Antwerpen – Die Stadt der Kontraste

Zunfthäuser auf dem Grote Markt in Antwerpen

Mehrere Hundert Jahre ist Antwerpen schon der zentrale Ort für den weltweiten Handel mit Diamanten. Gibt es also einen besseren Grund, eine sechstägige Rundreise durch Flandern gleich in solch einer glanzvollen Stadt zu beginnen? Doch der Schein trügt und Antwerpen präsentiert sich als Stadt der Kontraste mit allen Vor- und Nachteilen. Warum ich mit der „Diamantenstadt“ nicht so richtig warm wurde und euch trotzdem einen Besuch schwer empfehle, könnt ihr in diesem Reisebericht erfahren!

Dieser Artikel wurde zuletzt am 16. Juli 2019 aktualisiert.

Antwerpen

FAKTEN

Reisezeit: April 2019 (2 Tage, 2 Übernachtungen)
Anreise: Mit dem Zug von Brussels Airport – Zaventem nach Antwerpen-Centraal (0:31 h)
Unterkunft: Hotel Indigo Antwerp – City Centre *** (Koningin Astridplein 43, Zimmer buchen*): Hotel direkt am Platz vor dem Hauptbahnhof, Fußweg ins Zentrum 10-15 Minuten, alternativ mit der Straßenbahn fünf Minuten. Modernes und stylishes Boutiquehotel mit sehr heimelig eingerichteten Zimmern, wir haben uns extrem wohlgefühlt! Supermarkt nebenan, ausgezeichnete Betten, super Dusche, schnelles WLAN, guter Ausblick. Verzichtet man auf das tägliche Reinigen der Zimmer, erhält man einen Fünf-Euro-Gutschein für die Hotelbar. Frühstück haben wir nicht gebucht. Weiterempfehlung? Klares JA!
Ist das Hotel schon voll? Dann findest du auf meiner bevorzugten Buchungsplattform booking.com weitere Unterkünfte und Hotels in Antwerpen*.

TRANSPARENZHINWEIS

*Die mit Stern gekennzeichneten Verweise in diesem Blogartikel sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn euch mein Blogartikel bei der Planung eurer Reise geholfen hat, freue ich mich, wenn ihr über diese Links eure Unterkunft oder Freizeitaktivitäten bucht. Ich erhalte dadurch eine kleine Provision und ihr unterstützt den Erhalt dieses Blogs. Für euch entstehen dabei selbstverständlich keine Nachteile. Vielen Dank! 🙂

 

Der Oude Koornmarkt in Antwerpen

Antwerpen lebt!

Wenn ihr so wie meine Freundin und ich ebenfalls mit einer Reise durch die belgische Region Flandern liebäugelt, dann fallen euch sicherlich schon bei einer Internetrecherche viele geniale Fotos auf. Prachtvolle Giebelhäuser, reich ausgestattete Kirchen, an jeder Ecke Chocolatiers und weitere kulinarische Sünden wie Bier oder Waffeln. Mit diesen Gedanken im Kopf kamen wir nach Antwerpen und begannen unseren Rundgang. Schnell wurde mir klar, dass ich mich von den kitschigen Bildern trennen und an die Gegebenheiten anpassen musste. Antwerpen ist nämlich nicht nur eine Touristenstadt, sondern vor allem ein äußerst lebendiger Ort mit echtem Stadttreiben.

WEITERE REISEBERICHTE ZU BELGIEN

Antwerpen habe ich während einer sechstägigen Flandern-Rundreise mit dem Zug besucht. Dabei sind natürlich einige interessante Blogbeiträge und Reiseberichte entstanden. Nachfolgend findet ihr alle Artikel und zusätzlich einen Bericht über die Hauptstadt Brüssel.

Flandern: Sechs Tage Genuss und Kultur

Antwerpen – Die Stadt der Kontraste

Brügge – Ein Ort zum Träumen

Ostende – Romantischer Kurztrip ans Meer

Gent – Das Highlight von Flandern

Brüssel: Schönheit im grauen Mantel

 

Sensationelle Ankunft

Meine Freundin und ich hatten wie schon eingangs erwähnt den Plan, mit dem Zug durch Flandern zu fahren und dabei die schönsten Städte zu besichtigen. Per Flugzeug ging es für uns zuerst von Wien aus nach Brüssel, um vom dortigen Flughafen direkt mit dem Eilzug nach Antwerpen weiterzufahren. Alle Details zu den einzelnen Strecken und eine Übersicht unserer Reise findet ihr im Artikel Flandern: Sechs Tage Genuss und Kultur. Die Ankunft in Antwerpen war ohne Übertreibung sensationell, denn bereits der Hauptbahnhof zählt aus meiner Sicht zu den beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Sichtbare Kontraste

Ihr fragt euch sicherlich seit der Einleitung dieses Artikels, warum ich mit Antwerpen nicht richtig warm wurde. Kurz und bündig: mir fehlte ein einheitliches Stadtbild und ich vermisste ein wenig den Wohlfühlfaktor. Bei einem Spaziergang durch die Innenstadt wechselten sich die schönsten und hässlichsten Gebäude konsequenterweise ab. Besonders hervorheben muss man hier klar das Diamantenviertel um den Hauptbahnhof herum – dass hier der weltweite Handel mit den Edelsteinen abgewickelt wird, kann man sich aufgrund der etwas schäbig wirkenden Gassen kaum vorstellen.

Harte Worte, weicher Kern

Dazwischen wuselten auf den Straßen Geschäftsleute in Anzügen umher, Touristen konzentrierten sich auf die Shoppingmeilen und die Sehenswürdigkeiten, Einheimische gingen ihre Wege und auch soziale Härtefälle waren allgegenwärtig sichtbar. Kurzum: eine äußerst quirlige und lebendige Stadt! Meine Worte klingen für euch vielleicht zu hart – und das sind sie mit Sicherheit auch. Denn eines kann ich euch ganz klar sagen: die positiven Bauchgefühle überwiegen bei Weitem und lassen mich immer wieder gerne an den Städtetrip mit meiner Freundin zurückdenken.

Haupthalle des Hauptbahnhofs in Antwerpen

Was du in Antwerpen sehen musst

An Sehenswürdigkeiten mangelt es Antwerpen wahrlich nicht, weshalb ich euch eine Übernachtung empfehlen würde. Was mir sehr gut von den Kontrasten innerhalb der Stadt gefiel, war die Mischung aus historischen Gebäuden und ultramoderner Architektur. Die monumentalen Kirchen waren allesamt in faszinierendem Detailreichtum ausgestattet und luden zu einer ruhigen Minute inmitten des Trubels ein.

Darüberhinaus liebte ich es, überall in Antwerpen Kneipen und Geschäfte zu entdecken, in denen man genüsslich die belgischen Biere testen oder lokale Produkte finden konnte. Die berühmteste Person Antwerpens darf natürlich nicht unerwähnt bleiben: Der weltbekannte Maler Peter Paul Rubens lockt jährlich Tausende Besucher in seine ehemalige Wohn- und Werkstatt. Diese und viele weitere Höhepunkte unseres Städtetrips nach Antwerpen möchte ich euch nun im Detail vorstellen! 🙂

1) Hauptbahnhof

Da der Hauptbahnhof (Station Antwerpen-Centraal) für viele Gäste der erste Berührungspunkt mit Antwerpen ist, setze ich ihn gleich an die Spitze der Sehenswürdigkeiten. 🙂 Das Bauwerk aus dem Jahr 1905 wird von den Bewohnern aufgrund seiner Pracht liebevoll „Eisenbahnkathedrale“ genannt – und das ist wirklich keine Übertreibung. Die Haupthalle entwarf der Architekt Louis Delacenserie, wobei er sich am Pantheon von Rom orientierte. Die 75 Meter hohe Kuppel des Bahnhofs ist sicherlich etwas, was man nicht so oft in einem Verkehrsbauwerk sieht.

Alt und neu in Harmonie

An die Haupthalle angeschlossen ist ein charakteristisches, langes rotes Dach aus Eisen und Glas, das die Bahnsteige überspannt. Wirklich speziell ist, wie der Bahnhof innerhalb von knapp zehn Jahren bis 2009 von einem Kopfbahnhof zu einem Durchzugsbahnhof umgebaut wurde. Dabei ergänzte man nicht nur zwei unterirdische Gleisgeschosse, sondern fand auch einen sehr eleganten Weg, die alte mit der neuen Architektur in Einklang zu bringen. Ich finde den Antwerpener Hauptbahnhof großartig und empfehle euch, vor der Abfahrt oder nach der Ankunft mal einen kleinen Rundgang durch das Gebäude zu machen.

Fotospots

 


Innenansicht der Liebfrauenkirche in Antwerpen

2) Liebfrauenkirche

Die gotische Liebfrauenkathedrale (Onze-Lieve-Vrouwekathedraal) ist die Domkirche von Antwerpen und ein absoluter Höhepunkt. Der 123 Meter hohe Turm ist Teil des UNESCO-Welterbes und von vielen Punkten der Stadt aus zu sehen (leider kann man ihn nicht besteigen und die Aussicht genießen). Ganze 169 Jahre sollte es dauern, bis die Kirche 1521 vollendet war – ursprünglich sollte der Dom übrigens zwei Türme erhalten. Wenn ihr durch die Innenstadt zur Liebfrauenkathedrale spaziert, dann macht unbedingt einen kleinen Abstecher zum Platz Groenplaats. Dort steht nämlich die Statue von Peter Paul Rubens, die sich sehr gut mit der Kirche im Hintergrund fotografieren lässt.

Meisterwerke in der Kathedrale

Der Maler Peter Paul Rubens spielt auch in der Liebfrauenkathedrale eine große Rolle. Im Kirchenschiff sind nämlich gleich vier Originale des flämisches Meisters ausgestellt: „Die Kreuzaufrichtung“ (1609–1610), „Maria Himmelfahrt“ (1626), „Die Auferstehung Christi“ (1612) und „Die Kreuzabnahme“ (1612). Ein sehr nützlicher und kompakter Kirchenführer hilft beim Rundgang, um nichts Wichtiges zu verpassen. Durch den Umstand, dass die Kirche auch eine Art Museum darstellt, finde ich den Eintrittspreis von EUR 6,- vertretbar. Die Öffnungszeiten findet ihr auf der offiziellen Webseite dekathedraal.be.

Fotospots

 


Zunfthäuser auf dem Grote Markt in Antwerpen

3) Grote Markt

In jeder größeren Stadt in Belgien gibt es einen Großen Markt (Grote Markt), so natürlich auch in Antwerpen. Typischerweise wird der Markt von prächtig anzusehenden Zunfthäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert umgeben. Besondere Schönheit verleiht dem Ambiente vor Ort noch zusätzlich das imposante Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Leider wurde eben dieses grandiose Bauwerk während des Besuchs meiner Freundin und mir von einem riesigen Gerüst verhüllt, was das Erlebnis natürlich etwas schmälerte. Bis Herbst 2020 erfolgt eine Komplettsanierung, dann soll auch das Erdgeschoss für Gäste geöffnet werden und ein Besucherzentrum beinhalten.

Tolle Atmosphäre auf dem Platz

Sehenswert ist auf jeden Fall noch der Brabobrunnen, welcher sich in der Mitte des Platzes befindet und von spielenden Kindern belagert wird – sofern nicht gerade Wasser fließt. Der Duft von frischen Waffeln ist auf dem Grote Markt allgegenwärtig und so gaben wir auch gleich den Emotionen nach und holten uns eine aus einem der kleinen Läden. 😉 Am besten setzt man sich dann einfach irgendwo auf dem Platz hin und genießt die Atmosphäre!

Fotospots

 


Besucher im Rubenshaus in Antwerpen

4) Rubenshuis

Das Rubenshaus (Rubenshuis) ist ein Palais in der Innenstadt und die ehemalige Wohnstätte sowie das Atelier von Peter Paul Rubens (1577–1640). Der Maler verbrachte fast sein gesamtes künstlerisches Leben in Antwerpen und wird deshalb auch als „Großer Sohn der Stadt“ bezeichnet. Die Pläne für das Stadtpalais entwarf Rubens sogar selbst, inklusive einem sehenswerten Garten im flämisch-italienischen Renaissancestil. Eine Besichtigung solltet ihr euch nicht entgehen lassen – alle Infos zu Öffnungszeiten und Preisen findet ihr auf der Webseite rubenshuis.be.

Meisterwerke im Rubenshaus

Neben der spannenden Architektur des 17. Jahrhunderts und einem Einblick in die Lebensweise von Rubens sind natürlich jede Menge an Kunstwerken die Highlights im Rubenshaus. In der permanenten Ausstellung könnt ihr die Arbeiten des flämischen Meisters, seiner Kollegen und Lehrlinge bestaunen – von Rubens selbst finden sich leider nur wenige Gemälde. Am besten orientiert ihr euch mit der Übersicht auf der offiziellen Webseite rubenshuis.be, welche Werke besondere Aufmerksamkeit bekommen sollten. Die Ausstellung ist nicht übermäßig groß und am Ende ist es sehr angenehm, bei einer Pause im Garten an einem Brunnen noch etwas das Gesehene nachwirken zu lassen.

Fotospots

 


UNESCO-Innenhof des Plantin-Moretus-Museum in Antwerpen

5) Plantin-Moretus-Museum

Das Plantin-Moretus-Museum (Museum Plantin Moretus) ist sicherlich eines der ungewöhnlicheren Museen, alleine schon wegen des Namens. Meine Freundin und ich hatten es eigentlich nicht auf dem Programm, sind dann aber vor Ort in Antwerpen auf die Bedeutung aufmerksam geworden. Es handelt sich um die ehemalige Buchdruckerei von Christoph Plantin, welche 1555 gegründet wurde. Nach seinem Tod übernahm sein Schwiegersohn Jan Moretus den Betrieb. Damit ist sie die weltweit einzige erhaltene Buchdruckerei aus der Zeit der Renaissance und des Barock.

Druckerei auf der UNESCO-Liste

Das wurde auch von der UNESCO gewürdigt, denn seit 2005 ist der sehenswerte Gebäudekomplex auf der Liste des Weltkulturerbes. Ein Rundgang durch die vielen Räume ist wirklich lohnenswert! Die Ausstattung der Zimmer ist faszinierend, die ausgestellten historischen Buchdruckmaschinen äußerst interessant und die zahlreichen Bücher erzählen eine jahrhundertealte Geschichte. Sehr genial ist der Innenhof, der ein echtes Postkartenmotiv darstellt. Alle Infos zum Plantin-Moretus-Museum findet ihr gesammelt auf der Webseite museumplantinmoretus.be.

Fotospots

 


ESSEN UND TRINKEN IN ANTWERPEN

Viel Zeit zum Essen hatten meine Freundin und ich in Antwerpen witzigerweise nicht. Ein wirkliches Abendessen gönnten wir uns nur einmal – und das war leider ein Reinfall. Am Großen Markt im Herzen der Stadt aßen wir bei Sticky Fingers BBQ (Grote Markt 40). Normalerweise meiden wir Lokale im Zentrum, aber mit großem Hunger lockte uns der Grillduft in das Restaurant. Die bestellten Spareribs waren leider trocken und wenig interessant, dazu gab es langweilige Pommes Frites und Saucen aus der Tube. Klares Fazit: geht bitte in ein anderes Lokal!

Wie man Pommes Frites wirklich macht, zeigte der Kiosk Fritkot Max (Groenplaats 12) vor. Geschmacklich ausgezeichnet, leider gab es die typisch niederländische Fritessaus (eine Art Mayonnaise) nicht dazu, nur normale Mayonnaise. Das dürfte aber ein genereller Umstand in Belgien sein, denn wir fanden in keiner Stadt Fritessaus.

Eine herrlich spontane Bierpause legten wir bei der Karl Borromäuskirche (siehe Punkt 8) im Muziekcafé De Kroeg (Wolstraat 46) ein. Dort entspannten wir uns mit einigen Gläsern der Antwerpener Brauerei De Koninck und einem Stella Artois und philosophierten über Gott und die Welt. 😉

Bevor wir den Sint-Annatunnel (siehe Punkt 6) betraten, machten wir noch eine weitere Bierpause im Cafe Kleine Tunnel (Hoogstraat 76). Das Lokal erinnert eher an ein Beisl in Wien, aber draußen sitzt man sehr nett mit Blick auf einen ruhigen und schattigen Platz.

Ein kleiner Geheimtipp, falls ihr zufällig in der Gegend seid: Das Café Starfish & Coffee (Bresstraat 9) ist herrlich unkompliziert, alternativ und kreativ. Es gibt viele vegane Speisen und eine Hauskatze. Wir nutzten die Zeit dort, um unsere Notizen und Gedanken für den Blog einmal zu Papier zu bringen. 😉

 


Rolltreppe zum Sint-Annatunnel in Antwerpen

6) Sint-Annatunnel

Eine besondere Attraktion, die man schnell mal übersieht, ist der Sint-Annatunnel (Sankt-Anna-Tunnel). Der unterirdische Fußgängertunnel verbindet den Stadtkern mit dem anderen Ufer der Schelde. Schon 1874 war man sich in Antwerpen einig, dass es eine Verbindung der beiden Stadtteile brauchen würde. Für die Untertunnelung entschied man sich schließlich, um den Schiffsverkehr nicht durch eine Brückenlösung zu stark einzuschränken. Die Eröffnung des denkmalgeschützten Sint-Annatunnels fand 1933 statt und bis heute wird die Unterführung intensiv von Einheimischen genutzt.

Nostalgische Gefühle auf der Rolltreppe

Der Zugang liegt ganz in der Nähe des in Punkt 5 vorgestellten Plantin-Moretus-Museum und erinnerte mich etwas an das Bauwerk des Alten Elbtunnels in Hamburg. Per Großraumaufzug könnte man zwar auch in die untere Ebene gelangen, aber als Tourist muss man natürlich mit den charakteristischen Rolltreppen aus Holz fahren. Überall hängen noch die Originalschilder, zusätzlich versprühen der Geruch nach Schmieröl und die Antriebsgeräusche nostalgisches Flair.

Der Weg durch den Sint-Annatunnel

31 Meter unter der Oberfläche blickt man dann in eine 572 Meter lange, weiße Röhre. Platzangst sollte man eher nicht mitbringen, denn der Spaziergang hat sogar mir einige mulmige Momente beschert, obwohl ich kein Problem mit engen Räumen habe. Es dauert eine gewisse Zeit, bis man endlich das Ende des Tunnels sieht – ab dann fühlt man sich auch wieder etwas wohler und sicherer. 😉 Aufpassen muss man auf die vielen Radfahrer und E-Scooter-Fahrer, die an den Fußgängern vorbeizischen. Wieder an der Oberfläche, kann man dann am anderen Ufer der Schelde in Richtung Innenstadt blicken und anschließend den Rückweg antreten.

Fotospots

 


Nachtaufnahme des MAS (Museum aan de Stroom) in Antwerpen

7) MAS

Die anfangs von mir erwähnte Mischung aus historischer und moderner Architektur macht sich mit dem markanten MAS (Museum aan de Stroom) bemerkbar. Der rote Bau in Form mehrerer verschachtelter Ebenen steht seit 2011 im Stadtteil Eilandje im Antwerpener Hafenviertel. Erreichbar ist es mit der Straßenbahnlinie 7, Station MAS. Auf den Etagen sind mehrere Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen untergebracht. So geht es zum Beispiel um die Machtausübung von Welthäfen, um Lebensmittel, das Thema Leben und Tod und weitere Sonderausstellungen (alle Besucherinfos auf mas.be). Aus Zeitgründen haben meine Freundin und ich das Museum allerdings nur wegen eines anderen Grundes angesteuert.

Tolle Aussicht auf Antwerpen

Über mehrere Rolltreppen gelangt man nämlich auch ohne Eintritt auf die Dachterrasse des MAS, von der man in alle Himmelsrichtungen sehen kann. Geöffnet ist die Panoramaetage von 9.30 bis 22.00 Uhr (von April bis Ende Oktober bis 24.00 Uhr), wodurch man perfekt den Sonnenuntergang miterleben kann. Wir kamen zur Dämmerung zum Museum und mussten feststellen, dass schon mehr als die Hälfte der Rolltreppen abgeschaltet war – ein anstrengender Aufstieg wurde also notwendig. 😉 Das Dach ist von einer Glaswand eingerahmt, in der sich einige Löcher befinden. Ich finde es super, dass hier an Fotografen gedacht und eine störungsfreie Aufnahmemöglichkeit geschaffen wurde.

Fotospots

 

Das Hafenhaus von Zaha Hadid

Das absolut spektakulärste Gebäude in Antwerpen habe ich leider nicht mit eigenen Augen gesehen. Weit im Norden des Hafenviertels steht das Hafenhaus (Zaha Hadidplein 1) und besticht durch eine äußerst beeindruckende Architektur. Die Form des Gebäudes erinnert sowohl an einen Diamanten, als auch an ein großes Schiff. Meine Freundin und ich wollten das Gebäude gemeinsam mit dem Museum MAS ansehen und fotografieren. Leider wäre vom MAS noch ein Fußweg von 1,4 Kilometer (in eine Richtung) notwendig gewesen, was uns aufgrund der Dunkelheit und unserer Erschöpfung dann zuviel war. Eine Verlängerung der Straßenbahn zum Hafenhaus ist aber in Bau. Naja, dann eben beim nächsten Mal! 🙂

 


Innenansicht der Sint-Jacobskerk in Antwerpen

8) Kirchen mit Rubens-Bezug

Neben der Liebfrauenkirche (siehe Punkt 2) solltet ihr noch zwei weiteren Kirchen einen kurzen Besuch abstatten, die eine große Rolle bezüglich Peter Paul Rubens spielen. Die Sint-Jacobskerk (Jakobskirche) ist einerseits der Antwerpener Startplatz für Pilger nach Santiago de Compostela. Andererseits befinden sich in ihrem Inneren sehr viele Kunstwerke sowie eine kleine Ausstellung mit einer sehenswerten Monstranz. Nicht verpassen dürft ihr das Grab von Rubens, dem „Großen Sohn von Antwerpen“. Was meiner Freundin und mir nicht so gefallen hat, war die visuelle Wucht der Kircheninnenausstattung. Wir fühlten uns etwas erschlagen von der schier unendlichen Zahl an Details.

Die Rubenskirche

Die Jesuitenkirche Sint-Carolus-Borromeuskerk (Karl Borromäuskirche) trägt den weiteren Namen „Rubenskirche“. Der flämische Meister hatte nämlich während des Baus im 17. Jahrhundert seine Finger als Maler, Dekorateur und Architekt im Spiel. Leider wurden die 39 Deckengemälde bei einem Brand völlig zerstört. Im Inneren der sehr hellen Kirche fallen das tolle Bodenmuster, die detailliert gestaltete Kanzel und vor allem der Altar auf. Über einen eigenen Mechanismus, der immer noch funktioniert, können so die Gemälde im Altar einfach ausgetauscht werden.

Fotospots

 


Schokolademuseum Chocolate Nation in Antwerpen

9) Chocolate Nation

Ein teurer, aber schon recht netter Zeitvertreib ist das Schokolademuseum Chocolate Nation gegenüber des Hauptbahnhofs. Nachdem wir noch etwas Zeit übrig hatten und unser Hotel Indigo* gleich schräg gegenüber liegt, besuchten meine Freundin und ich die neue Attraktion – immerhin ist Belgien ja das Land der Schokolade. 😉 Der Eintritt ist mit EUR 16,50 etwas happig, dafür bekommt man zumindest dreimal eine Kostprobe. Durch die langen Öffnungszeiten (täglich 10.30-21.00 Uhr, weitere Besucherinfos auf der Webseite chocolatenation.be) wählten wir einen späten Besuchstermin und hatten das Museum so fast komplett für uns alleine.

Ein Fest für Schokotiger

Der Rundgang dauert ziemlich genau eine Stunde. Das Museum ist eine Mischung aus Ausstellung, interaktiven Bereichen sowie Erlebnisstationen. Die Aufbereitung hat uns sehr gefallen und war äußerst stimmungsvoll, fast schon etwas mysthisch. Ein wenig erinnerte uns die Aufmachung an den Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Sehr interessant war beispielsweise eine Station, wo man bei der Herstellung von Pralinen zusehen konnte und auch gleich eine Kostprobe erhielt. Der Höhepunkt für Schokofans ist aber sicherlich ein Bereich am Ende der Tour, in dem man an mehreren flüssigen Schokobrunnen verschiedene Geschmacksrichtungen ausprobieren kann. 🙂

Fotospots

 


Stadtfestsaal in Antwerpen

10) Weiteres Sehenswertes

Abschließend noch vier weitere sehenswerte Orte, die wir aber nur kurz im Vorbeigehen erkundeten. Auf der Meir, eine der bedeutendsten Einkaufsstraßen Antwerpens, befindet sich der Stadtfestsaal (Stadsfeestzaal). Das neoklassizistische Gebäude aus dem Jahr 1908 besitzt einen grandiosen Saal, der mitsamt des restlichen Bauwerks im Jahr 2000 vollkommen ausbrannte. Nach einer aufwenigen Renovierung wurde das Gebäude in ein Einkaufszentrum umgewandelt. Der Stadtfestsaal selbst ist aus meiner Sicht jedenfalls zu schade und zu schön für solch einen Zweck. 🙁

Apropos Einkaufen: Die beiden deutlich kleineren Einkaufsstraßen Kloosterstraat und Hoogstraat werden in Reiseführern und anderen Blogs gerne als Hotspots für Designergeschäfte und Antiquitäten hervorgehoben. Meine Freundin und ich machten in beiden einen Spaziergang und sahen uns einige Geschäfte an. Nachdem ich aber kein großer Shopper hin, solltet ihr die Kloosterstraat und Hoogstraat einfach selbst erkunden und euch eure eigene Meinung bilden! 😉

Der Vlaeykensgang (Vlaaikensgang) ist ein ehemals geheimer Verbindungsweg aus dem Jahr 1591 zwischen Hoogstraat, Oude Koornmarkt und Pelgrimstraat. Wenn man nicht weiß wo er ist, findet man ihn auch nur per Zufall – seht euch am besten den Aufnahmeort bei den Fotos unten an. Jedenfalls scheint dort die Zeit stehengeblieben zu sein und die Atmosphäre ist wirklich speziell! Vor allem ist es faszinierend, wie ruhig der Ort ist, während es nur einige Meter weiter auf den Einkaufsstraßen rumort.

Die Burg Het Steen ist das älteste erhaltene Gebäude Antwerpens (die ersten Steine stammen aus dem 11. Jahrhundert) und steht am Innenstadtufer der Schelde. Zu gerne hätten wir das imposante Bauwerk näher erkundet. Leider war die Burg zum Zeitpunkt unseres Besuchs aber vollkommen eingerüstet. Sie wird bis 2020 von Grund auf renoviert und soll dann als Tor zur Stadt mit Terminal für Kreuzfahrtschiffe und einem Empfangszentrum dienen.

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

Die öffentlichen Verkehrsmittel benötigten wir in Antwerpen eigentlich nur bei der Fahrt zum Museum MAS – ansonsten fuhren wir mit der Straßenbahn mehr aus Faulheit. Dafür kauften wir uns an einem Ticketautomaten in einer Station eine Tageskarte um EUR 7,-. Ein Einzelticket für 60 Minuten würde EUR 3,- kosten, was in meinen Augen schon sehr saftig ist. Einen Netzplan der Straßenbahn könnt ihr euch auf der Webseite delijn.be herunterladen (ganz unten unter Tramnetz).

Wenn ihr viele Museen besichtigen wollt, dann ist sicherlich die Antwerp City Card eine Option für euch. Mit ihr sind neben den bekannten Museen auch noch weitere Attraktionen ermäßigt und die öffentlichen Verkehrsmittel inkludiert. Eine Liste mit allen Vorteilen und einem Link zum Kauf findet ihr auf der Webseite visitantwerpen.be.

Street Art, Murals und Graffitiwände findet man in Antwerpen immer wieder, wenn auch nicht in der Dichte von anderen Städten. Zum Ansehen sind sie jedenfalls super und Farbe bringen die kleinen Kunstwerke ebenfalls in die Stadt.

 

FAZIT

Antwerpen sollte die erste Station unserer sechstägigen Rundreise durch Flandern mit dem Zug sein – und es wurde ein mehr als spannender Auftakt! Meine Freundin und ich genossen die Sehenswürdigkeiten der Stadt, wobei mir vor allem die Liebfrauenkirche, das Rubenshaus und das Plantin-Moretus-Museum besonders im Gedächtnis blieben. Sehr empfehlenswert ist es auch, auf dem Grote Markt eine Waffel zu kaufen und einfach die Stimmung zwischen den Zunfthäusern zu genießen. Nicht fehlen darf natürlich eine Bierpause in einer der zahlreichen Kneipen. Einzig meine (vielleicht zu kitschigen) Erwartungen an Antwerpen deckten sich schlussendlich nicht mit der Realität, wodurch ich nicht ganz warm mit der Stadt wurde. Dennoch würde ich sofort wieder nach Antwerpen fahren! Schreibt mir doch eure Meinung dazu, sobald ihr mal dort wart! 🙂

 

Antwerpen, Belgien: Reisebericht mit allen Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.Antwerpen, Belgien: Reisebericht mit allen Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.

9 Kommentare

  1. […] Beeindruckt hat mich Antwerpen durch seine Museen, das Wohnhaus des weltberühmten Malers Peter Paul Rubens und vor allem durch seinen Mut zur modernen Architektur. Wer gerne shoppen geht, wird durch die großen und kleinen Einkaufsstraßen ebenfalls mehr als fündig werden. Zahlreiche Bars und Kneipen laden ein, sich kurz (oder lang) den belgischen Bieren zu widmen, während man das Stadttreiben rundherum beobachtet. Antwerpen ist einfach eine spannende Stadt, in der es viel zu entdecken gibt und die für Besucher vielleicht etwas herausfordender ist. Meinen detaillierten Reisebericht könnt ihr jedenfalls hier lesen: Antwerpen – Die Stadt der Kontraste. […]

  2. Wie immer ein toller Artikel mit super Bildern – du hast mir definitiv Lust auf Antwerpen gemacht 🙂 Das die Realität nicht mit dem Eindruck, den man durch Fotos bekommt, nicht ganz übereinstimmt, ist mir auch schon das ein oder andere Mal passiert!

    1. Danke Christine! 🙂

      Viele Grüße
      Christian

  3. Och nee, Het Steen zur Dekoration eines Kreuzfahrterminals zu degradieren, hat die Burg nun wirklich nicht verdient. Ich habe sie zum Glück 2017 noch ohne Gerüst erlebt.
    https://lostfort.blogspot.com/2017/04/dominated-by-cathedral-antwerps-old-town.html

    1. Ja sehr ärgerlich der Trend! Während anderswo der Kreuzfahrttourismus zurückgedrängt werden soll, wird er dort unterstützt. 🙁

      Viele Grüße
      Christian

  4. Hallo Christian,

    für unsere anstehende Reise nach Flandern habe ich mal wieder zig Pinterest Beiträge durchgeschaut und danach (bewusst erst) Deinen Beitrag gelesen (dem Hochgenuss gebührt der Schluss ;-)).

    Die Art, wie Du blumig Dinge beschreibst, die gut recherchierten Hintergrundinfos und die individuellen Tipps zollen mir immer wieder ein Lob ab. Weiter so!

    Einzig Deine Bilder sind meist „better than reality“ – aber die Standortdaten helfen mir sehr als Orientierung.

    Vielen Dank für Deine Mühen, nun hoffe ich lediglich, dass bis zum September Dein Beitrag über Gent online geht, denn das ist die 3. Stadt auf unserer Tour 😉

    Viele Grüße

    Frank

    1. Hallo Frank,

      danke für deinen netten Kommentar, habe mich sehr gefreut!

      Der Artikel zu Gent geht am 27. August online, das geht sich also aus für deine Reise! 😉

      Viele Grüße
      Christian

  5. Super, da leg ich mir doch ein Maßband an, von dem ich bis zum 27.8. jeden Tag einen cm abschneide 😉

  6. […] Antwerpen – Die Stadt der Kontraste […]

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