Myrafälle: Das gerettete Naturjuwel

Wanderweg entlang der Myrafälle

Die Anziehungskraft von Wasser auf den Menschen ist ja allgemein bekannt. So verwundert es nicht, dass Naturschönheiten wie die Myrafälle in Niederösterreich eine besondere Anziehungskraft ausüben. Über mehrere Kaskaden stürzt dort der Myrabach in die Tiefe und erzeugt spektakuläre Wasserfälle. Warum die Myrafälle fast zerstört worden wären, was es während des Aufstiegs alles zu sehen gibt und wie ihr die Wanderung noch mit einer Erkundung des Haussteins perfektionieren könnt, zeige ich euch in diesem Blogbeitrag!

Dieser Artikel wurde zuletzt am 3. März 2020 aktualisiert.

Myrafälle

FAKTEN

Reisezeit: Oktober 2019 (Halbtagesausflug von Wien aus) sowie mehrere Male die Jahre davor
Anfahrt: Von Wien kommend über die A2 bis Ausfahrt Wöllersdorf, dann B21 bis Pernitz und den Wegweisern zu den Parkplätzen bei den Myrafällen folgen (ca. 1:00h). Alternative Anfahrt per Zug siehe Textbeschreibung weiter unten.
Öffnungszeiten: ganzjährig ab 8.00 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet, während der Wintersperre Begehung auf eigene Gefahr
Beleuchtung: von Ende April bis Anfang November jeden Fr/Sa/So/Ftg. von Einbruch der Dunkelheit bis 23.00 Uhr
Eintrittspreis: Erwachsene EUR 5,-, Kinder ab 6 Jahre EUR 1,50
Webseite: https://www.myrafaelle.at/
Gehzeit: ca. 2 Stunden ohne Pausen
Distanz: 2,4 km (Routenprofil auf bergfex.at)
Schwierigkeit: leicht
Gastronomie: Gasthaus Myrastubn am Eingang der Myrafälle und Gasthof Karnerwirt beim Stausee oberhalb der Myrafälle

Wanderweg entlang der Myrafälle

Die Myrafälle – ein perfektes Ausflugsziel

Wenn ich bei den Myrafällen von einem perfekten Ausflugsziel spreche, dann hat das naturgemäß positive wie negative Seiten. Die guten liegen auf der Hand: eine wunderbare Waldlandschaft, das beruhigende Tosen des Baches, die Kraft der Wasserfälle und einfach die saubere Luft. Ihr könnt euch denken, dass solch ein Ort die Menschen geradezu anzieht, was sich an bestimmten Tagen in unangenehmer Art und Weise bemerkbar macht. Ich war seit 2010 vier Mal vor Ort und konnte die Myrafälle aber immer fast komplett alleine genießen. Mein Geheimnis? Sucht euch einen verregneten Vormittag aus, möglichst unter der Woche. 😉

Die Geschichte der Myrafälle

Die enorme Schönheit der tosenden Myrafälle wurde schon Anfang des 19. Jahrhunderts in Reiseberichten erwähnt. Das Wasser des Myrabachs entspringt rund acht Kilometer entfernt in der Myralucke im Unterberg. Der Österreichische Touristenklub erbaute 1885 eine Steiganlage, wodurch die Öffentlichkeit Zugang zum Kleinod erhielt. Nur wenige Jahre später drohte aber die Zerstörung des Naturjuwels: Unter großem Protest startete 1914 das Myrawerk am Fuße der Wasserfälle seinen Betrieb. Dazu wurde am oberen Ende ein Weiher aufgestaut, der das Wasser kontrolliert in ein Wasserschloss im Wald leitete, von wo es über ein Druckrohr in die Tiefe zum Kraftwerk schoss.

Das Ende des Kraftwerks

Während Strom erzeugt wurde, versiegten die Myrafälle fast komplett – nur an Sonntagen sollte für den Tourismus untertags von 9-17 Uhr das Wasser in normaler Menge fließen, unvorstellbar! 60 Jahre dauerte es, bis das Myrawerk 1974 wieder Geschichte war und die Wasserfälle ihre Auferstehung fanden. Wegen einer bevorstehenden kostspieligen Modernisierung und der Sorge vor behördlichen Auflagen stellte man den Kraftwerksbetrieb komplett ein. Dadurch war sichergestellt, dass die touristische Nutzung der Myrafälle fortan jederzeit und nicht nur sonntags möglich war. Das Turbinengebäude ist heute ein Gasthaus und der Stauweiher zumindest optisch keine Katastrophe, da sich in ihm die umgebende Landschaft schön spiegelt.

Brücken und Stege über den Myrafällen

So kommst du zu den Myrafällen

Die Myrafälle liegen verkehrstechnisch ausgezeichnet und sind von Wien aus mit dem Auto in rund einer Stunde erreichbar. Mehrere Parkplätze deuten an, dass es hier bei Schönwetter und am Wochenende sehr eng werden kann. 😉 Die Anfahrt mit dem Zug ist zwar auch möglich, aber mit etwas mehr Bewegung verbunden. Vom Bahnhof Wr. Neustadt verkehrt täglich einmal pro Stunde ein Regionalzug zum Bahnhof Pernitz-Muggendorf. Von dort sind es noch drei Kilometer (Gehzeit ca. 40-50 Minuten) bis zum Eingang der Myrafälle. Der Weg verläuft zuerst entlang der Straße, dann neben dem Myrabach.

Die Myrafälle und der Hausstein

Der Wanderweg entlang der Myrafälle ist am unteren und oberen Zugang abgesperrt. Ihr kauft euch entweder am Ticketautomaten oder im Kiosk um EUR 5,- (Kinder bis 6 Jahr EUR 1,50) die Eintrittskarten. Achtung, ihr benötigt sie für den Rückweg nochmals! Der Aufstieg führt dann im Zick-Zack über 26 Holzbrücken und acht Stiegen entlang des Myrabachs. Der Kaskadenbereich ist landschaftlich sehr attraktiv! Am Ende der Myrafälle durchquert ihr das Drehkreuz und folgt dem Pfad bis zu einem gelben Wegweiser. Dort empfehle ich euch, in Richtung Hausstein abzubiegen und diesen zu besteigen. Eine Detailbeschreibung des wirklich tollen Wanderwegs liefere ich euch nun mit einer Menge Fotos aus dem Herbst, viel Spaß dabei! 🙂

WANDERTIPP STEINWANDKLAMM

Die Wanderung entlang der Myrafälle, eine Runde um den Hausstein und wieder zurück dauert netto ca. zwei Stunden. Wenn euch das zu wenig ist, könnt ihr die Wanderung aber um die Steinwandklamm erweitern. Die Steinwandklamm ist ein grandioses Ziel, wie ihr in meinem Beitrag Steinwandklamm: Ein Fall für Abenteurer nachlesen könnt. Diese Kombitour dauert rund 4:30 Stunden, eine Karte dazu findet ihr auf bergfex.com.

 

Eingangsbereich Myrafälle, Gasthaus Myrastubn
An diesem schönen Ort startet die Tour entlang der Myrafälle. Links seht ihr das ehemalige Kraftwerksgebäude, in dem heute das Gasthaus Myrastubn untergebracht ist. Rechts beim kleinen Kiosk steht das Drehkreuz zum Wanderweg.
Aufnahmeort anzeigen
Ticketautomat für die Myrafälle
Die Tickets für die Myrafälle erhaltet ihr aber auch schon vorher in der Nähe des Parkplatzes. An einem selbsterklärenden Automaten holt ihr euch einfach die Zutrittskarten für die folgende Wanderung. Bezahlt werden kann in bar oder per Karte.
Aufnahmeort anzeigen
Gedenktafel an den Myrafälle-Besuch von Kaiser Franz II. und Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1801
Noch vor dem Eingang erinnert eine Gedenktafel an den Besuch von Kaiser Franz II. und Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1801 – lange vor der touristischen Erschließung der Myrafälle 1885. Auf dieses Ereignis verweist wiederum die zweite Tafel darunter.
Aufnahmeort anzeigen
Wanderweg entlang der Myrafälle in Muggendorf
Dann geht es schon los und es gilt die ersten Holzbrücken und -stege zu erklimmen.
Aufnahmeort anzeigen
Wasserfälle entlang der Myrafälle in Muggendorf
Schon nach kurzer Zeit könnt ihr die vielen kleinen Kaskadenwasserfälle aus der Nähe betrachten. Diese Aufnahme aus dem Herbst zeigt nur einen geringen Wasserlauf, aber nach der Schneeschmelze schießt hier förmlich das Wasser herunter.
Aufnahmeort anzeigen
Wanderweg entlang der Myrafälle in Muggendorf
Im Zick-Zack geht es über Brücken immer wieder von einer Seite des Myrabachs zur anderen. Dadurch ergeben sich tolle Blicke mit vielen verschiedenen Perspektiven.
Aufnahmeort anzeigen
Wanderweg entlang der Myrafälle in Muggendorf
Auch wenn während meines Besuchs im Herbst nicht viel Wasser floß, gefielen mir gerade diese dezenten Wasserfälle entlang des Weges besonders gut.
Aufnahmeort anzeigen
Wasserfall entlang der Myrafälle in Muggendorf
Dieses Bild lässt es kaum vermuten, aber es ist ein Panorama aus vier zusammengesetzten Hochformatfotos. Auf einem einzelnen Foto hätte ich dieses wunderbare Zusammenspiel der drei Wasserfälle unmöglich festhalten können.
Aufnahmeort anzeigen
Wanderweg entlang der Myrafälle in Muggendorf
Obwohl es 26 Holzbrücken und acht Stiegen zu überwinden gilt, benötigt man für den Aufstieg entlang der Myrafälle nur 20-30 Minuten.
Aufnahmeort anzeigen
Felsformation am Wanderweg entlang der Myrafälle in Muggendorf
Den visuell wohl interessantesten Punkt findet ihr, nachdem ihr den Wanderweg entlang der Myrafälle über das obere Drehkreuz verlassen habt. Diese beiden großen Felsen rahmen den Myrabach perfekt ein und ergeben ein Schauspiel, wie es nur die Natur zustande bringt.
Aufnahmeort anzeigen
Wanderweg entlang der Myrafälle zum Hausstein
Folgt dem Weg dann weiter bis zu dieser Abzweigung. Links zwischen den Steinen könnt ihr mit etwas Vorstellungsvermögen die „Alte Straße“ von 1833 erkennen. Sie wurde von böhmischen Arbeitern gebaut und war die Verbindung von Muggendorf nach Thal. An einigen Stellen erkennt man noch deutlich die Spurrinnen, die von den Rädern der damaligen Pferdefuhrwerke stammen. Wendet euch dann im Bild rechts dem Wanderweg über die Stufen zu: dort geht es weiter in Richtung Hausstein.
Aufnahmeort anzeigen
Wasserschloss des Myrawerks entlang der Myrafälle
Ihr kommt dann an diesem Gebilde namens Wasserschloss vorbei – es wurde für den Kraftwerksbetrieb zwischen 1914 und 1974 errichtet. Vom etwas entfernten Stauweiher (siehe letztes Bild weiter unten) wurde damals das Wasser hierher geleitet und dann über ein Druckrohr zur Turbinenhalle am Beginn der Myrafälle geschickt. Das Druckrohr wurde zumindest mit Erdreich überdeckt, um das Naturerlebnis nicht komplett zu trüben.
Aufnahmeort anzeigen
Wasserschloss des Myrawerks entlang der Myrafälle
Durch ein dreckiges Fenster konnte ich einen Blick in das Wasserschloss machen. Die Aufgabe dieses Gebäudes ist übrigens folgende: Wird die Leitung zu den Turbinen im Tal geschlossen, schießt das Wasser mit großem Druck zurück zum Ursprung (als zum Stausee) – das kann die Rohre schwer beschädigen. Um diesen Überdruck auszugleichen, kann das Wasser in einen großen Tank im Wasserschloss einfließen (im Bild hinter der Wand, siehe auch voriges Foto), von wo es dann nach dem Druckausgleich langsam wieder abfließt.
Aufnahmeort anzeigen
Wanderweg zum Hausstein entlang der Myrafälle
Der Wanderweg durch den Wald lichtet sich schließlich und das nächste Etappenziel kommt zum Vorschein: der Hausstein. Lasst euch von der scheinbaren Höhe nicht abschrecken. Der Aufstieg auf den Felsen geht überraschend schnell und ohne übermäßige Anstrengung.
Aufnahmeort anzeigen
Wanderweg zum Hausstein entlang der Myrafälle
Ein Herbstfoto wie aus dem Bilderbuch. Die leichte Nebelstimmung störte während der Wanderung überhaupt nicht und sorgte im Gegenteil dafür, dass nur wenige Menschen unterwegs waren.
Aufnahmeort anzeigen
Mauerreste auf dem Wanderweg zum Hausstein entlang der Myrafälle
Der rund 60 Meter hohe Hausstein war in der Vergangenheit aufgrund seiner exponierten Lage ein unüberwindbares Hindernis für Feinde. Hier seht ihr beispielsweise die Überreste einer Festungsmauer.
Aufnahmeort anzeigen
Gipfelkreuz auf dem Wanderweg zum Hausstein entlang der Myrafälle
Nach nur wenigen Minuten erreicht ihr schon das Gipfelkreuz. Das „Hochplateau“ des Haussteins eignet sich ideal, um eine Rast einzulegen.
Aufnahmeort anzeigen
Aussicht vom Hausstein entlang der Myrafälle
Die Aussicht vom Hausstein kann sich sehen lassen, auch wenn ich durch den Hochnebel Einschränkungen hinnehmen musste.
Aufnahmeort anzeigen
Wanderweg zum Hausstein entlang der Myrafälle
Bizarre Baumformationen sind auf dem Hausstein einige zu finden. Sie geben ein außergewöhnliches Fotomotiv ab!
Aufnahmeort anzeigen
Wanderweg zum Hausstein entlang der Myrafälle
Ein Blick hinab in den Herbstwald und auf den Wanderweg, über den ihr zum Hausstein gelangt.
Aufnahmeort anzeigen
Wanderweg entlang der Myrafälle in Muggendorf
Wenn ihr dem Rundwanderweg ein weiteres schönes Stück folgt, gelangt ihr irgendwann an diesen idyllischen Ort, wo ihr direkt an den Myrabach herankommt. Wer will, kann hier auch seine Füße in das kühle Nass strecken.
Aufnahmeort anzeigen
Stausee am Wanderweg entlang der Myrafälle in Muggendorf
Mit diesem Foto des Stausees beende ich meinen Artikel für euch. Das Bild stammt von einem früheren Besuch im Frühling, als die Sonne gerade am Untergehen war. Während des Kraftwerkbetriebs zwischen 1914 und 1974 galt dieses Becken noch als negatives Symbol für die Ausnutzung der Natur – heute ist es ein durchaus schönes Fleckchen, wie ihr seht. 🙂
Aufnahmeort anzeigen

FAZIT

Die Myrafälle in Niederösterreich sind wahrlich zu jeder Jahreszeit ein fantastisches Ausflugsziel. Der Myrabach schlängelt sich tosend über eine attraktive Kaskadenlandschaft in die Tiefe, was ihr von den zahlreichen Holzbrücken aus perfekt beobachten könnt. Oben angekommen zahlt sich ein Weitergehen auf den Hausstein aus, von dem ihr eine super Sicht in die Ferne habt. Einen Besuch empfehle ich euch vorrangig an Schlechtwettertagen, da bei Schönwetter ein echter Massenandrang herrschen kann. Wart ihr selbst schon bei den Myrafällen? Wie sind eure Erfahrungen und Tipps? 🙂

 

Myrafälle, NÖ: Erfahrungsbericht über eine Wanderung zu den Myrafällen und den Hausstein mit vielen Bildern, den besten Fotospots und allgemeinen Tipps.Myrafälle, NÖ: Erfahrungsbericht über eine Wanderung zu den Myrafällen und den Hausstein mit vielen Bildern, den besten Fotospots und allgemeinen Tipps.

3 Kommentare

  1. […] es rund um die Myrafälle zu erleben gibt, habe ich euch in einem eigenen Beitrag zusammengefasst: Myrafälle: Das gerettete Naturjuwel. Diese Kombitour dauert rund 4:30 Stunden, eine Karte dazu findet ihr auf […]

  2. […] von dessen Spitze ihr eine tolle Aussicht habt – sofern es der Nebel nicht verhindert. 😉 Myrafälle: Das gerettete Naturjuwel […]

Schreibe einen Kommentar