Brügge – Ein Ort zum Träumen

Nachtaufnahme des Rozenhoedkaai in Brügge

Kitsch kann auch schön sein – das hat mir Brügge in eindrucksvoller Art bewiesen. Die weltbekannte belgische Stadt wird wegen ihres perfekt erhaltenen und märchenhaft wirkenden Stadtbildes jährlich von mehreren Millionen Menschen regelrecht gestürmt. Nachdem ich eigentlich weder Besuchermassen noch Kitsch mag, ging ich mit geringen Erwartungen an die Reise heran. Doch Brügge hat mich schlussendlich mühelos in seinen Bann gezogen, wie ihr in diesem Reisebericht erfahren werdet.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 30. Juli 2019 aktualisiert.

Brügge (Brugge)

FAKTEN

Reisezeit: April 2019 (2 Tage, 2 Übernachtungen)
Anreise: Mit dem Zug von Antwerpen-Centraal nach Brugge (1:29 h)
Unterkunft: Hotel Monsieur Ernest *** (Wulfhagestraat 43, Zimmer buchen*): Sehr nettes Hotel in ruhiger Lage an einer Gracht unweit der Innenstadt, Fußweg ins Zentrum 5-10 Minuten, Zimmer geräumig aber unglaublich nüchtern eingerichtet – Bilder oder Dekoration wären echt angebracht. Super Bett, modernes Bad mit sehr guter Dusche, schnelles WLAN. Toller Bar- bzw. Frühstücksbereich mit stimmungsvoller Terrasse an der Gracht. Das Frühstücksbuffet war überschaubar, aber mit hochwertigen und ausgezeichnet schmeckenden Produkten bestückt, dazu mit einer Nespresso-Maschine endlich einmal ein guter Kaffee in einem Hotel. Am Abend gibt es an der Bar bis 22 Uhr belgisches Bier oder Wein zur Auswahl, wir haben uns eine Flasche französischen Rosé (EUR 20,-) mit aufs Zimmer genommen. Weiterempfehlung? JA!
Ist das Hotel schon voll? Dann findest du auf meiner bevorzugten Buchungsplattform booking.com weitere Unterkünfte und Hotels in Brügge*.

TRANSPARENZHINWEIS

*Die mit Stern gekennzeichneten Verweise in diesem Blogartikel sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn euch mein Blogartikel bei der Planung eurer Reise geholfen hat, freue ich mich, wenn ihr über diese Links eure Unterkunft oder Freizeitaktivitäten bucht. Ich erhalte dadurch eine kleine Provision und ihr unterstützt den Erhalt dieses Blogs. Für euch entstehen dabei selbstverständlich keine Nachteile. Vielen Dank! 🙂

 

Zunfthäuser auf dem Markt in Brügge

Die Rückkehr ins „Scheißkaff“

In Brügge war ich bereits vor einigen Jahren für insgesamt vier Stunden. Dass dieser Zeitraum für so gut wie gar nichts ausreicht, dürfte euch wenig überraschen. Ein stressiger Spaziergang, Tausende Menschen rund um mich herum und generell wenig Spaß am Besuch: ich fühlte mich ein wenig wie Colin Farrell im Film „Brügge sehen… und sterben?“. Darin bezeichnet der Schauspieler, der einen mürrischen Gangster mimt, Brügge als „Scheißkaff“. Gottseidank war ich nun aber ein zweites Mal dort und kann euch mit Freude sagen: Brügge ist alles andere als das, nämlich sensationell!

Brügge im Hoch, im Tief und wieder im Hoch

Brügge steht durch seinen komplett erhaltenen, mittelalterlichen Kern seit dem Jahr 2000 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Die Geschichte der Stadt ist wirklich interessant, hier die Kurzfassung: Im 12. Jahrhundert riss eine Sturmflut eine Fahrrinne in die Meeresbucht Zwin und verband so Brügge plötzlich mit der Nordsee. Reger Welthandel in den nächsten Jahrhunderten war die Folge und machte Brügge zur reichsten Stadt in Nordeuropa. Ab dem 15. Jahrhundert fiel Brügge in den Schatten von Antwerpen, wo der dortige größere Hafen für Aufschwung sorgte. Der Einfluss der Stadt wurde immer geringer und Mitte des 19. Jahrhunderts war Brügge sogar die ärmste Stadt Belgiens. Ab dem 20. Jahrhundert erkannte man den Nutzen der erhaltenen Gebäude und sorgte als Touristenziel für den erneuten Aufstieg Brügges zu einem weltbekannten Ort.

Zweite Station der Flandern-Reise

Nach Brügge verschlug es mich gemeinsam mit meiner Freundin im Zuge einer Flandern-Rundreise mit dem Zug. Nachdem wir die ersten zwei Tage in Antwerpen verbrachten, ging es in nur rund 90 Minuten Fahrzeit weiter in den Westen Belgiens. Der Unterschied zwischen den beiden Städten war doch größer, als ich erwartet hätte. Während ich mir mit Antwerpen etwas schwer tat, fühlte ich mich in Brügge sofort wohl. Wenn du mehr über meine Erfahrungen in den Städten Belgiens lesen willst, dann findest du in der nachfolgenden blauen Infobox alle Links dazu.

WEITERE REISEBERICHTE ZU BELGIEN

Brügge habe ich während einer sechstägigen Flandern-Rundreise mit dem Zug besucht. Dabei sind natürlich einige interessante Blogbeiträge und Reiseberichte entstanden. Nachfolgend findet ihr alle Artikel und zusätzlich einen Bericht über die Hauptstadt Brüssel.

Flandern: Sechs Tage Genuss und Kultur

Antwerpen – Die Stadt der Kontraste

Brügge – Ein Ort zum Träumen

Ostende – Romantischer Kurztrip ans Meer

Gent – Das Highlight von Flandern

Brüssel: Schönheit im grauen Mantel

 

Brügge und der Übertourismus

Einen wichtigen und kritischen Punkt möchte ich nicht ausklammern. Brügge leidet massiv am Übertourismus – 2018 gab es mit 8,3 Millionen Besucherinnen und Besuchern einen neuen Rekordwert. Insbesondere Tagesgäste, die per Kreuzfahrtschiff oder Bus regelrecht abgeladen werden und dann als Horde durch die engen Gassen treiben, sind der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge. Das Hauptproblem: diese Besuchergruppe fotografiert sich überspitzt formuliert quer durch die Stadt, ohne Geld in einheimischen Betrieben, Lokalen oder Unterkünften zu lassen.

Meidet die Hauptsaison!

Insbesondere in den Sommermonaten ist es absolut nicht empfehlenswert, sich in den Trubel in Brügge zu stürzen. Die Stadt versprüht ihren Charme auch in der Nebensaison, wenn deutlich weniger Menschen unterwegs sind – Stichwort Frühlingserwachen bzw. Herbstfarben. Meine Freundin und ich erwischten mit unserer Reisezeit in den Osterferien einen Übergangspunkt, an dem die Anzahl der Touristen gerade noch erträglich war. Mindestens eine Übernachtung empfiehlt sich, um die Stadt nach Einbruch der Dunkelheit sowie in den frühen Morgenstunden völlig anders erleben zu können: in bildschönem Licht und mit einem Bruchteil an Menschen!

Viel zu entdecken in Brügge

Eigentlich war unser Plan, von den zwei Tagen Aufenthalt mindestens einen halben für eine Fahrt ans Meer nach Ostende zu opfern. Brügge gefiel uns aber dermaßen gut, dass wir doch einen Großteil unserer Zeit dort verbrachten und nur kurz zum Muschelessen nach Ostende fuhren (Reisebericht dazu: Ostende – Romantischer Kurztrip ans Meer). Die Sehenswürdigkeiten, Museen, Chocolatiers und vor allem das Bier waren einfach zu verführerisch in Brügge. 😉 Die Top 10 unserer Reise stelle ich euch nun nachfolgend vor, viel Spaß beim Lesen und Inspirieren lassen!


Zunfthäuser und eine Kutsche auf dem Markt in Brügge

10 Dinge, die du in Brügge sehen musst

1) Markt und Burgplatz

Im Gegensatz zu anderen belgischen Städten heißt der Hauptplatz in Brügge nicht Grote Markt (Großer Markt), sondern nur Markt. 😉 Der Platz im Herzen der Stadt ist dennoch riesig und wird von zahlreichen schönen Zunfthäusern, dem Provinzialpalast und dem mächtigen Belfried eingerahmt. In der Mitte sind ganzjährig mobile Essensstände und kleine Fahrgeschäfte für Kinder aufgebaut. Gemeinsam mit dem Standbild von den Brügger Volkshelden Jan Breydel und Pieter De Coninck lässt sich der prachtvolle Provinzialpalast (Provinciaal Hof) übrigens super fotografieren. In diesem neugotischen Gebäude ist heute das Historium Brügge untergebracht, ein Erlebnismuseum über die Stadtgeschichte – uns war der Spaß mit EUR 14,- aber zu teuer. Wenn es euch interessiert, gibt es auf der Webseite historium.be mehr Infos.

Marktspaß am Burgplatz

Nur einige Meter weiter befindet sich der Burgplatz (De Burg), wo es gleich mehrere Dinge zu entdecken gibt. Die ehemalige Burg ist zwar nicht mehr vorhanden, dafür stechen das Rathaus und die Heilig-Blut-Basilika optisch hervor. Diese stelle ich euch aber in den zwei nächsten Punkten im Detail vor. Meine Freundin und ich hatten auf dem Burgplatz Glück, weil gerade ein Markt stattfand. So nutzten wir die Gelegenheit und begannen unser Brügge-Sightseeing mit einem Glas Cava (EUR 5,-) und einem Rundgang durch die Stände. Leider hatten wir erst kurz davor etwas gegessen, wodurch wir bei den Köstlichkeiten nicht mehr zuschlugen.

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Gotischer Saal im Rathaus (Stadhuis) von Brügge

2) Stadhuis

Das Rathaus (Stadhuis) dominiert einen großen Teil des Burgplatzes und fällt schon durch seine enorm detaillierte Fassade auf. Erbaut wurde es zwischen 1376 und 1420, damit zählt es zu den ältesten Rathäusern im niederländischen Sprachraum. Meine Freundin und ich wagten einen Blick in das Innere, was ich euch ebenfalls unbedingt empfehlen würde. Der Gotische Saal ist ein absolutes Highlight in Brügge! Er ist vollkommen mit Wandmalereien aus der Zeit um 1900 ausgeschmückt und ein großartiges Gesamtkunstwerk. Die Malereien stellen wichtige Ereignisse und acht berühmte Persönlichkeiten der Brügger Geschichte dar.

Der Gotische Saal

Der Eintritt kostet EUR 6,-, wir entschieden uns aber gleich für den Kauf der Musea Brugge Card, um mehrere Museen ansehen zu können. Mehr Infos zu dieser Karte findet ihr in den Allgemeinen Tipps am Ende des Beitrags. Die Öffnungszeiten des Rathauses gibt es auf der Webseite museabrugge.be. Für den Rundgang erhaltet ihr einen Audioguide, mit dem ihr euch im Gotischen Saal am besten niedersetzt und den Geschichten zu den Malereien in Ruhe lauscht. Der Saal ist übrigens heute noch monatlich für den Gemeinderat reserviert und wird auch für zahlreiche Trauungen genutzt.

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Innenansicht der Heilig-Blut-Basilika in Brügge

3) Heilig-Blut-Basilika

Die Heilig-Blut-Basilika (Basiliek van het Heilig Bloed) ist die älteste Kirche in Brügge und steht wie das Rathaus auf dem Burgplatz. Es handelt sich um eine Doppelkirche: die erdgeschossige Blasiuskapelle ist im romanischen Stil erbaut, im 15. Jahrhundert kam mit der gotischen Oberkirche ein zweiter Teil hinzu. Verbunden sind die beiden Bauten durch einen interessanten Wendelgang. Der Legende zufolge brachte im Jahr 1149 der Ritter Graf Dietrich von Elsass ein kleines Gefäss mit dem Blut von Jesus Christus von Jerusalem nach Brügge und ließ dort die Heilig-Blut-Kirche bauen. Diese wurde später zur Basilika erhoben.

Das Blut Jesus Christus

Die Pracht der Oberkirche der Basilika ist schwer in Worte zu fassen. Die Ausstattung mit Wandmalereien, detailverliebten Glasfenstern, vergoldeten Kunstwerken und der gotischen Decke erinnert an eine Schatzkammer. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs wurden meine Freundin und ich auch noch Zeuge der sogenannten Verehrung. Täglich nach der Messe zwischen 11.30 und 12.00 Uhr sowie zwischen 14.00 und 16.00 Uhr kann die Reliquie mit dem Blut Jesus Christus für einen kurzen Moment besichtigt werden. Dazu begibt man sich zu einem erhöhten Seitenaltar, bei dem ein Priester sitzt. Vor ihm liegt die Reliquie, die von den Gläubigen berührt wird – dabei übermitteln sie Gebete und Wünsche.

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Der Belfried (Belfort) in Brügge

4) Belfried

Der Belfried (Belfort) ist ein für Belgien und Frankreich typischer Glockenturm, der in vielen Städten zu finden ist. Der Turm in Brügge ist 83 Meter hoch und blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück. Die ersten Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1240. Bis zur Gegenwart brannte der Belfried mehrere Male aus und wurde über die Jahrhunderte immer brandsicherer. Die zwei Hauptaufgaben des Turms waren einerseits die Machtdemonstration und andererseits die Brandwache.

366 Stufen zur Aussicht

Heute zählt der Belfried in Brügge zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und kann über eine enge Wendeltreppe aus 366 Stufen bestiegen werden. Kommt so früh wie möglich (Öffnungszeiten auf visitbruges.be), denn es dürfen immer nur maximal 70 Personen gleichzeitig im Turm sein. Meine Freundin und ich waren gegen Mittag vor Ort und standen rund eine Stunde in der Warteschlange. Der Eintritt kostet EUR 12,-, wobei dieser in der Musea Brugge Card wieder inkludiert ist.

Herausforderung für Fotografen

Auf dem Weg nach oben kommt man an einer kleinen interessanten Ausstellung über die Geschichte des Belfrieds vorbei. Von dieser Ebene aus hat man übrigens einen weitaus besseren Blick auf die Zunfthäuser des Marktes als von ganz oben. Ihr müsst allerdings mit der kleinen Linse des Smartphones fotografieren, denn ein engmaschiges Gitter stört die Sicht massiv. Weiter oben kann man die Mechanik des Glockenspiels bewundern, steht hautnah an den Glocken und erhält eine Aussicht in alle Himmelsrichtungen. Auch hier stört leider ein Metallnetz beim Fotografieren, mit einem Teleobjektiv gelingen aber trotzdem gute Fotos.

Fotospots

 


Beleuchtetes Rathaus (Stadhuis) von Brügge

5) Abendspaziergang

Wenn ihr Brügge nur untertags anseht und vor Einbruch der Dunkelheit wieder abreist, dann verpasst ihr echt etwas! Sobald die Tagestouristen weg sind und die Sonne verschwunden ist, erstrahlt Brügge nämlich in wunderschöner goldener Beleuchtung. Ein Abendspaziergang lässt die Stadt in völlig anderer Weise erscheinen, da die Atmosphäre plötzlich ruhig und fast schon besinnlich wird. Meine Freundin und ich haben während eines Rundgangs die Liebfrauenkirche mit Bonifazius-Brücke (siehe Punkt 6), das Rathaus (siehe Punkt 2) und den Markt mit Belfried und Provinzialpalast (siehe Punkt 1) fotografiert.

Das schönste Fotomotiv in Brügge

Das mit Abstand schönste und bekannteste Motiv in Brügge ist aber der Rozenhoedkaai. Vom dortigen Ufer aus bekommt man nämlich mit einem Weitwinkelobjektiv die Liebfrauenkirche, den Belfort und die mittelalterlichen Häuser auf ein Bild – inklusive herrlicher Spiegelung im Wasser. Im Titelbild dieses Reiseberichts konntet ihr diesen Anblick schon bewundern, in den nachfolgenden Fotos seht ihr nun auch die restliche Schönheit Brügges bei Nacht. Also schnappt euch euer Stativ und geht auf Fotojagd! Falls ihr kein Stativ bei der Hand habt, dann verrate ich euch in meinem Artikel 5 Tipps für scharfe Fotos im Urlaub einige Tricks, wie ihr dennoch tolle Abendfotos schießen könnt.

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Essen und Trinken in Brügge

In Brügge haben meine Freundin und ich es uns so richtig gut gehen lassen. Gleich nach der Ankunft stärkten wir uns mit klassischen Pommes Frites (Belgische friet) am Markt an einem der Essensstände. Direkt im Schatten des Belfried war das durchaus ein würdiger Start. 😉

Von unserem Hotel bekamen wir den Restauranttipp Passage Bruges (Dweersstraat 26). Wir hatten Glück, ohne Reservierung noch einen Platz zu ergattern! Im stilvoll, urigen und dunkel gehaltenen Lokal aßen wir das typisch flämische Gericht Vol-en-vent. Dabei handelt es sich um eine Art Pastete aus Blätterteig, die mit einem Ragout aus Champignons und Huhn gefüllt ist. Eigentlich ein wirklich leckeres Essen, mir persönlich war aber zuviel dickflüssige Sauce dabei. Auf jeden Fall probierenswert!

Meine Freundin zeigte mir von einem früheren Aufenthalt The Old Chocolate House (Mariastraat 1a) und machte mich damit so richtig glücklich. 🙂 Das wirklich liebevolle Lokal besteht aus einem Schokoladeshop im Erdgeschoss (der Geruch!!) und einem Teeraum im 1. Stock. Obwohl draußen auf den Gassen rundherum echt viel Trubel herrschte, war es hier angenehm ruhig. Dort verschlangen wir die wohl beste Waffel, die ich je hatte! Meine Freundin schwärmte auch von der heißen Schokolade.

Apropos Schokolade: in Brügge findet ihr sprichwörtlich an jeder Ecke einen Chocolatier. Die kleinen Sünden eignen sich natürlich nicht nur zum selbst Essen, sondern auch zum Mitnehmen als Geschenk. Wir probierten einmal Pralinen bei Neuhaus (Steenstraat 66), die aufgrund der Bekanntheit recht teuer sind – aber einfach so gut! Es zahlt sich aber aus, auch weniger bekannten Geschäften einen Besuch abzustatten. Pol Depla Chocolatier (Mariastraat 20) überzeugte mich beispielsweise mit fantastischen Trüffeln zu einem weitaus günstigeren Preis.

Biertrinker kommen in Brügge sicherlich auch auf ihre Rechnung – es gibt zwei sehr interessante Kleinbrauereien. In der Brasserie Bourgogne des Flandres (Kartuizerinnenstraat 6) bestellten wir das Probierpaket „Beer Flight“ um EUR 14,- und konnten sechs Sorten austesten. Mein Favorit war ganz klar das rote Hausbier „Bourgogne des Flandres“. Am besten genießt man sein Bier im Innenhof oder mit Glück direkt am Wasser auf der Terrasse. Die zweite Brauerei nennt sich Huisbrouwerij De Halve Maan (Walplein 26), dort tranken wir aus Zeitgründen aber nur schnell ein Hausbier. Vom Geschmack überzeugte es uns ebenfalls und auch dort sitzt man im Innenhof sehr schön! Interessierte können an einer kurzen (EUR 12,-) oder langen (EUR 20,-) Führung teilnehmen.

 


Innenansicht der Liebfrauenkirche (Onze-Lieve-Vrouwekerk) in Brügge

6) Liebfrauenkirche und Bonifaciusbrücke

Die gotische Liebfrauenkirche (Onze-Lieve-Vrouwekerk) überragt mit ihrem 115,5 Meter hohen Turm die gesamte Stadt und ist schon von Weitem zu sehen. Erbaut wurde sie im 13. Jahrhundert aus Backstein, was damals noch ungewöhnlich war. Ein Besuch ist Pflicht, denn im Inneren warten kostbare Schätze auf die Besucherinnen und Besucher. Die Kirche selbst kann kostenlos besichtigt werden, für die Kunstwerke sind aber EUR 6,- (mit Musea Brugge Card kostenlos) zu bezahlen. Diese sind jedoch gut investiert! Alle weiteren Infos findet ihr auf der Webseite museabrugge.be.

Weltbekannte Kunstwerke

In der Liebfrauenkirche gibt es nämlich die 1503 entstandene Madonna mit Kind von Michelangelo zu sehen – eine der frühen Plastiken des italienischen Bildhauers. An die Statue kommt man nur einige Meter heran, weswegen davor eine Nachbildung steht, um das Kunstwerk auch aus der Nähe studieren zu können. Sehenswert sind weiters die beiden Sarkophage von Karl dem Kühnen und seiner Tochter Maria von Burgund. Die in Bronze gegossenen Grabmähler stammen aus dem Jahr 1502 und können aus nächster Nähe betrachtet werden. Darüber steht das Passionstriptychon des Hofmalers von Margaretha von Österreich, Bernard van Orley.

Verwunschene Brücke

Hinter der Liebfrauenkirche ist die Bonifaciusbrücke (Bonifaciusbrug), ein extrem begehrtes Ziel der Touristen. Sie wird auch Liebesbrücke genannt und so ist es kein Wunder, dass die Brücke untertags immer stark bevölkert ist. Abends in der Dämmerung ist sie aber ein grandioses Fotomotiv, wie ihr in Punkt 5 sehen könnt. Vom Aussehen her könnte man die Bonifaciusbrücke als uralt bezeichnen – tatsächlich ist sie aber eine der neueren Brücken in Brügge und stammt aus dem Jahr 1910. Der Blick von der Brücke auf das Wasser ist fantastisch, denn dort präsentieren sich schönste Fachwerkhäuser als Postkartenmotiv!

Fotospots

 


Grachtenfahrt in Brügge

7) Grachtenfahrt

Bootsfahrten werden ja in vielen Städten mit Kanälen angeboten. In Brügge ist dieser aber unbedingt zu empfehlen, denn vom Wasser aus wirkt die Stadt doch anders und lässt neue Einblicke zu. Zu den Grachtenfahrten zusteigen kann man an fünf Anlegestellen – bei einem Rundgang durch die Stadt kommt man garantiert irgendwann an einer vorbei. Die Preise sind überall gleich: eine rund halbstündige Fahrt kostet EUR 10,-. Das ist für die Fahrtdauer verhältnismäßig zwar nicht billig, aber man kommt an allen wichtigen Stellen vorbei.

Die Stadt aus einer anderen Perspektive

Wenn ihr viel fotografieren wollt, setzt euch nach Möglichkeit ganz nach hinten an das Ende des Bootes. So könnt ihr garantiert auf eine Seite und zusätzlich nach hinten knippsen, ohne Menschen im Bild zu haben. Während der Fahrt sieht man die Sehenswürdigkeiten der Stadt aus einer anderern Perspektive und könnte theoretisch die Geschichte dazu über einen Lautsprecher mitverfolgen. Diese waren bei uns auf dem Boot aber so leise, dass wir nichts mitbekamen. Eine Bootsfahrt ist aber auch eine super Möglichkeit, einfach mal nichts zu tun und sich nach dem oder mitten im Sightseeingstress berieseln zu lassen. 😉

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Besucher im Groeningemuseum in Brügge

8) Groeningemuseum

Mit Museumsbesuchen tun sich meine Freundin und ich auf Reisen immer etwas schwer. Einerseits gibt es oft wahnsinnig spannende Ausstellungen, andererseits frisst so ein Rundgang leider auch extrem viel Zeit. In Brügge entschieden wir uns aber, das Groeningemuseum wegen seiner Wichtigkeit fix einzuplanen – und das war kein Fehler. Den Eintrittspreis von EUR 12,- hatten wir mit der Musea Brugge Card erneut bereits inkludiert. Alle Infos zum Museum gibt es auf der Webseite museabrugge.be.

Echte Meisterwerke

Im Groeningemuseum durchwandert man auf einer Ebene sechs Jahrhunderte der belgischen Kunst. Obwohl ich mich in der Kunstgeschichte wirklich nicht gut auskenne, war ich dennoch überrascht, wie viele Gemälde ich zumindest vom sehen her kannte. Ich bin überzeugt, dass es vielen von euch ebenso gehen wird und ihr oft einen Aha-Effekt verspüren werdet. Der Höhepunkt des Museums ist der den „Flämischen Primitiven“ gewidmete Bereich. Dort finden sich unter anderem Werke der weltberühmten Maler Jan van Eyck und Hieronymus Bosch.

Fotospots

 

Gruuthusemuseum

Das Gruuthusemuseum ist neben dem Groeningemuseum das zweite wichtige Museum in Brügge. Es ist im enorm sehenswerten Stadtpalast der Herren von Gruuthuse untergebracht und erzählt die wechselhafte Geschichte der Stadt. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs war das Museum leider noch in der Endphase einer Restaurierung und daher geschlossen. Mittlerweile ist es aber wieder in voller Pracht zu besichtigen. Alle Infos dazu findet ihr auf der Webseite museabrugge.be.

 


Beginenhof in Brügge

9) Beginenhof

Der Beginenhof (Begijnhof) ist ein historisch äußerst bedeutsamer Ort aus dem Jahr 1245 und steht auf der UNESCO-Welterbeliste. Die sehr gut erhaltene Hofanlage diente als Rückzugsort für Beginen. Dabei handelte es sich um weltliche Frauen, die ein frommes und eheloses Leben wählten. Seit mehreren Jahrzehnten wird der Beginenhof aber von Benediktinerinnen geführt, die das Areal zu einem Kloster umfunktionierten.

Eine andere Welt

Den Beginenhof betritt man durch ein historisches Tor auf einer Brücke und steht danach in einer anderen Welt. Eine große parkähnliche Anlage wird von weiß gestrichenen Häusern umgeben. Der Hof trägt noch den Beinamen „Ten Wijngaarde“ („Zum Weingarten“), da dort früher Kräuter, Pflanzen und eben Weinreben wuchsen. Geöffnet ist der Beginenhof Montag bis Sonntag von 6.30 bis 18.30 Uhr. Bitte beachtet, dass es sich um einen Ort der Stille handelt.

Fotospots

 


Minnewaterpark in Brügge

10) Minnewaterpark

Der Minnewaterpark ist weniger eine Sehenswürdigkeit als mehr ein ruhiger Rückzugsort mit romantischer Atmosphäre. Der Park mit seinem wunderschönen See liegt am südlichen Ende der Innenstadt in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Ursprünglich verlief an dieser Stelle ein Fluss, der von den Einwohnern kanalisiert wurde – dabei entstand auch der heute so beliebte See. Das Kasteel Minnewater Restaurant sticht mit seinem Gebäude hervor. Mit etwas mehr Zeit im Gepäck hätten meine Freundin und ich dort gerne etwas am Wasser getrunken. Einige Meter weiter stadteinwärts ist übrigens auch der Platz Wijngaardplein mit seinen Enten, Schwänen und sonstigem Gefieder ein wunderbarer Ort der Ruhe!

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

Wenn ihr mit dem Zug nach Brügge anreist, dann müsst ihr vom Bahnhof (schöne Haupthalle!) rund 15-20 Minuten Fußweg in die Innenstadt einplanen, je nachdem wo ihr eure Unterkunft gebucht habt.

Prinzipiell benötigt man in Brügge keine öffentlichen Verkehrsmittel, alles in der Innenstadt ist fußläufig zu erreichen. Mit unseren Koffern fuhren wir aber zumindest vom Bahnhof in die Nähe unseres Hotels. Die Linien 1, 2, 3, 4, 6, 11, 12, 13, 14, 16 und 23 fahren dabei alle ins Zentrum zu unterschiedlichen Stationen. Welcher zu eurer Unterkunft am nächsten ist, überprüft ihr am besten mit der Routenfunktion von Google Maps. Ein Einzelticket kostet EUR 3,- und kann beim Fahrer gekauft werden.

Wollt ihr in Brügge mehrere Museen bzw. Sehenswürdigkeiten ansehen? Dann rechnet euch die Eintrittspreise aus und überprüft, ob die Musea Brugge Card für euch sinnvoll ist. Sie kostet für Erwachsene ab 26 Jahren EUR 28,- und für 18-25-Jährige EUR 22,-. Meine Freundin und ich kauften die Karte und konnten so ein paar Euro sparen. Alle Infos, inkludierten Sehenswürdigkeiten und Preise findet ihr auf der Webseite museabrugge.be.

Brügge ist bekannt für seine Spitze, deren Tradition rund 600 Jahre zurückgeht. Ich habe schon mehrfach gehört, dass in einigen Geschäfte Billigware aus Asien verkauft wird. Achtet beim Kauf also darauf, in Brügge hergestellte Spitze zu erhalten.

 

FAZIT

Mit geringen Erwartungen kamen wir in Brügge an, glücklich und zufrieden verließen wir die Stadt nach zwei Tagen wieder. Dass ich mich in einer derart kitschigen Umgebung inmitten von Touristenströmen derart wohlfühlen würde, hätte ich nicht gedacht. Aber Brügge ist wirklich ein sehr feines Plätzchen mit einer perfekt erhaltenen mittelalterlichen Innenstadt. Bleibt man über Nacht, erlebt man den Ort auch in einer ruhigen Art, die den Zauber nochmals verstärkt. Die Mischung aus Kulinarik, Sehenswürdigkeiten und Kultur sorgt jedenfalls dafür, dass ein Besuch in Brügge unvergesslich wird. Seht ihr das genauso oder ging es euch dort anders? 🙂

 

Brügge, Belgien: Reisebericht mit allen Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.Brügge, Belgien: Reisebericht mit allen Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.

5 Kommentare

  1. […] kurze Recherche genügte nämlich und die malerische Schönheit der flämischen Städte Antwerpen, Brügge (mit Ostende) sowie Gent hatte uns vollkommen in den Bann […]

  2. Brügge sieht wirklich traumhaft aus! Würde mir definitiv gefallen dort und kommt somit gleich mal auf die Wunschliste 🙂 Danke für die tollen Tipps!

    1. Danke Christine!

      Ich denke Brügge würde dir sogar garantiert extrem gut gefallen. 😉

      Viele Grüße
      Christian

  3. […] Brügge – Ein Ort zum Träumen […]

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