Ptuj: Ein Städtetrip für Minimalisten

Spiegelung der Stadt Ptuj in der Drau

Vier Buchstaben und ein unaussprechlicher Name – viele Leute lesen hier wohl das erste Mal von der slowenischen Stadt Ptuj. Zwischen Österreich und Kroatien gelegen, übersieht man Ptuj auf der Durchreise trotz seiner günstigen Verkehrslage sehr schnell. Doch es zahlt sich aus, einen Zwischenstopp in der ältesten Stadtgemeinde Sloweniens einzulegen, vor allem wenn ihr nur kurz Zeit habt. Durch seinen wunderschönen überschaubaren Stadtkern, dem ruhigen Alltagstreiben und wenigen, aber sehr interessanten Sehenswürdigkeiten ist Ptuj der ideale Ort für Minimalisten, die einen kurzen Städtetrip suchen.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 23. April 2019 aktualisiert.

Ptuj (Pettau)

FAKTEN

Reisezeit: Juli 2018 (1 Tag, 1 Übernachtung)
Anreise: mit dem Auto von Wien über die A2 nach Graz, dann A9/E59 bis Ptuj (ca. 3:00 h)
Unterkunft 1: Muzikafe Bed & Breakfast (Jadranska ulica 5, Unterkunft buchen*): bei der Recherche zu Unterkünften in Ptuj fiel mir das Muzikafe Bed & Breakfast sofort wegen seiner farbenfrohen Gestaltung ins Auge. Perfekte Lage im Stadtkern, eigener Parkplatz, geräumiges und kreativ eingerichtetes Zimmer, kein TV, bequeme Betten, kleines Bad mit guter Dusche, durchschnittliche WLAN-Geschwindigkeit. Schöner Innenhof mit vielen Sitzmöglichkeiten, Bar mit slowenischen Weinen und Bier, entzückende Hauskatze, sehr schmackhaftes (wenn auch etwas wenig) Frühstück mit lokalen Produkten. Weiterempfehlung? JA
Unterkunft 2: Hotel Mitra ***
(Prešernova ulica 6, Hotel buchen*): normalerweise schreibe ich nicht über Hotels, die ich nicht besucht habe. Das Hotel Mitra hat allerdings nur knapp in meiner Endauswahl gegen das Muzikafe Bed & Breakfast verloren, weshalb ich es trotzdem erwähne. Angesprochen hatte mich die ebenso perfekte Lage im Stadtkern, die schöne historische Architektur, die stilvollen Zimmer, die Vinothek im Keller und der Wellnessbereich.
Weitere schöne Unterkünfte in Ptuj könnt ihr hier* suchen und buchen.

TRANSPARENZHINWEIS

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Innenstadt von Ptuj

Ptuj als perfektes Durchreiseziel

Ptuj hätte ich wohl nie kennengelernt, wenn es nicht auf der Wiener Reisemesse aktiv beworben worden wäre. Zum Glück wurde ich so aber aufmerksam auf die im Osten Sloweniens gelegene Kleinstadt an der Drau, die auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Ptuj ist nicht nur die älteste Stadtgemeinde des Landes, sondern auch die älteste des ehemaligen Herzogtums Steiermark. Ein Besuch eignet sich insbesondere dann perfekt, wenn ihr mit dem Auto sowieso in der Nähe vorbeikommt – eine Anfahrt mit dem Zug ist auch möglich, aber zeitlich leider deutlich aufwendiger. Meine Freundin und ich nutzten jedenfalls die Gelegenheit, unsere Städtetrips nach Ljubljana (siehe mein Beitrag Fünf Sommertipps für Ljubljana) und Maribor (siehe mein Beitrag Maribor – überraschend vielfältig) gleich um einen dritten zu ergänzen. 🙂

Stadterkundung ohne Touristenmassen

Unser Aufenthalt mit Übernachtung in Ptuj war geprägt von Sommerhitze, einer verschlafenen Stimmung im Stadtkern und dadurch einer allgemein entspannten Atmosphäre. Diese hatten wir auch nötig, denn die Hauptstadt Ljubljana und Maribor ließen uns zuvor durch die vielen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten weit weniger Ruhe. 😉 So ruhig und besinnlich es auch war, es kann in Ptuj sicher auch anders aussehen. An mehreren Tagen im Jahr werden nämlich große Veranstaltungen und Feste abgehalten, an denen sicher wesentlich mehr los ist. Eines der wichtigsten Ereignisse ist „Kurentovanje“, der Karneval von Ptuj – darüber erzähle ich euch aber weiter unten etwas mehr.

Die sechs besten Sehenswürdigkeiten in Ptuj

Wie bereits anfangs erwähnt, gibt es in Ptuj nur einige wenige Sehenswürdigkeiten, aber dafür erlebt ihr garantiert intensive Erlebnisse und Gefühle! Sechs Punkte habe ich für euch zusammengestellt, die meine Freundin und ich besichtigten und die uns glücklich machten. Ihr könnt im Stadtkern alles zu Fuß abgehen und euer Auto am besten in der Unterkunft stehen lassen. Wenn ihr nicht übernachtet, parkt am besten in der Park&Ride-Anlage Zadružni trg P+R (Lage anzeigen), welche direkt an einer Fußgängerbrücke zum Stadtkern liegt. Als Startpunkt für einen Rundgang in Ptuj eignet sich die Touristeninfo an der Adresse

1) Das Schloss von Ptuj

Der Hügel in Ptuj war für den Bau eines Schlosses geradezu prädestiniert, konnte man von der dortigen Lage doch das gesamte Land ringsum überblicken. Das Schloss Ptuj (Grad Ptuj) besteht seit Mitte des 12. Jahrhunderts und ist heute ein riesiges Museum mit verschiedensten Ausstellungen. Zum Schloss gelangt ihr auf mehreren Wegen vom Stadtkern aus, am einfachsten über die teilweise überdachten Stufen. Es führen aber auch steile Wege ohne Stufen nach oben – diese sind aufgrund der sehr unebenen Steinfläche allerdings nichts für Kinderwägen oder für Personen mit Flip Flops! Oben angekommen solltet ihr zuerst einmal das herrliche Panorama über die roten Dächer der Stadt genießen, absolut traumhaft!

Zahlreiche Ausstellungen im Schloss

Rechts neben dem Haupttor befindet sich die Kassa (Preise und Öffnungszeiten) und die permanente Ausstellung über das Frühlingsfest „Kurentovanje“. Mit diesem an einen Krampusumzug erinnernden Brauch sollen die als Koranten (auch  Kurenten genannt) verkleideten Einwohner mit Glocken lautstark den Winter vertreiben. Die Tradition wurde sogar als immaterielles Weltkulturerbe in die entsprechende UNESCO-Liste aufgenommen. Im Schlossareal selbst findet ihr in jedem der zahlreichen Räume unterschiedlichste Ausstellungen. Aufgrund der Fülle an Details haben meine Freundin und ich es bei einem schnellen Rundgang belassen und uns danach im Innenhof bei Kaffee und Kuchen entspannt. 🙂

Aufstieg zum Schloss von Ptuj über Stufen
Aufstieg zum Schloss von Ptuj mittels überdachtem Stufenweg
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Ausblick vom Schloss auf die roten Dächer von Ptuj und den Stadtturm
Ausblick vom Schloss auf die roten Dächer von Ptuj und den Stadtturm
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Ausstellung zum Frühlingsfest "Kurentovanje" im Schloss von Ptuj
Koranten in der Ausstellung zum Frühlingsfest „Kurentovanje“ im Schloss von Ptuj
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Der Innenhof des Schlosses von Ptuj mit kleinem Café
Der Innenhof des Schlosses von Ptuj mit kleinem Café
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Historische Einrichtung im Schloss von Ptuj
Historische Einrichtung im Schloss von Ptuj
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Ausblick von den Arkaden des Schlosses auf Ptuj
Auch der Blick von den Arkaden des Schlosses auf die Stadt kann sich sehen lassen
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Musikinstrumentenmuseum im Schloss von Ptuj
Im Musikinstrumentenmuseum kann man zahlreiche Exponate selbst bedienen
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2) Stadtturm und Orpheusdenkmal

Der Stadtturm von Ptuj (Mestni stolp) war unsere erste Station und ist neben dem Schloss sicherlich das prägendste Wahrzeichen der Stadt. Das barocke Zwiebeldach sticht optisch hervor, aber auch zahlreiche in die Mauern eingebaute antike Denkmäler gilt es zu bewundern. Auffallend ist weiters, dass der Turm nur auf drei Seiten eine Uhr besitzt. Die witzige Geschichte dazu: Beim Bau wollten sich die Adeligen des Schlosses finanziell nicht beteiligen, worauf die Einwohner als Protest die zum Schloss gewandte Seite ohne Uhr bauen ließen. 😉 Direkt vor dem Stadtturm steht mit dem Orpheusdenkmal (Orfejev spomenik) ein römischer Grabstein aus dem 2. Jahrhundert, der Szenen aus der Orpheus-Geschichte zeigt. Im Mittelalter stellte der Stein allerdings den städtischen Pranger dar. Wenn ihr schon dabei seid, werft auch gleich einen Blick in die gotische Georgskirche (Proštijska cerkev sv. Jurija) hinter dem Stadtturm, die wirklich sehenswert ist.

Der Stadtturm in Ptuj
Der Stadtturm auf dem Platz Slovenski trg. Links befindet sich übrigens die Touristeninfo, in der ihr euch mit Plänen, persönlichen Auskünften und sonstigem Material aus Ptuj eindecken könnt.
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Die Uhren auf dem Stadtturm von Ptuj
Aus Protest gegen die zahlungsunwilligen Adeligen wurde beim Bau des Stadtturms auf der dem Schloss zugewandten Seite keine Uhr verbaut.
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Orpheusdenkmal und Stadtturm in Ptuj
Das Orpheusdenkmal neben dem Stadtturm
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Die gotische Georgskirche (St. Jurij) in Ptuj
Blick in die gotische Georgskirche (St. Jurij)
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3) Das Stadtpanorama von Ptuj

Die bekannteste und schönste Ansicht von Ptuj bietet sich, wenn ihr die Drau überquert und das fantastische Panorama von gegenüber auf euch wirken lasst. Vom Ufer des Stadtkerns aus führt eine Fußgänger- und Radbrücke auf die andere Seite, wo ihr einfach links oder rechts abbiegt und die perfekte Inszenierung der Stadt bewundern sowie fotografieren könnt. Meine Freundin und ich sind sowohl untertags als auch abends an diese Stelle gegangen, um gemeinsam den Moment in verschiedenen Lichtstimmungen zu zelebrieren. Leider gibt es keine Bänke oder sonstige Sitzmöglichkeiten, was ich nicht ganz nachvollziehen kann.

Stadtpanorama von Ptuj und Spiegelung in der Drau
Das Stadtpanorama von Ptuj inklusive Spiegelung in der Drau
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Fußgängerbrücke und beleuchtetes Schloss von Ptuj
Die Fußgängerbrücke und das beleuchtete Schloss von Ptuj
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4) Dominikanerkloster

Das Dominikanerkloster (Dominikanski samostan) am Fuße des Schlosses solltet ihr euch nach Möglichkeit nicht entgehen lassen. Das Kloster wurde 1230 von den ersten Dominikanern in Slowenien gegründet und im Laufe der Jahrhunderte baulich einige Male verändert. 1786 erfolgte die Auflösung des Klosters, seit 1928 befindet sich das Stadtmuseum darin. Eine Besichtigung ist von Mitte April bis Anfang Dezember gegen eine kleine Gebühr möglich, exakte Öffnungszeiten konnte ich aber leider weder auf der offiziellen Webseite dominikanskisamostan.si noch sonst wo herausfinden – am besten schaut ihr einfach wie meine Freundin und ich untertags vorbei und hofft auf geöffnete Tore. 😉 Das Bauwerk wird heute nicht nur als Ausstellungsfläche, sondern auch für Konzerte und sonstige Veranstaltungen genutzt. Die historischen Räume sind jedenfalls absolut sehenswert!

Rokokofassade des Dominikanerklosters in Ptuj
Von außen präsentiert sich das Dominikanerkloster mit einer in rosa gehaltenen Rokokofassade
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Gotischer Kreuzgang im Dominikanerkloster in Ptuj
Der gotische Kreuzgang im Dominikanerkloster
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Kapitelsaal im Dominikanerkloster in Ptuj
Kapitelsaal im Dominikanerkloster
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Innenhof mit Brunnen im Dominikanerkloster in Ptuj
Der Innenhof mit Brunnen im Dominikanerkloster
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Kirchenschiff im Dominikanerkloster in Ptuj
Das Kirchenschiff im Dominikanerkloster
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5) Minoritenkloster

Das Dominikanerkloster ist nicht das einzige in Ptuj, denn es gibt auch noch das Minoritenkloster der Franziskanerbrüder (Minoritski samostan Sv.Petra in Pavla). Die Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, wobei die Kirche im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach originalgetreu wiederaufgebaut wurde. Zusätzlich finden sich im Innenraum aber auch moderne Elemente, die sehr stilvoll in den historischen Bau integriert sind. Sehr gefallen hat mir ein kleiner Raum, in dem Originalstatuen besichtigt werden konnten, die den Bombenangriff überstanden. Ansonsten konnten wir leider nur die Kirche und den Innenhof des Klosters anschauen, die Bibliothek mit rund 5.000 Büchern aus dem 17. sowie 18. Jahrhundert sowie der barocke Speisesaal blieben uns verwehrt.

Außenansicht des Minoritenklosters in Ptuj
Die Außenansicht des Minoritenklosters besticht durch ihren Detailreichtum
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Die Kirche im Minoritenkloster in Ptuj
Die Kirche im Minoritenkloster, nach dem Zweiten Weltkrieg originalgetreu wiederhergestellt
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Statuen im Minoritenkloster in Ptuj
Statuen aus der ursprünglichen Kirche im Minoritenkloster, die den Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg überstanden haben
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6) Rathaus und Florianisäule

Auf dem Stadtplatz (Mestni trg) sticht das Rathaus bzw. Stadthaus (Mestna hiša) mit seiner gelben, historistischen Fassade gleich ins Auge. Wenn euch der Baustil an Österreich erinnert, dann ist das kein Zufall – der Entwurf stammt aus der Feder des Wiener Architekten Max von Ferstel und wurde von 1906-08 umgesetzt. Zu gerne hätte ich einen Blick in das Innere gemacht, nur leider war das Gebäude am späten Nachmittag bereits verschlossen. Nur wenige Meter vor dem Rathaus steht das St.-Florian-Denkmal (Sveti Florijan), welches von den Bewohnern 1745 zum Schutz bzw. aus Furcht vor Feuersbrünsten errichtet wurde.

Das Rathaus von Ptuj mit seiner prachtvollen Fassade
Das Rathaus von Ptuj mit seiner prachtvollen Fassade
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St.-Florian-Denkmal in Ptuj
Das St.-Florian-Denkmal soll die Bewohner seit 1745 vor Bränden bewahren
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RESTAURANTTIPP

Mit nur einer Übernachtung in Ptuj waren meine Freundin und ich auch nur einmal essen. Auf der Suche nach einem Lokal fiel uns am Ufer der Drau das Restaurant Gostilna Ribič (Dravska ulica 9) auf, das ich sehr weiterempfehlen kann. Durch das herrliche Wetter konnten wir auf der Terrasse mit Blick auf die Drau sitzen. Die Preise sind für Slowenien eher gehoben, die Qualität der Speisen aber ausgezeichnet. Wir probierten gegrillten Oktopus und geschmortes Lamm, beides ein Gedicht!

 

FAZIT

Ptuj verdient sich definitiv mehr Aufmerksamkeit, obwohl es als Kleinstadt nur eine Handvoll Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Diese sind aber allesamt absolut interessant und lassen keine Langeweile aufkommen! Die Lage der ältesten Stadtgemeinde Sloweniens könnte besser nicht sein und ermöglicht euch einen super Zwischenstopp, wenn ihr beispielsweise von Österreich in den Süden Europas unterwegs seid. In einem Tag (am besten mit Übernachtung) bekommt ihr so alles, was man von einem perfekten Städtetrip erwartet: spannende Orte und Plätze, sehr gutes Essen und verdiente Erholung. Was meint ihr, zieht es euch jetzt auch nach Ptuj? 🙂

 

Ptuj, Slowenien: Reisebericht mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen
Ptuj, Slowenien: Reisebericht mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen

2 Kommentare

  1. Simona sagt: Antworten

    Sie haben Ptuj wirklich minimalistisch genant? Mit nur 2 km aus Ptuj mitte finden Sie viel mehr Sehenswurdichkeiten.. Wie zbs. Schloss Turnišče, Schloss Dornava, die drei ältesten bettesmerkmale von Got Mitra -Mitrej, sehr alte Wein Keller die unter ganz Ptuj sich verbreitet….für eine richtige Ptuj besichtigung braucht mann mindestens ein paar Tage.. Tut mir leid das Sie die wirklich intetesanten Sachen ausgelassen haben.
    Lg

    1. Danke für dene Ergänzungen, Simona!

      Viele Grüße
      Christian

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