Steinwandklamm: Ein Fall für Abenteurer

Eingang zur Steinwandklamm in Niederösterreich

Spektakuläre Klammen und Schluchten gibt es in Österreich wirklich viele – aber nur wenige bringen einen derartigen Nervenkitzel mit sich wie die Steinwandklamm in Niederösterreich. Auf einem abwechslungsreichen Weg sowie einem Steig geht es durch die angenehm kühle Schlucht über Waldwege, Treppen, Leitern, Felsen und sogar durch mehrere Höhlen. Das Tolle: wer sich den Adrenalinkick nicht zutraut, kann den Steig mit seinen hohen Leitern auch auf einem normalen Weg umgehen. Ich zeige euch in diesem Erfahrungsbericht beide Varianten dieser beeindruckenden Wanderung!

Dieser Artikel wurde zuletzt am 20. August 2019 aktualisiert.

Steinwandklamm

FAKTEN

Reisezeit: Juni 2019 (Halbtagesausflug von Wien aus)
Ausgangspunkt: Parkplatz bei der Jausenstation Reicher (Steinwandgraben 22, Furth an der Triesting)
Öffnungszeiten: ganzjährig täglich geöffnet, 08.00 – 18.00 Uhr
Eintrittspreis: Erwachsene EUR 5,-, Kinder 6-14 Jahre EUR 1,50
Webseite: http://www.steinwandklamm.at/
Gehzeit: ca. 1,5 Stunden ohne Pausen
Distanz: 3 km (Routenprofil auf bergfex.at)
Schwierigkeit: leicht bzw. mittel über den Rudolf-Decker-Steig

Fließender Bach in der Steinwandklamm in Niederösterreich

Die Steinwandklamm als Naturjuwel

Die Steinwandklamm kannte ich schon von einem früheren Besuch im Herbst, als ich an einem verregneten Tag völlig alleine dieses Naturjuwel durchquerte. Der durch die Schlucht verlaufende Bach war damals komplett ausgetrocknet. Er führt generell nur bei starken Regenfällen und zur Zeit der Schneeschmelze Wasser. Meine zweite Wanderung durch die Klamm fand dann an einem warmen Frühlingstag statt und ich konnte diesen wundervollen Ort auch mit den Klängen des fließenden Bachs genießen. Für das Abenteuer selbst ist es aber egal, ob Wasser sprudelt oder nicht – eine Wanderung durch die Klamm ist jedenfalls empfehlenswert.

Die touristische Erschließung

Seit 8. Juni 1884 ist die Steinwandklamm durch die Arbeit des Österreichischen Touristenklubs zugänglich und lockte bereits zur Eröffnung Hunderte interessierte Besucherinnen sowie Besucher an – die meisten davon aus Wien. Bei der Durchwanderung der Schlucht entdeckte man die in einem Felsen höher gelegene Wildschützenhöhle. Das ehemalige Ausschussmitglied Rudolf Decker sorgte 1927 mit seinen Bemühungen dafür, dass auch dieser ehemalige Unterschlupf von Wilderern für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Der Rudolf-Decker-Steig ist deshalb nach ihm benannt und sorgt bis heute für den angesprochenen Nervenkitzel.

Die Anreise

Leider kommt man nur mit dem Auto zur Steinwandklamm – per Zug wäre vom nächstgelegenen Bahnhof Pernitz-Muggendorf noch ein rund acht Kilometer langer Fußmarsch zum Eingang notwendig. Vom Parkplatz bei der Jausenstation Reicher geht man rund fünf Minuten, bis man die „Wanderwelt Steinwandklamm“ betritt und an einer Hütte die Eintrittskarten kauft. Den Preis von EUR 5,- für Erwachsene (Kinder EUR 1,50) finden einige von euch vielleicht unangemessen, ich empfinde ihn als gerechtfertigt. Die Erhaltung, Pflege und vor allem Sicherheit in der Klamm erledigen sich schließlich nicht von selbst!

Wanderweg durch die Steinwandklamm in Niederösterreich

Wegverlauf durch die Steinwandklamm

Per Drehkreuz startet man die insgesamt rund drei Kilometer lange Wanderung. Nach einem kurzen Waldstück steht man dann vor dem imposanten Eingang, den anno dazumal schon Kaiser Franz Joseph durchschritt. Für einige Hundert Meter folgt man dann auf gut ausgebauten Treppen und Stegen dem Wegverlauf, bis man an eine Gabelung gelangt. Geradeaus verläuft die Umgehung des anspruchsvolleren Steigs – nehmt diesen Weg, wenn ihr Höhenangst habt und enge Höhlen nicht euer Ding sind. Ihr gelangt auf einem sehr schönen Pfad, der stetig bergauf führt, zu einer weiteren Gabelung, wo sich die beiden Wegvarianten wieder vereinen.

Der Rudolf-Decker-Steig

Biegt ihr an der zuvor erwähnten Gabelung links ab, beginnt der Rudolf-Decker-Steig für Abenteuerlustige. Der Start ist dabei mit einer vier Meter hohen Leiter noch harmlos. Über Holzstufen geht es dann einige Minuten steil bergauf, bis man vor der 15 Meter hohen, fast senkrechten Leiter steht. Diese flösst beim ersten Anblick garantiert einen Heidenrespekt ein. Wenn ihr euch hier nicht sicher fühlt, dann gibt es daneben eine sechs Meter hohe, deutlich harmlosere Stufenleiter zur Umgehung dieser Stelle. Ich habe die große Leiter gewählt, die am oberen Ende direkt in die Wildschützenhöhle mündet. Aber auch über die Umgehung ist es noch möglich, in die Höhle einzusteigen. Das Innere ist durchaus sehenswert, aber sehr rutschig. Beim Verlassen der Höhle durch einen zweiten Ausgang ist es ratsam, rückwärts und langsam abzusteigen.

Das Türkenloch

Es folgen weitere kürzere Leitern und eine kleine Höhle, die man fast kriechend durchqueren muss. Schließlich erreicht man aber die Gabelung, wo der Rudolf-Decker-Steig und die Umgehung wieder zu einem gemeinsamen Weg zusammenführen. An dieser Stelle gibt es dann das Türkenloch zu bewundern. Dabei handelt es sich um eine Höhle, in der während der Türkenbelagerung 1683 ansässige Menschen Flucht suchten. Aufsteigender Rauch von einer Feuerstelle soll sie aber verraten haben, wodurch die Türken sie entdeckten und ermordeten. Die Durchquerung des Türkenlochs ist zwar harmlos, aber man muss sich erst an die Dunkelheit im Inneren gewöhnen – zur Sicherheit schaltete ich kurz die Taschenlampe meines Smartphones ein, um nicht über die Holzstufen zu stolpern, die aus der Höhle wieder herausführen.

Die verdiente Stärkung

Nach dem Türkenloch sind noch wenige Höhenmeter zu erklimmen, bis man an einem Felskamm steht und eine herrliche Aussicht erhält. Von hier sind es nur mehr einige Minuten durch einen Wald, bis man beim Gasthaus Jagasitz (Donnerstag und Freitag Ruhetag) anstösst. Dort gönnte ich mir einen Holunder-Radler mit lokalem Piestinger-Bier – eine echte Wohltat nach der Anstrengung und den zittrigen Knien! 😉 Noch dazu präsentiert sich vom Gasthaus aus gesehen in der Ferne der Schneeberg in bester Art und Weise. Der Rückweg verläuft auf einem Forstweg rund 1,2 Kilometer steil bergab zurück zum Parkplatz. Mit der nachfolgenden Bilderstory könnt ihr die Wanderung nun nacherleben, viel Spaß dabei!

Eingang zur Wanderwelt Steinwandklamm in Niederösterreich
Gleich beim Parkplatz beginnt die Wanderwelt Steinwandklamm
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Drehkreuz am Eingang zur Steinwandklamm in Niederösterreich
Nachdem man in einer Hütte die Eintrittskarten gekauft hat, betritt man den Wanderweg zur Steinwandklamm über ein Drehkreuz
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Zugang zur Steinwandklamm in Niederösterreich
Der Zugang zur Steinwandklamm wirkt auf den ersten Blick mächtig und Respekt einflößend
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Holzstege und Felswände in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Zwischen riesigen Felswänden geht es auf einem Holzsteg durch die Klamm
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Wanderweg in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Zur Zeit der Schneeschmelze und nach anhaltenden Regenfällen führt der Klammbach Wasser
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Abzweigung zum Rudolf-Decker-Steig in der Steinwandklamm in Niederösterreich
An dieser Weggabelung müsst ihr euch entscheiden: links der Rudolf-Decker-Steig (anspruchsvoll) oder rechts ein normal weiterführender Wanderweg
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Wanderweg durch die Steinwandklamm in Niederösterreich
Diesen idyllischen Blick gibt es, wenn ihr geradeaus dem normalen Weg folgt und euch die Steiganlage ersparen wollt
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Wasserfall in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Diese Stelle in der Steinwandklamm kommt verständlicherweise nur bei genügend Wasser im Bach so richtig schön zur Geltung
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Leiter am Rudolf-Decker-Steig in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Gehen wir aber wieder ein Stück zurück zur Abzweigung zum Rudolf-Decker-Steig und folgen nun diesem Weg, der gleich zu Beginn über eine Leiter vier Meter in die Höhe führt
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Wanderweg am Rudolf-Decker-Steig in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Über steile Holzstufen geht es dann etliche Höhenmeter hinauf zu einer imposanten Felswand
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Leiter am Rudolf-Decker-Steig in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Der erste Anblick der 15 Meter hohen Leiter (rechts) wird euch garantiert in Erinnerung bleiben – ihr könnt aber auch die kleinere Leiter (links) nehmen, die relativ harmlos ist
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15-Meter-Leiter am Rudolf-Decker-Steig in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Ich entschied mich für den Aufstieg über die 15-Meter-Leiter, die fast senkrecht in die Höhe führt und nichts für schwache Nerven ist
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Wildschützenhöhle am Rudolf-Decker-Steig in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Oben angekommen kriecht man in die Wildschützenhöhle, in der früher Wilderer hausten
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Rudolf-Decker-Steig in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Über den zweiten Ausgang der Wildschützenhöhle verlässt man vorsichtig den engen Bereich und blickt nach einigen Metern zurück auf die gerade erklommene lange Leiter
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Leiter am Rudolf-Decker-Steig in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Durch teils enge Stellen und kleinere Leitern führt der Rudolf-Decker-Steig weiter durch die Steinwandklamm
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Höhle am Rudolf-Decker-Steig in der Steinwandklamm in Niederösterreich
An einer Stelle ist es notwendig, fast kriechend in eine Höhle zu gelangen, die durchquert werden muss
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Türkenloch in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Nachdem sich der Rudolf-Decker-Steig und der normale Weg wieder vereint haben, geht es in die nächste Höhle – nämlich das Türkenloch
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Türkenloch in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Im Türkenloch ist es ziemlich finster und man muss sich erst an die Dunkelheit gewöhnen, bevor man über eine Treppe dem Weg hinaus folgt
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Ausgang des Türkenlochs in der Steinwandklamm in Niederösterreich
So sieht der Ausgang des Türkenlochs von oben aus
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Wanderweg in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Nur einige Höhenmeter weiter ist es fast geschafft und man erhält von einem Felskamm aus eine schöne Aussicht auf die umliegenden Wälder
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Gasthaus Jagasitz nach der Steinwandklamm in Niederösterreich
Das Etappenziel ist das Gasthaus Jagasitz, wo man sich nach der Anstrengung eine verdiente Stärkung gönnen kann
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Schneebergblick vom Gasthaus Jagasitz in der Steinwandklamm in Niederösterreich
Nach einem letzten großartigen Blick auf den Schneeberg geht es über eine Forststraße zurück zum Ausgangspunkt der Steinwandklamm
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FAZIT

Eine Wanderung durch die Steinwandklamm in Niederösterreich ist ein aufregendes Erlebnis und sehr empfehlenswert! Die Schlucht ist sowohl bei Wasserführung des Baches, aber auch bei Trockenheit ein echtes Naturjuwel, das auf jedem Schritt spannende Momente garantiert. Für Abenteurer gibt es den Rudolf-Decker-Steig, der durch seine hohen Leitern und engen Höhlen für Adrenalinschübe sorgt. Wer sich das nicht zutraut, kann aber auch auf einem normalen Wanderweg diesen etwas anspruchsvolleren Bereich umgehen. Egal wie man sich entscheidet: Die Durchquerung des Türkenlochs sorgt in jedem Fall für ein tolles Ende eines wirklich grandiosen Ausflugs. Wenn ihr die Wanderung gemacht habt, dann schreibt mir doch einen Kommentar mit euren Gedanken zur Steinwandklamm! 🙂

 

Steinwandklamm in Niederösterreich: Erfahrungsbericht zur abenteuerlichen Wanderung durch die Schlucht mit Rudolf-Decker-Steig und Türkenlochhöhle.Steinwandklamm in Niederösterreich: Erfahrungsbericht zur abenteuerlichen Wanderung durch die Schlucht mit Rudolf-Decker-Steig und Türkenlochhöhle.

4 Kommentare

  1. Robert Hailwax sagt: Antworten

    DANKE für Deinen, wie immer interessanten und super fotografierten Beitrag der Erinnerungen an meinen (leider) letzten Besuch der Steinwandklamm vor ca. 60 Jahren wach werden läßt.

    1. Das freut mich, Robert! Wahnsinn, was sich in 60 Jahren alles in der Klamm verändert haben muss!

      Viele Grüße,
      Christian

  2. Petra sagt: Antworten

    Hi Christian!
    Du hast dir hier eine wirklich ganz ganz tolle Seite geschaffen! Respekt!
    Viele Grüße
    Petra

    1. Vielen lieben Dank Petra! 🙂

      Liebe Grüße
      Christian

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