Lyon: Zwischen Tradition und Moderne

Blick auf die Sehenswüdigkeiten von Lyon

Seit mir vor Jahren einmal zufällig Fotos aus Lyon untergekommen sind, wollte ich unbedingt in die französische Stadt im Südosten des Landes. Die Bilder ließen – vor allem aus architektonischer Sicht – auf eine Stadt der Gegensätze schließen, was ich generell immer total spannend finde. 2018 habe ich gemeinsam mit meiner Freundin dann endlich den Schritt getan und die Reise gebucht. In diesem Blogartikel berichte ich euch nun von den fantastischen Momenten, die uns Lyon beschert hat!

Lyon

FAKTEN

Reisezeit: Ende April 2018 (3 Tage, 2 Übernachtungen)
Anreise: Mit easyJet von Flughafen Wien-Schwechat nach Flughafen Lyon Saint-Exupéry (ca. 1:40 h).
Unterkunft: Hotel Mercure Lyon Centre Plaza République *** (5 Rue Jacques Stella, Webseite): sehr gute zentrale und recht ruhige Lage, 5-10 Minuten Fußweg in die Altstadt, mittelgroße Zimmer in gemütlicher Ausstattung, sehr hell durch viele Fenster, welche aber nicht zu öffnen sind. Die Klimaanlage kann jedoch abgeschaltet werden, was ich sehr wichtig finde. Eher kleines und steril wirkendes Bad mit enorm lahmer Dusche, harte aber bequeme Betten mit vielen Polstern, TV ausschließlich mit französischen Sendern, Nespresso-Maschine mit vier kostenlosen Kapseln pro Tag, WLAN-Geschwindigkeit durchschnittlich, Frühstück nicht gebucht. Weiterempfehlung? JA

Bahnhof Flughafen Lyon von Architekt Santiago Calatrava

Großes Staunen in Lyon

Drei Tage hatten sich meine Freundin und ich für die Erkundung von Lyon vorgenommen – und das ist auch absolut notwendig für diese großartige Stadt! Schon kurz nach der Ankunft am Flughafen trat großes Staunen über die ultramoderne Architektur auf, welche aber nur ein erster Vorgeschmack auf das noch Bevorstehende sein sollte. Lyon bietet durch seine über 2000-jährige Geschichte wirklich unheimlich attraktive Gegensätze in Bezug auf die Bauwerke der Vergangenheit und der Gegenwart. Am stärksten sieht man diesen Unterschied am galloromanischen Museum LUGDUNUM und dem 2014 eröffneten Musée des Confluences.

Ein ständiges Auf und Ab

Eines dürft ihr in eurem Koffer auf keinen Fall vergessen, nämlich bequeme feste Schuhe. Lyon ist hügeliger als man denkt, was meine Freundin und ich etwas unterschätzt haben. Die ständigen Höhenwechsel kosten zwar eine gehörige Portion Energie, dafür erlauben sie eine Vielzahl an fantastischen Ausblicken auf die Stadt. Obwohl das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel sehr gut ausgebaut ist und von uns auch immer wieder genutzt wurde, waren doch viele Strecken zu Fuß zurückzulegen – in drei Tagen kamen wir so laut Smartphone auf rund 61.000 Schritte. Die zahlreichen Alleen in der Innenstadt laden aber passend dazu gleich zu einer Pause inmitten von Bäumen ein.

Die Löwenstadt Lyon

Einige Dinge sind meiner Freundin und mir in den drei Tagen ganz stark aufgefallen: der im Stadtwappen verankerte Löwe wird an jeder Ecke gerne als Symbol verwendet, ebenso wie der Schriftzug „Only Lyon“. Mir gefällt so etwas sehr gut, weil es auch den Stolz der Einwohner auf ihr Zuhause betont und Wiedererkennungswert hat. Apropos gefallen – die zwei Flüsse Rhône und Saône tragen viel zum Charme von Lyon bei und bieten wundervolle Stadtanblicke, ebenso wie die zauberhafte Altstadt (Vieux Lyon) mit ihren Renaissancegebäuden. Besonders imposant sind auch die zahlreichen Wandmalereien (Murals) und die versteckten Verbindungsgänge in den Wohnhäusern (Traboules). Eine weitere Beobachtung: obwohl Lyon mit etwas mehr als 500.000 Einwohnern hinter Paris und Marseille die drittgrößte Stadt Frankreichs ist, spürt man diesen Umstand zu keiner Zeit. Ganz im Gegenteil, Lyon fühlt sich verdammt überschaubar, gemütlich und heimelig an. Nun aber zu den sehenswerten Dingen im Detail!

Der „Eiffelturm“ von Lyon

Der Eiffelturm in Lyon
Er sticht auf allen Fotos sofort hervor und man denkt sich: „Bin ich in Lyon oder in Paris?“ 😉 Der kleine Tour métallique de Fourvière ist dem Eiffelturm von Paris tatsächlich nachempfunden, ist er doch ebenfalls nach den Plänen von Gustave Eiffel errichtet worden. Anlass war 1894 die Lyoner Ausstellung und der Turm diente bis 1953 als Aussichtsplattform. Heute ist er allerdings nur noch ein Sendeturm und nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.

 


LUGDUNUM Musée & Thèâtres romains in Lyon

LUGDUNUM – Lyons Geschichte im Museum

Eine der Hauptattraktionen von Lyon und auch von geschichtlicher Bedeutung ist das Museum LUGDUNUM Musée & Thèâtres romains sowie die beiden angrenzenden Amphitheater. Der Begriff Lugdunum war die frühere Bezeichnung von Lyon zu Zeiten der Römer. Ungefähr im 2. Jahrhundert wurden auf dem Hügel Fourvière ein kleines Odeon (für rund 3.000 Menschen) und ein großes Amphitheater (für rund 10.000 Personen) errichtet, die bis heute erstaunlich gut erhalten sind. Daneben findet man das galloromanische Museum LUGDUNUM (Webseite), in dem jede Menge Fundstücke aus der Römerzeit zu besichtigen sind.

Per Standseilbahn zum Amphitheater

Schon die Anfahrt zum Museum ist ein kleines Erlebnis, denn man fährt mit einer Standseilbahn (Funiculaire) auf den Hügel hinauf. Die Ausgangsstation ist Vieux Lyon (Metro-Linie D) und ihr müsst euch zwischen zwei Linien entscheiden. Entweder nehmt ihr die Stansdseilbahn F2 zur Station Fourvière (wo sich auch die wichtige Kirche Notre-Dame de Fourvière befindet, siehe weiter unten) und geht von dort ein Stück zum Museum oder ihr fahrt mit der Linie F1 zur Station Minimes Théâtres Romains – diese Variante haben meine Freundin und ich gewählt. Von der Station sind es nur wenige Meter zum Gelände der beiden römischen Theater, welche kostenlos zugänglich sind (täglich 15. April bis 15. September 7-21 Uhr, 16. September bis 14. April 7-19 Uhr). Ihr könnt ohne Einschränkungen das Odeon und Amphitheater aus nächster Nähe bewundern.

Eindrucksvolles römisches Museum

Das in den Hügel eingebettete, mehrgeschossige Museum LUGDUNUM könnt ihr sowohl von unten als auch von oben betreten, empfehlen würde ich aber den Start von oben (einfach die Stufen des Amphitheaters erklimmen und den Schildern folgen). Der Eintritt kostet EUR 7,-, was gut investiertes Geld ist. Gleich zu Beginn kommen Freunde der prägnanten Architektur auf ihre Kosten, denn es gibt eine wunderschöne Treppe in den Ausstellungsbereich hinab. Generell ist die Architektur steril gehalten, um den präsentierten römischen Frundstücken nicht die Aufmerksamkeit zu nehmen. Anzusehen gibt es jede Menge Büsten, Statuen, Mosaike und weitere Gegenstände. Besonders gelungen empfand ich die Möglichkeit, durch ein großes Loch im Boden von einer Ebene auf die darunterliegende zu schauen, wo durch die Perspektive ein perfekter Blick auf die aufgelegten Mosaike geworfen werden konnte. Der krönende Abschluss waren für mich zwei riesige Fensternischen, die einen fantastischen Blick auf die beiden Amphitheater zulassen.

Fotospots

 


Moderne Architektur im Musée des Confluences in Lyon

Das hypermoderne Musée des Confluences

Das optisch hervorstechende Musée des Confluences liegt direkt am Zusammenfluss der beiden Flüsse Rhône und Saône – der Name des Bauwerks verweist auf diesen Umstand und auf das Zusammenfließen des Wissens. Die moderne Architektur des vom österreichischen Büro Coop Himmelb(l)au entworfenen Gebäudes ist ganz klar ein echter Blickfang und Anziehungspunkt für Architekturfans (zu denen ich mich auch zähle). Die Baugeschichte ist allerdings kein Ruhmesblatt und ich denke, man kann das Musée des Confluences durchaus als „Elbphilharmonie von Lyon“ bezeichnen. 😉 Das beeindruckende Hamburger Konzerthaus (siehe mein Artikel Hamburg – die Hafenstadt meines Vertrauens) ist durch seine extreme Bauverzögerung und eine enorme Kostenexplosion in den Köpfen hängengeblieben. Das Museum in Lyon steht dem aber um nichts nach: zehn Jahre Bauverzögerung und 300 statt 60 Millionen Euro Kosten.

Moderne Architektur von außen …

Lässt man die Umstände außer Acht, kann man sich aber wirklich am modernen Museum erfreuen. Der Standort liegt im recht neuen Stadtviertel „La Confluence„, über den ich euch etwas später im Artikel noch mehr erzähle. Die Straßenbahn T1 fährt zur Station Musée des Confluences und damit direkt vor den Eingang. Vor dem Betreten des Gebäudes haben meine Freundin und ich einen Spaziergang unter dem Museum hindurch zum Zusammenschluss der Flüsse gemacht, um einmal die Dimensionen des gewaltigen Bauwerks zu spüren und von mehreren Perspektiven aus zu erleben. Dabei kommt man auch am von Touristen geradezu belagerten Only-Lyon-Schild vorbei, das ein beliebtes Fotomotiv ist.

… und von innen bestaunen

Das Innenleben des Musée des Confluences ist – zumindest im Eingangsbereich – nicht weniger spektakulär als von außen. Meine Freundin und ich haben uns damit auch zufrieden gegeben und die Ausstellung nicht besucht. Falls ihr euch für das Thema des Museums, die Geschichte der Menschheit, interessiert, dann findet ihr auf der Webseite museedesconfluences.fr alle notwendigen Informationen für einen Besuch. Wir sind noch in den 4. Stock gefahren, wo sich die frei zugängliche Dachterrasse befindet. Leider war der Wind derart stürmisch und die Aussicht bescheiden, sodass wir uns nur kurz im Museumscafé gestärkt haben und den nächsten Programmpunkt in Lyon in Angriff nahmen.

TIPP

Die Anfahrt zum Musée des Confluences könnt ihr alternativ zur Straßenbahn auch mit dem Boot machen, was euch gleichzeitig sicherlich weitere beeindruckende Ansichten des Gebäudes und von Lyon bringt. Informationen zu den Anlegestellen, Preisen und Fahrzeiten gibt es auf der Webseite lesbateauxlyonnais.com.

 

Fotospots

 


Blick auf das Viertel Croix-Rousse in Lyon

Die Highlights der Innenstadt

In diesem Absatz möchte ich euch zusammenfassend alles Sehenswerte und unsere Entdeckungen sowohl in der Altstadt als auch der restlichen Innenstadt zeigen. Gleich vier Stadtviertel gehören seit 1998 zum UNESCO Welterbe, nämlich Fourvière, Croix-Rousse, Presqu’île und Vieux-Lyon. Letztgenanntes Viertel bezeichnet die sehr kleine Altstadt mit ihren charakteristischen Hausdächern, die man am besten von der auf dem Fourvière-Hügel stehenden Kirche Notre-Dame de Fourvière sehen kann (zur Kirche dann später mehr).

Geschichtsträchtige Altstadt

Durch die engen Gassen zu flanieren ist ein absoluter Fixpunkt bei einem Besuch in Lyon! Hier an diesem Ort wurde die Stadt im Jahr 43 vor Christus gegründet und von Westen nach Osten kontinuierlich vergrößert. Die Altstadt ist wenig überraschend sehr touristisch und es reiht sich ein Geschäft neben das andere, dazwischen jede Menge Restaurants und Lokale. Es gibt aber immerhin viele kreative Läden, in denen man sicher das ein oder andere Mitbringsel findet. Apropos finden: haltet die Augen offen und sucht nach geöffneten Haustüren! Es gibt in der Altstadt nämlich eine Menge versteckte Passagen (Traboules) zu entdecken – doch dazu in einem eigenen Punkt später im Artikel mehr.

Die Halbinsel Presqu’île

Die von den beiden Flüssen Rhône und Saône begrenzte Halbinsel weist zwei gänzlich unterschiedliche Eigenschaften auf. Während der südliche Abschnitt das ehemalige Industrieviertel beherbergt und seit Jahren zum neuen modernen Stadtviertel „La Confluence“ umgestaltet wird, ist der nördliche Bereich prunkvoll und voller architektonischer Schätze der Vergangenheit. Getrennt sind die beiden Viertel übrigens vom Bahnhof Perrache, ein enorm frequentierter Umsteigeknoten. Für die Erkundung des wunderschönen Lyoner Stadtteils empfehle ich euch, jedenfalls zwei bis 4 Stunden einzuplanen.

Sehenswertes an jeder Ecke

Eines der Highlights ist der Place des Terreaux mit dem Hôtel de Ville (Rathaus), dem Brunnen Fontaine Bartholdi und dem Kunstmuseum Musée des Beaux-Arts (unbedingt auch abends vorbeischauen und die tolle Beleuchtung genießen!). Am riesigen Place Bellecour befindet sich eine Statue des berühmten französischen Schriftstellers Antoine de Saint Exupéry und die Touristeninfo. Rund um den Place des Jacobins seht ihr die typischen Häuser des Lyoner Großbürgertums und am Ufer der Rhône das imposante ehemalige Krankenhaus Grand Hôtel-Dieu, das heute ein Luxushotel, Einkaufspassagen, Restaurants und Cafés beherbergt.

Die Stadtteile Croix-Rousse und Fourvière

Diese Viertel liegen beide auf Hügeln und verleihen Lyon den einmaligen Charakter, wie man ihn sonst wohl selten auf der Welt erlebt. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Fourvière sind die gleichnamige Kirche und das Römermuseum LUGDUNUM – beides erläutere ich in anderen Absätzen. Den Stadtteil Croix-Rousse haben meine Freundin und ich leider aus zeitlichen Gründen nur streifen können. Den auf vielen Internetseiten empfohlenen Markt Marché de Croix Rousse konnten wir aufgrund der Öffnungszeiten trotz drei Tagen Aufenthalt überhaupt nicht besuchen. Dafür suchten wir eine ganz bekannte Passage (Traboules) und eines der berühmtesten Wandgemälde (Murals) auf, die ich euch aber weiter unten im Detail vorstelle. Spannend ist Croix-Rousse auf jeden Fall durch die enorme Anzahl an Treppen, die zur Überwindung des Höhenunterschieds notwendig sind.

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Notre-Dame de Fourvière in Lyon

Die Kirche Notre-Dame de Fourvière

Nun komme ich endlich zur weiter oben im Text bereits mehrfach erwähnten Kirche Notre-Dame de Fourvière. 😉 Sie hätte es sich aus mehreren Gründen absolut verdient, schon früher von mir vorgestellt zu werden, wie ihr gleich lesen werdet. Die Ursprünge der Kirche gehen auf das Jahr 1168 zurück, als auf dem Fourvière-Hügel eine erste Marienkapelle auf den Ruinen des alten römischen Forums gebaut wurde. Die Errichtung der heutigen Basilika begann dann ab 1872 und sollte sich aufgrund der extrem detailreichen Ausführung über Jahrzehnte erstrecken. Seit 1998 ist die Kirche ebenso wie die umgebende Altstadt Teil des UNESCO-Welterbes.

Führung auf den Glockenturm

Zur Kirche gelangt man entweder vom Fuße des Hügels über einen gut beschilderten, schmalen Weg und viele Stufen oder alternativ von der Station Vieux-Lyon (Metro-Linie D) mit der Standseilbahn F2 zur Station Fourvière. Geöffnet ist sie täglich von 8 bis 18.45 Uhr, die Besichtigung ist kostenlos. Es gibt allerdings um EUR 7,- eine einstündige Führung, die zu nicht öffentlichen Räumen und auf den Glockenturm führt. Es können pro Tour maximal 19 Personen teilnehmen. Für die genauen Führungszeiten seht euch bitte die Webseite fourviere.org an – meine Freundin und ich haben es leider nicht geschafft teilzunehmen.

Schöne Kirche, schöne Aussicht

Die schneeweiße Kirche Notre-Dame de Fourvière ist schon von außen eine Augenweide und lädt zum genauen Betrachten der detailreich ausgeführten Fassade ein. Richtig bezaubernd wird es aber innen, wo in prachtvoll goldenen Farben die romanisch-byzantinische Architektur voll zur Geltung kommt. Keinesfalls verpassen dürft ihr auch die große Krypta mit zahlreichen Marien-Figuren in unterschiedlicher Art. An der Rückseite der Basilika findet ihr übrigens eine Aussichtsplattform, die ihresgleichen sucht. Es gibt kaum eine Stelle in Lyon, die einen besseren Blick auf die Stadt zulässt!

TIPP

Meine Freundin und ich haben vor der Auffahrt mit der Standseilbahn in einer unweit der Station Vieux-Lyon befindlichen Bäckerei (Eric Kayser Boulangerie, 1 Avenue Adolphe Max) zwei Baguettes mit Schinken und Käse sowie mit Brie und Feigen gekauft. Dazu haben wir in einem Supermarkt zwei kleine gekühlte Sektflaschen geholt und all das auf der Aussichtsplattform mit Blick auf Lyon genossen – herrlich französisch!! Passt nur eventuell auf, nicht zu offensichtlich an der Flasche zu nippen. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit erlaubt ist. 😉

 

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Cathédrale Saint-Jean-Baptiste in Lyon

Die Cathédrale Saint-Jean-Baptiste

Lyon besitzt noch einen zweiten wichtigen Sakralbau, nämlich die Cathédrale Saint-Jean-Baptiste direkt unterhalb der zuvor vorgestellten Notre-Dame de Fourvière am Fuße des Hügels Fourvière. Sie ist deutlich älter und wurde ab ca. 1165 im romanischen und gotischen Stil erbaut. Gemeinsam sind beide Kirchen für eine eindrucksvolle Ansicht vom Ufer der Saône aus verantwortlich – ein großartiges Erinnerungsbild von Lyon! Auf dem Vorplatz Place Saint-Jean ergeben sich weitere tolle Ansichten der Front der Kathedrale sowie ein sehenswerter Blick auf die Notre-Dame de Fourvière.

Nüchtern, aber eindrucksvoll

Blickt man von außen direkt auf die Cathédrale Saint-Jean-Baptiste, fühlt man sich schon ziemlich an Notre-Dame de Paris in der französischen Hauptstadt erinnert (siehe mein Artikel Paris: Zu Gast in Frankreichs Herz). Das Innenleben ist deutlich nüchterner als das der zweiten Kirche auf dem Hügel Fourvière, aber trotzdem mehr als sehenswert. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs war leider ein Großteil hinter Baustellenabdeckungen, das verbliebene Sichtbare hat aber dennoch die Schönheit voll aufgezeigt. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die astronomische Uhr, die moderne Orgel und die Rossette im Seitentrakt.

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ESSEN IN LYON

Wenn es um das Thema Essen in Lyon geht, fühlt man sich wie Gott in Frankreich. 😉 Ihr werdet in jedem Reisebericht eines lesen: geht unbedingt in ein Bouchon Lyonnais. Dies bezeichnet die authentischen, traditionellen und eher hochpreisigen Gaststätten von Lyon, die auch heute noch meist Familienbetriebe sind und deftige Lyoner Hausmannskost anbieten. Aber Achtung: es bezeichnen sich auch Lokale als Bouchon, die kein echtes sind! Achtet einfach auf das in den Fotos unten gezeigte Logo der geprüften Gaststätten. Meine Freundin und ich haben leider die Beliebtheit dieser Gasthäuser komplett unterschätzt und zu keinem Zeitpunkt einen freien Platz gefunden. Deshalb gilt: sucht euch unbedingt schon vor eurer Reise nach Lyon im Internet ein Lokal und reserviert rechtzeitig! Hilfreich ist dabei die Webseite lesbouchonslyonnais.org.

Etwas frustiert hat uns Les Halles de Lyon Paul Bocuse (Webseite mit den Öffnungszeiten, nur französisch). Dabei handelt es sich um eine von außen eher unscheinbare Halle mit vielen verschiedenen Marktständen und Restaurants. Leider hatte zum Zeitpunkt unseres Besuchs schon fast alles zu und der Ort versprühte eine triste Atmosphäre. Trotzdem konnten wir an den noch geöffneten Ständen erkennen, welche kulinarischen Schmankerl es hier geben würde – zu saftigen Preisen, versteht sich. Eine sehr gute Übersicht mit angebotenen Produkten, die einem das Wasser im Mund zusammenfließen lassen, habe ich auf dem Gourmetblog gefunden. Übrigens: gegenüber der Halle ist ein tolles Wandgemälde des Starkochs Paul Bocuse zu sehen.

Wir haben also kein traditonelles Bouchon testen können und auch die Spezialitäten in der Markthalle Les Halles de Lyon Paul Bocuse nicht zum Kosten bekommen. Trotzdem sind wir noch satt geworden und haben gleichzeitig genossen! Der Markt Marché Saint-Antoine Célestins direkt am Ufer der Saône ist ein wahres Vergnügen. Geöffnet ist er täglich außer Montag von 6 bis ca. 13.30 Uhr. Es riecht derart verführerisch nach frischem Obst, Gemüse, Fleisch, Käse und noch viel mehr, dass man unbedingt zuschlagen muss. Einige Stände verkaufen auch warme Speisen wie marrokanische Eintöpfe, Grillhendl oder Austern. Hier herrscht definitiv Suchtgefahr! 😉

Sehr gute Muscheln in Weißweinsud hatten wir im Lokal Léon de B (41 Rue Mercière). Dort ist die Atmosphäre zwar nicht berauschend (es wirkt optisch ein bisschen wie eine Fast-Food-Kette), dafür aber die Qualität und Preise. Für die Muscheln bezahlten wir pro Person EUR 14,- und für eine Flasche französischen Chardonnay EUR 16,- – sehr in Ordnung und kein Vergleich zu den horrenden Restaurantpreisen in Paris!

Weil ich unbedingt ein T-Shirt wollte, haben wir auch das Hard Rock Cafe (1 Rue du Président Carnot) aufgesucht und gleich dort gegessen. Ich hatte ein Barbecue Chicken und meine Freundin einen Hickory Burger, beides war ausgezeichnet. Außerdem ist die Innenausstattung des Restaurants sehenswert.

Perfekt gefrühstückt haben wir in der Diplomatico Brasserie (1 Quai des Célestins). Für ein Petit-déjeuner mit Kaffee, Orangensaft, ein Stück Baguette, Butter, Marmelade und ein Croissant oder Pain au chocolat bezahlten wir nur rund 10 Euro. Meine Freundin war ganz begeistert vom französischen Frühstück. 🙂

 

Traboules Cour des Voraces in Lyon

Traboules – geheimnisvolle Wege

Unter dem Begriff Traboules verstecken sich (im wahrsten Sinne des Wortes) Passagen und Verbindungswege zwischen Häusern, die von der Straße aus nicht zu sehen sind. In dieser Form ist das einzigartig und typisch für Lyon. Es handelt sich zwar nicht um geheime Wege, aber dennoch sind viele tatsächlich sehr versteckt und selbst die Einwohner kennen nicht alle. Die meisten der rund 400 Traboules findet man in der Altstadt und im Stadtviertel Croix-Rousse, ca. 40 davon sind öffentlich zugänglich. Das Suchen und Entdecken macht wirklich Spaß! In der Touristeninfo auf dem Place Bellecour bekommt man übrigens eine kostenlose Karte mit den eingezeichneten Wegen. Man muss aber danach fragen, denn aufgelegt ist dort leider nichts.

Die Suche nach den versteckten Traboules

Die Geschichte der Traboules geht schon gehörig in die Vergangenheit zurück. Man vermutet, dass erstmals im 4. Jahrhundert die Passagen und Verbindungsgänge angelegt wurden, um Abkürzungen zur Saône nutzen zu können. Später legten die Seidenweber des Stadtteils Croix-Rousse weitere Traboules an, um ihre Waren schnell transportieren zu können und sie vor Regen zu schützen. Während der Widerstandsbewegungen in den 1830er-Jahren und im Zweiten Weltkrieg spielten die versteckten Gänge eine entscheidende Rolle. Vor allem im hügeligen Viertel Croix-Rousse ergeben die Traboules wirklich Sinn, wenn man die Höhenunterschiede zwischen den Gebäuden betrachtet. Dort könnt ihr übrigens auch das bekannteste Traboule – den Cour des Voraces – an der Adresse 9 Place Colbert entdecken. Aber bedenkt immer, dass es trotz geöffneter Türen immer noch Wohnhäuser sind und man sich dementsprechend verhalten sollte.

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Murals Mur des Canuts in Lyon

Bunte Stadt dank Murals

Sogenannte Murals, also Wandmalereien, findet man mittlerweile schon in sehr vielen Städten. Aber derartige Kunstwerke wie in Lyon habe ich zuvor noch nie gesehen! Die Ursprünge gehen auf die 70er-Jahre zurück, als eine Gruppe Studenten Kunst in den öffentlichen Raum bringen wollte. 1978 entstand die Bewegung CitéCréation, welche fortan freiliegende Fassaden, vor allem von Wohnhäusern, in unglaublich detailverliebter Art und Weise verschönerte. Die Stadt Lyon nahm das dankend an und so können sich heute Einwohner wie Besucher an den bunten, kreativen und optisch illusionierenden Murals erfreuen.

Schnitzeljagd auf Murals

Es gibt wirklich derart viele Murals in Lyon, dass man sich auf das zufällige Entdecken oder das bewusste Ansteuern einiger bestimmter Kunstwerke beschränken muss. Beides haben meine Freundin und ich perfekt geschafft. 😉 Wenn ihr euch auf die bekanntesten konzentriert, macht ihr auf jeden Fall schon nichts falsch. Das Wandgemälde Fresque des Lyonnais (Bürger von Lyon) zeigt beispielsweise auf einer Fläche von 800m² 30 bekannte Bürger und Bürgerinnen, darunter der Schriftsteller und Stadtheld Antoine de Saint-Exupéry. Eine aufgemalte Bibliothek ist mit dem Mural La bibliothèque de la cité an einer Hausfassade nahe der Saône zu finden. Am absolut beeindruckendsten ist aber das Mur des Canuts, das auf 1.200 m² eine perfekte optische Täuschung bietet. Das Gemälde weist eine Tiefe auf, die unglaublich ist – tatsächlich ist es aber nur eine einzelne flache Hausfassade!

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Moderne Architektur in Lyon

Moderne Architektur und Kunst

Abschließend möchte ich noch einmal zwei Ort für Freunde der modernen Architektur und Kunst hervorheben. Wenn ihr euch das Musée des Confluences angesehen habt, dann bietet sich gleich ein Spaziergang entlang der Saône zurück in Richtung Innenstadt an. Ihr bekommt einerseits die Überreste alter Hafenindustrieanlagen und Kräne zu sehen, andererseits bereits moderne Neubauten, die den Stadtteil „La Confluence“ in ein attraktives Viertel verwandeln sollen. Zwei scheinbare Zwillingsbauten stechen sofort ins Auge: ein grünes und ein oranges mit jeweils einer eigenwilligen Ausbuchtung. Im grünen Haus ist die Zentrale von Euronews untergebracht, das orange beherbergt ein Consulting-Unternehmen.

Kunst im Parkhaus

Etwas Besonderes und irgendwie Skurriles gibt es auf der Halbinsel auf dem Platz Place des Célestins zu entdecken. Mitten auf einer leeren Fläche steht eine Art Periskop – blickt man hier durch, erkennt man eine sich drehende Scheibe und denkt sich wahrscheinlich: „Was soll das bitte sein?“ Des Rätsels Lösung verbirgt sich unter der Oberfläche im Parkhaus, das ihr rechts vom Theatergebäude über einen Abgang betreten könnt. Folgt der Fahrbahn ein Stück nach oben, bis ihr an einem kleinen Vorsprung in Sicherheit vor den Autos steht und schaut dann hinab (siehe Fotos). Verrückt und genial, oder? 🙂

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

Wenn ihr mit dem Flugzeug anreist, sticht euch nach eurer Ankunft auf dem Flughafen Aéroport de Lyon Saint Exupéry sofort die Architektur von Stararchitekt Santiago Calatrava ins Auge. Der Spanier hat das Bahnhofsgebäude des Flughafens in seiner unvergleichlichen futuristischen Art und Weise gestaltet, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Vom Flughafen in die Stadt gibt es eigentlich nur eine nennenswerte Option. Die Straßenbahn mit dem klingenden Namen Rhônexpress bringt euch in 29 Minuten zum Hauptbahnhof Lyon Part-Dieu und umgekehrt. Ein Zug geht untertags alle 15 Minuten, den genauen Fahrplan und Tickets findet ihr auf der Webseite rhonexpress.fr. Zum Thema Tickets sei gesagt, dass der Fahrpreis mit EUR 26,20 für eine Hin- und Rückfahrt eine ziemliche Frechheit ist. Und das ist nur der Preis, wenn ihr online kauft (was ich problemlos getan habe). Besorgt ihr euch die Fahrkarten erst direkt im Zug beim Schaffner, kostet das Ticket EUR 27,80. Man merkt leider, dass es keine wirkliche Konkurrenz zum Rhônexpress gibt …

Die Ticketpreise der öffentlichen Verkehrsmittel in Lyon sind dafür wieder sehr in Ordnung. Es gibt neben Einzelfahrscheinen um EUR 1,90 auch 24h- (EUR 5,80), 48h- (EUR 11,-) und 72h-Tickets (EUR 15,-). Meine Freundin und ich sind zwar sehr viel gegangen, waren aber doch froh, durch unser 72-Stunden-Ticket jederzeit ein Stück mit der Metro oder Straßenbahn fahren zu können. Einen Übersichtsplan als PDF findet ihr auf der Webseite tcl.fr. Klickt dort bei „Ligne fortes M C T“ auf „Afficher le plan“.

Ein wichtiger Hinweis, falls ihr wie wir über den 1. Mai in Lyon seid. Dieser Feiertag ist dort anscheinend ein hochheiliger, denn es steht praktisch die gesamte Stadt still. Und das betrifft auch die öffentlichen Verkehrsmittel, Achtung! Ausgenommen ist davon zum Glück der Rhônexpress zum und vom Flughafen, der ganz normal fährt. Berücksichtigt nur, dass ihr zu Fuß länger zum Bahnhof benötigt, wo die Flughafen-Straßenbahn wegfährt.

Für alle Einkaufswütigen unter euch: die Rue de la Republique ist euer Paradies! 😉 Sie ist nicht nur eine schöne Flaniermeile mit sehenswerten Hausfassaden, auf ihr sind auch alle bekannten Ketten dieser Welt mit Geschäften vertreten.

Eine interessante Entdeckung waren für uns einige Symbole in der Stadt, die auf einen Rundgang zu den wichtigsten Punkten eines Viertels schließen ließen. Eine Hinweistafel mit einem vorgegebenen Weg ist mir auf einer Straße untergekommen und hat mich zu einem PDF (static.lyon.fr) mit weiteren Wegen geführt. Wenn ihr also Fans einer Schnitzeljagd seid, dann ist das eventuell interessant für euch.

 

FAZIT

Der Kurztrip nach Lyon war für meine Freundin und mich wieder eine Städtereise, die stark im Gedächtnis hängen bleibt. Von Anfang an war uns die drittgrößte Stadt Frankreichs zutiefst sympathisch und trotz einer halben Million Einwohner empfanden wir Lyon immer als angenehm überschaubar. Die beiden Stadthügel Fourvière und Croix-Rousse sowie die beiden Flüsse Saône und Rhône tragen extrem stark zum so interessanten und attraktiven Charakter der Stadt bei. Die Mischung aus 2.000 Jahre alter Geschichte und ultramoderner Architektur der Gegenwart habe ich noch an wenigen Orten so intensiv erlebt. Dass der Genuss in Lyon zuhause ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen – die zahlreichen hochklassigen Restaurants unter dem Einfluss des leider verstorbenen Starkochs Paul Bocuse sprechen für sich. Lyon ist aus meiner Sicht wirklich ein ganz heißer Tipp!

 

Lyon: Reisebericht mit allen Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.Lyon: Reisebericht mit allen Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.

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