nicht sehr spektakulär: man sieht gut auf das Stadion Heysel (Stade King Baudouin), die Miniaturwelt Mini-Europa und das EXPO-Gelände. Die Stadt Brüssel hebt sich jedoch nicht wirklich hervor, was aber auch einfach am Umstand liegt, dass es keine prägnanten Gebäude in der Innenstadt gibt. Die anderen Kugeln, die durch Rolltreppen miteinander verbunden sind, werden entweder für Ausstellungen genutzt, können gemietet werden oder sind gar nicht in Verwendung.

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Innenansicht des Justizpalast in Brüssel

Brüssels versteckte Schätze

Wie eingangs schon erwähnt, muss man die Schönheiten Brüssels mitunter erst finden oder bewusst aufsuchen. Die folgenden Orte haben mir persönlich sehr gut gefallen und stehen wahrscheinlich nicht automatisch bei jedem Brüssel-Besucher auf dem Programm.

Der Justizpalast

Die Chancen sind hoch, dass ihr am Justizpalast (Palais de Justice) vorbeikommt, ob ihr wollt oder nicht. Der Bau aus dem Jahr 1883 ist ein wahres Monstrum und weist eine Gesamtfläche von 26.000 m² auf. Die riesige, 142 Meter hohe Kuppel ist von vielen Plätzen der Stadt aus sichtbar und seit Mitte der 80er-Jahre ununterbrochen eingerüstet. Durch diesen Umstand und dem außen allgemein verwahrlosten Eindruck kommen wohl nicht viele Touristen auf Idee, in den Justizpalast einen Fuß zu setzen.

Doch genau das kann ich euch nur empfehlen (Montag bis Freitag 9-15 Uhr)! Der Haupteingang befindet sich auf dem Place Poelaert (benannt nach dem Architekten des Justizpalasts), wo ihr Anschluss an die Straßenbahnen 92 und 93 (Station Poelaert) oder einige Meter weiter an die Station Louise (Metro M2 und M6 sowie Straßenbahn 92, 93, 94 und 97) habt. Nach einer Sicherheitskontrolle wie auf dem Flughafen könnt ihr euch im Gebäude frei bewegen und auch problemlos fotografieren. Die Dimensionen des Justizpalasts werden im Inneren nochmal deutlicher – ein absolut beeindruckendes Bauwerk, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet!

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Neben dem Justizpalast kann man von einem Plateau aus gut die Stadt überblicken.

 

Place Saint Catherine

Im Nordwesten der Innenstadt ist eine Fahrt zum Place Saint Catherine empfehlenswert. Werft zunächst einen Blick in die dort thronende Kirche Eglise Sainte-Catherine und seht euch kurz den daneben stehenden Kirchturm La Tour Sainte-Catherine an. Auf dem schönen Platz selbst findet jeden Mittwoch von 7.30 bis 15 Uhr ein Wochenmarkt mit regionalen Waren statt. Aber auch am Samstag, als ich vor Ort war, boten einige Händler ihre Waren an.

Der wahre Höhepunkt ist für mich aber die Fischbar De Noordzee / La Mer du Nord an einer Ecke des Place Saint Catherine. Entlang einer Theke werden Fische und Meeresfrüchte frisch zubereitet. Ich habe eine absolut fantastische Fischsuppe (6 Euro) sowie gebratene Scampi (5 Stück um 9 Euro) gegessen und war im siebten Genusshimmel. Vor allem nach einer langen Nacht mit nicht wenig belgischem Bier war das der ideale Muntermacher! 😉

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Die Nationalbasilika des Heiligen Herzens

Ein Geheimtipp ist meiner Meinung nach die mächtige Nationalbasilika des Heiligen Herzens (Basilique Nationale du Sacré-Cœur à Koekelberg). Es handelt sich dabei sogar um die fünftgrößte Kirche der Welt und wenn man den Sakralbau betritt, stimmt man wohl sofort zu. Die Kirche ist wirklich gigantisch und durch ihren Art-déco-Stil etwas ganz Besonderes. Für mich persönlich war es jedenfalls eine Kathedrale, wie ich sie zuvor noch nirgends erlebt habe.

Die Basilika steht ein schönes Stück abseits der Innenstadt im Westen und ist mit den Metro-Linien M2 sowie M6 (Station Simonis) und 10 Minuten Fußmarsch erreichbar. Alternativ gelangt man von der Station Simonis mit der Straßenbahnlinie 19 noch zur Station College S.-coeur, die direkt an der Kirche liegt. Es gibt in der Basilika auch die Möglichkeit, mit einem Aufzug auf eine 53 Meter hohe Außengalerie zu fahren und das Panorama zu genießen. Ich war dazu leider zu spät vor Ort – die Öffnugszeiten und Preise entnehmt ihr am besten der Webseite basilicakoekelberg.be.

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Das mittelalterliche Stadttor

Im Süden der Stadt steht mit dem Porte de Hal / Halleport aus dem Jahr 1381 ein Zeitzeuge des Mittelalters. Das Stadttor ist das letzte erhaltene von ursprünglich sieben festungsähnlichen Bauten zum Schutz Brüssels. Von außen wirkt es wie eine Burg – mächtig und unbezwingbar. Heute ist im Inneren das Musée du Porte de Hal (Webseite) untergebracht, das wenig überraschend eine Ausstellung über das Mittelalter beherbergt.

Ich habe das Stadttor allerdings aus einem anderen Grund aufgesucht. Man kann nämlich oben rund um das Bauwerk gehen und den Blick in die Ferne schweifen lassen. Zwar bietet die Aussicht – wie schon von den anderen Aussichtspunkten gewohnt – keine spektakulären Ansichten, aber die nähere Umgebung der beiden Viertel Marolles und Saint-Gilles ist trotzdem ganz interessant anzusehen.

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Ein burgähnliches Gefängnis

Noch weiter südlich der Porte de Hal inmitten des Viertels Saint-Gilles gibt es ein faszinierendes Gefängnis namens Prison de Saint-Gilles / Gevangenis van Sint-Gillis. Natürlich ist das ein Punkt, den wohl nur die wenigsten unter euch interessant finden, aber mich hat das Bauwerk schon bei der Recherche im Internet total in den Bann gezogen. Natürlich kann man das Innenleben nicht besichtigen (zum Glück!), aber ein kurzer Abstecher für eine Außenbesichtigung ist nicht minder spannend. Das Gefängnis erinnert an eine Burganlage mit Respekt einflössendem Haupttor und Bewachungstürmen. Falls ihr in der Nähe seid, schaut euch den Koloss einfach selbst an!

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Weitere Schätze in Brüssel

Bei meinen Streifzügen durch die Viertel Brüssels habe ich auch immer wieder Fotos geschossen, die weitere versteckte Schönheiten der Stadt oder einfach großartige Momente abbilden. Da es sich dabei aber vielfach um Objekte und Plätze handelt, die ich keinen anderen Absätzen zuordnen kann, nutze ich diesen Abschnitt, um euch diese Fotos dennoch zu zeigen. Wenn ihr also zwischen all den grauen Gebäuden auf der Suche nach interessanteren Plätzen seid, dann seht euch einfach die GPS-Koordinaten an und begebt euch selbst vor Ort! 🙂

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Blick vom Triumphbogen auf das EU-Viertel in Brüssel

Das EU-Viertel

Brüssel ist die Hauptstadt der Europäischen Union – das weiß hoffentlich jeder. Warum das jedoch so ist und ausgerechnet das kleine Belgien so im Zentrum der EU steht, das ist nicht so allgemein bekannt. Wenn ihr euch diese Frage, so wie ich, auch schon einmal gestellt habt, dann könnt ihr des Rätsels Lösung beispielsweise auf der Seite wissen.de nachlesen.

Das EU-Viertel (Quartier Européen / Europese Wijk) bündelt eine Vielzahl an Gebäuden, in denen verschiedene Institutionen untergebracht sind. Ein Rundgang gehört für mich auf jeden Fall dazu, wenn man in Brüssel zu Gast ist – immerhin werden hier Entscheidungen getroffen, die uns alle betreffen. Eines muss ich aber leider sagen: architektonisch sind die Bauwerke großteils trist oder einfach nur hässlich. Natürlich kann man argumentieren, dass nicht unnötig Geld mit ausgefallener Architektur verprasst werden soll. Aber dennoch wäre etwas mehr Stil nicht verkehrt gewesen. Spaziert ihr unter der Woche durch die Straßen und Gassen im EU-Viertel, laufen euch eilig Hunderte Menschen in feinen Anzügen und mit um den Hals gelegten Ausweisen entgegen. Macht ihr dasselbe am Wochenende, wirkt die Gegend fast wie ausgestorben.

Das EU-Parlament

Ich habe die Chance genützt und mir den großen Plenarsaal (Hemicycle) im Europäischen Parlament angesehen. Es ist schon ein besonderes Gefühl, einmal selbst in diesem riesigen Saal zu stehen, wo die Parlamentarier aus den Mitgliedsstaaten unter anderem ihre Abstimmungen durchführen. Eine Besichtigung ist nur zu bestimmten Zeiten möglich, am besten lest ihr euch alle Informationen auf der Webseite europarl.europa.eu durch. Nicht vergessen darf man seinen Reisepass oder Personalausweis – ein Führerschein reicht nicht aus!

Das Parlamentarium

Das Parlamentarium ist das Besucherzentrum im EU-Viertel und bietet in einer kostenlosen, interaktiven Ausstellung jede Menge Stoff, um die Geschichte der EU besser zu verstehen. Man sieht auf einer 360-Grad-Wand das Treiben im Plenarsaal, kann die 751 Parlamentsabgeordneten näher betrachten und in einer Art Wohnzimmer auf Sofas sitzend Menschen dabei lauschen, was sie von der EU halten. Ich muss zugeben, dass mich das Angebot schlichtweg überfordert hat und ich relativ bald wieder gegangen bin. Man müsste durch die Ausstellung wirklich mit sehr viel Zeit und Interesse durchgehen, um das Optimum herauszuholen.

Das Berlaymont-Gebäude

Ein weiteres berühmtes (und hässliches) Bauwerk ist das Berlaymont-Gebäude, in dem die Europäische Kommission untergebracht ist. Es ist bei Touristen wohl eines der bekanntesten, weil es direkt an der Metro-Station Schuman (M1 und M5) liegt und nicht zu übersehen ist. Das gegenüber befindliche Europagebäude ist das aktuellste Bauwerk und auch architektonisch interessanteste – leider nur von innen, wo man nur im Rahmen einer Führung mit mindestens 20 Personen Zutritt erhält, nicht aber als Individualbesucher. Von außen wirkt es wie die anderen EU-Gebäude jedenfalls auch recht einfallslos.

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Pralinen in Brüssel

Essen und Trinken in Brüssel

Die Kulinarik ist ein großer Faktor in Brüssel und ein sehr guter Grund, die Stadt unbedingt zu besuchen. Ich habe mich in den drei Tagen meines Besuchs ausführlich durch die Welt der Pralinen, Waffeln, Pommes Frites und weiteren Schmankerln gekostet und berichte euch nun davon. Außerdem empfehle ich euch drei Bars, die mir allesamt sehr gut gefallen haben und eine riesige Auswahl an belgischem Bier bieten.

Pommes Frites

Belgische Frites sind das, was für US-Amerikaner wohl das Eis ist – eine Nationalspeise. An vielen Ecken und Enden stößt man in Brüssel auf Lokale, Kioske und mobile Stände, die Pommes Frites anbieten. Eines sollte man vermeiden, nämlich „French Fries“ zu bestellen: man unterscheidet sich hier deutlich von der französischen Variante. Die langen Kartoffelstäbchen werden nämlich zweimal frittiert, was ihnen den typischen knusprigen Geschmack mit weichem Kern verleiht. Man muss es einfach probiert haben, um den Unterschied zu Pommes Frites im deutschsprachigen Raum zu verstehen.

Mir wurden zwei Anbieter empfohlen: Maison Antoine (Place Jourdan 1, Webseite) und Frit Flagey (Place Eugène Flagey). Ich habe mich für Frit Flagey entschieden und bin extra zum Stand auf dem gleichnamigen, unfassbar hässlichen Platz im Stadtteil Ixelles gefahren (Straßenbahn 81, Station Flagey). Dort kommt normalerweise kein Tourist hin und man isst seine Frites authentisch zwischen Einheimischen. Die Qualität war wirklich exzellent und die Portion groß. Man kann zusätzlich aus unzähligen Saucen wählen, die beliebteste Variante ist Mayonnaise.

ANMERKUNG

Meine Bemerkung, dass der Platz hässlich ist und sich keine Touristen dorthin verirren, hat bei einer Freundin und einer Arbeitskollegin für Protest gesorgt. 😉 Beide leben bzw. haben eine längere Zeit in Brüssel gelebt und die Gegend rund um den Place Eugène Flagey als ausgezeichneten Ort zum Fortgehen und um mit Freunden Spaß zu haben bezeichnet. Anscheinend war ich zur falschen Zeit dort, beim nächsten Besuch gebe ich der Gegend sicherlich eine weitere Chance. 🙂

 

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Waffeln

Auch Waffeln findet man wirklich überall in Brüssel! In Reiseführern und Blogbeiträgen liest man oft, sich am besten an mobile Stände zu halten, die nur eine kleine Auswahl bieten. Ich habe das getan und mir im alten VW Bus auf dem Place Royale eine frische Waffel ohne Topping um 2 Euro bestellt, welche mir ausgezeichnet geschmeckt hat. In der Innenstadt findet man dagegen in zahlreichen Auslagen wilde Ansammlungen von Waffeln, die mit allerhand Schlagobers, Obst, Nutella oder sonstigen Späßen vollkommen belegt sind – typische Touristenwaffeln. Ich empfehle euch, Waffeln maximal mit Staubzucker oder wenig Schokolade zu bestellen, um den Geschmack nicht zu verfälschen.

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Pralinen

Der nächste sündige Wahnsinn ist die Auswahl an Pralinen. Auch hier ist es unmöglich, den süßen Kugeln und Trüffeln zu entkommen, zu verlockend rufen sie aus den Schaufenstern heraus. Die großen und bekannten Chocolatiers sind Neuhaus, Godiva, Pierre Marcolini und Leonidas – es gibt aber noch viele weitere kleinere. Probieren geht über studieren, weswegen ich euch einfach rate, mal irgendwo zuzuschlagen. Die namhaften Produzenten kosten natürlich wesentlich mehr. Neben Pralinen gibt es von mir noch einen Spezialtipp für alle Naschkatzen: bei Neuhaus in den Galeries Royales Saint-Hubert gibt es Schokomousse im Eisbecher um 4 Euro. Die Portion ist üppig und ungesund, aber qualitativ extrem gut! 😉

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Bier & Bars

Belgien ist das Land des Biers – und das merkt man in fast jedem Lokal an der ewig langen Getränkeliste. Für mich ist es so gut wie unmöglich, euch irgendein bestimmtes Bier zu empfehlen. Am besten geht ihr in eine Bar, lasst euch dort beraten oder bestellt einfach auf gut Glück. Das bekannteste Lokal ist das Delirium Café mit Kellerbar (Impasse de la Fidélité 4) in einer kleinen Nebengasse unweit der Galeries Royales Saint-Hubert. Dort gibt es die wohl größte Auswahl an Bieren, die ihr je gesehen habt. Alternativ ist das Ausgehviertel Saint-Catherine interessant, wo sich eine Bar neben die andere reiht – ich war in der Bar des Amis (Rue Sainte-Catherine 30), in der ausgelassene Stimmung und eine gute Atmosphäre vorherrschend war. Etwas ruhiger geht es in der Bar du Matin (Chaussée d’Alsemberg 172) im Stadtteil Saint-Gilles zu. Die Einrichtung im Stil der 70er-Jahre hat mir sehr gut gefallen und an der Bar hat man wunderbar das Treiben um sich herum beobachten können.

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Gut essen gehen

Wenn ihr etwas Feineres zum Essen sucht, dann habe ich zwei Tipps für euch. In der Toucan Brasserie (Avenue Louis Lepoutre 1) habe ich typisch belgische Fischkroketten, eine zarte Lammkeule und Crème brûlée gegessen. Alles teuer, aber ausgezeichnet! Für die Nationalspeise Moules-frites (Miesmuscheln mit Pommes frites) fahrt ihr am besten in das Lokal Le Zinneke (Place de la Patrie 26, Webseite). Dort geht es auf engem Raum recht urig zu und die Speisekarten sind in alte Comicbücher integriert, eine nette Idee. Die Portion Muscheln ist für eine Person sehr üppig und hat fantastisch gemundet. Unbedingt über die Webseite reservieren!

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Frühstücken

Auch wenn sie nicht typisch belgisch ist, passt die Bäckerei Paul doch gut in das französischsprachige Brüssel. Ich gehe dort generell sehr gerne frühstücken (europaweit gibt es Filialen in vielen Städten), da die Qualität der Backwaren, Croissants und Baguettes immer exzellent ist. Ich war zweimal in der Filiale gleich in der Nähe von meiner Unterkunft Hotel Motel One (Rue de l’Enseignement 2), es gibt aber noch zig andere in der ganzen Stadt.

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Jugendstilfassade des Maison Couchie in Brüssel

Jugendstil in Brüssel

Im Jahr 2018 jährt sich der Todestag des österreichischen Ausnahmearchitekten Otto Wagner zum 100. Mal. (Nicht nur) deswegen beschäftige ich mich seit längerer Zeit mit der Kunst des verspielten Jugendstils (Art nouveau). Brüssel ist dazu regelrecht eine Spielwiese und lädt ein zur Schatzsuche nach den schönsten und beeindruckendsten Häusern aus vergangener Zeit. Ich habe acht Gebäude aufgesucht und mir einen Überblick über das Schaffen einiger ansässiger Architekten über die Jahrhundertwende gemacht. Darüberhinaus werdet ihr aber im gesamten Stadtgebiet immer wieder an Jugendstilbauten vorbeikommen, also Augen auf und Staunen!

Ein schneller Abriss zur Geschichte: Zwischen 1893 und 1910 – also nur magere 17 Jahre lang – entwickelten junge Architekten eine Gegenrichtung zu den bis dahin vorherrschenden Baustilen des Neobarock, Neorenaissance und Neogotik. Inspiriert von der Natur wurden mit neuen Materialien wie Metall und Glas florale sowie verschnörkselte Elemente sowohl für den Aufbau von Häusern als auch deren aufwendige Fassadenverzierung erzeugt. Der bekannteste Vertreter des Art nouveau in Brüssel ist Victor Horta, der später sogar in den Adelsstand gehoben wurde. Vier seiner Gebäude sind auch in die Liste des UNESCO-Welterbe eingetragen worden (Hôtel Tassel, Hôtel Solvay, Hôtel van Eetvelde und Maison & Atelier Horta).

HINWEIS

Folgend zeige ich euch acht Beispiele des Jugendstils in Brüssel. Leider war es mir nirgendwo möglich, einen Fuß in die Gebäude zu setzen – ein echter Jammer, wenn man das prachtvolle Innere auf Fotos im Internet sieht! Entweder sind die Gebäude generell geschlossen, privat verwaltet oder ich war wie in einem Fall einfach nach den Öffnungszeiten vor Ort. Solltet ihr aber im März 2018 in Brüssel sein, dann lasst euch das Brussels Art Nouveau & Art Deco Festival (BANAD) nicht entgehen! Im Zuge dessen werden nämlich Jugendstilführungen durch die Stadt angeboten. Alle Infos dazu gibt es auf der Webseite visit.brussels.

 

Hôtel Tassel

Im Jahr 1893 wurde der damals 32-jährige Victor Horta mit dem Hôtel Tassel quasi über Nacht einer breiten Masse bekannt. Es ist das erste Wohnhaus des Architekten und wurde für den Physik- und Chemieprofessor Emile Tassel gebaut. Man erkennt schon sehr gut die geschwungenen Formen und verspielten Elemente, insgesamt ist es aber noch ein eher nüchterner Bau. Bei meinem Besuch hatte ich gleich wieder das „Glück“, vor dem Gebäude einen grauenhaften mobilen Kran vorzufinden, weswegen ich nur Fotos aus der Nähe herzeigen kann.

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Hôtel Solvay

Eher zufällig habe ich diesen Schatz entdeckt. Weil ich mit der Straßenbahn versehentlich in die falsche Richtung fuhr, fiel mir das Hôtel Solvay ins Auge, das ich eigentlich gar nicht eingeplant hatte. 1898-1900 erbaute Horta dieses Wohnhaus für die Industriellenfamilie Solvay und hatte dank des Reichtums des Auftraggebers freie Hand, was Materialen und Ausgaben betraf. So verwendete der Architekt für die Innenausstattung etwa Marmor, Bronze und Tropenholz. Eine Besichtigung des Gebäudes ist zwar prinzipiell möglich (die Telefonnummer dazu steht an der Haustür), ist aber nur unter strengen Auflagen erlaubt.

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Maison & Atelier Horta

Schlichtheit und Eleganz versprüht das Maison & Atelier Horta – das eigene Wohnhaus und Atelier von Victor Horta aus dem Jahr 1901 im Stadtteil Saint-Gilles. Es ist das einzige Gebäude meiner Liste, das ich ansehen hätte können – wäre ich nicht zu spät nach dem Ende der Öffnungszeit gekommen. Im Inneren ist heute das Horta-Museum untergebracht, in dessen Dauerausstellung man Einblick in das Leben des Jugendstilarchitekten erhält und zahlreiche Möbel sowie Kunstobjekte besichtigen kann. Alle Infos dazu findet ihr auf der Seite hortamuseum.be. Das Fotografieren im Inneren ist übrigens leider verboten.

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Hôtel Hannon

Ein Art-nouveau-Gebäude, über das ich mich wirklich geärgert habe, ist das Hôtel Hannon des Architekten Jules Brunfaut aus dem Jahr 1903. Ich habe mich wahnsinnig darauf gefreut, das sensationelle Innere des Hauses ansehen zu können, denn es sollte ein Museum für zeitgenössische Fotografie (Espace Photographique Contretype) darin untergebracht sein – das liest man zumindest überall in Reiseführern, Blogs und sonstigen Seiten im Internet. Nur eine kurze Bewertung auf Tripadvisor hat mich stutzen lassen, anscheinend ist das Museum geschlossen. Und tatsächlich: eine Recherche hat einen französischen Zeitungsbericht zutage gefördert, in dem der Umzug des Museums gemeldet wird. Das heißt, aktuell ist das Hôtel Hannon geschlossen und nicht zugänglich. Wirklich schade!

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Huis Saint-Cyr

Das beeindruckendste Jugendstilgebäude, das ich in Brüssel angeschaut habe, ist das Huis Saint-Cyr in der Nähe des EU-Viertels. Das Haus ist unglaublich schmal und außen mit seinen kunstvollen Schmiedearbeiten extrem verspielt ausgestaltet. Erbaut wurde das Haus für den Maler und Dekorateur Léonard de Saint-Cyr im Jahr 1903, Architekt war der erst 21-jährige Gustave Strauwen – ein Schüler von Victor Horta.

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Maison Couchie

Nicht weniger aufsehenerregend ist das Maison Couchie ums Eck vom Triumphbogen im Westen Brüssels. Wenn ich mich für ein Gebäude entscheiden müsste, wäre es wohl dieses. Erschaffen wurde das Meisterwerk im Jahr 1905 von Paul Cauchie persönlich, der mit seiner Frau Lina als Dekorateur und Maler arbeitete – offensichtlich aber auch als Architekt nicht unbegabt war. Die gesamte Außenfassade ist mit unfassbar prachtvollen und leuchtenden Sgraffiti (eine Dekorationstechnik zur Bearbeitung von Wandflächen) verziert. Und das Beste: man kann das Haus sogar besichtigen! Laut der Webseite cauchie.be ist jeweils am ersten Wochenende im Monat der Zugang mit Führung (7 Euro) von 10-13 Uhr und 14-17.30 Uhr möglich.

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Palais Stoclet

Ebenfalls im Westen Brüssels findet sich mit dem Palais Stoclet ein ganz besonderes Jugendstiljuwel. Es wurde im Auftrag des wohlhabenden Unternehmers Adolphe Stoclet von 1905 bis 1911 vom österreichischen Architekten Josef Hoffmann (ein Schüler Otto Wagners) errichtet. Hoffmann wurden beim Bau keinerlei Kostenvorgaben gemacht, er konnte sich also komplett austoben, was man auch an der Dimension des Hauses sieht. Im Inneren könnte man im Salon ein herrliches Fries von Gustav Klimt besichtigen. Könnte – denn der Zugang ist nicht möglich. Seit Jahren streiten die Erben des Palais Stoclet und verhindern, dass die Öffentlichkeit Einsicht in diesen historisch bedeutsamen Schatz erhält. Umso ärgerlicher ist das, weil die UNESCO das Gebäude in ihre Weltkulturerbeliste aufgenommen hat und es nun vor sich hingammelt.

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Old England

Das letzte Beispiel des Art nouveau liegt unweit der Innenstadt Brüssels entfernt über dem Mont des Arts. Das ehemalige Kaufhaus Old England sticht optisch ganz extrem zwischen den anderen Häusern in der Umgebung hervor. Erbaut wurde es im Jahr 1899 von Paul Saintenoy, der in eine Architektenfamilie geboren wurde und damit quasi vorbelastet war. Das Gebäude besticht vor allem durch seine Stahl-Glas-Fassade, das an ein Skelett erinnert. Heute ist im Inneren das Musikinstrumentenmuseum (Webseite) untergebracht. Auf dem Dach gibt es ein Restaurant, das auch ohne Museumsbesuch betreten werden kann und eine Dachterrasse mit angeblich tollem Blick auf die Innenstadt bietet – ich war allerdings selbst nicht oben.

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Der Palais Royal in Brüssel

Sonstige Sehenswürdigkeiten

Abschließend stelle ich euch noch drei Sehenswürdigkeiten vor, die ich in den anderen Absätzen nicht untergebracht habe. Eigentlich könnte man annehmen, dass der Königliche Palast (Palais Royal / Koninklijk Paleis) von höchster Wichtigkeit bei einem Besuch in Brüssel ist. Nachdem die königliche Familie allerdings hier gar nicht residiert (sondern im Schloss Laeken) und das prachtvolle Gebäude für die Öffentlichkeit nur in den Sommermonaten die Tore öffnet, habe ich ihn an das Ende des Blogbeitrags geschoben. 😉

Neben dem pinkelnden Buben Manneken-Pis gibt es in Brüssel noch zwei weitere Figuren, die sich in der Öffentlichkeit erleichtern. Gegenüber des Delirum Cafés (Impasse de la Fidélité 10-12) ist hinter einem Gitter das weibliche Pendant Jeanneke Pis zu finden und an der Adresse Rue des Chartreux 35 im Viertel Saint-Catherine versteckt sich mit Zinneke Pis noch ein urinierender Hund (ohne Wasserstrahl).

Die Kirche Saint Jacques-sur-Coudenberg habe ich nur zufällig aufgesucht, ich möchte sie aber dennoch hier ausdrücklich erwähnen und empfehlen. Sie thront richtiggehend am Place Royale und ist nicht zu übersehen, wenn man am Mont des Arts steht oder zum Palais Royal geht. Die Kirche ist ein architektonisch gutes Beispiel für den Klassizismus im 18. Jahrhundert und sieht von innen elegant sowie schlicht aus.

Der Triumphbogen (Arcades du Cinquantenaire / Triomfboog van het Jubelpark) sollte bei einem Brüssel-Besuch eigentlich auch nicht fehlen. Das 50 Meter hohe, monumentale Bauwerk bildet den östlichen Zugang zum Jubelpark (Parc du Cinquantenaire), eine der bekanntesten Grünflächen der Stadt. Ursprünglich sollte der Triumphbogen anlässlich der Weltausstellung 1880 in Melbourne errichtet werden. Schlussendlich fand die Fertigstellung aber aufgrund von Streitigkeiten wegen der Finanzierung erst 1905 statt – immerhin genau zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit Belgiens. In der nördlich angeschlossenen Halle ist das Militärmuseum (Musée Royal de l’Armée, Webseite) untergebracht, das mich eigentlich überhaupt nicht interessiert. Ich bin dennoch hineingegangen (5 Euro), weil man auf das Dach des Triumphbogens gehen und die Aussicht erleben kann.

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

Um vom Flughafen Brüssel-Zaventem in die Innenstadt zu gelangen, gibt es neben den sündhaft teuren Taxis noch zwei günstigere, öffentliche Möglichkeiten. Die billigste Variante sind die Buslinien 12 und 21, die beide je nach Verkehr in rund 30 Minuten an der Metro-Station Schuman im EU-Viertel vorbeikommen. Von dort ist man mit der Metro M1 oder M5 schnell im Zentrum. Ein Ticket kostet am Automaten EUR 4,50 oder im Bus EUR 6,-. Die schnellere und etwas teuere Variante ist die Fahrt mit der belgischen Bahn, für die ihr euch am besten schon vor der Anreise die Tickets online kauft, um vor Ort Zeit zu sparen. Ich habe das gemacht und es war kinderleicht: geht auf die Webseite belgianrail.be und gebt im Feld „Von“ BRUSSELS AIRPORT-ZAVENTEM und im Feld „Nach“ ZONE BRUXELLES ein. Sucht euch das passende Datum für die Hin- und Rückfahrt aus, wählt im Feld „Fahrkarte“ STANDARDFAHRKARTE und bei „Reisender“ ERWACHSENE aus. Das Kombiticket kostet EUR 17,80 und ist sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt am Flughafen zu scannen. Untertags fährt ca. alle zehn Minuten ein Zug in die Innenstadt.

Der öffentliche Verkehr in Brüssel ist prinzipiell ausgezeichnet ausgebaut und ich habe Metro, Straßenbahn und Bus intensiv genutzt. Was mich allerdings sehr genervt hat, waren die Ticketoptionen. Es gibt nur ganz wenige Fahrscheintypen (genannt JUMP Tickets), die man ohne die Nutzung einer aufladbaren Plastikkarte (genannt MOBIB BASIC CARD) kaufen kann. Dazu zählt ein Einzelticket (Single fare JUMP) um EUR 2,10, ein Aiport Ticket für den Bus (JUMP BUS Aiport) um EUR 4,50 und eine Tageskarte (JUMP 24h) um EUR 7,50. Ich wollte eigentlich eine 72-Stunden-Karte kaufen, dazu wäre aber die besagte MOBIB Card notwendig gewesen, die nur bei Schalterbeamten und gegen eine Gebühr von EUR 5,- erhältlich ist (bei Rückgabe erhält man EUR 4,- zurück). Das wollte ich nicht und habe deshalb jeden Tag eine 24-Stunden-Karte gekauft und so schlussendlich etwas draufgezahlt – naja, es gibt Schlimmeres. Einen Netzplan gibt es auf der Webseite stib-mivb.be zum Download.

Eine nette Sache sind die mit Comicszenen bemalten Hauswände in Brüssel. Haltet einfach die Augen offen und sucht nach den Kunstwerken, die etwas Farbe in die graue Stadt bringen.

Für den Fall, dass ihr in Reiseführern oder anderen Blogbeiträgen noch den Tipp findet, auf das Dach des Parkhauses Parking 58 zu fahren, um dort eine der besten Aussichten zu erleben: die Möglichkeit besteht leider nicht mehr – die Parkgarage wird abgerissen einem Bürogebäude geopfert.

 

FAZIT

Ist Brüssel die hässlichste Stadt Europas? Nein, das kann ich ganz klar widerlegen. Zugegeben, der erste Eindruck mag dieses Vorurteil befeuern, denn die belgische Hauptstadt ist wirklich von oben bis unten zugepflastert mit grauen und trist erscheinenden Häusern. Wenn man sich aber im Vorhinein etwas mit den sehenswerten Plätzen und Gegenden befasst, kann man die liebenswerten Orte Brüssels gezielt ansteuern und so den Reiz voll auskosten. Nicht zu vergessen die kulinarischen Highlights zwischen Muscheln, Pralinen und Pommes Frites. Mit diesem Blogbeitrag gebe ich euch jedenfalls genügend Stoff für eure Brüssel-Reise, um die Stadt von ihrer positiven Seite zu erleben – vom Grand Place über die Jugendstilbauten bis zu Gegenden abseits des Tourismus! 🙂

 

Brüssel: Reisebericht mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.Brüssel: Reisebericht mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.

2 Kommentare

  1. […] allem das runde Glasdach – insgesamt hat mich das Aussehen an ähnliche Passagen in Mailand und Brüssel erinnert. Wenn ihr es einrichten könnt, solltet ihr auch abends einmal zum Roten Platz gehen und […]

  2. […] Der Wiener Otto Wagner gehört zu den wichtigsten und bedeutendsten Architekten der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Zu Beginn seines Schaffens waren die von ihm geplanten Gebäude noch im damals vorherrschenden Stil des Historismus gehalten, doch dies änderte sich zusehends. Wagner wollte konsequent vorher nicht gekannte Materialien wie Eisen und damit einhergehende neue Konstruktionsmöglichkeiten nutzen und sorgte mit seinen aufsehenerregenden Entwürfen für Bewunderung, aber auch für viel Kritik und Missgunst – die Angst vor dem architektonischen Stilbruch war allgegenwärtig. Wenn nur einige der langen Liste an spektakulären Ideen und Projekte Wagners umgesetzt worden wären … Wien würde heute wohl noch prachtvoller erscheinen. Um die Jahrhundertwende gab es neben Wien in mehreren europäischen Städten eine Strömung Richtung Jugendstil (Art nouveau). Ein Vertreter davon war beispielsweise Charles Rennie Mackintosh in Glasgow, Beispiele seiner bemerkenswerten Arbeiten mit Fotos findet ihr in meinem Artikel Der raue Charme von Glasgow. Auch in Brüssel gab es unter anderem mit Victor Horta einen bekannten Architekten des Jugendstils, siehe mein Artikel Brüssel: Schönheit im grauen Mantel. […]

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