Maribor – überraschend vielfältig

Maribor habe ich zwar schon lange vom Namen her gekannt, ein erstes kurzes Kennenlernen erfolgte aber erst 2016 gemeinsam mit zwei Freunden. Der gute Eindruck blieb jedenfalls und ließ mich zwei Jahre später mit meiner Familie nochmals zurückkehren. Diesmal war an einem langen Wochenende das volle Programm geplant und alles Sehenswerte sollte erkundet werden – und das ist mehr, als man erwarten würde!

Maribor

FAKTEN

Reisezeit: Juni 2018 (3 Tage, 2 Übernachtungen)
Anreise per Zug: Von Wien Hauptbahnhof nach Bahnhof Maribor (3:40 h)
Anreise per Auto: Von Wien über die A2 bis Graz, dann A9/E59 bis Maribor (ca. 2:30 h)
Unterkunft: Hotel Ibis Styles Maribor City Center *** (Volkmerjev prehod 7, Webseite): Vom Bahnhof ca. 10 Gehminuten entferntes, einfaches, aber in buntem Design gehaltenes Hotel mit perfekter Lage mitten in der Innenstadt nahe des Freiheitsplatzes. Ruhige Zimmer in angenehmer Größe, sauber, Bad mit sehr guter Dusche, schnelles WLAN. Frühstücksangebot gut und in Ordnung. Weiterempfehlung? JA

Blick vom Hausberg Piramida auf Maribor

Maribor, eine Stadt mitten im Grünen

Während man beim Thema Städteurlaub in Slowenien eher automatisch an Ljubljana denkt (siehe mein Beitrag Ljubljana: Adventzeit in der Drachenstadt), steht Maribor etwas im Schatten der Hauptstadt. Gerade als Österreicher verbindet man den grenznahen Ort mehr mit Einkaufszentren, die in und rund um die Stadt aufgereiht stehen. Für einen Familienurlaub über ein langes Wochenende habe ich mich dann aber intensiv mit den Sehenswürdigkeiten der zweitgrößten Stadt Sloweniens sowie europäischen Kulturhauptstadt 2012 beschäftigt und war bereits bei der Recherche überrascht, dass es doch eine gehörige Anzahl an interessanten Dingen zu erleben gibt. Toll fand ich, dass Maribor eine grüne Oase ist – neben dem zauberhaften Stadtpark gibt es ringsum Weinreben, Wald und Wiesen ohne Ende. Die bezaubernde, fußläufige Altstadt Lent mit ihren zahlreichen kleinen Geschäften sowie Lokalen und die Nähe zum Wasser empfand ich als weiteren Punkt, der für die Stadt spricht.

10 Dinge, die du in Maribor machen musst

Ich war mit meiner Familie fast drei volle Tage in Maribor, was es uns stressfrei ermöglicht hat, alles Sehenswerte in Ruhe anzusehen und zu erkunden. Auch für genügend Ruhe- und Essenspausen an einem heißen Wochenende war durch diesen zeitlichen Umstand gesorgt. Generell kann ich euch aber mit gutem Gewissen sagen, dass auch zwei Tage mit einer Übernachtung ausreichen würden, um alles zu sehen. Für diesen Artikel habe ich eine Top-10-Liste zusammengestellt, damit ihr garantiert nichts Wichtiges in Maribor verpasst – inklusive Lokaltipps zum Essen und Trinken!

Älteste Weinrebe der Welt in Maribor

1) Die älteste Weinrebe sehen

Eine Weinrebe, der ein eigenes Haus gewidmet ist? Ja, das gibt es tatsächlich in Maribor. Am Ufer der Drau (Drava) wächst seit mehr als 400 Jahren ohne Unterbrechung eine Weinrebe, die vermutlich während der Türkenbelagerung am Ende des Mittelalters eingesetzt wurde. Sie hat Brände, Belagerungen und Bombenangriffe überstanden sowie sogar der Reblaus standgehalten und ist damit ein starkes Symbol für die Stadt und ihre Weinkultur geworden. Auch wenn sie nicht spektakulär aussieht, so ist die Weinrebe doch aufgrund ihrer Geschichte die Top-Attraktion in Maribor!

Mehr über die alte Weinrebe erfahren

Im Haus der alten Rebe (Hiša Stare trte) kann man sich mehr mit der Geschichte des Rebstocks auseinandersetzen. So erfährt man, dass die Stadt Maribor in feierlichen Zeremonien Abkömmlinge (sogenannten Edelreis) der Rebe als Geschenk an andere Städte und Regionen auf der Welt übergibt. 2016 waren bereits 135 Nachkommen in 20 Ländern auf vier Kontinenten gesetzt. Natürlich ist der Wein dieser Rebe sehr teuer, weshalb er gehütet wird wie ein Schatz. Zahlreiche Prominente und Politiker dürfen eine der charismatischen Flaschen ihr Eigen nennen (wie diese aussehen, erfahrt ihr in Punkt 3).

Weinverkostung ohne Spaß

Beachtenswert ist im Haus der alten Rebe noch das größte Bodenmosaik in Slowenien. Das Mosaik stellt den Verlauf der Drau und somit zahlreiche historische Wendepunkte der Stadt Maribor dar. Wein verkosten ist übrigens auch möglich, was meine Familie und ich auch getan haben – allerdings mit wenig Freude. Der Verkostungsbereich ist sehr klein und bietet keine Sitzmöglichkeiten. Außerdem empfanden wir die Preise als komplett überteuert: für EUR 2,- pro Kostprobe erhielt man ein derart sparsam eingeschenktes Glas, dass uns schnell die Lust an der Sache verging. Passend dazu hat mir auch kein einziger verkosteter Wein geschmeckt (was zugegeben natürlich sehr subjektiv ist). Ganz anders und ein echter Traum war dagegen die Weinverkostung im Weinkeller Vinska Klet, siehe Punkt 3!

Fotospots

 


Die Altstadt am Lent in Maribor

2) Spaziergang am Wasser

Nach dem Besuch des Haus der alten Rebe empfehle ich euch gleich einen Rundweg entlang der Drau zu gehen – idealerweise im späten Nachmittagslicht. Folgt ihr dem Ufer stromaufwärts, kommt ihr am Rechtsturm (Sodni stolp) vorbei, einer der noch verbliebenen Wehrtürme der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Rund 300 Meter weiter überquert ihr die Drau auf dem Fußgängersteg Študentska brv, um dann stromabwärts auf einem schönen Weg wieder Richtung Stadt zurückzuschlendern. Dabei bieten sich euch dann im Minutentakt neue und wunderschöne Ansichten des Altstadtteils Lent, dessen rote Hausdächer in der Abendsonne richtig zu leuchten beginnen.

Genialer Blick auf die Altstadt Lent

Bei der architektonisch herausstechenden Brücke über die Drau (Glavni Most oder Stari Most) kommt ihr wieder auf das Straßenniveau. Wenn es sich zeitlich und hitzetechnisch anbietet, holt euch unbedingt ein Eis von Lastovka (siehe blauer Infokasten weiter unten). Aber auch ohne Eis hat mich der Blick auf die Altstadt mit der Brücke im Vordergrund förmlich umgeworfen – sicherlich einer der schönsten Fotospots in ganz Maribor! An einem Abend hatte ich sogar die Möglichkeit, die Brücke in einem Gewitter abzulichten – ein ziemlich magischer Moment.

Fotospots

 


Der Weinkeller Vinska Klet in Maribor

3) Den Weinkeller erkunden und Wein trinken

Eines der absoluten Highlights in Maribor ist der Weinkeller Vinagova vinska klet. Er befindet sich unter dem zentralen Freiheitsplatz (Trg svobode) und ist von außen leicht durch das große Weinfass zu finden (der Eingang ist am Eck hinter dem Fass). Eine Führung ist ein absolutes Muss, denn ich habe schon lange nicht mehr so eine unterhaltsame Tour erlebt. Die Führung alleine kostet EUR 4,-, mit zwei Weinproben dazu bezahlt man EUR 7,-. Teilnehmen könnt ihr ohne Anmeldung von Montag bis Donnerstag um 15.00 Uhr sowie Freitag und Samstag um 15.00 und 18.00 Uhr.

Unterhaltsame Führung im Keller

Der Rundgang im Untergrund dauert ca. 45 Minuten und führt durch einen Teil des riesigen Kellergewölbes unter der Stadt. Es ist zwar deutlich kühler als an der Oberfläche, ich habe es dennoch nur im T-Shirt gut ausgehalten – nehmt im Zweifel einen Pullover oder eine Weste mit. Unser junger und sehr kompetenter Tourguide erklärte dann auf Englisch die Geschichte des Weinkellers. Zu sehen gab es die mächtigen Holzfässer, die Stahltanks zur Lagerung und einen abgesperrten Bereich, in dem ganz spezielle Weine teilweise jahrzehntelang vor sich hinreifen. Zwei Besonderheiten der Führung haben sich mir eingeprägt. Zum einen sieht man in einem versperrten Schrank einige speziell angefertigte Glasbehälter mit Wein der alten Rebe (siehe Punkt 1), zum anderen gab es die Möglichkeit, in einen leeren riesigen Stahltank einzusteigen. Ein japanischer Gast hat sich diese Option nicht zweimal geben lassen und schlüpfte mit Hilfe des Guides durch die recht enge Öffnung des Tanks. 😉

Weinverkostung, diesmal mit Spaß

Nach der Führung besteht die Chance, Weine der Region zu probieren, was meine Familie und ich ausgiebig taten. Zwei Achterl waren im Preis inkludiert und man kann sich von einer übersichtlichen Liste seine gewünschten Weine aussuchen. Für jede weitere Probe waren je nach Wein zwischen EUR 2,- und EUR 4,- zu bezahlen. Die getesteten Weine haben uns großteils sehr gut geschmeckt und die Verkostung war auch vom Ambiente und den großzügig eingeschenkten Gläsern kein Vergleich zur ziemlich lieblos durchgeführten Weinverkostung im Haus der alten Rebe (siehe Punkt 1). Wir nutzten die Chance und nahmen auch gleich einige Flaschen aus der angeschlossenen Vinothek mit nach Hause. Meine persönliche Empfehlung: Pullus Sauvignon Blanc vom Weingut Ptujska klet – fantastisch!

Fotospots

 


Ausblick vom Hausberg Piramida in Maribor

4) Den „Hausberg“ Piramida erklimmen

In der Einleitung habe ich von der grünen Stadt Maribor geschrieben und in diesem Absatz seht ihr gleich, warum. Direkt an die Altstadt grenzend führt vom Stadtpark (siehe Punkt 7) ein Weg auf den 386 Meter hohen Stadthügel Piramida (Pyramidenberg). Je nach Gehgeschwindigkeit benötigt man für den angenehmen Schotterweg entlang von Weinreben nur 20 bis 30 Minuten, bis man das Ende erreicht und vor einer Kapelle steht. Von dort liegt einem die gesamte Stadt zu Füßen!

Burgruine inklusive

Hinter der Kapelle entdeckt man die Überreste einer Burg, deren Ursprünge auf das 12. Jahrhundert zurückgehen. Nach einem Brand wurde sie wieder aufgebaut, 1790 abgerissen und stattdessen eine steinerne Pyramide errichtet, wodurch der Name des Hügels entstand. Noch eine andere Anmerkung: zwischen den Burgresten und der Kapelle steht auch noch ein kleines Haus mit Liegestühlen darin. Die Informationen darüber im Internet waren widersprüchlich und ich konnte nicht mit Sicherheit herausfinden, ob hier zu bestimmten Zeiten Getränke und Snacks verkauft werden. Mein Gefühl und das etwas heruntergekomme Aussehen des Gebäudes sagen mir aber, dass der Kiosk eher nicht in Betrieb gehen wird. Nehmt also auf jeden Fall etwas zu trinken mit, denn der Aufstieg ist trotz der Kürze nicht zu unterschätzen.

Fotospots

 


Beleuchteter Hauptplatz in Maribor

5) Durch die Innenstadt flanieren

Für einen Spaziergang durch den Altstadtteil Lent solltet ihr euch etwas Zeit nehmen. Er ist zwar äußerst überschaubar und im Grunde recht schnell abzugehen, doch die zahlreichen schönen Gebäude, einladenden Lokale und liebevollen Geschäfte verdienen es sich, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Der meiner Meinung nach schönste Ort ist der Hauptplatz (Glavni trg), der mit einem Ensemble an architektonisch herausragenden Häusern auf sich aufmerksam macht. Neben dem Rathaus (Rotovž) stechen noch die Pestsäule und das imposante historische Eckhaus im Eigentum der einstigen Müllerfamilie Franz und weitere Gebäude mit detailreicher Fassade ins Auge.

Sehenswertes an vielen Ecken

Einen Abstecher wert ist auf jeden Fall auch die Universität (Univerza v Mariboru) mit ihrem schönen Festsaal, die ihr neben der Kathedrale (siehe Punkt 6) findet. Die beiden Plätze Trg svobode (Freiheitsplatz) und Grajski trg (Schlossplatz) eignen sich hervorragend für eine Kaffeepause im Schatten der Stadtburg (siehe Punkt 8). Auf dem Freiheitsplatz fällt euch sicher auch das Denkmal NOB auf, das an die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnert. Einheimische nennen das etwas seltsam anmutende Gebilde „Kojak“, weil es angeblich dem glatzköpfigen Detektiv ähnlich sieht. Naja. 😉 In die alte Synagoge (Sinagoga) könnt ihr für einen symbolischen Euro Eintritt auch einen Blick hineinwerfen. Zu sehen gibt es nicht viel, während meines Besuchs war aber immerhin eine sehenswerte Fotoausstellung über das jüdische Leben in Glasgow zu sehen.

Fotospots

 

ESSEN UND TRINKEN IN MARIBOR

Die slowenische Küche ist offensichtlich stark vom Balkan geprägt, denn ihr findet auf fast jeder Speisekarte typische Grillspezialitäten. Im unscheinbaren Lokal Gril Ranca (Dravska ulica 10) am Ufer der Drau, unmittelbar neben dem Haus der alten Rebe, lohnt sich das Probieren von Cevapcici oder Pljeskavica im Fladenbrot. Dazu am besten Grillpaprika, Zwiebeln und Ayvar als Beilage – sehr schmackhaft und ziemlich sättigend! PS: Ihr könnt auch nur eine halbe Portion bestellen, was ebenfalls schon ausreichend ist.

In die gleiche kulinarische Richtung geht das am anderen Ufer der Drau befindliche Grilllokal Restavracija Orient (Taborska Ulica 12), von dessen Holzkohlengrill schon von Weitem ein verführerischer Duft ausgeht. Das Restaurant ist bei den Einheimischen sehr beliebt, kommt also nicht zu spät am Abend, wenn ihr noch einen Platz ergattern wollt.

In der Altstadt selbst haben wir das Restaurant Baščaršija (Poštna ulica 8) ausprobiert, in dem ich wieder nicht an Cevapcici im Faldenbrot vorbeigekommen bin (es schmeckt einfach so gut!). Meine Mutter hatte dafür vegetarisches Grillgemüse mit Rahm und Fladenbrot, was auch ausgezeichnet gemundet hat.

Wenn ihr mehr Lust auf Steak und Burger habt, dann seht euch das Lokal Jack & Joe Steak and Burger Club (Ob bregu 20) am Ufer der Drau an. Die Ribs waren sehr zart und die hausgemachten Pommes Frites dazu ein Gedicht. Außerdem wird neben Heineken zum Glück auch noch ein lokales IPA Craft Beer ausgeschenkt, das super im Geschmack war.

Abends zum Sonnenuntergang bietet die Rooftop Bar Luft 360 (Ulica Vita Kraigherja 3) eine nette Aussicht auf die Stadt. Leider gibt es kein gezapftes Bier, sondern nur in der Flasche. Das ist aber auch nicht wirklich verwunderlich, da es sich um eine Cocktailbar handelt.

Gemütlich Bier vom Faß getrunken haben wir im Stadtpark, wo sich vor dem ersten der Drei Teiche das Gasthaus Gostilna Pri treh ribnikih (Ribniška ulica 9) befindet. Probiert unbedingt das lokale Bier Laško, ein süffiger Genuss!

Nett sitzen und einen Kaffee trinken lässt es sich auch unter Bäumen direkt am Wasser im Café beim Wasserturm (Usnjarska ulica 10).

Ein Tipp für die Eis-Fans unter euch: der Eissalon Lastovka (Trg revolucije 9 oder Partizanska cesta 6) hat zwei Filialen an der Brücke über die Drau und in der Nähe der Franziskanerkirche. Das Eis ist wirklich ein Traum! Und wenn ich das sage, dann ist da etwas Wahres dran, denn ich bin bei Eis eine kleine Zicke. 😉

 


Die Kathedrale in Maribor

6) Die Kathedrale besichtigen

Maribor hat zwei äußerst interessante Kirchen: eine ist die Franziskanerkirche (siehe Punkt 10) und die andere die Kathedrale St. Johannes der Täufer (Stolnica svetega Janeza Krstnika) inmitten der Altstadt. Errichtet wurde die Kirche 1248 im romanischen Baustil, später erfolgte ein kompletter Umbau in der Gotik. Nur die beiden angefügten barocken Kapellen und der klassizistische Glockenturm weisen eine andere Charakteristik auf. Besonders gefallen haben mir die teilweise modern interpretierten Glasfenster, die der Kirche ein lebendiges Flair verleihen.

Glockenturm mit Aussicht

Für den Besuch der Kathedrale zahlt es sich aus, folgende Zeiten in Betracht zu ziehen: von Mittwoch bis Sonntag sowie an Feiertagen zwischen 10.00 und 13.00 Uhr oder am Samstag zwischen 10.00 und 13.00 Uhr sowie 16.00 und 19.00 Uhr. Dann habt ihr nämlich zusätzlich zur Kirche auch noch die Möglichkeit, auf den Glockenturm aufzusteigen (kostenlos) – der Zugang dazu befindet sich auf der Seite rechts vom Haupteingang. Oben angekommen begrüßt euch ein herrliches Rundumpanorama auf Maribor, zusätzlich kann man sich noch die Türmerstube ansehen, in der früher der Türmer Dienst versah, um vor herannahenden Feinden und Bränden zu warnen. Die dafür installierte Glocke könnt ihr auch selbst schlagen. Apropos Glocke: an den drei Glocken der Kathedrale kommt ihr beim Aufstieg ebenfalls vorbei. Schaut besser vorher auf die Uhr, sonst ergeht es euch wie mir und ihr werdet vom Glockenschlag fast zu Tode erschreckt. 😉

Fotospots

 


Der Stadtpark mit den drei Teichen in Maribor

7) Sich im Stadtpark treiben lassen

Der Stadtpark (Mestni park) von Maribor ist eine echte Wohlfühloase und vor allem an heißen Tagen ein genialer Rückzugsort vor der Sonne. Er beginnt nur wenige Meter vom nördlichen Ende der Altstadt entfernt, sodass man in kurzer Zeit dem Trubel der Stadt entfliehen kann. Im Park wachsen eine Menge verschiedener Bäume (sogar Mammutbäume), die jeweils mit einem kleinen Infoschild versehen sind, welche Art man vor sich hat. Der Stadtpark ist außerdem Ausgangspunkt für die Wege auf die beiden Hügel Piramida (siehe Punkt 4) und Kalvarija (siehe Punkt 9).

Rundweg entlang der Drei Teiche

Folgt man dagegen dem Weg weiter in nördlicher Richtung, stößt man auf den ersten der Drei Teiche (Trije ribniki), welche dem Stadtpark nochmals mehr Attraktivität verleihen. Dort kann man schön am Wasser verweilen und den Enten sowie Schildkröten zusehen. Oder ihr kehrt in das Gasthaus davor ein (siehe blauer Infokasten oben), wo sich eine Pause mit einem slowenischen Bier anbietet. Um die drei Teiche führt ein Rundweg, wobei das dritte Gewässer etwas versteckt ist. Geht am besten auf der rechten Seite des ersten Teichs entlang und zweigt vor dem Ende des zweiten dann über die Straße in den Wald ab. Dort liegt der dritte Teich, der sich selbst überlassen ist und somit Urwaldfeeling verbreitet.

Fotospots

 


Das Schloss in Maribor

8) Die Stadtburg erkunden

Den Freiheits- und Schlossplatz habe ich euch schon in Punkt 5 beschrieben, kommen wir nun zur Stadtburg (Mariborski grad), die prominent zwischen den Plätzen thront. Wobei thronen eigentlich das falsche Wort ist, denn so wirklich riesig und mächtig ist das Schloss dann auch wieder nicht. Nichtsdestotrotz ist es auf jeden Fall sehenswert, allein schon aus architektonischer Sicht. Die Burg wurde von 1478 bis 1483 erbaut und sollte den nordöstlichen Teil der Stadmauer sichern. Mit der Zeit verwandelte man das Gebäude aber in eine luxuriöse Wohnstätte.

Architektonische Schätze

Heute ist im Inneren das Regionalmuseum über die Geschichte von Maribor untergebracht, das ich mir angesehen habe. Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Samstag 10.00 bis 18.00 Uhr sowie am Sonntag von 10.00 bis 14.00 Uhr, der Eintritt kostet EUR 5,-. Die vielfältigen Ausstellungsstücke sind in unterschiedlicher Art und Weise aufbereitet, was ich als sehr gelungen empfand. Infos gibt es in slowenischer und englischer Sprache. Absolut herausragend sind drei architektionische Schätze in der Stadtburg: der Rittersaal mit der imposanten Deckenmalerei des Künstlers Jožef Gebler, die Lorrettokapelle aus dem Jahr 1675 und das barocke Treppenhaus von 1759, über das man das Museum als krönenden Abschluss verlässt.

Fotospots

 


Kirche am Kalvarienberg in Maribor

9) Den zweiten Hausberg bezwingen

Neben dem Pyramidenhügel gibt es in Sichtweite noch den zweiten Stadthügel Kalvarija (Kalvarienberg), der eine ähnlich geniale Aussicht auf Maribor zulässt. Der Zugang zum Weg nach oben befindet sich etwas versteckt neben einer Straße nördlich des Stadtparks. Ich gebe euch hier die GPS-Koordinaten, damit ihr den Einstiegspunkt schnell findet. Lasst euch übrigens nicht von der Google Street View verwirren: die Daten stammen aus dem Jahr 2013, mittlerweile (2018) ist die Straße zweispurig und mit Gehsteig ausgebaut.

Aussicht durch Weinreben

Der Aufstieg führt deutlich steiler als am Pyramidenhügel an die Spitze – dafür aber auf einem angenehmen Waldweg im Schatten. In nur zehn Minuten erreichte ich die Kapelle auf 375 Metern Seehöhe, von der man zwischen Weinreben wieder das Panorama der Stadt und das dahinter liegende Pohorje-Gebirge genießen kann. Die Kirche der hl. Barbara und Rosalia wurde von den Einwohnern im Jahr 1683 aus Dank für das Ende der Pest errichtet. Ihr könnt dann dem Weg entlang der Weinreben folgen, bis ihr zu einer Mauer mit einer Bank kommt. Dort würde ich durch den Wald zurück auf den ursprünglichen Weg wechseln und nicht dem Weg entlang des Weinhangs folgen – ihr macht sonst wie meine Familie und ich einen enormen Umweg …

Fotospots

 


Die Franziskanerkirche in Maribor

10) Die Franziskanerkirche bestaunen

Als letzten Fixpunkt für eine Besichtigung von Maribor habe ich mir die optisch herausragende Franziskanerkirche ausgesucht, deren richtiger Name eigentlich Basilika der Mutter der Barmherzigkeit (Bazilika Matere Usmiljenja) ist. Der rote Ziegelbau mit seinen beiden 58 Meter hohen Türmen ist auf jeden Fall der auffälligere Sakralbau im Vergleich zur Kathedrale (siehe Punkt 6). Außen wie innen wurde sie vom Wiener Architekten Richard Jordan gestaltet. Besonderes Augenmerk solltet ihr in der Kirche auf die schönen Bodenfliesen, das stilvolle Deckengewölbe, den Säulenbereich am Eingang und natürlich den Altar legen.

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

Öffentliche Verkehrsmittel benötigt ihr in Maribor definitiv nicht. Vom Hauptbahnhof ist man in knapp zehn Minuten in der Altstadt angekommen, auch die restlichen Attraktionen sowie ein Spaziergang an der Drau oder der Aufstieg auf einen der beiden Stadthügel ist zu Fuß problemlos zu berwerkstelligen.

Wenn ihr mit dem Auto anreist, zahlt sich das Parken im Einkaufszentrum Europark aus (europark.si). Dort kann man kostenlos stehen (ob über Nacht, konnte ich nicht herausfinden) und es ist nur ein 10-minütiger Spaziergang entlang der Drau in die Innenstadt. Außerdem haben wir gleich die Chance genutzt und in einem großen Supermarkt slowenische Produkte für daheim eingekauft. 🙂

Sehr hilfreich war nach unserer Ankunft ein kurzer Zwischenstopp in der Touristeninfo (Partizanska cesta 6a) vor der Franziskanerkirche. Dort kommt man sowieso vorbei, sofern man vom Bahnhof in die Stadt geht. In dem kleinen Infokiosk findet ihr Stadtpläne sowie Prospekte über Maribor und ganz Slowenien, außerdem könnt ihr auch persönlich nach Informationen fragen.

Ein Umstand ist mir ziemlich extrem aufgefallen: Die Altstadt verwandelt sich nach Einbruch der Dunkelheit großteils in eine ausgestorben wirkende Gegend. Zwar gibt es in mehreren Straßen und Gassen noch lautstarkes Leben mit Bars und Restaurants, insgesamt ist es aber verdammt ruhig. Rund um den Hauptplatz (Glavni trg) findet ihr aber bestimmt Lokale zum Fortgehen.

Am Wochenende müsst ihr die Öffnungszeiten der kleinen Geschäfte und Museen in der Altstadt beachten. Viele schließen Samstags bereits um 14 Uhr und haben am Sonntag gar nicht geöffnet. Wenn ihr nur am Wochende anwesend seid, kann das schon frustrierend sein.

Nur 20 Minuten von Maribor entfernt liegt das Pohorje-Gebirge. Im Winter ist es als Skigebiet bekannt, im Sommer könnt ihr dort wandern gehen. Alle Infos dazu findet ihr auf der Webseite maribor-pohorje.si. Von Maribor aus fährt übrigens die Buslinie 6 direkt zur Seilbahn am Fuß des Gebirges. Ich habe dies aber persönlich nicht getestet.

 

FAZIT

Mein Familienausflug in das slowenische Maribor hat sich voll ausgezahlt und alle mit großem Staunen zurückgelassen. Zu Unrecht geht die europäische Kulturhauptstadt 2012 etwas im Schatten der Hauptstadt Ljubljana unter und würde sich weitaus mehr Beachtung verdienen. Andererseits ist es als Besucher so möglich, ohne Massentourismus die Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Und an denen mangelt es Maribor wirklich nicht! Egal ob Kirchen, historische Gebäude, Erholungsmöglichkeiten oder Museen – ein Wochenende lässt sich hier perfekt gestalten. Abgerundet wurde unser Städtetrip durch die kulinarischen Genüsse der Stadt mit Pljeskavica & Co.! Fazit: Maribor muss definitiv auf eure To-do-Liste. 🙂

 

Maribor in Slowenien: Reisebericht mit allen Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.Maribor in Slowenien: Reisebericht mit allen Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.

5 Kommentare

  1. Mike sagt: Antworten

    Super. Sie haben sehr gut unsere Stadt präsentiert. Sie haben nur das Berg Pohorje mit Gondel vergessen 🙂 alles anderes haben sie sehr schön beschrieben. Lg!

    1. Danke Mike!

      Pohorje kommt im Artikel nicht vor, weil ich nicht dort war. 😉 Aber ich habe viel Schönes über den Berg gelesen!

      Viele Grüße
      Christian

  2. Branko Maksimovič sagt: Antworten

    Respekt! Fast unglaublich korrekte und tadellose Beschreibung von Maribor und seinen Sehenswürdigkeiten. Keiner der Fehler, die bei zufälligen Reisenden üblich sind, hat Sie nicht verkrüppelt. Ich wäre höchstens überrascht – weil Sie Österreicher sind -, dass Sie den deutschen Namen für Maribor / Marburg nicht einmal erwähnt haben. Schließlich lebten wir (natürlich unsere Vorfahren) bis Jahr 1918 in einem gemeinsamen Staat.

  3. Maribor kenne ich tatsächlich auch nur namentlich – auf die Idee, einen Ausflug dorthin zu unternehmen, bin ich bis jetzt noch nicht gekommen. Danke für die tollen Tipps, damit hast du mir einen Abstecher nach Slowenien sehr schmackhaft gemacht 😉

    1. Das freut mich, danke Christine!

      Viele Grüße
      Christian

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