Barcelona: Die neun UNESCO-Schätze

Panorama des Palau de la Música Catalana in Barcelona

In der UNESCO-Welterbeliste sind die bedeutendsten Bauwerke und Orte zusammengefasst, die vom Menschen oder der Natur erschaffen wurden und besonders erhaltenswert sind. Barcelona alleine kann gleich neun Gebäude vorweisen, die diese Auszeichnung stolz tragen dürfen. Fast alle Bauwerke – nämlich sieben – gehen auf das Können des Ausnahmearchitekten Antoni Gaudì zurück, aber auch die zwei anderen seines katalanischen Kollegen Lluís Domènech i Montaner sind eine enorme Augenweide. In diesem Blogbeitrag zeige ich euch die schönsten Seiten aller UNESCO-Schätze aus Barcelona!

Dieser Artikel wurde zuletzt am 16. April 2019 aktualisiert.

Barcelona

FAKTEN

Reisezeit: Februar 2019 (4 Tage, 3 Übernachtungen)
Anreise: Mit Eurowings von Flughafen Wien-Schwechat nach Flughafen Barcelona-El Prat (ca. 2:10 h)
Unterkünfte (Auswahl):
Hotel H10 Art Gallery **** (64, Carrer d’Enric Granados, Hotel buchen*): Modern gestaltetes Hotel in sehr guter Lage nördlich der Altstadt, Metro-Station Diagonal (Linien L3 und L5) sowie S-Bahn-Station Provença zwei Minuten entfernt, Casa Milà von Antoni Gaudì liegt in Gehweite. Jedes Stockwerk in anderem Design gestaltet, unser Zimmer war extrem klein (12m²) aber trotzdem nicht beengend, ruhig dank Innenhoflage, Bad mit geräumiger und ausgezeichneter Dusche, Pflegeprodukte von Rituals, Nespresso-Maschine mit täglicher Nachfüllung der Kaffeekapseln, bequemes Bett, jedoch keine Steckdosen daneben, unglaublich mühsames WLAN mit umständlicher Anmeldeprozedur, die alle zehn Minuten von neuem notwendig wurde, generell schwaches WLAN-Netz. Frühstück nicht gebucht, da viele Cafés und Lokale in unmittelbarer Umgebung. Weiterempfehlung? JA, sofern ihr nicht auf schnelles und verlässliches WLAN angewiesen seid!
Hotel Pullman Barcelona Skipper *****
(10, Av. del Litoral, Hotel buchen*): Lage etwas östlich des Zentrums in unmittelbarer Nähe zum Strand, Metro-Station Ciutadella Vila Olímpica (Linie L4) zwei Minuten entfernt, schöne stilvolle Zimmer, geräumiges Bad mit Dusche und Badewanne, bequeme Betten, Balkon mit Blick auf das Meer und die goldene Fischskulptur Peix Olímpic von Stararchitekt Frank Gehry, WLAN gut, Frühstück nicht gebucht. Weiterempfehlung? JA
Weitere schöne Hotels in Barcelona könnt ihr hier* suchen und buchen.

TRANSPARENZHINWEIS

*Die mit Stern gekennzeichneten Verweise in diesem Blogartikel sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn ihr über diese Links etwas bucht, unterstützt ihr meine Arbeit und ich erhalte eine kleine Provision. Für euch entstehen dabei keine Nachteile.

 

Eidechse im Park Güell in Barcelona

Barcelona als UNESCO-Hochburg

Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) hat eine Vielzahl an Aufgaben in den Bereichen Erziehung, Wissenschaft und Kultur. In der Öffentlichkeit am meisten bekannt ist aber das Welterbekomitee, das die Liste für das Weltkultur- und Weltnaturerbe zusammenstellt. Darauf befinden sich bedeutsame Naturstätten sowie Bauwerke, die in historischer, kultureller oder anderer Art und Weise von besonderer Bedeutung sind. Während es in Spanien ganze 47 UNESCO-Welterbestätten (Stand 2018) gibt, finden sich gleich neun davon in Barcelona – wobei das genau genommen nicht ganz korrekt ist, denn ein Bauwerk liegt außerhalb der Stadtgrenze.

Neun Gebäude + vier Tage = Stress!

Nachdem ich eine große Vorliebe für Listen und Architektur habe, wollte ich bei meinem Besuch in Barcelona natürlich alle neun Gebäude komplett „abarbeiten“. Und hier liegt auch schon das Problem: es sollte keine Arbeit sein. Ich muss euch ganz ehrlich empfehlen, dass ihr den Besuch der neun UNESCO-Welterbestätten besser auf zumindest zwei Aufenthalte in Barcelona aufteilt. Ich habe gemeinsam mit meiner Freunin alle neun in vier Tagen besichtigt und es war einfach zu viel trotz der eigentlich langen Aufenthaltsdauer in der sonnigen Stadt. Denn eines ist klar: jedes einzelne Gebäude verdient es sich, in Ruhe erkundet und dessen historische Geheimnisse gelüftet zu werden.

Ticketkauf mit Zeitslot

Wie ihr vielleicht schon durch Erzählungen eurer Freunde oder aus Medienberichten erfahren habt, kämpft Barcelona seit Jahren mit den immer größer werdenden Besuchermassen. Meine persönliche Einschätzung dazu könnt ihr in meinem bald erscheinenden zweiten Blogartikel zu meiner Reise nach Barcelona nachlesen, wo ich euch noch weitere Sehenswürdigkeiten vorstelle und Restauranttipps gebe – sobald der Beitrag online ist, wird er hier verlinkt. Jedenfalls hat sich bei den bekannten Attraktionen eine spezielle Art des Ticketverkaufs durchgesetzt, nämlich das Online-Ticket mit Zeitslot. Das bedeutet, dass ihr schon vorab über das Internet die Karten für einen bestimmten Zeitpunkt kauft, an dem ihr ohne Wartezeit die Sehenswürdigkeit betreten könnt.

Spontane Besichtigung vs. reservierte Zeit

Meine Freundin und ich haben das für fast alle der neun auf der UNESCO-Liste stehenden Gebäude gemacht und es war empfehlenswert, da wir so die teilweise beachtlichen Warteschlangen einfach ignorieren konnten. Einen großen Nachteil möchte ich euch aber nicht verschweigen: durch die fixierten Besuchstermine plant man sich die Tage durch, ohne groß flexibel auf andere Dinge reagieren zu können. Wollt ihr euch beispielsweise lieber durch die Stadt treiben lassen, werdet ihr keine Freude mit den Zeitslots haben. Ihr müsst einfach selbst abschätzen, ob ihr lieber einen spontanen Besuch mit dem Risiko einer langen Warteschlange oder keine Wartezeit, dafür aber Unflexibilität wollt. 😉

Zwei Architekten, neun Schätze

Es ist schon beachtlich, dass nur zwei Architekten für die neun ausgezeichneten Gebäude in Barcelona verantwortlich sind. Allen voran natürlich Antoni Gaudì, der auch weltweit als einer der bekanntesten Architekten zählt. Gleich sieben Bauwerke von ihm finden sich auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes – eines schöner als das andere und trotz baulicher Ähnlichkeiten im Charakter doch sehr verschieden. Die beiden weiteren sehenswerten Gebäude stammen aus der Feder des Architekten Lluís Domènech i Montaner. Eines davon, nämlich der nachfolgend im zweiten Punkt besprochene Konzertsaal Palau de la Música Catalana, hat sich in meinen Kopf eingebrannt – selten habe ich derartige architektonische Vollkommenheit gesehen! Nun aber zu den neun Gebäuden im Detail:


Innenansicht der Sagrada Família in Barcelona

1) Sagrada Família

FAKTEN

Architekt: Antoni Gaudì
Baujahr: seit 1882 bis zur Gegenwart
UNESCO-Welterbe seit: 2005
Adresse:
Anfahrt: Metro L2 oder L5, Station Sagrada Família
Besichtigung: Online-Tickets (EUR 17,- nur für die Kirche oder EUR 32,- für Kirche, Audioguide und einen Turm)

Eine unbeschreibliche Schönheit

Die Sagrada Família ist ohne Übertreibung eines der imposantesten Bauwerke der Welt – und das, obwohl es noch nicht einmal fertig ist. Eine Besichtigung ist absolute Pflicht und darf nicht fehlen. Bei meinem ersten Besuch in Barcelona 2010 ließ ich die Kirche zwar noch aus, da mich zu viel Baustelle und zu lange Schlangen vor den Toren abhielten. 2019 wagten meine Freundin und ich uns schließlich hinein und was wir zu Gesicht bekamen, machte uns absolut sprachlos.

Während außen noch jahrelang die Baukräne das Geschehen dominieren werden, wirkt das Innere bis auf wenige Stellen komplett fertiggestellt. Gaudì selbst konnte nur die Vollendung seiner vor Details strotzenden Geburtsfassade im Jahr 1925 miterleben, ehe er am 10. Juni 1926 verstarb, nachdem er drei Tage zuvor von einer Straßenbahn angefahren wurde.

Gaudìs Meisterwerk

Der Bau für die Sagrada Família startete 1882 unter einem anderen Architekten, der nach einem Zerwürfnis mit den Auftraggebern jedoch bereits nach einem Jahr ersetzt werden sollte. Gaudì arbeitete von Beginn an der Krypta mit (wo er auch begraben wurde), überzeugte dann mit seinen alternativen Plänen und erhielt fortan die komplette Leitung.

Sagenhafte 18 Türme (zwölf für die zwölf Apostel, vier für die Evangelisten, einer für die Jungfrau Maria und der größte Turm für Jesus Christus) umfasste seine Vision der Basilika. Stand 2019 sind acht fertiggestellt, es gibt also noch viel zu tun bis zum geplanten Bauende 2026, dem 100. Jahrestag nach Gaudìs Tod. Schaut euch am besten das offizielle Video an, in dem man den weiteren Bauverlauf und das endgültige Aussehen perfekt sieht.

Die Natur als Ideengeber

Speziell im Inneren könnt ihr wunderbar erkennen, dass sich Gaudì enorm von der Natur inspirieren ließ. Die mächtigen Säulen wirken wie Bäume mit Ästen und stützen durch die Anwendung der Naturgesetze die Decke ohne weitere Zwischenstreben. Kommt am besten nachmittags in die Kirche, wenn die tiefstehende Sonne die Glasfenster so richtig zum Glühen bringt und die Sagrada Família innen in schönsten Farben erstrahlt! Wir leisteten uns übrigens den teuersten Eintrittspreis mit Fahrt auf einen der Türme – nachdem man nur einen pro Besuch besichtigen kann, wählten wir den höheren Passionsturm.

Die Aussicht von oben war zwar nicht aufregend, aber es ist sehr spannend, die Türme mit ihren verspielten Details aus der Nähe zu betrachten sowie die Bauarbeiten hautnah verfolgen zu können – außerdem entdeckten wir einen Turmfalken, der hoch oben sein Nest hatte. Wenn man bedenkt, dass die Eintrittsgelder für den Bau der Sagrada Familia verwendet werden, relativiert sich die hohe Summe auch wieder. Sehr gute Hintergrundinfos lieferte uns übrigens der im Preis inkludierte Audioguide. Normalerweise stört er mich bei der Besichtigung, in der Sagrada Família bot er uns aber enorm viele Details, von denen wir sonst wohl niemals erfahren hätten.


Panorama des Palau de la Música Catalana in Barcelona

2) Palau de la Música Catalana

FAKTEN

Architekt: Lluís Domènech i Montaner
Baujahr: 1905-1908
UNESCO-Welterbe seit: 1997
Adresse:
Anfahrt: Metro L1 oder L4, Station Urquinaona
Besichtigung: direkt vor Ort an der Kassa bzw. Online-Ticket (EUR 15,-), zeitliche Verfügbarkeiten beachten!

Ein Konzertsaal für die Ewigkeit

Das Konzertgebäude Palau de la Música Catalana bekam ich von meiner Mutter empfohlen. Was für ein Glück, denn von diesem Bauwerk hatte ich zuvor noch überhaupt nichts gehört. Es handelt sich in meinen Augen nicht nur um ein Gebäude, sondern eigentlich um ein Gesamtkunstwerk in schönstem katalanischen Jugendstil.

Erbaut wurde es zwischen 1905 und 1908 von Architekt Lluís Domènech i Montaner für den ansässigen Volkschor Orfeó Català. Schon von außen ist das Haus eine wahre Pracht, nur leider kann man es in den beengten Gassen nicht in seinen gesamten Ausmaßen fotografieren. 😉

Viel Liebe zum Detail

Eine Besichtigung ist aus meiner Sicht schwerstens zu empfehlen und ich verspreche euch, dass ihr nach einem Besuch bei all euren Freunden und Bekannten von der Schönheit des Gebäudes schwärmen werdet! Schon das Foyer, das Treppenhaus und der Säulenbalkon versprühen Pracht und Eleganz, das Highlight ist aber ganz klar der große Konzertsaal. Skulpturen, Mosaike, bunte Fenster und eine Glasdecke zum Verlieben erwarten euch dort.

Ihr könnt sowohl im Erdgeschoss als auch auf der Galerie Platz nehmen und einfach die Atmosphäre auf euch wirken lassen. Oder ihr besucht einmal ein Konzert, was sicherlich auch ein ganz spezielles Ereignis ist (Tickets auf der offiziellen Webseite palaumusica.cat).


Eingang zum Park Güell in Barcelona

3) Park Güell

FAKTEN

Architekt: Antoni Gaudì
Baujahr: 1900-1914
UNESCO-Welterbe seit: 1984
Adresse: Park Güell,
Anfahrt: Metro L3, Station Lesseps oder Metro L4, Station Alfons X; dann jeweils 15 Minuten Fußweg
Besichtigung: Online-Ticket* (EUR 10,75) bzw. kostenloser Zugang vor und nach den Öffnungszeiten

Ein bunter Park für die Sinne

Für viele Besucher wohl der absolute Höhepunkt ihres Barcelona-Aufenthaltes ist der Park Güell im Norden der Stadt. Der Park selbst ist sehr groß, der von Gaudì gestaltete Teil dafür umso überschaubarer. Ursprünglich sollte im Auftrag des Industriellen Eusebi Güell eine Gartenstadt nach englischem Vorbild realisiert werden, das Projekt war aber von Anfang an wegen finanzieller Schwierigkeiten zum Scheitern verurteilt und wurde nur bruchteilhaft fertiggestellt.

Am Haupteingang fallen zwei Pavillons mit ihren spitzen Türmen ins Auge, es handelt sich dabei um das Pförtnerhaus und ein Verwaltungsgebäude. Eine monumentale Treppe führt dann hinauf zur Säulenhalle, die Gaudì als Markthalle plante. Dazwischen steht aber ein echter Touristenmagnet, nämlich der an eine Eidechse erinnernde bunte Drache (Sala Hipòstila). Dort ein Foto ohne Menschen im Hintergrund oder Vordergrund zu schießen, grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit – jeder, wirklich JEDER will sich mit diesem Motiv ablichten lassen. 😉

Wundervolle Aussicht auf Barcelona

Ebenso beliebt ist die Aussichtplattform über der Säulenhalle, von der man einen herrlichen Blick auf Barcelona und die Sagrada Família erhaschen kann. Die zahlreichen geschwungenen Bänke mit dem für Gaudì so typischen Mosaikmuster (Trencadís) sind ein weiteres großartiges Fotomotiv. Das war es auch schon wieder im Park Güell – jedenfalls was die Àera monumental angeht, den Kern des Parks.

Seit 2013 ist dieser Bereich übrigens kostenpflichtig, da die Touristenmassen einfach zu groß wurden und teilweise 5.000 Menschen pro Stunde gleichzeitig vor Ort waren. Den Eintrittspreis könnt ihr euch aber sparen, wenn ihr morgens spätestens 30-45 Minuten vor der offiziellen Öffnungszeit kommt. Dann ist der Park nämlich ganz legal öffentlich zugänglich, bevor die Mitarbeiter Sperren für die Zutrittskontrollen aufstellen. Glaubt aber nicht, dass ihr zu dieser frühen Zeit alleine seid. 😉 Auf jeden Fall werdet ihr aber bei Schönwetter mit einem unvergesslichen Sonnenaufgang belohnt!

Noch mehr Sehenswertes im Park

Wenn ihr mit der Besichtigung des Hauptbereichs fertig seid, verlasst den Park Güell nicht sofort! Einerseits ist ein Spaziergang Richtung Osten empfehlenswert, da dort noch schöne Steinarkaden auf euch warten. Andererseits interessiert euch vielleicht noch das Casa-Museu Gaudí. Güell ließ es 1905 als Musterhaus errichten und Gaudí beauftragte seinen Schüler und wichtigsten Mitarbeiter, Francesc Berenguer, mit dem Bau. Nachdem sich kein Käufer fand, erwarb Gaudí das Haus selbst und lebte dort bis Ende 1925, als er in die Werkstatt der Sagrada Família umzog.

Heute sind im Museum persönliche Erinnerungsstücke, von Gaudí entworfene Möbel und im Garten ein Teil des schmiedeeisernen Tors aus der Casa Vicens (siehe Punkt 5) zu besichtigen. Und noch ein weiterer Tipp: achtet bei den zahlreichen Palmen im Park auf die verrückten Papageien, die zwar mittlerweile als Plage angesehen werden, aber einfach so lieb sind. 😉


Parabolkuppel im Palau Güell in Barcelona

4) Palau Güell

FAKTEN

Architekt: Antoni Gaudì
Baujahr: 1886-1890
UNESCO-Welterbe seit: 1984
Adresse: Carrer Nou de la Rambla, 3-5
Anfahrt: Metro L3, Station Liceu oder Station Drassanes
Besichtigung: Online-Ticket (EUR 12,-) oder direkt an der Kassa vor Ort

Ein versteckter Stadtpalast

Obwohl das Stadtpalais Palau Güell in einer Seitengasse keine 50 Meter von den berühmten Ramblas entfernt liegt, über die jeden Tag Tausende Touristen strömen, verirrt sich nur ein Bruchteil zu diesem architektonischen Schmuckstück. In Auftrag gegeben wurde es vom Industriellen Eusebi Güell, der mit Antoni Gaudì eine intensive freundschaftliche und geschäftliche Beziehung pflegte.

Gaudì wurde bauftragt ein Gebäude zu errichten, das nicht nur als Wohnsitz, sondern auch als gesellschaftlicher und kultureller Treffpunkt für das Großbürgertum dienen sollte. Zum Zeitpunkt des Baus zwischen 1886 und 1890 galt das Bauwerk als ein Meilenstein der europäischen Architektur – wenn ihr durch das Innere geht, werdet ihr sofort erkennen, warum.

Nur das Beste vom Besten

Von außen ist das Haus optisch noch nicht besonders herausstechend, aber die oberen Stockwerke offenbaren dann die architektonischen Schmankerln. Gaudì verwendete nur die besten Materialien wie Stein, Holz, Eisen, Keramik und Glas. Der Mittelpunkt des Gebäudes ist klar der Salon mit seiner imposanten Parabolkuppel, einer versteckten Kapelle und einer großen Orgel. Alle 30 Minuten werden Musikstücke der damaligen Zeit gespielt und man bekommt einen Eindruck von der grandiosen Akustik.

Auch sonst bietet ein Rundgang durch das Haus allerlei Sehenswertes: von den ehemaligen Pferdeställen mit Backsteinsäulen im Keller über prunkvoll ausgestattete Räume bis hin zur Dachterrasse mit seinen kreativ verzierten Rauchfängen, wie sie Gaudì auch bei mehreren anderen Projekten umsetzte.


Außenansicht der Casa Vicens in Barcelona

5) Casa Vicens

FAKTEN

Architekt: Antoni Gaudì
Baujahr: 1883-1885
UNESCO-Welterbe seit: 2005
Adresse: Carrer de les Carolines, 20
Anfahrt: Metro L3, Station Fontana oder Station Lesseps
Besichtigung: Online-Ticket* (EUR 12,-)

Gaudìs erstes Projekt in Barcelona

Die Casa Vicens ist wohl eines der bemerkenswertesten Bauwerke von Antoni Gaudì, obwohl es (noch) nicht im Mittelpunkt des Touristeninteresses steht. Gaudì baute es 1883 bis 1885 als Auftragsarbeit für den Börsenmakler Manuel Vicens i Montaner. Das Sommerhaus ist nicht nur sein erstes Projekt in Barcelona, sondern zeigt auch schon Ansätze der charakteristischen architektonischen Züge von Gaudì, die er bei seinen späteren berühmten Werken anwendete.

Dass es eher unbekannt ist liegt wohl einfach am Umstand, dass es jahrzehntelang in Privatbesitz war und erst seit 2017 der Öffentlichkeit als Museum zugänglich gemacht wurde. Ihr solltet auf jeden Fall die Chance nutzen, ein Frühwerk des Ausnahmearchitekten hautnah entdecken zu können!

Zahlreiche Einflüsse

Die rote Außenfassade mit dem schachbrettartigen Fliesenmuster ist schon von Weitem ein echter Blickfang. Das schmiedeeiserne Eingangstor mit seinen Zwergpalmblättern sowie die zahlreich verwendeten floralen Motive zeigen schon bei Gaudìs erstem großen Auftrag, dass er die Natur als Vorbild nahm. Im Inneren vermischen sich dann maurische, orientalische, arabische und spanische Einflüsse, besonders gut sichtbar im blauen Rauchersalon.

Im über eine nachträglich eingebaute moderne Treppe gelangt man auf das Dach und in weitere Räume. In einer Miniausstellung wurden die Modelle von Jugendstil-Bauwerken aus ganz Europa gezeigt, darunter auch mein Lieblingsarchitekt Otto Wagner. 🙂 Ein Besuch der Casa Vicens lohnt sich für euch garantiert!


Cripta de la Colònia Güell in Barcelona

6) Cripta de la Colònia Güell

FAKTEN

Architekt: Antoni Gaudì
Baujahr: 1898-1914
UNESCO-Welterbe seit: 2005
Adresse:
Anfahrt: S-Bahnen S3, S4, S8 oder S9 von der Station Plaza España zur Station Colònia Güell, dann 10 Minuten Fußweg
Besichtigung: Online-Ticket* (EUR 9,-) oder direkt vor Ort im Besucherzentrum

Gaudìs unvollendete Kirche

Über die Colònia Güell bin ich nur zufällig gestolpert, aber nach dem Ansehen von Bildern wollte ich dort unbedingt selbst hin. Die Colònia Güell ist eine ehemalige Industriesiedlung rund 15 Kilometer außerhalb von Barcelona in der Ortschaft Santa Coloma de Cervelló.

Der Industrielle Eusebi Güell ließ rund um das Jahr 1890 für die Arbeiter seiner Textilfabrik eine Werksiedlung mit allen Annehmlichkeiten einer Stadt bauen. Die geplante Kirche sollte dabei Antoni Gaudì umsetzen, doch wegen finanzieller Probleme stellte man schließlich nur die Krypta fertig.

Vorbild für die Sagrada Família

Die Anfahrt zur Colònia Güell ist zwar etwas zeitaufwendiger, aber sehr einfach: vom zentralen Plaza España verbinden die S-Bahnen S3, S4, S8 und S9 Barcelona mit der Station Colònia Güell. Wenn ihr wie wir eine Hola Barcelona Card* für die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt, ist die Fahrt ebenfalls bereits inkludiert. Nach einem kurzen Spaziergang gelangt man zum Infocenter, wo es die Tickets gibt.

Wir haben das dortige Museum überflogen und uns nur die Krypta angeschaut, man könnte aber auch in der Arbeitersiedlung einen Rundgang machen. Die Krypta selbst jedenfalls ist umwerfend schön! Beim Bau testete Gaudì einige Verfahren aus, die später bei der Errichtung der Sagrada Família zum Einsatz kamen – alleine deshalb ist eine Besichtigung der Krypta von Gaudí schon empfehlenswert.


Fassade der Casa Batlló in Barcelona

7) Casa Batlló

FAKTEN

Architekt: Antoni Gaudì
Baujahr: 1904-1906
UNESCO-Welterbe seit: 2005
Adresse:
Anfahrt: Metro L2, L3 oder L4, Station Passeig de Gràcia
Besichtigung: Online-Ticket* (günstigste Option BLUE-Ticket um EUR 25,- völlig ausreichend)

Das „Haus der Knochen“

Am Prachtboulevard Passeig de Gràcia findet ihr gleich zwei Bauwerke von Antoni Gaudì: die Casa Milà (siehe Punkt 8) und die Casa Batlló, welche schon durch ihre optisch außergewöhnliche Fassade ins Auge sticht. Das Haus trägt den Spitznamen „Casa del ossos“ („Haus der Knochen“), weil es vielerorts an ein Skelett erinnert.

Gaudì baute für den Textilindustriellen Josep Batlló von 1904 bis 1906 das bereits 1877 errichtete Gebäude im katalanischen Jugendstil um. Heute befindet sich das berühmte Bauwerk in Privatbesitz und ist seit 2002 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Besuch auf einer Baustelle

In den folgenden Fotos zeige ich euch Bilder sowohl von meinem ersten Barcelona-Aufenthalt 2010 als auch meiner letzten Reise 2019. Warum? Weil wir das Pech hatten, dass im Frühjahr 2019 gerade eine intensive Phase der Restaurierung lief. Die Außenfassade war komplett eingerüstet und auch innen konnten einige Räume sowie Gegenstände nur verhüllt begutachtet werden – das schmälerte das Erlebnis doch ganz erheblich. 🙁

Man erhält am Eingang aber einen smartphoneähnlichen Augmented-Reality-Guide, der in einer Liveansicht das ursprüngliche Aussehen während der Besichtigung zeigt. Ich habe mich zwar etwas geärgert, aber irgendwann muss dieses Gesamtkunstwerk eben einmal renoviert werden, Pech gehabt. Irgendwann werden die Arbeiten auch wieder vorbei sein. 😉

Besuch trotz Bauarbeiten empfehlenswert

Am saftigen Eintrittspreis (das BLUE Ticket – das günstigste unter den teuren – reicht vollkommen!) änderten die Einschränkungen übrigens nichts, wobei auch das beim zweiten Mal hinsehen vertretbar ist – die Besitzer der Casa Batlló benötigen die Eintrittsgelder für den Erhalt des Gebäudes, da es keine staatlichen Zuschüsse gibt. Informiert euch am besten vor dem Besuch online, wie weit die Arbeiten fortgeschritten sind.

Eine Besichtigung empfehle ich euch aber trotz der Baustelle, denn in den Stockwerken und auf dem Dach gibt es immer noch genügend zu entdecken. Am meisten gefallen haben mir das blaue Treppenhaus, der bogenförmige Dachboden und die Beletage mit Blick auf den Boulevard.


Dachterrasse der Casa Milà in Barcelona

8) La Pedrera (Casa Milà)

FAKTEN

Architekt: Antoni Gaudì
Baujahr: 1906-1910
UNESCO-Welterbe seit: 1984
Adresse: Provença, 261-265
Anfahrt: Metro L3 oder L5, Station Diagonal
Besichtigung: Online-Ticket* (EUR 22,-)

Ein „Steinbruch“ in der Stadt

Die Casa Milà ist neben der Casa Batlló (siehe Punkt 7) das zweite weltbekannte Bauwerk auf dem Prachtboulevard Passeig de Gràcia von Antoni Gaudì. Es trägt schon seit dem Bau den Beinamen „La Pedrera“ („Der Steinbruch“) – damals als Spott verwendet, heute als liebevolle Bezeichnung.

Der Name kommt einerseits von der geschwungenen grauen Außenfassade und dem Umstand, dass die großen Steine direkt vor Ort in Form gemeißelt wurden. Es ist jedenfalls ein wirklich außergewöhnlicher Anblick, wenn man das erste Mal vor dem Eckhaus steht.

Ein Dach wie aus einer Wunderwelt

Da die Casa Milà bis heute noch teilweise bewohnt bzw. als Geschäftshaus genutzt wird, kann man nur bestimmte Bereiche besichtigen. Es gibt in einem Stock eine riesige Musterwohnung, die im Stil der vergangenen Zeit eingerichtet ist – das fand ich ehrlich gesagt nicht wirklich spannend.

Der Höhepunkt ist sicherlich die Dachterrasse mit ihren geschwungenen Wegen, den bizarren Schornsteinen und den tollen Ausblicken über die Stadt. Auch sehr gut gefallen haben mir die beiden Innenhöfe. Die Casa Milà bietet auf den ersten Blick sicherlich nicht so viele verschiedene Elemente wie die Casa Batlló, aber ein Besuch in diesem Meisterwerk von Gaudì dürft ihr trotzdem nicht verpassen.


Hospital de Sant Pau in Barcelona

9) Hospital de Sant Pau

FAKTEN

Architekt: Lluís Domènech i Montaner
Baujahr: 1902-1911
UNESCO-Welterbe seit: 1997
Adresse: Carrer de Sant Quintí, 89
Anfahrt: Metro L5, Station Sant Pau | Dos de Maig
Besichtigung: Online-Ticket* (EUR 14,-)

Krankenhaus im Jugendstil

Das neunte und letzte Bauwerk auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes ist der ehemalige Spitalskomplex Hospital de Sant Pau. Ein Besuch lässt sich perfekt mit der Sagrada Família verbinden, denn diese liegt nur rund zehn Gehminuten entfernt. Das mächtige Verwaltungsgebäude ist unübersehbar, aber dahinter verbergen sich noch eine Vielzahl an weiteren Pavillons.

Umgesetzt hat das alles von 1902 bis 1911 der Architekt Lluís Domènech i Montaner, den wir schon in Punkt 2 beim Konzertgebäude Palau de la Música Catalana kennengelernt haben. Nach der Fertigstellung eines neuen Krankenhauses in der Nähe verlor der Komplex 2009 seine ursprüngliche Funktion.

Besichtigung mit Einschränkungen

Die Besichtigung des Hospital de Sant Pau hat mich einerseits extrem beeindruckt, aber auch genervt. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs fand gerade eine Veranstaltung statt und wir konnten nur in drei Pavillons sowie das Foyer des Verwaltungsgebäudes hineingehen.

Das war natürlich schon etwas enttäuschend, wenn man die große Anzahl an tollen Jugendstilgebäuden vor sich hat. Vielleicht ist das auch der Grund, warum mir dieser Ort von allen zuvor vorgestellten Bauwerken mit UNESCO-Auszeichnung insgesamt am wenigstens im Kopf hängen blieb. Vielleicht habt ihr aber mehr Glück und bekommt Einblicke in mehr Pavillons! 🙂

FAZIT

Im Nachhinein betrachtet war es schon der pure Wahnsinn, innerhalb nur einer einzigen Städtereise alle neun Bauwerke des UNESCO-Weltkulturerbes in Barcelona anschauen zu wollen – Nachmachen nicht empfohlen. 😉 Sofern ihr euch die architektonischen und historischen Schätze aber auf mehrere Tage bzw. Besuche aufteilt, solltet ihr euch keines der in diesem Blogartikel vorgestellten Meisterwerke entgehen lassen. Mit gleich sieben Gebäuden kann Antoni Gaudì den Hauptanteil für sich verbuchen, aber auch die beiden Bauten seines Kollegen Lluís Domènech i Montaner sind unfassbar schön. Meine persönlichen drei Highlights sind ganz klar die Basilika Sagrada Família, das Konzerthaus Palau de la Música Catalana und der Park Güell. Was sind eure Favoriten? 🙂

 

Barcelona: Reisebericht zu den UNESCO-Gebäuden Sagrada Família, Palau de la Música Catalana, Park Güell, Casa Batlló, Palau Güell, Colonia Güell und mehrBarcelona: Reisebericht zu den UNESCO-Gebäuden Sagrada Família, Palau de la Música Catalana, Park Güell, Casa Batlló, Palau Güell, Colonia Güell und mehr

 

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