Györ: die barocke Überraschung

Ich liebe Überraschungen – vor allem, wenn sie Orte betreffen, die mir noch völlig unbekannt waren! Die ungarische Stadt Györ kann ich mit Begeisterung als solch eine Überraschung bezeichnen, denn sie hat alles geliefert, was einen Citytrip aufregend macht. Von einer sehenswerten, barocken Innenstadt mit kuriosen Details über gemütliche Cafés bis hin zu Köstlichkeiten der ungarischen Küche – Herz, was willst du mehr? Nach dem Lesen meines Reiseberichts zieht es euch sicher auch nach Györ!

DIE HÖHEPUNKTE IN GYÖR

Eine wundervolle, überschaubare und historisch bedeutsame Altstadt

Unzählige barocke Gebäude mit prachtvollen Fassaden

Genussvolle Momente in Cafés und ungarischen Restaurants

Das jährlich im Sommer stattfindende Fröccs-Festival

Viele spannende und kuriose Details in den Innenstadtgassen

 

Dieser Artikel wurde zuletzt am 17. August 2021 aktualisiert.


Györ (Raab)

FAKTEN

Reisezeit: Juli 2021 (2 Tage, 1 Übernachtung)
Anreise: Mit der Bahn von Wien Hauptbahnhof nach Györ Hauptbahnhof (1:09 h)
Unterkunft: Hotel Nest – Urban Rooms* (11 Árpád út): altes, barockes Gebäude (Achtung, nicht barrierefrei), sehr stilvoll zu einem Boutiquehotel renoviert, tolles Ambiente, freundliches Personal, wunderschöne Zimmer in unterschiedlichen Größen, Lage in ruhiger Seitengasse, zu Fuß schnell beim Bahnhof und in der Innenstadt (jeweils 5-10 Minuten), super Dusche, TV mit Netflix/HBO/Rakuten TV, Frühstück nicht gebucht. Weiterempfehlung? JA!
Auf meiner bevorzugten Hotelsuchmaschine booking.com findet ihr weitere schöne Unterkünfte in Györ*.

TRANSPARENZHINWEIS

*Die mit Stern gekennzeichneten Verweise in diesem Blogartikel sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn euch mein Blogartikel bei der Planung eurer Reise geholfen hat, freue ich mich, wenn ihr über diese Links eure Unterkunft oder Freizeitaktivitäten bucht. Ich erhalte dadurch eine kleine Provision und ihr unterstützt den Erhalt dieses Blogs. Für euch entstehen dabei selbstverständlich keine Nachteile. Vielen Dank! 🙂

 

Barocke Altstadt in Györ

Kleine Städte zahlen sich aus

Györ ist sicherlich nicht der erste Ort, der einem beim Nachdenken über die nächste Städtereise in den Sinn kommt. Nach meinem Besuch gibt es aber wieder einmal ein wichtiges Fazit: Städte mit relativ unbekannten Namen verdienen sich unbedingt eine Chance! 🙂 Nach einer langen Reiseflaute durch die Coronavirus-Pandemie weckte der zweitägige Trip nach Györ wieder alle Lebensgeister in mir. Zu verdanken hatte ich die Reise meiner Freundin, die mich bereits in der Vergangenheit mit Besuchen kleinerer Städte wie Znaim, Sopron, Szentendre oder Český Krumlov in Neugierde und Verzückung versetzte.

Wien – Györ in einer Stunde

Eigentlich hätte sich eine Reise nach Györ schon wesentlich früher angeboten, denn die Stadt liegt perfekt auf der Zughauptroute zwischen Wien und Budapest, die fast stündlich befahren wird. Von unserer Heimat Wien aus waren meine Freundin und ich in rund einer Stunde Fahrzeit am Ziel. Der in die Jahre gekommene und ziemlich kommunistisch anmutende Bahnhof von Györ befindet sich verkehrstechnisch ausgezeichnet nur wenige Gehminuten von der Innenstadt entfernt. Wir wählten unsere Unterkunft Hotel Nest – Urban Rooms* genau dazwischen in einer ruhigen Seitengasse – eine Variante, die ich euch ebenfalls empfehlen würde.

Stadtwappen von Györ auf einem Kanaldeckel

Györ, die historisch bewegte Stadt

Györ ist die sechstgrößte Stadt Ungarns und ein außerordentlich wichtiges Wirtschaftszentrum. Über 11.000 Menschen arbeiten im ansässigen Audi-Werk, aber auch der Modelleisenbahnhersteller Märklin betreibt hier eine große Fabrik. Die Ursprünge der Stadt gehen bis in die Antike zurück, das Stadtrecht wurde 1271 zugesprochen. Unser Aufenthalt im Juli 2021 fand also in einem Jubiläumsjahr statt: 750 Jahre Györ! Während der Türkenbelagerungen 1529 und 1683 zählte die Stadt als wichtiger militärischer Schutzschild für Wien. Nachdem das osmanische Heer zurückgeschlagen wurde, begann eine Zeit des Aufschwungs. Königin Maria Theresia verlieh dem damals Raab heißenden Ort 1743 den Titel „Königliche Freistadt“ – aus dieser Epoche resultieren die zahlreichen prachtvollen Barockgebäude.

Ein Tag ist gut – zwei sind besser

Ich begebe mich für meinen Reisebericht nun wieder in die Gegenwart und bringe euch die Highlights von Györ näher. Touristisch gesehen spielt sich alles Interessante innerhalb der Altstadt ab. Diese ist sehr überschaubar und perfekt zu Fuß zu erkunden. Im Grunde reicht ein Tag aus, um sich einen guten Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu verschaffen. Wesentlich entspannter und flexibler bei der Erkundung der zahlreichen Details der City seid ihr natürlich mit einer Übernachtung, wie es meine Freundin und ich immer bevorzugen. Abends ist die Lichtstimmung in einer Stadt einfach immer spannend! Ein weiterer Vorteil eines zweitägigen Aufenthalts: wir konnten uns völlig entspannt und spontan auf das zufällig gerade stattfindende Fröccs-Festival (siehe Punkt 8) einlassen, von dem wir vor der Anreise nichts wussten.

ALLGEMEINE TIPPS UND HINWEISE

Öffentliche Verkehrsmittel sind nicht notwendig, da alles Sehenswerte in Gehdistanz liegt. Es gibt zwar einen angeblich kostenlosen Bus in der Innenstadt (nähere Infos dazu konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen), dieser fährt aber auch nur entlang der Ränder der ausgedehnten Fußgängerzonen und ist somit nur bedingt hilfreich.

Achtung bei einem Besuch am Wochenende: die meisten Geschäfte schließen bereits am Samstag zwischen 13 und 14 Uhr! Der Sonntag ist wie gewohnt Ruhetag.

Die Tourismusinfo befindet sich in der Fußgängerzone Baross Gábor út 21. Diese ähnelt aber eher einem modernen Souvenirshop mit geringer Auswahl. Interessantes Infomaterial oder spannende Andenken fand ich dort leider nicht.

Sprachliche Barrieren kamen uns eigentlich fast gar nicht unter. Die meisten Personen der Tourismus- und Gastronomiebranche sprechen zumindest einfaches Englisch oder Deutsch.

Bargeld haben wir nicht extra abgehoben, sondern noch Restgeld von einem früheren Ungarn-Besuch mitgenommen. Unbedingt notwendig wäre es aber nicht, extra vor Ort Forint abzuheben – Kartenzahlung wurde fast überall angeboten. Eine Ausnahme stellte jedoch das Weinfestival Fröccs (siehe Punkt 8) dar, wo nur Bargeld akzeptiert wurde.

 

Platz Széchenyi térin in der barocken Altstadt von Györ

SEHENSWÜRDIGKEITEN IN DER ALTSTADT VON GYÖR

In der Einleitung dieses Reiseberichts habe ich euch schon darauf eingestimmt, dass Györ in der Altstadt alles vereint, was man sich als Besucherin oder Besucher erhofft. Nachfolgend stelle ich euch die Highlights und versteckten Details vor, die meiner Freundin und mir untergekommen sind. Viel Spaß beim Lesen!

1) Durch die Altstadt flanieren

Per Zug gemütlich ankommen, im nahe des Bahnhofs gelegenen Hotel das Gepäck abgeben und schon entspannt in Richtung Innenstadt spazieren – genau so stellten wir uns den Städtetrip vor! Die großteils autofreie Altstadt lädt wirklich dazu ein, auch ohne festen Besichtigungsplan einfach mal kreuz und quer durch die Fußgängerzonen zu flanieren und zu schauen, was auf einen zukommt. Mit offenen Augen werdet ihr auf eine Vielzahl an interessanten Details und Objekten stoßen, dazu aber gleich mehr. Die historische Altstadt war früher übrigens von einer Stadtbefestigung umgeben, die man noch heute an mehreren Stellen zumindest erahnen kann.

Unaufgeregter Spaziergang

Die Innenstadt empfanden meine Freundin und ich untertags als ungewöhnlich ruhig, unaufgeregt und sehr angenehm. Die überschaubare Anzahl an Menschen bestand unserer Wahrnehmung nach hauptsächlich aus einheimischen Paaren und Familien – ausländische Touristen wie wir bemerkten wir eigentlich kaum. Die Gassen waren absolut sauber und boten den bunten Fassaden der schmuckvoll verzierten, barocken Gebäuden einen würdigen Rahmen. Bis auf wenige Ausnahmen fiel mir keine in die Jahre gekommene Hausfassade auf. Dieser Umstand geht auf eine große Renovierungsoffensive der Stadt seit Beginn der 2000er-Jahre zurück.

Széchenyi-Platz perfekter Ausgangspunkt

Der zentrale Hauptplatz nennt sich Széchenyi tér und ist nicht nur ein perfekter Ausgangspunkt für eine Besichtigung der Altstadt, sondern auch ein super Platz zum Verweilen. Der Bodenspringbrunnen lockt an heißen Tagen Menschen und Tiere an, um sich abzukühlen. Neben einigen Lokalen und Geschäften gibt es natürlich auch historisch einiges zu entdecken – viele Beispiele dafür findet ihr in den nachfolgenden Absätzen. Erwähnenswert ist noch die Mariensäule aus dem Jahr 1686, welche zum Gedenken an die Rückeroberung Budas von den Türken errichtet wurde.

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Innenpanorama der Jesuitenkirche in Györ

2) Zwischen Kirchen und einer Synagoge

An Gotteshäusern mangelt es Györ wahrlich nicht und man muss nicht weit gehen, um eine Kirche oder die Große Synagoge vorzufinden. Ein wenig fühlten wir uns an Krakau erinnert, wo die Dichte an Kirchen ähnlich hoch ist. Während die Bauwerke von außen relativ unscheinbar wirken, ist die Innenausstattung unglaublich detailreich und imposant – teilweise optisch aber auch extrem überladen. Ein Blick hinein schadet jedenfalls nie, egal ob ihr religiös seid oder nicht. Die Kirchen sind übrigens nicht immer geöffnet, also nutzt die Chance einer Besichtigung, wenn ihr offene Tore entdeckt.

Blick in drei Kirchen

Meine Freundin und ich wussten zwar um die Schönheit der Kirchen, aus Zeitgründen betraten wir dann aber doch nur drei Bauwerke. Die bedeutendste Kirche ist die Kathedrale (Nagyboldogasszony-székesegyház) unmittelbar neben der Bischofsburg (siehe Punkt 5). Der Innenraum war wegen Renovierung komplett eingerüstet, sodass wir nur einen Blick auf den grandiosen Altar erhaschen konnten. Die Jesuitenkirche bzw. Ignatiuskirche (Győri Bencések Loyolai Szent Ignác temploma) auf dem zentralen Platz Széchenyi tér ist ein Pflichtbesuch, denn sie zählt zu den schönsten der Stadt! Ebenfalls sehr sehenswert ist die unweit gelegene Karmeliterkirche (Győri Kármelhegyi Boldogasszony templom) im Stil des italienischen Barocks.

Die Große Synagoge als Highlight

Synagogen in Europa zu besichtigen, ist leider aus Sicherheitsgründen oftmals gar nicht so einfach. Umso erfreulicher war der Umstand, dass die Große Synagoge (Győri zsinagóga) in Györ öffentlich zugänglich ist. Das Gebäude von 1870 befindet sich in Gehweite etwas außerhalb der Innenstadt und wird seit 1990 als Museum und kultureller Veranstaltungsort genutzt. Der Eintrittspreis ist in Ordnung, für das Fotografieren im Inneren muss man aber nochmal extra bezahlen. Mich fasziniert die Architektur von Synagogen mit ihrer Symmetrie, den leuchtenden Farben und spannenden Formen immer wieder aufs Neue (siehe auch mein Artikel zu Budapest)!

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Altabakhaus und Otthaus in Györ

3) Bedeutende Gebäude

Györ zählt wie erwähnt zu den schönsten Barockstädten Ungarns. Es ist also wenig verwunderlich, dass ihr bei einem Rundgang durch die Altstadt quasi ununterbrochen an sehenswerten und oft auch historisch bedeutsamen Gebäuden vorbeikommt. Interessant ist übrigens, dass sich hinter den barocken Fassaden oftmals andere Baustile wie Gotik und Renaissance verbergen. Nachfolgend stelle ich euch die wichtigsten Gebäude vor, damit ihr nichts Relevantes verpasst! Beginnen möchte ich mit einem der wenigen nicht-barocken Bauwerke, die nennenswert sind. Wenn ihr mit dem Zug anreist, ist nach dem Verlassen des Bahnhofs das Rathaus (Győr Megyei Jogú Város Polgármesteri Hivatal) unübersehbar. Mich hat es wirklich sehr beeindruckt und vom Aussehen ein wenig an das Wiener Rathaus erinnert.

Viele Museen in alten Gemäuern

Auf dem zentralen Hauptplatz Széchenyi tér reiht sich ein architektonischer Schatz an den nächsten. Hervorheben kann ich etwa das Vastuskós ház (Eisenstockhaus, Széchenyi tér 4). An dessen Ecke erinnert ein mit Nägeln gespickter Baumstamm an den alten Brauch, dass hier jeder durch die Stadt kommende Handwerker einen Nagel einschlagen musste. Im Haus selbst ist ein Museum mit Kunstwerken aus dem 20. Jahrhundert untergebracht. Gleich daneben steht das optisch herausragende Apátúr ház (Széchenyi tér 5), in dem ihr das János Xantus Museum mit archäologischen, kunsthistorischen und volkskundlichen Ausstellungsstücken findet.

Bauwerke als tolle Fotomotive

Wenige Schritte davon entfernt wartet das Magyar Ispita (ehemaliges Ungarisches Spital, Nefelejcs u. 3), mit einem Museum für griechische und römische Objekte. Der Platz davor ist ein tolles Fotomotiv! Quasi ums Eck befindet sich der Zichy-palota (Palais Zichy, Liszt Ferenc utca 20), in dem eine Ausstellung von Puppen und Möbeln aus dem 19. Jahrhundert Besucherinnen und Besucher einlädt. Geht ihr ein paar Minuten in die Altstadt zurück, fällt euch das Eckhaus Kreszta Ház (Apáca utca 1) ins Auge. In ihm sind Werke der berühmtesten ungarischen Keramikerin Margit Kovács ausgestellt.

Sehenswerte Fassaden und Verzierungen

Das wundervoll restaurierte Palais Esterházy (Király utca 17) aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beherbergt heute den Sitz des Historischen Museums mit Exponaten über die Geschichte Györs. Das Rozália-ház (Kazinczy Ferenc utca 21) besticht durch seine großartige Fassade mit Stuckverzierung. Etwas enttäuschend mutet das Napóleon-ház (Napoleon-Haus, Király utca 4) an, wo Napoleon am 31. August 1809 eine Nacht verbrachte. Das Haus wirkt von außen ziemlich verfallen und ich konnte nicht mit Sicherheit abschätzen, ob sich ein Teil des Stadtmuseums aktuell weiterhin darin befindet.

Kurioses in manchem Bauwerk

Am westlichen Ende der Altstadt steht mit dem Altabak-ház (Bécsi kapu tér 12) eines der ältesten Wohnhäuser – heute ist darin eine Bank untergebracht). Das Nachbarhaus nennt sich Ott-ház (Bécsi kapu tér 13) und weist im zweiten Stock eine Besonderheit auf. Die dauerhaft verschlossenen Fensterläden verbergen den Umstand, dass es eigentlich ein Dachboden ist. Das letzte historisch bedeutsame Gebäude, auf das ich aufmerksam machen will, ist das ehemalige Bischofsgericht (Apor Vilmos püspök tere 2). Im unscheinbaren Gebäude ist eine Ausstellung über das Lebenswerk des Bildhauers Miklós Borsos zu finden.

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Jedlikbrunnen in Györ

4) Die Stadt der Brunnen

Selten haben meine Freundin und ich eine Stadt besucht, die derart viele Brunnen aufweist. Das ist natürlich positiv gemeint, denn das Plätschern von Wasser ist immer entspannend und bringt willkommene Abkühlung an heißen Tagen. Neben dem Bodenspringbrunnen auf dem Hauptplatz Széchenyi tér (ein echter Anziehungspunkt, siehe auch weiter oben im Text) könnt ihr noch einige andere in der Altstadt entdecken. Die meisten sind „nur“ hübsch anzusehen, doch ein Brunnen sticht hervor.

Eine Sodaflasche als Brunnen

In der Fußgängerzone Jedlik Ányos utca steht neben dem Gutenbergplatz (Gutenberg tér) ein Brunnen in Form einer Sodaflasche (Jedlik szódavíz szobor). Diese Kuriosität erinnert an den Priester und Erfinder Jedlik Ányos (1800-1895), der als Vater der Sprudelmaschine und damit verbunden der Sodaflasche gilt. Jedlik ist eine immens wichtige Persönlichkeit für Györ und wird euch im Verlauf dieses Reiseberichts noch zweimal unterkommen: einmal als Denkmal und einmal beim Weinfest Fröccs-Festival! Mir ist es übrigens ein Rätsel, warum die Stadt ein derart einzigartiges und bedeutsames Objekt wie die Sodaflasche nicht in Form von Souvenirs anbietet …

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ESSEN UND TRINKEN IN GYÖR

Zwei Dinge sind meiner Freundin und mir in jeder Stadt wichtig: gut essen und gut Kaffee trinken. Beides ist in Györ absolut problemlos möglich! Wenn ihr auf der Suche nach sündhaften Torten und Kuchen seid, empfehle ich euch das Café Kuglóf Cukrászda (Kazinczy u. 23) und das Wiener Kaffeehaus Bécsi Kávéház és Cukrászda (Arany János u. 18). In beiden Lokalen kann man wunderbar im Freien sitzen und die Atmosphäre genießen!

Einen sehr intensiven und unfassbar guten Espresso oder Cold Brew gibt es im Café Kávébajusz (Bécsi kapu tér 4), wo es sich ebenfalls vor dem Lokal in der ruhigen Fußgängerzone super aushalten lässt.

Frühstück hatten wir nicht in unserem Hotel gebucht. Bei einem Spaziergang in die Innenstadt wurden wir bei JAM Juice&More (Arany János u. 11) fündig, wo wir gerade noch einen Platz ergatterten. Das bei Einheimischen offensichtlich beliebte Café punktet mit einer schönen Auswahl an kalten sowie überbackenen Baguettes, dazu gab es frisch gepresste Fruchtsäfte und Smoothies.

Ausgezeichnete ungarische Küche genossen wir in zwei Restaurants. Die Rezeptionistin in unserer Unterkunft empfahl uns das Lokal Matróz Dunaparti Kisvendéglő (Káposztás köz 1). Dort begeisterte uns nicht nur die urige Einrichtung, sondern auch die köstliche Fischsuppe sowie ein Schweinsgeschnetzeltes und gegrillter Wels in einer herzhaften Sauce mit Spätzle. Ebenfalls empfehlenswert ist das Restaurant Szegedi Halászcsárda Győr (Baross Gábor út 11-13), wo wir eine fantastische und mehr als sättigende Gulaschsuppe im authentischen Gulaschtopf verschlangen.

Für einen stilvollen (und etwas höherpreisigen) Absacker am Abend eignet sich die Weinbar Divino Győr (Széchenyi tér 7), wo es eine riesige Auswahl an ungarischen Weinen zu verkosten gibt.

 


Aussicht von der Bischofsburg auf Györ

5) Bischofsburg

Die Bischofsburg ist eine Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert und liegt unübersehbar auf einer Erhöhung in der nordwestlichen Ecke der Altstadt. Der sogenannte Kapitelhügel (Káptalandomb) stellt den ältesten Kern Györs dar und zählt somit zu den Must-sees, wenn ihr in der Stadt zu Besuch seid! Die zentralen Bauwerke sind die bereits weiter oben im Text vorgestellte Kathedrale und eben die Bischofsburg. Es gibt einige Ausstellungen zu sehen, darunter über den Märtyrerbischof Vilmos Apor, der während der Russenbelagerung im Keller der Bischofsburg Frauen versteckte und beschützte. Meine Freundin und ich waren aber nur an einer Attraktion interessiert: dem Aussichtsturm Püspökvár.

Beeindruckende Aussicht auf Györ

Der Eingang zum Turm ist einfach zu finden, den Ticketschalter mussten wir aber suchen. Er befindet sich einige Schritte vom Turm entfernt an der Adresse Káptalandomb 13 im Besucherzentrum Szent László. Tickets nur für den Püspökvár-Turm kosteten zum Zeitpunkt unseres Besuchs HUF 1.200 (ca. EUR 3,40). Mit der Eintrittskarte könnt ihr übrigens das WC im Nebengebäude kostenlos benutzen (auch am Folgetag). Der Aufstieg auf den Aussichtsturm bringt einen gehörig ins Schwitzen. Ein Hinweis für empfindliche Personen: das letzte Stück ist eine im Raum freistehende Wendeltreppe und nichts für schwache Nerven. Die Mühe lohnt sich aber: von oben habt ihr einen ungestörten Ausblick auf die gesamte Stadt und die grüne Umgebung – absolut sehenswert!

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Zunftzeichen in Györ

6) Zunftzeichen

Eine alte Tradition wird in Györ auch heute noch fortgeführt: die liebevoll gestalteten Zunftzeichen vor den Geschäften und Lokalen in der Altstadt. Wenn ihr schon einmal in Salzburg wart, dann erinnert euch an die Dutzenden, eng aneinandergereihten Zunftzeichen in der Getreidegasse. Ähnlich ist es in Györ, wenn auch nicht in dieser Dichte. Achtet beim Flanieren durch die Fußgängerzonen ganz bewusst auf die Schilder über euren Köpfen, denn viele zeugen wirklich von großer Handwerkskunst. Das bekannteste und wohl auch eines der schönsten Zunftzeichen ist das Goldene Schiff von Künstler Schima Bandi in der Straße Jedlik Ányos utca. Ein weiteres Schild des Künstlers in Form eines Drosselnestes findet ihr in der Gasse Liszt Ferenc utca. Die exakten Ortsangaben entnehmt ihr bitte einfach den Fotos unten.

Liebevolle Tradition

Die beiden Zunftzeichen von Schima Bandi kennzeichneten früher Lebensmittelgeschäfte, was aufgrund der Motive vielleicht nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar ist. Deutlich logischer sind etwa die modern gestalteten Schilder in der kurzen Gasse Dr. Kovács Pál utca, denen man einfacher ansieht, welche Geschäfte bzw. welches Handwerk sich in den darunter befindlichen Läden befindet. Die meisten Schilder in dieser Gasse sind übrigens von Lebó Ferenc gestaltet worden – ein bekannter, lokaler Bildhauer. Die Zunftzeichen sind vielleicht nicht das große Highlight unter den Sehenswürdigkeiten, mich haben sie aber aufgrund der fortgeführten alten Tradition in ihren Bann gezogen. Manchmal braucht es nur kleine Dinger, um einem Ort eine magische Atmosphäre zu verleihen! 🙂

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Kossuthbrücke in Györ

7) Sonstige Entdeckungen

Auf unserem Rundgang durch die Altstadt sind meiner Freundin und mir natürlich noch weitere sehenswerte Objekte sowie Orte untergekommen, die ich euch hier kurz zusammenfasse. Besonders erwähnenswert ist etwa das Handwerk des Blaudrucks (Kékfestés), welches typisch für Györ ist und seit Ende 2018 von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt wird. In der Gasse Dr. Kovács Pál u. 9 findet ihr das kleine Geschäft Győri Kékfestő Műhely, in dem seit 1906 die Tradition des Blaudrucks fortgeführt und präsentiert wird. Einige Meter weiter hat mir das detailreich gestaltete Bundeslade-Denkmal (Frigyláda-szobor) von 1731 imponiert. Im Jahr unseres Besuchs 2021 feierte die Stadt übrigens gerade ihr 750-jähriges Jubiläum. Eine schöne Bodenplatte zu diesem Anlass ist vor dem ehemaligen Ungarischen Spital (Nefelejcs u. 3) zu finden. Verrückt wird es auf dem großen Platz Dunakapu tér: die Spiegelskulptur „PULZUS“ lädt zu verrückten Selfies ein – ihr werdet eure Gesichter nicht mehr wiedererkennen. 😉

Abendliche Stimmung

Falls ihr eine Nacht in Györ verbringt oder es jahreszeitenbedingt schon früh dunkel ist, zahlt sich ein kurzer Gang über die schöne Brücke Kossuth híd aus. Vom anderen Ufer aus könnt ihr nicht nur perfekt den Zusammenfluss der Mosoni-Donau (Kleinen Donau) und der Raab ansehen, sondern auch eine spektakuläre Wasserspiegelung der Kathedrale, des Püspökvár-Turms und der Theologischen Hochschule genießen. Zurück auf die andere Seite und in die Altstadt zum Kapitelhügel: hinter der Kathedrale fand ich die Überreste der Sankt-Lazarus-Kirche (Szent Lázár templomrom) ganz spannend. Über einige sehr enge Gassen gelangt ihr zum Wiener-Tor-Platz (Bécsi kapu tér) mit dem sehenswerten Denkmal für den Dramatiker Kisfaludy Károly. 30 Meter weiter steht eine faszinierende Statue (Nimród-szobor), die an die Rettung von Wildtieren während einer Flutkatastrophe 1954 im Dorf Ásványráró erinnert.

Jedlik, der heimliche Star

Ein wichtiges Denkmal habe ich mir noch für den Schluss aufgehoben. Nahe des Hauptplatzes Széchenyi tér stehen die Statuen von Jedlik Ányos und Czuczor Gergely (1800-1866, Benediktinerpater, Schriftsteller und Cousin von Jedlik). Jedlik habe ich weiter oben im Text schon beim Jedlik-Brunnen kurz erwähnt. Er war ein außerhalb Ungarns wenig bekannter Physiker, Naturwissenschaftler und Erfinder. Weder seine Erfindung eines Gleichstrommotors, einer Dynamomaschine noch einer Sodawasser-Apparatur brachten ihm Anerkennung. Für Györ ist er aber dennoch ein Held, denn er gilt als Erfinder des Spritzweins (Fröccs) und wird diesbezüglich auch gebührend verehrt. Mehr dazu aber gleich im nächsten Punkt!

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Konzertbesucher während des Fröccs Festivals in Györ

8) Fröccs-Festival

In Österreich ist er als (Weißer) Spritzer bekannt, in Deutschland als Weinschorle und in Ungarn als Fröccs. Die Rede ist von Wein, der mit gekühltem Sodawasser gemischt ein köstliches Getränk ergibt! Wo der Spritzwein tatsächlich herkommt, darüber ranken sich die Mythen. Viele Länder und Orte reklamieren die Erfindung für sich, wirklich bewiesen ist aber wenig. Zumindest eines ist sicher: Jedlik Ányos hat mit dem Erschaffen der Sodawasserflasche den Grundstein für den Spritzer in Ungarn gelegt. Nicht umsonst gilt Jedlik als Stadtheld und wird mit dem kuriosen Sodaflaschen-Brunnen und einer Sodaflaschen-Ausstellung in der Tourismusinfo (Baross Gábor út 21) dauerhaft geehrt. Auch das Fröccs-Festival steht ganz im Zeichen des Erfinders.

Spritzer in allen Arten und Formen

Das Fröccs-Festival findet in Györ jährlich im Sommer statt. Auf dem Platz Dunakapu tér sind eine Menge Holzstände aufgebaut, an denen gegen freie Spende für einen guten Zweck jede erdenkliche Mischung aus Wein und Sodawasser angeboten wird. Auf Plakaten werden diese Mischverhältnisse sehr schön illustriert und mit Namen wie „Rosie“, „Hausmeister-Spritzer“, „Bodzilla“ und ähnlich kreativen Schöpfungen beschrieben. Der Wein selbst stammt sowohl aus der direkten Umgebung von Györ, als auch aus dem restlichen Landesgebiet. Ein Spritzer alleine ist schön, mit musikalischer Untermalung aber noch besser. Auf einer großen Bühne wurde eine bunte Mischung aus Metal, Folk und weiteren Musikrichtungen geboten. Auch am zweiten Tag unseres Besuchs ließen meine Freundin und ich uns nochmals vom guten Fröccs berieseln und die Gastfreundschaft vor Ort genießen – da konnte auch Regen nichts mehr gegen den rundum gelungenen Städtetrip ausrichten. 🙂

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FAZIT

Was für ein grandioser und unerwarteter Städtetrip! Györ überraschte meine Freundin und mich mit schönsten Barockfassaden und einer Altstadt zum Genießen. Die Anreise aus Wien ist schnell, der Weg ins Zentrum kurz, die Glücksmomente endlos. Jede Menge nette Cafés sowie Restaurants, ruhige Plätze und sehenswerte Orte laden dazu ein, ohne Stress die Stadt und ihre Geschichte zu erkunden. Ich kann euch wirklich schwer empfehlen, Györ einmal einen Besuch abzustatten und euch von den zahlreichen Höhepunkten selbst zu überzeugen!

 

Györ, Ungarn: Reisebericht mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.

Györ, Ungarn: Reisebericht mit Erfahrungen zu Sehenswürdigkeiten, den besten Fotospots sowie allgemeinen Tipps und Restaurantempfehlungen.

4 Kommentare

  1. Wie üblich: Ein toller Artikel von Dir!! 🙂
    In Györ war ich tatsächlich schon mal: 2006 sind wir bei unserer Radtour von Wien nach Budapest durchgekommen. Ich weiß, dass es mir damals auch ziemlich gut gefallen hat, aber meine Erinnerung daran ist seeeehr verblasst 🙂 Einiges kam beim Anschauen deiner Fotos zurück. Aber es scheint mir doch heute besser wieder hergerichtet zu sein als damals…

    1. Danke Ilona!

      Ja ich war echt überrascht, wie schön alles hergerichtet war! 🙂

      Viele Grüße
      Christian

  2. Früher hat es mich immer wieder einmal nach Ungarn verschlagen – meist nach Sopron. An Gyor bin ich auch immer nur vorbeigefahren. Was du berichtest, klingt spannend. Vor allem gefällt mir deine Begeisterung für die Stadt. Das macht Lust, auf eigene Entdeckungstour zu gehen.
    Liebe Grüße
    Carola

    1. Ja Sopron hat auch seinen Reiz trotz der kleinen Altstadt! Aber solche Orte begeistern mich einfach immer wieder. 🙂

      Viele Grüße
      Christian

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