Warum du Bristol lieben wirst

Meine Freundin wird von Großbritannien schon seit vielen Jahren magisch angezogen und hat mich damit in kürzester Zeit angesteckt. Als ich dann per Zufall im Internet Bilder aus Bristol mit bunten Heißluftballons hinter einer imposanten Brücke sah, war es auch schon um mich geschehen. In der südwestlichen englischen Stadt findet jedes Jahr das größte Ballonfestival Europas statt, aber auch sonst verliebten wir uns in Bristol mit seiner unglaublich charmanten Mischung aus Kultur, Unterhaltung und Kunst!

Dieser Artikel wurde zuletzt am 9. April 2019 aktualisiert.

Bristol

FAKTEN

Reisezeit: August 2018 (4 Tage, 3 Übernachtungen)
Anreise: Mit KLM von Flughafen Wien-Schwechat nach Flughafen Amsterdam Schiphol, dann weiter nach Bristol Airport (gesamt 4:30h mit Umsteigen)
Unterkunft: The Bristol Hotel **** (Prince Street, Hotel buchen*): Hotel in sehr guter zentraler Lage, viele Lokale in unmittelbarer Umgebung, geräumige Zimmer, Einrichtungsstil etwas altmodisch, sehr bequeme Betten, viele Ablagemöglichkeiten, ausgezeichnete Dusche, schnelles WLAN, Frühstück nicht gebucht. Weiterempfehlung? JA.
Weitere schöne Hotels in Bristol könnt ihr hier* suchen und buchen.

TRANSPARENZHINWEIS

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Bunte Häuser im Viertel Clifton Village in Bristol

Bristol, die große Entdeckung

Habt ihr schon einmal von Bristol gehört? Irgendwo im Unterbewusstsein schwirrte der Name der südwestlichen englischen Stadt zwar schon in meinem Kopf herum, aber wirklich im Blickfeld hatte ich Bristol nie. Das änderte sich schlagartig, als ich während der Recherche für eine andere Reise auf Fotos stieß, die Dutzende Heißluftballons hinter einer sehenswerten Brücke inmitten einer landschaftlich attraktiven Gegend zeigten. Mein Herz hüpfte vor Begeisterung und ich musste nur noch meine Freundin überzeugen, nach Bristol zu fliegen – das stellte sich als die leichteste Aufgabe heraus, denn ihre Leidenschaft für Großbritannien ist riesig. 😉

Eine Stadt mit lebendiger Geschichte

Auch wenn wir vorrangig wegen des jährlich stattfindenden Ballonfestivals nach Bristol wollten, sollte natürlich auch die Stadt selbst überzeugende Attraktionen vorweisen können. Ein kurzer Blick auf die Highlights der Stadt ließ uns darüber aber keine Sorgen machen – Bristol bietet eine enorme Dichte an Sehenswürdigkeiten! Trotz schwerer Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg überstand eine Vielzahl an Gebäuden die Angriffe, sodass in der viertgrößten Stadt Englands auch heute noch die sehenswerte Architektur der Vergangenheit bestaunt werden kann. Herausstechend war dabei für mich persönlich die University of Bristol, in der ihr unbedingt eine Führung machen müsst (siehe Punkt 3 weiter unten).

Kunst und Kultur an jeder Ecke

Was mir wirklich imponiert hat, ist die hohe Dichte an Kunst und Kultur. Die Stadt ist an vielen Stellen wahnsinnig bunt sowie kreativ und noch dazu die Heimatstadt von Banksy. An vielen Stellen finden sich gesellschaftskritische Originalwerke des britischen Graffitikünstlers, dessen Identität bis heute geheim ist. Auch in musikalischer Hinsicht prägte die Stadt die Welt sehr stark mit: Bands wie Massive Attack, Portishead, (aus der jüngeren Vergangenheit) George Ezra und viele weitere bekannte Musiker stammen aus Bristol – nicht zu vergessen die lebendige Underground-Szene. Während unseres Aufenthalts entdeckten meine Freundin und ich an verschiedensten Stellen übrigens zahlreiche Figuren von Wallace & Gromit. Das ist auch kein Wunder, denn in Bristol ist das bekannte Animationsstudio Aardman Animations beheimatet, das auch Shaun das Schaf erfand.

Entspanntes Leben trotz Ballonfestival

Ein weiterer Umstand, der stark für einen Besuch von Bristol spricht, ist der authentische Alltag ohne große Touristenströme – in London beispielsweise undenkbar. Trotz des gerade stattfindenden Ballonfestivals, das immerhin eines der größten der Welt ist, hatten meine Freundin und ich nie das Gefühl, von Menschenmassen überrannt zu werden. Ganz im Gegenteil: die Besucherinnen und Besucher der Stadt schienen hauptsächlich aus dem übrigen Großbritannien zu kommen. Obwohl Städteurlaube durch ein dichtes Programm an Sehenswürdigkeiten selten entspannend verlaufen, konnten wir so das britische Flair richtig genießen! Jetzt aber genug mit der Theorie: nachfolgend zeige ich euch meine persönlichen Top 10 und weitere Highlights sowie Erfahrungen aus vier Tagen Bristol! 🙂

Street Art in Bristol

Die Top 10 Sehenswürdigkeiten in Bristol

1) Clifton Suspension Bridge

Die Clifton Suspension Bridge (Clifton-Kettenbrücke) war mein erster Berührungspunkt mit Bristol. Fotos von diesem technischen Wunderwerk sorgten bei mir sofort für Herzrasen und ich wollte die Brücke unbedingt selbst sehen. Von der Innenstadt aus befindet sich die Brücke rund zwei Kilometer westlich, sodass ihr für einen gemütlichen Fußmarsch rund 30 Minuten einplanen solltet – eher mehr, denn auf dem Weg dorthin entdeckt man im Viertel Clifton eine Vielzahl an interessanten Gassen, Geschäften und Lokalen! Mit dem lokalen Bussystem beschäftigten wir uns übrigens gar nicht, weil es uns als nicht wirklich nützlich erschien.

Technisches Meisterwerk

Die Clifton Suspension Bridge überspannt auf einer Länge von 412 Metern und einer Höhe von 75 Metern die Schlucht des Avon-Flusses. Entworfen wurde sie von Isambard Kingdom Brunel, einem britischen Ingenieur mit unglaublichem Talent. Neben Brücken baute Brunel nämlich auch noch Schiffe und Eisenbahnen – ein echter Wunderwuzzi, wie man in Österreich sagen würde. Weiter unten im Text lernt ihr bei Punkt 5 mit dem Schiff Great Britain ein weiteres seiner Werke und gleichzeitig auch eine Top-Sehenswürdigkeit kennen. Die Fertigstellung der Brücke zog sich durch bürgerkriegsähnliche Aufstände und Geldnot über mehrere Jahrzehnte, sodass Brunel die Eröffnung 1864 gar nicht mehr miterlebte.

Unbeschreibliche Ausblicke

Den besten und bekanntesten Blick auf die Clifton Suspension Bridge erhaltet ihr vom Hügel nordöstlich der Brücke, wo auch das Clifton Observatory steht. Dieses könnt ihr übrigens besichtigen, meine Freundin und ich gaben uns aber mit der wundervollen Aussicht unterhalb der Sternwarte zufrieden. Der eigentliche Plan war ja, den Start der Heißluftballone von diesem Standpunkt aus zu beobachten, doch der Wind machte den zahlreichen Schaulustigen und uns einen Strich durch die Rechnung – keine Ballons. Am folgenden Tag sollten wir allerdings mehr Glück haben, wie ihr gleich im nächsten Punkt sehen könnt! 🙂

Fotospots

 

2) Bristol Balloon Fiesta

Das Ballonfestival Bristol Balloon Fiesta wird seit 1979 durchgeführt und zählt seit Jahren zu den größten Festivals der Welt. Mehr als 100.000 Menschen kommen während der viertägigen Veranstaltung, um entweder aktiv oder als Zuschauer teilzunehmen. Für meine Freundin und mich war klar: wenn schon die Chance besteht, dieses visuelle Spektakel mitzuerleben, dann nützen wir sie auch! Deshalb buchten wir bereits im März und damit ein halbes Jahr vor der Bristol Balloon Fiesta die Flüge und unser Hotel. Sehr überraschend war für mich der Umstand, dass die Hotelpreise nicht wesentlich teurer waren als zu anderen Zeiten.

Beschwerliche Anreise zum Startfeld

Das riesige Feld Ashton Court, auf dem die Heißluftballone vorbereitet werden, liegt verkehrstechnisch ungünstig rund drei Kilometer Luftlinie vom Zentrum entfernt. Durch die Anreise der Zuschauer per Auto kommt es jedes Jahr zu einem Verkehrschaos rundherum, von dem auch die Shuttlebusse beeinflusst werden. Meine Freundin und ich haben uns deshalb schon am ersten Tag entschieden, aus Zeitgründen nicht direkt zum Festivalgelände zu fahren, sondern die Ballons aus der Ferne mit der Clifton Suspension Bridge als Vordergrund zu genießen. Wenn ihr euch das Event aber dennoch aus nächster Nähe ansehen wollt, dann findet ihr auf der offiziellen Webseite bristolballoonfiesta.co.uk alle Infos zum Programm, zur Anreise und weiteren nützliche Details.

Ein Bild für die Ewigkeit

Das Highlight der Bristol Balloon Fiesta sind die Massenstarts von über 100 Heißluftballonen, darunter zahlreiche außergewöhnliche Formen wie ein riesiges Motorrad, ein Feuerlöscher oder ein gigantischer Minion. Diese finden vom zweiten bis zum vierten Tag des Festivals jeweils um 6 Uhr morgens und 18 Uhr abends statt – jedenfalls theoretisch. Meine Freundin und ich hätten während unseres Aufenthaltes im August 2018 also laut Programm sechs Mal einen Massenstart miterleben können, in der Praxis konnte aber wegen Regens oder Windböen nur ein einziger tatsächlich durchgeführt werden. Ihr könnt euch vorstellen, wie glücklich und erleichtert wir waren, dieses beeindruckende Erlebnis mit eigenen Augen sehen zu können.

So gelingt die Planung

Sehr nützlich ist bei der Planung vor Ort übrigens der Twitter-Account twitter.com/bristolballoon, der laufend darüber Auskunft gibt, ob der Massenstart stattfindet oder abgesagt wurde. So konnte ich den Wecker beispielsweise um 4.30 Uhr stellen und im Bett kurz per Smartphone den aktuellen Status abklären, ohne das Hotel verlassen zu müssen. Nachdem an einem Morgen klar war, dass die Ballons starten würden, fuhren meine Freundin und ich gleich per Taxi (ca. GBP 10,- vom Zentrum aus, eine lohnende Investition!) zur Clifton Suspension Brigde. Auf den folgenden Fotos seht ihr, dass wir nicht die einzigen Menschen waren, die vom stattfindenden Massenstart bereits wussten. 😉 Um freie Sicht auf die Ballons inklusive Brücke zu erhalten, müsst ihr nach sich auftuenden Lücken zwischen den Zuschauern suchen. Auf jeden Fall war es ein unvergesslicher Moment!

Fotospots

 

3) Wills Memorial Building Tower

Das Wills Memorial Building ist ein Gebäudekomplex der University of Bristol. Der markante Wills Tower sticht dabei am Ende der steil verlaufenden Park Street sofort ins Auge. Der Name stammt von den Stiftern des Bauwerks, George Alfred Wills und Henry Herbert Wills. Die Familie Wills war als Mehrheitseigentümer des Tabakwarenherstellers Imperial Tobacco äußerst vermögend. Henry Wills stiftete 100.000 Pfund mit der Auflage, innerhalb eines Jahres die University of Bristol zu gründen. Nachdem dies geschehen war, wurde er 1909 ihr erster Kanzler. Die Eröffnung des Gebäudekomplexes selbst fand 1925 statt.

Mehrere architektonische Schätze

Ich stolperte im Internet bei der Recherche nach interessanten Orten in Bristol über das Gebäude. Eigentlich wollte ich nur die Aussicht vom Turm aus genießen – dass es aber auch noch weitere Schätze im Wills Memorial Building gibt, hat mich total positiv überrascht. Eine Besichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich, die Zeiten und die Mail-Adresse für eine Anmeldung findet ihr auf der Webseite bristol.ac.uk. Unser Tourguide brachte der Gruppe dann gemeinsam mit einer Studentin in sympathischer Art die historische Geschichte, Details zu den spätgotischen Bauten, witzige Anekdoten aus dem Unialltag und gruselige Begebenheiten aus den Tiefen des Gebäudekomplexes näher.

Einblicke und Ausblicke

Schon die Engangshalle mit dem monumentalen Treppenhaus, den mit enormen Details versehenen Glasfenstern und der imposanten Deckenkonstruktion machte uns sprachlos. Die Great Hall (Große Halle), in der Zeremonien abgehalten werden, lässt mit ihrem Hammerbalken-Gewölbe ein bisschen Harry-Potter-Feeling aufkommen. Weitere sehenswerte Räume sind die Council Chamber und die tolle Bibliothek. Natürlich besteigt man während der Führung auch den 68 Meter hohen Glockenturm, von dem man nicht nur eine tolle Aussicht hat (wenn das Wetter es zulässt). Zusätzlich bekommt man nämlich auch Great George, die sechstgrößte Glocke Englands, zu sehen und auch zu hören – ein tolles Erlebnis!

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4) Harbourside Walk und Bristol Marina

Eine Sache, die mir in Bristol sehr, sehr gut gefallen hat, ist ein Spaziergang entlang des Hafens – der Harbourside Walk. Dieser wurde zwischen 1804 und 1809 künstlich angelegt, da der an Bristol vorbeilaufende Fluss Avon tidenabhängig ist. Durch den mit Schleusentoren geschützten Kanal namens New Cut wird der Wasserstand im Hafen (der sogenannte Floating Harbour) konstant gehalten und die Schiffe können zu jeder Tageszeit fahren. Meine Freundin und ich erkundeten gleich an zwei Tagen die Gegend am Wasser: einmal rund um das Zentrum Bristols, wo sich unter anderem das tolle Museum M Shed (siehe weiter unten) befindet und einmal westlich der Innenstadt.

Attraktiver Spaziergang am Wasser

Vor allem der zweite Spaziergang von Westen nach Osten bietet euch mehrere fantastische Ansichten von Bristol! Ihr blickt nämlich direkt auf das hügelige Viertel Clifton, wo eine Vielzahl an Häusern in bunten Farben gestrichen sind. Kleine liebevolle Boote, Möwen, alte sowie neue Architektur und der Hafen Bristol Marina sind allesamt großartige Fotomotive, vor allem wenn das Wetter mitspielt und man blauen Himmel mit Sonne genießen kann. 🙂 In der Nähe von der Bristol Marina liegt das Schiffmuseum SS Great Britain vor Anker, über das ihr im folgenden Punkt mehr erfahrt. Übrigens: wenn euch die Geschichte des Hafens sehr interessiert, dann findet ihr auf der Webseite bristolfloatingharbour.org.uk einige Vorschläge für Spaziergänge mit ausführlichen historischen Details.

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5) Brunel’s SS Great Britain

Brunel’s SS Great Britain (ssgreatbritain.org) ist die klare Nummer eins der Besucherinnen und Besucher in Bristol, zumindest wenn es um die Zahlen geht. Ich bin eigentlich nicht so ein großer Fan von Schiffen – aber sogar ich muss zugeben, dass eine Besichtigung dieses Museumsschiff wirklich ein fantastischer Zeitvertreib war. Das Schiff aus dem Jahr 1843 zählt heute zu den wichtigsten Booten der Welt. Den Namen des Erbauers habt ihr in meinem Beitrag weiter oben schon bei der Clifton Suspension Bridge kennengelernt, es ist Isambard Kingdom Brunel. Der britische Ingenieur setzte beim Bau auf einen Schiffsrumpf aus Metall und einen vierblättrigen Propellerantrieb mit Dampfmaschinen.

Ein Schiff, das die Welt veränderte

Zum Museum gelangt ihr vom Zentrum in Bristol aus entweder per Fußmarsch (ca. 20-30 Minuten) oder ihr nehmt euch die praktische Fähre (mehr Infos dazu am Ende des Beitrags im blauen Infokasten), die eine Anlegestation direkt vor der SS Great Britain hat. Der Eintritt kostet GBP 17,- (EUR 20,-) und berechtigt euch ab dem Kauf ein komplettes Jahr so oft zurückzukommen, wie ihr wollt. Im und auf dem Schiff sind dann die Zimmer originalgetreu nachgebildet. Es ist beeindruckend und bedrückend zugleich, wenn man den Unterschied zwischen den Kajüten der betuchten und der ärmeren Gesellschaft sieht. Eine weitere (erst 2018 eröffnete) Ausstellung außerhalb der SS Great Britain widmet sich dem Leben des Ingenieurs Brunel – lasst euch auch dieses im Eintritt inkludierte Museum namens „Being Brunel“ nicht entgehen!

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ESSEN UND TRINKEN IN BRISTOL

Hunger und Durst leiden muss man in Bristol wirklich nicht, ganz im Gegenteil. Die Stadt ist sogar bekannt für ihre ausgefallene Küche – meine Freundin und ich haben uns aber den britischen Klassikern gewidmet. 😉 Gute Fish & Chips hatten wir beispielsweise im King William Ale House (20 King Street). Zwei sehr schmackhafte Pie’s („Catch 22“ mit Lachs, Garnelen, Seehecht, Muscheln und „Moo & Blue“ mit Beef Steak, nicht vom Aussehen abschrecken lassen!) genossen wir bei Pieminister (24 Stokes Croft). Und ein fantastischer Platz zum Probieren unterschiedlichster Gerichte aus aller Welt ist der Saint Nicholas Market in der Altstadt, wo wir uns für indisches Curry bei Spice Up Your Life (7 Exchange Avenue) entschieden.

Richtig frühstücken waren meine Freundin und ich nur zweimal. Im wunderschönen Primrose Cafe (1 Boyce’s Ave) im Clifton-Viertel solltet ihr eher früh kommen, denn die Plätze sind sehr begehrt. In völliger Ruhe essen konnten wir dagegen im Lokal Mackenzies Cafe Bar Bristol (Groundfloor ‚W‘ Shed, Cannons Road). Dort probierten wir ein klassisches Full English Breakfast und ein Pulled Pork Sandwich mit Bohnen – beides sehr zu empfehlen.

Für die Pause zwischendurch suchten wir uns immer auf gut Glück etwas, das uns anlachte. Sehr gute selbstgemachte Kuchen gibt es etwa bei Friska (87 Park Street, Clifton), ausgezeichneten Carrot Cake (Karottenkuchen) und Kaffee bei Costa Coffee (Queens Road und mehrere andere Filialen in Bristol). Eine Bierpause legten wir im Pub The Hole in the Wall (2 The Grove, Queens Square) ein, wo Schmuggler in vergangenen Tagen durch ein kleines Loch in der Wand Ausschau nach Zollbeamten hielten. 😉 Außerdem diente das Pub als Inspiration für den Roman „Treasure Island“ von Robert Louis Stevenson.

Für Tierfreunde habe ich zwei Tipps: es gibt in Bristol das Katzencafé You and Meow (22 Denmark Street, youandmeow.co.uk), wo man allerdings nur mit Glück oder per Voranmeldung Einlass findet (wir hätten uns auf eine Warteliste setzen lassen müssen, hatten aber keine Zeit). Und es gibt sogar ein Katzenpub! Im Lokal Bag Of Nails (141 St George’s Rd, Hotwells) fanden wir einen Platz und probierten zwischen mehreren Miezen die englischen Biere.

Auf dem Weg zur Clifton Suspension Bridge kauften wir im Bioladen Reg The Veg (6 Boyce’s Ave) gegenüber des oben schon erwähnten Primrose Cafe Obst sowie Datteln und Oliven, die wir dann mit Blick auf die Brücke genossen.

Ganz nett empfanden wir The Harbourside Market in den alten Lagerhäusern Watershed am Hafen direkt im Herzen von Bristol und gegenüber von unserem Hotel. Dort verkaufen am Mittwoch und Donnerstag von 12-14.30 Uhr und Samstag sowie Sonntag von 11-16 Uhr lokale Händler ihre Waren. Von Streetfood über Schmuck bis hin zu kreativen Produkten gibt es hier einiges zu entdecken und probieren.

 

6) Banksy und die Street-Art-Szene

Seit meinem Besuch in Lyon nehme ich Street Art in einer vollkommen anderen Weise wahr. Die aufwendigen, teils überdimensionalen Wandgemälde („Murals“) verleihen einer grauen Stadt viel Farbe und Charme – oft auch mit gesellschaftskritischem Hintergrund. Bristol nimmt beim Thema Street Art dabei eine besonders tragende Rolle ein, denn es ist die Heimatstadt des Graffitikünstlers Banksy. Die Identität sowie der wahre Name ist nur ausgewählten Menschen bekannt. In Bristol finden sich jedenfalls einige Originalwerke, die ich unbedingt sehen wollte. Sie sind teils gut sichtbar, teils aber auch sehr gut versteckt. Gesehen haben meine Freundin und ich jedenfalls die folgenden: “Mild Mild West” (1999), “Well hung lover” (2006), “The girl with the pierced eardrum” (2014), “The Paint-Pot Angel” (2009) und “The Grim Reaper” (2003).

Kunstwerke an Hauswänden

Die Hochburg der Street Art in Bristol ist das Viertel Stoke’s Croft, wo man als Tourist eventuell einen kleinen Kulturschock erleidet. 😉 Man muss von der schön hergerichteten Innenstadt nur eine große Straße überqueren, schon ändert sich schlagartig der Charakter und die Stadt wirkt plötzlich etwas heruntergekommen. Lasst euch davon auf keinen Fall abschrecken, denn ihr könnt euch auf Entdeckungstour begeben und sehr viele tolle Murals entdecken. Natürlich beschränken sich die Künstler nicht nur auf Stoke’s Croft und auch in der Innenstadt erstrahlen einige Hauswände in prächtigsten Farben sowie interessanten Motiven. In den Fotos könnt ihr euch zu jedem Bild die GPS-Koordinaten anzeigen lassen, um die Kunstwerke auch selbst garantiert zu finden.

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7) St. Mary Redcliffe Church

Die Kirche St. Mary Redcliffe ist uns im Vorbeifahren mit dem Flughafenbus aufgefallen, denn schon ihr äußeres Erscheinungsbild lässt Großartiges erahnen. Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Bauwerk im gotischen Stil wurde von Königin Elisabeth I. immerhin als „die schönste, stattlichste und berühmteste Pfarrkirche Englands“ bezeichnet. Und tatsächlich, das Innenleben der Kirche hat mich umgeworfen! Die Mischung aus Architektur, der angenehm warmen Beleuchtung und den zahlreichen Details ist extrem beeindruckend. Für eine Besichtigung zugänglich ist die Kirche Montag bis Freitag 8.30-17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 9-16 Uhr.

Das chaotische Pendel

Eine spezielle Sache hat mich derart in den Bann gezogen, dass ich sie euch noch extra vorstellen möchte. In der Kirche St. Mary Redcliffe steht nämlich seit 1997 das „Chaotic Pendulum“ von Professor Sir Brian Pippard. Es handelt sich um ein Pendel, das mit recyceltem Wasser betrieben wird und je nach Füllmenge nach rechts oder nach links ausschwenkt. Es ist permanent in Bewegung und es lässt sich nicht vorhersagen, in welche Richtung das Pendel als nächstes ausschlagen wird. Die Installation ist nicht nur beruhigend, sondern regt auch zum Nachdenken an.

Fotospots

 

8) Bristol Cathedral

Die Bristol Cathedral, deren offizieller Name The Cathedral Church of the Holy und Undivided Trinity lautet, ist die zweite große Kirche in Bristol. Sie steht recht zentral auf dem gepflegten Platz College Green, auf dem sich mit dem Bristol City Council, der Bristol Central Library und dem Bristol Marriott Royal Hotel weitere sehenswerte Bauwerke befinden. Die Kathedrale gilt als herausragendes Beispiel für eine Hallenkirche in Großbritannien – das bedeutet, dass sich das Kirchenschiff, der Chor und die Gänge auf einer Ebene befinden.

Detailreiche Glasfenster

Der Bau für die Bristol Cathedral startete 1160. Bis zu ihrem heutigen Aussehen sollten aber noch Jahrhunderte vergehen, in denen Zubauten, Umbauten und sonstige bauliche Änderungen durchgeführt wurden. Bei einem Rundgang durch die Kathedrale solltet ihr besonders auf die wundervollen Glasfenster achten. Geöffnet ist die Kirche übrigens von Montag bis Freitag 8-17 Uhr sowie am Wochenende von 8-15.15 Uhr.

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9) Bristol Old City

Bristol hat das Glück, eine sehr gut erhaltene Altstadt (Old City) aufweisen zu können, die im Krieg keine großen Schäden erleiden musste. Die Altstadt ist zwar sehr klein und überschaubar, zeugt aber mit ihren Gebäuden vom Wohlstand aus vergangener Zeit. Eine ausgezeichnete Möglichkeit, alle interessanten Orte und Plätze während eines Spaziergangs kennenzulernen, ist der Old City Heritage Trail. Einen Übersichtsplan zum Ausdrucken mit zahlreichen Informationen und geschichtlichen Hintergründen findet ihr auf der Webseite bristololdcity.co.uk. Folgt mit Hilfe des Stadtplans und den am Boden befindlichen Hinweisen einfach dem ein Kilometer langen Pfad in rund einer Stunde.

Viel zu entdecken in der Altstadt

Ihr stosst bei eurem Rundgang durch die historische Innenstadt neben alten Gebäuden auch auf viele kleine Geschäfte mit kreativen Produkten. Wenn ihr Hunger bekommt, dann macht einen Abstecher in den St. Nicholas Market, in dem sich früher die alte Corn Exchange (Getreidebörse) befand (siehe auch meine kulinarischen Tipps im blauen Infokasten weiter oben im Artikel). Nicht verpassen solltet ihr die außerhalb der alten Stadtmauer befindlichen Christmas Steps. Die Stufen selbst sind zwar nicht spektakulär, aber mit dem Wissen, dass an dieser Stelle bereits im Jahr 1600 mit Waren gehandelt wurde, lässt die heute dort befindlichen kleinen Läden gleich viel charmanter wirken. 😉

Fotospots

 

10) Cabot Tower und Brandon Hill Park

Inmitten des geschäftigen Treibens von Bristol bietet der Brandon Hill Park einen perfekten Rückzugsort im Grünen, um kurz einmal runterzukommen vom Alltags- oder Besucherstress. An der Spitze des Hügels steht der aus rotem Sandstein gebaute Cabot Tower aus dem Jahr 1897, der von vielen Stellen der Stadt aus sichtbar ist. Der Turm erinnert an den Entdecker John Cabot und seine Seereisen, die er Ende des 15. Jahrhunderts von Bristol aus unternahm.

Geniale Aussicht auf Bristol

Eine Besteigung des Cabot Towers ist ganzjährig (ausgenommen 25.12. und 01.01.) von 8.15-16.30 Uhr zwar nicht bzw. nur bis zum Sonnenuntergang, aber dafür kostenlos möglich. Auf den 32 Meter hohen Turm führen sehr enge Stufen, sodass ich mir ein Ausweichen mit entgegenkommenden Personen sehr spannend vorstelle. Meine Freundin und ich nutzten gleich die Gunst der frühen Stunde und konnten die wirklich exzellente Aussicht auf Bristol noch komplett ungestört genießen. Auch der Spaziergang durch den Brandon Hill Park hat uns begeistert, da wir Bekanntschaft mit einem äußerst frechen Eichhörnchen machten. 😉

Fotospots

 

Pero's Bridge und Ferry Wheel in Bristol

Und noch mehr Sehenswertes

In den folgenden kurzen Absätzen zeige ich euch noch weitere Entdeckungen aus Bristol, über die es nicht so viel zu schreiben gibt – sehenswert sind sie aber allesamt!

Pero’s Bridge

Die Verbindung zwischen Millennium Square und der Harbourside überspannt eine kleine Fußgängerbrücke namens Pero’s Bridge. Das Kunstwerk auf der Brücke erinnert an den Sklaven Pero Jones bzw. generell an die unrühmliche Zeit, als Bristol eine tragende Rolle in der Sklaverei einnahm. Abends ist die Brücke sehr schön beleuchtet und ein beliebter Treffpunkt aufgrund der rundherum befindlichen zahlreichen Restaurants und Vergnügungsmöglichkeiten.

Georgian House Museum

Der Name Pero Jones kam meiner Freundin und mir gleich nochmals unter, als wir das Georgian House Museum nahe der Park Street besuchten. Das Haus aus dem 18. Jahrhundert kann kostenlos besichtigt werden und zeigt den Luxus, den sich der Sklavenhändler und Plantagenbetreiber John Pinney damals leistete. Pero Jones war dabei 32 Jahre lang der persönliche Diener von Pinney. Alle Infos zu diesem geschichtlich wichtigen Museum findet ihr auf der Webseite bristolmuseums.org.uk.

M Shed

Bleiben wir gleich bei den Museen, von denen es in Bristol eine ganze Menge gibt – die meisten davon kostenlos. Aus Zeitgründen haben wir uns aber nur noch zwei weitere angesehen. Da wäre einmal das M Shed am Hafen mit seinen geschichtsträchtigen Kränen davor. Die Dauerausstellung erzählt die Geschichte Bristols und deren Bewohnerinnen sowie Bewohnern in äußerst anschaulicher Weise. Beeindruckt hat uns aber vor allem die Sonderausstellung „Bristol Music“, die die unheimliche Anziehungskraft der Stadt auf Musiker aller Stilrichtungen in eindrucksvoller Art und Weise präsentierte. Ein großer Bonus des Museums ist auch die Terrasse, von der man einen tollen Blick auf den Hafen erhält. Alle Infos zum M Shed gibt es auf der Webseite bristolmuseums.org.uk.

Bristol Museum & Art Gallery

Der andere Museumstipp betrifft das Bristol Museum & Art Gallery neben dem Wills Memorial Building Tower (siehe Punkt 3). Ebenfalls kostenlos zugänglich sind die Ausstellungen eine gigantische Informationsquelle über Kunst, Natur, Technik und Geschichte. Aus Zeitgründen sind wir nur oberflächlich durch die Räume gegangen, aber vielen von euch wird dieses Museum echt gefallen, da bin ich mir sicher! Alle Details dazu gibt es auf der Webseite bristolmuseums.org.uk.

Llandoger Trow

Eine Bierpause machen und Geschichte leben ist im ältesten Pub Bristols aus dem Jahr 1664 möglich – im Llandoger Trow. In diesem Fachwerkhaus mit den windschiefen Fassaden soll Daniel Defoe den schottischen Seemann Alexander Selkirk getroffen haben, der ihn zum Roman „Robinson Crusoe“ inspirierte.

Birdcage Walk

Und zuguterletzt noch ein schöner Fotospot, den wir auf dem Weg von der Clifton Suspension Bridge zurück in die Innenstadt fanden. Der Birdcage Walk ist ein zugewachsener Verbindungsgang durch einen Friedhof und Park, der sich ausgezeichnet als Fotomotiv eignet.

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

Die Anreise vom Flughafen in die Stadt geht mit dem Bus AirportFlyer schnell und unkompliziert – eine Fahrt benötigt rund 30 Minuten. Die Station ist direkt rechts neben dem Ausgang und es fährt alle zehn Minuten ein Bus. Am besten kauft ihr euch schon online auf der Webseite flyer.bristolairport.co.uk ein Hin-und-Rückfahrticket (Return-Ticket) um GBP 11,- (EUR 12,90), denn beim Busfahrer ist es um zwei Pfund teurer.

In der Stadt selbst haben wir alle Distanzen entweder zu Fuß oder mit der Fähre zurückgelegt. Ausnahmsweise kann ich euch also einmal keine Erfahrungswerte oder Tipps zum örtlichen Bussystem geben. 😉 Die Fähre (Bristol Ferry Boats) bedient das Hafenareal und auch ein Gebiet darüberhinaus. Die Fahrpreise werden nach Distanz berechnet und ihr werdet nach dem Einsteigen gefragt, wo ihr wieder aussteigen wollt. Es gibt aber auch eine Tageskarte um GBP 6,60 (EUR 7,70), die sich bei mehreren Fahrten auszahlt. Während der Fahrt erhält man übrigens teils sehr geniale Anblicke auf Bristol! Alle Infos zu den Fahrzeiten, den verschiedenen Preisen und einen sehr schönen Übersichtsplan gibt es auf der Webseite bristolferry.com.

Wenn ihr mit dem Zug nach Bristol reist, dann bekommt ihr die sehenswerte Architektur des Bahnhofs Bristol Temple Meads zu Gesicht.

Vergesst nicht den Linksverkehr! Das ist vor allem beim Überqueren von Kreuzungen extrem wichtig, falls ihr zuerst den prüfenden Blick nach rechts gewohnt seid!

Wollt ihr etwas Zeit mit Shoppen verbringen? Dann empfehle ich euch das moderne Einkaufszentrum Cabot Circus, aber auch die sehr kleine Passage The Clifton Arcade mit interessanten Kreativläden.

Echtes Glück hatten meine Freundin und ich während unseres Besuchs in Bristol: in der gesamten Stadt waren wegen einer Charity-Aktion zum dritten Mal für einige Wochen Dutzende lebensgroße Figuren von Wallace & Gromit aufgestellt, deren Suche uns wirklich Spaß machte. Ich hoffe für euch, dass diese bezaubernde Ausstellung in der Zukunft erneut die Öffentlichkeit verzückt!

 

FAZIT

Wow, wow, wow! Ohne Übertreibung war für meine Freundin und mich der Städtetrip nach Bristol einer der besten seit langem! Angelockt hatte uns das Heißluftballonspektakel Bristol Ballon Fiesta, das uns ein visuelles Feuerwerk der Superlative bot. Doch auch wenn ihr nicht zum Zeitpunkt des Festivals dort seid, lohnt sich eine Reise nach Bristol auf jeden Fall. Die Sehenswürdigkeiten sind eine wunderbare Mischung aus kostenlosen Museen, historischen Gebäuden, Kunst sowie Aussichtsmöglichkeiten. In der Altstadt laden zahlreiche kleine Läden zum Stöbern und Entdecken ein. Und natürlich kommt auch der Genuss nicht zu kurz! Am meisten freute mich aber der Umstand, dass Bristol einfach noch keine überlaufene 08/15-Stadt ist – probiert es aus und schreibt mir eure Meinung als Kommentar! 🙂

 

Bristol, England: Reisebericht mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.Bristol, England: Reisebericht mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.

 

1 Kommentar

  1. […] man auch etliche Originalkunstwerke des geheimnisumwobenen Street-Art-Künstlers Banksy bewundern. Warum du Bristol lieben wirst […]

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