Kehlsteinhaus: Wo Geschichte spürbar wird

Das Kehlsteinhaus auf dem Obersalzberg in Berchtesgaden

Eine etwas zwiegespaltene Meinung hatte ich ja schon, als die Fahrt auf das Kehlsteinhaus anstand. Das Gebäude aus dem Zweiten Weltkrieg stellte in der NS-Zeit einen wichtigen Repräsentationsbau im Berchtesgadener Land dar. Heute ist es allerdings ein äußerst beliebtes Touristenziel und zieht jährlich Hunderttausende Menschen an. Kann das zusammenpassen? Ich habe mich vor Ort umgesehen und berichte euch in diesem Blogartikel darüber.


Dieser Artikel wurde zuletzt am 26. Mai 2020 aktualisiert.

Kehlsteinhaus

FAKTEN

Besuchszeit: Juni 2019 (Halbtagesausflug von Berchtesgaden aus)
Adresse: Salzbergstraße 45, 83471 Berchtesgaden
Anreise per Auto:
An der Erinnerungsstätte Dokumentation Obersalzberg stehen zwei Parkplätze zur Verfügung
Anreise per Bus: Die Linie 838 verkehrt vom Ort Berchtesgaden zum Parkplatz Obersalzberg, siehe Fahrplan (PDF)
Öffnungszeiten und Preise: siehe Webseite https://www.kehlsteinhaus.de/

Unterkunftstipp 1: Avalon Hotel Bad Reichenhall*
(Bahnhofplatz 14, 83435 Bad Reichenhall): Das Hotel liegt direkt an der Hauptstraße gegenüber des Hauptbahnhofs, dadurch ist es unter der Woche etwas laut durch den Autoverkehr. Der Fußweg ins Zentrum beträgt ca. zehn Minuten. Sehr geräumige Zimmer, altmodisches Bad, gute Betten, tolle Aussicht auf die Bergwelt. Kostenloses WLAN mit sehr guter Geschwindigkeit. Super Saunabereich mit großer Panoramasauna! Frühstück im Dachgeschoss und auf der Terrasse sehr gut mit jeden Tag wechselnden warmen Speisen. Weiterempfehlung? JA

Unterkunftstipp 2: Hotel Krone Berchtesgaden* (Am Rad 5 1/3, 83471 Berchtesgaden): Berchtesgaden ist durch unterschiedliche Höhenlagen gekennzeichnet, das Hotel Krone liegt dabei deutlich über dem Marktzentrum. Dadurch ergibt sich eine unglaublich geniale Aussicht auf den Watzmann und die Stadt Berchtesgaden. Sehr schöne, durch viel Holz rustikal wirkende Zimmer in angenehmer Größe. Ruhige Lage, bequeme Matratzen, geräumiges Badezimmer, Balkon und Minibar. Frühstücksbuffet umfangreich und in guter Qualität, Frühstücksterrasse ebenfalls mit Blick auf den Watzmann. Kleiner, aber feiner Wellnessbereich mit Sauna (max. 2-3 Personen) und Dampfkammer (max. 2 Personen). Kostenloses WLAN mit sehr schwacher Verbindung. Weiterempfehlung? JA

Weitere schöne Hotels und Unterkünfte könnt ihr auf meiner bevorzugten Buchungsplattform booking.com suchen: Bad Reichenhall*, Berchtesgaden* oder allgemein im Berchtesgadener Land*.

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Das Kehlsteinhaus solltet ihr gemeinsam mit der Dokumentation Obersalzberg ansehen, um einen Überblick über die Geschichte des Gebietes zu erhalten

Ein Höhepunkt im Berchtesgadener Land ist ein Ausflug zum Königssee. Mehr dazu in meinem Beitrag Königssee – Ein malerischer Märchenort

In Berchtesgaden und Bad Reichenhall könnt ihr euch auf die historischen Spuren des Salzes begeben: Auf Salzzeitreise im Berchtesgadener Land

Ein toller Ausflug ist eine Fahrt mit der historischen Seilbahn auf den Predigtstuhl. Alle Infos dazu findet ihr in meinem Beitrag Mit Nervenkitzel auf den Predigtstuhl

 

Schild vor dem Kehlsteinhaus auf dem Obersalzberg in Berchtesgaden

Der Repräsentationsbau Kehlsteinhaus

In meinem letzten Blogbeitrag Dokumentation Obersalzberg habe ich euch an den Erinnerungsort in Berchtesgaden geführt, wo Adolf Hitler ein idyllisches Bergbauerndorf zum „Führersperrgebiet“ umfunktionierte und viele seiner schrecklichen Taten plante. Das Kehlsteinhaus ist Teil dieses Gebietes und wurde nach nur einjähriger Bauzeit 1938 fertiggestellt. Seine Aufgabe war klar: es sollte als Berggasthof in 1.834 Metern Seehöhe auf dem Kehlstein eine Repräsentationsfunktion erfüllen und den Empfang wichtiger Gäste ermöglichen.

Weltberühmter „Adlerhorst“

Hitler selbst besuchte das Kehlsteinhaus im Endeffekt allerdings nur selten, da ihm die Auffahrt und die exponierte Lage des Gebäudes als zu riskant für Angriffe erschienen. Wenn ihr euch selbst ein Bild vor Ort macht, werdet ihr diese Sorgen durchaus nachvollziehen können, siehe auch die Bilder weiter unten. Das Kehlsteinhaus trägt noch einen zweiten Namen, nämlich „Adlerhorst“ („Eagle’s Nest“). Dieser Begriff geht angeblich auf einen französischen Diplomaten zurück und wurde nach Kriegsende zum weltberühmten Synonym für das Gebäude.

So kommt ihr auf das Kehlsteinhaus

Die Auffahrt auf das Kehlsteinhaus ist ausschließlich mit Spezialbussen möglich – für den restlichen motorisierten Verkehr besteht ein absolutes Fahrverbot. Die Abfahrtsstelle ist nur wenige Meter von der Dokumentation Obersalzberg entfernt, wodurch sich natürlich eine Kombination der beiden Orte anbietet. Für einen Besuch des Kehlsteinhauses müsst ihr etwas vorausschauend planen, da gewöhnlich ein großer Ansturm herrscht. (Anmerkung: durch die Coronavirus-Krise wird sich das natürlich verändern, bitte überprüft auf der offiziellen Seite kehlsteinhaus.de den aktuellen Status.)

Zählkarten für die Busfahrt

Kommt so früh als möglich, um euch an der Kassa gleich die Tickets zu besorgen. Euch wird mittels Nummer ein Bus für eine bestimmte Abfahrtszeit zugeteilt. Meine Familie und ich mussten trotz frühen Erscheinens bereits 90 Minuten überbrücken, bis wir auf das Kehlsteinhaus fahren konnten. Hier muss ich leider sagen, dass Autofahrer einen Vorteil haben, da diese bereits lange vor der Kassaöffnung vor Ort sein können. Wer wie wir öffentlich anreisen will, steht vor dem Problem, dass der erste Bus der Linie 838 (Fahrplan) von Berchtesgaden aus erst relativ spät in der Früh zur Abfahrtsstelle wegfährt. Dadurch bildete sich an der Kassa bereits eine lange Warteschlange vor uns.

Busfahrt zum Kehlsteinhaus auf dem Obersalzberg in Berchtesgaden

Auffahrt als Spektakel

Die 90 Minuten Wartezeit nutzten meine Familie und ich für einen kleinen Spaziergang und eine kurze Pause im Gasthaus hinter der Abfahrtsstelle der Busse. Für eine Besichtigung der Dokumentation Obersalzberg erschienen uns die eineinhalb Stunden dagegen als zu knapp – diese führten wir nach der Rückkehr vom Kehlsteinhaus in Ruhe durch. Die Wartezeit lohnte sich jedenfalls, denn bereits die Auffahrt zum Kehlsteinhaus ist spektakulär. Auf der einspurigen Straße geht es im Buskonvoi in beachtlicher Geschwindigkeit steil bergauf, der Abgrund nebenan immer sichtbar. Nichts für schwache Nerven!

Per Tunnel und Aufzug in das Kehlsteinhaus

Am oberen Busparkplatz angekommen, bekommt man an einem Kiosk sofort per Stempel eine Rückfahrzeit zugewiesen, um die Menschenmassen in geordneten Bahnen auch wieder vom Berg herunterzubringen. Unsere Zeit lag zwei Stunden in der Zukunft, was auch vollkommen ausreichend für eine ausführliche Besichtigung der Umgebung und des Kehlsteinhauses selbst war. Beeindruckend ist der Tunnel, der vom Busparkplatz 124 Meter in den Berg zu einem prunkvollen Aufzug führt. Dieser bringt die Besucherinnen und Besucher ebenfalls 124 Meter in die Höhe direkt in das Kehlsteinhaus.

Warum es das Kehlsteinhaus noch gibt

Dass man das Kehlsteinhaus überhaupt noch besichtigen kann, verdanken wir zwei Umständen. Einerseits überstand es 1945 die Luftangriffe britischer Bomber unbeschadet. Andererseits verhinderte der bayerische Landrat Karl Theodor Jacob die Sprengung des historisch bedeutenden Gebäudes und setzte sich für die touristische Nutzung ein. Einer möglichen Pilger- und Gedenkstätte für Nazis wollte er mit dem Ausschenken von Bier und einer somit geselligen Laune entgegentreten – das hat offensichtlich funktioniert.

Rund um das Kehlsteinhaus

Das Kehlsteinhaus selbst ist recht schnell besichtigt, denn es gibt ehrlich gesagt nicht viel zu sehen. Sehr wichtig und interessant ist die – leider etwas klein geratene – Ausstellung über die Geschichte des Hauses während der Nazidiktatur. Im Außenbereich lädt ein Gastgarten zu einer Pause ein, die wir aber aufgrund eines herannahenden Gewitters aulassen mussten. Nur wenige Minuten entfernt befindet sich das Gipfelkreuz des Kehlsteins, zu dem man normalerweise ohne große Anstrengung gelangt.

Schnee rund ums Gipfelkreuz

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs im Juni lag allerdings noch eine gehörige Menge Schnee, sodass der Weg doch recht mühsam war. Es gäbe auch einen sicherlich schönen Rundwanderweg, den wir aber wegen der rutschigen Verhältnisse und wegen des aufziehenden Schlechtwetters aus Sicherheitsgründen strichen. So konnten meine Familie und ich auch keine perfekte Fernsicht genießen, aber immerhin den fantastischen Blick hinab auf das Kehlsteinhaus. Mit der folgenden Bilderstrecke zeige ich euch nun den exakten Ablauf unseres Ausflugs.

Menschenmassen am Busparkplatz zum Kehlsteinhaus
Zugegeben: der erste Eindruck vor Ort am Busparkplatz machte mir keine große Freude aufgrund der Menschenmassen – es sollte aber besser werden!
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Auffahrt zum Kehlsteinhaus mit Spezialbussen
Die Auffahrt zum Kehlsteinhaus erfolgt mit Spezialbussen, aus denen man spektakuläre Ausblicke erhält
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Eingangsportal des Tunnels zum Kehlsteinhaus
Die Busse halten vor dem Eingangsportal des 124 Meter langen Tunnels, der im Berg zu einem Aufzug führt
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Tunnel zum Aufzug zum Kehlsteinhaus
Es löste in mir schon ein mulmiges Gefühl aus, dass der Tunnel die Zeit des Nationalsozialismus widerspiegelt
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Kehlsteinaufzug im Kehlsteinhaus
Der Kehlsteinaufzug ist mit verspiegelten Messingplatten ausgestattet und noch weitgehend originalgetreu erhalten
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Blick auf das Kehlsteinhaus
Im Kehlsteinhaus angekommen, entfernte ich mich gleich ein paar Schritte in Richtung Gipfel, um das Gebäude in seiner Gesamtheit zu betrachten
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Weg vom Kehlsteinhaus zum Gipfelkreuz
Vom Kehlsteinhaus führt ein einfacher Weg einige Höhenmeter hinauf zum Gipfelkreuz
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Gipfelkreuz auf dem Kehlstein
Das Gipfelkreuz auf dem Kehlstein (1.881 Meter Seehöhe) ist mit dem angebrachten Edelweiß ein wunderbares Fotomotiv
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Blick vom Gipfel des Kehlsteins auf den Königssee
Vom Gipfel des Kehlsteins könnt ihr in der Ferne sogar den Königssee erblicken
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Schnee auf dem Kehlstein beim Kehlsteinhaus
Wenn ihr Lust habt, könnt ihr dem Weg nach dem Gipfelkreuz noch weiter folgen – während meines Besuchs lag aber noch jede Menge Schnee
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Schnee auf dem Kehlstein-Rundweg
Der Kehlstein-Rundweg wäre sicherlich noch eine nette Ergänzung zum Besuch des Kehlsteinhauses gewesen – bei dieser Schneelage allerdings viel zu gefährlich
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Blick auf das Kehlsteinhaus in Berchtesgaden
Beim Rückweg erhielt ich nochmals diesen grandiosen Anblick des Kehlsteinhauses
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Ausstellung über die NS-Zeit im Kehlsteinhaus
Im Kehlsteinhaus selbst ist leider nur ein kleiner Bereich der Erinnerung an die NS-Zeit gewidmet – dieser ist aber höchst interessant und lehrreich!
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Busfahrt zum Kehlsteinhaus in Berchtesgaden
Der Rückweg erfolgte zu einer fest vorgegebenen Zeit – gerade noch rechtzeitig, bevor uns ein Gewitter überrollte
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FAZIT

Dass man heute das Kehlsteinhaus im Berchtesgadener Land besichtigen kann, obwohl es einst ein Propagandabau des NS-Regimes war, finde ich nach reiflicher Überlegung gut. Es ist trotz allem ein zeitgeschichtlicher Ort, an dem die dunkle Vergangenheit stilgerecht aufgearbeitet wird und eine positive Nachnutzung geschieht. Gemeinsam mit einem Rundgang in der Dokumentation Obersalzberg könnt ihr so innerhalb eines Tagesausflugs eine Menge Geschichte spürbar erleben und die Natur um euch genießen. Wie sind eure Gedanken dazu?

 

Kehlsteinhaus in Berchtesgaden: Reisebericht und Erfahrungsbericht zum Ausflug auf das Kehlsteinhaus am Obersalzberg im Berchtesgadener Land.

2 Kommentare

  1. […] Die Dokumentation Obersalzberg solltet ihr unbedingt mit einer Fahrt zum Kehlsteinhaus verbinden. Darüber berichte ich im Artikel Kehlsteinhaus: Wo Geschichte spürbar wird […]

  2. […] – Ein malerischer Märchenort (Reisebericht) Dokumentation Obersalzberg (Erfahrungsbericht) Kehlsteinhaus: Wo Geschichte spürbar wird […]

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