Das Windmühlendorf Zaanse Schans

Was darf man bei einer Reise in die Niederlande auf keinen Fall verpassen? Richtig, Windmühlen! Nichts wird mehr mit diesem Land verbunden – was auch schnell bemerkbar wird, wenn man sich die Postkartenmotive in den Souvenirläden ansieht. Wenn ihr Amsterdam besucht, dann bietet sich ein Halbtagestrip nach Zaanse Schans an, wo man in einem Freilichtmuseum gleich mehrere Windmühlen von innen und von außen bewundern kann. Warum ich trotz großer Begeisterung vor Ort schlussendlich ohne große Emotionen wieder abgereist bin, erfahrt ihr in diesem Beitrag!

Zaanse Schans

FAKTEN

Reisezeit: Ende März 2018 (Halbtagesausflug von Amsterdam aus)
Anreise: Mit dem Zug von Amsterdam Centraal nach Zaandijk Zaanse Schans (0:18 h).
Öffnungszeiten: das Gelände ist ganzjährig jederzeit zugänglich, die Öffnungszeiten der Museumsmühlen und -gebäude findet ihr auf der Webseite dezaanseschans.nl
Preise: EUR 15,- für die alle Attraktionen vereinende Zaanse-Schans-Card oder alternativ jeweils einen kleinen Eurobetrag in den einzelnen Museen, wobei viele kostenlos sind!
Webseite: https://www.dezaanseschans.nl/

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Zaanse Schans habe ich während einer einwöchigen Rundreise durch die Niederlande besucht. Nachfolgend findet ihr die Links zu den Reiseberichten meiner anderen Ziele:

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Windmühlen in Zaanse Schans

Zaanse Schans lockt die Massen

Zu Beginn dieses Artikels muss ich gleich etwas zugeben: ich hatte vor der Reise in die Niederlande 2018 noch nie von Zaanse Schans gehört. Auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis hatte niemand das Windmühlendorf in Erinnerung. Dieser Umstand ist umso verwunderlicher, wenn man von den Besucherzahlen liest – über zwei Millionen Touristen pilgern jährlich in den nur rund 15 Kilometer vom Amsterdamer Zentrum entfernten Ort. Meine Freundin war früher schon einmal dort und überzeugte mich wegen meiner Sehnsucht nach Windmühlen schnell davon, etwas Zeit für Zaanse Schans einzuplanen.

Das künstliche Windmühlendorf

Bei Zaanse Schans handelt es sich um eine Art Freilichtmuseum, in dem Besuchern das historische Gefühl des ehemaligen Industriegebiets nähergebracht werden soll. Eine Besonderheit ist, dass die Häuser tatsächlich bewohnt sind. Das erste Gebäude eröffnete 1928 und zwischen 1961 und 1974 verlegte man zahlreiche originalerhaltene alte Häuser aus der Region Zaanstreek nach Zaanse Schans. Bei den Windmühlen verhielt es sich ähnlich, nur eine einzige Mühle steht heute noch an ihrer ursprünglichen Stelle, alle anderen wurden von anderen Orten nach Zaanse Schans versetzt. Mit diesem Wissen um die fehlende Authentizität fehlte mir von Anfang an das Gefühl der Aufregung sowie Neugier, welches ich bei der Fahrt zu den Windmühlen von Kinderdijk bei Rotterdam verspürte.

Handwerkern bei der Arbeit zusehen

Das Gelände ist zu jeder Tageszeit frei zugänglich, was vor allem für Fotografen interessant ist, die ungestört die Mühlen im schönsten Morgen- oder Abendlicht ablichten wollen. Untertags, wenn die Massen dann ankommen (auf der offiziellen Webseite dezaanseschans.nl findet ihr unten einen „Druckmesser“, der den voraussichtlichen Besucheransturm zeigt), öffnen zahlreiche Windmühlen und Gebäude ihre Tore – dort kann man dann entweder kostenlos oder gegen eine kleine Gebühr Ausstellungen besichtigen sowie verkleideten Handwerkern bei historischen Tätigkeiten zusehen. Wenn ihr früh anreist und wirklich viel von innen besichtigen wollt, dann zahlt sich die Zaanse-Schans-Card um EUR 15,- aus, die man vor Ort erhält. Wir haben sie nicht genommen, weil wir aus Zeitgründen nur einige Häuser besichtigten bzw. überhaupt nur einmal EUR 2,- Eintritt in der Weberei bezahlen mussten – viele andere Ausstellungen waren kostenlos.

Tipp zur Anreise

Bevor ich euch mit einer Bilderstrecke zeige, was es alles zu entdecken gibt, noch ein Wort zur Anreise. Wenn ihr in Amsterdam spazierengeht, dann werden euch immer wieder Angebote und Werbung für eine Bustour nach Zaanse Schans auffallen. Ich kann euch nur dringend abraten, solch eine Tour zu buchen! Was ich gesehen habe, sind die Preise mit rund EUR 50,- pro Person weit überzogen und ihr habt nur wenige Stunden vor Ort zur Verfügung – noch dazu erfolgt die Anreise per Bus, wodurch der Verkehr euch zusätzlich Zeit nimmt. Mein Tipp: fahrt von Amsterdam Centraal (Hauptbahnhof) mit dem Zug nach Zaandijk Zaanse Schans! Dieser Weg hat nur Vorteile: es fährt alle 10-20 Minuten ein Zug, die Fahrt dauert nur 18 Minuten, das Ticket ist mit EUR 3,20 in eine Richtung unschlagbar günstig und das Beste – ihr habt während der Besichtigung des Freilichtmuseums wirklich absolut keinen Stress. Die Fahrplanauskunft auf ns.nl zeigt euch den exakten Fahrplan an eurem gewünschten Besuchstag.

 

Sprinter auf dem Hauptbahnhof Amsterdam Centraal
Den Ausflug zum Windmühlendorf starteten meine Freundin und ich vom Hauptbahnhof Amsterdam Centraal. Mit dem „Sprinter“ benötigten wir nur 18 Minuten bis zum kleinen Bahnhof Zaandijk Zaanse Schans – diese Zeit ist mit den teuren Tourbussen, für die in der ganzen Stadt geworben wird, unmöglich zu erreichen.
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Windmühlen von Zaanse Schans
Angekommen am Bahnhof Zaandijk Zaanse Schans, benötigten wir rund 10 Minuten Fußweg, bis wir an der Brücke Julianabrug ankamen, die über den Fluss Zaan Richtung Freilichtmuseum führt. Begleitet wurden wir bei diesem netten Spaziergang durchgehend von Schokoladegeruch von der angrenzenden riesigen Kakaofabrik, der teilweise aber schon ziemlich penetrant in der Nase kitzelte. Von der Julianabrug hat man jedenfalls einen perfekten Blick auf alle Windmühlen von Zaanse Schans, was eine tolle Einstimmung ist und auch von vielen Touristen für Selfies genutzt wurde.
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Windmühlen und Freilichtmuseum in Zaanse Schans
Der erste Eindruck vom Freilichtmuseum in Zaanse Schans könnte malerischer nicht sein! Kleine Grachten schlängeln sich durch eine gepflegte Landschaft, die von historischen Häusern umgeben wird.
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Laden von Albert Heijn in Zaanse Schans
Gleich zu Beginn gäbe es mit der Nachbildung des ersten Ladens von Albert Heijn bereits einen interessanten Schauraum. Leider hatte dieser während unseres Besuchs geschlossen (Öffnungszeiten), aber immerhin konnte ich durch die Eingangstür in das Innere fotografieren. Albert Heijn senior gründete 1887 in der nicht weit entfernten Ortschaft Oostzaan den gleichnamigen Greißlerladen, der sich zu einer heute landesweiten Supermarktkette entwickelte.
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Gewürzmühle De Huisman in Zaanse Schans
Die erste Windmühle, an der man vorbeikommt, ist die Gewürzmühle „De Huisman“. Ihr Ursprünge gehen auf das Jahr 1786 zurück, in Zaanse Schans steht sie seit 1955 in restaurierter Form. Früher wehte der Duft von Tabak aus ihrem Inneren, heute wird sie für das Mahlen von Senfkörnern verwendet.
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Gewürzmühle De Huisman in Zaanse Schans
Ein Rundgang durch die Mühle „De Huisman“ ist kostenlos möglich und zeigt das mächtige Mahlwerk im Einsatz. Der Betrieb wird allerdings nicht mehr durch Windkraft gewährleistet, wie es auf den ersten Blick scheint. Kurz vor dem Ausgang werden in einem kleinen Shop jede Menge Senf und andere Gewürze zum Kauf angeboten, was sich als gutes Mitbringsel anbietet.
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Bäckereimuseum "In de Gecroonde Duyvekater" in Zaanse Schans
Kein Vorbeikommen für Naschkatzen gibt es am Bäckereimuseum „In de Gecroonde Duyvekater“. Schon von außen führt der Duft frischer Waffeln unweigerlich in das Innere des entzückenden Hauses aus dem Jahr 1658, das 1970 in Zaanse Schans wieder aufgebaut wurde. Die Waffeln werden zwar mit einem modernen Waffeleisen gemacht, aber der Geschmack ist grandios! Am besten genießt man diese im Raum nebenan, wo es eine Menge an blauer Delfter Keramik zu bewundern gibt.
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Destilleriemuseum "De Tweekoppige Phoenix" in Zaanse Schans
Das Destilleriemuseum „De Tweekoppige Phoenix“ (zweiköpfige Phönix) ist dem Namen entsprechend zweigeteilt in einen Schauraum mit Verkostungsmöglichkeit sowie eine Destillerie mit Produktion von Hochprozentigem. Meine Freundin und ich probierten aus dem großen Sortiment einen hausgemachten Wodka aus Tulpenblüten – eine Spezialität der Destillerie –, der sehr mild und bekömmlich zum Trinken war.
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Übersichtsplan zu Zaanse Schans
Übersichtspläne zeigen den Besuchern an mehreren Stellen an, wo man sich gerade befindet und welche Attraktionen auf dem Weg liegen. Diesen Plan im Internet in ausreichender Auflösung aufzutreiben ist gar nicht so einfach, aber auf wikivoyage.org findet ihr einen abfotografierten aus dem Jahr 2011, der immer noch stimmt.
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Gelbe Klompen vor der Holzschuhwerkstatt "Klompenmakerij" in Zaanse Schans
Unser nächstes Ziel war die Holzschuhwerkstatt „Klompenmakerij“, vor dessen Gebäude zwei überdimensionierte traditionelle Klompen um Aufmerksamkeit schrien, welche von den Touristenscharen auch erhört wurde – jeder wollte unbedingt in diese Schuhe steigen und sich damit fotografieren lassen. Es dauerte einige Minuten, bis ich endlich schnell ein Bild ohne Menschen, dafür mit den Windmühlen im Hintergrund, schießen konnte.
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Holzschuhwerkstatt Klompenmakerij in Zaanse Schans
Die Holzschuhwerkstatt ist ebenfalls kostenlos zu besichtigen und bietet nach dem Eingang in einem Gang eine Rückschau auf alte Klompen aus der Vergangenheit – viele davon sind enorm detailreich verarbeitete Modelle, die beeindruckend anzusehen sind! Danach ist eine Schauwerkstatt aufgebaut, in der den Besuchern die Kunst der Holzschuhproduktion hautnah gezeigt wird.
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Dutzende Klompen in der Holzschuhwerkstatt Klompenmakerij in Zaanse Schans
Ebenfalls in der „Klompenmakerij“ untergebracht ist ein großzügiger Souvenirshop, in dem es alles zu kaufen gibt, was sich das Touristenherz wünscht. Die Auswahl erscheint auf den ersten Blick riesig, doch lasst euch davon nicht täuschen. Es gibt noch einige weitere Souvenirshops in Zaanse Schans, die im Großen und Ganzen exakt dasselbe verkaufen. Wirklich Kreatives darf man sich hier nicht erwarten, dafür sind die Preise gesalzen.
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Wevershuis (Weberhaus) in Zaanse Schans
Sehr überzeugend war die Darbietung, die meiner Freundin und mir im Wevershuis (Weberhaus) geboten wurde. Hier mussten wir erstmals Eintritt bezahlen, der mit EUR 2,- pro Person überschaubar war. Im Gebäude ist eine Weberei und die angrenzenden Wohnräume aus dem 18. Jahrhundert aufgebaut. Ein älterer Mann mit Klompen an den Füßen erklärte uns in bestem Englisch den Alltag eines Webers in der damaligen Zeit und zeigte am Webstuhl vor, wie anstrengend und aufwendig die Arbeit früher war.
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Kaasmakerij (Käserei) in Zaanse Schans
Die Kaasmakerij (Käserei) hat mich dann zum Lachen gebracht. Wir betraten die kostenlose Ausstellung und sahen uns die liebevoll gestalteten Räume an. Etwas Verwunderung kam bei uns auf, wie wenig Menschen neben uns noch anwesend waren. Doch kurz darauf sollten wir die Antwort auf diesen Umstand erhalten.
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Verkaufsraum Kaasmakerij (Käserei) in Zaanse Schans
Kaum verließen wir die Ausstellungsräume der Kaasmakerij (Käserei), standen wir auch schon mittendrin im ärgsten Jubel und Trubel des Verkaufsraums. Hier war sprichwörtlich die absolute Hölle los und jeder Besucher wollte unbedingt eine Käseprobe ergattern. Rundherum gab es gekühlt und ungekühlt verschiedenste Käsesorten zum Kaufen, was für die meisten Touristen wohl ein willkommenes Mitbringsel für daheim darstellte.
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Windmühlen in Zaanse Schans
Nach diesem Menschenauflauf benötigten meine Freundin und ich etwas Ruhe, sodass wir uns zu einem Spaziergang entlang der Windmühlen entschlossen. Ein kleiner Betonweg führt zwischen den Mühlen und Grachten entlang der Landschaft und war eine Wohltat nach dem zuvor erlebten Trubel.
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Windmühlen in Zaanse Schans
Leider schritt die Zeit schneller voran als gedacht und die Windmühlen schlossen bereits um 17 Uhr ihre Pforten, bevor wir noch einen Blick hineinwerfen konnten. Im Bild sieht man schön, wie die Segel an den Windmühlflügeln zusammengerollt und befestigt werden, um in die Nachtruhe überzugehen. Das abgebildete Bauwerk ist übrigens die Ölmühle „De Zoeker“, aus der beim Vorbeigehen ein markanter Geruch nach Farbe heraussteigt.
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Windmühlen von Zaanse Schans
Wir konnten also zwar nicht mehr in die Windmühlen hinein, aber dafür suchten meine Freundin und ich uns ein nettes Plätzchen auf einem dicken Baumstamm am Wasser und ließen die Seele baumeln. Das Licht wurde langsam wärmer und intensiver, während die untergehende Sonne das Schilf und die Mühlen in eine magische Atmosphäre tauchte.
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Windmühlen von Zaanse Schans
Auf dem Rückweg zum Bahnhof kamen wir noch an dieser Stelle vorbei, von welcher die bekanntesten Fotos von Zaanse Schans stammen. Dementsprechend tummeln sich auf dem engen Steg Dutzende Touristen und wollen noch ein letztes Erinnerungsfoto machen. Eigentlich ist es verwunderlich, dass niemand unabsichtlich den Weg ins Wasser fand. 😉
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Freilichtmuseum und Windmühlen von Zaanse Schans
Mit diesem idyllischen Bild verabschiedeten wir uns von Zaanse Schans. 🙂
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FAZIT

In meinem Bildbericht findet ihr zwar nur wenige kritische Worte, aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass mich der Ausflug nach Zaanse Schans emotional nicht so sehr bewegt hat. Die Freilichtattraktion ist zugegeben wunderschön angelegt und punktet mit historischen Häusern, Windmühlen sowie sehr interessanten Schauwerkstätten. Doch in meinem Kopf war immer das Hintergrundwissen, dass dieser Ort nicht die Authentizität aufweist, wie es beispielsweise die Windmühlen von Kinderdijk tun – das hat meine Gefühle doch ziemlich blockiert. Dass Zaanse Schans zusätzlich eine der meistbesuchten Attraktionen der Niederlande ist und somit in der Hochsaison von Touristen geradezu überlaufen wird, macht die Sache nicht besser. In den Souvenirläden werden dementsprechend auch Juwelen, Taschen und sonstiger Firlefanz angeboten. Mein Fazit deshalb: wenn ihr in Amsterdam einen halben Tag opfern könnt oder wollt und auch an Windmühlen interessiert seid, dann unternehmt mit gutem Gewissen diesen Ausflug! Wenn ihr aber auf der Suche nach „echten“ Windmühlen seid, dann fahrt stattdessen lieber nach Kinderdijk! 🙂

 

Zaanse Schans: Reisebericht mit allen Windmühlen, Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.Zaanse Schans: Reisebericht mit allen Windmühlen, Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.

4 Kommentare

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