FOR FOREST: Ein Wald im Stadion

Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt

Stell dir vor, du gehst in ein riesiges Stadion und siehst das Spielfeld vor lauter Bäumen nicht mehr. Dieses Bild bot sich mir im Wörtherseestadion von Klagenfurt, in dem für exakt sieben Wochen die Kunstinstallation „FOR FOREST – Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ für internationales Aufsehen sorgte. Großes Staunen, ungläubige Blicke, heiße Diskussionen und helle Aufregung – all das löste das Projekt in den Medien und bei den Besucherinnen sowie Besuchern aus. In diesem Blogartikel zeige ich euch, was wirklich hinter dem Wald im Stadion steckt.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Oktober 2019 aktualisiert.

FOR FOREST / KLAGENFURT

FAKTEN

Projektname: „FOR FOREST – Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“
Zeitraum: 08. September bis 27. Oktober 2019
Ort: Wörtherseestadion, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Anzahl Bäume: 299
Höhe Bäume: ca. 8-14 Meter
Baumalter: zwischen 40-60 Jahre
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Panorama der Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt

Eine Zeichnung wird Realität

Wie kommt man auf die Idee, einen Wald mitten in einem Stadion anzupflanzen? Es brauchte einen Visionär und eine Person, welche diese Vision tatsächlich umsetzt. Die Grundlage für die außergewöhnliche Kunstinstallation FOR FOREST bildet eine Bleistiftzeichnung des Tiroler Architekten Max Peintner aus dem Jahr 1970/71. Darauf sieht man ein offenes, riesiges Stadion, in dessen Mitte Dutzende Bäume stehen. Die Menschen auf den Tribünen blicken gebannt auf den Wald, als würde gerade ein spannendes Spiel stattfinden. Im Hintergrund baut sich eine Großstadt mit Hochhäusern auf. 49 Jahre später wurde diese Vision in Klagenfurt zur Realität.

Ein Kunstprojekt, das aufrüttelt

Peintners Bleistiftzeichnung mit dem Namen „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ ist eine dystopische Zukunftsvision, in der Natur nur noch als Ausstellungsstück betrachtet werden kann – ähnlich wie Tiere in einem Zoo. Der Denkanstoß hinter der Zeichnung ist umso bemerkenswerter wenn man bedenkt, dass das Problem des Waldsterbens erst in den 1980ern in der Allgemeinheit diskutiert wurde. Peintner war seiner Zeit also ein Jahrzehnt voraus. Nachdem das Kunstwerk derart stark zum Nachdenken anregt, fand es über die Jahre auch den Weg in zahlreiche Schulbücher in Europa.

Mischwald aus 299 Bäumen

Für die Umsetzung verantwortlich zeichnete der Kunstvermittler Klaus Littmann, als Landschaftsarchitekt konnte der Schweizer Enzo Enea gewonnen werden. 299 Bäume – darunter 16 verschiedene Baum- und 14 Pflanzenarten – wurden sorgfältig zu einem mitteleuropäischen Mischwald zusammengesetzt und im Wörtherseestadion präsentiert. Der Wald entwickelte sich mit der Zeit weiter, die Blätter verfärbten sich und zahlreiche Wildtiere wurden angezogen. Besucherinnen und Besucher konnten kostenlos täglich von 10:00 bis 22:00 Uhr zu verschiedenen Tageszeiten das Geschehen von den Tribünen aus verfolgen. Im Flutlicht wirkte der Wald natürlich komplett anders als im Sonnenlicht.

Keine Kunst ohne Aufregung

Ein Wald im Stadion ist von Natur aus schon Grund für Diskussionen: „Braucht man das?“, „Was das wieder kostet!“, „Muss so ein Blödsinn wirklich sein?“ 😉 Und wie es das Schicksal so will, sorgte ein weiterer Umstand für großes Unverständnis und helle Aufregung. Ausgerechnet im Jahr der Kunstinstallation qualifizierte sich mit dem Wolfsberger AC (WAC) erstmals ein Kärntner Fußballclub für die Gruppenphase der UEFA Europa League. Prominente Gegner wie Borussia Mönchengladbach, AS Roma und Istanbul Basaksehir FK ließen ein volles Haus erwarten. Nachdem das Stadion des WAC zu klein ist, wäre ein Ausweichen nach Klagenfurt in das Wörtherseestadion geplant gewesen. Tja … blöd gelaufen! So musste der Kärntner Club nach Graz ausweichen – mit einer wesentlich geringeren Stadionkapazität und einer längeren Anfahrt.

Ein Lokalaugenschein in Klagenfurt

Ich wollte mir das ungewöhnliche Kunstprojekt FOR FOREST auf keinen Fall entgehen lassen, denn so etwas sieht man nicht alle Tage. Gemeinsam mit meiner Freundin nutzte ich ein Wochenende, um nicht nur die Installation im Wörtherseestadion, sondern auch gleich Klagenfurt einen ausführlichen Besuch abzustatten. Was es in der Stadt am Wörthersee alles zu entdecken und zu probieren gibt, erfahrt ihr demnächst in einem eigenen Artikel. Nachfolgend zeige ich euch jetzt aber, wie der Wald im Stadion aussah und welche Ansichten sich von den Tribünen des Stadions aus boten. Viel Vergnügen dabei! 🙂

Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Das Wörtherseestadion in Klagenfurt, in dem die Kunstinstallation FOR FOREST eingesetzt wurde, wirkt von außen betrachtet wie ein riesiges UFO.
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Bleistiftzeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ von Max Peintner
Vorlage für das Kunstwerk war die Bleistiftzeichnung von Architekt Max Peintner mit dem Namen „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ (1970/71). Bild: ©Max Peintner
Panorama der Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Der erste Eindruck nach dem Betreten des Stadions war enorm und ließ mich sprachlos zurück.
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Bleistiftzeichnung von Max Peintner und Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Die Vorlage und die Umsetzung in der Realität. Ich finde, man kann sich gut in die Originalvorlage von Max Peintner hineinversetzen. Der Kunstvermittler Klaus Littmann fügte 2018 noch eine Handkolorierung der Bäume hinzu.
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Besucher in der Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Als Besucher wirkte man zwischen dem Wald und den Tausenden Sitzplätzen im Wörtherseestadion schnell wie ein verlorenes Objekt.
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Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Das Stadion konnte komplett umrundet werden und bot so den Besucherinnen und Besuchern immer wieder neue Perspektiven auf die Kunstinstallation FOR FOREST.
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Frankfurter Würstel in der Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Was gehört zu einem Fußballspiel dazu? Richtig, Frankfurter mit Senf, Kren und Semmel. Mit dem Unterschied, dass ich diesmal Bäumen und nicht Fußballern auf die Beine bzw. Wurzeln sah. 😉
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Besucher in der Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Blickt hier etwa Walter White a.k.a. Heisenberg auf die Kunstinstallation FOR FOREST? 😉
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Tagaufnahme und Nachtaufnahme der Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Ein direkter Vergleich, wie der Wald zu verschiedenen Tageszeiten sein Aussehen verändert: links vor Sonnenuntergang, rechts während der blauen Stunde und im Schein des Flutlichts.
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Panorama der Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Und so sieht das Wörtherseestadion zu später Stunde aus – ein beeindruckendes Bild, findet ihr nicht auch?
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Herbstfarben in der Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Einige wenige Bäume zeigten schon deutlich den Herbst an.
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Nahaufnahme der Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Sehr faszinierend war neben den verpflanzten Bäumen auch der Untergrund. Landschaftsarchitekt Enzo Enea sorgte mit seinem Team dafür, dass wirklich alles absolut authentisch wirkte – vom Farn bis zu den Sträuchern.
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Theaterstück "13. Gesang der Hölle" vor der Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
An einigen Tagen wurde die Kunstinstallation FOR FOREST als Hintergrund für verschiedene Inszenierungen genutzt, im Bild etwa Mitglieder des Klagenfurter Ensembles vor der Aufführung des Theaterstücks „13. Gesang der Hölle“.
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Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Ein Blick aus der ersten Reihe der Tribünen zeigte die volle Pracht der Bäume. Angenehm war auch der typische Waldgeruch, der sich im Stadion ausbreitete.
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Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion in Klagenfurt
Ein letzter Blick zurück, bevor die Kunstinstallation FOR FOREST im Wörtherseestadion von Klagenfurt auch schon wieder Geschichte war. Der Wald wird später 1:1 in der Nähe des Stadions verpflanzt und kann als „Waldskulptur“ dauerhaft besichtigt werden. Ergänzung: Am 28. Oktober 2019 wurde in einer Pressekonferenz durch Immobilienunternehmer Herbert Waldner bekanntgegeben, dass die Bäume nach Niederösterreich in das Tullnerfeld kommen. Das widerspricht den Plänen des Kunstvermittlers Klaus Littmann, weshalb es zu einem Zerwürfnis zwischen den beiden kam.
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FAZIT

Lange nicht mehr hat mich ein Kunstprojekt derart begeistert wie „FOR FOREST – Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“. Die dystopische Bleistiftzeichnung von Max Peintner fast 50 Jahre nach der Entstehung zum Leben zu erwecken, war einfach eine unglaublich spannende Sache. Die rund 300 Bäume im Klagenfurter Wörtherseestadion bildeten ein bizarres, ungewohntes Bild und luden die Besucherinnen und Besucher zum Nachdenken ein. Dass solch eine Installation naturgemäß auch die Kritiker auf den Plan ruft, empfinde ich als wichtig – denn es bringt die nötige Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit auf ein so wichtiges Thema wie den Naturschutz. Wie seht ihr dieses Projekt? War FOR FOREST ein Blödsinn oder eine sinnvolle Sache? Ich freue mich auf eure Gedanken in den Kommentaren!

 

FOR FOREST: Erfahrungsbericht zur Kunstinstallation

4 Kommentare

  1. Wow!
    Von diesem Projekt lese ich in Deinem Beitrag zum ersten Mal. Ich bin tief beeindruckt.
    Schade, dass die Aktion schon zu Ende geht. Bis zum 27.10.2019 schaffe ich es nicht mehr, mir das anzusehen.
    Herzlichen Dank für Deinen informativen Beitrag über diese Ausstellung.
    Viele Grüße
    Mandy

    1. Danke Mandy! Und das Projekt rüttelt auf jeden Fall auch auf, selbst wenn man es nicht persönlich gesehen hat.

      Viele Grüße
      Christian

  2. erschreckend, aufrüttelnd, genial – sieht so unsere Zukunft aus, Natur zum Betrachten wie im Zoo ? Obwohl ich nicht selbst dort war herzlichste Gratulation an den Künstler und all jene die dies ermöglicht haben. Einfach zum Nachdenken !!!

    1. Deinen Worten ist nichts hinzuzufügen, danke dafür!

      Viele Grüße
      Christian

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