Košice: Zugfahrt ins Unbekannte

Wenn es um Reisen in die Slowakei geht, liest man fast immer nur von einer Stadt – Bratislava. Fast scheint es so, als würde sich alles ausschließlich um die Hauptstadt drehen. Doch ganz im Osten „versteckt“ sich mit Košice die zweitgrößte Stadt des Landes. Durch eine neue Direktverbindung vom Wiener Hauptbahnhof aus wurde ich auf die allgemein eher unbekannte Destination aufmerksam und nach kurzer Recherche stand für mich auch schon fest: da muss ich hin! In diesem Blogartikel nehme ich euch deshalb mit auf eine kulinarische Zugfahrt und zeige euch die Highlights des aus meiner Sicht völlig unterschätzten Košice. 🙂

Dieser Artikel wurde zuletzt am 01. Oktober 2019 aktualisiert.

Košice (Kaschau)

FAKTEN

Reisezeit: September 2019 (3 Tage, 2 Übernachtungen)
Anreise: Mit dem Zug von Wien Hauptbahnhof nach Bratislava hlavná stanica, dann mit dem Intercity weiter nach Košice žel. st. (Wien-Bratislava 1:06 h, Bratislava-Košice 4:44 h). Mehr Details dazu weiter unten im Text.
Unterkunft: Hotel Yasmin**** (Tyršovo nábrežie 1675/1, Zimmer buchen*): großes Hotel, 10 Gehminuten vom Bahnhof entfernt, gute Lage am westlichen Ende der Innenstadt, Aussicht vom Zimmer nur auf die Umgebung, dafür aber vom Treppenhaus aus eine nette Sicht auf die Altstadt. Gebuchte Kategorie Junior Suite (weil nichts anderes mehr frei), welche sehr geräumig ist und ein Vorzimmer mit Schreibtisch, Wohnzimmer, Schlafzimmer sowie ein Bad beinhaltet. Einrichtung im Stile der 50er, zwei TV-Geräte, Minibar, Safe, sehr schnelles WLAN (auch Upload), bequeme Betten, Espressomaschine. Gute Dusche mit Badewanne, wenn auch etwas eng. Frühstücksbuffet überdurchschnittlich gut mit warmen und kalten Speisen. Weiterempfehlung? JA
Weitere schöne Hotels in Košice findet ihr auf meiner bevorzugten Buchungsplattform booking.com*.

TRANSPARENZHINWEIS

*Die mit Stern gekennzeichneten Verweise in diesem Blogartikel sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn euch mein Blogartikel bei der Planung eurer Reise geholfen hat, freue ich mich, wenn ihr über diese Links eure Unterkunft oder Freizeitaktivitäten bucht. Ich erhalte dadurch eine kleine Provision und ihr unterstützt den Erhalt dieses Blogs. Für euch entstehen dabei selbstverständlich keine Nachteile. Vielen Dank! 🙂

 

Panoramaaufnahme von Košice

Per Blogartikel nach Košice

Es gibt sie noch, die feinen Überraschungen auf der Suche nach neuen Destinationen! Als ich im Internet über den Blog Train Tracks stolperte, musste ich gleich in den Artikeln stöbern. Zugfahren ist für mich – nach zeitlicher Möglichkeit – die bevorzugte und die entspannteste Art zu reisen. Ein Beitrag ließ mich auch Wochen nach dem Lesen nicht mehr los, nämlich die Zugfahrt nach Košice (den Beitrag könnt ihr hier aufrufen: Speisewagen Slowakei: Es brutzelt auf dem Weg nach Košice). Ich wusste zwar, dass es seit Dezember 2018 von Wien aus eine neue Direktverbindung in die zweitgrößte Stadt der Slowakei gibt. Die Entscheidung, diesen Zug dann auch tatsächlich zu nutzen, fiel jedenfalls definitiv mit den tollen Fotos und der lebhaften Beschreibung des Artikels auf dem Blog Train Tracks.

Die bewegte Geschichte von Košice

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir Košice vor dem Lesen des Blogartikels nicht wirklich interessant erschien – was für eine Fehleinschätzung! Ich wusste nur, dass die Stadt scheinbar unendlich weit im Osten der Slowakei liegt und nach der Hauptstadt Bratislava das zweite Ballungszentrum des Landes ist. Die Geschichte der Stadt ist jedenfalls bewegt: erstmals 1230 erwähnt, damals noch Teil von Ungarn, wuchs Košice dank seiner strategisch günstigen Lage an einem internationalen Handlungsweg rasch. Über die Jahrhunderte war die Stadt Schauplatz vieler Kriege und später dann Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Wechselbad der Gefühle

Gerade die Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie sieht man Košice noch heute extrem stark an. Wenn man durch die historische Innenstadt schlendert, fühlt man sich unweigerlich an die Architektur von Wien und Budapest erinnert. Nach dem Zerfall der Monarchie ging die wechselhafte Zugehörigkeit von Košice weiter: einmal Teil der Tschechoslowakei, dann der Slowakischen Räterepublik, dann von Ungarn, erneut gefolgt von der Tschechoslowakei und schließlich der heutigen Slowakei. So schön erhalten die Innenstadt ist, so stark erinnern die rundherum liegenden, monotonen Wohnblöcke an die Nachkriegszeit, als Košice Teil des Ostblocks und die Stahlindustrie ein wichtiger Wirtschaftszweig wurde. Das ist übrigens bis heute so: das Stahlwerk ist Arbeitgeber für mehr als Zehntausend Menschen in der Stadt.

Warum du nach Košice musst!

Osteuropa übt generell eine große Faszination auf mich aus. Das Alltagstreiben wirkt oftmals wesentlich unaufgeregter als im Westen, die Geschichte ist an vielen Ecken spür- sowie sichtbar und die Menschen erscheinen mir freundlicher und aufgeschlossener. Košice punktet hier gleich mit mehreren Faktoren: die etwas abgeschiedene Lage im äußersten Osten der Slowakei (nur 20 Kilometer von Ungarn und 60 Kilometer von Polen bzw. der Ukraine entfernt) lockt entsprechend wenige Touristen an, das Stadtleben ist authentisch und die Mischung aus jungem sowie älterem Publikum mehr als angenehm. Lautes Gegröhle und Geschreie, wie man es aus Partystädten kennt, fehlt hier komplett. Das heißt aber nicht, dass nichts los wäre – ganz im Gegenteil!

Košice – eine lebendige Stadt

Košice erlebte ich als äußerst lebendige Stadt mit regem Kulturangebot – nicht umsonst war sie 2013 Kulturhauptstadt Europas. Das Nachtleben spielt sich in der Innenstadt hauptsächlich rund um die zur Fußgängerzone umgewandelte, ein Kilometer lange Hauptstraße Hlavná ulica ab, wo sich neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten weiters eine Vielzahl an Restaurants, Bierlokalen, Weinstuben und Bars aneinanderreiht. Beginnend mit der attraktiven Anreise per Zug möchte ich euch nun nachfolgend meine Highlights aus drei Tagen Košice im Detail vorstellen!


Speisewagen der slowakischen Bahn nach Košice

Im Speisewagen nach Košice

Wie zu Beginn erwähnt, war die Zugfahrt nach Košice im Speisewagen der Auslöser für die Reise. Gemeinsam mit einem Freund sah ich mir die möglichen Verbindungen an. Der (einzige) Direktzug von Wien aus wäre zwar die bequemste Variante ohne Umsteigen gewesen, allerdings weist dieser äußerst ungünstige Fahrzeiten auf. Die Ankunft in Košice ist erst gegen 21 Uhr, was uns viel zu spät war. Auch die Rückfahrt ist schon zeitig um 7 Uhr in der Früh – damit verliert man also durch die Zugzeiten fast zwei volle Tage. Wir entschieden uns deshalb, bereits morgens mit einem stündlich verkehrenden Regionalzug von Wien nach Bratislava zu fahren und dort mit einem der zahlreichen Schnellzüge weiter nach Košice zu gelangen.

Der Direktzug Wien – Košice

Falls euch der Direktzug interessiert, gebe ich euch hier die genauen Fahrzeiten (Stand Herbst 2019). Abfahrt von Wien Hauptbahnhof täglich um 14:42 Uhr, Ankunft in Košice um 20:42 Uhr. Die Rückfahrt startet in Košice um 7:11 Uhr und endet in Wien Hauptbahnhof um 13:22 Uhr. Auch diese Variante war uns zu ungünstig, weswegen wir bei der Rückreise einen späteren Intercity nach Bratislava nahmen und von dort per Regionalzug zurück nach Wien fuhren.

 

Der fehlende Speisewagen

Natürlich informierten wir uns auf der Webseite der slowakischen Bahn vorab, ob unser gewählter Schnellzug auch einen Speisewagen mitführen würde. Wie es die Realität so will, war dann vor Ort zu unserem großen Ärger kein Speisewagen angekoppelt. Nachdem dies aber unser primärer Reisegrund war, entschieden wir uns, in der nächstgrößeren Stadt wieder auszusteigen. So machten wir einen Zwischenstopp in Trnava, wo wir uns gleich für den nachfolgenden Intercity neue Tickets kauften – mit einem Preis von etwas mehr als 20 Euro war der Verlust verschmerzbar. Nach einer kurzen Bierpause in der Fußgängerzone von Trnava ging es dann tatsächlich im Speisewagen weiter in Richtung Košice. 🙂

Speisewagen im alten Stil

Der Speisewagen der slowakischen Bahn ist in drei Bereiche aufgeteilt: Sitzplätze mit schön gedeckten Tischen, wie man sie aus der Vergangenheit kennt, in der Mitte die Küche und auf der anderen Seite Barhocker sowie drei Rundtische zum Sitzen und Trinken. Alles in allem kein Vergleich zu den unfassbar eintönigen und sterilen Speisewagen der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen). Nach dem Einsteigen ergatterten wir gerade noch zwei Barhocker, denn die übrigen Plätze waren komplett besetzt. Nach der nächsten Station hatten wir aber schon unseren gewünschten Zweiertisch, an dem wir die restlichen vier Stunden der Fahrt zelebrierten.

Frisch gekocht im Zug

Empfehlen kann ich das slowakische Bier Staničná 10, welches passenderweise in der Bahnhofsbrauerei von Košice gebraut wird. Es lässt sich leicht trinken und weist auch nur einen Alkoholgehalt von 4,1 % auf. In der Speisekarte, die auch auf Englisch und Deutsch angeschrieben ist, bot sich eine große Auswahl an slowakischen und internationalen Speisen. Zu erwähnen ist, dass alle Speisen frisch zubereitet werden. Und das schmeckt man auch! Wir starteten mit einer kräftigen Bohnensuppe, gefolgt von der slowakischen Spezialität Černohorský rezeň – ein Schnitzel, umhüllt von einem Kartoffelpuffer. Sehr deftig, aber geschmacklich 1A! Als Nachspeise durfte die Honigtorte Marlenka nicht fehlen, welche sich bei der Hin- und Rückfahrt etwas unterschied. Einmal wurde mir Marlenka mit Kakaogeschmack und einmal mit Nüssen serviert – beides ein Hochgenuss!

Die Ankunft in Košice

Das Schöne in einem Speisewagen ist, wie schnell die Zeit einfach verrinnt. Draußen veränderte sich die Landschaft immer mehr in ein grünes Paradies, je weiter wir in Richtung Košice kamen. Immerhin ist im Osten der Slowakei an der Grenze zu Polen die Hohe Tatra zu finden – eine tolle Möglichkeit für Wanderer, das Gebirge von Košice aus zu erkunden. Ab der Stadtgrenze stechen einem bei der Einfahrt in Richtung Bahnhof die riesigen Wohnblöcke ins Auge, die bis auf die angrenzenden Hügel gebaut wurden. Wären sie nicht bunt angemalt, wäre der erste Eindruck aufgrund der Plattenbauten wohl desaströs – so aber übertünchen die Farben die Realität. Lasst euch davon aber nicht abschrecken, denn Košice hat eben auch eine sehr schöne Seite!

Fotospots

 


Dom der Heiligen Elisabeth und Michaelkapelle

Dom der Heiligen Elisabeth

Inmitten des Stadtzentrums steht mit dem Dom der Heiligen Elisabeth (Dóm svätej Alžbety) nicht nur ein Wahrzeichen von Košice, sondern auch eines der schönsten Gebäude. Sie ist die größte Kirche der Slowakei und die östlichste gotische Kathedrale in Europa. Mit dem Bau begann man 1380 und 1508 fand die Vollendung statt. Schon von außen zahlt sich eine Umrundung und genauere Betrachtung der Fassadenteile aus. Die wahren Schätze befinden sich aber natürlich im Inneren.

Kunstschätze im Dom von Košice

Hervorzuheben sind dabei etwa der enorm sehenswerte Elisabeth-Altar, der aus 48 Tafelgemälden besteht. Das Königstreppenhaus mit seiner gotischen Zwillingswendeltreppe – von der es nur fünf in Europa gibt – übersieht man leicht, da der Zugang nicht immer geöffnet ist. Ich konnte aber zumindest im Ansatz die besondere Treppe besichtigen. Gleich ins Auge sticht beim Betreten des Doms über das nördliche Portal das riesige Relief „Das Letzte Gericht“. Es zeigt in zwei Reihen eine mittelalterliche Interpretation des Jüngsten Gerichts. Falls möglich, solltet ihr auch einen kurzen Abstecher in die Krypta machen, deren Zugang sehr unscheinbar auf der linken Seite ist.

Aussicht vom Domturm

Außerhalb des Doms ist links neben dem Haupteingang eine kleine Tür, die Zugang zur engen Wendeltreppe auf den Kirchturm bietet. Der Eintritt kostet EUR 2,- und ist den Aufstieg wirklich wert. Kurz bevor ihr oben ankommt, lohnt noch ein kleiner Abstecher zu den Glocken und dem historischen Uhrwerk. Vom Aussichtsbalkon präsentiert sich dann Košice in alle Himmelsrichtungen – ein traumhafter Anblick! Besonders schön empfand ich das Dach der Kirche, welches mit seinen bunten Ziegeln ein großartiges Fotomotiv abgibt.

Die St.-Michael-Kapelle

Rechts neben dem Dom der Heiligen Elisabeth befindet sich die zugehörige St.-Michael-Kapelle (Kaplnka svätého Michala). Sie wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut und diente als Grabkapelle für den Dom. Bis 1771 war rundherum ein Friedhof angelegt, der dann aber aufgelassen und durch einen Park ersetzt wurde. Ich hoffe ihr habt Glück und die denkmalgeschützte Kapelle ist geöffnet, denn das Innere ist ebenso wie der Dom wunderschön anzusehen.

Fotospots

Zwei geniale Fotospots mit dem Dom im Hintergrund bieten sich euch von den Gassen Mlynská und Alžbetina.

 


Der bunt beleuchtete Singende Brunnen in Košice

Singender Brunnen

Der Singende Brunnen (Spievajúca fontána) befindet sich im Park zwischen dem Dom der Heiligen Elisabeth und dem imposanten Staatstheater Kaschau (Štátne divadlo Košice). Der Springbrunnen ist geradezu ein magischer Anziehungspunkt für Touristen wie Einheimische. Zahlreiche Sitzgelegenheiten laden dazu ein, einfach dem sprudelnden Wasser zuzusehen und den Moment zu genießen. Errichtet wurde er noch zu Zeiten der Tschechoslowakei 1986 und später dann zum heutigen Aussehen umgebaut.

Farbenspiel am Abend

In den Sommermonaten erklingt rund um den Singenden Brunnen wechselnde Musik, zu deren Klängen die Wasserfontänen auf- und abhüpfen. Jede Stunde „tanzt“ das Wasser zu den Klängen des Glockenspiels aus der Domkirche nebenan. Richtig spektakulär wird es dann abends nach Einbruch der Dunkelheit – diesen Anblick solltet ihr euch nicht entgehen lassen! Sobald es finster genug ist, erstrahlt der Brunnen in bunten Farben, die ständig wechseln. Gemeinsam mit dem Staatstheater im Hintergrund ergeben sich so unvergessliche Erinnerungsfotos. Nicht umsonst habe ich dieses Motiv als Titelbild für den Blogbeitrag gewählt. 🙂

Fotospots

 


ESSEN UND TRINKEN IN KOŠICE

In Košice gibt es eine enorme Vielzahl an Brauereilokalen, aber auch an Weinstuben. Mein absoluter Favorit war Pivovar Hostinec (Hlavná 91/65), in dem uns der Besitzer persönlich die Hausbiere erklärte. Ich probierte ein Sauerbier und war vom süffigen Geschmack wirklich überrascht. Das helle Lagerbier ist aber auch wunderbar zu trinken. Ich bestellte mir noch Hauswürstel mit süßem Senf und Brot – ein idealer Begleiter zum Bier.

Ein weiteres Bierlokal mit eigenem Hausbier ist Pivovar Golem (Dominikánske námestie 592/15) auf dem Dominikanerplatz. Dort sitzt man entweder in der gemütlichen Stube oder vor dem Lokal und blickt direkt auf die Dominikanerkirche. Das helle Bier hatte für meinen Geschmack einen etwas seltsamen Beigeschmack, das dunkle mochte ich aber sehr!

Noch ein nettes Lokal an der Hauptstraße, in dem man drinnen wie draußen gemütlich sein Bier oder aber auch einen guten Wein zelebrieren kann: das Barrique – Pivotéka & Vinotéka ().

Apropos Dominikanerplatz: Das San Domenico Caffe (Dominikánske námestie 599/3) ist ein nettes Café direkt neben einem kleinen Brunnen, wo es sich bei Kaffee und Kuchen auch gut aushalten lässt.

Und noch ein dritter Tipp für den Dominikanerplatz. 😉 Ein authentisches slowakisches Restaurant mit lokalen Speisen ist die Villa Regia (Dominikánske námestie 3), deren Zugang leicht mit dem vorhin erwähnten Café verwechselt werden kann. Das Restaurant befindet sich aber hinten im Haus im ersten Stock. Wir probierten dort einerseits als Vorspeise Pirohy (Piroggi mit Hühnerfleisch) und danach das Nationalgericht Bryndzové halušky (Brimsennockerl mit Schafkäse und Speck). Ein für mich sehr untypischer Geschmack, aber mit jedem Bissen schmeckte mir das Essen besser!

Allgemein aufgefallen ist mir, dass die kleinen Pizzalokale wahnsinnig gut angenommen werden. Wir probierten selbst ein Stück bei BigPizza () aus – danach verstand ich, warum so viele Menschen dort ein- und ausgingen. 😉

Ein Absacker lässt sich super in der Tabačka Kulturfabrik (Gorkého 2) einnehmen, die praktischerweise direkt gegenüber von unserem Hotel Yasmin* liegt. Die ehemalige Fabrik wurde zu einem Kulturzentrum umfunktioniert und bietet mit einem Lokal inklusive ruhigen Innenhof eine tolle Atmosphäre, um am Tagesende noch schnell ein Bier zu genießen.

 


Historische Gebäude auf der Hauptstraße Hlavná ulica in Košice

Highlights auf der Hauptstraße von Košice

Auf der ewig lang erscheinenden Hauptstraße Hlavná ulica reihen sich wie bereits erwähnt die sehenswerten Gebäude nebeneinander auf. Die wichtigsten davon stelle ich euch hier vor – sie lassen sich alle bei einem gemütlichen Spaziergang untertags oder abends wunderbar erkunden. Übrigens: vielleicht wundert ihr euch über die verwaisten Straßenbahnschienen, die ziemlich dominant den Platz mitprägen. Bis Mitte der 90er-Jahre gab es auf dem Hauptplatz (bzw. eigentlich der Hauptstraße) Durchzugsverkehr, bevor die Umwandlung in eine Fußgängerzone erfolgte. Die Schienen erinnern an die Zeit, als noch Pferde die Straßenbahn zogen. Nachfolgend seht ihr einige Impressionen – besonders schön sind die Jugendstilbauten!

Fotospots

 

Unteres Tor

Das Untere Tor (Dolná brána) bezeichnet einen unterirdischen Museumskomplex, in dem Teile der alten Stadtbefestigung besichtigt werden können. Gefunden wurden die archäologischen Überreste während des Umbaus des Hauptplatzes 1996. Geöffnet ist das Museum von Mai bis zum ersten Oktobersonntag. Während unseres Besuchs war es allerdings nur teilweise zugänglich, weil im Inneren das jährliche Weinfest (Mitte September) veranstaltet wurde. Natürlich ließen wir uns das nicht entgehen! In den Fotos seht ihr aber deshalb hauptsächlich Besucher und nur wenig Archäologie. 😉

Fotospots

 

Altes Rathaus

Das historische Alte Rathaus (Stará radnica) zeugt noch heute von der ehemals großen Bedeutung von Košice. Das neoklassizistische Gebäude weist eine detailreiche spätbarocke Fassade auf und wurde 1780 erbaut. Im Giebel ist das Stadtwappen eingearbeitet – sehr sehenswert! Im Inneren werden mittlerweile natürlich keine Sitzungen mehr abgehalten. Das Alte Rathaus dient heute repräsentativen Zwecken, der Unterbringung der Stadtbibliothek und als Touristeninfo. Schaut auf jeden Fall mal hinein, denn in der Info gibt es jede Menge Folder und Inspiration für Erlebnisse in und rund um Košice.

Fotospots

 

Urban-Turm

Den 45 Meter hohen Urban-Turm (Urbanova veža) hätte ich genau genommen eigentlich schon früher im Absatz über den St.-Elisabeth-Dom erwähnen können. Es handelt sich bei diesem Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert nämlich um den zugehörigen Glockenturm, weshalb er logischerweise auch direkt neben der Kirche steht. Der Turm brannte mehrmals aus, zuletzt 1966. Eine Rekonstruktion der dabei zerstörten Glocke „Urban“ steht als Erinnerung direkt davor. Sehenswert ist der Arkadengang und die darin eingelassenen Grabsteine aus dem 14.-17. Jahrhundert. Im Inneren des Urban-Turms ist übrigens ein Wachsfigurenmuseum mit Persönlichkeiten aus der Slowakei untergebracht, das allerdings nur nach Voranmeldung geöffnet wird.

Fotospots

 

Zeichenbrunnen und Pestsäule

Auf der Rückseite des Staatstheaters gibt es noch einen weiteren Brunnen, nämlich den Zeichenbrunnen (Fontána znamení) – auch unter dem Namen Unbefleckter Brunnen bekannt. Er ist zwar recht klein und nicht so spektakulär wie der Singende Brunnen auf der anderen Seite, aber trotzdem ein netter Ort zum Verweilen. Nachdem der Brunnen während meines Besuchs nicht in Betrieb war, konnte ich die Spiegelung des Theaters im stillen Wasser einfangen. Dahinter steht noch die barocke Pestsäule der unbefleckten Jungfrau Maria Immaculata (Súsošie Immaculata – Morový stĺp), welche wie in vielen anderen Städten an das Ende der Pest 1710 erinnert.

Fotospots

 


Der Dominikanerplatz in Košice

Abseits der Hauptstraße von Košice

Natürlich spielt sich nicht alles nur auf der Hauptstraße ab. 😉 Verlässt man die Straße über eine der zahlreichen kleinen Nebengassen, stößt man auf weitere interessante Bauwerke. Nachdem ich die meisten davon leider nur von außen besichtigen konnte, fasse ich sie hier in diesem Absatz schnell zusammen. Sehr schön zum Ansehen ist beispielsweise das Ostslowakische Museum (Východoslovenské múzeum), in dem die Geschichte von Košice sowie weitere Ausstellungen präsentiert werden. Im Keller befindet sich in einem Tresor der berühmte Goldschatz. Dabei handelt es sich um einen Fund aus dem Jahr 1935, der ca. 3.000 Golddukaten und jede Menge Münzen aus dem 15.-17. Jahrhundert umfasst.

Fotospots

 

Jakabpalast

Ein unglaublich prachtvolles Haus ist der Jakabpalast (Jakabov palác), an dem man automatisch vorbeikommt, wenn man vom Bahnhof in die Innenstadt geht. Das Gebäude war der private Wohnsitz des Baumeisters Peter Jakab, der das Staatstheater und das Ostslowakische Museum erbaute – dekadenter kann man seinen Reichtum schwer nach außen präsentieren. 😉 Im April 1945 wurde der Palast zum Sitz des damaligen Präsidenten der Tschechoslowakei, Edvard Beneš. Heute ist das beeindruckende Bauwerk leider für die Öffentlichkeit geschlossen.

Fotospots

 

Die Synagogen von Košice

Ich sehe mir normalerweise aus architektonischer Sicht sehr gerne das Innere von Synagogen an. Das ist aber vor Ort in Košice nicht ohne Voranmeldung möglich (Infos auf der Webseite kehilakosice.sk). Nachdem ich mich für einen Besuch nicht auf eine genaue Uhrzeit festlegen wollte, musste ich mich mit den Außenansichten begnügen. Die Neue orthodoxe Synagoge (Synagóga na Puškinovej ulici) in der Straße Puškinova beeindruckt schon, ohne überhaupt das Gebäude betreten zu haben. Die unweit befindliche Alte Synagoge (Stará synagóga) in der Gasse Zvonárska dagegen ist sehr unscheinbar, da sie eingebettet von anderen Häusern steht und nicht sofort auffällt.

Fotospots

 

Dominikanerkirche

Die Dominikanerkirche (Kostol dominikánov) ist die älteste Kirche in Košice und sollte von euch unbedingt zumindest kurz besichtigt werden. Sie steht auf dem Dominikanerplatz (Dominikánske námestie), der generell ein sehr netter Ort ist und mit seinen Lokalen lockt. In der Dominikanerkirche sticht die unglaublich schöne Deckenmalerei ins Auge, die 1750-1758 von Štefan Voroš geschaffen wurde. Aufgrund einer Messe konnte ich mich leider nicht umsehen und beließ es bei einem schnellen Foto.

Fotospots

 

Gewerbegässchen

Ein wenig enttäuscht war ich ehrlich gesagt vom Gewerbegässchen (Hrnčiarska). Diese kleine Gasse wird als Ort beworben, wo sich das Mittelalter noch nachempfinden lässt. In zahlreichen Läden kann man Handwerkern bei ihrer Arbeit zusehen und auch gleich etwas Passendes kaufen. Als ich durch die Gasse flanierte, sah alles trotz Wochentag irgendwie geschlossen bzw. wenig attraktiv aus. Vielleicht habt ihr ja mehr Glück bei eurem Besuch!

Fotospots

 

ALLGEMEINE TIPPS

Der Bahnhof von Košice ist rund zehn Minuten Fußweg von der Innenstadt entfernt. Ich sah eigentlich keine Notwendigkeit, auf die öffentlichen Verkehrsmittel oder Taxis zurückzugreifen, da sich wirklich alles bequem zu Fuß erkunden lässt.

Da vor dem Bahnhof eine Menge Straßenbahnen und Busse warten, trotzdem ein kurzes Wort dazu: es gibt in Košice 15 Straßenbahnlinien, die hauptsächlich die Außenbezirke mit der Innenstadt verbinden. Allein acht Linien sind Zubringer vom und zum Stahlwerk – das alleine zeigt die Bedeutung der Stahlindustrie für die Stadt. Für Touristen hat die Tram aber wie erwähnt keine große Bedeutung.

Wenn ihr Zeit habt, macht vom Bahnhof aus einen kurzen Abstecher in den benachbarten Stadtpark (Mestský park). Wenn ihr wie wir das Hotel Yasmin* bucht, ist der Weg durch den Park die schnellste Variante, um zum Hotel zu gelangen. Der Park ist nicht nur sehr ruhig und bezaubernd, sondern bietet einen weiteren Springbrunnen mit Wasserspielen.

Wie in vielen anderen Städten, gibt es auch in Kosice die bei Touristen so beliebte Regenschirmgasse. Wenn ihr also ein buntes Erinnerungsfoto benötigt, dann ab zum Durchgang an der Adresse Halmiho Dvor. 😉

Am östlichen Zugang des gerade erwähnten Durchgangs gibt es übrigens einen kleinen Musikladen namens Rock Music Shop (Zvonárska 149/12) mit Schallplatten, Kassetten und sonstigen Tonträgern aus aller Welt. Super für Nostalgiker!

 

FAZIT

Die Fahrt nach Košice hat sich voll ausgezahlt und ist ein heißer Tipp für euch, wenn ihr mal einen Städtetrip abseits der Masse sucht. Alleine die Anreise im Speisewagen der slowakischen Bahn ist durch die schmackhaften Speisen ein genüssliches Erlebnis und lässt die Stunden wie im Flug vergehen. Die Sehenswürdigkeiten in Košice sind zwar überschaubar, dafür bleibt aber mehr Zeit, um sich durch die Bierlokale und Restaurants zu testen. 😉 Die zur Fußgängerzone umfunktionierte, rund ein Kilometer lange Hauptstraße ist mit ihren zahlreichen Gebäuden ein absoluter Blickfang und bleibt euch nach einem Besuch garantiert für immer im Gedächtnis! Schreibt mir doch in den Kommentaren, wie euch Košice gefallen hat! 🙂

 

Zugfahrt nach Košice/Slowakei: Reiseberichte mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.Zugfahrt nach Košice/Slowakei: Reiseberichte mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.

4 Kommentare

  1. Hallo Christian,
    vielen Dank für die netten Worte; es freut mich sehr, dass dich unser Artikel auf Train Tracks zu der Reise inspiriert hat! Dein Bericht ist toll geworden und ich liebe deine Fotos! 🙂
    Viele Grüße,
    Sebastian

    1. Danke Sebastian! 🙂

      Viele Grüße
      Christian

  2. Reisen mit dem Zug ist etwas ganz besonderes, in einem unbekannten Land noch viel mehr.
    Danke für das mitnehmen.

  3. Frank sagt: Antworten

    sehr interessanter Bericht & tolle Fotos .
    Danke dafür…

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