Genf: Ganz anders als erwartet

Stadtansicht von Genf mit Genfersee

Mit Freude, Neugier und einer gesunden Portion Aufregung ab in den Städteurlaub! So verliefen in der Regel meine bisherigen Citytrips – und dann kam die Coronaviruskrise. Als sich die Lage im Sommer 2020 kurz entspannte, wagten meine Freundin und ich eine Minirundreise durch die Schweiz. Drei Stationen standen auf dem Programm: von Genf über Lausanne nach Zürich. Mit einem doch seltsamen Bauchgefühl starteten wir in der UNO-Stadt unseren Urlaub. Die Sorgen waren aber unbegründet, denn selbst in der Krise präsentierte sich Genf von seiner besten Seite, wie ihr in meinem Reisebericht nachlesen könnt.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 10. November 2020 aktualisiert.

Genf

FAKTEN

Reisezeit: August 2020 (2 Tage, 2 Übernachtungen)
Anreise: mit Austrian Airlines vom Flughafen Wien-Schwechat nach Aéroport International de Genève (ca. 1:30 h)
Unterkunftstipp: Hotel ibis Styles Genève Gare* (Place de Cornavin 8): günstiges Stadthotel direkt am Hauptbahnhof, Lage verkehrstechnisch sehr gut, 5-10 Minuten Fußweg zum See, viele Geschäfte/Lokale in der Umgebung, abends Einkaufsmöglichkeiten im Bahnhof; Superior Zimmer geräumig, schlichte Gestaltung mit dezenten Designelementen, Bett sehr gut, ruhig dank Schallfenster, Bad klein aber überraschend geräumige Dusche, Safe, WLAN Upload/Download sehr schnell, Frühstück nicht genutzt, Geneva Transport Card im Aufenthalt inkludiert. Weiterempfehlung? JA

Auf meiner bevorzugten Hotelsuchmaschine booking.com findet ihr weitere schöne Unterkünfte in Genf*.

TRANSPARENZHINWEIS

*Die mit Stern gekennzeichneten Verweise in diesem Blogartikel sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn euch mein Blogartikel bei der Planung eurer Reise geholfen hat, freue ich mich, wenn ihr über diese Links eure Unterkunft oder Freizeitaktivitäten bucht. Ich erhalte dadurch eine kleine Provision und ihr unterstützt den Erhalt dieses Blogs. Für euch entstehen dabei selbstverständlich keine Nachteile. Vielen Dank! 🙂

 

Stadtansicht von Genf am Plaine de Plainpalais

Genf: Realität vs. Internet

Drei Monate in Genf – so lange verbrachte meine Freundin vor Jahren ihre Au-pair-Zeit in der Stadt am Genfersee. Ihre lebhaften und emotionsgeladenen Berichte von damals ließen nur einen Schluss zu: wir müssen Genf einmal gemeinsam zelebrieren! Meine anfängliche Begeisterung sandete aber schnell ab, denn die Bildrecherche im Internet ließ in mir keine großen Gefühle und Erwartungen aufkommen. „Die Stadt ohne Gesicht“ schoss durch meinen Kopf, denn weder beeindruckten mich die gefundenen Fotospots, noch lockten große Sehenswürdigkeiten. Hört jetzt aber bloß nicht auf zu lesen, denn ich lag absolut falsch! 😉

Per Neugier zum Erfolg

Nachdem ich Genf mittlerweile etwas erkunden konnte, muss ich sagen, dass mein Gedanke „Die Stadt ohne Gesicht“ schon in gewisser Art und Weise stimmt – allerdings nicht negativ gemeint. Klar ist, es gibt keine spektakuläre Skyline und auch nicht sonderlich viele Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn. Genf verlangt von seinen Gästen vielmehr Aufmerksamkeit und Neugier während der Besichtigung, dann offenbaren sich sehr wohl Dutzende spannende Orte sowie eindrucksvolle Fotospots. Ich bin überzeugt, dass ihr nach dem Ansehen meiner Bilder von Genf ebenso entzückt sein werdet wie ich es schlussendlich war!

Schweiz oder Frankreich?

Genf liegt im westlichsten Zipfel der Schweiz unmittelbar an der französischen Grenze. Die Stadt gehört zwar zur Schweiz, davon merkt man als Besucher aber nicht viel. Schweizer Fahnen, das stolze Präsentieren von einheimischen Produkten in den Schaufenstern und die unnahbare, lieblich arrogante Art der Bewohner – dieses Klischee des so sicht- und spürbar gelebten Nationalstolzes nahmen wir nur sehr spärlich wahr. Vielmehr erschienen uns die Menschen total nett sowie hilfsbereit und in das gemütliche französische Erscheinungsbild der engen Gassen verliebten wir uns auf Anhieb. Kurz gesagt: eigentlich ist Genf fast zu leger für eine Schweizer Stadt. 😉

Vereinten Nationen (UNO) in Genf

Genf als Stadt des Friedens

Die Bezeichnung „Stadt des Friedens“ haben sich schon mehrere Städte selbst verpasst, darunter Berlin, Den Haag oder Nürnberg. Auf Genf trifft dieser Slogan jedenfalls perfekt zu, denn neben den Vereinten Nationen (UNO) haben unter anderen das Rote Kreuz sowie der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) ihren Hauptsitz in der Stadt am Genfersee. Aber noch zahlreiche weitere internationale Institutionen – weltbekannt etwa das Kernforschungsinstitut CERN – sind in Genf vertreten. Kein Wunder also, dass normalerweise immer ein starkes Kommen und Gehen zwischen Angestellten, Diplomaten und deren Familien herrscht. Während der Coronaviruskrise hatten viele der Einrichtungen jedoch nicht nur für Touristen geschlossen, was wir auf den ruhigeren Straßen deutlich bemerkten.

Was dich in Genf erwartet

Was jeder beim Gedanken an Genf natürlich sofort im Kopf hat, ist die Wasserfontäne am Ufer des Genfersees. Doch darüberhinaus? Wie schon anfangs erwähnt, stecken die Schätze von Genf im Detail und bestehen nicht aus großen, spektakulären Sehenswürdigkeiten. Die historische Architektur ist wunderschön anzusehen, die vielen Plätze lassen südländisches Flair aufkommen und das Künstlerviertel Carouge hat uns magisch in seinen Bann gezogen. Ich habe die Stadt auch als sehr bunt erlebt – zahlreiche Murals (Wandgemälde) zeugen beispielsweise davon. Über all das, noch viele weitere Highlights und natürlich jede Menge Praxistipps informiere ich euch in den nachfolgenden Punkten!


ALLGEMEINE TIPPS ZU GENF

Wenn ihr mit dem Flugzeug anreist, findet ihr in der Gepäckhalle vor dem Ausgang einen orangen Ticketautomaten. Dort erhaltet ihr kostenlose Fahrscheine, die 80 Minuten gelten. Eure Fahrt per Zug vom Flughafen in die Stadt und dort weiter ins Hotel ist somit problemlos möglich. Also in der Eile nicht den Automaten übersehen! 😉

Sobald ihr in Genf eine Nacht in einem Hotel verbringt, erhaltet ihr beim Check-in die Geneva Transport Card. Mit dieser Karte benutzt ihr alle öffentlichen Verkehrsmittel während eures Aufenthaltes kostenlos. Wenn das kein super Service ist!

An öffentlichen Verkehrsmitteln findet ihr in Genf Züge, Straßenbahnen, Busse und die sogenannten Mouettes („Möwen“, kleine gelbe Taxiboote. Wirklich benötigt haben meine Freundin und ich die Straßenbahn für eine Fahrt zum Kernforschungszentrum CERN, zum Palast der Vereinten Nationen (UNO) und ins bezaubernde Viertel Carouge. Innerstädtisch rund um den Genfersee lässt sich alles zu Fuß erkunden.

Genf ist erwartungsgemäß eine extrem teure Stadt. Beim Essengehen fallen für ein Getränk schnell fünf bis acht Franken an, Hauptspeisen bewegen sich um die 20 bis 40 Franken. Mehr zum Thema Essen und Trinken in Genf findet ihr weiter unten in einem weiteren blauen Infokasten.

Trinkbrunnen gibt es in Genf lobenswerterweise an gefühlt jeder Ecke. Sie sehen nicht nur gut aus, sondern helfen in der Hitze auch, kühlen Kopf zu bewahren. Übrigens: in der Nähe des Brunswick-Monuments steht ein typischer Wiener Trinkbrunnen als Gastgeschenk.

Gesprochen wird in Genf eigentlich ausschließlich Französisch. Nachdem die Stadt aber durch ihre Institutionen sehr viele internationale Menschen beherbergt, wird Englisch überall bestens verstanden. Mit Deutsch wird es da schon etwas schwieriger.

Die Touristeninformation (Geneva Tourist Information Office) befindet sich in der Rue du Mont-Blanc 18, nur wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Egal ob ihr nur einen Stadtplan, etwas aus dem Shop oder eine fundierte Auskunft wollt: ihr müsst immer eine Nummer ziehen und warten. Dieses System fanden wir sehr mühsam, umständlich und vor allem zeitaufwendig – lieber hätten wir uns einfach an ausliegendem Infomaterial bedient.

 

Beleuchtetes Ufer von Genf und Genfersee

DIE TOP 15 SEHENSWÜRDIGKEITEN IN GENF

Zwei Tage Genf sind zwar nicht sehr lange, aber meine Freundin und ich konnten auch in dieser kurzen Zeit recht viel erleben. Nachfolgend stelle ich euch meine Top 15 der Sehenswürdigkeiten in Genf vor. Ich denke es ist ein schöner bunter Mix aus historischer Architektur, Stadtgeschichte, tollen Plätzen und Lokalen, schönen Fotospots und spannenden Entdeckungen in der ganzen Stadt. Viel Spaß beim Durchstöbern!

1) Jet d’eau

Kaum zu glauben, aber eine Wasserfontäne ist tatsächlich das bekannteste Wahrzeichen von Genf. Dieser Umstand ist umso kurioser, wenn man bedenkt, dass es sich eigentlich um ein Überdruckventil für eine 1885 erbaute Druckwasserleitung handelt. Ursprünglich spritzte das Wasser nur wenige Meter in die Höhe, aber bereits 1891 beschloss die Stadt die touristische Nutzung des Jet d’eau, wie die Wasserfontäne offiziell heißt. Der Druck wurde erhöht, die Position des Ventils etwas weiter in den See versetzt und seit 1951 schießen gleich zwei Pumpen das Wasser mit 200 Stundenkilometern 140 Meter in die Höhe.

Ein Wasserstrahl als Highlight?

Meine Freundin und ich betrachteten den Jet d’eau nur vom Ufer des Genfersees und von der Kathedrale (siehe Punkt 2) aus. Ihr könnt über einen Steg aber auch ganz nahe an die Fontäne herangehen – das kann jedoch ein nasses Debakel nach sich ziehen, wie Anita von travelita.ch berichtet. Mich persönlich hat der Jet d’eau wenig beeindruckt, da der Wasserstrahl vom Ufer aus betrachtet einfach unspektakulär wirkt. Aus der Höhe sieht es anders aus: wie ihr am Titelbild dieses Blogartikels sehen könnt, fügt sich der Jet d’eau vom Turm der Kathedrale aus betrachtet harmonisch in die Umgebung ein. Insgesamt hat Genf aber weitaus interessantere Sehenswürdigkeiten zu bieten als eine Wasserfontäne.

FOTOSPOTS

 

2) Kathedrale St. Peter

Ein historisches Schmankerl in Genf ist die Kathedrale St. Peter (Cathédrale Saint-Pierre Genève), deren Ursprünge in das 12. Jahrhundert zurückreichen. Alleine aus architektonischer Sicht ist ein Besuch sehr spannend. Der Haupteingang ist in einem klassizistischen Säulenportal untergebracht, während das Innere mit romanischem und gotischem Stil aufwartet. Die Ausstattung ist seit der Reformation schlicht, die Orgel dafür überraschend modern. Ganz anders sieht die Makkabäerkapelle neben dem Eingang aus. Die Anfang des 15. Jahrhunderts errichtete Kapelle besticht durch ihre Farbenpracht im Stil der Flamboyant-Gotik.

Die Türme als Highlight

Die Kathedrale selbst ist kostenlos zu besichtigen. Für eine Besteigung der Türme von St. Peter sind zwar fünf Franken zu bezahlen (Tickets beim Kirchenshop neben dem Chor), diese sind aber sehr gut investiert. 157 Stufen geht es in die Höhe – danach bietet sich euch ein Ausblick der Superlative. Während ihr im ersten Turm aus einer geschützten Stube nur durch Fenster ins Freie seht, habt ihr vom zweiten Turm freie Sicht auf ganz Genf. Insbesondere der Blick auf den Genfersee mit der Wasserfontäne Jet d’eau (siehe Punkt 1) ist ein echtes Postkartenmotiv!

FOTOSPOTS

 

3) Das Rathaus

Nicht weit von der Kathedrale entfernt liegen gleich vier Sehenswürdigkeiten nah aneinander. Die erste davon ist das Rathaus (Hôtel de Ville), in dem heute auch der Regierungssitz des Kantons Genf beherbergt ist. Über 500 Jahre Geschichte treffen hier auf die Besucherinnen und Besucher. Der ruhige Innenhof ist ein wundervoller Ort der Stille. Geht unbedingt über die Rampe nach oben und seht euch etwas um. Während unseres Besuchs fanden leider Bauarbeiten statt, sodass wir in das Innere des Rathauses keinen Blick werfen konnte.

FOTOSPOTS

 

4) Maison Tavel

Gegenüber des Rathauses steht das Maison Tavel, das älteste noch existierende Wohnhaus in Genf. Das Gebäude stammt aus dem 14. Jahrhundert und gilt als Beispiel für gehobene Wohnarchitektur im Mittelalter. Seit 1923 steht das Maison Tavel unter Denkmalschutz und wird als Museum für Stadtgeschichte genutzt. Eine Besichtigung ist kostenlos möglich und empfehlenswert, auch wenn ihr euch vielleicht nicht so sehr für Geschichte interessiert. Im Obergeschoss gibt ein großes Modell Überblick über die Stadt Genf, während in den anderen Stockwerken diverse Ausstellungsstücke und Beispiele für die Wohnqualität reicher Menschen im Mittelalter zu begutachten sind.

FOTOSPOTS

 

5) Das Artelleriemuseum

Wiederum gegenüber des Maison Tavel stosst ihr auf das kleine Artelleriemuseum (L’ancien arsenal). Das Gebäude wurde im 17. Jahrhundert errichtet und zuerst als Getreidespeicher, später dann als Waffenlager bis 1877 genutzt. Die fünf ausgestellten Kanonen waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Verwendung. Faszinierend sind die drei bunten Fresken an der Wand: sie zeigen die Ankunft von Julius Cäsar in Genf, eine mittelalterliche Marktszene und die Aufnahme der Hugenotten-Flüchtlinge. Das Gebäude selbst kann übrigens nicht besichtigt werden, in ihm ist heute das Staatsarchiv untergebracht.

FOTOSPOTS

 

6) Promenade de la Treille

Nur zwei Minuten Fußweg entfernt steht ihr auf der Promenade de la Treille, welche einen interessanten Blick in die Umgebung erlaubt. Bekannt ist die Promenade aber vor allem wegen der ewig langen Holzbank – mit 120 Metern die längste Holzbank der Welt! Die Aussicht ist nett und der Raum unter den Kastanienbäumen lädt einfach zu einer kurzen Rast ein. An den Wänden findet ihr übrigens kunstvolle Murals, die ich euch aber gesammelt in Punkt 13 zeige.

FOTOSPOTS

 

7) Reformationsdenkmal

Von der Treille-Promenade ist es ratsam, gleich gemütlich weiter bergab zum Reformationsdenkmal (Mur des Réformateurs) zu spazieren. Die Größe ist beachtlich, denn das Denkmal besteht aus einer 100 Meter langen Steinwand. In der Mitte thronen die vier riesigen Skulpturen der Reformatoren Guillaume Farel, Johannes Calvin, Theodor Beza und John Knox. Weitere Persönlichkeiten säumen andere Stellen des Denkmals. Mir persönlich gab die Besichtigung dieser Sehenswürdigkeit nicht viel, aber alleine aufgrund der Geschichte und der Dimensionen ist es ein Punkt, den ihr nicht verpassen solltet.

Idyllischer Park

Das Reformationsdenkmal steht inmitten des Universitätsgeländes, das von einem großen Park umgeben ist. Um die Mittagszeit könnt ihr hier die Einheimischen beim Lunch beobachten, das sie mitgebracht haben. In der Mitte des Parks steht das Alte Hauptgebäude der Universität, welches innen aber wenig spektakulär aussieht. Erwähnenswert sind noch die großen Schachfelder am nordöstlichen Ausgang, die offensichtlich gern genutzt werden.

FOTOSPOTS

 

8) Spaziergang durch die Altstadt

Auch abgesehen von den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zahlt sich ein Spaziergang durch die Gassen der Altstadt ohne konkretes Ziel aus. Dabei sind meiner Freundin und mir einige nette Fotomotive untergekommen. Besonders schön empfanden wir den Place du Bourg-de-Four mit seinen zahlreichen Lokalen und einer angenehmen Atmosphäre. An prächtigen Hausfassaden mangelt es Genf nicht – viele Plätze und Gebäude versprühen französisches Flair. Die Einkaufsstraße Rue de Rive wiederum sieht zum Sonnenuntergang umwerfend aus.

FOTOSPOTS

 


ESSEN UND TRINKEN IN GENF

In Genf Essen zu gehen empfanden meine Freundin und ich ein wenig mühsam und unflexibel. Warme Küche wird vielerorts nur mittags zwischen 12-14.30 Uhr und danach erst wieder ab 18.30 Uhr serviert.

Durch die sehr hohen Restaurantpreise zahlt es sich aber sowieso aus, zwischendurch einen Snack im Supermarkt zu kaufen. Diese sind aus meiner Sicht von der Vielfalt wesentlich besser und vielfältiger aufgestellt als in Österreich. Garantiert fündig werdet ihr beispielsweise bei Migros oder Coop. Geht dann einfach in den nächstgelegenen Park und genießt dort euer Sushi & Co.

In Restaurants wird Leitungswasser kostenlos zu Speisen gereicht. Wenn ihr es nicht automatisch hingestellt bekommt, verlangt einfach danach.

Während unseres zweitägigen Aufenthaltes in Genf waren wir nur einmal in einem klassischen Restaurant essen. Im Demi Lune Café (Rue Etienne-Dumont 3) nahe des bezaubernden Place du Bourg-de-Four genossen wir köstliche Filets de perche (Filet vom Flussbarsch) um fast schon „günstige“ 25 Franken.

Mittwochs und Samstags wird auf dem Markt von Carouge (Marché de Carouge) aufgetischt (siehe auch Punkt 10). Meine Freundin und ich probierten zuerst ein Grillhendl (Poulet rôti) von einem mobilen Verkaufsstand vor der Kirche (Place du Marché) – ohne Besteck zwar eine Sauerei, aber köstlich. Danach entspannten wir gleich daneben mit einem Bier vor dem Brunnen im Popup-Lokal Roulotte l’Acolyte. Etwas später nach einem Spaziergang im Viertel widmeten wir uns dann den Köstlichkeiten vom Markt (Wurst, Käse, Gemüse, Brot) und danach dem fantastischen Wein. Ein Angebot um 12 Franken ließ uns besonders glücklich werden: Zwei Gläser Wein, gemischte Oliven und Salzmandeln. Ein unfassbarer Genuss! 🙂

Unsere Städtetrips sind immer von zahlreichen Pausen in Cafés geprägt – und davon gibt es in Genf jede Menge! Sehr gute Schokolade findet ihr bei Martel Cornavin (Rue de Cornavin 16), einen intensiven Cappuccino im Boréal Coffee (Rue du Mont-Blanc 17, Sitzplätze draußen auf einem schönen Platz) und einen Affogato, der leider im Stil eines Eiskaffees serviert wurde, im Cottage Café (Rue Adhémar-Fabri 7) hinter dem Brunswick-Monument.

 

9) Rund um den Genfersee

In Punkt 1 habe ich euch bereits mit der Wasserfontäne Jet d’eau bekanntgemacht – das Wahrzeichen der Stadt. Der berühmte Wasserstrahl sprudelt aus dem Genfersee empor, der zu jeder Tageszeit einen Besuch wert ist. Meine Freundin und ich nutzten einen ausgedehnten Spaziergang entlang des Seeufers und der Rhône, um persönliche Eindrücke zu sammeln. Es reihen sich bunte Häuserreihen aneinander, die allesamt eine ähnlich niedrige Bauweise aufweisen. Mir persönlich fehlte aber irgendwie ein Eyecatcher und ich empfand die gesamte Szenerie als zu steril.

Eine Blumenuhr als Anziehungspunkt

Der Jardin Anglais (Englischer Garten) am Südufer des Genfersees ist ein beliebter Anziehungspunkt für Gäste und Einheimische. Vor allem die Blumenuhr (L’horloge fleurie) hat es den Touristen sichtbar angetan, denn jeder wollte dort ein Selfie. Die Blumenuhr ist neben dem Jet d’eau die zweite Sehenswürdigkeit, deren Reiz ich einfach nicht nachvollziehen kann. 😉 Viel mehr beeindruckt hat mich dann die Stimmung nach Sonnenuntergang, wenn die Häuserzeilen beleuchtet sind und deutlich attraktiver wirken als untertags.

Sehenswertes am Nordufer

Am Abreisetag machten meine Freundin und ich noch einen letzten Morgenspaziergang am Nordufer des Genfersees, wo es ebenfalls einiges zu sehen gibt. Allen voran beeindruckend anzuschauen ist das Monument Brunswick – ein Mausoleum von 1879 im neugotischen Stil, das für Herzog Karl II. von Braunschweig (Brunswick) erbaut wurde. Unbedingt besichtigen solltet ihr dann schräg gegenüber das Denkmal für Sisi (Monument à l’impératrice Sisi). Die Statue erinnert an das Attentat auf die österreichische Kaiserin 1898 in Genf.

FOTOSPOTS

 

10) Der Künstlerort Carouge

Auf der Wunschliste meiner Freundin stand der Künstlerort Carouge ganz oben – und das nicht ohne Grund! Die kleine Gemeinde schließt direkt an Genf an und ist mit der Straßenbahn (Linien 12 und 18) einfach zu erreichen. Wir fuhren aus zwei Gründen dorthin: einerseits wird Carouge als Greenwich Village von Genf bezeichnet und andererseits lockt Mittwochs und Samstags ein Markt. Es gefiel uns vor Ort derart gut, dass wir gleich einen halben Tag in Carouge verbrachten. Die bezaubernden Gassen mit den liebevoll wirkenden Häusern sowie zahlreichen spannenden Geschäften waren einfach tolle Fotomotive! Für weitere Eindrücke vom Markt in Carouge schaut ihr am besten in den blauen Infokasten weiter oben!

FOTOSPOTS

 

11) Der UNO-Hauptsitz

Nachdem wir selbst aus einer Stadt mit UNO-Vertretung (Wien) kommen, freuten wir uns extrem auf eine Besichtigung des Völkerbundpalastes (Palais des Nations). Das Gebäude ist seit 1966 der europäische Hauptsitz der Vereinten Nationen und nach dem Hauptsitz in New York der zweitwichtigste weltweit. Leider machte uns das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung, denn alle Führungen wurden eingestellt. Wir mussten uns also mit einem Blick von außen begnügen. Vor dem Palast steht übrigens das riesige Kunstwerk Broken Chair. Es erinnert an die Opfer von Antipersonenminen und appelliert an die Staaten, sich für den Verbot von Streumunition einzusetzen.

FOTOSPOTS

 

12) Das Kernforschungsinstitut CERN

Dasselbe Schicksal wie mit der Besichtigung des Völkerbundpalastes ereilte uns leider auch mit dem weltberühmten Kernforschungsinstitut CERN. Weder die kostenlose Ausstellung noch Führungen wurden aufgrund der Coronaviruskrise angeboten. Nichtsdestotrotz wollten meine Freundin und ich das Gelände zumindest einmal von außen sehen. Mit der Straßenbahnlinie 18 geht es vom Hauptbahnhof in rund 20 Minuten bis zur Endstation CERN. Von dort könnt ihr übrigens schon die Staatsgrenze zu Frankreich sehen, wo ebenfalls CERN-Gebäude situiert sind. Auch wenn wir uns mit der Außenansicht zufrieden geben mussten, war es doch ein spannendes Gefühl, vor dieser bedeutenden Forschungseinrichtung zu stehen.

FOTOSPOTS

 

13) Murals: Das bunte Genf

Wenn ihr Stammleser meines Reiseblogs seid, dann kennt ihr sicherlich schon meine Vorliebe für Murals. Diese oft großflächigen Wandgemälde begeistern mich seit mehreren Jahren. In meinen Blogartikeln Wien: Diese Murals musst du sehen und Lyon: Zwischen Tradition und Moderne findet ihr sehenswerte Beispiele aus diesen Städten. In Genf kamen uns zwar keine überdimensionalen Murals über den Weg, dafür aber jede Menge kleinere bemalte Wände. Die schönsten Fotos davon findet ihr nachfolgend. Gefunden haben wir diese unter anderem im Parc Baud-Bovy, an der Promenade de la Treille und zufällig an einem öffentlichen Schwimmbad beim Wohnhaus Tour de Plage an der Avenue Vibert 16.

FOTOSPOTS

 

14) Basilika Notre-Dame de Genève

Diese Kirche stand eigentlich nicht auf unserem Programm, hat sich aber zum Glück quasi „aufgedrängt“. Die Basilika Notre-Dame de Genève befindet sich am Place de Cornavin direkt beim Hauptbahnhof und gegenüber unseres Hotels ibis Styles Genève Gare*. So sehr ich die Kathedrale (siehe Punkt 2) auch gerne in Erinnerung behalte – wesentlich eindrucksvoller empfand ich die Basilika, welche die römisch-katholische Hauptkirche in Genf ist. Alleine die durch die bunten Fenster erzeugte Lichtstimmung im Inneren imponierte mir enorm. Seit 1954 trägt sie den Rang einer Basilica minor. Wenn ihr also vorbeikommt, schaut unbedingt hinein!

FOTOSPOTS

 

15) Flohmarkt Plaine de Plainpalais

Aus ihrer Au-pair-Zeit hatte meine Freundin noch gut den Flohmarkt von Plainpalais in Erinnerung. Nostalgie ist ja etwas Schönes, also planten wir unseren Genf-Besuch so, dass wir das bunte Treiben hautnah miterleben konnten. Der Flohmarkt findet jeden Mittwoch, Samstag und am ersten Sonntag im Monat rund um den großen Plaine de Plainpalais statt. Die rote Sandoberfläche des Platzes erinnerte mich sofort an den Place Bellecour in Lyon. Das Angebot auf solchen Flohmärkten finde ich meist weniger spannend als die Menschen vor Ort. Macht euch selbst ein Bild, wenn ihr gerne zwischen Krimskrams und Schnickschnack stöbert! 😉

FOTOSPOTS

 

FAZIT

Genf hat mich wahrlich ziemlich überrascht. Meine Erwartungen waren nach einer ersten Internetrecherche ziemlich niedrig – ein großer Fehler meinerseits. Doch die Hartnäckigkeit meiner Freundin zahlt sich aus und sie überzeugte mich zum Glück, Genf einfach auf mich wirken zu lassen. Die reiche Stadt am Genfersee besticht nicht durch große, spektakuläre Sehenswürdigkeiten, sondern durch versteckte Schätze, die vielleicht erst beim zweiten Mal hinsehen ihren Reiz entfachen. Die Atmosphäre auf den Straßen und den französisch angehauchten Plätzen gefiel uns jedenfalls durchgehend und vor allem die Kulinarik blieb uns fest in Erinnerung. Schreibt mir doch einen Kommentar, wie eure Gefühle und Gedanken zu Genf sind, ich bin gespannt! 🙂

 

Genf, Schweiz: Reisebericht mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Hinweisen und Restauranttipps.Genf, Schweiz: Reisebericht mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Hinweisen und Restauranttipps.

Schreibe einen Kommentar