Wien: Das Erbe von Zaha Hadid

Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien

Seit 2004 zieht mich die Architekturfotografie in ihren Bann. Kaum jemand hat mich dabei so berührt wie Zaha Hadid. Die weltweit realisierten Gebäude der Ausnahmearchitektin bestechen durch eine fließende Formensprache und eine futuristische Optik. In Wien wurden zwei Entwürfe von Zaha Hadid – mit gänzlich unterschiedlicher Kritik – umgesetzt: das Library and Learning Center am Campus der Wirtschaftsuniversität und das Zaha-Hadid-Haus am Donaukanal. In diesem Blogartikel nehme ich euch mit zum Wiener Erbe der 2016 leider viel zu früh verstorbenen Baukünstlerin.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 3. November 2020 aktualisiert.

Zaha Hadid in Wien

FAKTEN

Vollständiger Name: Dame Zaha Muhammad Hadid
Alter: 65 Jahre; * 31. Oktober 1950 in Bagdad; † 31. März 2016 in Miami
Staatsbürgerschaft: Irak/Großbritannien
Werdegang und Lebenslauf: Zaha Hadid auf wikipedia.org
Webseite: Zaha Hadid Architects


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Transparenzhinweis: Auf meine Anfrage hin wurde ich eine Nacht ins 25hours Hotel eingeladen, um persönliche Eindrücke sammeln zu können. Meine Meinung ist davon nicht beeinflusst.

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Porträt der Architektin Zaha Hadid
Bild: Dmitry Ternovoy, FAL, via Wikimedia Commons

Eine Frau an der Architekturspitze

Zaha Hadid wurde am 31. Oktober 1950 in Bagdad (Irak) geboren. Schon mit elf Jahren äußerte sie ihren Berufswunsch Architektin. 1972 ging sie nach London und studierte an der Architectural Association School (AA) Architektur. An dieser Schule unterrichtete sie danach auch selbst. Der Weg von der anfänglichen Lehrtätigkeit zur angesehenen Architektin war beschwerlich. Ihre Entwürfe wurden wegen der Komplexität gerne als unbaubar abgetan. Erst 1993 folgte mit dem Bau des Feuerwehrhauses im vitra-Werk in Weil am Rhein der Startschuss für Hadids internationale Karriere. 2004 erhielt sie als erste Frau den Pritzker-Architekturpreis (vergleichbar mit dem Nobelpreis).

Zaha Hadids Werke in Wien

Mit Wien verband Hadid ihre Professur am Institut für Architektur an der Universität für angewandte Kunst von 2000 bis 2015. In diese Zeit fällt auch der Bau ihrer beiden Entwürfe für das Zaha-Hadid-Haus (2005) sowie das Library and Learning Center (2013). Sehr spannend ist, dass beide Projekte in der Öffentlichkeit völlig unterschiedlich bewertet werden. Während es für das futuristische Bauwerk der Bibliothek der Wirtschaftsuniversität weltweit Anerkennung gab, hagelte es für das Gebäude am Donaukanal dagegen vernichtende Kritik. Die Gründe dafür plus eine persönliche Einschätzung von mir erfährst du weiter unten.

Bauwerke rund um den Globus

Die spektakulären Gebäude von Zaha Hadid finden sich heute rund um die Welt verteilt. Eine umfangreiche Liste der Werke und Entwürfe findet ihr auf der offiziellen Webseite zaha-hadid.com (dort auf „Archive Search“ klicken und „Architecture“ auswählen). Ich selbst konnte leider erst recht wenige Bauten mit eigenen Augen sehen: die Bergisel-Schanze und die Stationen der Hungerburgbahn in Innsbruck, das Museum MAXXI in Rom, das Riverside Museum in Glasgow sowie das Feuerwehrhaus im vitra-Werk in Weil am Rhein. Nachfolgend findet ihr einige Eindrücke davon, bevor es ab nach Wien geht.

Bergiselschanze und Hungerburgbahn von Zaha Hadid in Innsbruck
Die Sprungschanze Bergisel (2002, l.) und die Talstation Congress der Hungerburgbahn in Innsbruck (2007, r.)
Bild links: Aufnahmeort anzeigen
Bild rechts: Aufnahmeort anzeigen
Museum MAXXI von Zaha Hadid in Rom
Innenansichten des Museums MAXXI in Rom (2010)
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Riverside Museum in Glasgow von Zaha Hadid
Das Riverside Museum in Glasgow (2011)
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Feuerwehrhaus im vitra-Werk in Weil am Rhein von Zaha Hadid
Zaha Hadids erstes realisiertes Gebäude, das Feuerwehrhaus im vitra-Werk in Weil am Rhein (1993)
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Zaha Hadids Erbe in Wien

Nachdem ich euch mit einigen Impressionen der internationalen Bauwerke von Zaha Hadid auf ihren Baustil eingestimmt habe, zeige ich euch nun das architektonische Vermächtnis Hadids in Wien. Wie bereits eingangs erwähnt, werden die beiden Bauwerke Library and Learning Center sowie das Zaha-Hadid-Haus gegensätzlich bewertet und sogar als Top und Flop bezeichnet. Aber bildet euch selbst eine Meinung mit den nachfolgenden Infos und Bildern!

Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien

Library and Learning Center

Der WU Campus im Prater

Wenn es um zeitgenössische Architektur in Wien geht, bin ich schwer zu begeistern. Zu einfallslos und beliebig erscheint mir ein Großteil der Neubauten in den letzten Jahrzehnten. Zum Glück gibt es auch Ausnahmen – und der WU Campus ist eine davon. 2007 wurde das ehemalige Messegelände im Prater als Standort für den neuen Campus der Wirtschaftsuniversität festgelegt. Auf einer Grundstücksfläche von 90.000m² stehen Studierenden sechs Hauptgebäude zur Verfügung, die jeweils von einem anderen Architektenbüro gestaltet wurden. Das gesamte Ensemble harmoniert aus meiner Sicht ausgezeichnet miteinander und ist jedenfalls einen Besuch wert.

Die Bibliothek von Zaha Hadid

Das Herzstück des WU Campus ist sicherlich die Bibliothek, das sogenannte Library and Learning Center. Es ist von außen mit seinen zwei sich überlagernden Baukörpern und dem weit auskragenden Dach ein unübersehbarer Blickfang. Zahlreiche Schrägen, Kurvenelemente und vor allem viel Glas prägen das Erscheinungsbild. Das herausragende Dach beherbergt gleichzeitig den Lesesaal mit Blick in den grünen Prater. Gegenüber des Haupteingangs lädt eine Betonterrasse dazu ein, den gesamten Gebäudekomplex in Ruhe auf sich wirken zu lassen.

Futuristisches Innenleben

Nach dem Betreten der Bibliothek wähnt man sich im ersten Moment in einem Raumschiff. Riesige weiße Flächen, gelb-orange strahlende Beleuchtung und runde Formen erinnern an eine Zukunftswelt. Ich bin überzeugt, dass die moderne Architektur einen positiven Einfluss auf die Motivation der Studierenden haben kann. Es stehen rund 1.500 Lese- und Lernplätze zur Verfügung, einige davon in speziellen „Quiet Rooms“. Aber auch außerhalb dieser Ruhezonen ist es im gesamten Gebäude wahnsinnig leise – kaum, dass man seine eigenen Schritte hört. Wenn ihr bei eurem nächsten Wien-Besuch etwas Zeit finden, werft mal einen Blick hinein. Es zahlt sich wirklich aus!

Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien
Es ist schon ein gewaltiger Anblick, der sich einem von der kleinen Terrasse gegenüber des Library and Learning Center bietet.
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Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien
Das Library and Learning Center von Zaha Hadid ist nicht umsonst das Herzstück und Zentrum des WU Campus in Wien.
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Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien
Auch nach Einbruch der Dunkelheit erstrahlt der Gebäudekomplex der WU-Bibliothek stimmungsvoll.
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Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien
Betritt man das Library and Learning Center, wähnt man sich im ersten Moment in einer anderen Dimension.
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Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien
Kurven, schräge Wände, Linienelemente und eine enorm helle Lichtstimmung herrschen im Library and Learning Center vor.
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Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien
Auch die Gänge bestechen durch ihre futuristischen Formen – fast so, als würde man hier auf die Kommandobrücke gelangen.
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Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien
Die großflächigen Fenster bieten auf allen Seiten Ausblicke auf den WU Campus und den Prater.
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Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien
Speziell im Herbst bieten die gelb gefärbten Ginkgobäume rund um die Bibliothek ein tolles Motiv.
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Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien
Egal, von welcher Seite man sich dem Library and Learning Center von Zaha Hadid auch annähert: es wirkt einfach immer extrem mächtig und spektakulär.
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Library and Learning Center von Zaha Hadid am WU Campus in Wien
Eine eher wenig beachtete Ansicht ist die Rückseite des Library and Learning Center, die nicht weniger ansprechend ist.
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Zaha-Hadid-Haus von Architektin Zaha Hadid am Donaukanal in Wien

Zaha-Hadid-Haus

Adresse:

Ein Flop am Donaukanal in Wien

Die Pläne und Vorstellungen waren so vielversprechend: am Ufer des Donaukanals in unmittelbarer Nähe zur U-Bahn-Station Spittelau sollte ein Gebäudekomplex von Zaha Hadid die triste Gegend wiederbeleben. Die aufgelassenen, alten Stadtbahnbögen von Otto Wagner waren Anfang der 1990er-Jahre verwuchert und es galt, die Gegend aufzuwerten. 1995 stellte die von der Stadt Wien beauftragte Architektin der Öffentlichkeit ihre Ideen vor, welche eine Einbeziehung der historischen Bögen vorsahen. Wohnungen, Lokale, Geschäfte und ein Terrassenrestaurant mit Blick auf den Kahlenberg und Leopoldsberg – das war der attraktiv klingende Plan.

Ärger bei Zaha Hadid

2005 eröffnete das Zaha-Hadid-Haus, allerdings wurden wegen Einsparungen zahlreiche Änderungen im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen der Architektin vorgenommen. Hadid war über die Verkleinerung der Fenster und die hinzugekommenen Betonstelzen derart verärgert, dass sie sich sogar vom Projekt distanzierte. Auf ihrer offiziellen Seite zaha-hadid.com könnt ihr euch noch ältere Entwürfe ansehen. Die unattraktiven Wohnungen, fehlende Einkaufsmöglichkeiten sowie die inselartige Lage des Gebäudes zwischen Donaukanal und der vielbefahrenen Spittelauer Lände vertrieben bereits 2007 die letzten Mieter aus dem Haus.

Das Zaha-Hadid-Haus in der Gegenwart

Jahrelang wurde nach einer Nachnutzung gesucht, Erfolg stellte sich aber nicht ein. Stand November 2020 herrscht unter einem neuen Eigentümer wieder Zuversicht. Die heruntergekommenen und mit Graffiti beschmierten Fassaden wurden vom Künstlerduo Twooo mit sehenswerten Murals verziert (mehr Murals in Wien findet ihr in meinem Artikel Wien: Diese Murals musst du sehen). In die renovierten Wohnungen sollen unter dem Projekt „Urban Island“ künftig Studierende und Touristen einziehen. Auch für die Geschäftsflächen erhofft man sich eine Belebung. Ich bin jedenfalls zuversichtlich und hoffe das Beste, denn mir gefällt das Zaha-Hadid-Haus eigentlich gut. 😉

Zaha-Hadid-Haus mit Murals am Donaukanal in Wien
Aufbruchstimmung am Donaukanal: mit einem Anstrich an bunten Murals erstrahlt das Zaha-Hadid-Haus in neuem Leben.
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Zaha-Hadid-Haus von Architektin Zaha Hadid am Donaukanal in Wien
Der Blick von der Spittelauer Lände auf das Zaha-Hadid-Haus.
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Zaha-Hadid-Haus von Architektin Zaha Hadid am Donaukanal in Wien
Von einer Rampe aus sind die drei Baukörper des Zaha-Hadid-Hauses sehr gut zu erkennen.
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Zaha-Hadid-Haus von Architektin Zaha Hadid am Donaukanal in Wien
Kommt man zu Fuß von der U-Bahn-Station Friedensbrücke, fällt die harmonische Integration des Zaha-Hadid-Hauses mit den alten Stadtbahnbögen von Otto Wagner ins Auge.
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Zaha-Hadid-Haus von Architektin Zaha Hadid am Donaukanal in Wien
Die Betonstelzen waren einer der Gründe, warum Zaha Hadid sich nachträglich von ihrem Bauprojekt distanzierte. Im Ursprungsentwurf waren keine bzw. weit weniger Stützen sichtbar und die Gebäude schienen mehr zu „schweben“.
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Zaha-Hadid-Haus von Architektin Zaha Hadid am Donaukanal in Wien
Die alte Stadtbahntrasse von Otto Wagner führt mitten durch das Ensemble des Zaha-Hadid-Hauses und wird heute als Geh- sowie Radweg genutzt. Leider gibt es keinen direkten Abgang zum Haus, wodurch sich für Bewohner und Besucher ein beträchtlicher Umweg ergibt, wenn sie zur eigentlich unmittelbar daneben befindlichen U-Bahn-Station Spittelau wollen.
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Zaha-Hadid-Haus von Architektin Zaha Hadid am Donaukanal in Wien
Zwischen dem Zaha-Hadid-Haus und den Stadtbahnbögen liegen über 100 Jahre Geschichte – trotzdem ergänzen sich beide Baustile hervorragend.
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Christoph Lettner vom Künstlerduo Twooo arbeitet am Zaha-Hadid-Haus in Wien
Christoph Lettner vom Künstlerduo Twooo während des Aufsprühens eines Murals am Zaha-Hadid-Haus. Gemeinsam mit seinem Kollegen Markus Wesenauer verziert er die Fassaden für das Projekt „Urban Island“ („Urbi“), welches in die Gebäude einziehen soll.
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Zaha-Hadid-Haus von Architektin Zaha Hadid am Donaukanal in Wien
Ein Blick von unten nach oben zeigt die typischen geometrischen Formen, die Zaha Hadid in vielen ihrer Werke anwendet.
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Zaha-Hadid-Haus von Architektin Zaha Hadid am Donaukanal in Wien
Das Zaha-Hadid-Haus vor der Müllverbrennungsanlage Spittelau im Sonnenuntergang.
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FAZIT

In diesem Blogbeitrag habe ich euch zu den zwei Bauwerken in Wien von Zaha Hadid geführt. Mit Wien verband Hadid ihre Lehrtätigkeit von 2000 bis 2015 und ich empfinde es als große Ehre, das Erbe der 2016 viel zu früh verstorbenen Ausnahmearchitektin jeden Tag betrachten zu können. Das Library and Learning Center am WU Campus ist ein spektakulärer Bau, bei dessen Betrachtung ich vor Freude immer wieder eine Gänsehaut bekomme. Das Zaha-Hadid-Haus am Donaukanal ist leider durch die nachträgliche Veränderung der Pläne nicht so berauschend geworden, aber dennoch immer noch ein sehenswertes Objekt für architekturinteressierte Besucher. Was ist eure Meinung zu den zwei Bauwerken von Zaha Hadid in Wien? Ich bin auf euren Kommentar gespannt!

 

Zaha Hadid in Wien: Infos und Fotos zum Library and Learning Center am WU Campus und das Zaha-Hadid-Haus am Donaukanal.Zaha Hadid in Wien: Infos und Fotos zum Library and Learning Center am WU Campus und das Zaha-Hadid-Haus am Donaukanal.

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