Rotterdam: Moderne Stadt mit altem Charme

Wenn ihr bisher nur die niederländische Hauptstadt Amsterdam kennengelernt habt, ist der erste Kontakt mit Rotterdam sicherlich ein kleiner Schock. Keine Spur von den typischen, optisch beeindruckenden schiefen Häusern – dafür moderne Architektur inklusive einer Skyline, wie man sie sonst nur aus riesigen Weltstädten kennt. Verbringt man jedoch etwas Zeit in der südholländischen Stadt, offenbaren sich einem neben einer Welt aus Beton, Stahl und Glas doch auch richtig beschauliche Viertel, die ihren ursprünglichen historischen Charme behalten haben.

Rotterdam

FAKTEN

Reisezeit: Ende März 2018 (3 1/2 Tage, 3 Übernachtungen)
Anreise: Mit Easyjet von Flughafen Wien-Schwechat nach Flughafen Amsterdam Schiphol (1:20 h), dann mit dem Zug direkt von Schiphol Airport weiter nach Rotterdam Centraal Station (0:25 h).
Unterkunft: citizenM Hotel Rotterdam **** (Oost-Wijnstraat 50, Webseite): Gewohnte citizenM-Qualität mit kleinen, aber sehr stylishen Zimmern, durchdachtes Raumkonzept, Steuerung von Licht/Rollos/TV über ein iPad, pro Tag eine kleine Wasserflasche kostenlos, dafür hochpreisige Hotelbar, sehr gute Dusche, super bequeme Betten, kostenloses WLAN, Frühstück nicht gebucht. Beim Self-Check-in habe ich vor Ort nach einem Zimmer mit Blick auf den historischen alten Hafen (Oude Haven) verlangt, was sofort berücksichtigt wurde und wirklich empfehlenswert ist! Weiterempfehlung? JA

MEHR AUS DEN NIEDERLANDEN

Rotterdam habe ich während einer einwöchigen Rundreise durch die Niederlande besucht. Nachfolgend findet ihr die Links zu den Reiseberichten meiner anderen Ziele:

Rotterdam: Moderne Stadt mit altem Charme

Windmühlen-Romantik in Kinderdijk

Den Haag: Die elegante Stadt am Meer

Das Windmühlendorf Zaanse Schans

Der Zauber von Alkmaar

Alkmaar: Ein Käsemarkt lockt die Massen

Amsterdam: Die Stadt der schiefen Häuser

 


Panorama der Skyline von Rotterdam

Erste Station Rotterdam

Nach Rotterdam hat es mich mit meiner Freundin während einer einwöchigen Rundreise durch die Niederlande verschlagen. Die zweitgrößte Stadt der Niederlande sollte unser Startpunkt und mit drei Übernachtungen gleichzeitig auch der längste Aufenthalt sein. Die verhältnismäßig großzügige Besuchsdauer war im Nachhinein betrachtet nicht zu lange gewählt und hat uns das stressfreie Erkunden der Stadt ermöglicht. Nach Rotterdam wollte ich schon lange, habe mich aber immer von den teuren Flugpreisen ab Wien abhalten lassen. Die einfachste Lösung für dieses Problem war dann schließlich, nach Amsterdam zu fliegen und einfach mit dem Zug in nur rund 25 Minuten direkt vom Flughafen Schiphol nach Rotterdam zu düsen.

Auferstehung nach dem Krieg

Dass sich Rotterdam derart von anderen niederländischen Städten unterscheidet, liegt an dessen fast vollkommener Zerstörung durch einen deutschen Luftangriff am 14. Mai 1940. Den Wiederaufbau prägten über die folgenden Jahrzehnte zahlreiche Architekten, die mit teils beeindruckenden innovativen Gebäuden ein Zeichen setzten und Rotterdam zu einer modernen Stadt formten. Nur noch ganz vereinzelt findet man heute noch Häuser aus der Zeit vor dem Krieg – diese stelle ich euch in einem eigenen Punkt weiter unten vor.

Ausgangspunkt Blaak

Unser gewähltes Hotel lag etwas westlich der Innenstadt direkt am Verkehrsknotenpunkt Rotterdam Blaak, wo neben der S-Bahn auch noch drei U-Bahn- sowie zwei Straßenbahn-Linien halten. Abgesehen von dieser sehr guten Verbindung in die City hat uns super gefallen, dass Sehenswürdigkeiten wie die Laurenskerk, die Kubushäuser, die Markthalle und der Oude Haven nur einen Katzensprung entfernt lagen. Die Gehwege in das Zentrum waren mit 10-15 Minuten auch mehr als überschaubar, sodass wir die öffentlichen Verkehrsmittel nur für die etwas weiteren Distanzen nutzten. Nun gehe ich aber der Reihe nach die sehenswerten Orte, Plätze und am wichtigsten, die von uns getesteten Lokale in Rotterdam durch! 😉


Kubushäuser und Blaakturm in Rotterdam

Sehenswertes in Rotterdam

In diesem Abschnitt gehe ich auf die Sehenswürdigkeiten der Hafenstadt ein. Weiter unten im Artikel stelle ich euch dann die historischen Gebäude Rotterdams vor, die den Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg überstanden haben.

Kubushäuser

Die gelben Kubushäuser (Kubuswoningen) kannte ich von Bildern aus dem Internet schon viele Jahre. Gemeinsam mit der Erasmusbrücke (siehe unten) waren es diese spektakulär aussehenden Gebäude, die mein Verlangen nach Rotterdam stark weckten. Entwickelt wurden die Kuben von Piet Blom, die Fertigstellung geht auf das Jahr 1984 zurück. Der Architekt sah die Häuser als Bäume mit Stamm und die gesamte, aus 51 Kuben bestehende Anlage, als Baumkrone. Gemeinsam mit dem nebenan erbauten und ebenfalls von Blom entworfenen Blaakturm (Blaaktoren) ergibt dieser architektonische Zusammenschluss geniale Fotos.

Kuben als Brücke

Eine Besonderheit der Kubushäuser ist, dass sie gleichzeitig eine Fußgängerbrücke über eine vielbefahrene Straße darstellen. Ich empfehle euch, unbedingt einmal diesen Durchgang zu benutzen, die Verbindung führt vom Blaaktoren zum Oude Haven. Ihr erhaltet eine perfekte Ansicht des Alten Hafens und ein Blick nach oben bringt einen genialen Kontrast zwischen den gelben Hausfassaden und dem blauen Himmel. Wenn ihr einen Blick in eine Schauwohnung werfen wollt, seht euch diese Webseite an: kubuswoning.nl. Auch das Übernachten ist in den Kubushäusern möglich – das Stayokay Rotterdam Hostel hat sich eingemietet.

Fotospots

 

Markthalle

Nur wenige Meter von den Kubushäusern entfernt steht man vor der wahrlich gigantischen Markthal (Markthalle), die erst 2014 eröffnet und schnell zu einer Topattraktion wurde. Im hufeisenförmigen Gebäude sind nicht nur ein Lebensmittelmarkt sowie Dutzende Marktstände zu finden, sondern auch noch Lokale, eine Tiefgarage und über 200 Wohnungen. Betritt man die Halle, zieht das bunte Kunstwerk an der Decke automatisch den Blick auf sich. Darstellen soll das aus 4.000 Glasscheiben bestehende Werk stark vergrößerte Früchte, Insekten und allerlei anderes. Der Besucher soll nach der Meinung des Künstlers Arno Coenen ein Gefühl wie bei „Alice im Wunderland“ erleben, was tatsächlich gelingt.

Eldorado für Genussmenschen

Eines dürft ihr beim Besuch der Markthalle nicht mitbringen: einen vollen Magen. Es warten an den Ständen derart viele internationale Delikatessen, Obst und Gemüse sowie typisch niederländisches Fast Food, dass ihr unbedingt zumindest ein wenig der diversen Köstlichkeiten probieren müsst. Was meine Freundin und ich alles gestestet haben, erfahrt ihr weiter unten im Text, wenn es um das Essen und Trinken in Rotterdam geht. Spannend ist auch eine Fahrt mit der Rolltreppe in die unteren Stockwerke, denn dabei kann man sich Ausgrabungsstücke, die während des Baus gefunden wurden, ansehen. Für die Öffnungszeiten und einen Plan der Stände geht ihr am besten auf die Webseite markthal.klepierre.nl.

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AUSFLUGSTIPP

Windmühlen von Kinderdijk im Sonnenaufgang

Sofern ihr euren Besuch in Rotterdam noch nicht fixiert habt, solltet ihr eventuell noch einen halben Tag mehr einplanen. Nur wenige Kilometer von der Stadt entfernt stehen nämlich in Kinderdijk 19 Windmühlen, die zum UNESCO-Welterbe gehören. Ich war mit meiner Freundin zum Sonnenaufgang vor Ort und habe unsere Erlebnisse in einem eigenen Blogbeitrag festgehalten, den ihr hier lesen könnt: Windmühlen-Romantik in Kinderdijk

 

Maritiem Museum

Das Maritiem Museum (Maritimes Museum) liegt am Verkehrsknotenpunkt Beurs unmittelbar neben dem Denkmal De Verwoeste Stad (siehe weiter unten im Text). Im Museum selbst waren wir nicht, da uns Ausstellungsstücke, -bilder und -dokumente zur Schifffahrt nicht so interessieren. Sehr sehenswert dagegen – und auch für meine Freundin und mich spannend – sind die Schiffe und Kräne im angrenzenden Leuvehaven. Wenn man auf dem Weg zur Erasmusbrücke ist, lohnt sich der Spaziergang entlang dieser historischen Überbleibsel. Sie sind nicht nur ein attraktives Fotomotiv in Verbindung mit der Umgebung, sondern auch eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Wenn ihr das Maritiem Museum dennoch besuchen wollt, findet ihr auf der Seite maritiemmuseum.nl die Öffnungszeiten und Preise.

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Hafenrundfahrt

Rotterdam hat einen der größten Seehäfen der Welt und den mit Abstand größten Tiefwasserhafen Europas – an einer Rundfahrt mit dem Boot führt also kein Weg vorbei. 😉 Hafenrundfahrten werden von der Firma Spido mit recht großen Schiffen durchgeführt, man bekommt im Normalfall also immer einen Platz für seine gewünschte Zeit. Die Anlegestelle befindet sich unterhalb der Erasmusbrücke an der Straßenbahnstation Willemsplein, Tickets bekommt ihr am Kai neben dem Souvenirladen. Es werden verschiedene Rundfahrten angeboten, zum Zeitpunkt unseres Besuchs Ende März gab es jedoch nur die reguläre Hafenrundfahrt (Dauer 1:15h, EUR 13,25) zur Auswahl, die ich aber als großartig empfand. Im Hochsommer könnt ihr im Juli und August zusätzlich eine große Hafenrundfahrt buchen, die zweieinhalb Stunden dauert.

Unvergessliche Perspektiven

Die Fahrt beginnt zuerst in östlicher Richtung mit der Unterquerung der Erasmusbrücke, wodurch man die ersten guten Fotos der Brücke mit der Skyline dahinter schießen kann – jede Menge weitere Möglichkeiten folgen. Sofort danach dreht das Schiff um und fährt fortan gegen Westen auf dem Fluss Nieuwe Maas. Dabei kommt man an der SS Rotterdam vorbei, dem größten Passagierschiff der Niederlande. Früher wurde es für die Überfahrt nach Amerika genutzt, heute ist es ein Museums- und Hotelschiff. Das eigentliche Ziel der Hafenrundfahrt ist, wie der Name unschwer vermuten lässt, der Hafen (Haven van Rotterdam). Dieser erstreckt sich aber von der Rotterdamer Innenstadt fast 40 Kilometer (!) bis zum Stadtbezirk Hoek van Holland. Deshalb sieht man während der Rundfahrt nur einen sehr kleinen Teil des Hafens, aber immerhin doch einige Containerschiffe und jede Menge Kräne. Eines muss ich aber zugeben: der Hamburger Hafen ist doch um einiges schöner, da sich dort der Hafenbetrieb praktisch noch innerhalb der Stadt abspielt und ein weitaus historischeres Flair als in Rotterdam vorherrscht.

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Euromast

Der Euromast ist ein 1960 eröffneter Aussichtsturm, der anlässlich der Gartenschau Floriade gebaut wurde. Die ursprüngliche Höhe von 101 Metern ergänzte man 1970 mit dem Aufsetzen des „Space Tower“ – ein Mast, an dem sich eine Gondel in die Höhe schiebt. Auch ein Restaurant und sogar eine Suite zum Übernachten sind oben zu finden. Zu sehen ist der Euromast durch seine Höhe natürlich von vielen Orten in der Stadt, wodurch er Rotterdams prägnantes Aussehen mitbestimmt. Erreichen könnt ihr ihn am besten mit der Straßenbahn-Linie 8 bis zur Station Euromast/Erasmus MC.

Geniale Aussicht

Die Auffahrt kostet EUR 9,75, dabei ist die Fahrt mit der Gondel an die Spitze bereits inkludiert. Die Tickets könnt ihr bereits vorab auf der Webseite euromast.nl kaufen, was aber nicht unbedingt notwendig ist. Beachten muss man nur, dass im Turm kein Bargeld angenommen wird. Ich empfehle euch, auf jeden Fall zum Sonnenuntergang bzw. zur einsetzenden Dämmerung auf den Euromast zu fahren – die langen Öffnungszeiten kommen dem perfekt entgegen. Der Ausblick auf die Innenstadt und Teile des Hafens sind einfach fantastisch. Leider konnten meine Freundin und ich nicht mehr mit der Gondel an die Spitze fahren, da diese just in dem Moment defekt war, als wir einsteigen wollten. Für den Ausblick ist das aber egal, man ist auch auf der Plattform bereits weit über allen anderen Gebäuden Rotterdams.

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Tiergarten

Der Tiergarten von Rotterdam (Diergaarde Blijdorp) liegt etwas abseits der Innenstadt etwa 10 Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Alternativ fahren die Busse 40 und 44 (Station Diergaarde Blijdorp) direkt vor den Eingang oder ihr nehmt die Metro E (Station Blijdorp) und folgt dann einige Minuten den Bodenmarkierungen zum Zoo. Alle Infos zu den Preisen und Öffnungszeiten gibt es auf der Webseite diergaardeblijdorp.nl.

Getrübte Freude

Ich muss ehrlich sagen, dass der Tiergarten meine Freundin und mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen hat. Er wurde uns von mehreren Personen empfohlen und auch die Bewertungen im Internet sprachen für einen Besuch. Wir haben uns den Vormittag eines Regentags ausgesucht, wodurch der Park zuerst wie ausgestorben wirkte. Überdurchschnittlich viele Bereiche waren wegen Reparaturen oder Bauarbeiten gesperrt, was bei einem saftigen Eintrittspreis von EUR 23,- (online EUR 21,50) sehr ärgerlich ist.

Tiere zu Land und zu Wasser

Aber nun zum Positiven: das, was wir zu Gesicht bekamen, gefiel uns gut – abgesehen davon, dass einige Tiere wie der Tiger das typische, apathische Zootierverhalten an den Tag legten. 🙁 Im Außenbereich sahen wir uns unter anderem die Elefanten, die entzückenden Präriehunde, die Buschkatzen und die Giraffen an. Auch das Tropenhaus mit den bunten Schmetterlingen ist sehenswert. In einem eigenen Abschnitt des Zoos sind die Meeresbewohner zuhause, diesen Bereich fanden wir als sehr ansprechend umgesetzt. Fazit: wenn euch Tiergärten wichtig sind, dann könnt ihr den Diergaarde Blijdorp mit gutem Gewissen besuchen. Wenn ihr nur wenig Zeit habt, dann streicht ihn lieber.

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Erasmusbrug und Skyline

Die Erasmusbrug (Erasmusbrücke) in Verbindung mit der modernen Skyline ist natürlich auch eine Sehenswürdigkeit und lockt wohl nicht wenige Architekturfans nach Rotterdam. Die 802 Meter lange und 139 Meter hohe Schrägseilbrücke verbindet seit 1996 die Innenstadt mit dem Stadtentwicklungsgebiet Kop van Zuid, das über dem Fluss Nieuwe Maas liegt. Dort reihen sich die modernen Wolkenkratzer aneinander, nur ganz am Ende steht etwas verloren das Hotel New York (Details dazu siehe weiter unten).

Tolle Fotos bei Tag und Nacht

Ein Spaziergang mit Blickkontakt auf die Erasmusbrücke sollte jedenfalls auf eurem Programm stehen. Am Abend ist die Szene natürlich noch schöner – selbst Regen und Nebel konnten das Erlebnis nicht trüben, wie ihr in den Fotos sehen könnt. Hinter dem südlichen Ende der Brücke kann man übrigens den Prototyp eines schwimmenden Pavillons (Drijvend Paviljoen) ansehen, mit dem man zukünftig dem Klimawandel und dem dadurch steigenden Meeresspiegel begegnen will. Vorerst werden darin aber Veranstaltungen und Ausstellungen organisiert.

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Einen sehr schönen Blick auf die Erasmusbrücke und die Innenstadt bekommt ihr von der Terrasse des Hotel nhow Rotterdam (Wilhelminakade 137), die in den warmen Monaten öffentlich zugänglich ist. Aber auch durch die Scheibe gelang mir ein gutes Bild.

 

Essen und Trinken in Rotterdam

Wirklich Essen gegangen sind meine Freundin und ich in den vier Tagen Rotterdam nur zweimal. Das liegt daran, dass es in der Stadt einfach so viele kleine Sünden zu probieren gibt, sodass wir nicht immer großen Hunger hatten. Jedenfalls empfehlen kann ich euch den Alten Hafen (Oude Haven) an der Station Blaak (Bahn, Metro, Straßenbahn), dort findet ihr einige nette Lokale am Wasser. Wir waren im Kade 4 (Spaansekade 4) und haben im Freien neben einem Feuer sitzend köstliche Spareribs und Surf & Turf (Steak mit Garnelen) gegessen. Für die Streetfood-Fans unter euch sollte unbedingt ein Besuch der Fenix Food Factory (Veerlaan 19D) im Stadtteil Katendracht am Programm stehen. Wir waren zwar sehr spät vor Ort, als von den Dutzenden Ständen nur noch The Kaapse Kitchen offen hatte – aber dort bekamen wir frisch und mit Liebe zubereitetes gebratenes Huhn im Pitabrot mit Salat und einen orientalischen Eintopf mit Gemüse. Alle Infos zu den Angeboten und Öffnungszeiten vor Ort findet ihr auf der Webseite fenixfoodfactory.nl.

Für den schnellen Hunger bieten sich in Rotterdam die typisch niederländischen Snacks an. In der Markthalle (Markthal) findet ihr davon garantiert Unmengen, aber auch in der Stadt selbst stehen immer wieder Foodtrucks herum oder man geht einfach zu einem der Kioske. Probiert haben wir folgendes: klassischerweise Pommes Frites (Hollandse frites, doppelt gebacken und somit außen knusprig und innen zart), Bitterballen (kleine frittierte Bällchen mit vegetarischer oder Fleischfüllung und Senf, Achtung: sehr heiß!!), Kroket (frittierte Kroketten mit diversen Füllungen wie etwa Garnelen, Fleisch oder Gemüse) und Frikandel (eine Art gebratene Fleischrolle). Nicht alles davon war mein Geschmack, aber probieren solltet ihr irgendeine dieser Speisen auf jeden Fall!

Wer es süßer will, bestellt sich an passender Stelle (zum Beispiel in der Markthalle) eine vor Ort gebackene Stroopwafel (Sirupwaffel). Diese wird im Gegensatz zu einer belgischen Waffeln mit einer sehr dünnen Teigschicht gebacken, halbiert und mit Sirup gefüllt. Schmeckt frisch, warm und lecker! Oder ihr nehmt euch, ebenfalls in der Markthalle zu finden, herrlich schmeckende Cocosballs (Kokoskuppeln, aber ohne Schokoladecreme) bei Madame Cocos. Gegessen haben wir diese in Verbindung mit einem kräftigen Espresso bei Brazuca Coffee. Wie ihr seht, kann man das Leben in der Markthalle echt genießen und viel Zeit mit Essen verbringen. 😉

Abends waren wir vom vorangegangen Sightseeing immer recht müde, aber wir wollten noch unbedingt die uns empfohlene Fortgehmeile Witte de Withstraat ansehen. Dort reihen sich die Geschäfte sowie Lokale aneinander und wir genossen in der Bierboutique (Witte de Withstraat 40B) einige niederländische Biere mit Blick auf das Treiben der Straße.

 

Der Oude Haven (Alter Hafen) von Rotterdam

Das historische Rotterdam

Zu Beginn des Artikels habe ich es schon erwähnt: ein riesiger Teil Rotterdams wurde im Zweiten Weltkrieg durch einen Luftangriff komplett zerstört und erforderte einen radikalen Neubeginn, was die Architektur anbelangt. Inmitten der teils mehr, teils weniger modernen Neubauten findet man aber auch heute noch Gebäude und Viertel, die den Bombenhagel wie durch ein Wunder weitgehend unbeschadet überstanden haben. Sie geben ein Bild davon, wie Rotterdam früher ausgesehen hat – nachfolgend stelle ich euch einige davon vor, die heute wichtige Sehenswürdigkeiten darstellen.

Oude Haven und Het Witte Huis

Nach unserer Ankunft im Hotel blickten wir aus dem Zimmerfenster direkt auf den wunderschönen Alten Hafen (Oude Haven) mit seinem markanten weißen Hochhaus Het Witte Huis (Fotos vom Ausblick siehe Fakten am Beginn des Artikels). Dementsprechend nutzten wir den ersten Abend unserer einwöchigen Niederlande-Rundreise gleich für ein stimmungsvolles Abendessen zwischen alten Schiffen – detaillierte Tipps zum Essen und Trinken findet ihr im blauen Infokasten weiter oben. Der Oude Haven stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist der älteste Hafen Rotterdams. Er ist zwar nicht groß, punktet aber mit der grandiosen Mischung aus alten Booten, historischen Häusern und modernen Gebäuden wie den gelben Kubushäusern – bewusst habe ich diese Szene, die Rotterdam in einem einzigen Foto beschreibt, als Aufmacherbild für den Blogbeitrag gewählt.

Ein Traum in Art Nouveau

Ein Gebäude kann man nicht übersehen: das 43 Meter hohe Het Witte Huis (Weißes Haus), welches das erste Hochhaus in Rotterdam und sogar in Europa war. Der in weiß gehaltene Bau aus dem Jahr 1898 präsentiert sich in feinstem Jugendstil und fordert zum genauen Ansehen der Fassadendetails auf. Man kann nur ewig dankbar sein, dass dieses Baujuwel nicht im Krieg zerstört wurde! Im Erdgeschoss ist heute das Grand Café Het Witte Huis untergebracht, in das wir einen kurzen Blick hineingeworfen, aber nichts konsumiert haben. Bei besonderen Anlässen ist es möglich, auf die Dachterrasse zu fahren – wann das der Fall ist, müsst ihr bei Interesse per Mail nachfragen. Infos dazu findet ihr in niederländischer Sprache auf der Webseite inhetwittehuis.nl.

Fotospots

 

Grote of Sint-Laurenskerk / Erasmus-Statue

Die Grote of Sint-Laurenskerk (kurz Laurenskerk) nimmt eine besondere Stellung in Rotterdam ein. Die zwischen 1449 und 1525 errichtete gotische Kirche ist das einzige Bauwerk aus dem Mittelalter, das den Krieg überstanden hat. Zwar waren schwere Schäden zu beklagen, von 1952 bis 1968 erfolgte aber die Wiederherstellung. Optisch sticht sie mit ihrem markanten Glockenturm sofort aus der Umgebung heraus. Innen wirkt sie zunächst schlicht, es finden sich aber einige interessante Details.

Spannende Details im Innenbereich

Imponiert haben mir die riesige Orgel, die goldenen Luster, der modern gestaltete Kreuzweg und der Bereich für die Opferkerzen, wo man sowohl echte als auch per Zufallsprinzip elektrische Kerzen erleuchten lassen kann. Wann die Laurenskerk für Besucher zugänglich ist, entnehmt ihr bitte der Webseite laurenskerkrotterdam.nl. Von April bis Oktober ist es zusätzlich möglich, den Turm zu besteigen, was allerdings während unseres Besuchs Ende März noch nicht möglich war. Noch ein Tipp: vor dem Eingang der Kirche steht eine Statue von Erasmus von Rotterdam, dessen Lebenswerk es war, anderen Bildung und Bildungschancen zu vermitteln – für viele Auslandsstudenten ist das sicherlich eine besondere Statue! 🙂

Fotospots

 

Delfshaven

Der heutige Museumshafen Delfshaven ist gleichzeitig ein Stadtteil Rotterdams und weitgehend von den Kriegswirren verschont geblieben. Der Hafen wurde 1389 von der niederländischen Stadt Delft errichtet, um den nicht ans Meer grenzenden Ort für den Seehandel anzubinden. Meine Freundin und ich sind den rund 400 Meter langen Hafen ausgehend von der Station Delfshaven (Metro A, B, C, Straßenbahn 4, 8) abgegangen und dann bei der Station Schiemond (Straßenbahn 8) wieder retour in die Innenstadt Rotterdams gefahren – umgekehrt geht es natürlich auch. Die Wasserspiegelungen der historischen Häuser sind traumhaft anzusehen und bieten zahlreiche Fotomotive. Einen Abstecher solltet ihr auch in die Pilgerkirche Pelgrimvaderskerk werfen, in der Pilger ihren letzten Gottesdienst vor der Abfahrt feiern. Am Ende des Delfshaven steht noch eine der wenigen Windmühlen Rotterdams, die Turmwindmühle De Distilleerketel aus dem Jahr 1986. An ihrer Stelle stand von 1727 bis 1940 eine Malzmühle für die Brennereien, die allerdings dem Kriegsbeschuss zum Opfer fiel.

Fotospots

 

Hotel New York

Mit dem Hotel New York steht ein geschichtsträchtiges Gebäude an der Spitze des Stadtentwicklungsgebiets Kop van Zuid, das an der Erasmusbrücke beginnt. Das Haus existiert seit 1901, sein endgültiges und jetziges Aussehen erhielt es bis 1917. Ursprünglich handelte es sich um den Firmensitz der Holland America Lijn (der Schriftzug ist noch an der Außenfassade sichtbar), welche jahrzehntelang als Monopol einen transatlantischen Passagier-Liniendienst nach New York betrieb und somit die Anlaufstelle für über eine Million Auswanderer in die USA war. Durch den Erfolg der Luftfahrt entschloss sich HAL 1971 dazu, den Liniendienst einzustellen und sich auf Kreuzfahrten zu spezialisieren. Das Gebäude stand danach einige Jahre leer, bis 1993 das Hotel New York darin eröffnete.

Hotel aus Auslöser für Bauboom

Das Hotel New York erhielt fortan großen Zuspruch und wurde zu einem geschäftlichen Erfolg. Dieser wiederum war der Auslöser, das rundherum brachliegende, ehemalige Hafengebiet völlig neu zu gestalten. Diesem Umstand verdankt Rotterdam das heutige Aussehen mit der architektonisch herausragenden Erasmusbrücke und den vielen modernen Hochhäusern. Das Hotel wirkt vor seinem benachbarten Wolkenkratzer „Montevideo“ übrigens wie ein Modell, so enorm sind die unterschiedlichen Dimensionen! Ausbaufähig ist dagegen noch die Anbindung des Hotels mit öffentlichen Verkehrsmitteln, denn zur nächstgelegenen Straßenbahn-Station Wilhelminaplein sind es doch 400 Meter. Dafür gibt es vor der Tür eine Anlegestelle für das Wassertaxi, das ich euch in den Allgemeinen Tipps am Ende des Artikels kurz vorstelle. Im Hotel New York selbst lohnt sich jedenfalls ein Blick in das ebenerdig gelegene Café, wo meine Freundin und ich einen starken Espresso genossen und kurz das Feeling innerhalb der historischen Architektur aufsaugten.

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Stadhuis Rotterdam / Het Schielandshuis / Denkmal De Verwoeste Stad

In der Nähe des Hauptbahnhofs steht auf der Straße Coolsingel unübersehbar das mächtige Stadhuis (Rathaus). Geplant wurde es 1911 vom niederländischen Architekten Henri Evers im Beaux-Arts-Stil, nachdem es schon seit 1860 Pläne für einen Neubau des für die wachsende Stadt zu klein gewordenen Gemeindehauses gab. Das auf einer Grundfläche von stolzen 86×106 Metern befindliche Rathaus öffnete 1920 seine Tore und überstand den Krieg halbwegs unbeschadet. Eine Führung durch das Gebäude ist prinzipiell möglich, allerdings nur für Gruppen und mittels vorheriger Terminvereinbarung per Mail oder Anruf. Infos dazu findet ihr auf der Webseite rotterdam.nl.

Stadtpalast zwischen Hochhäusern

Inmitten von Hochhäusern versteckt sich das palastähnliche, aber von den Dimensionen deutlich kleiner gehaltene Het Schielandshuis aus dem Jahr 1655. In frühen Jahren war es elitärer Treffpunkt von Polderfahrern mit wohlhabender Herkunft, später schliefen der französische Kaiser Napoleon und der russische Zar Alexander in den Räumen. Nachdem die Stadt Rotterdam das Haus Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb, richtete ein Feuer großen Schaden an. Zwischenzeitlich wurde danach das Museum Boymans – benannt nach dem Utrechter Kunstsammler FJO Boymans – mit Werken aus Rotterdam eröffnet, zusätzlich befand sich das Stadtarchiv im Inneren. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde allerdings der Platz zu eng und das Museum Boymans zog in ein anderes Gebäude um. Nach dem Bombenangriff restaurierte die Stadt das Haus erneut, sodass man auch heute noch die klassizistische Fassade bewundern kann. Im Inneren befindet sich übrigens unter anderem die Rotterdam Tourist Information, also macht ein Besuch gleich doppelt Sinn.

Eindrucksvolles Denkmal

Mein letzter Punkt ist zwar kein erhalten gebliebenes Gebäude, passt aber thematisch dennoch perfekt in diesen Themenbereich. Das prägnante Denkmal De Verwoeste Stad (Die zerstörte Stadt) aus dem Jahr 1953 findet ihr in unmittelbarer Nähe zum Wasser am Verkehrsknotenpunkt Beurs (alle Metro-Linien sowie diverse Straßenbahnen halten dort) – dort solltet ihr sowieso vorbeikommen, da an dieser Stelle die sehenswerten Schiffe des Maritimen Museums vor Anker liegen. Die expressive, 6,50 Meter hohe Bronzeplastik des weißrussisch-französischen Bildhauers Ossip Zadkine zeigt einen Mann ohne Herzen und symbolisiert eindrucksvoll das während des deutschen Luftangriffs verlorene Herz der Stadt Rotterdam.

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ALLGEMEINE TIPPS

Wenn ihr mit dem Zug anreist, ist euer erster Kontakt mit Rotterdam wahrscheinlich der Hauptbahnhof Rotterdam Centraal. Seht euch nach Möglichkeit die Außenseite des Gebäudes an, denn das ist hypermodern! Im Innenbereich gilt es zu beachten, dass sich die Kioske mit Essen, Trinken und anderen Dingen alle innerhalb der Sperrzone befinden, wo ihr nur mit einem gültigen Ticket hineinkommt. Außerhalb dieser Sperrzone findet ihr dagegen die Touristeninfo und die Ticketautomaten.

Rotterdam verfügt über ein sehr gut ausgebautes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln mit fünf U-Bahnen (die Metro E fährt sogar bis nach Den Haag), zehn Straßenbahnen und diversen Bussen. Ein Einzelticket, das zwei Stunden lang gültig ist, kostet EUR 3,50. Meine Freundin und ich haben aber immer gleich ein Tagesticket um EUR 8,- genommen. Beachtet unbedingt, dass die Tickets nicht für die niederländische Bahn gelten, dort benötigt ihr eigene Fahrscheine. Kauft euch auch nur ein Tagesticket, wenn ihr Rotterdam nicht verlassen wollt, ansonsten seht euch das Tourist Day Ticket im nächsten Punkt an. Alle Arten von Netzplänen findet ihr auf der Webseite ret.nl.

Sobald ihr von Rotterdam aus einen Ausflug innerhalb von Südholland plant (zum Beispiel Keukenhof, Kinderdijk oder Den Haag), dann nehmt euch am besten das Tourist Day Ticket um EUR 13,50. Darin sind alle öffentlichen Verkehrsmittel und einige private Busunternehmen inkludiert. Aber Achtung, auch hier gilt das Ticket erneut nicht für die niederländische Bahn und einige andere Verkehrsmittel. Alle Details dazu gibt es auf der Webseite touristdayticket.de. Wie ihr das Ticket am Automaten findet, seht ihr euch am besten anhand meines Fotos unten an.

In den Niederlanden müsst ihr beim Ein- und Aussteigen in öffentliche Verkehrsmittel jedes Mal euer Ticket an den Entwerter halten, um es zu verifizieren – sehr nervig!

In Europa einmalig ist das eigene Wassertaxi-Netz in Rotterdam. Mit kleinen Speedbooten könnt ihr je nach Zonenanzahl um EUR 4,50 bis EUR 10,00 an rund 50 Anlegestellen in und außerhalb der Stadt gelangen. Wir haben es zwar nicht genutzt, aber vielleicht ist es ja für euch interessant. Alles Infos findet ihr auf der Webseite watertaxirotterdam.nl.

Radwege und Radfahrer gibt es in Rotterdam genügend. Nachdem die Fußwege zwischen den Sehenswürdigkeiten teilweise doch recht lang sind und die Menge an Pedaltretern noch nicht so nervend wie in Amsterdam ist, zahlt sich das Ausborgen eines Rades sicherlich für viele von euch aus!

 

FAZIT

Dass meine Freundin und ich unsere einwöchige Rundreise durch die Niederlande in Rotterdam beginnen, war eine ausgezeichnete Entscheidung. Die Stadt unterscheidet sich derart von anderen Orten wie beispielsweise Amsterdam, dass wir in den vier Tagen wirklich viele neue Eindrücke gewinnen konnten. Es ist faszinierend und bedrückend zugleich, in der nach dem Krieg fast komplett neu aufgebauten Innenstadt zu spazieren und moderne sowie historische Gebäude nebeneinander zu entdecken. Die Architektur spielt sichtlich eine große Rolle in Rotterdam und lässt sich ausgezeichnet vom Euromast aus luftiger Höhe überblicken. Ich kann nur jedem von euch empfehlen, selbst einmal die rund 25-minütige Zugfahrt von Amsterdam zu wagen und sich von Rotterdam positiv überraschen zu lassen! 🙂

 

Rotterdam: Reisebericht mit allen Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.Rotterdam: Reisebericht mit allen Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.

6 Kommentare

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